Archiv der Kategorie: Missionstheologie

Muslime verstehen – den eigenen Glauben verstĂ€ndlich machen

Seminar auf dem Integrationskongress in SchwĂ€bisch GmĂŒnd (Schönblick)

Hier die PrĂ€sentation, die man in einem neuen Tab oder Fenster öffnen kann und hier das Audio dazu abspielen. Durch die Prezi klicken muss man selber 🙂 – aber es ergibt sich ja aus dem Zusammenhang…

Prezi-PrÀsentation 1. Teil (Muslime Verstehen)

Prezi-PrÀsentation 2. Teil (Den eigenen Glauben verstÀndlich machen)

 

Audio zur 2. Einheit:

Audio zur 1. Einheit:

 

Die gegenwĂ€rtige Völkerwanderung – Eine große Chance fĂŒr die Kirche

Seit weingen Jahren kann man vereinzelt in den Medien ganz offen von der heute statt findenden Völkerwanderung hören. Noch 1992 hat die Prognose einer ausstehenden Völkerwanderung einen hohen NATO-General aus den Niederlanden sein Posten gekostet.

In vielen VortrÀgen und BeitrÀgen weise ich darauf hin, dass die gegenwÀrtige Völkerwanderung mit z.Zt. (Juni 2018) mehr als 68.500.000 Menschen weltweit auf der Flucht oder aus ihrer Heimat vertrieben sowohl Gefahr als Chance darstellt. Z.B. im Beitrag:

FLÜCHTLINGSFLUT – GEFAHR ODER CHANCE?

vom Februar 2016. Die Gefahren, u.A. Parallelgesellschaften, Ghettobildung, Selbstjustiz durch sogenannte „Friedensrichter“, Mehrbelastungen fĂŒr das Sozialsystem u.s.w., sind meist offensichtlich. Nicht fĂŒr alle erkennbar sind die Chancen. Wenn es gelingt, echte Intergration in Europa zu schaffen, dann gibt es den gesellschaftlichen Nutzen durch zusĂ€tzliche ArbeitskrĂ€fte und Steuerzahler fĂŒr die sonst fehlenden BĂŒrger durch den demographischen Wandel. Viel wichtiger ist aber m.E. die möglichkeit, Menschen aus autokratischen, despotischen, patriarchalischen Kulturen und LĂ€ndern den judeo-christlichen Wertekanon zu vermitteln. Die vielgescholtene Kolonialzeit hatte neben der Ausbeutung zu einem AufblĂŒhen vieler sogenannten EntwicklungslĂ€nder im Bereich Bildung, Wissenschaft, Handel und Kultur gefĂŒhrt. Seit dem RĂŒckzug aus den Kolonien bleibt zwar die Ausbeutung durch global agierenden Firmen, aber in den meisten ehemaligen KoloniallĂ€ndern ist die Bildung samt Wissenschaft und Wirtschaft kollabiert oder in die HĂ€nde einer einheimischen Elite geraten. Korruption und Misswirtschaft lassen die Bevölkerungen der LĂ€nder immer Ă€rmer werden. Die an Rohstoffen reichsten LĂ€nder haben auffallend arme Bevölkerungen und gewaltsame Konflike um die Macht ĂŒber die Mittel…

Matthew Parris schrieb am 27.12.2008 in seinem fulminanten Artikel in The Times (London)

»As an atheist, I truly believe Africa needs God«

»Missionaries, not aid money, are the solution to Africa’s biggest problem – the crushing passivity of the people’s mindset«

https://www.thetimes.co.uk/article/as-an-atheist-i-truly-believe-africa-needs-god-3xj9bm80h8m)

davon, dass – so ungerne er es zugibt – nur der christliche Glaube Afrika vor einem kranken Mix aus „Nike, the witch doctor, the mobile phone and the machete“ retten kann. Er beobachtete es an den Menschen dort, wie der christliche Glaube ihr Leben und ihre Einstellung zur Gesellschaft verĂ€ndert.

Das christliche Weltbild (samt dem neuen Leben in Christus!) ist das Wertvollste, was wir in der nachchristlichen Gesellschaft besitzen. Damit mĂŒssen wir wuchern – und zwar hier zuhause! Hier gerĂ€t das immer mehr in Vergessenheit oder es wird einfach ignoriert.

Menschen, die zu uns kommen, suchen Hoffnung. Ich meine, die beste Hoffnung, die wir bieten können, ist die christliche Hoffnung. Dazu hier ein Beitrag von Uwe Siemon-Netto:

Völkerwanderung-Eine große Chance fĂŒr die Kirche

Hier noch ausfĂŒhrlicher zu dieser Thematik  meine Predigt vom 24.6.2018 in Endingen:

Gehet hin…wenn die Welt vor der eigenen HaustĂŒr beginnt

 

 

 

 

Gehet hin…wenn die Welt vor der eigenen HaustĂŒr beginnt

Predigtskizze zu 1Petr 3,8-17, Endingen, d.24.6.2018

Hier die Audiodatei der Predigt

und des „Kreuzverhörs“ danach

 

Predigtskizze (n.b.: im Vortrag grĂ¶ĂŸere Abweichungen/Auslassungen)

Was kann einen Unterschied in dieser Welt machen?

Was kann grundsĂ€tzlich VerĂ€nderung herbeifĂŒhren?

 

Petrus, der auffĂ€lligste JĂŒnger Jesu und Apostel sagt es uns in wenigen Worten:

In Euren Herzen muss jemand anderer die Kontrolle ĂŒbernehmen!

 

»heiligt aber den Herrn Christus in euren Herzen. Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert ĂŒber die Hoffnung, die in euch ist« (1Petr 3,15)

 

1.    GlaubwĂŒrdig leben – ein Segen sein!

 

Zum Rektor geschickt

 

Hausmalerei im FrĂ€nkischen Spalt: „Lebe so, dass niemand der ĂŒblen Nachrede glaubt, die ĂŒber dich verbreitet wird“

 

Heute Abend ist ein JuGo in Mössingen zum Thema „Brot kann schimmeln – was kannst du??

 

Ein guter Baum bringt keine schlechten FrĂŒchte, eine salzige Quelle kein sĂŒĂŸes Wasser


 

ERBEN des SEGENS

Den Segen erben – Verwalter des Segens

 

An euren FrĂŒchten…

 

Seligpreisungen

 

GlaubwĂŒrdig leben heiß: DEN SEGEN WEITERGEBEN!

 

Jesus hat das fĂŒr uns, die wir ernsthaft ihm nachfolgen wollen, in der Bergpredigt thematisiert: Salz und Lichtsollen seine JĂŒnger in der Welt sein!

In unserem Text heißt es, wir sind berufen, den Segen zu erben – aber das heißt nicht, den Segen fĂŒr uns zu behalten!

 

Alles verfĂ€llt von alleine, wenn man nicht aktiv am Erhalt arbeitet (auch Beziehungen, Frieden…) Parmaschinken-Kochschinken

 

Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt.So und nicht anders werden wir vor der Welt als Jesu JĂŒnger gelten!

 

Schon im Alten Testament galt der Grundsatz: Ich will euch segnen und Ihr sollt ein Segen sein!

1.Mose 12,2 Und ich will dich zum großen Volk machen und a will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.

2.Mose 23,4  Wenn du dem Rind oder Esel deines  Feindes begegnest, die sich verirrt haben, so sollst du sie ihm wieder zufĂŒhren. 5 Wenn du den Esel deines Widersachers unter seiner Last liegen siehst, so laß ihn ja nicht im Stich, sondern hilf mit ihm zusammen dem Tiere auf.

Hiob 31,29 Hab ich mich  gefreut, wenn’s meinem Feinde ĂŒbel ging, und mich erhoben, weil ihn UnglĂŒck getroffen hatte?

Spr 25,21-22 Hungert deinen Feind, so speise ihn mit Brot, dĂŒrstet ihn, so trĂ€nke ihn mit Wasser, denn du wirst feurige Kohlen auf sein Haupt hĂ€ufen, und der HERR wird dir’s vergelten.

 

Ein Segen sein fĂŒr unser Land! Ein Segen fĂŒr unser Volk! Ein Segen fĂŒr die Migranten unter uns!

 

FlĂŒchtlingskonferenz II als Integrationskonferenz

 

Gott schickt die Menschen zu uns – Chancen und Risiken

 

Einmalige Chance, Hoffnung zu schenken

 

Nicht die Reste, sondern das Beste anbieten: HOFFNUNG!

 

Migranten einladen

 

Hoffnung schenken geht nur, wenn wir Gottes neue Wege fĂŒr den Menschen gehen!

Das kann nur funktionieren, wenn wir „Christus in unserm Herzen heiligen“. Was heißt das?

 

2.   Christus ans Steuer lassen!

 

Die schlechte Nachricht:

Von uns aus können wir’s nicht

Die gute Nachricht:

von uns aus mĂŒssen wir’s nicht!

 

Wir dĂŒrfen nicht resignieren! Wir können einen Unterschied in dieser Welt machen – mit Gottes Hilfe und auf seinem Wege


 

GOTT kann und will durch seine Kirche  in dieser Welt wirken! Dass geschieht vornehmlich dadurch, dass wir seinen Willen tun – und diesen hat er uns auch hier bekundet! Wir dĂŒrfen und sollen Überwinder sein – dass geschieht im gelebten Glauben:

Vergeltet nicht Böses mit Bösem (vgl. Jahreslosung 2011Röm 12,21 Laß dich nicht vom Bösen ĂŒberwinden, sondern ĂŒberwinde das Böse mit Gutem) – Jesus lehrt uns einen grundsĂ€tzlich neuen und radikal anderen, neuen Weg: Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brĂŒderlich, barmherzig, demĂŒtig


Das kommt gleichermaßen im Wochenspruch vor: Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfĂŒllen (Gal 6,2)

Schließlich spricht der Apostel Petrus den Kernsatz aus:Heiligt den Herrn Christus in euren HerzenDas heißt, unsere Herzen sollen Jesus gehören. Er soll das Sagen in unserem Leben haben.

 

Der Zusammenhang von unserem Predigttext macht es ganz klar, wie das aussehen sollte

 

1Petr 3,8-17

8 Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brĂŒderlich, barmherzig, demĂŒtig.

9 Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt.

10 Denn »wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hĂŒte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrĂŒgen.

11 Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach.

12 Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Gebet; das Angesicht des Herrn aber steht wider die, die Böses tun« (Psalm 34,13-17).

13 Und wer ist’s, der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nacheifert?

14 Und wenn ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. FĂŒrchtet euch nicht vor ihrem Drohen und erschreckt nicht;

15 heiligt aber den Herrn Christus in euren Herzen. Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert ĂŒber die Hoffnung, die in euch ist,

16 und das mit Sanftmut und Gottesfurcht, und habt ein gutes Gewissen, damit die, die euch verleumden, zuschanden werden, wenn sie euren guten Wandel in Christus schmÀhen.

17 Denn es ist besser, wenn es Gottes Wille ist, dass ihr um guter Taten willen leidet als um böser Taten willen.

 

 

 – so genau wollen wir es vielleicht auch gar nicht wissen!

 

 

Friedrich Nietzsche: wenn etwas an der Erlösung dran wĂ€re, mĂŒssten die Christen erlöster wirken… (Er wirkte nicht gerade so in seinem Nihilismus! Aber das ist eine andere Geschichte
)

Worauf hoffen Sie?

 

Haben Sie die Hoffnung, die Jesus gibt? Haben sie und heiligen Sie Jesus Christus in Ihrem Herzen? Sind sie in der Lage und bereit, Rechenschaft von dieser Hoffnung abzulegen?

 

 

Seid allezeit bereit – zum Zeugnis! Zum Zeugnis von der Hoffnung, die wir als Christen haben!

 

Christus ans Steuer lassen!

3.    HoffnungstrÀger werden!

 

Wir dĂŒrfen und sollen Menschen der Hoffnung sein!

Auch wenn der Apostel Petrus der Gemeinde reinen Wein im Blick auf Anfeindung und Verfolgung der Gemeinde einschenkt: es geht um die positive Botschaft, dass wir in Christus Hoffnunghaben! In der Nachfolge Jesu Christi gibt es Leben und volle GenĂŒge (Joh 10,10 )

heiligt aber den Herrn Christus in euren Herzen. Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert ĂŒber die Hoffnung, die in euch ist!

Christen sind HoffnungstrĂ€ger fĂŒr diese Welt, weil sie Christus in ihren Herzen tragen und ihn in ihren Herzen heiligen.

Was heißt das?

Wo unsere Herzen Jesus gehören, gehört unser Leben ihm. „Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ Mt 6,21

Das klingt fĂŒr viele Menschen unserer Tage nach Entbehrung und Verzicht. Im Gegenteil! So gewinnen wir das Leben!  Lk 9,25  Denn welchen Nutzen hĂ€tte der Mensch, wenn er die ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst oder nĂ€hme Schaden an sich selbst?

Hier wird ganz bodenstÀndig bekundet:

10 Denn »wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hĂŒte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrĂŒgen.  11 Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach.

 

Der Glaube an Jesus Christus spielt sich nicht in den Gedanken, sondern im gelebten Leben ab!

Wort und Tat gehören zusammen! Ein Glaube, der nicht zur Tat wird, ist kein Glaube, ist ein toter Glaube…

 

 

Der einzige Weg, aus der Gewaltspirale dieser Welt heraus zu kommen ist: suche Frieden und JAGE ihm NACH! Das ist anstrengend. Das verlangt Arbeit und Investition. Aber einen anderen Weg gibt es nicht. Alles verfĂ€llt von alleine, wenn man nicht aktiv am Erhalt arbeitet (auch Beziehungen, Frieden…)

 

Dabei erfahren wir Gottes besonderen Schutz.

 

13 Und wer ist’s, der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nacheifert? 14 Und wenn ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. FĂŒrchtet euch nicht vor ihrem Drohen und erschreckt nicht;

Christen wissen, wo sie hingehören und wo sie hinkommen werden.

 

Unsere Botschaft ist Hoffnung! davon geben wir Rechenschaft!

 

Es wird nicht einfach sein.

 

Die MÀchtigen wollen keine VerÀnderung!

 

Wenn schon leiden, dann fĂŒr die richtige Sache!

Als ehrenamtlicher Vorsitzender des AKREF und des IIRF intensiv mit Christenverfolgung weltweit beschÀftigt


 

Interessant ist, wie unterdrĂŒckte und verfolgte Christen es fĂŒr eine Ehre ansehen, fĂŒr ihren Herrn leiden zu dĂŒrfen.

 

Die Usbekin Schirinai Dossova berichtet: „Einmal fuhren wir mit der ganzen Gemeinde in einen Vorort von Moskau zur Taufe. WĂ€hrend der Fahrt mit der Straßenbahn bezeugten wir unseren Glauben. Eine zu TrĂ€nen gerĂŒhrte Frau bedankte sich bei uns und schenkte uns einen großen Blumenstrauß, den sie wohl von der Datscha mitgebracht hatte. Einige Zeit spĂ€ter trat ein Mann auf mich zu und spuckte mir ins Gesicht. Mit der Bibel in der einen und den Blumen in der anderen Hand stand ich da mit einem bespuckten Gesicht, und die Gemeinde schaute mich an. Zwar versteht man das erst spĂ€ter, aber gerade solche Augenblicke zĂ€hlen im Nachhinein zu den glĂŒcklichen im Leben.“

 

V.14 in moderner Übersetzung:

Es ist eine Ehre, fĂŒr Christus zu leiden

Lasst euch nicht von ihnen einschĂŒchtern!

 

Mut zeigen.

Zum Glauben stehen.

Gegen den Strom  schwimmen

„…Unser Herr kommt“

Was können uns Menschen tun? Röm 8,38

 

Unsere Botschaft ist Hoffnung! davon geben wir Rechenschaft!

 

 

Das Gebet – der SchlĂŒssel zu einer dreifachen TĂŒr

Das Gebet – der SchlĂŒssel zu einer dreifachen TĂŒr

Predigt zu Kolosser 4,2-6 am Sonntag Rogate 2018

 

 

Predigtskizze:

 

Kol 4, 2-6

2 Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung!

3 Betet zugleich auch fĂŒr uns, dass Gott uns eine TĂŒr fĂŒr das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin,

4 damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss.

5 Verhaltet euch weise gegenĂŒber denen, die draußen sind,

und kauft die Zeit aus.

6 Eure Rede sei allezeit freundlich

und mit Salz gewĂŒrzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.

 

In unserem Text ist die Rede vom Gebet und von einer TĂŒr. Da werden wir noch mal an den Predigttext vom letzten Sonntag erinnert, vom Lobpreis hinter verschlossenen TĂŒren im GefĂ€ngnis der Stadt Philippi. Auch daran, wie wĂ€hrend Paulus und Silas um Mitternacht im Gebet wachten und Gott lobten ein Erdbeben die Fesseln und die TĂŒren öffnete.

 

Heute, am Sonntag „Rogate“ (betet) geht es um diese SchlĂŒsselfunktion des Gebets: Das Gebet öffnet TĂŒren!

 

Gandhi: Das Gebet ist der SchlĂŒssel fĂŒr den Morgen und der TĂŒrriegel fĂŒr den Abend

  • eröffnet Möglichkeiten und bietet Schutz zugleich
  • 2 Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung!
  • 3 Betet zugleich auch fĂŒr uns, dass Gott uns eine TĂŒr fĂŒr das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin,
  • 4 damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss.

 

Hier haben wir es mit dem Gebet zu tun, das eine dreifache TĂŒr in drei Dimensionen öffnet:

1) Das Gebet öffnet die TĂŒr nach oben

– es öffnet die TĂŒr zu Gott

  • Wir ahnen gar nicht, wie wichtig das Gebet ist!
  • Es gehört zu dem Wesentlichsten des Lebens!
  • Warum bist Du auf der Welt?
  • Weil Gott Dich erschaffen hat
  • Warum hat er dich – den Menschen ĂŒberhaupt erschaffen?
  • Um die Beziehung mit ihm – d.h. auch mit dir – zu haben und zu Genießen
  • Martin Buber: Ich und Du!
  • Grundlage jeder Beziehung ist die Kommunikation
  • Ich kann niemand kennen, wenn ich nicht mit ihm rede oder zumindesrt geredet habe…
  • Beim Gebet geht es nicht um Informationsaustausch
  • Gott braucht unsere Bitten nicht – er weiß schon lange vorher, was wir wĂŒnschen oder brauchen (Ps 139) – Er will die Beziehung zu dir!
  • Beharrlich im Gebet zu bleiben heißt, dass mir die Kommunikation mit Gott wichtig ist
  • „Wachen“ im Gebet – Frisch verliebte können auch die Nachtstunden im GesprĂ€ch verbringen… Eheberater: Zeit fĂŒr einander nehmen – Zeit fĂŒreinander einplanen – Das gilt auch die Zeit mit Gott!
  • Vielleicht geht es Euch wie mir – bei Nacht beten tue ich nur wenn ich sowieso nicht schlafen kann…
  • Es geht nicht um Leistung! (Vgl. Gebet im Islam!)
  • „Betet ohne Unterlass!“ (Der Milchmann „Tewje“ in „Anatevka“, Vorlage fĂŒr „Monsieur Claude und seine Töchter“)

2) Das Gebet öffnet die TĂŒr nach innen

– es öffnet die TĂŒr zum Herzen fĂŒrs Wort

  • Das Wort weckt den Glauben
  • Der Glaube ist ein Geheimnis
  • Das Gebet bewegt Gott durch seinen Geist Menschenherzen anzurĂŒhren
  • Die gute Nachricht ist zwar verstĂ€ndlich, aber ĂŒberzeugen tut sie nur, wo der Glaube die HerzenstĂŒre öffnet
  • Glaube – wenn einer zum Glauben kommt, kann er auf einmal zusammenhĂ€nge verstehen → Nikodemus/Wiedergeburt ist unlogisch
  • So erleben wir das etwa im Konfirmanden- oder Religionsunterricht (Tauben „hinauskonfirmiert“)
  • Der Glaube bleibt ein Geheimnis. Auch bei der genialen Zusammenfassung des Abiturstoffs in evangelischer Religion von dem geschĂ€tzten Professor am Staatlichen Seminar fĂŒr Didaktik und Lehrerbildung in TĂŒbingen „Peter Kliemann, Glauben ist menschlich. Argumente fĂŒr die Torheit vom gekreuzigten Gott.“ In 17. Auflage(!!) bleibt der Glaube ein Geheimnis, der mir offenbart werden muss. Das kann nur Gott tun durch seinen heiligen Geist.
  • Argumente FÜR die Torheit vom gekreuzigten Gott…
  • Wir wollen – ja mĂŒssen diesen Glauben weitergeben. Gott will uns dabei gebrauchen die Ofterdinger zu erreichen mit seiner frohen und frohmachenden Botschaft – darrum das dritte und letzte:

 

 

5 Verhaltet euch weise gegenĂŒber denen, die draußen sind,

und kauft die Zeit aus.

6 Eure Rede sei allezeit freundlich

und mit Salz gewĂŒrzt, dass ihr wisst,

wie ihr einem jeden antworten sollt

3) Das Gebet öffnet die TĂŒr nach Außen

  • es öffnet die TĂŒr fĂŒr die VerkĂŒndigung/die Botschaft
  • Gott schenkt die Gelegenheiten, um die wir Bitten!
  • Gott kann auch das „Salz“ in der Suppe, die WĂŒrze in unserem Reden schenken
  • Gott schenke uns die Freundlichkeit den Menschen GegenĂŒber, die von ihm (und oder uns) nichts wissen wollen, damit sie dadurch seine Liebe erfahren können!
  • Den Juden ein Jude… (Bonhoeffer hat es sich was kosten lassen – im GefĂ€ngnis wurde er zum Seelsorger fĂŒr seine Peiniger)
  • Verhaltet euch weise gegenĂŒber denen, die draußen sind, und kauft die Zeit aus
  • Wie schaffen wir das, dem Anderen die AUGEN ZU ÖFFNEN ABER NICHT VOR DEN KOPF ZU STOßEN?
  • Antworte werden auf Fragen Die Menschen werden von sich aus nur fragen, wenn sie bei uns etwas sehen, was sie vielleicht nicht verstehen!
  • Es braucht die Begegnung! Nicht nur im Gebet mit Gott, sondern auch im GesprĂ€ch mit den Menschen!
  • Beten wir doch, dass Gott uns die TĂŒr nach außen zu den Menschen von Ofterdingen, den Menschen am Arbeitsplatz, den Menschen in Bekanntschaft und Verwandschaft!
  • Wir sind vielleicht nicht direkt verantwortlich fĂŒr die Menschen in Stuttgart oder Berlin – aber wer, wenn nicht wir, ist verantwortlich dafĂŒr, dass die Menschen von Ofterdingen den lebendigen Christus kennen lernen?
  • Wir sollen uns nicht dabei „Druck“ machen, sondern es zu unserem Gebetsanliegen machen und es vor Gott bringen, der Mittel und Wege hat!
  • Betet fĂŒr alle, die das Wort sagen – in den Gruppen und Kreisen, in der Schule, von der Kanzel – Paulus sagt: Betet fĂŒr uns, dass Gott uns eine TĂŒr fĂŒr das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können
  • Das Gebet öffnet auch diese TĂŒr nach außen zu den Menschen draussen vor der TĂŒr!

 

 

Reformation heute? Umkehr!

Reformation heute?

Reformation folgt auf Erneuerung, die durch Umkehr kommt!

Dass Reformation in den verfassten Kirchen unserer Tage notwendig wĂ€re, setze ich als gegeben voraus. Ohne grundlegende Reformation werden wir den Sog nach unten in den Kirchen nicht stoppen können. Die Frage ist, ob Reformation ĂŒberhaupt noch möglich ist, und wenn ja, wie? Deshalb das Fragezeichen. Die GrĂŒnder des Albrecht-Bengel-Hauses haben geglaubt und vertraut, dass durch Treue zur biblischen Botschaft in der Ausbildung der Theologen eine VerĂ€nderung zum Positiven in der Kirche möglich ist. Auch heute ist das unser Programm. Wir wollen im Gehorsam gegen Gottes Wort Gemeinde fĂŒr die Zukunft bauen. Die SchlĂŒsselrolle der Pfarrer und der Religionslehrer fĂŒr die Entwicklungen in den Kirchen ist unumstritten. Da sind wir dran und da wollen wir weitermachen.

Viele unserer Ehemaligen haben auch Großartiges geleistet und sind unzĂ€hligen Menschen zum Segen geworden. Das ABH hat durch die ganzheitliche Begleitung der Studierenden schon einen Unterschied in der kirchlichen Landschaft und im Gemeindeleben weit ĂŒber die Grenzen der wĂŒrttembergischen Landeskirche hinaus bewirkt. Wir haben immer noch Hoffnung fĂŒr das landeskirchliche Leben in den Gemeinden. Allerdings haben wir dabei mit einer stetigen Zunahme an BĂŒrokratie und Bestrebung zur Zentralisierung der Macht zu kĂ€mpfen. Die Gemeinden werden immer mehr entmĂŒndigt. Programme werden von oben verordnet.

Es ist schon gut zehn Jahre her, dass die EKD ihr Programm mit den zwölf „Leuchtfeuern“ unter dem Titel „Kirche der Freiheit“ auflegte. Was zunĂ€chst als ernstes und ernstzunehmendes Anliegen begann, versandete in typischer Weise fĂŒr Großkirchen im BemĂŒhen alles allen zu sein, und vor allem in der UnfĂ€higkeit und dem Widerwillen, sich wirklich zu verĂ€ndern – zum Beispiel in der Auflockerung des Parochialprinzips (Leuchtfeuer 2). Dies gilt auch fĂŒr die groß aufgelegten Programme „Notwendiger Wandel“, „Wirtschaftlich handeln“ und den „Pfarrplan“ in der wĂŒrttembergischen Landeskirche. Nach Meinung der im Folgenden erwĂ€hnten Experten werden sich die etablierten Kirchen als Institutionen nicht reformieren lassen. Es fehlen der Wille und die Möglichkeiten in den vorherrschenden Strukturen dazu. Verkrustete, starre Strukturen halten die Kirchen gefangen. Wir im ABH setzen unsere Hoffnung in die Gemeinde Jesu Christi vor Ort.

DĂŒstere Prognosen fĂŒr die Kirche

Die Landeskirchen selber scheinen nicht so zuversichtlich zu sein. Mit Blick auf den demographischen Wandel und den Austritten aus der Kirche stehen alle Signale auf RĂŒckzug, Einsparungen und „Gesundschrumpfen“. Zugleich wird aber an ĂŒberholte volkskirchlichen Paradigmen und AnsprĂŒchen festgehalten. „Im Jahre 2030 ist die evangelische Kirche in der öffentlichen Wahrnehmung dadurch stark, dass sie gemeinsame Themen und Positionen vorgibt, die in die Gesellschaft hineingetragen und vertreten werden“ (Leuchtfeuer 9). „Im Jahre 2030 reprĂ€sentiert die EKD im Dienst der Gemeinschaft der Gliedkirchen den deutschen Protestantismus in der Öffentlichkeit“ (Leuchtfeuer 12). Es scheint so, als wĂŒrden sich die Kirchenleitungen fĂŒr die Kirche Christi halten. Kirche ist aber gelebte Gemeinschaft als Leib Christi in der Gemeinde. Das geschieht vor Ort.

Der Drang zur Fusion einzelner Gliedkirchen der EKD, oder gar zur Einrichtung einer einzigen „Evangelischen Kirche in Deutschland“ durch Vereinigung aller Landeskirchen entstammt a) dem Wunsch, auch bei schwindenden Mitgliederzahlen eine „Großkirche“ als GegenĂŒber fĂŒr den Staat zu sein und b) dem Irrtum, man könne Verwaltungskosten sparen, in dem man Kirchen zusammenlegt. FĂŒr Kirchenleitungen scheinen die Kirchengemeinden eine Art VerfĂŒgungsmasse zu sein. Auf sie könne man auch verzichten, wenn das Kosten-Nutzen Schema nicht mehr stimme. Leitung – biblisch gesehen – ist immer Dienst an der Gemeinde. Kirchenleitungen erwecken den Eindruck, dass sie sich selbst als „die Kirche“ sehen, nicht als Dienstleister fĂŒr die Kirchengemeinden.

Nicht Reformation, sondern Buße und Erneuerung

„Peters Gesetz“ besagt, dass eine Organisation, sobald sie eine gewisse GrĂ¶ĂŸe erreicht hat, keine besondere Existenzberechtigung fĂŒr sich mehr braucht. Sie existiert, weil sie existiert. Die BeschĂ€ftigten von den obersten Etagen bis hin zu den am schlechtesten bezahlten Angestellten kĂ€mpfen um den Erhalt ihrer eigenen Jobs, ohne unbedingt im Blick zu haben, was dem Wohl der Firma oder Organisation dient. Unsere Landeskirchen sind alt, satt, schwerfĂ€llig und unbeweglich geworden. Sie sind wie die Mega-Containerschiffe oder Öltanker geworden, die 20 km brauchen, um zu halten und 40 km, um zu wenden. Das war vor 500 Jahren bei der sogenannten Reformation (reformatio) nicht anders. Die Kirche konnte in Teilen von Innen heraus erneuert (renovatio) werden nur, weil der Fokus der Reformatoren/Protestanten weg von der Institution Kirche mit ihren verkrusteten und teilweise korrupten Strukturen hin auf das Wort Gottes gelenkt wurde. Es kam in den Kirchengemeinden unter den Menschen allein durch den Glauben an die Erlösung durch die Gnade allein, durch den Erlöser Jesus Christus allein zur Wiedergeburt (regeneratio) des Evangelium gemĂ€ĂŸen Glaubens. Die Gemeinden, die sich um den neu gefundenen Glauben gesammelt haben, mussten sich zunĂ€chst eine neue Form geben – sie haben sich „re-formiert“. Es war aber nur in Teilen der Kirche so.

In unserer Situation wird die Reihenfolge nicht anders sein: regeneratio – renovatio – reformatio. Wir mĂŒssen zu den Wurzeln des Evangeliums zurĂŒckkehren. Ohne Wiedergeburt des Evangelium gemĂ€ĂŸen Glaubens auf breiter Basis keine Erneuerung. Ohne Erneuerung keine wirkliche Reformation. Um es mit einem anderen Bild zu sagen: Manchmal lohnt sich die Renovierung eines GebĂ€udes schlicht nicht mehr. NĂ€mlich dann, wenn sie kostspieliger als ein Neubau ist oder das Resultat einer Renovierung nicht den eigentlichen BedĂŒrfnissen des GebĂ€udes gerecht wird. Man kann das anhand der Renovierung eines KirchengebĂ€udes zeigen: Zahlreiche Kollegen beklagen, dass selbst wenn man eine halbe Million in die Kirchenrenovierung steckt, man trotzdem nicht das Ergebnis hĂ€tte, das man brĂ€uchte, um zeitgemĂ€ĂŸe Gemeindearbeit zu machen. Hohe Erhaltungskosten, wenig Komfort, eine schlechte Akustik, kein GemeinschaftsgefĂŒhl, schlechte oder keine Möglichkeiten zu einer Kinderbetreuung, schlechte Aussichten auf GemeinschaftsrĂ€ume, sanitĂ€re Anlagen, behindertengerechten Zugang
 Man gibt oft das Geld trotzdem aus, weil wir an unseren Kirchen hĂ€ngen. Aber meistens ist es nur wo man Mutiges gewagt hat, beziehungsweise wagen durfte, dass die Ergebnisse wirklich zufriedenstellend und ein echtes Plus fĂŒr die Gemeindearbeit sind. In solch einem Fall ist nicht Erneuerung, sondern Neuanfang nötig. Die Abrissbirne muss Platz fĂŒr neues schaffen – oder man weicht auf einen anderen Bauplatz unter Aufgabe des alten aus.

In Ă€hnlicher Weise hĂ€ngen wir emotional an unseren vertrauten landeskirchlichen Strukturen und sind nicht bereit „outside of the Box“ zu denken. Es war sehr eindrĂŒcklich fĂŒr mich, im GesprĂ€ch mit einem Oberkirchenrat einer der Gliedkirchen der EKD von ihm zu hören, dass er das Aussterben der Landeskirchen unter dem Vorzeichen des Jesuswortes sieht: „Wenn der Weizenkorn nicht in die Erde fĂ€llt und stirbt
“ Manchmal muss etwas sterben, damit etwas Neues wachsen kann. Aber wer sagt, dass es die Gemeinden sein mĂŒssen, die sterben sollen? Warum sollte nicht die obrigkeitliche Denkweise und starr verfasste Kirchenform sterben und die Gemeinden leben lassen? Wir verpassen die einzige wirkliche Chance, die wir haben, wenn wir den Gemeinden nicht die Chance geben, Verantwortung und Mittel fĂŒr ihre Existenz zu ĂŒberlassen.

Umkehr!

Wir brauchen Umkehr zuerst, dann vielleicht Strukturreform

Die Reformation im 16. Jahrhundert erfasste nicht die gesamte Kirche. Es kam zur Abspaltung von Rom und zu NeugrĂŒndungen von kirchlichen Strukturen. Die Gemeinde vor Ort gewann, vor allem im reformierten Bereich, ganz neue Bedeutung und Verantwortung. Wo Christus und sein Wort im Mittelpunkt standen, wurde die Gnade Christi durch die Erleuchtung des heiligen Geistes im Glauben erkannt. Dieser Glaube an den gnĂ€digen Gott, der um Christi Opfer Willen den SĂŒnder ohne jeglichen Verdienst vergibt, hat zur Umkehr gefĂŒhrt. Diese Umkehr hat neues Leben in die evangelisch gewordenen Gemeinden eingehaucht.

Schon lĂ€nger gibt es aus konservativer Richtung Kritik an landeskirchlichen MissstĂ€nde wie die Entfremdung der Kirchenleitungen und theologischen FakultĂ€ten von Bibel und Bekenntnis, das Festhalten an dem Kirchensteuer Modell als alleinige Quelle der Finanzierung des kirchlichen Lebens, oder die unkritische, unreflektierte Taufe jedes Babys, das zur Taufe gebracht wird (vgl. „Das Priestertum aller Getauften“ Leuchtfeuer 5). Inzwischen gibt es auch Kritik von liberaleren Theologen, die erstaunlicherweise ebenfalls anfangen, nach Buße und Umkehr in der Kirche zu rufen. So zum Beispiel BeitrĂ€ge in dem Sammelband Kirche der Reformation? Erfahrungen mit dem Reformprozess und die Notwendigkeit der Umkehr, hrsg. Gisela Kittel und Eberhard Mechels (1. Aufl. Vandenhoeck & Ruprecht, 2016), oder das BĂŒchlein von Paul Bernhard Rothen, das in der TO 179 schon vorgestellt wurde, Auf Sand gebaut. Warum die evangelischen Kirchen zerfallen (2. Aufl. Wien: LIT Verlag, 2015). Nicht neue Projekte oder Programme seien nötig, sondern eine RĂŒckbesinnung auf das Wort und die Gemeinde seien notwendig – und das im buchstĂ€blichen Sinne des Wortes.

Niemand in den Kirchenleitungen scheint daran zu glauben, dass dem Langzeittrend in die Bedeutungslosigkeit ĂŒber Schwund und Abbau der Kirche getrotzt werden könnte. Die einzelnen Landeskirchen machen schon seit einem Jahrzehnt Vorkehrungen fĂŒr den erwarteten Zusammenbruch der Kirchensteuereinnahmen. Wegen der außerordentlich guten konjunkturellen Lage sprudelt zwar noch die Kirchensteuer, aber alle schnallen sich die GĂŒrtel enger. Keiner scheint den Gemeinden selbst es zuzutrauen, um ihre Existenz zu kĂ€mpfen.

Leben Totgesagte lÀnger?

Manchmal muss man schon staunen, wie eine nicht mehr funktionierende Kirche sich halten kann. Zum Beispiel die (noch) grĂ¶ĂŸte reformierte Kirche in den in den Vereinigten Staaten (PCUSA) mit Sitz in St. Louis. Gemeinden treten am laufenden Band aus dieser Kirche aus, weil sie nicht mehr zu ihren eigenen Bekenntnissen steht. Da aber gemĂ€ĂŸ Kirchenverfassung die KirchengebĂ€uden nicht den Gemeinden, sondern der Kirche gehören, mĂŒssen diese ihre eigenen GotteshĂ€user bei ihrem Austritt von der ehemaligen „Mutterkirche“ fĂŒr teures Geld kaufen. Die ausgetretenen Gemeinden gehen eigene Wege. Die PCUSA schrumpft und wird dabei immer reicher, womit sie Programme und Projekte durchfĂŒhren kann, die die Gemeinden nicht unterstĂŒtzen wĂŒrden. Bei uns macht das die Kirchensteuer möglich. Innerkirchliche Kritiker der Kirchensteuer wie der bayerische Pfarrer Dr. Jochen Teuffel (Rettet die Kirche. Schafft die Kirchensteuer ab. ’fontis, 2015) weisen darauf hin, dass die finanziell unabhĂ€ngige Kirchenleitung die Basis nicht mehr braucht. Die Basis in den Gemeinden kann sich schon lĂ€nger nicht mit der kirchlichen Elite identifizieren. Sie hat das GefĂŒhl, dass die Kirchenleitung sie gar nicht sieht. Bei denen in Machtpositionen ist kein Wille zur Reform, höchstens „Reförmchen“, die obendrein alle das Bestehende erhalten sollen


Der Basis wird die BemÀchtigung zur Reform verwehrt

FĂŒr viele Menschen scheinen NeugrĂŒndungen die einzige Alternative zu sein. Wir im ABH kĂ€mpfen dagegen an und ermutigen dazu, um die eigene Kirche zu kĂ€mpfen. An der Basis gibt es aber viele engagierte Christen, die mit den FĂŒĂŸen abstimmen und zu neu gegrĂŒndeten Gemeinden abwandern. Über die GrĂŒnde dafĂŒr nachzudenken reicht der Platz nicht. Frust mit der Entwicklung, bzw. Nicht-Entwicklung der Kirche spielt neben dem ĂŒberfordert sein mit einer Vielzahl an ehrenamtlichen Aufgaben in der Gemeinde oft eine Rolle. FĂŒr uns in den landeskirchlichen Gemeinden ist das ein bitterer Verlust, wenn gerade die Engagierten abwandern, aber nicht immer kann man ihnen einen Vorwurf machen. MĂŒndige Gemeindeglieder wollen Teil haben an den Entscheidungsprozessen, die allzu oft undurchsichtig oder deren Ergebnisse unverstĂ€ndlich sind.

 

Die Entwicklung weltweit geht in Richtung unabhÀngige Kirchen

Langsam erlaubt man sich die Frage, ob das landeskirchliche Modell vielleicht nicht einfach mit der Zeit ablĂ€uft. Wie die SĂ€kularisation das Ende des Staatskirchentums eingelĂ€utet hatte, hat der demographische Wandel die Grundlage des landeskirchlichen Anspruchs mĂ€chtig angeknabbert. Wo liegt die Berechtigung fĂŒr einen landeskirchlichen Anspruch, wenn die Mitglieder der Landeskirche in den meisten BundeslĂ€ndern weniger als ein Drittel der Bevölkerung ausmachen? Wir kommen irgendwann dahin, wo der Rest der Welt schon lange ist: Wo jede einzelne Gemeinde ihre eigene Daseinsberechtigung unter Beweis stellen und finanziell sich selber tragen muss. Unsere Situation in Deutschland (und Skandinavien) ist die absolute Ausnahme! Aber auch hier mĂŒsste es möglich sein, dass eine Gemeinde aus eigenen Mitteln fĂŒr sich selber sorgt.

Dabei hĂ€tten wir großartige Möglichkeiten

Unsere wĂŒrttembergische Kirche gibt oft die Parole aus: Unsere Kirche ist besser als ihr Ruf. Das stimmt auch. Aber was meint man damit? Stimmen tut es, wenn man die KIRCHENGEMEINDEN meint. Teilweise wachsen Kirchengemeinden sogar gegen den Trend. Es gibt Gemeinden, die quicklebendig sind und vor Leben strotzen. Es gibt Gemeinden, die wegen Platzmangel im Gottesdienst kreative Lösungen finden mĂŒssen. Diese Gemeinden sind viel besser als der Ruf der Kirche insgesamt. Warum denen, die offenbar die Lösungen gefunden haben, nicht mehr Handlungsfreiheit geben? Warum nicht von ihnen Lernen? In kirchlichen Kreisen herrscht dazu ein Tabu. Die Gemeinden vor Ort brauchen mehr Handlungsfreiheit. Die Gemeinde vor Ort ist die Hoffnung der Welt (Bill Hybels) – und auch der Kirche! Wenn die Landeskirche ĂŒberleben will, muss sie den Gemeinden mehr Selbstbestimmung einrĂ€umen – auch finanziell!

Die Pforten der Hölle

Was ist jetzt dran? Wer ist jetzt dran? Wer behauptet, man könne (und deswegen mĂŒsse man) nichts zur Genesung der Kirche beitragen, weil das ja das Werk des Heiligen Geistes sei, der kann das nur vom grĂŒnen Tisch im Elfenbeinturm tun. Und wer verleugnet, dass die Nachfolger Christi eine klare Aufgabe zum Aufbau und zur Erbauung der Gemeinde haben, hat die Absicht Christi, als er die JĂŒnger in die Welt zu allen Nationen sandte, nicht erkannt. Alle tragen ihren Teil an der Verantwortung fĂŒr die Zukunft der Kirche: Von den Gemeindegliedern und Ehrenamtlichen an der Basis ĂŒber die Hauptamtlichen bis hin zu den Synodalen, OberkirchenrĂ€ten und Bischöfen. Jeder muss seinen Teil beitragen, wenn es landeskirchliche Gemeinden flĂ€chendeckend vor Ort weiterhin geben soll. Mit Buße, Umkehr und RĂŒckkehr zum Evangelium werden wir den Anfang machen mĂŒssen. Daraus kann Erneuerung und Reformation entstehen. Wo Buße, Glaube, Gnade und Vergebung die Basis bilden, wird der volkskirchliche Charakter der Gemeinden einem eher freikirchlichen weichen. Ist es nicht langsam Zeit, der Tatsache ins Auge zu sehen, dass wir inzwischen eine Minderheit sind? FĂŒr das ganze Volk missionarisch und diakonisch da zu sein wĂ€re dabei eine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Aber das ist eine neue Definition von „Volkskirche“. Noch sind wir so gut positioniert in der Breite der Gesellschaft – mit einer Kirchengemeinde an fast jedem funktionierenden Ort – dass wir als einzige existierende Kirchengemeinschaft diesen Anspruch ernsthaft erstreben könnte. Dazu mĂŒsste aber ein radikales Umdenken auf allen Ebenen stattfinden.

Um die Gemeinde Jesu Christi brauchen wir uns keine Sorgen machen. Jesus gab Petrus das Versprechen: „Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht ĂŒberwĂ€ltigen“ (MatthĂ€us16,18). Die Gemeinde Jesu wird bis zu seiner Wiederkunft nicht aufhören zu existieren. Kirchen kommen und gehen. Das lehrt die Geschichte. Gottes Verheißung gilt der Gemeinde derer, die ihm dienen. Darauf muss unser Fokus liegen: In unseren Gemeinden unserem Herrn dienen. Wir setzen unsere Hoffnung in die Gemeinde Jesu Christi vor Ort. DafĂŒr arbeiten wir im ABH.

Hofacker Abendbibelschule: Der christliche Glaube im Spiegel des Islam

1.) Mo. Der erste Artikel (des Glaubensbekenntnisses) und die Schahāda

PrÀsentationsfolien:abs2016lustnau_christl_glaube_im-lichte-des-islam1

Hier die Audiodatei:

2.) Di. Der zweite Artikel und die Schahāda Teil I

PrÀsentationsfolien:abs2016lustnau_christl_glaube_im-lichte-des-islam2

Hier die Audiodatei:

3.) Mi. Der zweite Artikel und die Schahāda Teil II

PrÀsentationsfolien:abs2016lustnau_christl_glaube_im-lichte-des-islam3

Hier die Audiodatei:

4.) Do. Der dritte Artikel und der Geist Gottes im Koran

PrÀsentationsfolien: abs2016lustnau_christl_glaube_im-lichte-des-islam4

Hier die Audiodatei:

5.) Fr. Das Vater unser und das Al-Fatiha Gebet

PrÀsentationsfolien: abs2016lustnau_christl_glaube_im-lichte-des-islam5

Hier die Audiodatei:

Kairos oder Krise?

Gott zieht die Grenzen der Nationen!

Teil 1:Gott zieht die Grenzen der Nationen – Seinem Reich tut er die Grenzen auf!

Audiodatei:

 

Herausforderungen im Umgang mit Migranten und FlĂŒchtlingen: Von der Liebe zum Zeugnis des Evangeliums

Teil 2 (Skizze):Kairos oder Krise – Herausforderungen im Umgang mit Migranten bzw. Von der Liebe zum Zeugnis des Evangeliums

Audiodatei:

Hofacker Abendbibelschule: Muslime verstehen – Jesus verstĂ€ndlich machen!

1.) Mohammed contra Jesus – Kampf der Titanen?  Was Jesus von Mohammed unterscheidet

Hier der Skript des ersten Abends: Muslime verstehen – Jesus verstĂ€ndlich machen 1

Hier die Audiodatei:

 

2.) Gehört der Islam zu Deutschland? Und glauben wir sowieso alle an den gleichen Gott? Ein Beitrag zur Klarheit und guter Nachbarschaft

(Skizze/Zusammenfassung): Muslime verstehen – Jesus verstĂ€ndlich machen 2

Audio:

Hier ein ausfĂŒhrlicher Artikel weiterfĂŒhrend zum Thema:

Das Zusammenleben von Christen und Muslimen in Deutschland – ein Betrag zur Klarheit und guten Nachbarschaft.

3.) Was glauben Muslime, dass Christen glauben? Aus IrrtĂŒmern Wegweiser fĂŒr den Glauben machen!

 

Audio:

 

4.) Gute Muslime, schlechte Muslime:  Gute Nachricht fĂŒr „gute“ und „schlechte“ Muslime. Eine islamische und eine christliche Perspektive

Skript/Zusammenfassung:

Muslime verstehen – Jesus verstĂ€ndlich machen 4

Audio:

 

5.) Christ sein 2016 – Evangelium auch fĂŒr Muslime?  Was haben Christen den Migranten und FlĂŒchtlingen heute zu sagen?

Skizze/Abriss:

Muslime verstehen – Jesus verstĂ€ndlich machen 5

Audio:

FlĂŒchtlingsflut – Gefahr oder Chance?

Die Völkerwanderung hat begonnen

 

Es war 1992. Die Mauer war gefallen, und im Jahr zuvor war die Sowjetunion in sich kollabiert. Ich schaute eine Talk-Runde im finnischen Fernsehen nach den Abendnachrichten. Ein hollĂ€ndischer General vom Oberbefehlsstab der NATO war zu Gast. Die Fernsehmoderatorin fragte ihn, wozu es die NATO noch braucht. Der Eiserne Vorhang sei gefallen, der Warschauer Pakt habe sich aufgelöst, der Westen mĂŒsse sich nicht mehr gegen einen aggressiven Feind im Osten schĂŒtzen. Erst ein paar Jahre spĂ€ter wĂŒrde klar werden, dass der Zusammenprall der Kulturen (clash of civilizations) nach Huntington Probleme fĂŒr den Westen auf einem ganz anderen Horizont heraufbeschwören sollte. Hinter ihrer Frage barg sich die Hoffnung, dass nicht nur die Zeit des kalten Krieges, sondern auch die Zeit der großen Konflikte weltweit zu Ende gegangen sei. Der NATO General reagierte, ohne ĂŒberlegen zu mĂŒssen. Das Szenario lag klar vor Augen: Er sagte in ernstem Ton nach vorne geneigt, dass die NATO kĂŒnftig eine ganz andere Rolle haben werde. Er sprach von der Bevölkerungsexplosion in Nahost und Afrika und dass wir kurz vor der nĂ€chsten Völkerwanderung stĂŒnden. Die NATO wĂŒrde benötigt werden, um die Außengrenzen Europas gegen den Ansturm aus Nahost und Afrika abzuwehren.

 

Es war nicht nur Überraschung im Gesicht der Moderatorin zu lesen, sondern auch Entsetzen. Die Tageszeitungen berichteten am nĂ€chsten Tag von der sofortigen Entlassung dieses Generals. Ob das wegen Geheimnisverrats oder politisch inkorrekter Rede geschehen ist, wurde logischerweise nicht berichtet.

 

Die BĂŒndnisse und Regierungen unserer Welt wissen schon lange davon, dass eine Völkerwanderung im Gange ist. Was wir heute erleben, ist nur der Anfang. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der FlĂŒchtlinge weltweit von 50 Millionen auf ĂŒber 60 Millionen gestiegen. Kein Gebiet, aus dem die Menschen fliehen, scheint in der Lage zu sein, die GrĂŒnde fĂŒr die Flucht zu beseitigen oder den Frieden wiederherzustellen. Das ist aber nur ein Faktor fĂŒr die Völkerwanderung. Ein viel grĂ¶ĂŸerer Faktor ist die demographische Entwicklung in Europa und in den angrenzenden LĂ€ndern im SĂŒden und SĂŒdosten.

 

Der demographische Wandel

 

Demographisch gesehen, steht unsere Volkswirtschaft in Europa vor dem Kollaps. Zwar brummt die Wirtschaft wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr, aber in den nĂ€chsten paar Jahren beginnt auf der einen Seite ein Aderlass unter den Arbeitnehmern, wenn die sogenannte Babyboomer Generation anfĂ€ngt, in den Ruhestand zu gehen. Und auf der anderen Seite fehlen ĂŒber 400.000 Geburten pro Jahr und die damit verbundenen ArbeitskrĂ€fte und Konsumenten.

 

Um die Jahrtausendwende wurde die Thematik der deutschen Bevölkerung bekannt gemacht im Blick auf ihre Altersversorgung. Mit der EinfĂŒhrung der sogenannten Riester-Rente im Jahr 2002 wurde offiziell bekrĂ€ftigt, dass es wegen des demographischen Wandels nicht zu einer ausreichenden Altersversorgung fĂŒr kĂŒnftige Generationen in Deutschland von Seiten des Staates und der Rentenkassen kommen könne. Wegen der GeringfĂŒgigkeit der Riester-Rente nahm aber kaum jemand die Problematik wirklich ernst. Es wurde auch nichts unternommen, fĂŒr einen Zuwachs an Geburten zu sorgen, geschweige denn die unsĂ€gliche Katastrophe der 150.000 Tötungen von Kindern im Mutterleib pro Jahr zu unterbinden.

In den Jahren 2005-2007 hat das Statistische Bundesamt intensive Studien zum demographischen Wandel betrieben. Die Ergebnisse waren so brisant, dass sie nur wenige Wochen lang auf der Webseite www.destatis.de abzurufen waren. Dabei waren es nicht die sehr beunruhigenden Zahlen bezĂŒglich der Alterspyramide, die keine solche mehr ist, sondern eher einem „Altersbaum“ gleicht, sondern vielmehr die Anteile der jungen Bevölkerung mit Migrationshintergrund und die daraus zu erwartende demographische Entwicklung mit immer stĂ€rker werdenden Migrantenanteilen. In diesem Zusammenhang offerierte das Bundes-Statistische Amt die Prognose, dass bis zum Jahr 2030 der erste Muslim als Bundeskanzler gewĂ€hlt werden und es zu einer muslimischen Mehrheit bis zum Jahr 2052 kommen wĂŒrde. Das war freilich alles nur Prognose, aber auf statistisch-wissenschaftlicher Basis erstellt. Zu Bedenken ist dabei, dass es zu diesem Zeitpunkt noch keine offizielle Darstellung der kĂŒnftigen offiziellen Migrationspolitik der Bundesrepublik gegeben hat.

Als die bereinigten Ergebnisse Monate spĂ€ter dann wieder auf der Webseite zu finden waren, fehlten sowohl alle Zahlen bezĂŒglich der gegenwĂ€rtigen Bevölkerungsanteile von Menschen mit Migrationshintergrund als auch die Prognosen im Blick auf die Anteile von Migranten an der Bevölkerung und deren Religionszugehörigkeit. Es ist offensichtlich, dass Reaktionen, wie sie etwa in der Pegida-Bewegung spĂ€ter zutage getreten sind, damals schon befĂŒrchtet wurden.

 

Politische Konsequenzen

 

Inzwischen ist es klar, dass die Bundesrepublik ĂŒber 400.000 Menschen als Nettozuwanderung jĂ€hrlich braucht, um die Bevölkerungszahl stabil zu halten. Als im Sommer 2014 deutlich wurde, dass diese Zahl nicht zu schaffen war, gab es einen Alternativplan, die Bevölkerungszahl um 20 Millionen auf ca. 62 Millionen sinken zu lassen – einschließlich einer bewussten und gewollten „Renaturierung“ weiter Teile des lĂ€ndlichen Raums außerhalb der Ballungsgebiete, vor allem im Osten Deutschlands, um die Kosten fĂŒr die Instandhaltung der Infrastruktur in einem handhabbaren Rahmen zu halten. Schließlich reichen die Steuereinnahmen schon jetzt kaum zur BewĂ€ltigung der staatlichen Infrastrukturaufgaben. Bei einem Schwund von 25 % der Bevölkerung und der Steuereinnahmen wĂŒrden die Staatskassen völlig ĂŒberfordert. Dieser Vorschlag war wohl so abenteuerlich, dass er nicht mehr verfolgt wurde, obwohl es keine Lösung am Horizont zur Einwanderungsfrage gab. Die sogenannte „blue card“-Regelung hat bis zu diesem Zeitpunkt lediglich 6000 beruflich hoch qualifizierte Migranten nach Deutschland gebracht. Bei ĂŒber 700.000 Abwanderungen pro Jahr – darunter viele hoch qualifizierte ArbeitskrĂ€fte, braucht die Bundesrepublik 1,2 Millionen Zuwanderungen pro Jahr, um das Geburtendefizit auszugleichen. Meiner Meinung nach ist die Bereitschaft der Bundesregierung, FlĂŒchtlinge im großen Stil aufzunehmen, nur auf diesem Hintergrund zu verstehen. Zwar stelle ich die altruistische beziehungsweise christliche Motivation hinter der Entscheidung, alle echte FlĂŒchtlinge kommen zu lassen, ĂŒberhaupt nicht infrage, aber es ist augenscheinlich, wie Wirtschaftsvertreter – denen 600.000 qualifizierte ArbeitskrĂ€fte fehlen – Chancen in der Zuwanderung von jungen MĂ€nnern sehen. In den Talkshows und Expertenrunden wird immer mehr darauf abgehoben, dass Deutschland diese ArbeitskrĂ€fte und deren Steuerzahlungen braucht.

 

Die politische und wirtschaftliche Elite haben sich lĂ€ngst damit abgefunden, dass Deutschland eine Völkerwanderung braucht und die damit einhergehende VerĂ€nderung in der Gesellschaft und Kultur nicht nur akzeptiert, sondern gewollt werden muss. Was zunĂ€chst nur in linken Kreisen ideologisch begrĂŒndet war (die Abschaffung des Nationalismus zu Gunsten der internationalen sozialistischen Gemeinschaft), ist auch fĂŒr andere politischen Richtungen zu einer volkswirtschaftlichen und politischen Notwendigkeit geworden.

Dabei „machen“ die Politiker so eine Völkerwanderung nicht – jedenfalls nicht bewusst und nicht direkt. Es sind viel grĂ¶ĂŸere KrĂ€fte am Werk. Die Bevölkerungsexplosion in Nahost und Afrika erzeugt einen mĂ€chtigen Überdruck, der seinen Ausgleich sucht. Erheblicher Wassermangel in Nahost seit der Jahrtausendwende hat den Lebensraum gleichzeitig schrumpfen lassen. Parallel dazu ist in Europa durch den Bevölkerungsschwund ein Vakuum entstanden, das gefĂŒllt werden will. Hinzu kommen ideologische Elemente, auf die ich hier nicht nĂ€her eingehen kann, die aber die israelische Autorin mit arabischen Wurzeln Bat Yeor mit ihren Untersuchungen zu „Eurabia“ hinreichend dokumentiert hat. Die unwahrscheinlichsten Koalitionen tun sich auf und es scheint keine „Schrauben“ zu geben, an denen man drehen könnte, um die Entwicklung zu bremsen oder zu Ă€ndern.

 

Gott sitzt im Regiment

 

Christen wissen aber: Gott sitzt im Regiment. Unsere Politiker machen nicht die Weltgeschichte, Gott macht sie! Der internationale Journalist Uwe Siemon-Netto schrieb das in seinem Artikel „Völkerwanderung: Eine große Chance fĂŒr die Kirche“ vom 31.08.2015. Der Nahostkorrespondent und Autor Johannes Gerloff sagte das bei einem Vortrag in der Tschechei am 11.10.2015, wobei er hinzufĂŒgte: „Gute Politiker sind allenfalls gute Wellenreiter“. Menschen haben das nicht im Griff und Menschen „machen“ die Geschichte nicht.

Die Menschen in ihrer Gesamtheit machen zwar Geschichte, aber wie es schon in den SprĂŒchen heißt:

„Der Mensch wirft das Los; aber es fĂ€llt, wie der Herr will“ (Spr. 16,33). Und in den Psalmen heißt es: „Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Herren halten Rat miteinander wider den Herrn und seinen Gesalbten: 3 »Lasst uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke!« 4 Aber der im Himmel wohnt, lacht ĂŒber sie, und der Herr spottet ihrer“ (Ps. 2,2ff).

Dass Muslime in großen Scharen zu uns kommen, ist kein Zufall. Das ist nicht das Ergebnis irgendeines menschlichen Planes. Klar – Muslime planen die Kolonisation und Islamisierung Europas seit dem 7. Jahrhundert. Sie taten es von Anfang an und immer wieder gab es erneute Versuche, Europa fĂŒr den Islam einzunehmen – auch in unseren Tagen. Der IS plant es, Gaddafi plante es, Erdogan hat seine Ambitionen und Intrigen, Saudi Arabien und die Emirate nehmen keine FlĂŒchtlinge auf, weil die Krise ihren PlĂ€nen durchaus dienlich ist. Aber keiner hat die Macht, das von sich aus zu tun.

Schon die AnfĂ€nge des Volkes Israel im Alten Testament stehen unter dem Vorzeichen der Vorsehung Gottes fĂŒr alle Völker. ZurĂŒckblickend auf die neue Weltordnung nach der Sintflut und dem Turmbau zu Babel sagt Mose: „Als der Höchste den Völkern Land zuteilte und der Menschen Kinder voneinander schied, da setzte er die Grenzen der Völker
“ (5. Mose 32,8).

 

Das tat er laut Paulus nicht aus WillkĂŒr oder von ungefĂ€hr, sondern weil er sein heilsgeschichtliches Ziel damit vorantreibt. In der Areopagrede Apg. 17,26 sagt er: „Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen
“ Die Geschichte der Völker und Reiche dieser Welt kann Gott nicht von seinem Heilsplan abhalten oder daran hindern, sein Werk zu tun.

 

Gott macht die Völkerwanderungen

 

Wir dĂŒrfen nicht meinen, dass Gott nur Abraham in ein anderes Land geschickt hat und dass er allein Israel aus der Fremde in ihr Land herauf gefĂŒhrt hat; dass er unter Esra und Nehemiah am Ende des Exils nur fĂŒr die JudĂ€er gesorgt hat. Die Bibel berichtet natĂŒrlicher in erster Linie von diesen Ereignissen, wenn von Gottes Handeln am Volk Israel die Rede ist. Aber die Bibel weiß auch davon zu berichten, dass Gott auch fĂŒr die anderen Völker sorgt und ihre Geschicke lenkt. Amos 9,7 erinnert daran: „Seid ihr Israeliten mir nicht gleichwie die Kuschiter? spricht der Herr. Habe ich nicht Israel aus Ägyptenland gefĂŒhrt und die Philister aus Kaftor und die AramĂ€er aus Kir?“ In 5.Mose 32,8 haben wir schon gesehen, dass „Gott die Grenzen der Völker zieht“.[1]  Es ist aber wichtig, die bereits zitierten Worte aus der Areopagrede weiterzulesen: „Er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fĂŒhlen und finden könnten“. Die Völker sollen Gott suchen. Sie werden ihn zwar im Vollsinn ohne die Offenbarung Gottes nicht finden, aber ihr Leben soll auf „den unbekannten Gott“ ausgerichtet sein, bis er sich ihnen in Christus bekannt macht.

 

 

Christenverfolgung beunruhigt und macht besorgt

 

Gerade im Blick auf die Christenverfolgung können wir das buchstabieren: Es macht Gott ganz bestimmt keine Freude zu sehen, wie seine Kinder in BedrĂ€ngnis, UnterdrĂŒckung und Verfolgung leiden mĂŒssen. Es ist nicht so, dass Gott es will, dass wir um Jesu Christi willen leiden. Und dennoch ist das Leiden seiner Kinder nicht sinnlos. Schon der Kirchenvater Tertullian hat festgestellt, dass das Blut der MĂ€rtyrer die Saat der Kirche sei. Und die Verfolgung im römischen Reich hat die Ausbreitung der Kirche nicht verhindern können. Durch Verfolgung hindurch baut Christus seine Kirche, und durch Krisen und Tiefen der Geschichte hindurch baut Gott sein Reich. GegenwĂ€rtig werden mehr Christen weltweit unterdrĂŒckt und verfolgt als je zuvor in der Geschichte. Das 20. Jahrhundert ging in die Geschichte als Jahrhundert der Christenverfolgung ein. Mehr Christen wurden in jenen 100 Jahren um ihres Glaubens willen verfolgt als in allen 19 Jahrhunderten zuvor zusammengenommen. Die Situation der Christen hat sich in vielen LĂ€ndern der Welt seither noch verschlechtert. Vor unseren Augen werden die Christen in Nahost ausgerottet. Überall in der islamischen Welt finden Christen es zunehmend schwieriger, ein normales Leben zu fĂŒhren. In keinem islamisch geprĂ€gten Land wird es fĂŒr die Christen besser. Und Muslime, die in ihrer Heimat Christen unterdrĂŒckt haben, tun das sogar hier in Deutschland in ihren FlĂŒchtlingsunterkĂŒnften.

 

MĂŒssen Christen fĂŒr die Zukunft Angst haben?

 

Viele glĂ€ubige Christen sind zutiefst beunruhigt ĂŒber die gegenwĂ€rtige Entwicklung mit den Massen von FlĂŒchtlingen und Migranten, die zu uns kommen – im vergangenen Jahr 2015 allein ĂŒber eine Million Menschen. Sie machen sich Sorgen wegen des stets steigenden Einflusses des Islam bei uns in Deutschland und Europa.

Diese Sorgen sind verstĂ€ndlich und begrĂŒndet. Unsere Welt verĂ€ndert sich. Selbst auf dem Land kann man verschleierte Muslimas finden. Muslime fordern immer mehr gesellschaftliche KompatibilitĂ€t fĂŒr ihre Religion und ihre Vorschriften ein. Moscheen werden in großem Stil gebaut – vielfach aus dem Ausland finanziert. Manch ein Deutscher fĂŒrchtet um den Verlust der „Heimat“. Politiker und Journalisten winken ab und behaupten, diese Sorgen seien alle unbegrĂŒndet. Auf der anderen Seite kann man schon jetzt die ersten Stimmen von der gleichen Adresse hören, es sei doch selbstverstĂ€ndlich, dass eine Gesellschaft und eine Kultur sich wandeln mĂŒsse. Kultur sei schon immer im Wandel begriffen, und das sei gut so.

 

Die Menschen sind nicht dumm. Sie merken, dass der Wandel gewollt und unaufhaltsam ist. Und sie merken, dass sie nichts dagegen tun können. Kritiker dieser Entwicklung werden sofort mundtot gemacht, indem man sie in die rechte Ecke stellt. Das frustriert und macht Angst.

 

Aus gesellschaftspolitischer Sicht haben die Vertreter von Multi-Kulti Oberwasser. Zwar wird Multi-Kulti in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden totgesagt, aber eine Alternative dazu ist aus oben genannten GrĂŒnden nicht zu finden.

 

Als Christen haben wir jedoch eine ganz andere Sicht auf Gesellschaft und Geschichte. Wir glauben, dass Gott im Regimente sitzt. Er hĂ€lt die FĂ€den in der Hand. Das entbindet uns nicht von unserer Verantwortung als StaatsbĂŒrger, uns am politischen Prozess zu beteiligen. Es ist keine billige Ausrede, die wir vorschieben könnten, um unsere soziale und politische Verantwortung von uns zu schieben.

 

Wer diese Sicht sein eigen nennt, braucht bei allen Sorgen und BefĂŒrchtungen, die es im Blick auf die Zukunft unserer Gesellschaft gibt, keine Angst zu haben! Ich wiederhole: Gott sitzt im Regiment! Lange Jahre habe ich vor der naiven Einwanderungspolitik und der Islamisierung Europas gewarnt. Ein Mitglied des Bundestages hat mich gefragt, wie ich mir das so vorstelle, ob man alle Muslime wieder in ihre Heimat zurĂŒckschicken solle
 Ich kann keinen politischen Willen erkennen, die Integration der zu uns kommenden Menschen wirklich voranzutreiben. Dazu mĂŒsste eine Konfrontation der Ideologien stattfinden und in ideeller Auseinandersetzung Überzeugungsarbeit geleistet werden. Stattdessen wird Vertrauen in einen toleranten Pluralismus gesetzt, der unterschiedliche Lebensauffassungen, Wertekanons und Weltbilder aushalten soll. Die InkompatibilitĂ€t von sĂ€kularem, westlichem Denken und dem islamischen Weltbild wird entweder nicht erkannt oder geleugnet. Die Politik setzt ihre Hoffnung darauf, dass ein sĂ€kularer Islam in Deutschland und Europa entstehen wird, auch wenn bis dato nur einzelne Muslime sich zu diesem Konzept bekannt haben. Selbst wenn dieser entstehen sollte, wird er keineswegs Akzeptanz durch alle Muslime finden.

 

Und dennoch brauchen wir als Christen keine Angst zu haben! Gott fĂŒhrt die Geschicke der Völker und der Welt. Was wir erleben, ist ein Schritt weiter in seiner Heilsgeschichte hin zu seinem Ziel, dass er fĂŒr die Welt und seine Kirche gesetzt hat.

 

 

„Der TĂŒrke“ als Rute Gottes – Segen und Fluch

 

Martin Luther sagte in Reaktion darauf, als die TĂŒrken das erste Mal vor Wien standen: „Die TĂŒrken sind Gottes Rute und ihre Bedrohung Ausdruck des Zornes Gottes.“ Nun ist aber Gericht auch immer Gnade, wo es auf Einsicht trifft und die Herzen auf Gott richten kann. Wie schon angedeutet, glaube ich, dass diese „Rute Gottes“ uns zum Segen werden kann. Auch jetzt scheint die Zeit reif zu sein fĂŒr den besonderen Einbruch des Ewigen in unsere Zeit. Es könnte eine historische Stunde in der Geschichte der Mission unter Muslimen werden. Anders als bei der angestammten deutschen Bevölkerung ist eine Offenheit fĂŒr das Evangelium unter Muslimen da. Werden wir die Muslime unter uns als Chance und Geschenk Gottes begreifen oder sie nur als Bedrohung wahrnehmen? Das Gericht ĂŒber das ehemals christliche Abendland[2] ist in vollem Gange. Wird uns das zum Segen oder zum Fluch gereichen?

 

 

Warum lÀsst Gott das zu?

Im nĂ€chsten Jahr feiern wir 500 Jahre Reformationsgeschichte. Was Martin Luther 1517 lostrat und von vielen anderen Menschen betrieben wurde, hat unsere Gesellschaft und die Kirchen grundlegend verĂ€ndert. Es war eine brisante Zeit, in vielem mit unserer vergleichbar. Die Entdeckung der Neuen Welt 1492 hat zu einem wirtschaftlichen Aufschwung gefĂŒhrt wie die technologische Revolution unserer Tage. Der Islam, vertreten durch den tĂŒrkischen Sultan, machte von Osten mĂ€chtig Druck auf Europa. Es war keineswegs ausgemacht, welche Macht – Okzident oder Orient – den Sieg davontragen wĂŒrde. Der polnische König kam im letzten Augenblick zur Rettung Wiens und schlug die Heere des Sultans zurĂŒck.

 

Die „TĂŒrkenfrage“ hat Luther schwer beschĂ€ftigt. Er nannte den „TĂŒrken“ die „Rute Gottes“. Er warnte den dekadenten und verkommenen Westen mit seiner leb– und kraftlosen Kirche davor, dass Gott den TĂŒrken/Islam zur Strafe fĂŒr die eigene Gottlosigkeit und den Abfall vom Evangelium schicke.[3] Heute, 500 Jahre nach der Reformation, brĂ€uchten wir eine neue. Die evangelische Theologie hat de facto die vier Prinzipien der Reformation, wie Martin Luther sie verstanden hat: „allein die Schrift“, „Christus allein“, „allein durch Gnade“, „allein durch den Glauben“ -aufgegeben. Es scheint auch nicht möglich zu sein, eine neue „Reformation an Haupt und Gliedern“ von innerhalb der Kirche zu bewerkstelligen. Die Kirche wird bis dato immer reicher an Geld, aber Ă€rmer an Zeugnis und Mitgliedern. Eine wirkliche AbhĂ€ngigkeit von Christus ist nicht erkennbar. Vielleicht mĂŒssen wir das Erstarken des Islams an unseren Grenzen und in unserer Mitte als „Rute Gottes“ begreifen.

 

Es tĂ€te uns gut, grĂŒndlich darĂŒber nachzudenken, was denn aus Gottes Sicht an unserer europĂ€ischen Kultur erhaltenswert schiene. Wir können unsere Freiheiten nicht hoch genug schĂ€tzen – allen anderen voran die „Mutter aller Freiheiten“, die Religionsfreiheit, aber wir mĂŒssen uns auch fragen, wie wir unsere Freiheiten nutzen und ob wir das verantwortungsvoll tun. Wenn das sogenannte Recht auf freie Selbstbestimmung dahin fĂŒhrt, dass millionenfach Kinder im Mutterleib getötet werden – vergiftet, zerschnitten, zerstĂŒckelt und abgesaugt, dass der kĂ€ufliche Sex zu einer wirtschaftlichen Macht und Industrie geworden ist und den Menschenhandel und organisierte KriminalitĂ€t begĂŒnstigt, dass zur Akzeptanz von Perversionen gezwungen wird, dann ist das kein verantwortungsbewusster Umgang mit der Freiheit, die wir zu Recht schĂ€tzen. Aber seitdem Gott bei uns keine Instanz mehr ist, vor dem man Rechenschaft ablegen muss, fehlt die normgebende Instanz. Letztendlich wird der Westen an seiner Gottlosigkeit, an seiner Dekadenz und Verkommenheit scheitern. Welche moralische Kraft hat der Westen dem Islam entgegen zu setzen?

 

Segen und Fluch der Muslime bei uns

 

Ich glaube, dass es mindestens zwei GrĂŒnde gibt, warum Gott es zulĂ€sst, dass der Islam sich immer mehr nach Europa hinein ausdehnt.

 

Erstens: Es hat einen erzieherischen Grund, dass der Islam zu uns kommt.

Gott will uns an unsere Wurzeln erinnern. Er hÀlt uns einen Spiegel vor, was Religion ohne evangelische Freiheit bedeutet. In diesem Spiegel erkennen wir, wie ausgehöhlt und leer das christliche Zeugnis bei uns ist. Das kann durchaus ein Segen sein. Unter dem Ratsvorsitz von Bischof Huber bei den DialoggesprÀchen am runden Tisch mit Vertretern des IslamverbÀnde gab es schon ein erstes Aufwachen, was das betrifft.

 

Christus ist wieder ein Thema in der Theologie geworden. Die Kirchen haben sich angesichts des Islam auf das ihnen Ureigene zurĂŒckbesinnen mĂŒssen. Ich bin ĂŒberzeugt, dass je nĂ€her unsere Theologen in TuchfĂŒhlung mit den islamischen Überzeugungen kommen, desto klarer ihr Blick fĂŒr das wird, was den christlichen Glauben ausmacht.

 

Ein weiterer Vorteil ist, dass der Glaube als solches wieder „hoffĂ€hig“ geworden ist. Muslime bekennen ihren Glauben ohne Scheu in allen Medien, auf der Straße, am Arbeitsplatz, in den Schulen. Zögerlich, aber doch erkennbar kommen Christen aus ihren Verstecken und wagen es, ĂŒber Glaubensthemen in der Öffentlichkeit zu reden. Das haben wir den Muslimen zu danken.

 

Auf dem Hintergrund des Islam wurde und wird deutlich, wie beliebig, konturlos und bedeutungsleer die evangelische Theologie geworden ist. Der gescheiterte Dialog mit den IslamverbĂ€nden hat die Kirche daran erinnert, dass Christus allein der Grund und das Ziel unseres Glaubens ist. So verstanden ist die „Rute“ als Erziehungsmittel nicht Fluch, sondern Segen. Sie ist es aber nur, wenn sie als Erziehungsmittel anerkannt und akzeptiert wird. Lehnt man sich gegen sie auf, wird sie nur Fluch und Strafe. Es ist wie bei Segen und Fluch ĂŒberall in Gottes Wirken: Haben wir das Einsehen und tun Buße, dann kann nur Segen daraus fließen. VerhĂ€rten wir aber unsere Herzen und lehnen uns gegen Gottes erzieherisches Handeln auf, so bleibt nur der Fluch ĂŒbrig.

 

Zweitens: Gott schickt die Muslime zu uns weil wir nicht zu ihnen gegangen sind!

Wie oben schon angefĂŒhrt: Uwe Siemon-Netto hat in seinem Bericht fĂŒr idea vom 31.08.2015 „Völkerwanderung: Eine große Chance fĂŒr die Kirche. Christen sollten sich der großen Zahl einwandernder Muslime annehmen“ die Christen und ihre Kirchen zum missionarischen Handeln aufgefordert.

 

Jesus hielt seine JĂŒnger an, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Ist es nicht jetzt Zeit zu begreifen, dass Gottes Liebe uns zur Umkehr treibt (Rö. 2,4)? Die ganze Problematik mit unserem demographischen Wandel, mit der notwendigen Zuwanderung im großen Stil, mit der FlĂŒchtlingsnot weltweit und den bei uns Asyl Suchenden macht uns große Not. Die daraus erwachsenden Probleme des Zusammenpralls der Kulturen und des gesellschaftlichen Friedens werden uns immer mehr beschĂ€ftigen. FlĂŒchtlinge und Zuwanderer sind nicht das Problem an sich, sondern das völlig andere Weltbild der Muslime und der missionarische und dschihadistische Eifer mancher Muslime, die unsere Gesellschaft zuerst „islam-kompatibel“ und dann „islam-konform“ machen wollen. Dabei verbieten sie sich jedwede Form der Missionierung unter Muslimen.

Noch gilt Religionsfreiheit in Deutschland. Noch können wir ungeniert und ohne EinschrĂ€nkung Zeugnis von Jesus Christus geben. Aber wenn die Zahl der Muslime einen Anteil in der Gesellschaft ausmacht, dass aus GrĂŒnden der Wahrung des sozialen Friedens ihre Forderungen nach „Schutz vor Missionsversuchen“ nicht mehr ignoriert werden wird, wird die Religionsfreiheit bei uns auch im islamischen Sinne ausgelegt werden: Niemand darf einen Muslim zum Abfall vom Islam verfĂŒhren. Das ist nĂ€mlich der Grund, warum weniger als 2% aller christlichen Missionare in der islamischen Welt tĂ€tig sind. Und das, obwohl der Anteil der Muslime an der Weltbevölkerung 25% betrĂ€gt und an der nicht christlichen Weltbevölkerung sogar 50%. Der „Apostel fĂŒr die islamische Welt“, Samuel Zwemer (1867–1952), hat seinerzeit schon laut darĂŒber nachgedacht, ob die Christenheit meine, der Mission- und Taufbefehl gelte nicht im Blick auf die Muslime…

Wenn unsere Zeit diesbezĂŒglich ein besonderes Merkmal hat, dann ist es dies: Nie zuvor in der Geschichte haben so viele Muslime inmitten einer freiheitlich geprĂ€gten, demokratischen Gesellschaft gelebt. Bei uns. Nie zuvor gab es die Chance fĂŒr so viele Muslime, sich Jesus Christus zuzuwenden, ohne begrĂŒndete Angst vor Repressalien – auch durch den Staat – haben zu mĂŒssen. Bei uns. Nehmen wir die Muslime bei uns nur als Bedrohung oder auch als Chance wahr?

Was fĂŒr Chancen sind das?

Die Kirchen schrumpfen. Das Zeugnis der Christen wird in der Gesellschaft immer schwĂ€cher. Keiner scheint ein Rezept[4] zu haben, wie die AktualitĂ€t des Evangeliums den Menschen unserer Tage ĂŒberzeugend nĂ€her gebracht werden könnte. Es scheint kein Interesse in der Bevölkerung fĂŒr die Botschaft vom Kreuz zu geben. Viele Theologen werfen deshalb die Kreuzestheologie ĂŒber Bord.

Muslime aber sind neugierig. Viele sind desillusioniert vom Islam. Was der IS macht, erfĂŒllt sie mit Entsetzen. Jesus fasziniert viele Muslime. Vielen ist er auch im Traum erschienen und hat sich als den Jesus der Bibel – nicht des Koran – zu erkennen gegeben. Fangen wir doch mit dem Missionsbedarf in Deutschland bei den Menschen an, die immer mehr zu uns ins Land kommen: die Menschen muslimischen Glaubens. Kaufen wir hier die Zeit aus? Die Mission unter Muslimen in Deutschland steckt immer noch in den Kinderschuhen, obwohl die erste heute noch im Gebrauch befindliche Moschee Deutschlands schon 1928 eingeweiht wurde und seit Anfang der sechziger Jahre ein ungebrochener Strom von Muslimen als Zuwanderer und Asylanten zu uns kommt. Nach dem Ansturm vom letzten Jahr 2015 ist kein Ende in Sicht.

Ich trĂ€ume von einer Kirche, die in die Offensive geht und Evangelisten ausbilden lĂ€sst und einstellt, um solche Menschen fĂŒr Jesus Christus zu gewinnen. Wenn die Kirche das nicht von sich aus tut, mĂŒssen wir es selbst in die Hand nehmen! Wenn es die einzelne Gemeinde oder Gemeinschaft nicht stemmen kann, dann auf der Ebene der Gemeinschaftsbezirke oder Kirchenbezirke!

Die deutsche evangelische Allianz bietet mit ihrem Arbeitskreis Migration und Integration „AMIN“ ein Forum, in dem vielfĂ€ltige Hilfen und Kontakte angeboten werden: http://www.ead.de/arbeitskreise/migration-und-integration/arbeitskreis-migration-und-integration.html, der zur GrĂŒndung von lokalen AMIN-Gruppen auf Allianzbasis anregt.

 

Die schweizer evangelische Allianz bietet auch gute Hilfen an: http://www.flĂŒchtlingen-helfen.ch.

Die Liebenzeller und SĂŒddeutschen gehen mit gutem Beispiel voran mit Projekten in und um Stuttgart und Heilbronn, aber das ist noch ein Tropfen auf dem heißen Stein! Fordern Sie doch Hilfe von den genannten Stellen oder der AuslĂ€nderseelsorge oder dem Orientdienst an! Ich trĂ€ume davon, dass Gemeinden und Gemeinschaften einen Missionar fĂŒr ihr Gebiet anfordern mit der Zusage der KostenĂŒbernahme und der UnterstĂŒtzung – auch durch ehrenamtliche Mitarbeiter
 Das soll kein Ersatz fĂŒr den eigenen missionarischen Auftrag sein, im Gegenteil! Es könnte helfen, dass Gemeindeglieder sich in diese wichtige Arbeit mit einbinden lassen.

Mit der GrĂŒndung von EIMI (EuropĂ€isches Institut fĂŒr Migration und Integration) an der AWM (Akademie fĂŒr Weltmission) in Korntal haben wir eine wichtige Ressource fĂŒr diesen Auftrag bekommen: https://www.awm-korntal.eu/page/ueber_uns_eimi.html.

Wie wĂ€re es, wenn wir auf die sonst fĂŒr so beklemmend wahrgenommene Situation der Islamisierung Europas nicht mit Angst reagierten, sondern sie als Chance und als Geschenk Gottes sehen wĂŒrden? Warum das nicht als von Gott gestellte Aufgabe sehen? Alles Gut-Reden hilft nichts. Wir mĂŒssen der Wahrheit ins Auge sehen. Der Einfluss, den der Islam als Religion in Europa hat, steigt stetig, und wir sind erst am Anfang dieser Entwicklung. Die Politik kann dies leugnen, so viel sie will, die BĂŒrger nehmen es wahr, weil es sich nicht verbergen lĂ€sst. Die Politik muss es aus eigener Sicht leugnen, weil sie keine Möglichkeit sieht, etwas daran zu Ă€ndern. Wir aber dĂŒrfen mit Gott und seiner Macht rechnen! Wir haben eine ganz andere Perspektive auf die Situation! Die Zeichen der Zeit 2016 in der Bundesrepublik Deutschland weisen uns auf die wichtige Aufgabe, die wir in der Mission vor unserer eigenen HaustĂŒr haben. Ich bin ĂŒberzeugt, dass das Zeitfenster, das wir fĂŒr die Missionsarbeit unter Muslimen hier in Europa haben, sehr knapp bemessen ist. Schon in wenigen Jahren rechne ich mit Klagen der islamischen VerbĂ€nde gegen Missionsarbeit unter Muslimen. Ob wir noch zehn Jahre haben? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass wir die Zeit auskaufen mĂŒssen, und darum halten wir das Thema Islam in regelmĂ€ĂŸigen Lehrveranstaltungen bei uns im TĂŒbinger Albrecht-Bengel-Haus unter unseren Studierenden und Freunden wach.

Lasst uns hoffen und beten, dass der Bekennermut der Christen weiter zunimmt! Letztlich ist die starke islamische PrĂ€senz bei uns im ehemals christlichen Abendland ein Weckruf, uns auf unsere Wurzeln zu besinnen und die Gelegenheit zu ergreifen, den Muslimen die frohe Botschaft von Jesus Christus darzulegen und nahe zu bringen. Hier in Europa können wir (noch) frei unseren Glauben bekennen und bezeugen – auch Muslimen gegenĂŒber. Hier können Muslime sich bekehren und zu Jesus Christus als Herrn und Retter bekennen, wie Thomas es seinerzeit tat: „Mein Herr und mein Gott!“ – ohne dass sie von offizieller Seite dafĂŒr bedroht oder belangt werden können. Ich glaube, dass dies eine historische Chance ist, eine Chance die nicht verstreichen darf. Es ist das Gebot der Stunde, es ist die einmalige Gelegenheit unserer Zeit. Ich glaube, dass jetzt ein Kairos da ist. Nie zuvor haben so viele Menschen in der arabischen Welt Interesse am Evangelium gezeigt. Große Scharen kommen zum Glauben an Jesus Christus durch Internet, Radio und Satellitenfernsehen. Es könnte dazu kommen, dass solche Menschen zu Missionaren fĂŒr ihr eigenes Volk werden. Die strengglĂ€ubigen Muslime haben davor solche Angst, dass sie den deutschen YouTube-Kanal des Senders Al-Hayat haben sperren lassen[5]. Die Zeit ist reif wie nie zuvor fĂŒr vom Islam enttĂ€uschte Menschen, zum Glauben an Jesus Christus zu finden. Hier heißt es Carpe Diem! Gerade auch bei uns in Deutschland und Europa. Ergreife den Tag! Ich kann mir das nicht anders vorstellen, als dass, wenn wir diese historische Chance verstreichen lassen, die Gnadenzeit zu verlorener Zeit und die Chance zum VerhĂ€ngnis fĂŒr uns wird.

Bei allem gilt es in erster Linie auf Gottes Verheißungen zu schauen! Gottes Verheißungen gelten fĂŒr sein Volk und fĂŒr sein Reich. Wie viele Verheißungen hat er uns doch gegeben! Ich glaube fest daran, dass die Prophezeiung Gottes an das darniederliegende Volk Jerusalems auch uns in unserer Zeit gehört: Jer. 29,11: Denn ich weiß wohl, was ich fĂŒr Gedanken ĂŒber euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet. Die Zeit zielt auf das Ende, sein Ziel, das Ziel des Weges Gottes mit dieser Welt. Gott sitzt im Regiment. Er bringt die Muslime zu uns. Lasst sie uns zu seinem Ziel bringen, so viele sich einladen lassen!

[1] Wörtlich: „Als der Höchste den Nationen das Erbe austeilte, als er die Menschenkinder [voneinander] schied, da legte er fest die Grenzen der Völker nach der Zahl der (MT Söhne Israel / LXX „Engel Gottes“). Qumran deutet darauf, dass LXX originĂ€r sein könnte. Hier wird das, was in Dan 10:13, 20–21; 12:1 zum Ausdruck gebracht wird, dass jedes Land seinen eigenen regierenden Engel hat, vorweggenommen. Vgl. Christensen, D. L. (2002). Deuteronomy 21:10–34:12 (Bd. 6B, S. 796). Dallas: Word, Incorporated.

[2] Der niederlĂ€ndische Missionswissenschaftler Hoekendijk hat schon 1964 darauf hingewiesen, dass wir in einer „nach-christlichen“ Gesellschaft leben. Es sind Überbleibsel der christlich geprĂ€gten Kultur, aber unsere sĂ€kularisierte Kultur ist vom eigenen SelbstverstĂ€ndnis her keine christliche Kultur mehr. Appelle an die Mitmenschlichkeit finden noch durchaus Resonanz, aber nicht um Christi willen.

[3] Die radikal islamistischen AttentĂ€ter von Paris verstanden ihre Rolle bei ihren perfiden AnschlĂ€gen in just diesem Sinne. Es gibt nichts, was ihre Tat rechtfertigen könnte. Ihre Opfer suchten sie im VergnĂŒgungsviertel der Stadt. Ihren Hass und das „Gericht Allahs“ teilten sie an die NachtschwĂ€rmer aus. Die tiefe Verachtung, die konservative Muslime fĂŒr den Lebenswandel der Menschen im Westen empfinden, wurde hier in grausamster Weise zum Ausdruck gebracht.

[4] Wenn es ein Rezept gibt, dann wird es garantiert damit beginnen, dass unser Lebensstil als Christen sich von anderen erkennbar unterscheidet. Es muss erkennbar werden, dass wir von der Vergebung Jesu leben und so zu einem neuen Leben befreit sind. Wenn euch der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei (Joh. 8,36). Um es mit dem geistigen Vater der meisten heutigen Agnostiker und Atheisten Friedrich Nietzsche zu sagen: Wenn an der Erlösung etwas dran ist, mĂŒssen wir fĂŒr unsere Mitmenschen erlöster wirken. Nur so könnten wir die zurĂŒckgewinnen, die sich vom christlichen Glauben verabschiedet haben. Die Kraft Gottes im neuen Leben durch seinen Geist muss doch spĂŒrbar werden! Paulus schreibt in 1. Kor 1,18: Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft. Lasst uns um diese Gotteskraft fĂŒr unsere Aufgabe im Bezeugen von Jesus Christus vor den Menschen unserer Zeit beten.

[5] Er konnte inzwischen wieder online gehen.