Archiv der Kategorie: Christenverfolgung

Die Thessalonicherbriefe: Botschaft an die ersten Christen über die Letzten Dinge

Hofacker Abendbibelschule 2017 Derendingen

  1. Frohe Botschaft – Kraft und Widerstand (1. Th.1 & 2. Th.1)
  2. Mut zum Kampf um das Wort (1. Th. 2 & 2. Th.2)
  3. Der Normalfall: Gemeinde in Bedrängnis (1. Th 3 & 2. Th 3, 1-5)

  4. Wie sollen wir nun leben? (1. Th 4 & 2. Th. 3, 6-15)

  5. Was kommt auf die Gemeinde zu? (1. Th 5 & 2. Th 3, 16-18)

 

Die Thessalonicherbriefe-Botschaft an die ersten Christen über die Letzten Dinge Texte im Überblick

 

Flüchtlingsflut – Gefahr oder Chance?

Die Völkerwanderung hat begonnen

 

Es war 1992. Die Mauer war gefallen, und im Jahr zuvor war die Sowjetunion in sich kollabiert. Ich schaute eine Talk-Runde im finnischen Fernsehen nach den Abendnachrichten. Ein holländischer General vom Oberbefehlsstab der NATO war zu Gast. Die Fernsehmoderatorin fragte ihn, wozu es die NATO noch braucht. Der Eiserne Vorhang sei gefallen, der Warschauer Pakt habe sich aufgelöst, der Westen müsse sich nicht mehr gegen einen aggressiven Feind im Osten schützen. Erst ein paar Jahre später würde klar werden, dass der Zusammenprall der Kulturen (clash of civilizations) nach Huntington Probleme für den Westen auf einem ganz anderen Horizont heraufbeschwören sollte. Hinter ihrer Frage barg sich die Hoffnung, dass nicht nur die Zeit des kalten Krieges, sondern auch die Zeit der großen Konflikte weltweit zu Ende gegangen sei. Der NATO General reagierte, ohne überlegen zu müssen. Das Szenario lag klar vor Augen: Er sagte in ernstem Ton nach vorne geneigt, dass die NATO künftig eine ganz andere Rolle haben werde. Er sprach von der Bevölkerungsexplosion in Nahost und Afrika und dass wir kurz vor der nächsten Völkerwanderung stünden. Die NATO würde benötigt werden, um die Außengrenzen Europas gegen den Ansturm aus Nahost und Afrika abzuwehren.

 

Es war nicht nur Überraschung im Gesicht der Moderatorin zu lesen, sondern auch Entsetzen. Die Tageszeitungen berichteten am nächsten Tag von der sofortigen Entlassung dieses Generals. Ob das wegen Geheimnisverrats oder politisch inkorrekter Rede geschehen ist, wurde logischerweise nicht berichtet.

 

Die Bündnisse und Regierungen unserer Welt wissen schon lange davon, dass eine Völkerwanderung im Gange ist. Was wir heute erleben, ist nur der Anfang. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Flüchtlinge weltweit von 50 Millionen auf über 60 Millionen gestiegen. Kein Gebiet, aus dem die Menschen fliehen, scheint in der Lage zu sein, die Gründe für die Flucht zu beseitigen oder den Frieden wiederherzustellen. Das ist aber nur ein Faktor für die Völkerwanderung. Ein viel größerer Faktor ist die demographische Entwicklung in Europa und in den angrenzenden Ländern im Süden und Südosten.

 

Der demographische Wandel

 

Demographisch gesehen, steht unsere Volkswirtschaft in Europa vor dem Kollaps. Zwar brummt die Wirtschaft wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr, aber in den nächsten paar Jahren beginnt auf der einen Seite ein Aderlass unter den Arbeitnehmern, wenn die sogenannte Babyboomer Generation anfängt, in den Ruhestand zu gehen. Und auf der anderen Seite fehlen über 400.000 Geburten pro Jahr und die damit verbundenen Arbeitskräfte und Konsumenten.

 

Um die Jahrtausendwende wurde die Thematik der deutschen Bevölkerung bekannt gemacht im Blick auf ihre Altersversorgung. Mit der Einführung der sogenannten Riester-Rente im Jahr 2002 wurde offiziell bekräftigt, dass es wegen des demographischen Wandels nicht zu einer ausreichenden Altersversorgung für künftige Generationen in Deutschland von Seiten des Staates und der Rentenkassen kommen könne. Wegen der Geringfügigkeit der Riester-Rente nahm aber kaum jemand die Problematik wirklich ernst. Es wurde auch nichts unternommen, für einen Zuwachs an Geburten zu sorgen, geschweige denn die unsägliche Katastrophe der 150.000 Tötungen von Kindern im Mutterleib pro Jahr zu unterbinden.

In den Jahren 2005-2007 hat das Statistische Bundesamt intensive Studien zum demographischen Wandel betrieben. Die Ergebnisse waren so brisant, dass sie nur wenige Wochen lang auf der Webseite www.destatis.de abzurufen waren. Dabei waren es nicht die sehr beunruhigenden Zahlen bezüglich der Alterspyramide, die keine solche mehr ist, sondern eher einem „Altersbaum“ gleicht, sondern vielmehr die Anteile der jungen Bevölkerung mit Migrationshintergrund und die daraus zu erwartende demographische Entwicklung mit immer stärker werdenden Migrantenanteilen. In diesem Zusammenhang offerierte das Bundes-Statistische Amt die Prognose, dass bis zum Jahr 2030 der erste Muslim als Bundeskanzler gewählt werden und es zu einer muslimischen Mehrheit bis zum Jahr 2052 kommen würde. Das war freilich alles nur Prognose, aber auf statistisch-wissenschaftlicher Basis erstellt. Zu Bedenken ist dabei, dass es zu diesem Zeitpunkt noch keine offizielle Darstellung der künftigen offiziellen Migrationspolitik der Bundesrepublik gegeben hat.

Als die bereinigten Ergebnisse Monate später dann wieder auf der Webseite zu finden waren, fehlten sowohl alle Zahlen bezüglich der gegenwärtigen Bevölkerungsanteile von Menschen mit Migrationshintergrund als auch die Prognosen im Blick auf die Anteile von Migranten an der Bevölkerung und deren Religionszugehörigkeit. Es ist offensichtlich, dass Reaktionen, wie sie etwa in der Pegida-Bewegung später zutage getreten sind, damals schon befürchtet wurden.

 

Politische Konsequenzen

 

Inzwischen ist es klar, dass die Bundesrepublik über 400.000 Menschen als Nettozuwanderung jährlich braucht, um die Bevölkerungszahl stabil zu halten. Als im Sommer 2014 deutlich wurde, dass diese Zahl nicht zu schaffen war, gab es einen Alternativplan, die Bevölkerungszahl um 20 Millionen auf ca. 62 Millionen sinken zu lassen – einschließlich einer bewussten und gewollten „Renaturierung“ weiter Teile des ländlichen Raums außerhalb der Ballungsgebiete, vor allem im Osten Deutschlands, um die Kosten für die Instandhaltung der Infrastruktur in einem handhabbaren Rahmen zu halten. Schließlich reichen die Steuereinnahmen schon jetzt kaum zur Bewältigung der staatlichen Infrastrukturaufgaben. Bei einem Schwund von 25 % der Bevölkerung und der Steuereinnahmen würden die Staatskassen völlig überfordert. Dieser Vorschlag war wohl so abenteuerlich, dass er nicht mehr verfolgt wurde, obwohl es keine Lösung am Horizont zur Einwanderungsfrage gab. Die sogenannte „blue card“-Regelung hat bis zu diesem Zeitpunkt lediglich 6000 beruflich hoch qualifizierte Migranten nach Deutschland gebracht. Bei über 700.000 Abwanderungen pro Jahr – darunter viele hoch qualifizierte Arbeitskräfte, braucht die Bundesrepublik 1,2 Millionen Zuwanderungen pro Jahr, um das Geburtendefizit auszugleichen. Meiner Meinung nach ist die Bereitschaft der Bundesregierung, Flüchtlinge im großen Stil aufzunehmen, nur auf diesem Hintergrund zu verstehen. Zwar stelle ich die altruistische beziehungsweise christliche Motivation hinter der Entscheidung, alle echte Flüchtlinge kommen zu lassen, überhaupt nicht infrage, aber es ist augenscheinlich, wie Wirtschaftsvertreter – denen 600.000 qualifizierte Arbeitskräfte fehlen – Chancen in der Zuwanderung von jungen Männern sehen. In den Talkshows und Expertenrunden wird immer mehr darauf abgehoben, dass Deutschland diese Arbeitskräfte und deren Steuerzahlungen braucht.

 

Die politische und wirtschaftliche Elite haben sich längst damit abgefunden, dass Deutschland eine Völkerwanderung braucht und die damit einhergehende Veränderung in der Gesellschaft und Kultur nicht nur akzeptiert, sondern gewollt werden muss. Was zunächst nur in linken Kreisen ideologisch begründet war (die Abschaffung des Nationalismus zu Gunsten der internationalen sozialistischen Gemeinschaft), ist auch für andere politischen Richtungen zu einer volkswirtschaftlichen und politischen Notwendigkeit geworden.

Dabei „machen“ die Politiker so eine Völkerwanderung nicht – jedenfalls nicht bewusst und nicht direkt. Es sind viel größere Kräfte am Werk. Die Bevölkerungsexplosion in Nahost und Afrika erzeugt einen mächtigen Überdruck, der seinen Ausgleich sucht. Erheblicher Wassermangel in Nahost seit der Jahrtausendwende hat den Lebensraum gleichzeitig schrumpfen lassen. Parallel dazu ist in Europa durch den Bevölkerungsschwund ein Vakuum entstanden, das gefüllt werden will. Hinzu kommen ideologische Elemente, auf die ich hier nicht näher eingehen kann, die aber die israelische Autorin mit arabischen Wurzeln Bat Yeor mit ihren Untersuchungen zu „Eurabia“ hinreichend dokumentiert hat. Die unwahrscheinlichsten Koalitionen tun sich auf und es scheint keine „Schrauben“ zu geben, an denen man drehen könnte, um die Entwicklung zu bremsen oder zu ändern.

 

Gott sitzt im Regiment

 

Christen wissen aber: Gott sitzt im Regiment. Unsere Politiker machen nicht die Weltgeschichte, Gott macht sie! Der internationale Journalist Uwe Siemon-Netto schrieb das in seinem Artikel „Völkerwanderung: Eine große Chance für die Kirche“ vom 31.08.2015. Der Nahostkorrespondent und Autor Johannes Gerloff sagte das bei einem Vortrag in der Tschechei am 11.10.2015, wobei er hinzufügte: „Gute Politiker sind allenfalls gute Wellenreiter“. Menschen haben das nicht im Griff und Menschen „machen“ die Geschichte nicht.

Die Menschen in ihrer Gesamtheit machen zwar Geschichte, aber wie es schon in den Sprüchen heißt:

Der Mensch wirft das Los; aber es fällt, wie der Herr will“ (Spr. 16,33). Und in den Psalmen heißt es: „Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Herren halten Rat miteinander wider den Herrn und seinen Gesalbten: 3 »Lasst uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke!« 4 Aber der im Himmel wohnt, lacht über sie, und der Herr spottet ihrer“ (Ps. 2,2ff).

Dass Muslime in großen Scharen zu uns kommen, ist kein Zufall. Das ist nicht das Ergebnis irgendeines menschlichen Planes. Klar – Muslime planen die Kolonisation und Islamisierung Europas seit dem 7. Jahrhundert. Sie taten es von Anfang an und immer wieder gab es erneute Versuche, Europa für den Islam einzunehmen – auch in unseren Tagen. Der IS plant es, Gaddafi plante es, Erdogan hat seine Ambitionen und Intrigen, Saudi Arabien und die Emirate nehmen keine Flüchtlinge auf, weil die Krise ihren Plänen durchaus dienlich ist. Aber keiner hat die Macht, das von sich aus zu tun.

Schon die Anfänge des Volkes Israel im Alten Testament stehen unter dem Vorzeichen der Vorsehung Gottes für alle Völker. Zurückblickend auf die neue Weltordnung nach der Sintflut und dem Turmbau zu Babel sagt Mose: „Als der Höchste den Völkern Land zuteilte und der Menschen Kinder voneinander schied, da setzte er die Grenzen der Völker…“ (5. Mose 32,8).

 

Das tat er laut Paulus nicht aus Willkür oder von ungefähr, sondern weil er sein heilsgeschichtliches Ziel damit vorantreibt. In der Areopagrede Apg. 17,26 sagt er: „Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen…“ Die Geschichte der Völker und Reiche dieser Welt kann Gott nicht von seinem Heilsplan abhalten oder daran hindern, sein Werk zu tun.

 

Gott macht die Völkerwanderungen

 

Wir dürfen nicht meinen, dass Gott nur Abraham in ein anderes Land geschickt hat und dass er allein Israel aus der Fremde in ihr Land herauf geführt hat; dass er unter Esra und Nehemiah am Ende des Exils nur für die Judäer gesorgt hat. Die Bibel berichtet natürlicher in erster Linie von diesen Ereignissen, wenn von Gottes Handeln am Volk Israel die Rede ist. Aber die Bibel weiß auch davon zu berichten, dass Gott auch für die anderen Völker sorgt und ihre Geschicke lenkt. Amos 9,7 erinnert daran: „Seid ihr Israeliten mir nicht gleichwie die Kuschiter? spricht der Herr. Habe ich nicht Israel aus Ägyptenland geführt und die Philister aus Kaftor und die Aramäer aus Kir?“ In 5.Mose 32,8 haben wir schon gesehen, dass „Gott die Grenzen der Völker zieht“.[1]  Es ist aber wichtig, die bereits zitierten Worte aus der Areopagrede weiterzulesen: „Er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten“. Die Völker sollen Gott suchen. Sie werden ihn zwar im Vollsinn ohne die Offenbarung Gottes nicht finden, aber ihr Leben soll auf „den unbekannten Gott“ ausgerichtet sein, bis er sich ihnen in Christus bekannt macht.

 

 

Christenverfolgung beunruhigt und macht besorgt

 

Gerade im Blick auf die Christenverfolgung können wir das buchstabieren: Es macht Gott ganz bestimmt keine Freude zu sehen, wie seine Kinder in Bedrängnis, Unterdrückung und Verfolgung leiden müssen. Es ist nicht so, dass Gott es will, dass wir um Jesu Christi willen leiden. Und dennoch ist das Leiden seiner Kinder nicht sinnlos. Schon der Kirchenvater Tertullian hat festgestellt, dass das Blut der Märtyrer die Saat der Kirche sei. Und die Verfolgung im römischen Reich hat die Ausbreitung der Kirche nicht verhindern können. Durch Verfolgung hindurch baut Christus seine Kirche, und durch Krisen und Tiefen der Geschichte hindurch baut Gott sein Reich. Gegenwärtig werden mehr Christen weltweit unterdrückt und verfolgt als je zuvor in der Geschichte. Das 20. Jahrhundert ging in die Geschichte als Jahrhundert der Christenverfolgung ein. Mehr Christen wurden in jenen 100 Jahren um ihres Glaubens willen verfolgt als in allen 19 Jahrhunderten zuvor zusammengenommen. Die Situation der Christen hat sich in vielen Ländern der Welt seither noch verschlechtert. Vor unseren Augen werden die Christen in Nahost ausgerottet. Überall in der islamischen Welt finden Christen es zunehmend schwieriger, ein normales Leben zu führen. In keinem islamisch geprägten Land wird es für die Christen besser. Und Muslime, die in ihrer Heimat Christen unterdrückt haben, tun das sogar hier in Deutschland in ihren Flüchtlingsunterkünften.

 

Müssen Christen für die Zukunft Angst haben?

 

Viele gläubige Christen sind zutiefst beunruhigt über die gegenwärtige Entwicklung mit den Massen von Flüchtlingen und Migranten, die zu uns kommen – im vergangenen Jahr 2015 allein über eine Million Menschen. Sie machen sich Sorgen wegen des stets steigenden Einflusses des Islam bei uns in Deutschland und Europa.

Diese Sorgen sind verständlich und begründet. Unsere Welt verändert sich. Selbst auf dem Land kann man verschleierte Muslimas finden. Muslime fordern immer mehr gesellschaftliche Kompatibilität für ihre Religion und ihre Vorschriften ein. Moscheen werden in großem Stil gebaut – vielfach aus dem Ausland finanziert. Manch ein Deutscher fürchtet um den Verlust der „Heimat“. Politiker und Journalisten winken ab und behaupten, diese Sorgen seien alle unbegründet. Auf der anderen Seite kann man schon jetzt die ersten Stimmen von der gleichen Adresse hören, es sei doch selbstverständlich, dass eine Gesellschaft und eine Kultur sich wandeln müsse. Kultur sei schon immer im Wandel begriffen, und das sei gut so.

 

Die Menschen sind nicht dumm. Sie merken, dass der Wandel gewollt und unaufhaltsam ist. Und sie merken, dass sie nichts dagegen tun können. Kritiker dieser Entwicklung werden sofort mundtot gemacht, indem man sie in die rechte Ecke stellt. Das frustriert und macht Angst.

 

Aus gesellschaftspolitischer Sicht haben die Vertreter von Multi-Kulti Oberwasser. Zwar wird Multi-Kulti in regelmäßigen Abständen totgesagt, aber eine Alternative dazu ist aus oben genannten Gründen nicht zu finden.

 

Als Christen haben wir jedoch eine ganz andere Sicht auf Gesellschaft und Geschichte. Wir glauben, dass Gott im Regimente sitzt. Er hält die Fäden in der Hand. Das entbindet uns nicht von unserer Verantwortung als Staatsbürger, uns am politischen Prozess zu beteiligen. Es ist keine billige Ausrede, die wir vorschieben könnten, um unsere soziale und politische Verantwortung von uns zu schieben.

 

Wer diese Sicht sein eigen nennt, braucht bei allen Sorgen und Befürchtungen, die es im Blick auf die Zukunft unserer Gesellschaft gibt, keine Angst zu haben! Ich wiederhole: Gott sitzt im Regiment! Lange Jahre habe ich vor der naiven Einwanderungspolitik und der Islamisierung Europas gewarnt. Ein Mitglied des Bundestages hat mich gefragt, wie ich mir das so vorstelle, ob man alle Muslime wieder in ihre Heimat zurückschicken solle… Ich kann keinen politischen Willen erkennen, die Integration der zu uns kommenden Menschen wirklich voranzutreiben. Dazu müsste eine Konfrontation der Ideologien stattfinden und in ideeller Auseinandersetzung Überzeugungsarbeit geleistet werden. Stattdessen wird Vertrauen in einen toleranten Pluralismus gesetzt, der unterschiedliche Lebensauffassungen, Wertekanons und Weltbilder aushalten soll. Die Inkompatibilität von säkularem, westlichem Denken und dem islamischen Weltbild wird entweder nicht erkannt oder geleugnet. Die Politik setzt ihre Hoffnung darauf, dass ein säkularer Islam in Deutschland und Europa entstehen wird, auch wenn bis dato nur einzelne Muslime sich zu diesem Konzept bekannt haben. Selbst wenn dieser entstehen sollte, wird er keineswegs Akzeptanz durch alle Muslime finden.

 

Und dennoch brauchen wir als Christen keine Angst zu haben! Gott führt die Geschicke der Völker und der Welt. Was wir erleben, ist ein Schritt weiter in seiner Heilsgeschichte hin zu seinem Ziel, dass er für die Welt und seine Kirche gesetzt hat.

 

 

„Der Türke“ als Rute Gottes – Segen und Fluch

 

Martin Luther sagte in Reaktion darauf, als die Türken das erste Mal vor Wien standen: „Die Türken sind Gottes Rute und ihre Bedrohung Ausdruck des Zornes Gottes.“ Nun ist aber Gericht auch immer Gnade, wo es auf Einsicht trifft und die Herzen auf Gott richten kann. Wie schon angedeutet, glaube ich, dass diese „Rute Gottes“ uns zum Segen werden kann. Auch jetzt scheint die Zeit reif zu sein für den besonderen Einbruch des Ewigen in unsere Zeit. Es könnte eine historische Stunde in der Geschichte der Mission unter Muslimen werden. Anders als bei der angestammten deutschen Bevölkerung ist eine Offenheit für das Evangelium unter Muslimen da. Werden wir die Muslime unter uns als Chance und Geschenk Gottes begreifen oder sie nur als Bedrohung wahrnehmen? Das Gericht über das ehemals christliche Abendland[2] ist in vollem Gange. Wird uns das zum Segen oder zum Fluch gereichen?

 

 

Warum lässt Gott das zu?

Im nächsten Jahr feiern wir 500 Jahre Reformationsgeschichte. Was Martin Luther 1517 lostrat und von vielen anderen Menschen betrieben wurde, hat unsere Gesellschaft und die Kirchen grundlegend verändert. Es war eine brisante Zeit, in vielem mit unserer vergleichbar. Die Entdeckung der Neuen Welt 1492 hat zu einem wirtschaftlichen Aufschwung geführt wie die technologische Revolution unserer Tage. Der Islam, vertreten durch den türkischen Sultan, machte von Osten mächtig Druck auf Europa. Es war keineswegs ausgemacht, welche Macht – Okzident oder Orient – den Sieg davontragen würde. Der polnische König kam im letzten Augenblick zur Rettung Wiens und schlug die Heere des Sultans zurück.

 

Die „Türkenfrage“ hat Luther schwer beschäftigt. Er nannte den „Türken“ die „Rute Gottes“. Er warnte den dekadenten und verkommenen Westen mit seiner leb– und kraftlosen Kirche davor, dass Gott den Türken/Islam zur Strafe für die eigene Gottlosigkeit und den Abfall vom Evangelium schicke.[3] Heute, 500 Jahre nach der Reformation, bräuchten wir eine neue. Die evangelische Theologie hat de facto die vier Prinzipien der Reformation, wie Martin Luther sie verstanden hat: „allein die Schrift“, „Christus allein“, „allein durch Gnade“, „allein durch den Glauben“ -aufgegeben. Es scheint auch nicht möglich zu sein, eine neue „Reformation an Haupt und Gliedern“ von innerhalb der Kirche zu bewerkstelligen. Die Kirche wird bis dato immer reicher an Geld, aber ärmer an Zeugnis und Mitgliedern. Eine wirkliche Abhängigkeit von Christus ist nicht erkennbar. Vielleicht müssen wir das Erstarken des Islams an unseren Grenzen und in unserer Mitte als „Rute Gottes“ begreifen.

 

Es täte uns gut, gründlich darüber nachzudenken, was denn aus Gottes Sicht an unserer europäischen Kultur erhaltenswert schiene. Wir können unsere Freiheiten nicht hoch genug schätzen – allen anderen voran die „Mutter aller Freiheiten“, die Religionsfreiheit, aber wir müssen uns auch fragen, wie wir unsere Freiheiten nutzen und ob wir das verantwortungsvoll tun. Wenn das sogenannte Recht auf freie Selbstbestimmung dahin führt, dass millionenfach Kinder im Mutterleib getötet werden – vergiftet, zerschnitten, zerstückelt und abgesaugt, dass der käufliche Sex zu einer wirtschaftlichen Macht und Industrie geworden ist und den Menschenhandel und organisierte Kriminalität begünstigt, dass zur Akzeptanz von Perversionen gezwungen wird, dann ist das kein verantwortungsbewusster Umgang mit der Freiheit, die wir zu Recht schätzen. Aber seitdem Gott bei uns keine Instanz mehr ist, vor dem man Rechenschaft ablegen muss, fehlt die normgebende Instanz. Letztendlich wird der Westen an seiner Gottlosigkeit, an seiner Dekadenz und Verkommenheit scheitern. Welche moralische Kraft hat der Westen dem Islam entgegen zu setzen?

 

Segen und Fluch der Muslime bei uns

 

Ich glaube, dass es mindestens zwei Gründe gibt, warum Gott es zulässt, dass der Islam sich immer mehr nach Europa hinein ausdehnt.

 

Erstens: Es hat einen erzieherischen Grund, dass der Islam zu uns kommt.

Gott will uns an unsere Wurzeln erinnern. Er hält uns einen Spiegel vor, was Religion ohne evangelische Freiheit bedeutet. In diesem Spiegel erkennen wir, wie ausgehöhlt und leer das christliche Zeugnis bei uns ist. Das kann durchaus ein Segen sein. Unter dem Ratsvorsitz von Bischof Huber bei den Dialoggesprächen am runden Tisch mit Vertretern des Islamverbände gab es schon ein erstes Aufwachen, was das betrifft.

 

Christus ist wieder ein Thema in der Theologie geworden. Die Kirchen haben sich angesichts des Islam auf das ihnen Ureigene zurückbesinnen müssen. Ich bin überzeugt, dass je näher unsere Theologen in Tuchfühlung mit den islamischen Überzeugungen kommen, desto klarer ihr Blick für das wird, was den christlichen Glauben ausmacht.

 

Ein weiterer Vorteil ist, dass der Glaube als solches wieder „hoffähig“ geworden ist. Muslime bekennen ihren Glauben ohne Scheu in allen Medien, auf der Straße, am Arbeitsplatz, in den Schulen. Zögerlich, aber doch erkennbar kommen Christen aus ihren Verstecken und wagen es, über Glaubensthemen in der Öffentlichkeit zu reden. Das haben wir den Muslimen zu danken.

 

Auf dem Hintergrund des Islam wurde und wird deutlich, wie beliebig, konturlos und bedeutungsleer die evangelische Theologie geworden ist. Der gescheiterte Dialog mit den Islamverbänden hat die Kirche daran erinnert, dass Christus allein der Grund und das Ziel unseres Glaubens ist. So verstanden ist die „Rute“ als Erziehungsmittel nicht Fluch, sondern Segen. Sie ist es aber nur, wenn sie als Erziehungsmittel anerkannt und akzeptiert wird. Lehnt man sich gegen sie auf, wird sie nur Fluch und Strafe. Es ist wie bei Segen und Fluch überall in Gottes Wirken: Haben wir das Einsehen und tun Buße, dann kann nur Segen daraus fließen. Verhärten wir aber unsere Herzen und lehnen uns gegen Gottes erzieherisches Handeln auf, so bleibt nur der Fluch übrig.

 

Zweitens: Gott schickt die Muslime zu uns weil wir nicht zu ihnen gegangen sind!

Wie oben schon angeführt: Uwe Siemon-Netto hat in seinem Bericht für idea vom 31.08.2015 „Völkerwanderung: Eine große Chance für die Kirche. Christen sollten sich der großen Zahl einwandernder Muslime annehmen“ die Christen und ihre Kirchen zum missionarischen Handeln aufgefordert.

 

Jesus hielt seine Jünger an, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Ist es nicht jetzt Zeit zu begreifen, dass Gottes Liebe uns zur Umkehr treibt (Rö. 2,4)? Die ganze Problematik mit unserem demographischen Wandel, mit der notwendigen Zuwanderung im großen Stil, mit der Flüchtlingsnot weltweit und den bei uns Asyl Suchenden macht uns große Not. Die daraus erwachsenden Probleme des Zusammenpralls der Kulturen und des gesellschaftlichen Friedens werden uns immer mehr beschäftigen. Flüchtlinge und Zuwanderer sind nicht das Problem an sich, sondern das völlig andere Weltbild der Muslime und der missionarische und dschihadistische Eifer mancher Muslime, die unsere Gesellschaft zuerst „islam-kompatibel“ und dann „islam-konform“ machen wollen. Dabei verbieten sie sich jedwede Form der Missionierung unter Muslimen.

Noch gilt Religionsfreiheit in Deutschland. Noch können wir ungeniert und ohne Einschränkung Zeugnis von Jesus Christus geben. Aber wenn die Zahl der Muslime einen Anteil in der Gesellschaft ausmacht, dass aus Gründen der Wahrung des sozialen Friedens ihre Forderungen nach „Schutz vor Missionsversuchen“ nicht mehr ignoriert werden wird, wird die Religionsfreiheit bei uns auch im islamischen Sinne ausgelegt werden: Niemand darf einen Muslim zum Abfall vom Islam verführen. Das ist nämlich der Grund, warum weniger als 2% aller christlichen Missionare in der islamischen Welt tätig sind. Und das, obwohl der Anteil der Muslime an der Weltbevölkerung 25% beträgt und an der nicht christlichen Weltbevölkerung sogar 50%. Der „Apostel für die islamische Welt“, Samuel Zwemer (1867–1952), hat seinerzeit schon laut darüber nachgedacht, ob die Christenheit meine, der Mission- und Taufbefehl gelte nicht im Blick auf die Muslime…

Wenn unsere Zeit diesbezüglich ein besonderes Merkmal hat, dann ist es dies: Nie zuvor in der Geschichte haben so viele Muslime inmitten einer freiheitlich geprägten, demokratischen Gesellschaft gelebt. Bei uns. Nie zuvor gab es die Chance für so viele Muslime, sich Jesus Christus zuzuwenden, ohne begründete Angst vor Repressalien – auch durch den Staat – haben zu müssen. Bei uns. Nehmen wir die Muslime bei uns nur als Bedrohung oder auch als Chance wahr?

Was für Chancen sind das?

Die Kirchen schrumpfen. Das Zeugnis der Christen wird in der Gesellschaft immer schwächer. Keiner scheint ein Rezept[4] zu haben, wie die Aktualität des Evangeliums den Menschen unserer Tage überzeugend näher gebracht werden könnte. Es scheint kein Interesse in der Bevölkerung für die Botschaft vom Kreuz zu geben. Viele Theologen werfen deshalb die Kreuzestheologie über Bord.

Muslime aber sind neugierig. Viele sind desillusioniert vom Islam. Was der IS macht, erfüllt sie mit Entsetzen. Jesus fasziniert viele Muslime. Vielen ist er auch im Traum erschienen und hat sich als den Jesus der Bibel – nicht des Koran – zu erkennen gegeben. Fangen wir doch mit dem Missionsbedarf in Deutschland bei den Menschen an, die immer mehr zu uns ins Land kommen: die Menschen muslimischen Glaubens. Kaufen wir hier die Zeit aus? Die Mission unter Muslimen in Deutschland steckt immer noch in den Kinderschuhen, obwohl die erste heute noch im Gebrauch befindliche Moschee Deutschlands schon 1928 eingeweiht wurde und seit Anfang der sechziger Jahre ein ungebrochener Strom von Muslimen als Zuwanderer und Asylanten zu uns kommt. Nach dem Ansturm vom letzten Jahr 2015 ist kein Ende in Sicht.

Ich träume von einer Kirche, die in die Offensive geht und Evangelisten ausbilden lässt und einstellt, um solche Menschen für Jesus Christus zu gewinnen. Wenn die Kirche das nicht von sich aus tut, müssen wir es selbst in die Hand nehmen! Wenn es die einzelne Gemeinde oder Gemeinschaft nicht stemmen kann, dann auf der Ebene der Gemeinschaftsbezirke oder Kirchenbezirke!

Die deutsche evangelische Allianz bietet mit ihrem Arbeitskreis Migration und Integration „AMIN“ ein Forum, in dem vielfältige Hilfen und Kontakte angeboten werden: http://www.ead.de/arbeitskreise/migration-und-integration/arbeitskreis-migration-und-integration.html, der zur Gründung von lokalen AMIN-Gruppen auf Allianzbasis anregt.

 

Die schweizer evangelische Allianz bietet auch gute Hilfen an: http://www.flüchtlingen-helfen.ch.

Die Liebenzeller und Süddeutschen gehen mit gutem Beispiel voran mit Projekten in und um Stuttgart und Heilbronn, aber das ist noch ein Tropfen auf dem heißen Stein! Fordern Sie doch Hilfe von den genannten Stellen oder der Ausländerseelsorge oder dem Orientdienst an! Ich träume davon, dass Gemeinden und Gemeinschaften einen Missionar für ihr Gebiet anfordern mit der Zusage der Kostenübernahme und der Unterstützung – auch durch ehrenamtliche Mitarbeiter… Das soll kein Ersatz für den eigenen missionarischen Auftrag sein, im Gegenteil! Es könnte helfen, dass Gemeindeglieder sich in diese wichtige Arbeit mit einbinden lassen.

Mit der Gründung von EIMI (Europäisches Institut für Migration und Integration) an der AWM (Akademie für Weltmission) in Korntal haben wir eine wichtige Ressource für diesen Auftrag bekommen: https://www.awm-korntal.eu/page/ueber_uns_eimi.html.

Wie wäre es, wenn wir auf die sonst für so beklemmend wahrgenommene Situation der Islamisierung Europas nicht mit Angst reagierten, sondern sie als Chance und als Geschenk Gottes sehen würden? Warum das nicht als von Gott gestellte Aufgabe sehen? Alles Gut-Reden hilft nichts. Wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen. Der Einfluss, den der Islam als Religion in Europa hat, steigt stetig, und wir sind erst am Anfang dieser Entwicklung. Die Politik kann dies leugnen, so viel sie will, die Bürger nehmen es wahr, weil es sich nicht verbergen lässt. Die Politik muss es aus eigener Sicht leugnen, weil sie keine Möglichkeit sieht, etwas daran zu ändern. Wir aber dürfen mit Gott und seiner Macht rechnen! Wir haben eine ganz andere Perspektive auf die Situation! Die Zeichen der Zeit 2016 in der Bundesrepublik Deutschland weisen uns auf die wichtige Aufgabe, die wir in der Mission vor unserer eigenen Haustür haben. Ich bin überzeugt, dass das Zeitfenster, das wir für die Missionsarbeit unter Muslimen hier in Europa haben, sehr knapp bemessen ist. Schon in wenigen Jahren rechne ich mit Klagen der islamischen Verbände gegen Missionsarbeit unter Muslimen. Ob wir noch zehn Jahre haben? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass wir die Zeit auskaufen müssen, und darum halten wir das Thema Islam in regelmäßigen Lehrveranstaltungen bei uns im Tübinger Albrecht-Bengel-Haus unter unseren Studierenden und Freunden wach.

Lasst uns hoffen und beten, dass der Bekennermut der Christen weiter zunimmt! Letztlich ist die starke islamische Präsenz bei uns im ehemals christlichen Abendland ein Weckruf, uns auf unsere Wurzeln zu besinnen und die Gelegenheit zu ergreifen, den Muslimen die frohe Botschaft von Jesus Christus darzulegen und nahe zu bringen. Hier in Europa können wir (noch) frei unseren Glauben bekennen und bezeugen – auch Muslimen gegenüber. Hier können Muslime sich bekehren und zu Jesus Christus als Herrn und Retter bekennen, wie Thomas es seinerzeit tat: „Mein Herr und mein Gott!“ – ohne dass sie von offizieller Seite dafür bedroht oder belangt werden können. Ich glaube, dass dies eine historische Chance ist, eine Chance die nicht verstreichen darf. Es ist das Gebot der Stunde, es ist die einmalige Gelegenheit unserer Zeit. Ich glaube, dass jetzt ein Kairos da ist. Nie zuvor haben so viele Menschen in der arabischen Welt Interesse am Evangelium gezeigt. Große Scharen kommen zum Glauben an Jesus Christus durch Internet, Radio und Satellitenfernsehen. Es könnte dazu kommen, dass solche Menschen zu Missionaren für ihr eigenes Volk werden. Die strenggläubigen Muslime haben davor solche Angst, dass sie den deutschen YouTube-Kanal des Senders Al-Hayat haben sperren lassen[5]. Die Zeit ist reif wie nie zuvor für vom Islam enttäuschte Menschen, zum Glauben an Jesus Christus zu finden. Hier heißt es Carpe Diem! Gerade auch bei uns in Deutschland und Europa. Ergreife den Tag! Ich kann mir das nicht anders vorstellen, als dass, wenn wir diese historische Chance verstreichen lassen, die Gnadenzeit zu verlorener Zeit und die Chance zum Verhängnis für uns wird.

Bei allem gilt es in erster Linie auf Gottes Verheißungen zu schauen! Gottes Verheißungen gelten für sein Volk und für sein Reich. Wie viele Verheißungen hat er uns doch gegeben! Ich glaube fest daran, dass die Prophezeiung Gottes an das darniederliegende Volk Jerusalems auch uns in unserer Zeit gehört: Jer. 29,11: Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet. Die Zeit zielt auf das Ende, sein Ziel, das Ziel des Weges Gottes mit dieser Welt. Gott sitzt im Regiment. Er bringt die Muslime zu uns. Lasst sie uns zu seinem Ziel bringen, so viele sich einladen lassen!

[1] Wörtlich: „Als der Höchste den Nationen das Erbe austeilte, als er die Menschenkinder [voneinander] schied, da legte er fest die Grenzen der Völker nach der Zahl der (MT Söhne Israel / LXX „Engel Gottes“). Qumran deutet darauf, dass LXX originär sein könnte. Hier wird das, was in Dan 10:13, 20–21; 12:1 zum Ausdruck gebracht wird, dass jedes Land seinen eigenen regierenden Engel hat, vorweggenommen. Vgl. Christensen, D. L. (2002). Deuteronomy 21:10–34:12 (Bd. 6B, S. 796). Dallas: Word, Incorporated.

[2] Der niederländische Missionswissenschaftler Hoekendijk hat schon 1964 darauf hingewiesen, dass wir in einer „nach-christlichen“ Gesellschaft leben. Es sind Überbleibsel der christlich geprägten Kultur, aber unsere säkularisierte Kultur ist vom eigenen Selbstverständnis her keine christliche Kultur mehr. Appelle an die Mitmenschlichkeit finden noch durchaus Resonanz, aber nicht um Christi willen.

[3] Die radikal islamistischen Attentäter von Paris verstanden ihre Rolle bei ihren perfiden Anschlägen in just diesem Sinne. Es gibt nichts, was ihre Tat rechtfertigen könnte. Ihre Opfer suchten sie im Vergnügungsviertel der Stadt. Ihren Hass und das „Gericht Allahs“ teilten sie an die Nachtschwärmer aus. Die tiefe Verachtung, die konservative Muslime für den Lebenswandel der Menschen im Westen empfinden, wurde hier in grausamster Weise zum Ausdruck gebracht.

[4] Wenn es ein Rezept gibt, dann wird es garantiert damit beginnen, dass unser Lebensstil als Christen sich von anderen erkennbar unterscheidet. Es muss erkennbar werden, dass wir von der Vergebung Jesu leben und so zu einem neuen Leben befreit sind. Wenn euch der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei (Joh. 8,36). Um es mit dem geistigen Vater der meisten heutigen Agnostiker und Atheisten Friedrich Nietzsche zu sagen: Wenn an der Erlösung etwas dran ist, müssen wir für unsere Mitmenschen erlöster wirken. Nur so könnten wir die zurückgewinnen, die sich vom christlichen Glauben verabschiedet haben. Die Kraft Gottes im neuen Leben durch seinen Geist muss doch spürbar werden! Paulus schreibt in 1. Kor 1,18: Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft. Lasst uns um diese Gotteskraft für unsere Aufgabe im Bezeugen von Jesus Christus vor den Menschen unserer Zeit beten.

[5] Er konnte inzwischen wieder online gehen.

Christenverfolgung und Mission in der Apostelgeschichte

Vortrag beim Kongress „Gedenket der Märtyrer – Christenverfolgung heute“ auf dem Schönblick Nov. 2009

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Geschwister!

Die Aufgabe, die uns in dieser Einheit gestellt ist, weist uns auf die Anfänge der christlichen Kirche zurück und macht uns deutlich, dass das christliche Zeugnis eine doppelte Bedeutung hat: zum einen ist es das missionarische Wort und der missionarische Lebenswandel, die beide zu einem Leben in der Nachfolge Jesu Christi einladen, und zum anderen ist es das Blutzeugnis, das allzu oft seit Anbeginn der christlichen Kirche die letzte Konsequenz des Glaubens an Jesus Christus gewesen ist –  wie er für viele Glaubensgeschwister weltweit auch heute noch bleibt.

Im griechischen Text des neuen Testamentes – also auch hier im Buch der Apostelgeschichte – gibt es nur ein Wort für die zwei Seiten des Zeugnisses für Christus, sowohl für das das gelebte Zeugnis für Jesus Christus wie auch für das Zeugnis in seiner letzten Konsequenz des Leidens und Sterbens für Christus. Dieses Wort lautet martyrion.

Wenn also vom „Zeugnis“ in der Apostelgeschichte gesprochen wird, dann wird nicht unterschieden, ob das gelebte Zeugnis, oder das ultimative Zeugnis im Sterben für Christus gemeint ist. Hier macht die Bibel keinen Unterschied – wir haben diesen Unterschied nachträglich gemacht und haben den Begriff „Martyrium“ für den äußersten Ernstfall reserviert. Das ist ein Fehler. Es ist ein Fehler, den nicht nur kritische Journalisten machen, wenn sie Leidensbereitschaft unter Christen als „Fundamentalismus, Fanatismus, oder Extremismus“ ausmachen zu können meinen, sondern auch Christen machen diesen Fehler, wenn sie meinen, das Zeugnis von Jesus Christus könne grundsätzlich ohne Widerspruch geschehen. Das zeigt uns die Geschichte der frühesten Christen in der Apostelgeschichte des Lukas.

Bevor wir nun in die Berichterstattung der Apostelgeschichte einsteigen, ist ein weiteres klärendes Wort nötig:

Nicht nur das (sekundäre) Zeugnis von Jesus hat von Anfang an Widerspruch hervorgerufen. Jesus Christus selbst hat das erfahren. Er bekam nicht nur Akzeptanz und Wohlwollen zu spüren, sondern ebenfalls hass und Ablehnung. An Jesus scheiden sich schon immer die Geister. Das hat Jesus aus eigener Erfahrung, am eigenen Leibe erfahren müssen, und er wusste, dass seine Jünger damit zu kämpfen haben würden.

Dass Jesus um den ganzen Ernst des Zeugnisses für ihn gewusst hat, geht aus vielen Stellen der Evangelien hervor: etwa seine Warnung Mt 10,16 „Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe“ oder Mk 13,9 Ihr aber seht euch vor! Denn sie werden euch den Gerichten überantworten, und in den Synagogen werdet ihr gegeißelt werden, und vor Statthalter und Könige werdet ihr geführt werden um meinetwillen, ihnen zum Zeugnis“.  Und im Evangelium nach Lukas spricht Jesus in Vorbereitung für die endzeitlichen Wehen, die über die Gemeinde kommen werden Lk 21,12-17 „Aber vor diesem allen werden sie Hand an euch legen und euch verfolgen und werden euch überantworten den Synagogen und Gefängnissen“…um nur ein Paar Stellen zu nennen.

Das steht alles im Zusammenhang damit, dass Jesus seinen eigenen Weg als Leidensweg begriffen und angenommen hat. So leitet der Autor der Apostelgeschichte, der Leibarzt des Apostels Paulus Lukas das Ende seines Evangeliums und den Übergang zum zweiten Teil seines Doppelwerkes mit folgenden Worten ein:

Lk 24, 46 … So steht’s geschrieben, dass (gr.: der) Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; 47 und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Fangt an in Jerusalem 48 und seid dafür Zeugen. 49 Und siehe, ich will auf euch herabsenden, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr ausgerüstet werdet mit Kraft aus der Höhe.“

An dieser Stelle, wo Jesus im Bezug auf die alttestamentliche Prophetie die Notwendigkeit des Leidens, seines Leidens, als Grundlage für die Verkündigung, die zur Buße und Vergebung der Sünden für alle Menschen aller Nationen und aller Sprachen geschehen soll, – an dieser Stelle wird deutlich, dass gerade wegen der Schwere der Aufgabe die Jünger auf die Kraft von oben angewiesen sind. Und so nimmt Lukas in seinem Narrativ am Anfang der Apostelgeschichte den Faden hier wieder auf:

„ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“ (Apg 1,8)

Die Anfangskapitel der Apostelgeschichte zeichnen – im Gegensatz zu der weit verbreiteten Meinung, es handele sich hier um eine enthusiastisches Christentum – eine äußerst nüchternes Bild von den Anfängen der christlichen Kirche: Überforderte und verängstigte Apostel, Ungerechtigkeit in den eigenen Reihen bei der Behandlung der Schwachen, speziell der Witwen, eine wohl auf menschliche Bedürfnisse verzwungene Nachwahl für den Verräter unter den Aposteln, Betrüger in den eigenen Reihen, und der fehlende Blick für den Missions Auftrag, wie wir ihn gerade zweimal nach Lukas gehört haben. Das und anderes mehr lässt merken, wie schwierig es – auch nach Pfingsten und der Gabe des Heiligen Geistes – für die Apostel war, nachdem Jesus sich von ihnen bis zu seiner Wiederkunft verabschiedet hatte, das Zeugnis von ihm weiter zutragen.

Uns wird am Anfang der Apostelgeschichte berichtet von dem mutigen Zeugnis des Petrus im Tempel, von den Auseinandersetzungen mit dem Sanhedrin wegen der Heilung des Bettlers vor dem schönen Tor des Tempels, von den Verhaftungen und von der Befreiung aus der Haft durch einen Engel; uns wird erzählt, wie die Gemeinde durch das Pfingstereignis und die wunderbare Heilung Tausende von Menschen an Jesus Christus gläubig geworden sind und zu Jüngern Jesu wurden, wie sie einmütig hin und her in den Häusern das Brot brachen, wie sie allezeit im Tempel waren, beteten und predigten, aber Lukas verschweigt es uns hier am Anfang der Apostelgeschichte nicht, dass die Anfänge sehr problematisch waren. Die Gemeinde blieb vor Ort stecken. Nicht die Apostel, sondern ein Diakon namens Philippus wagt die ersten Ausflüge außerhalb von Jerusalem bis nach Judäa und Samarien, um Zeugnis von dem auferstandenen zu geben. Und die erste Verfolgung von Christen mit Todesfolget rifft ebenfalls einen Diakon, nicht einen Apostel. Hier erscheinen die Apostel in keinem besonders guten Licht. Petrus geht nicht voraus, sondern kommt gewissermaßen als Feuerwehr hinterher, sowohl in Samarien als auch in Antiochien, wo den Aufbrüchen nicht so recht getraut wird.

Ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, als würde ich das Verhalten der Apostel richten wollen, das ganz und gar nicht! Aber ich muss diese Tatsachen ansprechen, weil sie den Hintergrund liefern zum Verständnis der Dynamik der Verfolgung, die die erste Gemeinde erleiden musste.

Die eben erwähnte öffentliche Hinrichtung des Diakons Stephanus hat nämlich sehr viel mit den Umständen der jungen Gemeinde in Jerusalem zu tun. Durch das Pfingstereignis sind wohl hauptsächlich Diaspora Juden, die zu den hohen festen Passah und Pfingsten aus ihrer Heimat in den unterschiedlichsten Ländern des römischen Reich nach Jerusalem gereist waren, zum Glauben an Jesus Christus gekommen. Das sind Juden mit einem hellenistischen Hintergrund. Sie waren in der Regel nicht mehr des hebräischen mächtig, geschweige denn des Aramäischen, die Sprache Jesu und der Jünger. Sie sprachen die Sprachen ihrer Wahlheimat, ob Koptisch, Phönikisch, Latein oder eine der zahlreichen anderen lokalen Sprachen des römischen Reiches – und eben auch griechisch, die Lingua Franca der Antike. So lasen sie auch die heiligen Schriften in Griechisch – nach der Ausgabe der Septuaginta – wie Lukas selbst eindrucksvoll durch seine Zitate daraus zeigt. Weil sie eine andere Sprache  – und teilweise auch eine andere Kultur hatten, haben sie auch in Jerusalem ihre eigen Synagogen, wie aus Apg 6,9 deutlich wird: „Da standen einige auf von der Synagoge der Libertiner und der Kyrenäer und der Alexandriner und einige von denen aus Zilizien und der Provinz Asien und stritten mit Stephanus.“

Warum war das so, dass gerade die hellenistischen Juden den Streit vom Zaun gebrochen haben? Seither gab es für die Apostel Probleme mit den Obersten des Volkes, aber sonst waren die Jünger wohl gelitten. Apg 2,46 berichtet: „Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen 47 und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.“

Die Jünger, und die Gemeinde, die sich um sie sammelte, waren also nicht nur wohl gelitten und respektiert im Volk, sie hatten auch Erfolg mit ihrem Zeugnis von Jesus Christus!

Das sehen wir auch an dem Ausgang der Auseinandersetzung mit dem Sanhedrin Apg4,5ff nach der Heilung des Bettlers, nachdem Petrus und Johannes eine Nacht im Gefängnis verbracht hatten: „Als nun der Morgen kam, versammelten sich ihre Oberen und Ältesten und Schriftgelehrten in Jerusalem, 6 auch Hannas, der Hohepriester, und Kaiphas und Johannes und Alexander und alle, die vom Hohenpriestergeschlecht waren; 7 und sie stellten sie vor sich …  es folgt ein Verhör und Verwunderung darüber, dass einfache Leute wie Petrus und Johannes so freimütig vor den Gelehrten des Volkes, vor den Amts-und Würdenträgern mit ihrem Christuszeugnis auftreten:   14 Sie sahen aber den Menschen, der gesund geworden war, bei ihnen stehen und wussten nichts dagegen zu sagen. Sie beraten hinter verschlossenen Türen und kommen zu dem Ergebnis Vers 16 Was wollen wir mit diesen Menschen tun? Denn dass ein offenkundiges Zeichen durch sie geschehen ist, ist allen bekannt, die in Jerusalem wohnen, und wir können’s nicht leugnen.  17 Aber damit es nicht weiter einreiße unter dem Volk, wollen wir ihnen drohen, dass sie hinfort zu keinem Menschen in diesem Namen reden. 18 Und sie riefen sie und geboten ihnen, keinesfalls zu reden oder zu lehren in dem Namen Jesu.

19 Petrus aber und Johannes antworteten und sprachen zu ihnen: Urteilt selbst, ob es vor Gott recht ist, dass wir euch mehr gehorchen als Gott. 20 Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“

Die religiöse Führung erkennt durchaus die Gefahr, dass der Glaube an Jesus Christus eine hohe Attraktivität besitzt und eine Anziehungskraft auf das Volk ausübt. So verbieten sie den Jüngern, von Jesus zu reden. Diese gehen natürlich straks in den Tempel, was auch nicht verborgen bleiben kann:

Apg 5,25 Da kam jemand, der berichtete ihnen: Siehe, die Männer, die ihr ins Gefängnis geworfen habt, stehen im Tempel und lehren das Volk. 26 Da ging der Hauptmann mit den Knechten hin und holte sie, doch nicht mit Gewalt; denn sie fürchteten sich vor dem Volk, dass sie gesteinigt würden.

27 Und sie brachten sie und stellten sie vor den Hohen Rat. Und der Hohepriester fragte sie 28 und sprach: Haben wir euch nicht streng geboten, in diesem Namen nicht zu lehren? Und seht, ihr habt Jerusalem erfüllt mit eurer Lehre und wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen. 29 Petrus aber und die Apostel antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Als vorläufiges Fazit zu der Situation der angestammten Gemeinde aus der römischen Provinz Palästina können wir festhalten, dass die Schwierigkeiten erst zur Verfolgung eskalieren, wo die Jünger provozieren. Das wird auch heute verfolgten Christen angelastet, dass sie quasi an der Diskriminierung, Unterdrückung oder Verfolgung selber schuld wären, weil sie durch das „missionieren“ die Menschen, die Religion, die Kultur oder den Staat provozierten. Wir müssen festhalten: unser Glaube an Jesus Christus bringt uns per se dort in Konflikte, wo Gottes Gebot von Menschen nicht akzeptiert wird. Der Konflikt ist nur vordergründig ein menschlicher. Im Grunde geht es aber darum, dass Menschen sich nicht von Gott dreinreden lassen wollen. Christen wissen mit Petrus und Johannes: Wir müssen Gott mehr gehorchen als den Menschen – und wenn das als Provokation empfunden wird!

Trotzdem können wir die Augen nicht davor verschließen, dass mit den Aposteln relativ gelinde umgegangen wird. Sie sind im Volk beliebt, sie gehören (noch) zum System, noch sind sie nicht zu Außenseitern abgestempelt, noch sind sie nicht Opfer der Desinformation, der Propaganda, der Intoleranz, Diskriminierung oder Unterdrückung. Das alles und mehr, bis hin zu Hinrichtungen von Jakobus und Petrus wird bald folgen (wie in allen Verfolgungssituationen), aber das Problem bricht unter den hellenistischen Juden auf. Warum?

Warum gehen die griechischsprachigen Synagogen so heftig gegen Stephanus vor? Die Antwort ist eine einfache: die hellenistischen Juden sind ihre Sache nicht sicher. Sie werden von den aramäisch sprechenden Bewohnern Palästinas als „Juden zweiter Klasse“ betrachtet und behandelt. Sie müssen unter Beweis stellen, dass sie „richtige“ Juden sind. Dadurch, dass so viele von ihnen an Jesus gläubig geworden sind, sind sie bei den angestammten Bewohnern Jerusalem noch mehr in Verruf und Verdacht gekommen. Sie müssen um den Erhalt ihres zumindest halbwegs anerkannten Standes kämpfen.

Auch dies ist ein Charakteristikum der Christenverfolgung überhaupt: Christen werden vor allem dort verfolgt, wo die vorherrschende Religion, oder das vorherrschende politische System beziehungsweise das Fehlen einer funktionierenden öffentlichen Ordnung grundsätzliche Schwächen aufweist. Eine Religion, die von ihrer eigenen Überzeugungskraft überzeugt ist, eine Regierung, die das Vertrauen des Volkes genießt, diese haben es nicht nötig, Minderheiten unter Druck zu setzen oder zu verfolgen. Das Hauptmotiv für religiös bedingte Verfolgung ist Angst. Nun wissen wir, dass die Angst kein guter Berater ist, aber wir erleben es weltweit, das paranoide Regierungen oder Vertreter von Religionen die Hetze gegen Christen machen, weil sie Angst haben, ihre Vormachtstellung an oder durch die Christen zu verlieren. Ein besonders absurdes Beispiel ist die Türkei, die in den letzten 100 Jahren den Bevölkerungsanteil der Christen von ehemals über 20 % auf 0,03 % mit ihren repressiven Maßnahmen reduziert hat. Trotzdem ist die verschwindend kleine christliche Minderheit anscheinend für sie subjektiv immer noch eine Gefahr, denn es wird gegen sie in den Medien Propaganda gemacht, in Filmen und Fernsehen gegen sie gehetzt, die Ausbildung vom geistlichen Stand der Christen behindert, die Renovierung  oder den Bau von Kirchen verboten und anderes mehr.

Es gab Zeiten in der Geschichte, wo der Islam, der Hinduismus oder der Buddhismus souveräner mit den christlichen Minderheiten umgegangen sind. Zurzeit aber erleben diese Religionsgemeinschaften in den Ländern, wo sie eine überwiegende Mehrheit haben, eine Sinnkrise, sie wissen um ihre innere Schwachheit und fühlen sich auch von einer kleinen christlichen Präsenz bedroht. Es ist augenscheinlich, dass sie ihrer Sache nicht sicher sind und darum den Trend zum religiösen Radikalismus erleben.

Auch in Jerusalem der Jahre 30-32 n. Chr. gab es eine Angstbesessenheit unter den griechisch sprechenden Juden. Bei den vielen Bekehrungen unter ihresgleichen zum Messias Jesus Christus kam eine Stimmung der Angst auf, die letztlich dazu führte, dass Stephanus als erster christlicher Märtyrer zu Tode gesteinigt wurde. Seine Rede beziehungsweise seine Predigt ist ein einziges Bekenntnis zu Gottes Heilswirken in der ganzen Geschichte des Volkes Israels, dass Jesus als den verheißenen Menschensohn einschließt. Einem der jungen Theologen der Hellenisten brachte das besondere Genugtuung:

Apg 8, 1 Saulus aber hatte Gefallen an seinem Tode. Es erhob sich aber an diesem Tag eine große Verfolgung über die Gemeinde in Jerusalem; da zerstreuten sich alle in die Länder Judäa und Samarien, außer den Aposteln. 2 Es bestatteten aber den Stephanus gottesfürchtige Männer und hielten eine große Klage über ihn. 3 Saulus aber suchte die Gemeinde zu zerstören, ging von Haus zu Haus, schleppte Männer und Frauen fort und warf sie ins Gefängnis.

Was daraus folgt ist typisch für die Verfolgungssituation, die aufgrund eines lebendigen Zeugnisses entsteht: was als Gericht über die Gemeinde erscheint ist in Wahrheit große Gnade! Während die Apostel und der Kreis der Jünger, die in Palästina ihrer Heimat hatten und aramäisch sprachen von dieser Verfolgung nicht betroffen waren, sondern sogar in Jerusalem bleiben konnten, mussten die hellenistischen Christen die Stadt verlassen und fliehen. Erst hier setzt die eigentliche Missionsbewegung an. Unfreiwillig gehen die neuen Jünger Jesu aus den verschiedenen Völkern beziehungsweise Ländern zurück in ihre Heimat und nehmen das Evangelium mit. Der lateinische Kirchenvater Tertullian aus Karthago sagte im Blick auf die Christenverfolgungen, die er auch persönlich erlebte, zum Beispiel die severianische im Jahr 202: „Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Kirche“.

Das muss die antike Welt beeindruckt haben, wie die an Jesus gläubig gewordenen hellenistischen Juden durch die Vertreibung aus Jerusalem nicht den Mut verloren, sondern die Chance zum missionarischen Zeugnis in ihrer Heimat ergriffen haben! Das ist wohl auch die Dynamik hinter dem Geheimnis, dass gerade die verfolgte Kirche am stärksten wächst. Das Zeugnis ist in der Verfolgungssituation eindeutig und ohne Abstriche glaubhaft. Es besticht, wenn Menschen bereit sind, sogar ihr Leben für eine Sache zu opfern. Das inspiriert und fordert heraus. Das ficht an!

So sehen wir am Beispiel des Apostels Paulus und Barnabas, wie es gerade die junge, aus der Verfolgung  entstandene Gemeinde in Antiochien ist, die den Auftrag als erste sendende Gemeinde aufnimmt.

Auch die in Palästina beheimatete Gemeinde musste dann eine Welle der Verfolgung über sich ergehen lassen. Darin sehen wir eine weitere Dynamik der Verfolgung:

Verfolgung fängt in der Regel bei den Schwächsten an, hört aber vor den Stärkeren nicht auf:

Apg 12, 1 Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu misshandeln. 2 Er tötete aber a Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert. 3 Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen.

Unter der Ägide des kürzlich aus seinem Amt geschiedenen Ratsvorsitzenden der EKD hat sich ein Wandel im Denken der obersten Leitungsebenen der EKD vollzogen.  War bis zur EKD-Synode in Leipzig die Mission eher suspekt in den der EKD – man redete lieber von „Partnerschaft mit den jungen Kirchen“ und reduzierte das christliche Zeugnis auf diakonisches Wirken ohne Verkündigung – so entdeckte die Synode – u.a. durch den Grundsatzreferat Eberhard Jüngels – das Thema Mission für sich neu. Das hatte Konsequenzen auch für die Stellung der EKD zu verfolgten Christen. Die Kirchenleitung merkte, dass eine Kirche, die einlädt, automatisch auch unter Feuer geraten kann. Eine Kirche, die nicht einlädt, ist allen egal – aber eine Kirche, die einlädt, weckt Rivalität, Neid und Hass. Das hat in der Kirchenleitung etwas Sensibilität auch für die evangelikalen Missionsinitiativen verliehen. Man kann eben nur mitfühlen, wenn man auch selbst betroffen ist. Und das sollten sich die Christen merken, die meinen, nur die „Radikalen“ wären von Verfolgung und Widerstand betroffen: Wenn eine Verfolgungssituation aufkommt oder Unterdrückungsmaßnahmen ergriffen werden, und sie dennoch Jesus treu bleiben – wird das alles auch sie betreffen. Wie die Verfolgung in der Apostelgeschichte auch den „etablierten Jüngerkreis“ erreichte – bis hin zur Hinrichtung eines der Führungskräften aus dem engsten Kreis um Jesus (Jakobus) – so macht sie nicht halt vor Kirchen, und Christen, die sich lange in Sicherheit wägten. Das hat bei uns in der EKD die Kirchenleitung begriffen und das ist wohl auch der Hintergrund hinter den positiven Stellungnahmen zu Verstößen gegen evangelikale Missionare und Werke…

Wir sehen im Verlauf der Apostelgeschichte, im Besonderen bei den Missionsreisen des Paulus, wie vielfältig die Formen des Widerstands gegen das Evangelium und der Verfolgung sein können –  wie einerseits Störfaktoren  auf Zypern und in Philippi zunächst die Ausbreitung des Evangeliums zu verhindern scheinen (Elymas und die Herren der Wahrsagerin) und auf der anderen Seite konkrete Verfolgung durch Volksverhetzung und Lynchjustiz in Galatien zur Festigung der Gemeinde führt.

Die Versuchung durch falsche Brüder – nichts schlimmer als Verrat von innen – den Gegner von außen kann man ertragen, aber von innen…

Summa summarum – es ist beeindruckend, wie die Christen der Apostelgeschichte trotz unterschiedlichster Formen des Widerstands immer weiter machen und scheinbare Niederlagen in Erfolge verwandelten:  Priscilla und Aquilla nutzen die Ausweisung aus Rom im Jahre 55 durch Kaiser Claudius als Gelegenheit, die Gemeinde in Ephesus zu stärken – Paulus lässt sich nicht von den Hindernissen, sein Ziel in Asien zu erreichen, entmutigen, sondern lässt sich den Blick für Europa schenken, später nutzt er die Gefangenschaft zum Briefe schreiben und unterrichten…

Die Apostelgeschichte ist ein Buch ohne abschließendes Ende. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes eine „unendliche Geschichte“. Das Zeugnis von Jesus und das Leiden für Jesus gehen weiter. Aber sie gehen weiter im Wissen darum, dass am End alle Knie sich vor Jesus beugen werden und er alle Tränen abwischen wird.

 

Europa und die Religionsfreiheit – was kommt auf uns zu? 

Der Umbruch ist vorprogrammiert

Europa wird in den nächsten 40 Jahren einen Umbruch erleben, der seinesgleichen sucht. „Europa schafft sich ab“ – nicht nur Deutschland – und zwar lässt sich das rein rechnerisch erhärten: Stetig abnehmende Geburtsstatistiken von derzeit 1,3 % in Deutschland bis 1,1 % in Spanien und Italien sagen bereits alles: aus zwei mach eins… in jeder Generation seit der Geschlechtsrevolution der sechziger Jahre halbiert sich die künftige Generation. Das hat bereits vor über zehn Jahren zu der alarmierenden Erkenntnis geführt, dass in Deutschland die Kassen nicht in der Lage sein werden die Rente der Arbeitnehmer, die monatlich treu einzahlen, zu bezahlen. Die „Familienplanung“ hat nur an den Augenblick des Individuums und nicht an die Zukunft der Gesellschaft gedacht. Das Statistische Bundesamt hat schon 2007 errechnet, dass bis zum Jahr 2052 die deutschstämmigen in Deutschland eine Minderheit sein und Muslime die Mehrheit bilden werden. Das ist eine ganz nüchterne mathematische Hochrechnung: die Bundesrepublik Deutschland – wie viele anderen Länder in Europa – wird auf die Zuwanderung von jährlich hunderten von tausenden angewiesen sein, damit die Volkswirtschaft nicht kollabiert. Die angrenzenden islamischen Länder mit 70 % der Bevölkerung unter 30 Jahren werden die benötigten Zuwanderer liefern. Das ist allen Verantwortlichen im Bereich der Politik und Wirtschaft bekannt. Sie sehen dazu keine Alternative. Wie wird es nun mit Europa weitergehen, wenn eine für europäische Verhältnisse vollkommen neue Kultur und Religion anfängt, Ansprüche zu stellen? Die ersten Erfahrungen damit haben wir bereits gemacht. Außereuropäische Soziologen sagen schon länger: Europa hat sich aufgegeben.

Die Herausforderungen für Europa: Laizismus und Islam

Das ist aber nur die eine Hälfte unseres Problems. Die andere ist, dass die laizistischen Tendenzen in der europäischen Gesetzgebung dahin gehen, dass die religiösen Anschauungen und Empfindungen vor allem von bibeltreuen Christen nicht nur als nicht Schützens würdig, sondern als für die Gesellschaft „gefährlich“  angesehen werden. Eine ablehnende Haltung zu einem rein „wissenschaftlichen“ Weltbild etwa, ohne Schöpfer und ohne Richter der Welt, oder zur homophilen Lebensweise wird als „Gefahr“ für die aufgeklärte europäische Gesellschaft gesehen. Wie der Fall Åke Green in Schweden und die diversen Vorstöße gegen „Hasspredigt“ in Europa zeigen, ist es jetzt schon möglich einen Prediger zu einer Haftstrafe zu verurteilen, nur weil er eine bestimmte – inzwischen gesellschaftlich akzeptierte – Handlungsweise nach den Vorgaben der Bibel Sünde nennt. Vermehrt erheben sich die Stimmen, dass Kinder vor „homophoben“ und „kreationistischen“ Einflüssen geschützt werden müssen.

Die Religionsfreiheit muss geschützt werden

In Europa haben wir noch Religionsfreiheit – vielleicht größere Freiheit in der Ausübung unseres Glaubens als sonst wo auf dieser Welt. Gerade der Fall Åke Green zeigt, dass die Gerichte noch funktionieren: Er wurde in höchstrichterlicher Instanz nach Berufung und Vertretung durch ein internationales Team von Anwälten am Ende doch noch freigesprochen. Noch gibt es immer wieder Fälle, in denen der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (ECHR) gegen Unrecht in einzelnen Ländern bei Verstößen gegen die Religionsfreiheit seine Urteile fällt. So auch 2010 wieder zum Schutz einer Gemeinde von Gehörlosen Zeugen Jehovas in Tscheljabinsk oder der Heilsarmee in Moskau.

Religionsfreiheit ist ein zutiefst europäisches Gut und muss geschützt werden. Die Religionsfreiheit ist „die Mutter aller Menschenrechte“. Es ist unserem Judeo-christlichen Erbe zu verdanken, dass wir Religionsfreiheit überhaupt genießen. In anderen Ländern und geographischen Gebieten, die von einer anderen Religion geprägt sind, gibt es dieses Konzept der Religionsfreiheit nicht – auch nicht der allgemeinen Menschenrechte. Der Gott der Bibel hat von Anfang an auf freiwillige Zuwendung der Menschen gesetzt. Das ganze Alte Testament ist eine Geschichte von Gottes Ringen um die Liebe und Treue seines Volkes! Gott will Zuwendung, nicht blinden Gehorsam auf Grund eines Zwanges wie das etwa der Islam vorgibt durch das Gesetz gegen den „Abfall vom Islam“.

Die Ausbreitung der christlichen Botschaft im Mittelalter auf die europäischen Völker und die Etablierung der christlichen Kirchen haben dazu beigetragen, dass die im christlichen Glauben verankerten Werte der unantastbaren Würde eines jeden Menschen und seines Gedankengutes, auch seines Rechtes auf freie Meinungsäußerung, in der Kultur des Westens allgemeine Anerkennung gefunden haben. All das ist nicht zu denken ohne die christlichen Werte, die sie hervorgebracht haben. Religionsfreiheit ist ein abendländisches Exportgut geworden, das allerdings nicht überall auf der Welt geschätzt wird. So ist gegenwärtig in Indien eine Radikalisierung in der Hindutva-Bewegung zu verzeichnen. 2010 sollte im buddhistischen Königreich Bhutan entschieden sein, ob eine (!) christliche Organisation grundsätzlich registriert werden kann. Mehr als 25 Jahre nach der Verabschiedung der Islamischen Menschenrechtsdeklaration gibt es in den Mitgliedsstaaten der islamischen Welt immer noch keine Garantie der Religionsfreiheit, d.h. auch des Grundrechtes, seine Religion selbst zu wählen oder zu ändern.

Laizismus und Islam sind eine Gefahr für die Religionsfreiheit

Als Herausgeber der AKREF Nachrichten und Gebetsanliegen  beschäftigen mich in der Regel Meldungen aus nicht europäischen Ländern. Im Vergleich zu vielen Ländern der Welt haben wir nahezu traumhafte Bedingungen, in Europa unseren Glauben in unserem Alltag zu leben, im gelebten Leben umzusetzen. Das sind Rechte, die wir bei weitem nicht genügend ausschöpfen! Diese Rechte sind in den allgemeinen Menschenrechten und somit im Grundgesetz der europäischen Länder und der noch im Werden befindlichen europäischen Verfassung garantiert. Und dennoch lässt sich nicht bestreiten, dass das “Klima” in Europa, was die Religion im Allgemeinen und die Religionsfreiheit im Einzelnen betrifft, sich verändert und dabei rauer geworden ist. Die Meldungen aus Europa werden immer mehr.

Es sind vielfach atmosphärische Dinge, die uns im Blick auf diesen Sachverhalt beunruhigen, ja Sorgen machen. Hat man sich daran gewöhnen müssen, dass aufgrund der Presse- und Meinungsfreiheit christliche Werte und Glaubensgefühle verhöhnt, bespottet, mit Füßen getreten werden, so merken wir jetzt, im kulturell und religiös aufgemischten Europa es Anhänger einer anderen Religion gibt, die in keiner Weise bereit sind, solche Häme im Blick auf ihre religiöse Identität in christlicher Manier zu dulden. Im Gegenteil, ein bestimmter Flügel der in Europa lebenden Muslime testet die Grundsätze der Religionsfreiheit auf ihre Belastbarkeit und fordern lautstark ihre „Rechte“, wie sie sie sehen, gegen bestehendes, geltendes Recht ein. Das kann zur Gefahr für die Religionsfreiheit überhaupt werden!

Nehmen wir beispielsweise das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Januar 2002 zum Thema Schächten ohne Betäubung, so wurden die entsprechenden Gesetze zu Tierschutz als nachrangig zum Grundrecht der Religionsfreiheit gedeutet, obwohl es höchst umstritten ist, ob ein Betäubungsverbot aus den entsprechenden Rechtstexten des Islam abgeleitet werden kann und höchst fraglich ist, ob wir in Europa den Rahmen bieten können – oder wollen – in dem ein Scharia konformer Islam praktiziert werden kann. Nicht umsonst wird immer wieder nachgefragt, ob diese Form des Islam kompatibel zum Grundgesetz ist. Die bevorzugte Behandlung des Prinzips der Religionsfreiheit kann einen auf der einen Seite Mut machen, dass die Prinzipien der Religionsfreiheit hoch gehalten werden. Auf der anderen Seite wird erkennbar – dass unsere Europäische Rechtsprechung an ihre Grenzen gebracht wird.

Der Versuch, den Islam zu manipulieren

Was kommt auch jetzt auf uns zu mit dem staatlichen Bestreben, durch die Gründung von säkular konzipierten islamischen Fakultäten an deutschen Universitäten einen „Euroislam“ zu erzeugen? Es ist der erklärte Wille der Parteien wie der Regierungen von Bund und Ländern, durch eine gezielte Auswahl der Lehrkräfte und durch die Festlegung eines akzeptablen Kurrikulums den Glauben der hier lebenden Muslime zu verändern! Selbstverständlich würde ich mir wünschen, dass die Gläubigen sich radikal von manchen Vorstellungen und Aussagen der geltenden islamischen Jurisprudenz und Rechtsprechung distanzierten. Es ist aber eine ebenso radikale Verletzungen der Religionsfreiheit, Menschen eine ihnen fremde Art und Weise zu glauben aufzuzwingen. Die Veränderungen im Islam müssen von innen heraus kommen. Das wird meines Erachtens nur geschehen, wenn moderne Muslime selber Empörung und Entrüstung über manche Vorstellungen ihrer Glaubensgenossen empfinden und den Mut zum öffentlichen Protest aufbringen. Ich bin ein Anhänger der Kleist’schen Vorstellung, dass zwei Füße reichen, um ins Straucheln zu geraten. Wir müssen nicht und dürfen nicht nachhelfen! Wir blicken gespannt auf die in Umbruch befindliche arabische Welt und hoffen und beten, dass der Islamismus nicht den Sieg davon trägt…

Wie steht es um Europa heute hinsichtlich der Glaubens- und Religionsfreiheit?

Die Anti-Sekten Gesetzgebung Frankreichs der letzten Jahre macht es religiösen Minderheiten zunehmend schwerer, frei zu fungieren. In Belgien wird der CVJM vom Verfassungsschutz überwacht. Eine Gruppe von jungen Nordamerikanern, die in Belgien Straßenevangelisation betrieben, wurde kurzerhand ohne Verfahren deportiert. In England verlor eine koptische Christin ihre Anstellung als Stewardesse, weil sie darauf bestand, ein kleines Kreuz um den Hals zu tragen (obwohl Sikhs bei der Polizei den silbernen Armreif und den Turban als Zeichen Ihrer Religionszugehörigkeit im Dienst tragen dürfen). Spanien ist unter der gegenwärtigen Regierung einen großen Schritt in Richtung Laizismus gerückt. Demgegenüber ist eine landesweite Bewegung (Hatze oir) zum Schutz der Rechte katholischer Christen gegründet worden. In Österreich hat der Wiener Kardinal darauf hingewiesen, dass wir als Christen in der modernen Gesellschaft zu einer Minderheit geworden sind, die kreativ wirken soll und Bereitschaft zum Martyrium nötig hat. Als gläubige Christen sind wir eine Minderheit, eine Minderheit, die auch zum Leidenszeugnis für Jesus Christus künftig auch in Europa bereit sein muss.

Konservativ-christliche Positionen an den Pranger gestellt 

Nachdem der private Sender RTL im Herbst 2008 einen Themenabend den angeblichen “Evangelikalen” gewidmet hat, zog kurz danach 3sat mit einem ganzen Thementag zum Thema “Religiöser Extremismus” nach. Fazit beider Sendungsreihen sollte sein, dass der Glaube, wenn der Mensch ihn ernst nimmt, gefährlich sei. Inzwischen haben SAT1 und ARD/ZDF (zuletzt Panorama21) mit ähnlich verunglimpfenden Sendungen nachgezogen. Im April letzten Jahres haben die beiden ARD-Journalisten Oda Lambrecht und Christian Baars, in ihrem Buch „Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland“ evangelikale Christen aufs heftigste kritisiert, verunglimpft und als Gefahr für die Gesellschaft dargestellt.

Konservative Christen, ob katholisch, orthodox oder evangelisch-evangelikal haben nur das Anliegen, das althergebrachte Gut zu “konservieren”, zu bewahren. Sie werden aber neuerdings beschimpft als Neo-Konservative, Neo-Evangelikale und Neo-Charismatiker, als ob das Neo– eine Affinität zum Faschistischen nachweise. Konservative, ob Katholik, orthodox oder evangelisch-evangelikal, fühlen sich zunehmend in dieser Welt missverstanden und mutwillig falsch dargestellt. Sie werden immer mehr für borniert, hasserfüllt, machtlüstern und kriegerisch in den Medien dargestellt. Und das nicht nur in eher skurril anmutenden Fällen wie der eingangs erwähnte Fall in Moskau, wo der Heilsarmee die Betriebserlaubnis entzogen wurde, weil sie eine „militaristische Organisation” sei. Speziell die Evangelikalen werden als politische Macht dargestellt, die „mit ihren Dollars die Kriegsmaschinerie fördert und militärisch verstandene Kreuzzüge veranstalte”. Konservative Christen, die den Modernismus und speziell den Postmodernismus für eine Verfehlung halten, werden generell als suspekt betrachtet. Die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat gesagt, dass sie es nicht  für notwendig hält, mehr Religionsfreiheit einzuräumen, sondern eher die Gesellschaft „vor extremen religiösen Formen zu schützen“.

Ausblick

Toleranz wird in Europa zunehmend nicht mehr als Gewissensfreiheit in religiösen Überzeugungen verstanden, sondern als fortschreitende Loslösung von religiösen Normen auf der einen Seite und auf der anderen als ein Verbot von „zwanghaften“ religiösen Elementen, um vor dem religiösen Extremismus zu schützen. Im Namen der „Toleranz“ wird religiöse Aktivität eingeschränkt und das Recht auf freie Meinungsäußerung ausgehöhlt. Die Regierungen Westeuropas scheinen den Weg eingeschlagen zu haben, im Namen der „Gleichbehandlung“ die Rechte von Christen im gleichen Maße wie Freiheiten von religiösen Extremisten aus Staatssicherheitsgründen zu beschneiden. Wo der extremistische Islam kritisiert wird, ist man im Geiste der „politisch korrekten Sprache“ bemüht, konservative Formen des christlichen Glaubens mit zu verurteilen. So etwa der ehemalige Generalsekretär des ÖRK Prof. Konrad Reiser auf dem deutschen Pfarrertag in Kiel, der die „Gefahr von christlichen Fundamentalisten mindestens so hoch“ einschätzt, wie die von islamistischen Fundamentalisten. Will man sich bei uns in Deutschland und Europa beim geringsten gemeinsamen Nenner, was Religion angeht, treffen?

Bei allem, was uns Sorge bereitet, dürfen wir wissen: unser Herr sitzt im Regiment! Er wird seine Kirche und diese Welt zum Ziel bringen. Oder mit dem dritten Bundespräsidenten zu sprechen: „Wir wissen nicht was kommt, aber wir wissen wer kommt!“

 

(Dieser Artikel wurde veröffentlicht in: Gemeinschaft, Das Magazin für Gemeinschaften, Hauskreise, Gemeinden und Kleingruppen Nr 08/09 2011 S.4ff)

Israel: Christlich Schulen werden zum Schließen genötigt – Christen in Israel bitten um Fürbitte

AKREF/pm 11.08.2015
Wie Middle East Concern berichtet, hat eine neue Politik im Blick auf Privatschulen in Israel die Existenz dieser in Frage gestellt. Bisherige Zuschüsse vom Staat sind gekürzt worden, gleichzeitig wurden die Schulgebühren, die von den Eltern verlangt werden dürfen, gedeckelt. Mit den verbleibenden Mitteln sei es unmöglich, den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten.
Es gibt 47 christliche Privatschulen in Israel, die vorwiegend von Palästinenstern und israelischen Arabern besucht werden. Die Vertretung der Christlichen Schulen in Israel hat in einem Pressebericht vom 9.8.2015 die Befürchtung geäußert, das die christlichen Schulen zum Schuljahresbeginn nicht werden öffnen können.  Ein Gespräch mit dem Präsidenten Reuven Rivlin und dem Kultusminister Naftali Bennet ist für Ende August anberaumt. Christen in Israel bitten um Fürbitte, das in dem Gespräch eine Lösung zum Fortbestehen der Schulen gefunden werden kann.

“Sie werden euch hassen!” – Christenverfolgung weltweit nimmt zu

von Pfr. Dr. Paul C. Murdoch

Dass Jesus mit seiner Botschaft auf Ablehnung stoßen würde, war ihm bewusst. Seine Jünger warnte er: “Ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe, darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben”. Er sagte ihnen weiter “sie werden euch hassen”.  Seien wir uns darüber im Klaren: Auch wenn es eine Vielzahl von Erklärungen für das Phänomen der Christenverfolgung gibt – Christen werden aus einem Grunde in Wirklichkeit verfolgt. Sie werden verfolgt, weil die Botschaft, die sie bringen, bestehende Strukturen in dieser Welt verändern will. Diese Veränderung ist eine Bedrohung für die Mächte, die regieren. Nicht die Menschen, die sich Christen nennen, sind das Objekt des Hasses, sondern die Botschaft, die sie vertreten und verbreiten. Je mehr sich diese Botschaft verbreitet, desto größer ist der Widerstand. Das erklärt, warum nicht missionierende Kirchen eher in Ruhe gelassen werden. Es erklärt ferner, warum die Christenverfolgung stetig zugenommen hat bis in unsere Tage hinein. Das zwanzigste Jahrhundert allein brachte mehr an Opfern von Christenverfolgung als alle neunzehn Jahrhunderte zuvor.

Nicht jeder verfolgte Christ ist ein Märtyrer im Sinne von Blutzeugen. Als geringsten gemeinsamen Nenner für alle Definitionen, die für “verfolgte Christen” verwendet werden, nenne ich folgende: Ein verfolgter Christ ist einer, der nicht verfolgt würde, wenn er den Namen “Christ” nicht trüge. Dabei dürfen wir nicht verkennen, dass es in der Regel einen vordergründigen Anlass für die Christenverfolgung gibt, der es scheinen lässt, dieser Christ würde aus anderen Gründen verfolgt werden als aus Glaubengründen. In den allerseltensten Fällen wird Aggression direkt mit einer Christusfeindlichkeit begründet.

Verfolgungssituationen entstehen nicht spontan. Es ist immer eine Entwicklung zu erkennen, die zur Verfolgung führt. Werden Christen in ihrer Andersartigkeit zunächst toleriert, führen Argwohn oder auch bewusste Ablehnung der Glaubensinhalte oder Lebensweise der Christen zu einer Art Duldung, die negativ besetzt ist. In diesem Klima entsteht in erster Linie Desinformation, die die öffentliche Meinung gegen Christen anheizt – wie wir es im Rahmen von Christival in Bremen, der Pro Reli Initiative in Berlin, “Q-Rage”, dem Marburger Seelsorge- Psychotherapiekongress sowie in diversen Fernsehreportagen und dem neu erschienen Buch “Mission Gottesreich” aktuell erleben. Erst auf Grund gezielter Desinformation entsteht ein Klima, in dem Diskriminierung und Unterdrückung für “normal” angesehen werden. Gezielte und systematische Verfolgung wird von einer Gesellschaft erst praktiziert oder geduldet, wenn entsprechende Feindbilder aufgebaut und diskriminatorische Praktiken sich etabliert haben. Die Dynamik der Verfolgung kennt also folgende Stadien, die fließende Grenzen haben und teilweise auch parallel laufen:

Toleranz 

  Duldung 

  Desinformation 

  Diskriminierung 

  Unterdrückung 

  Pogrom artige Ausschreitungen 

  gezielte Verfolgung 

  systematische Verfolgung 

Es sind drei Umgebungen, in denen die Unterdrückung und Verfolgung von Christen in größerem Maße vorkommt:

A. ausgesprochen religiös begründete Verfolgung

B. Verfolgung durch totalitäre Staaten/Despoten

C: Verfolgung durch korrupte Systeme

Die Stufen der Verfolgung und die Bereiche, in der die Verfolgung vorkommt, möchte ich anhand von einigen wenigen Fallbeispielen verdeutlichen. Die Liste der Länder und der Formen der Verfolgung/Unterdrückung ließe sich beliebig erweitern.

 

A. ausgesprochen religiös begründete Verfolgung

Indien

Eine seit dem von Hindutva-Aktivisten verübten Mord and Missionar Staines und seine Söhne nicht mehr gebrochene Kette von gewalttätigen Übergriffen gegen Christen erreichte ihren vorläufigen Höhepunkt im September 2008, als im Bundesstaat Orissa 50.000 Christen aus ihren Häusern und Dörfern vertrieben wurden. Zirka 200 von Ihnen wurden kaltblutig ermordet, Frauen und Kinder in ihren Hütten und Häusern verbrannt. Wenige haben bislang in ihre Dörfer zurückkehren können und leben noch in Flüchtlingslagern. Hoffentlich entspannt sich die Lage jetzt nach den Wahlen in Indien. Die Übergriffe sind in ihrer Brutalität und Grausamkeit bewusst als Warnung an die christliche Bevölkerung, den status quo des hinduistischen Systems nicht zu stören.

Türkei

Weil das “Türkentum” auch am Islam festgemacht wird, werden andere Ethnien – oder auch Gruppen türkischer Abstammung anderer Religionszugehörigkeit – an den Rand der Gesellschaft,  oder auch über denselben hinaus gedrängt. Vor weniger als 100 Jahren hatte die Türkei mehr als 20% Christen in der Bevölkerung, darunter griechisch orthodoxe, syrisch orthodoxe und armenisch orthodoxe Christen. Heute sind es weniger als 0,2%. Hier sind die Stufen 6. – Pogrom artige Ausschreitungen, 7. – gezielte Verfolgung, und 8. – systematische Verfolgung voll implementiert gewesen. Heute sind es die Stufen 2 – 6, mit denen die in der Türkei verbleibende winzige Minderheit zu tun hat. Zuverlässige Zahlen über “heimliche Christen” – vor allem unter den Aleviten, die ebenfalls unterdrückt werden, kann es naturgemäß nicht geben.

In der Zeit vor und nach den Morden an drei Christen in Malatya im April 2007 gab es verstärkt Desinformation und Propaganda gegen Christen in den türkischen Medien. Katholische Priester sind mehrfach überfallen worden. Der armenisch-türkische Publizist Hrant Dink war Anfang 2007 von einem jungen Ultranationalisten ermordet worden. Unbekannte haben am 4. November 2006 im Westen der Türkei eine protestantische Kirche mit Brandsätzen angegriffen. Monate lang wurden die Protestanten in Odemis,100 Kilometer von Izmir  von Unbekannten schikaniert.  Trotz wiederholter Anzeigen durch den Pastor, unternahm die Polizei nichts. Erst nach den jüngsten Angriffen untersucht sie mit einer Antiterroreinheit den Vorfall.

Pakistan

In Pakistan kommt es regelmäßig zu Übergriffen gegen Christen. Christen wegen “Blasphämie”, worauf die Todesstrafe steht – auch wenn sie noch nicht angewandt wurde -, an zu zeigen ist ein probates Mittel diese schutzlosen Menschen empfindlich zu treffen. Oft nehmen Muslime die Dinge aber auch selbst in die Hand. Entführungen, Vergewaltigungen und Zwangsbekehrungen von Frauen sind – wie in Ägypten auch – eine ständige Gefahr für junge Christinnen. Vor Ostern  ist ein christlicher Journalist mit seiner Familie untergetaucht, weil er Todesdrohungen extremistischer Muslime erhalten hat. Der 43-jährige George Masih hatte sich im vorigen Jahr in mehreren Artikeln in der Zeitung Aaj Kal (“heutzutage”, Lahore) für mehr Demokratie ausgesprochen. Daraufhin erhielt er Drohbriefe von der islamischen Organisation Tanzeem. Wenn er und seine Familie nicht Muslime würden, müsse er mit „schlimmen Folgen“ rechnen. Seit neuestem müssen Christen in von den Taliban kontrollieren Gebieten die islamische Kopfsteuer für Christen entrichten.

Indonesien

Selbst in diesem sonst eher besonnenen Vielvölkerstaat und zahlenmäßig größten islamischen Staat der Welt kommt es immer wieder zu religiös motiviertem Hass gegen Christen mit grausamen Folgen. Die Brandschatzung von 400 Kirchen und zahllosen Dörfern in einem Monat auf den Molukken mit Hunderten von Toten, die grausame Köpfung dreier Teenager-Mädchen auf Poso, die Verurteilung zu mehrjährigen Haftstrafen für Sonntagsschullehrerinnen und Bomben- sowie Maschinengewehranschläge auf Kirchen in den letzten Jahren seien nur als einige, wenige Beispiele genannt.

Ägypten

Die starke christliche Minderheit der Kopten (8-12% der Gesamtbevölkerung und ursprüngliche Bewohner Ägyptens) wird konsequent unterdrückt. Die Einhaltung der Vorgaben des “Pakt von Umar”aus der Expansionszeit des Islam wird implizit heute noch von den Christen erwartet. So wurde kürzlich ein 14jähriger koptischer Christ, der während einer vorbeiziehenden islamischen Beerdigungsprozession nicht von seinem Esel stieg, noch während der Prozession verschlagen und es wurden gegen Läden christlicher Kopten Steine geworfen. Die Polizei griff erst mit großer Verzögerung ein und nahm 50 Kopten und 10 Muslime fest.

B. Verfolgung durch totalitäre Staaten/Despoten

Gott sei Dank ist die Zahl der totalitär geführten Staaten gesunken. Aber es Gibt sie noch – wie etwa Eritrea, wo über 2000 Christen wegen ihres Glauben unter übelsten Bedingungen – teilweise sogar in Schiffscontainern – inhaftiert sind. Auch hier nur einige, wenige Beispiele:

Nordkorea

In Nordkorea gibt es gezielte und systematische Verfolgung von Christen. Im April 2005 wurde zwar berichtet, es entstünden wieder Kirchen in Nordkorea, einem Land, das lange Zeit für seine Feindseligkeit gegenüber jeglicher anderen Religion, besonders dem Protestantismus, bekannt war. Aber bislang lässt sich keine Lockerung verifizieren. Im Gegenteil wird in letzter Zeit die Schraube weiter zugedreht. Es wird sogar von den Staatssicherheitskräften auch aktiv im angrenzenden China nach aktiven Christen aus Nordkorea gesucht. In der stalinistischen Ideologe haben sich Risse gebildet und die nordkoreanische Regierung hat Angst, die Kontrolle zu verlieren, da sich immer mehr organisierte Gruppen von Christen bilden. Religionsstatistiker gehen davon aus, dass sich über 400.000 Christen im Verborgenen treffen. Vermutlich sind bis zu 100.000 in Arbeitslagern eingesperrt. Aus China ausgewiesene nordkoreanische Flüchtlinge drohen in ihrer Heimat harte Strafen, sogar Hinrichtungen. Flüchtlinge berichteten, dass Kinder abgeschobener Frauen getötet würden.

Das ist überhaupt der Punkt in totalitären Staaten. Die Oligarchie hat Angst, dass Menschen eine andere Autorität anerkennen könnten als ihre eigene. Besonders schlimm für sie ist es, wenn Menschen in Gott eine absolute Autorität anerkennen und dadurch die staatliche Autorität relativieren (Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen, Apg 5,29).

Vietnam

Der Vorsitzender der baptistischen Kirche in der Kreisstadt Long Khanh, Pastor Than Van Truong, sollte in der Psychiatrie zum Schweigen gebracht werden. Der ehemalige frühere Hauptmann der vietnamesische Volksarmee geriet ins Visier des vietnamesischen Geheimdienstes, als er sich öffentlich zum Christentum bekannte und Baptist wurde. Er verlor deswegen seine Kriegsinvalidenrente. Seit 1996 wurde er mehrmals verhaftet. Er war zunächst ohne Gerichtsurteil wegen angeblicher Schizophrenie in einer psychiatrischen Klinik und wurde mit starken Medikamenten behandelt, so dass er zeitweise unter Lebensgefahr stand. Nachdem er seine Entlassung aus der Klinik gefordert hatte, vervierfachten die Ärzte die Medikamentendosierung, die erhebliche motorische und vegetative Störungen zur Folge hatte. Er wurde als gebrochener Mensch entlassen.

Die Bergstämme Vietnams, die Christen geworden sind, werden systematisch unterdrückt, von Ihren Ländereien vertrieben, ihre Kirchen zerstört u.a.m.

Birma/Myanmar

Lange haben die Militärs den Buddhismus instrumentalisiert – vor allem im Kampf gegen die Christen unter den Karen, den Karenni, den Chin und den Kachin. Unter den Minderheiten im Norden des Landes kam es in den letzten Jahren zu großen Zuwächsen in den Kirchen. Es entstanden neue christliche Gemeinden. Das passt weder den Militärs noch den buddhistischen Funktionären. Sie wollen einen einheitlichen Staat: ein Volk und eine Religion. Alles, was sich dieser Ideologie widersetzt oder was in den Augen der Militärjunta diesem Ziel widerspricht, wird erbarmungslos ausgemerzt. Die Karen leiden seit vielen Jahren unter den harten „Strafaktionen“ der Armee. Dörfer werden niedergewalzt, Kinder als Söldner missbraucht, die Frauen vergewaltigt und die Männer erschossen. Pastor Om Kee wurde im Jahr 2003 entführt. Seitdem hat die Familie kein Lebenszeichen von ihm erhalten. Es wird angenommen, dass er im Gefängnis ermordet wurde.

Solche totalitären Staaten suchen das Volk zu einem Einheitsmenschen zu klonen. Christen, die sich als das Ebenbild Gottes verstehen, lassen das nicht mit sich machen, darum werden sie von der Regierung verfolgt.

 

Laos

Auch in Laos nimmt die Regierung Christen aus Volksstämmen ins Visier. In der letzten Märzwoche 2005 wurden 24 christliche Bru aus vier Dörfern in Muangphin verhaftet. Die Gläubigen sind geschlagen worden, als sie ihrem Glauben nicht abschwören wollten. Sie sind bei glühender Sonnenhitze ohne Hemd oder Nahrung ein bis  zwei Tage lang an Pfähle gefesselt und mit roten Ameisen gepeinigt worden. Einige Gefangene hätten halb nackt und mit Stricken gefesselt stundenlang in einer von Waldameisen wimmelnden Dschungelgegend ausharren müssen.

C: Verfolgung durch korrupte Systeme

Gott ist ein Gott der Ordnung, der aus dem Chaos “Kosmos” – Ordnung geschaffen hat. Sein Widersacher versucht diese Ordnung zu zerstören. In Ländern und Gebieten, wo die öffentliche Ordnung nicht durch den Staat aufrecht erhalten wird, wie z.B in Chiapas (Mexiko), Coca-anbaugbiete in Bolivien und Kolumbien oder im von Anarchie erschütterten Irak, gibt es weder Schutz für Christen, noch ein staatliches Interesse daran.

Kolumbien

Die Verfassung Kolumbiens, z.B., garantiert Religionsfreiheit, die jedoch durch die ständige Gewalt vonseiten Guerillagruppen, der Drogenkartelle, korrupten Behörden und traditionellen indianischen Religionsgruppen gefährdet ist. Engagierte, missionarisch aktive Christen gelten als Feinde oder Verräter. Sie sind oft Ziel von Mordkomplotten; immer wieder werden Missionare bedroht, entführt und ermordet. Nicht wenigen Christen hat ihr Eintreten gegen das organisierte Verbrechen den Tod gebracht. Christ zu werden, ist für einen Guerillero so gefährlich, dass er deswegen umgebracht werden kann. Das Christentum steht im Gegensatz zur marxistischen Weltanschauung und einer Kultur der Gewalt. Im April 2009 sind wieder drei evangelistisch tätige Christen ermordet worden.

Irak

Anfang April 2009 gab es nach einer kurzen Ruhepause erneute Christenmorde im Irak. In Bagdad und Kirkuk wurden vier Christen ermordet. Es lässt sich kaum festlegen, ob das extremistische Muslime mit reinen politisch-religiösen Motiven sind, oder kriminelle Banden hinter solchen Anschlägen stecken. Selber machen nämlich die Banden diesen Unterschied nicht. Die irakischen Christen leiden seit der Invasion 2003 sehr unter gewalttätigen Übergriffen, Plünderung, Mord und Vergewaltigung. Die Christen können sich auf den Schutz des Staates nicht verlassen.

Simbawe

Auch in Simbawe geraten Kirchen und Christen, die gegen die Willkür und den Despotismus protestieren, unter Druck. Manchen bleibt nur der Weg ins Exil.

Fazit:

Die Gründe für Christenverfolgung sind unterschiedlich – und hängen doch letztlich zusammen (s.o.). Dabei spielen verschieden Aspekte eine Rolle: wo Menschen Christen werden und ihren Lebensstil ändern wird die Angst in der Gesellschaft vor Veränderung allgemein angesprochen. Argwohn vor dem Unbekannten und Fremden rufen Ablehnung hervor. Autoritäts- und Machtgefüge könnten ihre Vormachtstellung verlieren, wo Menschen in Christus ihre Würde und Freiheit entdecken.  Diese Dinge könnten als soziale oder politische Gründe für die Verfolgung von Christen angesehen werden. Sie können es vordergründig auch sein.  Aber hinter dem allem sind geistliche Beweggründe am Werk. Der Fürst dieser Welt will sich nicht geschlagen geben – obwohl er am Kreuz besiegt worden ist und Jesus am Ende der Zeit den Sieg davon tragen wird und das eintritt, was im Phipipperhymnus verheißen ist: „in dem Namen Jesu sollen sich beugen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen sollen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.”(Phil 2,10f)

Christen werden verfolgt, weil sie die Herrschaft Jesu über sich und über diese Welt anerkennen. Das stört die Machtgefüge, das fordert geistlichen Widerstand heraus. Das ist nicht immer gleich zu erkennen. Oftmals werden Übergriffe auf Christen als „politisch motiviert“ abgetan. Unterdrückung von Christen durch die Mehrheitsgesellschaft wird als „ethnisches Problem“ beschrieben. Oberflächlich betrachtet kann das sogar stimmen. Aber dahinter verbirgt sich eine eigene Dynamik, die oben beschrieben wurde.

Dr. Paul C. Murdoch gibt in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Arbeitskreises Religionsfreiheit der Deutschen Evangelischen Allianz (AKREF) 14-tägig einen kostenlosen E-Mail-Rundbrief mit Gebetsanliegen für verfolgte Christen (ein kurzes Anliegen pro Tag) sowie ausführliche – ebenfalls kostenlose –  AKREF-Nachrichten  heraus (25-75 S.). Er ist Pfarrer der Württembergischen Landeskirche und Studienleiter im Albrecht-Bengel-Haus ab 1.9.2009.

Wenn Sie die AKREF-Gebetsanliegen bestellen möchten, schicken Sie bitte eine leere Mail an listmgr@ead.de mit dem „Betreff“ (RE:) „subscribe akref-gebetsanliegen“ (ohne Anführungszeichen). Um die ebenfalls kostenlosen AKREF-Nachrichten zu bestellen, schicken Sie ebenfalls eine leere Mail an listmgr@ead.de mit dem „Betreff“ (RE:) „subscribe akref-nachrichten“ (ohne Anführungszeichen).

Warum lässt Gott es zu? – Christ sein und Leiden

einige Gedanken als Skizze…

1.Petr. 3, 17 Denn es ist besser, wenn es Gottes Wille ist, dass ihr um guter Taten willen leidet als um böser Taten willen. 18 Denn auch Christus hat einmal  für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist.

Schon immer fragen Menschen, warum es das Leid gibt und warum Gott das Leid zulässt. Fünf Gedanken sollen uns die Thematik näher bringen:

1) Das Leiden als Kondition des Lebens in einer gefallenen Welt

Es ist besser, wenn es Gottes Wille ist, dass ihr um guter Taten willen leidet als um böser Taten willen”. In erster Linie leiden wir um unserer bösen Taten willen.

1 Mose 3 17 sagt was die Konditionen unseres Lebens in der gefallenen Welt sind: “verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. 18 Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. 19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.”

Das Leiden gehört zum Leben in der durch Sünde verdorbenen Welt. Weil der Mensch sich auf Gott, auf seine Fürsorge und seine Wegweisung nicht vertraut hat, trägt er als Folgen. Seine Wahl, dem Teufel mehr als Gott zu vertrauen, bedeutet, die Beschwernisse des Irrwegs auf sich nehmen zu müssen. Wenn ich vom richtigen Weg abkomme, dann habe ich die Folgen des schlechten, beschwerlichen Wegs zu tragen.

2) Das Leiden als Erziehungsmittel Gottes

Manchmal führt uns Gott aber schwere Wege, ohne dass eine spezielle Schuld vorliegt, ohne, dass dies als Konsequenz der eigenen Sünde zu werten wäre. Aber selbst dort, wo Gott straft, dort segnet er auch. Die Strafe ist nicht das Ziel, die Strafe ist die Lösung. Gott kann Leid in Segen verwandeln, wie wir an zahlreichen biblischen Gestalten sehen können:

Josef – Ohne die scheinbaren Irrwege seine Lebens, wäre Josef nie dorthin gekommen, wo Gott ihn haben wollte und wo er am Segensreichsten wirken konnte. Hiob – Gibt es irgend ein Leid, dass Hiob zur Ablehnung Gottes berechtigte?  Seine Frau beschwört ihn: “Verfluche doch dein Gott und sterbe!” Hiob bleibt aber treu. Er weiß im Grunde seines Herzens, dass Gottes Weg der einzige, und darum beste Weg für ihn ist. David – Gott mutete David eine lange Warte- und Vorbereitungs- Zeit zu. Als Jugendlicher, vielleicht sogar noch als Kind schon gesalbt zum König Israels, musste er  Jahrzehnte auf die Erfüllung warten. In dieser Zeit ist er unter widerwärtigen Bedingungen zur Aufgabe herangereift. Jeremia – Der Prophet zeigt uns: Klagen ist noch keine Sünde, wenn ich mich am Ende Gott und seinem Willen beuge. (Jer 15  10-20), so auch die vielen Klagepsalmen!  Paulus muss sein “Dorn im Fleisch” ertragen – und die daraus resultierende Erkenntnis gewinnen: Gottes Gnade ist genug!

3) Das Leiden als Erlösungsweg

Denn auch Christus hat einmal  für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist.”

Jesus schafft durch sein stellvertretendes Leiden Abhilfe für uns. Er leidet nicht, weil Gott das Leiden sehen muss, um gnädig gestimmt zu werden. Es geht  nicht um Anselm von Canterbury’s Satisfaktionsgedanke! Jesus nimmt unser Leiden auf sich, um uns von dieser Last in Ewigkeit zu befreien. Die “Leiden dieser Zeit” sind vorübergehend und zeigen nur wie groß die Herrlichkeit ist, die auf uns wartet: “Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll” (Röm 8,18) .

4) Sinn und Sinnlosigkeit des Leidens

Leiden als Folge der Sünde muss man nicht als Sinn-erfüllt betrachten – es sei denn, es führt zur Buße und Bekehrung. Viele Menschen Leiden deshalb Sinn-los, wenn auch nicht Grund-los. Ihr Leiden ist in der Sünde gegründet  – Röm 6,23a “Denn der Sünde Sold ist der Tod;” aber wenn die Sündenerkenntnis zur Buße führt, dann gilt:   Röm 6,23b “die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.”

nur im Tragen wird das Leid erträglich…”

Ein Aspekt des Leides der Gläubigen hängt mit dem Stellvertretendes Leiden Jesu zusammen. Paulus spricht mehrmals davon, z.B. Gal 6,2   “Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen”. Das Gesetz Christi ruft uns in die Nachfolge, wo uns derselbe Weg zugemutet wird, den Jesus zu gehen hatte.

Es geht darum, das Leid aus der Welt zu schaffen! Das Leid wird aus der Welt getragen, nicht verbannt!  Jesus trug unsere Sündenlast. Wir dürfen an den Lasten anderer mit-tragen – und dabei Gottes besondere Nähe erfahren! Mt 11, 28 sagt uns “Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.”  Phil 1, 29 bringt es auf den Punkt: “Denn euch ist es (die Gnade!) gegeben um Christi willen, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden…”

5) Der Spezialfall: Leiden für Christus

Christenverfolgung hat einen völlig anderen Grund, als das allgemeine Leiden in der gefallenen Welt. In der eben zitierten Stelle Phil 1,29 heißt es “hyper christou“ – für Christus, an seiner Stelle zu leiden. Er bezieht uns in sin Werk mit hinein!

Das bestätigt auch der Apostel Petrus in unserem Kontext seines ersten Briefes Kap 2, 19ff

und hier im 3. Kapitel ab V.14 “Und wenn ihr auch  leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch nicht vor ihrem Drohen und erschreckt nicht”. Mit unseren Versen kommt die Begründung, warum es Sinn macht und warum wir uns nicht fürchten brauchen, wenn wir um Jesu willen leiden: “Denn es ist besser, wenn es Gottes Wille ist, dass ihr um guter Taten willen leidet als um böser Taten willen. Denn auch Christus hat einmal  für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist.

Wenn nur Christus gepredigt wird!

Predigt am Sonntag Lätare 2012 in Derendingen

 

Phil 1,15-21

15 Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht:

16 diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege;

17 jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft.

18 Was tut’s aber? Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber. Aber ich werde mich auch weiterhin freuen;

19 denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi,

20 wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod.

21 Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.

 

 

Wenn nur Christus gepredigt wird!

 

Wie das gehen soll? Aus der falschen Motivation heraus predigen? So abwegig ist der Gedanke wohl nicht! Schon öfters hat es das gegeben, dass ein aufgebrachtes Gemeindeglied seinem Ärger Luft gemacht, dass der Prediger es wohl besonders auf ihn abgezielt hätte. Es denken also schon Menschen, dass ein Prediger sein Amt missbrauchen könnte, um Dinge, die in der Seelsorge gesagt gehören, an „die große Glocke“ zu hängen. Vielleicht gibt es das vereinzelt auch wirklich in der Praxis – da möchte ich mir kein Urteil erlauben. Dass Prediger aber die Kanzel missbrauchen, um ihre persönlichen Gedanken und Lieblingsthemen zu verkünden haben langjährige Gottesdienstbesucher sicherlich an dem einen oder anderen Ort erlebt.

 

Wenn nur Christus gepredigt wird! Als Paulus diese Worte schreibt, sitzt er im Gefängnis der prätorianischen Garde an der Nordmauer der Stadt Roms und wartet auf die abschließenden Verhandlungen in seinem Prozess. Ich rufe in Erinnerung: Paulus hatte sich auf den Kaiser berufen, um die Rechtmäßigkeit des Evangeliums von Jesus Christus als legitime Ausdrucksform des alttestamentlichen Glaubens durch höchste Instanz bestätigen zu lassen. Es ging um nichts Geringeres als die Zusicherung der Glaubensfreiheit bzw. Religionsfreiheit für die Christen der ersten Gemeinden im römischen Reich. Den Juden war die Religionsfreiheit nach vielen Glaubenskriegen als einzige Religionsgemeinschaft von den Römern gewährt worden, nur sie waren davon befreit, dem Kaiser als „Gott“ Opfer darzubringen. Nun leugneten eben ein Teil der Juden, dass die Christen Juden wären, deren Messias der Messias der Juden sei.

 

Oftmals vergessen wir, dass unser Glaube und unsere Praxis aus dem Judentum, aus dem Volk Israel hervorgingen. Erst als das Apostelkonzil die Entscheidung traf, dass ein Heide Christ werden könne auch ohne sich beschneiden zu lassen, ohne sich an das rituelle Gesetz der Juden zu halten, war der Weg gebahnt, einen Unterschied zu machen zwischen den Juden, die an Jesus als ihren Messias glaubten, und denen, die ihn als solchen ablehnten.

 

Auf diesem Hintergrund müssen wir den Konflikt, denn Paulus hier beschreibt, verstehen: es gab Menschen in den Synagogen, die jetzt ihre Chance sahen, nicht nur Paulus, sondern der ganzen jungen Kirche Jesu Christi großen Schaden zuzufügen. Schon im Jahr 49/50 hatte der Kaiser Claudius alle Juden aus Rom verbannt, weil es zu Unruhen in der jüdischen Gemeinde wegen eines gewissen „Chrestos“, bzw. „Christos“ gekommen war. (Die Aussprache der griechischen Buchstabe ETA war damals gleich dem Jota, also ein kurzes „I“. In der Fachsprache nennt man das „Itazismus“. Damals waren Prisca und Aquila aus Rom nach Korinth geflohen und zu Mitarbeitern des Paulus geworden bzw. umgekehrt. Es ist anzunehmen, dass damals schon der Streit in der jüdischen Gemeinde um Jesus Christus ging.

 

Es gab nichts, was der römischen Herrschaft unliebsamer war, als Unruhe im Volk. Mit ihrer Politik „Brot und Spiele“ für das Volk war sie darauf aus, das Volk bei Laune zu halten und zufrieden zu stellen. Die Gegner des Paulus hatten bewusst in der Öffentlichkeit von Jesus Christus gesprochen, um die Gemüter zu erhitzen und den Streit vom Zaun zu brechen. Sie erhofften damit ein Urteil gegen Paulus und gegen die Nachfolger Christi. Zwar ist es ihnen bei dieser Gelegenheit nicht gelungen, die Christen in Verruf zu bringen – Paulus wurde wieder freigelassen – aber kurze Zeit später hat der wahnsinnige Kaiser Nero die Christen als Sündenböcke ausgesucht und die erste offizielle staatliche Christenverfolgung eingeführt. (Zwar ging es ihm vermutlich in erster Linie darum, ein Feindbild aufzubauen, das von ihm selbst ablenkt und den Zorn der Bevölkerung über den in seinem Auftrag gelegten Brand zur Zerstörung ganzer 10 von 14 Wohnbezirke Roms auf andere umzuleiten, aber das hat ihn nicht davon abgehalten zahlreiche Christen in Teer und Federn einzutauchen und sie als Fackel in seinen Parkanlagen anzuzünden).

 

15 Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht:

16 diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege;

17 jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft.

18 Was tut’s aber? Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber.

 

Wenn nur Christus gepredigt wird! Diese Konzentration auf das Wesentliche wünsche ich mir! Alles von daher beurteilen, ob es Christus dient! Paulus hat sich ganz und gar in den Dienst des Evangeliums gestellt. Er hat sich in Gottes Hand gewusst. Er wusste, egal wie sein Prozess ausgeht, sein Leben oder sein Tod – mit beidem würde er seinem Herrn dienen. Darum fährt er fort:

 

Aber ich werde mich auch weiterhin freuen;

19 denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi,

20 wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod.

21 Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.

 

Was haben wir bloß aus der Leidenschaft für Jesus gemacht? Wo gibt es diese Hingabe noch bei uns? Freilich: diese ultimative Konsequenz wird von uns seltenst abverlangt. Wir haben Religionsfreiheit, werden nicht um unseres Glaubens willen bedrängt, unterdrückt, diskriminiert oder gar verfolgt. Das macht es aber auch so leicht für uns, in Gleichgültigkeit und Lauheit des Glaubens zu verfallen.

 

Ich will nicht über „die Anderen“ reden, deren Einsatz für den Herrn der Kirche zumindest nach außen hin nicht erkennbar ist. Ich möchte über uns reden, über dich und mich. Über die, die die Bequemlichkeit des Bettes oder des Sofas heute Morgen verlassen haben, um eine gute Stunde die Kirchenbank zu drücken. Können wir so mit Paulus sprechen? Erwarten wir und hoffen wir sehnlich, dass wir nicht zu Schanden werden? Ist das unser sehnlicher Wunsch, dass Christus an unserem Leib verherrlicht werde – egal ob durch unsere Lebensweise oder durch unseren Tod für ihn und seine Sache? Für uns – im Unterschied zum Paulus – geht es wohl um die Lebensweise…

 

Für Paulus steht fest, was der Hebräerbrief auch sagt: Leben wir, so leben wir dem Herrn! Sterben wir, so sterben wir dem Herrn! Darum, ob wir nun leben oder sterben, so sind wir des Herrn! Denn darum ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, damit er Herr über Lebende und Tote sei.“ Es geht um diesen Anspruch Jesu Christi auf unser Leib und Leben. Heute schon! Im Alltag! Bei der Arbeit, in den Vorlesungssälen, im Büro oder Klassenzimmer, am Küchentisch oder in der guten Stube. Darum geht es, dass Jesus Christus durch unser Leben verherrlicht wird! Darum geht es im Evangelium! Jesus Christus hat uns von Tod und Teufel los gekauft, dass wir ein ihm geheiligtes Leben in der Freiheit der Gotteskinder lieben. Er hat uns freigekauft, damit er mit seinem Geist von uns Besitz ergreifen kann, in uns wohnen und durch uns leben kann.

 

Vorletzte Woche durfte ich auf einer Missionskonferenz die Bibelarbeiten eines nigerianischen Bischofs hören (Benjamin Kwashi). Er stammt aus Jos, in dem Gebiet Nigerias, wo es besonders heftige Christenverfolgung gibt. In Anlehnung an unserer Stelle hat er persönlich Zeugnis abgelegt. Er erzählte davon, wie bewaffnete Männer zu seinem Haus gekommen waren, um ihn zu töten. Weil er nicht zuhause war, haben sie in Zorn seine Frau krankenhausreif geprügelt. Unter anderem hat sie zwei Beinbrüche erlitten. Denkt er daran, in den sicheren Süden des Landes zu ziehen? Oder gar ins Ausland zu fliehen? Es gebe viele Orte, wo er hin könnte. In dem gegenwärtigen Schisma seiner anglikanischen Kirche schauen Bischöfe und Pfarrer aus aller Welt in seine Richtung um Führung zu bekommen.

 

Nein! Der geht nicht! Er sagte uns: „wenn Sie mich töten, dann können sie mir keinen besseren Dienst erweisen! Dann werde ich vor meinem Herrn stehen! Das wird sicher im ersten Augenblick für mich etwas unangenehm werden, wenn ich an alle meine Versäumnisse, Fehler und Sünden denke, aber dann wird die Annahme und die Vergebung bei meinem Herrn all das vergessen werden lassen und ich werde in seiner Herrlichkeit bleiben!“ Aber er ist auch bereit ein beschwerliches Leben in der Nachfolge unter Verfolgung zu führen. Lasst uns die Zeit auskaufen, die Glaubensfreiheit, die wir haben nutzen, um ein einladendes, glaubwürdiges Zeugnis für unsern Herrn zu sein!

 

Wenn nur Christus gepredigt wird! – Nicht nur von unseren Kanzeln, sondern auch durch unsere Leben!

 

Amen