Archiv der Kategorie: Jesus

Hofacker Abendbibelschule: Der christliche Glaube im Spiegel des Islam

1.) Mo. Der erste Artikel (des Glaubensbekenntnisses) und die Schahāda

PrÀsentationsfolien:abs2016lustnau_christl_glaube_im-lichte-des-islam1

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2.) Di. Der zweite Artikel und die Schahāda Teil I

PrÀsentationsfolien:abs2016lustnau_christl_glaube_im-lichte-des-islam2

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3.) Mi. Der zweite Artikel und die Schahāda Teil II

PrÀsentationsfolien:abs2016lustnau_christl_glaube_im-lichte-des-islam3

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4.) Do. Der dritte Artikel und der Geist Gottes im Koran

PrÀsentationsfolien: abs2016lustnau_christl_glaube_im-lichte-des-islam4

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5.) Fr. Das Vater unser und das Al-Fatiha Gebet

PrÀsentationsfolien: abs2016lustnau_christl_glaube_im-lichte-des-islam5

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Herausforderung Islam – Bibel und Koran, zwei BĂŒcher – zwei Botschaften

Der Vortrag wurde vor einem BĂŒrgerforum am Rande des Schwarzwalds gehalten. Dort, wo noch kaum muslimische Zuwanderung geschehen ist, ist das Interesse sehr groß gewesen. Am Ende des Vortrags ist die Fragerunde mit aufgezeichnet (anonymisiert).

Der Vortrag liegt nicht schriftlich vor. Hier eine Skizze des Vortrags mit den relevanten Zitaten. Der Vortrag weicht teilweise sehr stark von der Skizze ab.

Die Hörzeit betrÀgt ca. 80 Minuten, die Fragerunde noch mal gute 20 Minuten.

Herausforderung Islam – Bibel und Koran, zwei BĂŒcher – zwei Botschaften

Wir sind durch den Islam herausgefordert. Die stĂ€ndig wachsende Zahl von BĂŒrgerinnen und MitbĂŒrgern mit Migrationshintergrund aus dem islamischen Kulturkreis stellt uns vor einen Wandel in unserer Gesellschaft. Die merkwĂŒrdigsten Allianzen tun sich auf. Traditionell atheistisch ausgerichtete Bewegungen und politische Parteien  zeigen auf einmal nicht nur VerstĂ€ndnis fĂŒr den Islam an sich, sondern fĂŒr BrĂ€uche und Gepflogenheiten aus dem islamischen Kulturraum, die diametral den aufklĂ€rerischen europĂ€ischen GrundsĂ€tzen entgegengesetzt sind. Mit dem hier aufgenommenen Vortrag versuche ich aufzuzeigen, wie das Anliegen der islamisch geprĂ€gten Gesellschaft durch die so völlig andersartig gestaltete Botschaft des Koran und des Islam, wie sie in Sunna und HĂ€dithen wiedergeben werden,  bedingt ist.

Der demographische Wandel stellt uns vor einer riesigen Herausforderung. Die daraus folgende Migration verÀndert unsere Gesellschaft und Kultur nachhaltig. Der Zusammenprall der Kulturen (auch Kampf der Kulturen gennant) nach Samuel P. Huntington[1]

 

Der Islam unterscheidet zwischen UMMAH (Vollzahl aller Muslime) AHL-AL-KITAB (Volk/Völker des Buches = Juden und Christen) und Götzendiener. Nur die Muslime sind fĂŒr den Islam „GlĂ€ubige“, alle andere sind „UnglĂ€ubige“ (KUFFAR)

Umma und ‚ahl-al-kitab stehen sich gegenĂŒber. Was anfĂ€nglich fĂŒr Mohammed als vereinbar schien, wurde zu einer verbitterten Feindschaft. Das liegt in der Unterschiedlichkeit der Botschaften von Bibel und Koran.

Ein plastisches Beispiel hierfĂŒr ist der unterschiedliche Gnadenbegriff beider BĂŒcher. Auch das Gottesbild des orthodoxen Islam, der sich an den Aussagen des Koran orientiert, unterscheidet sich stark vom biblischen Gottesbild. Es Geht um die Ehre Gottes und um die Verletzung derselben. Ehre kann nur durch Rache wieder hergestellt werden.

Auf diesem Hintergrund werden auch die causa Böhmermann und die tiefe KrĂ€nkung des tĂŒrkischen PrĂ€sidenten auf Grund einer wahrgenommenen Verletzung seiner Ehre  verstĂ€ndlich:

Am Anfang des Wirkens Mohammeds war das anders. UrsprĂŒnglich glaubte Mohammed den gleichen Glauben, den die Juden und Christen hatten, fĂŒr die Araber entdeckt zu haben.  WĂ€hrend seines Lebens kam es jedoch zu einer herben EnttĂ€uschung darĂŒber, dass die Juden und Christen seine Botschaft nicht annahmen, sondern teilweise sogar gegen ihn kĂ€mpften. Dass es zu keiner Einigung zwischen Mohammed einerseits und den Juden oder den Christen andererseits kommen konnte lag an der Botschaft, die er verkĂŒndete. Sie Ă€hnelte zwar der biblischen Botschaft in vielen Punkten, setzte sich aber an entscheidenden Stellen deutlich von dieser ab  und widersprach dieser  in ihren Kernaussagen.

Als Einstieg nenne ich hier nur Losung und Lehrtext von heute

Losung:  Der HERR, euer Gott, ist gnÀdig und barmherzig und wird sein Angesicht nicht von euch wenden, wenn ihr euch zu ihm bekehrt. 2Chr 30,9

Lehrtext:  Kehrt also um und richtet euch aus auf die Vergebung eurer SĂŒnden, damit vom Angesicht des Herrn her Zeiten der Erquickung kommen. Apg 3,19–20

Die Zusagen Gottes im Vergleich zu der WillkĂŒr Allahs:

Sure 3. Die Sippe ‚Imrans |132 Und gehorchet Gott und dem Gesandten! Vielleicht werdet ihr (dann) Erbarmen finden.

Sure 3. Die Sippe ‚Imrans   |200 Ihr GlĂ€ubigen! Übt Geduld und mĂŒht euch, standhaft und fest zu bleiben! Und fĂŒrchtet Gott! Vielleicht wird es euch (dann) wohl ergehen.

Sure 4. Die Frauen |99 Denen (die aus Unvermögen nicht „ausgezogen sind“) wird Gott vielleicht verzeihen. Gott ist bereit, Nachsicht zu ĂŒben und zu vergeben.

Sure 5. Der Tisch |35 Ihr GlĂ€ubigen! FĂŒrchtet Gott und trachtet danach, ihm nahezukommen, und fĂŒhret um seinetwillen Krieg (w. mĂŒht euch um seinetwillen ab)! Vielleicht wird es euch (dann) wohl ergehen.

Sure 5. Der Tisch  100 FĂŒrchtet Gott, die ihr Verstand habt! Vielleicht wird es euch (dann) wohl ergehen.

Wie anders die Gewissheit derer , die Vergebung durch Jesus Christus erfahren haben!!

Aber schauen wir formale Unterschiede an:

I.) Zwei BĂŒcher

Im Unterschied zur Bibel geht der Koran allein auf einen Menschen zurĂŒck – auf den Propheten des Islam Muhammad.

Wie mehrfach aus der Biographie Mohammeds gesehen werden kann , versteht sich der Islam als legitime ErfĂŒllung der alt- und neutestamentlichen Offenbarung und also auch als ErgĂ€nzung und Korrektur zum Glauben der Juden und der Christen.

Diese Überzeugung ist auch schon im Koran dokumentiert. In Sure 2 “die Kuh” (al-baqra)

87 Wir haben doch (seinerzeit) dem Mose die Schrift gegeben und nach ihm die (weiteren) Gesandten folgen lassen. Und wir haben Jesus, dem Sohn der Maria, die klaren Beweise gegeben und ihn mit dem heiligen Geist gestĂ€rkt. Aber waret ihr (Juden) denn nicht jedesmal, wenn ein Gesandter euch etwas ĂŒberbrachte, was nicht nach eurem Sinn war, hochmĂŒtig und erklĂ€rtet ihn fĂŒr lĂŒgnerisch oder brachtet ihn um? 88 Und sie (d.h. die Juden) sagen: â€șUnser Herz ist (eben) unbeschnittenâ€č. Aber nein! Gott hat sie (zur Strafe) fĂŒr ihren Unglauben verflucht. Darum sind sie so wenig glĂ€ubig. * 89 Und als (nun) von Gott eine Schrift (d.h. der Koran) zu ihnen kam, die das bestĂ€tigte, was ihnen (an Offenbarung bereits) vorlag – und vorher baten sie (doch Gott wiederholt) um eine Entscheidung gegen die UnglĂ€ubigen –, als nun das, was sie (der Sache nach bereits) kannten, (in einer neuen Offenbarung) zu ihnen kam, da glaubten sie nicht daran. Gottes Fluch komme ĂŒber die UnglĂ€ubigen! 90 Sie haben sich fĂŒrwahr auf einen schlechten Handel eingelassen, indem sie an das, was Gott (nun als Offenbarung) herabgesandt hat, nicht glauben, aus (lauter) Auflehnung (dagegen), daß Gott seine Huld (w. (etwas) von seiner Huld) herabschickt, auf wen von seinen Dienern er will. So haben sie sich Zorn ĂŒber Zorn zugezogen. Und die UnglĂ€ubigen haben (dereinst) eine erniedrigende Strafe zu erwarten. 91 Und wenn man zu ihnen sagt: â€șGlaubt (doch) an das, was Gott (nunmehr) herabgesandt hat!â€č, sagen sie: â€șWir glauben (nur) an das, was (frĂŒher) auf uns herabgesandt worden ist.â€č An das SpĂ€tere glauben sie nicht, wo es doch die Wahrheit ist, indem es bestĂ€tigt, was ihnen (bereits) vorliegt. Sag: Warum habt ihr denn frĂŒher die Propheten Gottes (immer wieder) getötet, wenn (anders) ihr glĂ€ubig seid? [Sure 2. Die Kuh: Der Koran, S. 119f (vgl. Sure 2, 87ff) (c) Verlag W. Kohlhammer ]

97 Sag: Wenn einer dem Gabriel feind ist – und der hat ihn (d.h. den Koran) doch mit Gottes Erlaubnis dir ins Herz herabkommen lassen, als BestĂ€tigung dessen, was (an Offenbarungen) vor ihm da war, und als Rechtleitung und Frohbotschaft fĂŒr die GlĂ€ubigen –, 98 wenn einer Gott und seinen Engeln und Gesandten und dem Gabriel und Michael feind ist, so ist (umgekehrt auch) Gott den UnglĂ€ubigen feind.  99 Und wir haben doch (im Koran) klare Zeichen zu dir hinabgesandt. Nur die Frevler glauben nicht daran.  [Sure 2. Die Kuh: Der Koran, S. 120 (vgl. Sure 2, 9699) (c) Verlag W. Kohlhammer]

1) Die Entstehung des Koran aus islamischer Sicht

Der Koran besteht aus 114 Suren – alle von einer Quelle, nĂ€mlich letztlich aus dem Munde Mohammeds, und wurden von seinen JĂŒngern aufgeschrieben, und zwar auf das, was gerade zur Hand war: PapyrusblĂ€tter, Pergament, Tonscherben, Stoffreste u.a.m.

Hinter dieser Genese des Koran steckt aber die Überzeugung, dass Gott selbst den Koran in arabischer Sprache auf einer ehernen (ewigen) Tafel vor aller Zeit schrieb.[vgl. die beiden Tafel der 10 Gebote] – und deshalb sei dieser die Ă€lteste und ursprĂŒnglichste Offenbarung Gottes an den Menschen. Damit diese göttliche Offenbarung zu den Menschen gelangen konnte, wurde in der  Ù„ÛŒÙ„Ű© Ű§Ù„Ù‚ŰŻŰ± “Nacht der Kraft/Bestimmung” der Koran der Engelwelt ĂŒbermittelt. “Als besonders heilig gilt die Nacht des 27. Ramadan, die »Laylat al-Qadr« Ù„ÛŒÙ„Ű© Ű§Ù„Ù‚ŰŻŰ± (Nacht der Bestimmung), in der die erste Koran-Offenbarung erfolgt sein soll.” [Lexikon des Islam: Fasten, Bd. 1, S. 242-243) (c) Verlag Herder] 

Gabriel erhielt den Auftrag, dem Rasul (Gesandter)  Mohammed die Botschaft fĂŒr die Menschen zu ĂŒbermitteln, und zwar HĂ€ppchenweise, passend zu der jeweiligen Situation.

Mohammad galt zu dieser Zeit als Hanif – Gott suchender. In seinem Ehevertrag mit Khadidscha bint Khuwailid bekam Mohammed das Recht zugesprochen, einen Monat lang jedes Jahr sich in die WĂŒste zurĂŒckziehen zu dĂŒrfen, um zu fasten und zu beten. Vorbild fĂŒr ihn waren die christlichen (oder hĂ€retischen) Einsiedlermönche, die eine asketisch-komplentatives Leben in Höhlen in großer Einsamkeit verbrachten.

FĂŒr die islamische Gelehrsamkeit ist jedoch wichtig fest zu halten, dass der Koran immer nur im Trance ĂŒbermittelt wurde  – alles andere, was Mohammed bei wachem Verstand gesagt hat gilt (nur) als Hadithe… (ob Mohammed Epileptiker war oder an einer Geisteskrankheit litt?)

Als sicher gilt jedenfalls, dass Mohammed die Koranabschnitte mĂŒndlich ĂŒberlieferte und dass seine GefĂ€hrten sich bemĂŒhten, die Verse auswendig zu lernen. (S.u. zum Thema Überlieferung des Koran zur Zeit Uthmans).

War Mohammed Analphabet? Wird von frommen Muslimen als Beweis fĂŒr den ĂŒbernatĂŒrlichen Charakter des Koran gesehen, andere halten es fĂŒr höchst unwahrscheinlich, dass ein GeschĂ€ftsmann, der mit Rechnungen und Schuldbriefen umgehen musste, Analphabet hĂ€tte sein können. Aus zu schließen ist es allerdings nicht. Es gab eine Schreiberzunft und auch Mohammed hat einen persönlichen SekretĂ€r gehabt. Bis in die Zeit der Modern hat es im Orient wohlhabende und mĂ€chtige Personen gegeben, die des Schreibens und Lesens nicht mĂ€chtig waren (vereinzelt heute noch).

Als erste Offenbarung in der Höhle am Berg Hira gilt Sure 96 (Der Klumpen/Der Embryo):

1 Trag vor im Namen deines Herrn, der erschaffen hat, 

2 den Menschen aus einem Klumpen/Embryo erschaffen hat! 

3 Trag vor! Dein höchst edelmĂŒtiger Herr ist es ja, 

4 der den Gebrauch des Schreibrohrs gelehrt hat (oder: 

der durch das Schreibrohr gelehrt hat), 

5 den Menschen gelehrt hat, was er (zuvor) nicht wußte…

[Sure 96. Der Embryo: Der Koran, Sure 96, 15, S. 1078(c) Verlag W. Kohlhammer]

ebenfalls zu den frĂŒhen Suren gehört Sure 114 (Die Menschen) und gibt Einsicht in das religiöse Verlangen Mohammeds:

Im Namen des barmherzigen und gnÀdigen Gottes.

1 Sag: Ich suche Zuflucht beim Herrn der Menschen, 

2 dem König der Menschen, 

3 dem Gott der Menschen, 

4 vor dem Unheil  von EinflĂŒsterung, – von dem heimtĂŒckischen Kerl,

5 der in die Brust der Menschen (böse Gedanken) einflĂŒstert, 

6 sei es ein Dschinn oder ein Mensch.

[Sure 114. Die Menschen: Der Koran, S. 1098, Verlag W. Kohlhammer]

Hier sehen wir auch eine der Wurzel fĂŒr das Verhalten beim rituellen Gebet, wo der zum Gebet bereite Muslim sich zum Zeichen der Buße an den Ohren packt (oder etwas verklĂ€rter die HĂ€nde wie zum Hören an die Ohren legt), sich dem guten Engel ĂŒber der rechten Schulter sich zuwendend um Schutz bittet, und dann zum bösen Engel ĂŒber seiner linken Schulter sich zuwendend diesem im Namen Allahs wehrt. Danach kommen die Verneigungen, Verbeugungen und die Halb-Prostration, bei der die Stirn auf den Boden gedrĂŒckt wird (ein blauer Fleck auf der Stirn eines Muslimen ist eine sichere Indiz, dass dieser sich als besonders fromm versteht!).

Aber zurĂŒck um Koran: Wie gesagt, die Verse des Koran wurden auswendig gelernt und “rezitiert”. Eine Anordnung war gar nicht möglich oder notwendig. Die Originalaufschriften wurden nach islamischer Tradition in einer Kiste aufbewahrt, bis eines Tages eine Ziege sich Zugang dazu verschaffte und die essbaren Teile der Originale gefressen hat


Umar hat den Auftrag gegeben, die Quellen zu vereinheitlichen (Anordnung nicht chronologisch).

Die chronologische Anordnung der Suren ist nur Islamgelehrten bekannt, wobei es keine einheitliche Sicht davon gibt.

Der Buchstabe ist heilig (Behandlung des Buchs, Amuletten und Potionen im Volksislam)

(Granth im Sikkhismus)

Die Rezitation bringt Verdienst.

Das Prinzip der Abrogation

(Nehls: Christen antworten Muslime S.25f “wie steht es mit dem exegetischen Prinzip des »mansukh« (= ein von Gott zurĂŒckgezogener Text) und »nasikh« (= der Text, der anstelle eines mansukhTextes eingesetzt wird)?

Wir mĂŒssen verstehen, daß die Verse aus Sure 2,107 und 16,102 nicht das Anliegen haben, ein besseres VerstĂ€ndnis des Textes zu ermöglichen und auch nicht gegeben wurden im Hinblick auf eine progressive Fortsetzung vorislamischer Schriften, wo Erweiterungen und neue Aspekte sicher ihren Platz hĂ€tten. Sie sind offensichtlich gegeben worden, um Verbesserungen an einem als offenbart geltenden Text, innerhalb

von etwa 20 Jahren (und meist weniger), zu rechtfertigen.

Wir verweisen hier auf das exegetische Prinzip: Wenn wir (26) wissen wollen, was ein gewisser Abschnitt wirklich bedeutet, mĂŒssen wir ermitteln, was der betreffende Text seinen ursprĂŒnglichen Hörern wirklich sagen wollte. Wie verstanden sie ihn? Erst wenn wir dies getan haben, können wir einen Text, ohne ihn zu entstellen, in unsere Gegenwartssituation hineininterpretieren.

Um die ursprĂŒngliche Bedeutung herauszufinden, sollte man sicher auch die Kommentare der alten GlaubensvĂ€ter zu Rate ziehen und sehen, wie sie den Text verstanden und interpretiert haben.

Die »Tafsir-i-Azizi« (Tafsir = Kommentar oder Auslegung) erklĂ€rt drei Arten von ZurĂŒcknahme bzw. Austausch eines Textes:

  1. wo ein Vers herausgenommen wurde und an seine Stelle ein anderer eingesetzt wurde,
  2. wo ein Gebot (oder Verbot) abgeschafft wurde, aber die Buchstaben des Textes geblieben sind,
  3. wo beides, Text und Gebot (Verbot), aus dem Text entfernt wurden.

Nach Jalalu’dDin ist die Zahl der zurĂŒckgenommenen bzw. ausgetauschten Texte zwischen 5 und 500 geschĂ€tzt worden (»Dictionary of Islam«, Seite 520).

In seinem »Itqan« stellte er eine Liste von 20 Versen zusammen, die von allen Kommentatoren als abgeÀndert anerkannt worden sind (»Dictionary of Islam«, Seite 520).

(27) Einige sollen ErwÀhnung finden:

  • Die Quibla (Gebetsrichtung) wurde von Jerusalem nach Mekka abgeĂ€ndert (Sure 2,143-145).
  • Die Teilung des Erbes, das von Eltern oder Verwandten zurĂŒckgelassen wird, soll gemĂ€ĂŸ Sure 4,8 gleichmĂ€ĂŸig erfolgen, was aber durch Vers 12 abgeĂ€ndert wurde, wo
  • befohlen wird, daß MĂ€nner den doppelten Anteil von Frauen erhalten sollen.
  • Das Nachtgebet, in dem der Koran rezitiert werden soll, sollte etwa die halbe Nacht beanspruchen 73,35). Dies wurde abgeĂ€ndert in: »daher rezitiert aus dem Koran, wie es euch leicht und möglich ist«

Aischa, Mohammeds Lieblingsfrau erklĂ€rte diesen Text als einen spĂ€ter (nach Mohammeds Tod) zugefĂŒgten Vers. Bei Ehebrecherinnen war eine lebenslĂ€ngliche Gefangenschaft vorgesehen (Sure 4,16), die aber in eine Strafe von 100 Peitschenhieben abgeĂ€ndert wurde (Sure 24,3). Dies trotz der Nachsicht die fĂŒr reumĂŒtige Homosexuelle (in Sure 4,17) vorgeschrieben ist.

Ich möchte hier außerdem auf einen Text verweisen, der nicht mehr im Koran enthalten ist, nach dem Ehebrecher zu Tode gesteinigt werden sollen. Vergeltungsmaßnahmen in FĂ€llen von Verbrechen, besonders von Mord, sollten auf Menschen gleichen Ranges beschrĂ€nkt bleiben (ein Sklave fĂŒr einen Sklaven, ein Freier fĂŒr einen Freien, ein weibliches Wesen fĂŒr ein weibliches Wesen usw., Sure 2,179). Dies widerspricht Sure 5.46 und Sure 17.34, wo Vergeltungsmaßnahmen nur gegen den Mörder angewandt werden dĂŒrfen (Leben fĂŒr Leben, Auge um Auge etc.).

Der Jihad oder der Heilige Krieg war wĂ€hrend der heiligen Monate verboten (Sure 9,5); aber in Vers 36 ist er nicht nur erlaubt, sondern man wird dazu geradezu  ermutigt, was natĂŒrlich den erstgenannten Vers aufhebt.

Der Orientalist und Islamologe John Burton schreibt: »Sure 2,10 steht am Beginn einer Reihe von durchgreifenden VerĂ€nderungen oder Modifizierungen die von Mohammed sowohl auf ritueller als auch auf gesetzlicher Ebene eingefĂŒhrt wurden. Der Vers leitet somit die Änderung der Quibla (Verse 116, 178, 125252); der Riten fĂŒr Pilgerreisen (Vers 158); gewisser DiĂ€tvorschriften (Verse 168174); des Rachegesetzes (Verse 178179); der Regelung von Hinterlassenschaften 27

2) Die Entstehung der Bibel (aus christlicher Sicht)

66 Kanonische BĂŒcher, Hunderte von Autoren! Kollektivwerk!

A) Durch genaues Erforschen:

Lk 1,1ff 1 Viele haben es schon unternommen, Bericht zu geben von den Geschichten, die unter uns geschehen sind, 2 wie uns das ĂŒberliefert haben, die es von Anfang an selbst gesehen haben und Diener des Worts gewesen sind.  3 So habe auch ich’s fĂŒr gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfĂ€ltig erkundet habe, es fĂŒr dich, hochgeehrter Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben, 4 damit du den sicheren Grund der Lehre erfĂ€hrst, in der du unterrichtet bist.

1 Petr 1,10ff Nach dieser Seligkeit haben gesucht und geforscht die Propheten, die von der Gnade geweissagt haben, die fĂŒr euch bestimmt ist,11 und haben geforscht, auf welche und was fĂŒr eine Zeit der Geist Christi deutete, der in ihnen war und zuvor bezeugt hat die Leiden, die ĂŒber Christus kommen sollten, und die Herrlichkeit danach. 12 Ihnen ist offenbart worden, dass sie nicht sich selbst, sondern euch dienen sollten mit dem, was euch nun verkĂŒndigt ist durch die, die euch das Evangelium verkĂŒndigt haben durch den heiligen Geist, der vom Himmel gesandt ist,  was auch die Engel begehren zu schauen.

B) Menschen Machen Erfahrungen mit Gott und erkennen daraus den Willen Gottes 

(Jakob, Josef, Psalmen)

C) Menschen empfangen durch Offenbarung den Willen Gottes, der Sie betrifft (Abraham, Jakob, Joseph, die Propheten des AT, Offenbarung des Johannes)

2.Tim 3,16 Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nĂŒtze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit,

2.Petr 1,1921 Um so fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, daß ihr darauf achtet… 20 Und das sollt ihr vor allem wissen, daß keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist. 21 Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern [a] getrieben von dem heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet.

Eine FĂŒlle von Autoren, Eine Kette von Zeugen

(Hebr 12,1: Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, laßt uns ablegen alles, was uns beschwert, und die SĂŒnde, die uns stĂ€ndig umstrickt, und laßt uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist)

Die Botschaft ist heilig

das Befolgen ist entscheidend!

II Zwei Botschaften

viele Gemeinsame Elemente und Geschichten (Abraham, Joseph, Jesus, Mara –  Jungfrauengeburt)

Unter den Propheten haben wir einige vor anderen bevorzugt. Mit einigen sprach Gott selbst, andere bevorzugte er noch mehr. Dem Jesus, Sohn Miriams, gaben wir Wunderkraft, und rĂŒsteten ihn mit dem heiligen Geist aus. HĂ€tte Gott es gewollt, so wĂŒrden die spĂ€ter Lebenden, nachdem ihnen so deutliche Belehrung zuteil geworden ist, nicht verschiedener Ansicht sein. Aber sie sind verschiedener Meinung; einer glaubt, der andere leugnet. Wenn Gott es nur wollte, sie stritten nicht miteinander. Aber Gott tut, was er will. 2, 253

– Abweichungen (Isaak, Jesus – Kreuzigung, heilige Geist) werden unterschiedlich erklĂ€rt:

Islam: Das Injil ist korruptiert worden (Paraklet)

61,611

6  Und als Jesus, der Sohn Marias, sagte: »O Kinder Israels, ich bin der Gesandte Gottes an euch, um zu bestĂ€tigen, was von der Tora vor mir vorhanden war, und einen Gesandten zu verkĂŒnden, der nach mir kommt: sein Name ist Ahmad* 187.« Als er nun mit den deutlichen Zeichen zu ihnen kam, sagten sie: »Das ist eine offenkundige Zauberei.«

[Koranstellen: Lexikon des Islam, S. 1777

(vgl. LdIslam Bd. 3, S. 903) (c) Verlag Herder]

*(oder:“hochgelobt“, so Paret)

Christentum: Die hĂ€retischen Quellen sind falsch, bzw Mohammed hat christliche Texte nur ungenau ĂŒbermittelt bekommen oder schlicht falsch verstanden (ostsyrische Quellen?)

Darauf sagt Gott: O du Jesus, Sohn der Maria, gedenke meiner Gnade gegen dich und deine Mutter, ich habe dich ausgerĂŒstet mit dem heiligen Geist, damit du schon in der Wiege zu den Menschen reden konntest, und auch, als du herangewachsen bist; ich lehrte dich die Schrift und die Weisheit, die Thora und das Evangelium. Du schufst mit meinem Willen die Gestalt eines Vogels aus Ton; du hauchtest in ihn, und mit meinem Willen wurde er ein wirklicher Vogel. Mit meinem Willen heiltest du einen Blindgeborenen und einen AussĂ€tzigen, und mit meinem Willen brachtest du Tote aus ihren GrĂ€bern. Ich hielt die Kinder Israels ab, Hand an dich zu legen, als du mit deutlichen Beweisen zu ihnen kamst, und sie, welche nicht glaubten, sagten: Dies ist alles offensichtliche TĂ€uschung. 5, 110

gnostische Texte und Vorstellungen!

1) Islam heißt Unterwerfung

die fĂŒnf SĂ€ulen des Islam

Iman (Shahada)

Soum

Schirk – Gott hat keinen Freund und keinen Partner (Sufis verfolgt)

Sprich: So hat ihn der heilige Geist (Gabriel) von deinem Herrn in Wahrheit herabgebracht, die GlĂ€ubigen zu stĂ€rken, und als eine Leitung und frohe Botschaft fĂŒr die Moslems. 16, 102

2) Nach der Bibel wird im Glauben an Jesus Christus durch die Innewohnung des heiligen Geistes der Mensch zum Kind Gottes

Habib – warum sĂŒndigt ihr Christen nicht?

die Mission Gottes in der Bibel  

Mt. 28,18-20;

Mt 11,28-30 Kommt her zu mir, alle, die ihr mĂŒhselig und beladen seid; ich will euch erquicken. [a] a) Kap 12,20; 23,4; Jer 31,25

29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmĂŒtig und von Herzen demĂŒtig; so werdet ihr [a]Ruhe finden fĂŒr eure Seelen. a) Jes 28,12; Jer 6,16  30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.[a] a) Lk 11,46; 1.Joh 5,3

Mt 12,20; 23,4; Jer 31,25

20 das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er das Recht hinausfĂŒhrt zum Sieg;  4 [a]Sie binden schwere und unertrĂ€gliche BĂŒrden und legen sie den Menschen auf die Schultern; aber sie selbst wollen keinen Finger dafĂŒr krĂŒmmen. a) Kap 11,28-30; Apg 15,10.28

25 denn ich will die MĂŒden erquicken und die Verschmachtenden sĂ€ttigen.«

A) Da’wa – Dar ul Islam – die Einladung

Ummah, Dhimmi

B) Gehet hin – die Suche

Ich bin gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist

weder Jude noch Grieche

Gal 3,28 Hier ist [a] nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn [b] ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.

Kol 3,11 Da ist nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Sklave, Freier, sondern alles und in allen Christus. [a]

Gott suchet noch

Die Liebe ist der Weg (Balqis Scheich)

In der Bibel geht es in erster Linie um die Liebe Gottes zu den Menschen – im Koran geht es um die Ehre Gottes.

 

 

[1] Huntington, Samuel P. The Clash of Civilizations and the Remaking of World Order. New edition. Simon & Schuster UK, 2002.

———. Kampf der Kulturen: Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert: The Clash of Civilizations. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert. 1. Auflage. btb Verlag, 1998.

Hofacker Abendbibelschule: Muslime verstehen – Jesus verstĂ€ndlich machen!

1.) Mohammed contra Jesus – Kampf der Titanen?  Was Jesus von Mohammed unterscheidet

Hier der Skript des ersten Abends: Muslime verstehen – Jesus verstĂ€ndlich machen 1

Hier die Audiodatei:

 

2.) Gehört der Islam zu Deutschland? Und glauben wir sowieso alle an den gleichen Gott? Ein Beitrag zur Klarheit und guter Nachbarschaft

(Skizze/Zusammenfassung): Muslime verstehen – Jesus verstĂ€ndlich machen 2

Audio:

Hier ein ausfĂŒhrlicher Artikel weiterfĂŒhrend zum Thema:

Das Zusammenleben von Christen und Muslimen in Deutschland – ein Betrag zur Klarheit und guten Nachbarschaft.

3.) Was glauben Muslime, dass Christen glauben? Aus IrrtĂŒmern Wegweiser fĂŒr den Glauben machen!

 

Audio:

 

4.) Gute Muslime, schlechte Muslime:  Gute Nachricht fĂŒr „gute“ und „schlechte“ Muslime. Eine islamische und eine christliche Perspektive

Skript/Zusammenfassung:

Muslime verstehen – Jesus verstĂ€ndlich machen 4

Audio:

 

5.) Christ sein 2016 – Evangelium auch fĂŒr Muslime?  Was haben Christen den Migranten und FlĂŒchtlingen heute zu sagen?

Skizze/Abriss:

Muslime verstehen – Jesus verstĂ€ndlich machen 5

Audio:

Bibel und Koran, zwei BĂŒcher, zwei Botschaften

VortrÀge bei der Hafacker Abendbibelschule

 

1.) ABS2015LustnauI-Mo

2.) ABS2015LustnauII-Di

3.) ABS2015LustnauIII-Mi

4.) ABS2015LustnauIV-Do

5.) ABS2015LustnauV-Fr

 

Literaturempfehlungen

Der Koran ist zwar die als Offenbarung anerkannte Grundlage des Islam in allen Richtungen des Islam, die Interpretation des Korans ist aber der SchlĂŒssel zum VerstĂ€ndnis der verschiedenen AusprĂ€gungen dieser Religion/Lebensweise. Es gibt zwei maßgebliche AutoritĂ€ten in allen orthodoxen Schulen des Islam, die die Interpretation des Islam bestimmen, nĂ€mlich die Überlieferungen dessen, was Mohammed selbst erklĂ€renderweise gesagt (hadith – Mehrzahl ahadith) und wie er persönlich gehandelt hat (Sirat-an-Nabi/Biographie Mohammeds durch Ibn Hischam/Ibn Ischhak sowie weitere Quellen der Sunnah).

Eine Zusammenfassung der ahadith/Hadithen  


Die Biographie Ibn Hishams (die moderne Ausgabe s.O.)

oder die historische Ausgabe:

Hishām, Ê»Abd al-Malik Ibn, Muáž„ammad Ibn Isងāq, und Gustav Weil. Das Leben Mohammed’s. J. B. Metzler, 1864.

Ein grĂŒndliches, aber gleichzeitig leicht verstĂ€ndliches Buch ist:

Troeger, Eberhard. Islam im Aufbruch, Islam in der Krise? Brockhaus R. Verlag GmbH. Wuppertal; Giessen: Brockhaus R. Verlag GmbH, 1985.

 

Bei Amazon ab 0,01€ zu kaufen (plus Versand, NatĂŒrlich):

http://www.amazon.de/gp/product/3417122414/ref=olp_product_details?ie=UTF8&me=

 

Auf Englisch sehr eingÀngig aus Konvertitenperspektive:

Caner, Ergun Mehmet, und Emir Caner. Unveiling Islam: An Insider’s Look at Muslim Life and Beliefs. Updated, Expand. Kregel Pubn, 2009.

 

Die BĂŒcher von Adel Theodor Khoury, em. Prof. fĂŒr Rel.-Wiss. MĂŒnster und Libanese mit christlichem Hintergrund sind grundsĂ€tzlich solide – wenn auch manchmal ein bisschen sehr vermittelnd (vgl. Khalil Gibrain):

 

Adel Theodor Khoury: Der Islam und die westliche Welt – Religiöse und politische Grundfragen, o. J.

„Amazon.com Link.“ Zugegriffen 2. September 2015. http://www.amazon.de/Adel-Theodor-Khoury-politische-Grundfragen/dp/B0088NXKBM/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1441198268&sr=1-1&keywords=adel+theodor+khoury+Der+Islam+und+die+westliche+Welt.

„Amazon.com Link.“ Zugegriffen 2. September 2015. http://www.amazon.de/Muhammad-Botschaft-Adel-Theodor-Khoury/dp/3451298252/ref=sr_1_3?s=books&ie=UTF8&qid=1441198136&sr=1-3&keywords=adel+theodor+khoury.

Khoury, Adel Theodor. Der Koran: Erschlossen und kommentiert. 2. Aufl. DĂŒsseldorf: Patmos Verlag, 2005.

———. Muhammad: Der Prophet und seine Botschaft. 1. Aufl. Freiburg, Br.; Basel; Wien: Verlag Herder, 2008.

 

Das Lexikon, an dem er mitgewirkt hat, ist sehr hilfreich:

Khoury, Adel Th, Ludwig Hagemann, und Peter Heine. Islam-Lexikon A – Z: Geschichte – Ideen – Gestalten. 1., erw. u. aktualis. Neuausg. Freiburg: Herder Freiburg, 2006.

Lexikon des Islam (gibt es auch als CD-ROM von der Digitalen Bibliothek/Direktmedia Publishing)

 

 

Die beste Koranausgabe ist immer noch m.E. die von Rudi Paret (mit Kommentar):

 

Paret, Rudi. Der Koran, Kommentar und Konkordanz: Kommentar und Konkordanz von Rudi ParetTaschenbuchausgabe. 8. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer, 2012.

(gibt es auch als CD-ROM von der Digitalen Bibliothek/Direktmedia Publishing)

 

Unschlagbar sind die Werke von Tilman Nagel, Patrick Sookhdeo, Bat Bat Ye’or und Hans-Peter Raddatz. Nagel vor allem fĂŒr das fortgeschrittene Studium des Islam.

 

Joh 17,1-8 »Das kleine dreimal eins des Schenkens – wie Jesus uns beschenk«

Predigt in Gniebel am Palmsonntag, d. 24.03.2013

 

Joh 17,1-8

Das hohepriesterliche Gebet

1 So redete Jesus und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche;

2 denn du hast ihm Macht gegeben ĂŒber alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast.

3 Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.

4 Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue.

5 Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.

6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.

7 Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt.

8 Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.

 

Das kleine dreimal eins des Schenkens – wie Jesus uns beschenkt

 

Der Abschnitt, den wir gerade eben gehört haben ist die Einleitung zum so genannten hohen priesterlichen Gebet Jesu, dass er im Garten Gethsemane kurz vor seiner Verhaftung in intensivem Ringen mit dem Vater gesprochen hat. In ganz merkwĂŒrdiger Weise redet er von sich dabei in der dritten Person. Warum macht er das? Wir könnten denken, dass es sich so verhĂ€lt, wie die Mutter, die mit ihrem kleinen Kind spricht und es trösten will indem sie sagt: „die Mama kommt ja gleich wieder!“ Es ist eine gewisse NĂ€he zum Kind da, aber auch in gewisser Weise ein Appell an das Kind zu begreifen, dass die Mutter es doch niemals im Stich lassen wĂŒrde. Vielleicht schwingt ein bisschen etwas von diesem RollenverstĂ€ndnis auch in der Art und Weise wie Jesus von sich in der dritten Person redet. Er redet von sich als vom Sohn Gottes. Es ist ein Stand und ein Amt, das er innehat. Er redet nicht nur von sich als Person, sondern von sich als den Gott der Vater in die Welt gesandt hat um die Menschen zu erretten.

 

An dieser Stelle zieht Jesus Bilanz ĂŒber das, wozu er in die Welt gesandt worden ist, und was er tatsĂ€chlich vollbracht hat. Es ist eine positive Bilanz! Insbesondere drei Aufgaben listet Jesus hier auf, weswegen er in die Welt gekommen ist und die ihm auch gelungen sind. Es ist keineswegs ein tragisches Ende einer verunglĂŒckten Karriere wie manche moderne Theologen die Verhaftung, Passion und Sterben Christi beurteilen. Im Gegenteil! In seinen eigenen Augen ist es eindeutig und ganz klar: Jesus hat seine Aufgabe erfĂŒllt. Er hat all die Menschen, die Gott ihm anvertraut hat, die Gott ihm geschenkt hat als jĂŒngeren und JĂŒnger zum ewigen Leben gebracht, zum ewigen Leben das hier und jetzt schon beginnt.

 

Lasst uns diese drei Dinge der Reihe nach unter die Lupe nehmen!

 

1.) Jesus schenkt das Leben

 

in keinem der anderen drei Evangelien wird das so klar und deutlich uns gezeigt, dass Jesus seine Rolle als Retter und Erlöser der Menschen verstanden hat. Zwar ist es in allen Evangelien gerade in der Passionsgeschichte verdichtet dargestellt und zwischen den Zeilen jedenfalls deutlich zu erkennen, aber das Johannesevangelium fĂŒhrt es ausfĂŒhrlich aus, dass das das Hauptziel Jesu kommen in diese Welt und seines Wirkens in dieser Welt gewesen ist. Jesus war kein Moralapostel, kein frustrierter RevolutionĂ€r und kein von UnglĂŒck und pechgeplagter Religionslehrer. Seine Aufgabe hatte er darin, unsere Beziehung zum Schöpfer und Geber des Lebens, zum Vater im Himmel durch sein Leben und stellvertretendes Sterben wiederherzustellen, damit wir wieder zurĂŒck zur Quelle des Lebens, zu Gott selbst gefĂŒhrt werden. In der Schöpfungsgeschichte wird berichtet, wie Gott selbst seinen Lebensatem dem Menschen ein hauchte und ihn so zu einer lebendigen Seele machte. D.h. nichts anderes, als dass der Mensch ursprĂŒnglich sein Leben vom ewigen Gott, vom Schöpfer aller Dinge selbst, direkt hat. WĂ€hrend die Bibel davon spricht, dass die Erde alle Pflanzen und Tiere, alles sonst was lebt auf Erden je nach seiner eigenen Art hervorbrachte, stammt der Mensch von Gott selbst. Er hat sein Leben, seine Wesen aus Gott. Darum kann es auch in Psalm 82 heißen: „Ihr seid Götter und Söhne des Höchsten“.

 

Jesus ist gekommen, damit wir diesen Zugang zum höchsten, zur Quelle des Lebens wiederbekommen. Wo wir die Vergebung unserer SĂŒnde empfangen und die Beziehung zum himmlischen Vater wieder geheilt wird bekommen wir wieder das Leben aus Gott, das in Ewigkeit bleibt.

 

Hören wir noch einmal auf die Eingangsworte Jesu:

 

1 So redete Jesus und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche;

2 denn du hast ihm Macht gegeben ĂŒber alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast.

3 Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.

4 Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue.

 

Was uns betrifft geht es also darum, dass wir Jesus als Weg zum Vater, als unsere Errettung erkennen. Hier nimmt Jesus den Faden auf den er bereits ein paar Kapitel vorher begonnen hat, wo er sagte: „Ich bin der Weg die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

 

Glauben heißt Jesus als Weg zum Vater, Jesus als Weg zum ewigen Leben, Jesus als Rettung vom Tode zu erkennen.

 

„Oberhalb des Rheinfalles von Schaffhausen waren zwei MĂ€nner mit ihrem Boot umgekippt und trieben hilferufend im Strom. Es wurde ihnen vom Ufer ein Rettungsseil zugeworfen. Der eine der beiden ergriff das Rettungsseil und wurde ans Land gezogen. Der andere klammerte sich in seiner Verwirrung und Todesangst an das Boot und trieb mit ihm in den Tod. Beide haben etwas ergriffen. Beide haben in den Stunden der höchsten Gefahr auf etwas ihr Vertrauen gesetzt. Beide haben an etwas geglaubt. Nur der eine ergriff das Richtige, der andere das Falsche. Es kommt nicht darauf an, dass man ĂŒberhaupt etwas erfasst als seine Rettung in der Not des Todes, sondern dass wir das Richtige ergreifen. So auch im Blick auf unser ewiges Heil. Es gilt, die Wahrheit Gottes im Glauben zu erfassen, denn ,das ist das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen‘ (Joh. 17,3).“

 

Das war das erste: Jesus schenkt das Leben. Wie tut er das? In dem er uns die Möglichkeit gibt, Gott anzurufen, ihn um Vergebung und Erlösung zu bitten.

 

2.) Jesus schenkt den Namen

 

Unseren Namen verwenden wir mit großer SelbstverstĂ€ndlichkeit – auch die Namen derer die wir kennen oder auch nicht kennen. Was bedeutet es, wenn es hier heißt, dass Jesus den Namen Gottes den Menschen geoffenbart hat?

 

5 Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.

6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.

 

Wir kennen alle die Situation, in der jemand uns von einem Menschen erzĂ€hlen will dessen Namen ihm gerade nicht einfĂ€llt. Das kann lustig bis schwierig werden! Frustriert heißt es dann „acht du weißt doch wen ich meine!“

 

Wirklich wissen wir es nur, wenn der Name genannt wird. „Gott“ ist kein Name – auch Allah nicht! Das sind Gattungsbezeichnungen. Es ist wie bei der Gattungsbezeichnung „Mensch“: wenn wir jemanden ansprechen „Mensch“, dann kann er sich angesprochen fĂŒhlen, muss es aber nicht


 

 

Gott hat den Menschen seinen Namen geoffenbart er ist J H W H – ich werde sein der ich sein werde. Dadurch hat Gott auf der einen Seite seine UnverfĂŒgbarkeit zum Ausdruck gebracht, auf der anderen Seite aber auch uns Menschen mitgeteilt, dass er fĂŒr uns ansprechbar ist. Das ist ja ĂŒberhaupt die wichtigste Funktion und grĂ¶ĂŸte Bedeutung des Namens: mit seinem Namen können wir jemanden rufen, mit seinem Namen können wir jemanden ansprechen. Wir können und dĂŒrfen Gott ansprechen – dazu hat Gott uns seinen Namen gegeben.

In und durch Jesus können wir Gott anrufen. Wilhelm Busch hat in seinem autobiografischen Werk Jesus unser Schicksalunter anderem folgendes aus der Zeit des Dritten Reiches berichtet:

 

„Ich habe einen Abend im GefĂ€ngnis erlebt, an dem die Hölle los war. Da hatten sie einen durchgehenden Transport von Leuten eingeliefert, die ins KZ gebracht werden sollten, Leute, die gar keine Hoffnung mehr hatten, teils Kriminelle, teils schuldlose Leute, Juden. Diese Leute packte an einem Samstagabend die Verzweiflung. Und dann brĂŒllte alles los. Das können Sie sich gar nicht vorstellen. Ein ganzes Haus mit lauter Zellen voll Verzweiflung, wo alles schreit und gegen die WĂ€nde und TĂŒren donnert. Die WĂ€rter werden nervös und knallen mit ihren Revolvern gegen die Decke, rennen herum, prĂŒgeln einen zusammen. Und ich sitze in meiner Zelle und denke: »So wird die Hölle sein.«

Das kann man schlecht schildern. In dieser Situation nun fĂ€llt mir ein: »Jesus! Er ist ja da!« Ich erzĂ€hle Ihnen, was ich tatsĂ€chlich selber erlebt habe. Dann habe ich nur leise – ganz leise – in meiner Zelle gesagt: »Jesus! Jesus!! Jesus!!!« Und in drei Minuten wurde es still. Verstehen Sie: Ich rief ihn an, das hörte kein Mensch, nur er – und die DĂ€monen mussten weichen! Und dann sang ich, was streng verboten war, ganz laut:

»Jesu, meine Freude, / Meines Herzens Weide, / Jesu, meine Zier. / Ach, wie lang, ach lange/ ist dem Herzen bange / Und verlangt nach dir!« Und alle Gefangenen hörten es. Die WĂ€rter sagten kein Wort, dass ich laut sang: »Mag von Ungewittern / Rings die Welt erzittern, / Mir steht Jesus bei…« Meine Freunde, da habe ich etwas gespĂŒrt, was das bedeutet, einen lebendigen Heiland zu haben.“ (Aus „Jesus unser Schicksal“)

 

Durch Jesus hatte aber auch etwas anderes, neues geoffenbart, nĂ€mlich dass wir ihn als Vater anrufen dĂŒrfen! Das ist doch ungleich mehr als nur ein Personenname! Da steckt die innigste Beziehung die es ĂŒberhaupt gibt zwischen Menschen, die familiĂ€re Beziehung – hier die Beziehung zwischen Kind und Eltern. Wir dĂŒrfen Gott als Vater anreden. Das definiert die Beziehung die wir zu ihm haben dĂŒrfen. Das innige Gebet, in dem Jesus hier zu seinem Vater spricht zeigt auch auf, was fĂŒr eine Beziehung wir zum himmlischen Vater haben und pflegen dĂŒrfen. Was fĂŒr eine Geborgenheit steckt doch dahinter! Wir dĂŒrfen wissen, dass wir Kinder Gottes sind! Wir dĂŒrfen wissen, dass der himmlische Vater uns liebt und fĂŒr uns sorgt!

 

Um diese Beziehung geht es in diesem Text. Jesus will, dass wir als seine JĂŒngerrinnen und JĂŒnger ihn als den von Gott Gesandten erkennen, der es uns ermöglicht und gelehrt hat, Kinder Gottes zu sein und diese Beziehung mit Gott zu leben. Darum hebt er wiederholt darauf ab, dass die Menschen durch ihn erkennen, dass der himmlische Vater der einzig wahre Gott ist. Wie erkennen das die Menschen? Wir erkennen es durch sein Wort:

 

3.) Jesus schenkt das Wort

 

all das und vieles mehr wĂŒrden wir nicht wissen, wenn wir die Worte Jesu nicht hĂ€tten. Ich denke, dass wir oftmals vergessen, was fĂŒr ein Schatz wir in den Worten Jesu haben. Was fĂŒr eine Wahrheit hat er uns damit offenbart! Es geht darum, dass wir die Worte Jesu auch annehmen, dass wir sie zu den Unseren machen, dass wir sie akzeptieren und ihre GĂŒltigkeit anerkennen.

 

7 Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt.

8 Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.

 

Die Worte Jesu ĂŒberzeugen. Er spricht mit AutoritĂ€t, mit Kraft, nicht wie die „Schriftgelehrten und PharisĂ€er“. Seine Worte verĂ€ndern unser Leben. Seine Worte sind Teil des einen Wortes, das am Anfang alles erschuf – aus dem alles hervorgegangen ist. Jesus ist selbst das Wort Gottes, der Logos (Joh 1). Darum können seine Worte immer wieder Neues schaffen. Auch in unserem Leben. Das ist ein Geschenk, das sonst niemand uns machen kann.

Lasst uns Leute des Wortes sein! Hörer und TÀter des Wortes. Lasst uns mit dem Wort tÀglich Leben, das Wort in unseren Herzen fassen, aus seinem Wort heraus leben und so in ihm und seinem Wort verwurzelt in unseren Leben von ihm Frucht hervorbringen lassen!

Amen

 

Was können wir von Jesus wissen? (II)

Augenzeugen berichten

(vgl. Was wissen wir von Jesus? (I))

Die Skepsis der Theologen im Blick auf die wirklichkeitsgetreue Darstellung der Ereignisse im Leben Jesu im Neuen Testaments ist unbegrĂŒndet. Freilich gibt es Fragen, wo sich die Darstellungen der Evangelien sich zu widersprechen scheinen. Da braucht die neutestamentliche Wissenschaft manchmal einen lĂ€ngeren Atem und die Bereitschaft, mit noch ungelösten Problemen zu leben. So etwa die Frage nach dem Kreuzigungstermin, der bei oberflĂ€chlicher Betrachtung bei Johannes ein anderer zu sein scheint als bei den ersten drei Evangelien. Erst 2011 konnte der englische Naturwissenschaftler Professor Colin Humphreys von der UniversitĂ€t Cambridge ein wissenschaftlich begrĂŒndete Lösung dieses Problems vorlegen (inzwischen auch auf Deutsch: Humphreys, Colin J. Die letzten Tage Jesu: und das Geheimnis des Abendmahls. 1. Aufl. Urachhaus, 2012.) Seither hatte die Mehrheit der Neutestamentler angenommen, dass der Bericht des Johannes mit den anderen unvereinbar und deswegen als historische Quelle unbrauchbar sei. Humpreys dagegen ging davon aus, dass diese historischen Zeugnisse des ersten Jahrhunderts erst einmal in ihrem SelbstverstĂ€ndnis ernst zu nehmen sind und dass der scheinbare Widerspruch sich nur uns prĂ€sentiert, weil uns zum VerstĂ€ndnis der Situation notwendige Kenntnisse fehlen. Das konnte er auch einleuchtend unter Bewies stellen, indem er die unterschiedlichen Kalendarien des antiken Israel mit Hilfe der astronomischen Wissenschaft rekonstruieren konnte. Gerade das Johannes Evangelium, das als historische Quelle in der Wissenschaft in Misskredit geraten war, betont hartnĂ€ckig einen Augenzeugenbericht zu sein und gibt zahlreiche Angaben zu geographischen, zeitlichen und persönlichen Details, die nur Sinn machen, wenn sie als Belege fĂŒr die GlaubwĂŒrdigkeit des Berichts verstanden werden. Überhaupt bemĂŒht sich Johannes nichts von den anderen Evangelien zu wiederholen, es sei denn der Lese braucht eine weitere Perspektive, um das Geschehen im vollen Sinne zu erfassen. So zum Beispiel die Beziehung zu Johannes dem TĂ€ufer, die in Johannes am Anfang des Evangeliums eine wichtige Rolle spielt. Auch die Tempelreinigung zu Beginn seines Dienstes und das Interesse mancher aus dem Sanhedrin an seinem Wirken gehören hierher. Alle vier Evangelien wollen als Augenzeugenberichte gelesen und verstanden werden. Dass es mehr als nur ein Evangelium gibt passt in das Schema des jĂŒdischen Zeugenrechtes hinein: Ein Zeuge ist kein Zeuge. Es mĂŒssen mindestens zwei sein, die im Wesentlichen ĂŒbereinstimmen. Mit unseren Evangelien haben wir vier solche Zeugen!

Warum vertraut die Wissenschaft nicht den Evangelien als historische Zeugnisse?

WidersprĂŒche sind nicht der Grund. Die gibt es in jedem Gerichtsprozess. Die können auch Indizien dafĂŒr sein, dass es eben kein „abgekartetes Spiel“ unter den Zeugen ist. Anstoß erregen die Wunderberichte und der Selbstanspruch Jesu in den Evangelien.

Es ist schon verwunderlich, dass das grĂ¶ĂŸte Wunder der Weltgeschichte, die Fleischwerdung Gottes, ohne Wunder auskommen sollte. Der menschgewordene Gott dĂŒrfe nicht auf natĂŒrlichem Wege gezeugt sein. Er selber dĂŒrfe keine Wunder tun. Und der Bericht von seinem Wirken dĂŒrfe keine Fragen offen lassen. Skepsis darf schon sein – selbst die JĂŒnger Jesu waren bisweilen sehr skeptisch. Aber die Möglichkeit der Wunder grundsĂ€tzlich auszuschließen ergibt gar keinen Sinn! Zur wunderbaren Geburt und zum Wunder der Auferstehung gehören auch die Wunderberichte aus dem Leben Jesu. Letztlich werden wir aber zu dem wunderbaren an den Evangelien nur dadurch Zugang bekommen, dass wir Gottes Wunder in unserem eigenen Leben erfahren, nicht zuletzt das Wunder der Vergebung, der Wiedergeburt des neuen Lebens in Christus. Das Hereinbrechen Gottes in unsere Welt konnten die JĂŒnger auch nicht im vollen Umfang von Anfang an verstehen, sie mussten selber ihre Erfahrungen mit Jesus machen, mit dem Leibhaftigen und mit dem leibhaftig Auferstandenen. Thomas sei nur als ein Beispiel genannt. Allerdings ist ihr Glaube aufgrund dieser Erfahrungen so stark geworden, dass sie bereit waren, dafĂŒr zu sterben! Sie haben das ganz, ganz ernst genommen.

Das Wissen von Jesus hat zwei Ebenen: die der Kenntnis und die der Erkenntnis

Unsere Art und Weise im Albrecht-Bengel-Haus Theologie zu treiben trĂ€gt dieser Tatsache Rechnung. Der Glaube ist kein theoretisches Konstrukt, der sich aus LehrsĂ€tzen bildet, sondern ist der Aspekt unserer persönlichen Beziehungen zum lebendigen Herrn, ein Urvertrauen in seine GĂŒte und Gnade, in seine Vergebung und Erlösung, in seine FĂŒhrung und FĂŒrsorge. Glauben heißt ganz und gar von Jesus Christus abhĂ€ngig zu sein. Theologische LehrsĂ€tze sind der Versuch, diesen lebendigen Glauben zu beschreiben und zu schĂŒtzen. Inhaltlich wie geschichtlich ist die Theologie aus der Verteidigung des Glaubens (Apologie) hervorgegangen, nicht umgekehrt!

Noch ĂŒberzeugt der Jesus, den wir kennen, mehr als irgendein Anderer die Menschen weltweit. Noch ist der christliche Glaube der weltweit am stĂ€rksten wachsende Glaube, gefolgt vom Islam und dem praktischen Atheismus/Agnostizismus. Bei uns in Europa ist der christliche Glaube der am stĂ€rksten schwindende Glaube – zu Gunsten des Atheismus/Agnostizismus. Das bedeutet, dass wĂ€hrend der christliche Glaube bei uns abnimmt, weltweit gesehen Millionen von Menschen jĂ€hrlich Jesus Christus als ihren Retter kennenlernen.

Was können wir von Jesus wissen?

Genug! Wir wissen ĂŒber Jesus genug! Genug, um an ihn glauben zu können; genug, um ihn persönlich kennen lernen zu können; genug, um Ihm nachfolgen zu können; genug, um seinen Willen zu erkennen; genug, um durch ihn zu einem neuen Leben wiedergeboren zu werden; genug, um andere Menschen zu ihm hinfĂŒhren zu können; genug, um Leben und volles GenĂŒge zu haben; genug, um den Frieden, der alle Vernunft ĂŒberragt, zu haben; genug, um unser Leben ihm zu weihen; genug, um ihn als Herrn unseres Lebens zu haben. All das und vieles mehr haben wir, weil wir Jesus Christus kennen. Zwar machen wir auch unsere persönlichen Erfahrungen mit dem Auferstandenen und durch seinen Geist innewohnenden Christus, aber in erster Linie kennen wir ihn aus der Heiligen Schrift als zuverlĂ€ssiges Zeugnis. Was können wir von Jesus wissen? Genug, um ein Leben lang ihn besser kennen zu lernen! Und was wissen wir von Jesus? Was können wir von ihm erzĂ€hlen und weitergeben? Das ist ein großer Auftrag und herrliche Aufgabe: Ihn immer besser kennen zu lernen und das gelernte weitergeben!

Was wissen wir von Jesus? (I)

(vgl. auch http://pcm.murdochs.eu/was-koennen-wir-von-jesus-wissen-ii/)

Diese Frage könnte theoretische verstanden werden. So ist sie nicht gemeint! Ich schreibe diese Zeilen wĂ€hrend einer Studienreise des ABH bei der jungen Netanya Kirche in Indien. WĂ€hrend der letzten 39 Jahren haben 200.000 Kastenlose und Adivasi (AnhĂ€nger von Naturreligionen in UrwaldstĂ€mmen) zum Glauben an Jesus Christus gefunden. Eine ganz schlichte, auf die Texte des neuen Testaments basierende VerkĂŒndigung, von kaum gebildeten einheimischen Evangelisten und Pastoren ihnen vorgetragen und vorgelebt, hat ihnen Jesus so nahe gebracht, dass sie ihr Leben ihm weihen wollten. Sie haben Jesus kennengelernt und lernen ihn im Hören auf das Wort immer besser kennen.

Was wissen wir von Jesus? Genug! Wir wissen ĂŒber Jesus genug! Genug, um an ihn glauben zu können; genug, um ihn persönlich kennen lernen zu können; genug, um Ihm nachfolgen zu können; genug, um seinen Willen zu erkennen; genug, um durch ihn zu einem neuen Leben wiedergeboren zu werden; genug, um andere Menschen zu ihm hinfĂŒhren zu können; genug, um Leben und volles GenĂŒge zu haben; genug, um den Frieden, der alle Vernunft ĂŒberragt, zu haben; genug, um unser Leben ihm zu weihen; genug, um ihn als Herrn unseres Lebens zu haben. All das und vieles mehr haben wir, weil wir Jesus Christus kennen (Philipper 3,10; Epheser 1,17; 1Johannes 2,3).

Die Evangelien betonen, dass sie auf Augenzeugen zurĂŒckgehen

Das Wort der Schrift reicht vollkommen aus (2Timotheus 3,16) – auch wenn die Schrift keineswegs erschöpfend zu jedem Thema Stellung nimmt, alle unsere Fragen beantwortet oder alles vom Leben und Wirken Jesu berichtet. Das sagt sie ĂŒbrigens von sich selbst: „Es sind noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat. Wenn aber eins nach dem andern aufgeschrieben werden sollte, so wĂŒrde, meine ich, die Welt die BĂŒcher nicht fassen, die zu schreiben wĂ€ren“ (Johannes 21,25). Aber die Schrift gibt uns genug an die Hand, um alle notwendigen Entscheidungen zu treffen, Lösungen zu finden und eben auch Jesus kennen zu lernen. Dazu mĂŒssen wir nicht wissen, was sich außer der Flucht nach Ägypten und dem Bar Mitzvah Fest in Jerusalem alles zugetragen hat in der Kindheit Jesu. Dazu mĂŒssen wir nicht wissen, wie Jesus ausgesehen hat oder ob Josef noch gelebt hat, als sie seinen Dienst begann. Dazu mĂŒssen wir nicht wissen, ob Jesus weniger als ein Jahr zwischen seiner Taufe und seiner Kreuzigung gewirkt hat, wie es den Anschein haben kann nach den ersten drei Evangelien, oder sogar drei Jahre lang von der Obrigkeit gesucht wurde, bis es endlich zu seiner Hinrichtung kam. Dazu mĂŒssen wir auch nicht wissen, auf welchem Wege die Evangelien entstanden sind oder warum es fĂŒr uns manche Ungereimtheiten in deren Darstellungen gibt. In Anlehnung an den großen amerikanischen Schriftsteller Mark Twain können wir sagen: uns beunruhigen nicht die Dinge in den Evangelien, die wir nicht verstehen, sondern gerade die Dinge, die wir verstanden haben!

 

Das Wissen von Jesus hat zwei Ebenen: die der Kenntnis und die der Erkenntnis

 

Unsere Art und Weise im Albrecht-Bengel-Haus Theologie zu treiben trĂ€gt dieser Tatsache Rechnung. Der Glaube ist kein theoretisches Konstrukt, der sich aus LehrsĂ€tzen bildet, sondern ist der Aspekt unserer persönlichen Beziehungen zum lebendigen Herrn, ein Urvertrauen in seine GĂŒte und Gnade, in seine Vergebung und Erlösung, in seine FĂŒhrung und FĂŒrsorge. Glauben heißt ganz und gar von Jesus Christus abhĂ€ngig zu sein. Theologischen LehrsĂ€tze sind der Versuch, diesen lebendigen Glauben zu beschreiben und zu schĂŒtzen. Inhaltlich wie geschichtlich ist die Theologie aus der Verteidigung des Glaubens (Apologie) hervorgegangen.

 

Noch ĂŒberzeugt der Jesus, den wir kennen, mehr als irgendein Anderer die Menschen weltweit. Noch ist der christliche Glaube der weltweit am stĂ€rksten wachsende Glaube, gefolgt vom Islam und dem praktischen Atheismus/Agnostizismus. Bei uns in Europa ist der christliche Glaube der am stĂ€rksten schwindende Glaube – zu Gunsten des Atheismus/Agnostizismus. Das bedeutet, dass wĂ€hrend der christliche Glaube bei uns abnimmt, weltweit gesehen Millionen von Menschen jĂ€hrlich Jesus Christus als ihren Retter kennenlernen. Anderswo auf der Welt lernen Menschen Jesus kennen – hierzulande schreiben die Menschen ihn ab. Woher kommt das? Ein Hauptproblem liegt in der Art und Weise, wie wir in Europa seit der AufklĂ€rung mit „Wissen“ und „Erkenntnis“ umgehen.

 

Anfang des 18. Jahrhunderts gab es einen theologischen Streit ĂŒber diese Lehre der „Suffizienz“ der Schrift. Auf der einen Seite wurde von der katholischen Theologie behauptet, dass die Bibel materiell aber eben nicht formell ausreichen wĂŒrde, auf der anderen Seite wurde von der aufkommenden Bibelkritik gerade auch materiell die „Insuffizienz“ der Bibel behauptet – eben weil sie in der Materie nicht vertrauenswĂŒrdig sei. Die nĂ€chsten 200 Jahre der Evangelienforschung an deutschen UniversitĂ€ten fĂŒhrten zu dem berĂŒhmten Werk von Albert Schweizer „Die Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“, in dem das Fazit zog, dass das Leben Jesu nicht rekonstruierbar sei. Danach stellte Rudolf Bultmann seine These auf, dass dies auch nicht notwendig sei, da es allein auf „den verkĂŒndigten“ Christus ankomme, und nicht auf einen „historischen“ Jesus. Sein Hauptfehler war, den historischen Jesus und den verkĂŒndigten Christus gegeneinander auszuspielen. Wir halten an der KontinuitĂ€t zwischen beiden fest! Der Jesus, dessen Leben und Wirken in den Evangelien geschildert wird, erweist sich den ihm Vertrauenden heute noch als lebendig und mĂ€chtig im Wirken.

Die Evangelien in ihrer Ganzheit zeichnen ein vielschichtiges, oftmals nicht leicht zugĂ€ngliches Bild von Jesus. Wir tun uns manchmal schwer, das alles auf einer Reihe zu bringen. Auf der anderen Seite sind die einzelnen Worte Jesu und die Berichte ĂŒber sein Leben und Wirken meist in sich sehr klar und deutlich. Hier sprechen die VĂ€ter von der „Klarheit“ (perspecuitas/claritas) der Schrift. Wo die Schrift nicht von sich aus klar in ihrer Intension ist, ist das meist so gewollt. Jesus hat gerne in der Öffentlichkeit in Gleichnissen geredet. Das war ein fester Baustein seiner Strategie. Auch seine JĂŒnger haben seine verdeckte Redeweise nicht immer verstanden. Manches von dem, was er gesagt und getan hat, wurde ihnen erst nach der Kreuzigung und Auferstehung deutlich. Manches ist uns unklar, weil uns der nötige Zugang fehlt. So gab es bis zum Jahr 2011 keine ĂŒberzeugende ErklĂ€rung dafĂŒr, dass die Chronologie der Karwoche nach Johannes anders zu sein scheint als bei den ersten drei Evangelien. Erst die bahnbrechende Arbeit von Colin J. Humphreys zu den antiken Kalendarien hat Licht auf das RĂ€tsel geworfen. Manch eine dunkle Stelle wird auch vorerst ungelöst bleiben. Wer die Evangelien immer wieder unbefangen und mit Sachkenntnis liest, wird immer wieder von diesem Jesus ĂŒberrascht, angefochten, begeistert, motiviert, bewegt.

Dabei ist Jesus keineswegs eine „einfache“ oder „eingĂ€ngige“ Gestalt. Jesus nimmt sich kein Blatt vor den Mund, versucht nicht den Menschen zu gefallen. Wen Jesus lieb gewinnt, dem mutet er die Entsagung und Nachfolge zu! Er warnt vor den Konsequenzen der Nachfolge, vor dem Hass und vor der Verfolgung durch die Menschen. Er weist Menschen schroff ab – vergleicht sogar die syro-phönizische Frau mit einem „Hund“, zu jener Zeit ĂŒbliches Schimpfwort der Juden fĂŒr die Heiden. Er schafft es wiederholt, „die Kirche leer zu predigen“, Sympathisanten zu verprellen, die Erwartungen seiner „Fangemeinde“ zu enttĂ€uschen. Auf der anderen Seite hat er eine Liebe und ein Erbarmen fĂŒr die Menschen, die in der Geschichte ihresgleichen sucht. Er nimmt sich Zeit fĂŒr die Kinder, fĂŒr die Ausgestoßenen, fĂŒr die Unreinen, fĂŒr die Verhassten der Gesellschaft. So wie er es durch seine Diener in Indien auch heute tut und die Welt und das Leben der Menschen dort verĂ€ndert.

Was wissen wir von Jesus? FĂŒr die praktische Nachfolge gibt uns die Schrift genug Wissen! Die Frage bleibt – kennen wir ihn auch dadurch? Wir können zwar endlos von ihm lernen. Wissen wir genug, dass unser eigenes Leben dadurch verĂ€ndert wird und wir anderen von ihm glaubhaft erzĂ€hlen können?

 

 

Wenn nur Christus gepredigt wird!

Predigt am Sonntag LĂ€tare 2012 in Derendingen

 

Phil 1,15-21

15 Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht:

16 diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege;

17 jene aber verkĂŒndigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir TrĂŒbsal bereiten in meiner Gefangenschaft.

18 Was tut’s aber? Wenn nur Christus verkĂŒndigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darĂŒber. Aber ich werde mich auch weiterhin freuen;

19 denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi,

20 wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem StĂŒck zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod.

21 Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.

 

 

Wenn nur Christus gepredigt wird!

 

Wie das gehen soll? Aus der falschen Motivation heraus predigen? So abwegig ist der Gedanke wohl nicht! Schon öfters hat es das gegeben, dass ein aufgebrachtes Gemeindeglied seinem Ärger Luft gemacht, dass der Prediger es wohl besonders auf ihn abgezielt hĂ€tte. Es denken also schon Menschen, dass ein Prediger sein Amt missbrauchen könnte, um Dinge, die in der Seelsorge gesagt gehören, an „die große Glocke“ zu hĂ€ngen. Vielleicht gibt es das vereinzelt auch wirklich in der Praxis – da möchte ich mir kein Urteil erlauben. Dass Prediger aber die Kanzel missbrauchen, um ihre persönlichen Gedanken und Lieblingsthemen zu verkĂŒnden haben langjĂ€hrige Gottesdienstbesucher sicherlich an dem einen oder anderen Ort erlebt.

 

Wenn nur Christus gepredigt wird! Als Paulus diese Worte schreibt, sitzt er im GefĂ€ngnis der prĂ€torianischen Garde an der Nordmauer der Stadt Roms und wartet auf die abschließenden Verhandlungen in seinem Prozess. Ich rufe in Erinnerung: Paulus hatte sich auf den Kaiser berufen, um die RechtmĂ€ĂŸigkeit des Evangeliums von Jesus Christus als legitime Ausdrucksform des alttestamentlichen Glaubens durch höchste Instanz bestĂ€tigen zu lassen. Es ging um nichts Geringeres als die Zusicherung der Glaubensfreiheit bzw. Religionsfreiheit fĂŒr die Christen der ersten Gemeinden im römischen Reich. Den Juden war die Religionsfreiheit nach vielen Glaubenskriegen als einzige Religionsgemeinschaft von den Römern gewĂ€hrt worden, nur sie waren davon befreit, dem Kaiser als „Gott“ Opfer darzubringen. Nun leugneten eben ein Teil der Juden, dass die Christen Juden wĂ€ren, deren Messias der Messias der Juden sei.

 

Oftmals vergessen wir, dass unser Glaube und unsere Praxis aus dem Judentum, aus dem Volk Israel hervorgingen. Erst als das Apostelkonzil die Entscheidung traf, dass ein Heide Christ werden könne auch ohne sich beschneiden zu lassen, ohne sich an das rituelle Gesetz der Juden zu halten, war der Weg gebahnt, einen Unterschied zu machen zwischen den Juden, die an Jesus als ihren Messias glaubten, und denen, die ihn als solchen ablehnten.

 

Auf diesem Hintergrund mĂŒssen wir den Konflikt, denn Paulus hier beschreibt, verstehen: es gab Menschen in den Synagogen, die jetzt ihre Chance sahen, nicht nur Paulus, sondern der ganzen jungen Kirche Jesu Christi großen Schaden zuzufĂŒgen. Schon im Jahr 49/50 hatte der Kaiser Claudius alle Juden aus Rom verbannt, weil es zu Unruhen in der jĂŒdischen Gemeinde wegen eines gewissen „Chrestos“, bzw. „Christos“ gekommen war. (Die Aussprache der griechischen Buchstabe ETA war damals gleich dem Jota, also ein kurzes „I“. In der Fachsprache nennt man das „Itazismus“. Damals waren Prisca und Aquila aus Rom nach Korinth geflohen und zu Mitarbeitern des Paulus geworden bzw. umgekehrt. Es ist anzunehmen, dass damals schon der Streit in der jĂŒdischen Gemeinde um Jesus Christus ging.

 

Es gab nichts, was der römischen Herrschaft unliebsamer war, als Unruhe im Volk. Mit ihrer Politik „Brot und Spiele“ fĂŒr das Volk war sie darauf aus, das Volk bei Laune zu halten und zufrieden zu stellen. Die Gegner des Paulus hatten bewusst in der Öffentlichkeit von Jesus Christus gesprochen, um die GemĂŒter zu erhitzen und den Streit vom Zaun zu brechen. Sie erhofften damit ein Urteil gegen Paulus und gegen die Nachfolger Christi. Zwar ist es ihnen bei dieser Gelegenheit nicht gelungen, die Christen in Verruf zu bringen – Paulus wurde wieder freigelassen – aber kurze Zeit spĂ€ter hat der wahnsinnige Kaiser Nero die Christen als SĂŒndenböcke ausgesucht und die erste offizielle staatliche Christenverfolgung eingefĂŒhrt. (Zwar ging es ihm vermutlich in erster Linie darum, ein Feindbild aufzubauen, das von ihm selbst ablenkt und den Zorn der Bevölkerung ĂŒber den in seinem Auftrag gelegten Brand zur Zerstörung ganzer 10 von 14 Wohnbezirke Roms auf andere umzuleiten, aber das hat ihn nicht davon abgehalten zahlreiche Christen in Teer und Federn einzutauchen und sie als Fackel in seinen Parkanlagen anzuzĂŒnden).

 

15 Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht:

16 diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege;

17 jene aber verkĂŒndigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir TrĂŒbsal bereiten in meiner Gefangenschaft.

18 Was tut’s aber? Wenn nur Christus verkĂŒndigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darĂŒber.

 

Wenn nur Christus gepredigt wird! Diese Konzentration auf das Wesentliche wĂŒnsche ich mir! Alles von daher beurteilen, ob es Christus dient! Paulus hat sich ganz und gar in den Dienst des Evangeliums gestellt. Er hat sich in Gottes Hand gewusst. Er wusste, egal wie sein Prozess ausgeht, sein Leben oder sein Tod – mit beidem wĂŒrde er seinem Herrn dienen. Darum fĂ€hrt er fort:

 

Aber ich werde mich auch weiterhin freuen;

19 denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi,

20 wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem StĂŒck zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod.

21 Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.

 

Was haben wir bloß aus der Leidenschaft fĂŒr Jesus gemacht? Wo gibt es diese Hingabe noch bei uns? Freilich: diese ultimative Konsequenz wird von uns seltenst abverlangt. Wir haben Religionsfreiheit, werden nicht um unseres Glaubens willen bedrĂ€ngt, unterdrĂŒckt, diskriminiert oder gar verfolgt. Das macht es aber auch so leicht fĂŒr uns, in GleichgĂŒltigkeit und Lauheit des Glaubens zu verfallen.

 

Ich will nicht ĂŒber „die Anderen“ reden, deren Einsatz fĂŒr den Herrn der Kirche zumindest nach außen hin nicht erkennbar ist. Ich möchte ĂŒber uns reden, ĂŒber dich und mich. Über die, die die Bequemlichkeit des Bettes oder des Sofas heute Morgen verlassen haben, um eine gute Stunde die Kirchenbank zu drĂŒcken. Können wir so mit Paulus sprechen? Erwarten wir und hoffen wir sehnlich, dass wir nicht zu Schanden werden? Ist das unser sehnlicher Wunsch, dass Christus an unserem Leib verherrlicht werde – egal ob durch unsere Lebensweise oder durch unseren Tod fĂŒr ihn und seine Sache? FĂŒr uns – im Unterschied zum Paulus – geht es wohl um die Lebensweise


 

FĂŒr Paulus steht fest, was der HebrĂ€erbrief auch sagt: Leben wir, so leben wir dem Herrn! Sterben wir, so sterben wir dem Herrn! Darum, ob wir nun leben oder sterben, so sind wir des Herrn! Denn darum ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, damit er Herr ĂŒber Lebende und Tote sei.“ Es geht um diesen Anspruch Jesu Christi auf unser Leib und Leben. Heute schon! Im Alltag! Bei der Arbeit, in den VorlesungssĂ€len, im BĂŒro oder Klassenzimmer, am KĂŒchentisch oder in der guten Stube. Darum geht es, dass Jesus Christus durch unser Leben verherrlicht wird! Darum geht es im Evangelium! Jesus Christus hat uns von Tod und Teufel los gekauft, dass wir ein ihm geheiligtes Leben in der Freiheit der Gotteskinder lieben. Er hat uns freigekauft, damit er mit seinem Geist von uns Besitz ergreifen kann, in uns wohnen und durch uns leben kann.

 

Vorletzte Woche durfte ich auf einer Missionskonferenz die Bibelarbeiten eines nigerianischen Bischofs hören (Benjamin Kwashi). Er stammt aus Jos, in dem Gebiet Nigerias, wo es besonders heftige Christenverfolgung gibt. In Anlehnung an unserer Stelle hat er persönlich Zeugnis abgelegt. Er erzĂ€hlte davon, wie bewaffnete MĂ€nner zu seinem Haus gekommen waren, um ihn zu töten. Weil er nicht zuhause war, haben sie in Zorn seine Frau krankenhausreif geprĂŒgelt. Unter anderem hat sie zwei BeinbrĂŒche erlitten. Denkt er daran, in den sicheren SĂŒden des Landes zu ziehen? Oder gar ins Ausland zu fliehen? Es gebe viele Orte, wo er hin könnte. In dem gegenwĂ€rtigen Schisma seiner anglikanischen Kirche schauen Bischöfe und Pfarrer aus aller Welt in seine Richtung um FĂŒhrung zu bekommen.

 

Nein! Der geht nicht! Er sagte uns: „wenn Sie mich töten, dann können sie mir keinen besseren Dienst erweisen! Dann werde ich vor meinem Herrn stehen! Das wird sicher im ersten Augenblick fĂŒr mich etwas unangenehm werden, wenn ich an alle meine VersĂ€umnisse, Fehler und SĂŒnden denke, aber dann wird die Annahme und die Vergebung bei meinem Herrn all das vergessen werden lassen und ich werde in seiner Herrlichkeit bleiben!“ Aber er ist auch bereit ein beschwerliches Leben in der Nachfolge unter Verfolgung zu fĂŒhren. Lasst uns die Zeit auskaufen, die Glaubensfreiheit, die wir haben nutzen, um ein einladendes, glaubwĂŒrdiges Zeugnis fĂŒr unsern Herrn zu sein!

 

Wenn nur Christus gepredigt wird! – Nicht nur von unseren Kanzeln, sondern auch durch unsere Leben!

 

Amen