Predigt zu Markus 4,41-45 in Sielmingen

Audiodatei:

Mk 4,35-41 4.Sonntag vor der Passionszeit – Sielmingen

Predigtskizze:

Die Stumstillung ist im Markusevangelium Auftakt zu einer Reihe von vier Wundern.

  1. Stumstillung
  2. Austreibung des Geraseners
  3. Heilung der blutflüssigen Frau
  4. Auferweckung des 12-jährigen Mädchens

Sie wollen Jesu umfassende Macht demonstrieren über alle Bereiche:

  1. Über die Natur – über die sichtbare Welt,
  2. über die Geister – die unsichtbare Welt,
  3. über die Krankheit – über die gefallene Welt,
  4. über den Tod – Jesus ist auch Herr in der Auferstehung!

Die Wunder erzählen also von Jesu Macht/Allmacht.

Über allen Wundererzählungen steht aber noch die Verheißung Jesu: Ihr werdet noch Größere Wunder tun! (John 14:12 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere als diesetun; denn ich gehe zum Vater.)

Das Wunder der Sturmstillung verdeutlicht gerade diese Wahrheit:

Mark 4:35Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Lasst uns hinüberfahren. 36Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war, und es waren noch andere Boote bei ihm. 37Und es erhob sich ein großer Windwirbel und die Wellen schlugen in das Boot, sodass das Boot schon voll wurde. 38Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen? 39Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich und es entstand eine große Stille. 40Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben? 41Sie aber fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der? Auch Wind und Meer sind ihm gehorsam!

Der Predigttext öffnet einen dreifachen Blick:

1 der Blick voller Angst

– die Wirklichkeit unserer Ohnmacht 

2 der Blick voller Staunen

– die Wirklichkeit Jesu Macht!

3 der Blick voller Glauben

– die neue Wirklichkeit von der Gelassenheit im Glauben/Vertrauen

1 der Blick voller Angst

Am Anfang dieser Begebenheit steht die Wirklichkeit unserer Ohnmacht. Die Jünger können nichts tun. Ihre Mittel als erfahrene Seeleute sind erschöpft.

Wir können die Angst in den Augen der Jünger förmlich sehen. Sie haben Todesangst…

Jesus schläft in aller Ruhe auf dem Kissen – Das regt die „frommen Jünger“ auf!! Wie kann er bloß?

sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?

Ich weiß nicht, was das größere Wunder ist: den Sturm zu stillen, oder TROTZ des Sturmes in Ruhe schlafen zu können!

Jesus schläft in aller Ruhe im Heck auf dem Kissen, das Boot schon fast voll mit Wasser – wie kann er das?

Jesu völliges Gottvertrauen. Was sollten wir nicht alles von Jesus lernen! Ich bin überzeugt, dass wir es können! Wir sehen es z.B. an Petrus. Nicht sofort, aber mit der Zeit hat er es doch gelernt… Hat er noch aus Furcht vor den Juden bei Jesu Verhör im Palast des Hohepriesters seinen Herrn dreimal verleugnet, finden wir ihn Apg 12,7 in der Nacht vor seiner geplanten Hinrichtung angekettet zwischen zwei Soldaten in solch ruhigem und tiefen Schlaf, dass der Engel ihn in die Seite stoßen muss, damit er wach wird…

hat Petrus diese Gelassenheit im Gefängnis von ihm gelernt? Ich meine: Ja! Als es hart auf hart kam und die Lage wirklich ernst und zutiefst bedrohlich wurde, merkte er, dass er sich auf seinen Herrn verlassen kann – und verlassen muss! Deswegen hat er auch das volle Recht, in seinem 1. Brief Kapitel 5,7 uns dazu aufzufordern, „alle unsere Sorgen auf ihn (Christus) zu werfen“!

Vertrauen lernen wir aber immer erst im Ernstfall:

Die Jünger hätten aber am Abend mit Sturm rechnen müssen. Es gibt regelmäßig Fallwinde vom Golan, wenn die Sonne im Westen untergegangen ist und die Thermik im Osten aufhört.  – Habe die Jünger vielleicht schon etwas Vertrauen mitgebracht gehabt? – Eine wichtige Erkenntnis: Vertrauen ist leicht, solange wir nicht darauf angewiesen sind!

2Tim. 3:5sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber derenKraftverleugnen sie; solche Menschen meide! („Kraft“ kommt 50x bei Paulus allein in seinen Briefen vor!) Wir haben unseren Blick auf die Rechtfertigungslehre eingeengt und beschränkt und haben vergessen, wozu Christus uns erlöst hat: zu einem Leben in der Kraft seines Geistes als Kinder Gottes!

Gal. 2:20Ich lebe, doch nun nicht ich, sondernChristuslebtin mir.

Col. 1:27denen Gott kundtun wollte, wasderherrliche Reichtum dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, nämlich Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.

In der Welt habt ihr AngstJohn 16:33Das habe ich mit euch geredet, damitihrin mir Friedenhabt. In der Welthabt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Stillt Jesus jeden Sturm? Nein!

Jonas Lösung ist sogar ins Meer geworfen zu werden – erst im Bauch des Fisches nach Erkennntnis seiner Schuld erfährt er Geborgenheit – dort, wo er weiß, dass Gott allein ihn hingebracht hat!

Apg 27-28 bei Malta erlebt Paulus die Havarie–Schiffswrack – bekommt nur die Zusage, dass alle am Leben bleiben werden…

Nein, Gott nimmt uns nicht die Stürme und auch nicht die Angst, aber er gibt uns die Zusage, dass er helfen kann, dass er unsere Angst besiegen kann: In der Welthabt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden

 

2 der Blick voller Staunen

Am Anfang dieser Begebenheit stand die Wirklichkeit unserer Ohnmacht

In der Mitte dieser Begebenheit steht die Wirklichkeit Jesu Macht!

Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich und es entstand eine große Stille.

Interessanterweise hat die Stillung des Sturms eine noch größere Furcht – vielleicht besser: Ehrfurcht bei den Jüngern entstehen lassen. Sie aber fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der? Auch Wind und Meer sind ihm gehorsam! 

Was für ein Mensch! Wer ist dieser Jesus, dem Wind und Wellen Gehorchen?

Interessant ist aber auch, dass Jesus mit Unverständnis reagiert und seine Jünger rügt:

Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?

Wenn Jesus seinen Jüngern – und damit auch uns – eineszumutet, dann ist es das Vertrauen in ihn. Jeden Tag neu werden wir dabei auf die Probe gestellt: Reicht unser Vertrauen in ihn? …Wenn wir die Arbeitstelle verlieren? …Wenn die Diagnose auf „unheilbar krank“ lautet? …Wenn der Partner mich verlässt? …Wenn die Schuldenlast drückt? …Wenn der beste Freund einen im Stich lässt? …Wenn ich keine Zulassung für mein Traumstudium bekomme?

Die Liste könnten wir beliebig fortsetzen…

Mit der Stillung des Sturms hat Jesus seine Macht unter Beweis gestellt – und das nicht nur den 12 – es waren noch andere Boote bei ihm…Aber es sollte ebenso eine Lektion im Vertrauen sein!

Am Anfang dieser Begebenheit stand die Wirklichkeit unserer Ohnmacht

In der Mitte dieser Begebenheit steht die Wirklichkeit Jesu Macht!

Das soll unser Vertrauen stärken! Jesus will uns damit den Glauben lehren!

3 der Blick voller Glauben

Wie würde Jesus uns wohl begrüßen, wenn er heute zu uns käme? Von den Evangelien her kennen wir zwei Begrüßungen, die er gerne verwendete:

„Friede sei mit euch!“ und „Fürchtet euch nicht!“…

Mit Jesus gibt es eine neue Wirklichkeit, in der die Angst nicht regieren darf. Jesus bringt Gelassenheit im Glauben und ein Grund-Vertrauen!  Jesus will uns damit den Glauben lehren!

Ich bin so dankbar dafür, dass ich dieses Vertrauen als Kind zuhause lernen durfte.

(Erzählung vom Anthony Rossi, der unaufgefordert an das Missionswerk unserer Familie „Gospel Recordings“ einen Scheck 500.000 $ per Post schickte, der am  letzten Zahlungstag des Immobilienkaufvertrags für das neue Missionsgelände während des Gebetstages in dieser Sache ankam.)

Tja, die Amerikaner… Sind wir in Deutschland so auf unsere Sicherheit fixiert und versessen, dass er keinen Raum für echtes Gottvertrauen gibt? Stimmt es, dass es so etwas bei den Deutschen nicht gibt? Ich erinnere nur an den großen Deutschen Stadtmissionar in England, den „Waisenvater von Bristol“ im 19 Jhd. Georg Müller erinnern.  Er betet mit seinen Waisenkindern über leere Teller – und ein Milchwagen geht vor der Tür kaputt und bittet das Waisenhaus ihnen die gesamte Ware abzunehmen… Das könnte Amazon nicht besser hinkriegen heute!

Mit Gott rechnen! Nicht nur in der Theorie – auch in der Praxis

Amen

 

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