Die Thessalonicherbriefe: Botschaft an die ersten Christen über die Letzten Dinge

Hofacker Abendbibelschule 2017 Derendingen

  1. Frohe Botschaft – Kraft und Widerstand (1. Th.1 & 2. Th.1)
  2. Mut zum Kampf um das Wort (1. Th. 2 & 2. Th.2)
  3. Der Normalfall: Gemeinde in Bedrängnis (1. Th 3 & 2. Th 3, 1-5)

  4. Wie sollen wir nun leben? (1. Th 4 & 2. Th. 3, 6-15)

  5. Was kommt auf die Gemeinde zu? (1. Th 5 & 2. Th 3, 16-18)

 

Die Thessalonicherbriefe-Botschaft an die ersten Christen über die Letzten Dinge Texte im Überblick

 

Der Islam – Fragen über Fragen

 

Inhalt:

Der Islam — Fragen über Fragen

Vortrag beim Gesprächsforum Leben+Glauben, Gerlingen, 2.4.2017

Wer war Mohammed und was hat ihn getrieben?

Hanif – Biographie – Waise, Tilman Nagel unterscheidet drei Phasen [1] („Strenger“/Hanif-Rasul/Prophet und Herrscher

Wie sein Umfeld ihn Wahrnahm
  • War Mohammed etwa Verrückt? 16 mal wehrt sich der Koran gegen diesen Vorwurf (z.B. 15,6)
  • Spottgedichte gegen Mohammed
    • War Mohammed Epileptiker oder litt er an anderen Krankheitsbildern?
    • Abbas Sadeghian Ph.D.: Sword and Seizure – Mohammed’s Epilepsy & Creation of Islam – Abridged, September 1, 2006
    • Dede Korkut M.D.: Life Altert – The Medical Case of Muhammad
    • Ali Sina: Understanding Muhammad – Psychobiography
  • War er Besessen? (Die Satanischen Verse)

Der Islam – eine antichristliche Religion?

  • Im Islam sind alle Antworten auf den christlichen Glauben bereits eingebaut
  • Theologisches Ziel des Islam ist, hinter das Christusereignis zurückzugehen

Christen in islamischen Ländern – ihr Leben, ihr Leiden, ihr Zeugnis.

  • Johannes Damascenus als Wesir in Damaskus
  • Der Bischof von Cordoba im sogenannten goldenen Zeitalter Andalusiens
  • Heute: Afghanistan, Saudi Arabien, Somalia und Grenzgebiete, IS-kontrollierte/-beeinflusste Gebiete, Malaysia, Indonesien (Pancasila), Jordanien, Türkei, Marokko…

Islam in Deutschland – was bedeutet das langfristig für uns?

  • Der Demographische Wandel – Wird es einen Euroislam geben?
  • Ja. Die Frage ist, ob er Einfluss haben wird!
  • Islamisch-theologische Fachbereiche/Fakultäten, Bassam Tibi etc.

Was bedeutet der Glaube für einen Muslimen – für einen Christen?

  • Nisar Khan – werde ein guter Muslim
  • Habib: der Islam ist eine leichte Religion (01.04.2017 Losung gestern 3.Mose 22,31 Haltet meine Gebote und tut danach; ich bin der HERR; Lehrtext 1.Johannes 5,3 Das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer.

Meine Erfahrung in Pakistan

[1] Tilman Nagel „Mohammed ging es immer auch um Macht“ 06 Februar 2012 (Quelle: GEOkompakt Nr. 16 – 09/08 – Glaube und Religion – Seite 134-138)

 

Vortrag beim Forum Glauben & Leben (Audiofile):

 

Fragen und Antworten (Audiofile):

 

 

 

 

 

 

 

Reformation heute? Umkehr!

Reformation heute?

Reformation folgt auf Erneuerung, die durch Umkehr kommt!

Dass Reformation in den verfassten Kirchen unserer Tage notwendig wäre, setze ich als gegeben voraus. Ohne grundlegende Reformation werden wir den Sog nach unten in den Kirchen nicht stoppen können. Die Frage ist, ob Reformation überhaupt noch möglich ist, und wenn ja, wie? Deshalb das Fragezeichen. Die Gründer des Albrecht-Bengel-Hauses haben geglaubt und vertraut, dass durch Treue zur biblischen Botschaft in der Ausbildung der Theologen eine Veränderung zum Positiven in der Kirche möglich ist. Auch heute ist das unser Programm. Wir wollen im Gehorsam gegen Gottes Wort Gemeinde für die Zukunft bauen. Die Schlüsselrolle der Pfarrer und der Religionslehrer für die Entwicklungen in den Kirchen ist unumstritten. Da sind wir dran und da wollen wir weitermachen.

Viele unserer Ehemaligen haben auch Großartiges geleistet und sind unzähligen Menschen zum Segen geworden. Das ABH hat durch die ganzheitliche Begleitung der Studierenden schon einen Unterschied in der kirchlichen Landschaft und im Gemeindeleben weit über die Grenzen der württembergischen Landeskirche hinaus bewirkt. Wir haben immer noch Hoffnung für das landeskirchliche Leben in den Gemeinden. Allerdings haben wir dabei mit einer stetigen Zunahme an Bürokratie und Bestrebung zur Zentralisierung der Macht zu kämpfen. Die Gemeinden werden immer mehr entmündigt. Programme werden von oben verordnet.

Es ist schon gut zehn Jahre her, dass die EKD ihr Programm mit den zwölf „Leuchtfeuern“ unter dem Titel „Kirche der Freiheit“ auflegte. Was zunächst als ernstes und ernstzunehmendes Anliegen begann, versandete in typischer Weise für Großkirchen im Bemühen alles allen zu sein, und vor allem in der Unfähigkeit und dem Widerwillen, sich wirklich zu verändern – zum Beispiel in der Auflockerung des Parochialprinzips (Leuchtfeuer 2). Dies gilt auch für die groß aufgelegten Programme „Notwendiger Wandel“, „Wirtschaftlich handeln“ und den „Pfarrplan“ in der württembergischen Landeskirche. Nach Meinung der im Folgenden erwähnten Experten werden sich die etablierten Kirchen als Institutionen nicht reformieren lassen. Es fehlen der Wille und die Möglichkeiten in den vorherrschenden Strukturen dazu. Verkrustete, starre Strukturen halten die Kirchen gefangen. Wir im ABH setzen unsere Hoffnung in die Gemeinde Jesu Christi vor Ort.

Düstere Prognosen für die Kirche

Die Landeskirchen selber scheinen nicht so zuversichtlich zu sein. Mit Blick auf den demographischen Wandel und den Austritten aus der Kirche stehen alle Signale auf Rückzug, Einsparungen und „Gesundschrumpfen“. Zugleich wird aber an überholte volkskirchlichen Paradigmen und Ansprüchen festgehalten. „Im Jahre 2030 ist die evangelische Kirche in der öffentlichen Wahrnehmung dadurch stark, dass sie gemeinsame Themen und Positionen vorgibt, die in die Gesellschaft hineingetragen und vertreten werden“ (Leuchtfeuer 9). „Im Jahre 2030 repräsentiert die EKD im Dienst der Gemeinschaft der Gliedkirchen den deutschen Protestantismus in der Öffentlichkeit“ (Leuchtfeuer 12). Es scheint so, als würden sich die Kirchenleitungen für die Kirche Christi halten. Kirche ist aber gelebte Gemeinschaft als Leib Christi in der Gemeinde. Das geschieht vor Ort.

Der Drang zur Fusion einzelner Gliedkirchen der EKD, oder gar zur Einrichtung einer einzigen „Evangelischen Kirche in Deutschland“ durch Vereinigung aller Landeskirchen entstammt a) dem Wunsch, auch bei schwindenden Mitgliederzahlen eine „Großkirche“ als Gegenüber für den Staat zu sein und b) dem Irrtum, man könne Verwaltungskosten sparen, in dem man Kirchen zusammenlegt. Für Kirchenleitungen scheinen die Kirchengemeinden eine Art Verfügungsmasse zu sein. Auf sie könne man auch verzichten, wenn das Kosten-Nutzen Schema nicht mehr stimme. Leitung – biblisch gesehen – ist immer Dienst an der Gemeinde. Kirchenleitungen erwecken den Eindruck, dass sie sich selbst als „die Kirche“ sehen, nicht als Dienstleister für die Kirchengemeinden.

Nicht Reformation, sondern Buße und Erneuerung

„Peters Gesetz“ besagt, dass eine Organisation, sobald sie eine gewisse Größe erreicht hat, keine besondere Existenzberechtigung für sich mehr braucht. Sie existiert, weil sie existiert. Die Beschäftigten von den obersten Etagen bis hin zu den am schlechtesten bezahlten Angestellten kämpfen um den Erhalt ihrer eigenen Jobs, ohne unbedingt im Blick zu haben, was dem Wohl der Firma oder Organisation dient. Unsere Landeskirchen sind alt, satt, schwerfällig und unbeweglich geworden. Sie sind wie die Mega-Containerschiffe oder Öltanker geworden, die 20 km brauchen, um zu halten und 40 km, um zu wenden. Das war vor 500 Jahren bei der sogenannten Reformation (reformatio) nicht anders. Die Kirche konnte in Teilen von Innen heraus erneuert (renovatio) werden nur, weil der Fokus der Reformatoren/Protestanten weg von der Institution Kirche mit ihren verkrusteten und teilweise korrupten Strukturen hin auf das Wort Gottes gelenkt wurde. Es kam in den Kirchengemeinden unter den Menschen allein durch den Glauben an die Erlösung durch die Gnade allein, durch den Erlöser Jesus Christus allein zur Wiedergeburt (regeneratio) des Evangelium gemäßen Glaubens. Die Gemeinden, die sich um den neu gefundenen Glauben gesammelt haben, mussten sich zunächst eine neue Form geben – sie haben sich „re-formiert“. Es war aber nur in Teilen der Kirche so.

In unserer Situation wird die Reihenfolge nicht anders sein: regeneratio – renovatio – reformatio. Wir müssen zu den Wurzeln des Evangeliums zurückkehren. Ohne Wiedergeburt des Evangelium gemäßen Glaubens auf breiter Basis keine Erneuerung. Ohne Erneuerung keine wirkliche Reformation. Um es mit einem anderen Bild zu sagen: Manchmal lohnt sich die Renovierung eines Gebäudes schlicht nicht mehr. Nämlich dann, wenn sie kostspieliger als ein Neubau ist oder das Resultat einer Renovierung nicht den eigentlichen Bedürfnissen des Gebäudes gerecht wird. Man kann das anhand der Renovierung eines Kirchengebäudes zeigen: Zahlreiche Kollegen beklagen, dass selbst wenn man eine halbe Million in die Kirchenrenovierung steckt, man trotzdem nicht das Ergebnis hätte, das man bräuchte, um zeitgemäße Gemeindearbeit zu machen. Hohe Erhaltungskosten, wenig Komfort, eine schlechte Akustik, kein Gemeinschaftsgefühl, schlechte oder keine Möglichkeiten zu einer Kinderbetreuung, schlechte Aussichten auf Gemeinschaftsräume, sanitäre Anlagen, behindertengerechten Zugang… Man gibt oft das Geld trotzdem aus, weil wir an unseren Kirchen hängen. Aber meistens ist es nur wo man Mutiges gewagt hat, beziehungsweise wagen durfte, dass die Ergebnisse wirklich zufriedenstellend und ein echtes Plus für die Gemeindearbeit sind. In solch einem Fall ist nicht Erneuerung, sondern Neuanfang nötig. Die Abrissbirne muss Platz für neues schaffen – oder man weicht auf einen anderen Bauplatz unter Aufgabe des alten aus.

In ähnlicher Weise hängen wir emotional an unseren vertrauten landeskirchlichen Strukturen und sind nicht bereit „outside of the Box“ zu denken. Es war sehr eindrücklich für mich, im Gespräch mit einem Oberkirchenrat einer der Gliedkirchen der EKD von ihm zu hören, dass er das Aussterben der Landeskirchen unter dem Vorzeichen des Jesuswortes sieht: „Wenn der Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt…“ Manchmal muss etwas sterben, damit etwas Neues wachsen kann. Aber wer sagt, dass es die Gemeinden sein müssen, die sterben sollen? Warum sollte nicht die obrigkeitliche Denkweise und starr verfasste Kirchenform sterben und die Gemeinden leben lassen? Wir verpassen die einzige wirkliche Chance, die wir haben, wenn wir den Gemeinden nicht die Chance geben, Verantwortung und Mittel für ihre Existenz zu überlassen.

Umkehr!

Wir brauchen Umkehr zuerst, dann vielleicht Strukturreform

Die Reformation im 16. Jahrhundert erfasste nicht die gesamte Kirche. Es kam zur Abspaltung von Rom und zu Neugründungen von kirchlichen Strukturen. Die Gemeinde vor Ort gewann, vor allem im reformierten Bereich, ganz neue Bedeutung und Verantwortung. Wo Christus und sein Wort im Mittelpunkt standen, wurde die Gnade Christi durch die Erleuchtung des heiligen Geistes im Glauben erkannt. Dieser Glaube an den gnädigen Gott, der um Christi Opfer Willen den Sünder ohne jeglichen Verdienst vergibt, hat zur Umkehr geführt. Diese Umkehr hat neues Leben in die evangelisch gewordenen Gemeinden eingehaucht.

Schon länger gibt es aus konservativer Richtung Kritik an landeskirchlichen Missstände wie die Entfremdung der Kirchenleitungen und theologischen Fakultäten von Bibel und Bekenntnis, das Festhalten an dem Kirchensteuer Modell als alleinige Quelle der Finanzierung des kirchlichen Lebens, oder die unkritische, unreflektierte Taufe jedes Babys, das zur Taufe gebracht wird (vgl. „Das Priestertum aller Getauften“ Leuchtfeuer 5). Inzwischen gibt es auch Kritik von liberaleren Theologen, die erstaunlicherweise ebenfalls anfangen, nach Buße und Umkehr in der Kirche zu rufen. So zum Beispiel Beiträge in dem Sammelband Kirche der Reformation? Erfahrungen mit dem Reformprozess und die Notwendigkeit der Umkehr, hrsg. Gisela Kittel und Eberhard Mechels (1. Aufl. Vandenhoeck & Ruprecht, 2016), oder das Büchlein von Paul Bernhard Rothen, das in der TO 179 schon vorgestellt wurde, Auf Sand gebaut. Warum die evangelischen Kirchen zerfallen (2. Aufl. Wien: LIT Verlag, 2015). Nicht neue Projekte oder Programme seien nötig, sondern eine Rückbesinnung auf das Wort und die Gemeinde seien notwendig – und das im buchstäblichen Sinne des Wortes.

Niemand in den Kirchenleitungen scheint daran zu glauben, dass dem Langzeittrend in die Bedeutungslosigkeit über Schwund und Abbau der Kirche getrotzt werden könnte. Die einzelnen Landeskirchen machen schon seit einem Jahrzehnt Vorkehrungen für den erwarteten Zusammenbruch der Kirchensteuereinnahmen. Wegen der außerordentlich guten konjunkturellen Lage sprudelt zwar noch die Kirchensteuer, aber alle schnallen sich die Gürtel enger. Keiner scheint den Gemeinden selbst es zuzutrauen, um ihre Existenz zu kämpfen.

Leben Totgesagte länger?

Manchmal muss man schon staunen, wie eine nicht mehr funktionierende Kirche sich halten kann. Zum Beispiel die (noch) größte reformierte Kirche in den in den Vereinigten Staaten (PCUSA) mit Sitz in St. Louis. Gemeinden treten am laufenden Band aus dieser Kirche aus, weil sie nicht mehr zu ihren eigenen Bekenntnissen steht. Da aber gemäß Kirchenverfassung die Kirchengebäuden nicht den Gemeinden, sondern der Kirche gehören, müssen diese ihre eigenen Gotteshäuser bei ihrem Austritt von der ehemaligen „Mutterkirche“ für teures Geld kaufen. Die ausgetretenen Gemeinden gehen eigene Wege. Die PCUSA schrumpft und wird dabei immer reicher, womit sie Programme und Projekte durchführen kann, die die Gemeinden nicht unterstützen würden. Bei uns macht das die Kirchensteuer möglich. Innerkirchliche Kritiker der Kirchensteuer wie der bayerische Pfarrer Dr. Jochen Teuffel (Rettet die Kirche. Schafft die Kirchensteuer ab. ’fontis, 2015) weisen darauf hin, dass die finanziell unabhängige Kirchenleitung die Basis nicht mehr braucht. Die Basis in den Gemeinden kann sich schon länger nicht mit der kirchlichen Elite identifizieren. Sie hat das Gefühl, dass die Kirchenleitung sie gar nicht sieht. Bei denen in Machtpositionen ist kein Wille zur Reform, höchstens „Reförmchen“, die obendrein alle das Bestehende erhalten sollen…

Der Basis wird die Bemächtigung zur Reform verwehrt

Für viele Menschen scheinen Neugründungen die einzige Alternative zu sein. Wir im ABH kämpfen dagegen an und ermutigen dazu, um die eigene Kirche zu kämpfen. An der Basis gibt es aber viele engagierte Christen, die mit den Füßen abstimmen und zu neu gegründeten Gemeinden abwandern. Über die Gründe dafür nachzudenken reicht der Platz nicht. Frust mit der Entwicklung, bzw. Nicht-Entwicklung der Kirche spielt neben dem überfordert sein mit einer Vielzahl an ehrenamtlichen Aufgaben in der Gemeinde oft eine Rolle. Für uns in den landeskirchlichen Gemeinden ist das ein bitterer Verlust, wenn gerade die Engagierten abwandern, aber nicht immer kann man ihnen einen Vorwurf machen. Mündige Gemeindeglieder wollen Teil haben an den Entscheidungsprozessen, die allzu oft undurchsichtig oder deren Ergebnisse unverständlich sind.

 

Die Entwicklung weltweit geht in Richtung unabhängige Kirchen

Langsam erlaubt man sich die Frage, ob das landeskirchliche Modell vielleicht nicht einfach mit der Zeit abläuft. Wie die Säkularisation das Ende des Staatskirchentums eingeläutet hatte, hat der demographische Wandel die Grundlage des landeskirchlichen Anspruchs mächtig angeknabbert. Wo liegt die Berechtigung für einen landeskirchlichen Anspruch, wenn die Mitglieder der Landeskirche in den meisten Bundesländern weniger als ein Drittel der Bevölkerung ausmachen? Wir kommen irgendwann dahin, wo der Rest der Welt schon lange ist: Wo jede einzelne Gemeinde ihre eigene Daseinsberechtigung unter Beweis stellen und finanziell sich selber tragen muss. Unsere Situation in Deutschland (und Skandinavien) ist die absolute Ausnahme! Aber auch hier müsste es möglich sein, dass eine Gemeinde aus eigenen Mitteln für sich selber sorgt.

Dabei hätten wir großartige Möglichkeiten

Unsere württembergische Kirche gibt oft die Parole aus: Unsere Kirche ist besser als ihr Ruf. Das stimmt auch. Aber was meint man damit? Stimmen tut es, wenn man die KIRCHENGEMEINDEN meint. Teilweise wachsen Kirchengemeinden sogar gegen den Trend. Es gibt Gemeinden, die quicklebendig sind und vor Leben strotzen. Es gibt Gemeinden, die wegen Platzmangel im Gottesdienst kreative Lösungen finden müssen. Diese Gemeinden sind viel besser als der Ruf der Kirche insgesamt. Warum denen, die offenbar die Lösungen gefunden haben, nicht mehr Handlungsfreiheit geben? Warum nicht von ihnen Lernen? In kirchlichen Kreisen herrscht dazu ein Tabu. Die Gemeinden vor Ort brauchen mehr Handlungsfreiheit. Die Gemeinde vor Ort ist die Hoffnung der Welt (Bill Hybels) – und auch der Kirche! Wenn die Landeskirche überleben will, muss sie den Gemeinden mehr Selbstbestimmung einräumen – auch finanziell!

Die Pforten der Hölle

Was ist jetzt dran? Wer ist jetzt dran? Wer behauptet, man könne (und deswegen müsse man) nichts zur Genesung der Kirche beitragen, weil das ja das Werk des Heiligen Geistes sei, der kann das nur vom grünen Tisch im Elfenbeinturm tun. Und wer verleugnet, dass die Nachfolger Christi eine klare Aufgabe zum Aufbau und zur Erbauung der Gemeinde haben, hat die Absicht Christi, als er die Jünger in die Welt zu allen Nationen sandte, nicht erkannt. Alle tragen ihren Teil an der Verantwortung für die Zukunft der Kirche: Von den Gemeindegliedern und Ehrenamtlichen an der Basis über die Hauptamtlichen bis hin zu den Synodalen, Oberkirchenräten und Bischöfen. Jeder muss seinen Teil beitragen, wenn es landeskirchliche Gemeinden flächendeckend vor Ort weiterhin geben soll. Mit Buße, Umkehr und Rückkehr zum Evangelium werden wir den Anfang machen müssen. Daraus kann Erneuerung und Reformation entstehen. Wo Buße, Glaube, Gnade und Vergebung die Basis bilden, wird der volkskirchliche Charakter der Gemeinden einem eher freikirchlichen weichen. Ist es nicht langsam Zeit, der Tatsache ins Auge zu sehen, dass wir inzwischen eine Minderheit sind? Für das ganze Volk missionarisch und diakonisch da zu sein wäre dabei eine Selbstverständlichkeit. Aber das ist eine neue Definition von „Volkskirche“. Noch sind wir so gut positioniert in der Breite der Gesellschaft – mit einer Kirchengemeinde an fast jedem funktionierenden Ort – dass wir als einzige existierende Kirchengemeinschaft diesen Anspruch ernsthaft erstreben könnte. Dazu müsste aber ein radikales Umdenken auf allen Ebenen stattfinden.

Um die Gemeinde Jesu Christi brauchen wir uns keine Sorgen machen. Jesus gab Petrus das Versprechen: „Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen“ (Matthäus16,18). Die Gemeinde Jesu wird bis zu seiner Wiederkunft nicht aufhören zu existieren. Kirchen kommen und gehen. Das lehrt die Geschichte. Gottes Verheißung gilt der Gemeinde derer, die ihm dienen. Darauf muss unser Fokus liegen: In unseren Gemeinden unserem Herrn dienen. Wir setzen unsere Hoffnung in die Gemeinde Jesu Christi vor Ort. Dafür arbeiten wir im ABH.

Besinnung zur Jahreslosung 2017

Vor 50 und 500 Jahren gab es große Durchbrüche

Noch bevor dieses Jahr zu Ende geht, wird es 50 Jahre her sein, dass der südafrikanische Chirurg Christiaan Barnard zum ersten Mal in der Geschichte erfolgreich das Herz eines Menschen auswechselte. Der Erfolg war zwar relativ – sein Patient lebte nur 18 Tage – aber seither haben zigtausende Menschen ein „neues“ Herz bekommen. Das Problem dabei ist, dass das „neue“ Herz eben doch nicht neu ist. Auch wenn das Spender-Herz von einem jüngeren Menschen stammt, ist es doch nicht neu, sondern schon „gebraucht“ und anfällig für den gleichen Alterungsprozess wie das Herz, das funktionsuntüchtig geworden war und ausgetauscht werden musste. Das Leben der Meisten, die eine Herztransplantation bekommen haben, wird inzwischen durchschnittlich um 10 Jahre verlängert. In seiner Autobiografie machte Barnard aber auch auf ein anderes Problem aufmerksam. Durch den ganzen Medienrummel, die Partys und Affären mit der „Jet Set“ – den Promis seiner Tage – die Audienzen mit dem Papst und Staatsoberhäuptern, durch das und anderes mehr hat er zwar seinen Ego gefüttert, aber seine Familie vernachlässigt. Die Reue kam zu spät. Er tröstete sich damit, dass er keinen seiner Patienten je im Stich gelassen hätte…

Gott schenkt schon länger neue Herzen

Der weltberühmte Chirurg hätte selbst ein neues Herz gebraucht, ein Herz, das weiß was zu tun ist, ein Herz das nicht nur an sich, sondern auch an andere denkt. Ein Herz, wie wir alle eines bräuchten. Solche Herzen können Menschen nicht transplantierten, nicht neu machen. Das kann alleine Gott. Die Jahreslosung von diesem Jahr erzählt davon:

 

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ez 36,26

Dies ist der Kern vom Versprechen Gottes an sein Volk Israel (genauer, die Stämme Juda und Benjamin), das in der babylonischen Gefangenschaft verschleppt und fern der Heimat war. Aber Gott macht in den davor und danach kommenden Sätzen unmissverständlich klar, dass er dies um seinetwillen, um seiner Heiligkeit willen tut. Was sollen die Heiden von ihm denken, wenn er sein Volk in der Bedrängnis hängen lässt? Aber um seiner Heiligkeit willen muss sich auch etwas am Volk ändern, am Volk, dem er am Anfang des gemeinsamen Weges durch die Geschichte den Auftrag gab: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig (3Mose 19,2 et al.). In gerade diesem Zusammenhang verspricht Gott nicht nur die Reinigung von der Schuld, die das Volk auf sich geladen hat, sondern auch eine neues Herz und einen neuen Geist, damit die Beziehung zwischen ihm und sein Volk nicht gestört ist. Das steinerne Herz soll mit einem „aus Fleisch“ bestehendes, bewegliches und bewegtes Herz ausgetauscht werden. Das Neue Herz und der Geist Gottes selber sollen aus seinem Volk Menschen machen, die seine „Rechte halten und danach tun“. So wird er zu Gott für sein Volk sein. Gott will die Beziehung zum Menschen. Das Problem liegt darin, dass der Mensch nicht im gleichen Maße an dieser Beziehung interessiert ist. Es geht um eine verschmähte Liebe. Das ist der Rote Faden, der sich durch die Bibel zieht. Gott liebt den Menschen und tut alles, um seine Liebe zu gewinnen – mal werbend, mal drohend, mal lohnend, mal strafend. Es ist ein großes Drama, nach dem die Weltliteratur ihren Stoff modelliert. Am Kreuz von Golgatha und bei der Wiederkunft Christi zum Weltgericht findet dieses Drama seine Höhenpunkte.

Gottes Herz sucht Menschenherzen

Gott leidet darunter, dass wir Menschen, die er als seine gegenüber erschaffen hat, solche harten Herzen haben. Was meint die Bibel, wenn sie von „harten Herzen“ spricht? Geht es darum, dass wir nicht genügend Empathie zeigen, oder dass unsere Brutalität anscheinend grenzenlos ist? Jesus selbst sagt vom Menschenherzen: Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung (Mt 15:18f). Sicherlich gehören diese und viele andere Dinge zu einem harten Herzen – aber das sind nur Symptome und nicht Diagnose. Dazu ein Beispiel: Arteriosklerose ist eine Krankheit, die mehr Menschen in der entwickelten Welt tötet als sonst irgend eine. Es ist eine Krankheit, die unter anderem zu Atemlosigkeit, Schwäche, Thrombose, Angina pectoris, Herzinfarkt, Schlaganfall oder plötzlichen Herztod führen kann. Die Ursache all dieser Symptomen aber ist die Verhärtung der Schlagader am Herz.

Das verhärtete Herz kann nicht mit Weichmachern fit gemacht werden. Es braucht ein neues Herz

Gott will keine Symptome bekämpfen oder unterdrücken. Ein verhärtetes Herz muss weg. Es braucht einen Ersatz – ein neues Herz muss her! Es geht nicht darum, dass wir durch besonderen Fleiß oder noch größere Mühe unser Verhalten verändern. Vielmehr geht es darum, dass Gott uns ein neues Herz schenken will. Ein Herz, das nicht von Grund auf krank ist. Gott will und sein Herz schenken, das von sich aus zu ganz anderem und neuem fähig ist. In erster Linie geht es um ein Herz, das die Beziehung zu ihm will.

In der Sprache der Bibel bezeichnet das Herz den Menschen in seiner Identität, in seiner Persönlichkeit. Das Herz ist der Sitz nicht nur der Gefühle, sondern auch der Gedanken. Das Herz macht Beziehungen zu einem Gegenüber möglich, oder es verhindert diese. Darum geht es mit dem neuen Herzen. „Hartherzigkeit“ beschreibt den Zustand unserer Herzen, wo Gott uns egal ist. Im Alten Testament wurde das immer wieder betont: Wegen ihrer Hartherzigkeit wandten sich die Menschen von Gott ab und sind anderen Göttern nachgelaufen.

Wir haben vergessen, dass wir Gott vergessen haben

Gleich mehrere Menschen haben treffend über unsere Zeit festgestellt: „Wir haben vergessen, dass wir Gott vergessen haben“ (u.a. Pfr. Alexander Garth, Prof. Wolf Krötke und die Bischöfe Axel Noack und Heiner Koch). Was zunächst im Blick auf die neuen Bundesländer so festgehalten wurde, gilt zunehmend auch für die ganze Republik. Für die meisten Menschen ist Gott überhaupt kein Thema mehr. Die atheistische Erziehung und der Machbarkeitswahn der Wohlstandsgesellschaft haben Gott weitestgehend aus dem gesellschaftlichen Diskurs, der Gedankenwelt des Einzelnen und den Herzen der Menschen ausgegrenzt. Diese Missachtung Gottes ist die eigentliche Herzenskrankheit der Menschen, auch in unseren Tagen. Wir scheinen es immer wieder zu vergessen, dass Gott uns als Gegenüber für sich geschaffen hat und dies der eigentliche Sinn hinter der Erschaffung der Erde und des Weltalls ist. Gott will die Beziehung zu uns. Es soll ein Herzensanliegen sein, eine Angelegenheit des Herzens für uns, wie es auch für ihn eine ist. Das ist der Sinn unseres Lebens.

Haben wir in diesem Jubiläumsjahr wirklich Grund zum Feiern?

Vor 500 Jahren am Vorabend von Allerheiligen soll Martin Luther seine 95 Thesen als Aufforderung zu einem öffentlichen Streitgespräch an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg angebracht haben. Von diesem Tag an rechnen wir den Beginn der Reformation. Heute, 500 Jahre später, würde es uns gut anstehen, uns mit diesen Thesen auseinander zu setzen. Darin geht es um die gestörte Beziehung des in Sünde verstrickten Menschen zu Gott und um den Weg des Glaubens, der Vergebung und der Gnade, auf dem die Beziehung wieder hergestellt werden kann.

Auch im Jahr 2017 sind wir dazu da, unser Leben vor Gott und in Beziehung zu Gott zu gestalten. Dazu gehören selbstverständlich die Übernahme von Verantwortung für diesen Planeten, die Ausübung unseres Herrschaftsauftrags, die kreative Gestaltung des Lebens auf der Erde und vieles andere mehr. Der Kern unserer Beziehung zu Gott ist aber das Vertrauen in seine Gnade und seine Führungen. Jesus hat das Nachfolge genannt. Auch der Prophet Jeremiah verkündet die gleiche Verheißung einer grundsätzlichen Herzensänderung „…das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken“ (Jeremiah 31,33f).

Der in sich verkrümmte Mensch

In diesem Jubiläumsjahr 2017, wo wir 500 Jahre Reformation feiern, steht der Reformator Martin Luther im Mittelpunkt vieler Reden, Predigten, medialen Auftritten und Schriften. Für Martin Luther lag die Grundmisere der menschlichen Existenz darin, dass der Mensch „in sich selbst verkrümmt“ ist. Nicht nur deswegen, weil wir eine permanente Nabelschau betreiben, sondern auch deswegen, weil wir unseren Blick nicht nach oben richten, nicht auf Jesus schauen, den Anfänger und Vollender unseres Glaubensweges. Der Mensch ist in sich selbst gekrümmt und sieht nur sich – er ist für sich zum Maß aller Dinge geworden. Wo Menschen sich selbst zu Gott gemacht haben, sind sie auch auf sich selbst angewiesen. Wer nicht an Gott glaubt kann auch nicht vertrauen – er muss sich selber absichern. Unsere Absicherungswahn steht in direktem Verhältnis zu unserem Mangel an Vertrauen.

Gott will dass wir unser Leben im Vertrauen auf ihn gestalten. Er will, dass wir mit ihm rechnen. Er beschreibt es als Herzenshärtigkeit, wenn unser Herz nicht auf ihn ausgerichtet ist. In diesem Sinne haben wir auch heuer, 2017, 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Luthers nicht viel zu feiern. Wenn wir nur die ersten drei Bitten des Vaterunsers im kleinen Katechismus Martin Luthers aus dem Jahr 1529 anschauen, dann sehen wir, dass es Luther gerade darum ging, dass Gott in unserem Leben vorkommt: dass sein Name auch bei uns heilig werde, dass sein Reich auch zu uns komme, und schließlich dass sein Wille auch bei uns geschehe. Luther hat einen gnädigen Gott bekommen. Als begnadigter, vergebener Sünder erlebte er, wie Gott sich ihm zugewandt hat. Im Glauben allein, durch die Schrift allein, allein aus Gnaden, allein durch Jesus Christus hat er eine Beziehung zu Gott bekommen. Nüchtern betrachtet könnten wir sogar mit diesem Jubiläum das Ende der Epoche des reformatorisch-evangelischen Glaubens begehen.

Natürlich gibt es Vieles, wofür wir dankbar sein können – ja müssen. Die Reformation hat uns ja gerade das Vertrauen in Gott, sein Wort, seine Gnade, seinen Christus, sprich: in den Glauben gelehrt. Aber gerade das scheint in der Breite der Bevölkerung immer mehr abhanden zu kommen. Selbst in den Kirchen macht sich eine „Spiritualität“ breit, die auf das eigene religiöse Gefühl ausgerichtet ist und die Verkrümmung in sich selbst nur verstärkt. Wer sich nicht mehr als Sünder sieht, braucht auch keinen gnädigen Gott. Was Bonhoeffer als „billige Gnade“ beschrieben hat ist wieder voll im theologischen Trend. Allenthalben hören wir von Kanzeln und Kathedern, dass ein guter Gott niemanden bestraft. Wir seien alle von Gott geliebte Menschen und seine Kinder – und deswegen „o.k.“. Die objektive Ausrichtung des Glaubens auf den gekreuzigten und auferstandenen Christus als alleinigen Weg zu Gott steht für viele nicht mal mehr als Option zur Debatte, geschweige denn die Notwendigkeit der Buße, der Bekehrung und der Wiedergeburt, um ein Kind Gottes zu werden.

Ein Kind Gottes hat seinen Geist

Aus dem evangelischen Anliegen ist ein „protestantisches Prinzip“ geworden. An Stelle in Christus einen gnädigen Gott zu bekommen, der die Trennung von Gott und Mensch durch seinen Sühnetod überwand, ist ein „protestantisches Prinzip“ geworden, dass alle Optionen offen halten möchte, die Kirche „nach den Bedürfnissen der Menschen“ zu gestalten. Es ist viel die Rede vom Entstehen einer zivilen Religion, die nicht mehr Bekenntnisorientiert ist, sondern den vermeintlichen Bedürfnissen der Gesellschaft sich anpasst. Auch hier ist der Mensch das Maß aller Dinge. Der in sich gekrümmte Mensch hat Gott und seine Möglichkeiten nicht im Blick und kann deswegen nur verzweifeln. Das ist für Kierkegaard die eigentliche Sünde und „die Krankheit zum Tode“, die eigentliche Herzenskrankheit unserer Tage. Darum schenkt Gott ein neues Herz. Das tut er überall, wo sein Geist den Glauben in einem Menschenherzen weckt. Und damit hängt das zweite Versprechen unserer Jahreslosung zusammen: In die Mitte seines Volkes gibt Gott einen neuen Geist.

Auch der Prophet Joel hat diese Schau bekommen. An Pfingsten ist es dann Wirklichkeit geworden, wo Gott seinen Heiligen Geist auf die versammelten Jünger ausgoss.

Seit Pfingsten gilt: in jedem Christen wohnt der Geist Gottes. Das macht ein neues Leben möglich. Zum neuen Herzen kommt ein neuer Geist. Nicht ein neuer menschlicher Geist, sondern der Geist des lebendigen Gottes! Haben wir das für unser Leben begriffen? Um die Tragweite dieses Geschehens zu verstehen, müssen wir wieder zur Schöpfungsgeschichte zurückkehren. Am sechsten Tag der Schöpfung, als Gott den Menschen schuf, war der grundlegende Unterschied zu allen anderen Lebewesen, zu den Tieren, Fischen und Vögeln der, dass das Leben dem Menschen von Gott selbst eingetaucht wurde. Der Mensch besaß am Anfang göttliches Leben, auf die Ewigkeit angelegtes Leben, ein Leben in Unschuld ohne Verfallserscheinungen. Wo durch die Sünde die direkte Beziehung zu Gott verloren ging, ging auch die Quelle des göttlichen Odems für den Menschen verloren. Es folgte der Tod als unausweichliche Konsequenz dieser Trennung vom Spender des Lebens.

Was die Propheten Ezechiel und Joel vorhergesagt hatten, ist an Pfingsten wahr geworden. Seitdem gibt es wieder Zugang zum Geiste Gottes für den Menschen. Besser gesagt: es gibt Zugang zum Menschen für den Geist Gottes. Gott hat sich den Zutritt zum Menschenherzen teuer erkauft. Jesus hat dafür mit seinem Leben bezahlt. Wo die Sündenschuld beglichen ist, hat der Teufel keinen Anspruch mehr auf den Menschen. Der Weg ist frei für Gottes Geist – für sein Lebensodem. Der Geist Gottes der in uns wohnt und uns und unser Leib zu seinem Tempel macht 1Kor 6 u. 9), der schenkt Glauben und neues Leben. Er macht uns durch die Wiedergeburt (Joh 3) zu Kindern Gottes und vergewissert uns, dass wir Kinder Gottes sind (Röm 8). Es macht einen Unterschied, ob der Geist Gottes in einem wohnt oder nicht. Das wurde auch seit Pfingsten zu allen Zeiten von Menschen bemerkt, die diesen Geist nicht hatten. Es wäre zu wünschen für dieses Jahr 2017, dass unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Migranten und Flüchtlinge, diesen Unterschied an uns Christen merken. Wo ein neues, von Gott geschenktes Herz und sein heiliger Geist uns beseelen, wird es gar nicht anders gehen!

 

Kadonnut Maailma – Jouluaaton Hartaus/Heilig Abend Andacht 2016

Kadonnut Maailma – Die größte Suchaktion der Weltgeschichte: Gott auf der Suche nach den verlorenen Menschen auf der verlorenen Welt.
Skizze der zweisprachigen Predigt Gehalten vor der finnischen Gemeinde Stuttgart in der Haigstkirche 2016-12-24

 

Ensimmäisenä Jouluna lähti Jumala etsimään…

Sana tuli lihaksi …

Sana tuli lihaksi ja asui meidän keskellämme, ja me katselimme hänen kirkkauttansa, senkaltaista kirkkautta, kuin ainokaisella Pojalla on Isältä; ja hän oli täynnä armoa ja totuutta. Joh 1,14

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns… Gott wurde Mensch in Jesus Christus um uns, die wie verloren waren, zu suchen und selig zu machen. Lk 19,10

Ihmisen poika on tullut etsimään ja pelastamaan sitä, mikä kadonnut on Lk 19,10

„Lost in space…“

Ihminen on ihmisten mielestä lopullisesti hukassa – koko planeetansa kannsa eksyksissä, hävinnyt ja kadoksissa…

Die moderne Wissenschaft hat den Menschen in eine Sinnkrise gestürzt – der Glaube, alles mit der menschlichen Vernunft erklären zu können führt für manche zu dem Zwang, alles mit der menschlichen Vernunft erklären zu müssen…

Ihmisen äly pakottaa siihen, että tunnistamme ihmisen yksinäisyyden avaruudessa…

Tämä maailma, jossa asumme, on kadonnut planeetta. Ihmisillä ei ole aavistustakaan mistä se on tulossa tai mihin se on menossa.

Elämme kadonneella ja eksyneellä planeetalla. Tajuamme, ettei maapallo ole maailmankaikkeuden keskipistettä.

Die Vernunft führt zur Erkenntnis, dass wir allein sind. Milliarden werden in die Suche nach außerirdischem Leben investiert, um diesen Gedanken an die Einsamkeit zu vertreiben. Dabei wird die Erde als solche wie ein Raumkapsel tief im All gesehen.

Eräällä tiedekanavalla YouTube:ssa puhutaan siitä, että maapallo olisi avaruuskapseli:

„Raumschiff Erde: Ein Staubkorn im Universum. Pale Blue Dot…“

(fb) Ronja Schäfer /react-text ‪react-text: 78 /react-text Es ist wirklich Wahnsinn wie klein und unbedeutend der Mensch ist. Leider nimmt sich der Mensch im Allgemeinen stets zu wichtig, will immer mehr Macht, Geld und Status! Aber die Natur ist stärker und das Weltall ist mächtiger. Die Menschheit ist vergänglich!

Nobelin Tiedepalkinnon saaneen ranskalainen tieteilijä Jaques Monod toteaa, että ihminen, kun on rehellinen itselleen, on universumin taustalla täysin merkitsemätön. Kadonnut ja eksynyt ”mustalainen” (politically incorrect) avaruuden reunalla. Hänen musiikki ei kuulla ja hänen rikoksia ei huomata.

 

„Wenn er diese Botschaft in ihrer vollen Bedeutung aufnimmt, dann muss der Mensch […] seine totale Verlassenheit, seine radikale Fremdheit erkennen. Er weiß nun, dass er seinen Platz wie ein Zigeuner am Rande des Universums hat, das für seine Musik taub ist und gleichgültig gegen seine Hoffnungen, Leiden oder Verbrechen.“ (Jacques Monod, zitiert nach: Quadbeck-Seeger, Hans-Jürgen. 2013. Aphorismen und Zitate über Natur und Wissenschaft. John Wiley & Sons. S.9.)

 

 

Niemand sieht sein Leid, niemand hört sein Schreien…

Kadonnut maailma on pelastajan tarpeessa!

Die Welt braucht einen Retter und in Jesus findet sie einen! Er findet und rettet die Welt (Joh 3,16)

Der Menschensohn ist gekommen zu suchen und selig zu machen, eas verloren ist. Lk 19,10 Gott hört und sieht…

Jumala näkee ja kuulu! Ihminen ei ole hänelle merkitsemätön!

Ihmisen poika on tullut etsimään ja pelastamaan sitä, mikä kadonnut on Lk 19,10

 

Adolf Köberle (EZW 92): „(Der Mensch) ist beides zugleich: ein König und ein Bettler . Angesichts der unermesslichen Räume des Weltalls ist er ein Nichts, ei Staubkorn, eine Milbe, ein zerbrechliches Wesen. Doch: ‚Es ist die Größe des Menschen, um sein Elend zu wissen; ein Baum erkennt sich nicht als elend’.“

Ihmisen „kurjuus“ – hyvä suomalainen käsite! Mikä muu kansa olisi sisäistänyt tätä samoin tavoin kuin suomen kansa?

Ihmisen poika on tullut etsimään ja pelastamaan sitä, mikä kadonnut on Lk 19,10

Ein kleiner Junge besucht um die Weihnachtszeit seinen Großvater. Er schaut zu, wie der Großvater an einer Krippenfigur schnitzt. Einige andere Figuren der Weihnachtsgeschichte stehen schon fertig auf dem Tisch. Der Junge wird müde, legst den Arm auf den Tisch, und zuschauen schläft er ein. Im Traum werden die Figuren lebendig, und er ist mitten unter ihnen. Er geht mit in den Stall von Bethlehem und schaut das Jesuskind an.

„Ich möchte gerne drei Dinge von dir haben“, sagt das Jesuskind.

Und der Junge sagt eifrig:„Meinen neuen Mantel, meine elektrische Eisenbahn, mein schönes Buch für den bunten Bildern?“

„Nein“, Erwidert das Jesuskind, „das brauche ich nicht. Ich möchte von dir etwas anderes haben! – Schenk mir deinen letzten Deutschaufsatz!“ sagt das Jesuskind leise.

Der Junge erschreckt:„ darauf hat doch der Lehrer ‚ungenügend’ drunter geschrieben!“

„Eben deshalb will ich ihn haben. Bringst du mir immer alles, wo ‚ungenügend’ darunter steht?“

„Gerne“, sagt der Junge.

– „Und dann möchte ich zweitens von dir Deinen Milchbecher“

„ Aber den hab ich doch zerbrochen!“

„Willst du mir immer alles bringen, was in deinem Leben zerbrochen ist?“ fragt das Jesuskind.

„Und nun mein dritter Wunsch: du sollst mir noch die Antwort bringen, die du deiner Mutter gabst, als sie dich nach dem Milchbecher fragte.“

Da weint der Junge bitterlich und schluchzt: „da hab ich doch gelogen, da wäre mir heruntergefallen. In Wahrheit habe ich den Becher absichtlich auf den Boden geworfen.“

„Ja, du sollst mir immer alle deine Lügen, deinen trotz, dein Böses, was du getan hast, bringen, damit ich dir helfen und dir vergeben, dich heilen und verwandeln kann!“

Da wacht der Junge auf und plötzlich weiß er, warum Gott Mensch geworden ist, und warum Jesus als Heiland geboren wurde: damit er alles ungenügende, zerbrochene und böse heilen und verwandeln kann.

(Nach: Kühner, Axel. 1998. Überlebensgeschichten für jeden Tag. Neukirchen-Vluyn: Aussaat Verlag. S. 326f)

Jeesus ei tullut etsimään onnistuneita, pärjääviä, hyviä ihmisiä. Hän tuli etsimään, mitä kadonnut on. Myös tänä Jouluna saamme tuoda kaiken epäonnistuneemme, rikkoutuneemme, valheemme, pahuuttamme seimen luokse ja jättää sen kaiken siellä hänen luokseen.

Aamen

Das Fasten in biblischer Perspektive

Gedanken für die Adventszeit

Bis zu meiner Zeit in der islamischen Welt wollte ich so recht keine Beziehung zum Thema Fasten bekommen. Auf der einen Seite war mein evangelischer Vorbehalt. Auf der anderen ein mulmiges Gefühl, dass mich immer wieder beschlich wenn ich solche Stellen in der Bibel las, wie z.B. in der Apostelgeschichte, wo das Fasten und Beten als Vorläufer für Gottes Wirken geschildert werden (Apg 13,2; 14,23).

Als Theologe war mir bekannt, dass es sowohl Kritik am Fasten im alten Testament gibt, wie Jesaja 58 sehr eloquent belegt, als auch die Aufforderung zum Fasten im neuen Testament. Es konnte also nicht darum gehen, dass das Fasten zum alten, aber nicht zum neuen Testament gehöre. Irgendwas in mir sagt er aber deswegen auch, es könne sich nicht um eine Unterscheidung zwischen römisch-katholischem und evangelischem Brauchtum handeln.

Ich habe mit den Texten gerungen, bin aber zu keinem für mich befriedigenden Ergebnis gekommen. Dann kamen die acht Jahre in Pakistan. Jedes Jahr ein Monat Fasten. Auf der einen Seite war es beeindruckend zu sehen, wie die Menschen sich an die Vorgaben im Fastenmonat hielten, auf der anderen Seite war es erschütternd zu sehen, wie sich das Fasten auf die Gesellschaft aus wirkte.

Wenn der Fastenmonat Ramadan in die heiße Jahreszeit zwischen Mai und September fiel, Dann gab es am Nachmittag auf den Straßen heftigen Streit, Manchmal auch Prügeleien, weil die Menschen sich schlicht und ergreifend nicht mehr im Griff hatten. Die ganze Gesellschaft war spürbar angespannt. Ist ja auch klar. Wenn man zweimal nachts 2 Stunden wach bleibt um ausgiebig zu essen, damit man am nächsten Tag überhaupt durchhält, dann fehlt einem doch Der Schlaf. Man kann aber auch nicht so auf Vorrat Essen, dass der Hunger – und was noch viel schlimmer ist der Durst – einen nicht am Tag einholt.

Die Menschen sind einfach fix und fertig. Es ist nichts davon zu sehen oder zu spüren, dass durch das Fasten sie geistlich gestärkt und ausgeglichen wären. Von meinen persönlichen Bekannten unter den Muslimen wusste ich, dass viele im Monat Ramadan ein Doppelleben führen: nach außen Fasten sie, hinter verschlossener Tür (und in der Dunkelheit, damit es Allah nicht sieht) brechen Sie das Fasten. Die Tagelöhner sind am schlimmsten dran, denn sie müssen tagsüber Leistung abrufen, körperlich arbeiten, sich verausgaben. Die kommen richtig runter während des Fastenmonats, können Sie sich doch die reichhaltigen Speisen die die anderen nachts essen nicht leisten…

Es ist aufgefallen, wie die Fernsehmoderatorinnen und Nachrichtensprecher im Monat Ramadan gegen Ende des Monats ein immer fülligeres Gesicht bekommen haben. Daraufhin habe ich meine Bekannten genauer angesehen und die Beobachtung wurde bestätigt: Das Fasten im Monat Ramadan bedeutete nicht weniger, sondern mehr essen, nur nicht zur Tageszeit…

Diese Beobachtung führte dazu, dass ich das Fasten in der Bibel neu anschaute. Von der Fastenkritik im alten Testament wurde deutlich: Es geht Gott nicht darum, dass wir uns kasteien, sondern darum dass unser Handeln den Maßstäben seiner Gerechtigkeit entsprechen.

Wo Jesus im neuen Testament seine Jünger anweist, sich schön anzuziehen und sein Äußeres zu pflegen wenn man Fasten will (Mt 6,16ff), dann tut er das aus zwei Gründen:

Erstens sollen wir nicht Fasten um von anderen bewundert zu werden. Es ist etwas, was zwischen uns und Gott steht. Es darf nicht geschehen, um den Menschen zu gefallen oder weil man glaubt, durch Askese Gott mehr zu Gefallen als durch Dankbarkeit für seine guten Gaben (1Tim 4, 3). Die Anderen sollen es gar nicht merken, wenn wir Fasten.

Zweitens sollen wir Fasten tun, weil es uns gut tut. Nur dann wird es auch Gott gefallen. Wenn wir beispielsweise eine Mahlzeit am Tag ausfallen lassen, um mehr Zeit für unsere Beziehung zu Gott oder zu unseren Mitmenschen zu haben, um Dinge zu unternehmen, von denen wir wissen, dass es Im Sinne unseres himmlischen Vaters wäre, wir aber sonst nicht dazu kommen, dann ist das ein sinnvolles Fasten. Das ist auch ein befriedigendes Fasten. Das ist dein Fasten, das Gott gefällt.

Alles hat seine Zeit

Die Jünger Jesu wurden von den Schriftgelehrten und Pharisäern beschuldigt, dass sie nicht Fasten würden (Mt 9,14f). Jesu Antwort darauf war, dass es von Ihnen gar nicht zu erwarten sei, solange der Bräutigam bei Ihnen wäre. Es gibt Zeiten, die zum Fasten einladen, ja sogar dieses Verlangen. Und es gibt eine heilsame Praxis, in regelmäßigen Abständen sich besonders Gott, Seinem Wort und seinem Werk zuzuwenden. In der Alten Kirche wurde mittwochs und freitags gefastet (Didache 8,1). Bis in unsere Zeit hinein wurden der Advent und die Passionszeit in Vorbereitung für die großen Feste der Christenheit als besonders geeignete Fastenzeiten anerkannt.

Unter dem Strich

Die Bibel lädt zum Fasten ein. Gott will aber kein Fasten im Sinne einer Werkgerechtigkeit. Wir können den Arm Gottes nicht erzwingen. Er sieht, ob unsere Bitten ernst sind oder nicht. Aber vielleicht haben wir es nötig zur Klärung unserer eigenen Gedanken, Ziele und Prioritäten, wie an den in der Apostelgeschichte genannten Stellen gezeigt wird. Vielleicht brauchen wir die Zeit und die Muße, um vom alltäglichen wegschauen zu können, Distanz zu gewinnen und es einfach zu genießen, Zeit für Gott und für unser Leben mit ihm zu haben.

David – ein Mann nach dem Herzen Gottes

(und sein Beziehungschaos)

Wir brauchen Rollenmodelle – Helden des Glaubens, an denen wir Inspiration holen können. Es ist aber noch hilfreicher, wenn wir erkenn, dass diese Vorbilder alle auch nur Menschen sind mit Stärken und Schwächen… Was können wir vom Leben Davids lernen? Gerade durch seinen Umgang mit Sünde und Versagen können wir am Meisten lernen. Schließlich ist er auch deswegen (nicht trotzdem!) ein „Mann nach dem Herzen Gottes“!

Prezi – Präsentation: https://prezi.com/_vnxulf6wl9d/

theological! – plain and simple truth