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NACHFOLGE JESU – IM ERNST!

 

Vom Ernst der Nachfolge Lk 9,23-26

hier die Audiodatei:

 

Klicken Sie hier, um die Prezi – Präsentation zu folgen

 

 

Vom Ernst der Nachfolge Lk 9,23-26

Baptistengemeinde Trossingen 28.5.2017

Lk 9,23-26 Vom Ernst der Nachfolge

23 Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. 24 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s erhalten.  

25 Denn welchen Nutzen hätte der Mensch, wenn er die ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst oder nähme Schaden an sich selbst?

26 Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Menschensohn auch schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel.

Manfred Seitz:  Erster Schritt ist, die Betroffenheit festzuhalten!

Meine persönliche Betroffenheit: Bin ich Mitläufer oder Nachfolger?

Das ist die Frage, die Jesus mit diesem Text an uns zunächst stellt.

1.) laufe ich mit, oder folge ich nach?

Das Wort “Mitläufer” hat bei uns einen schlechten Klang. Mitläufer haben einen schlechten Ruf. Mitläufer haben kein Rückgrat, wissen nicht was sie wollen, können sich nicht entscheiden… Ich möchte das hinterfragen. Immerhin ist es so, dass nicht jeder mitgelaufen ist, damals als Jesus in die Nachfolge einlud!

Mit zu laufen ist nicht jeder bereit… Auch das Mitlaufen verlangt eine bewusste Entscheidung. Interessiert mich das? Lass ich mich darauf ein? Bin ich bereit, zu zu hören? Mitten drin statt nur dabei? Geht es darum? Wir haben uns damit abgefunden, dass wir weithin eine Mitläuferkirche geworden sind. Oh ja, wir sind dabei, wir wollen auf Jesus hören – wollen auch die Gemeinschaft mit ihm und miteinander nicht missen, aber Jesus ist das zu wenig…

Lk 14 25 Es ging aber eine große Menge mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen:

26 Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein. 27 Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.

Viele Menschen sind Jesus nachgelaufen. Die Speisung der Fünftausend. Die Speisung der Viertausend…

Viele Menschen sind auch mitgelaufen. Darunter waren Leute wie der reiche Jüngling, der sogar nachfolgen wollte, aber den Preis der Nachfolge nicht bezahlen wollte…

Jugendfreund, der sich wieder von Jesus lossagte…

In unserem Abschnitt aus Lk 9 wird es deutlich: Jesus will Nachfolger, nicht Mitläufer!

Wer Jesus nachfolgen will, muss es mit dem Kreuz aufnehmen – er muss sein Kreuz täglich auf sich nehmen!

Was heißt das? (Kreuzigungsvorgang – patibulum auf den Axeln tragen – ein Strich durch das Leben – Ausschluss aus der Gesellschaft)

Wer Jesus nachfolgen will, muss ganz und gar ihm gehören. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Welt auf mich keinen Anspruch mehr hat – und ich nicht auf die Welt. Wir sind in der Welt, aber nicht von der Welt. Wir ecken an. Der Anspruch Jesu eckt an!

Jesus hat nicht dazu aufgefordert, einer Kirche bei zu treten. Er rief in die Nachfolge!

Alfred Loisy sagte: Jesus kündigte das Reich Gottes an und es ist die Kirche, die gekommen ist. („Jésus annonçait le Royaume et c’est l’Église qui est venue“: Loisy 1902)

Zu welchem Reich gehöre ich?

Bin ich Mitläufer in der Gemeinde oder Nachfolger Jesu Christi?

An Jesus scheiden sich die Geister.

Du kannst nur für Jesus oder gegen ihn sein – In unzähligen Entscheidungen jeden Tag entscheiden wir uns für oder gegen Jesus – wie wir auf eine schnippische Bemerkung reagieren, was wir denken und sagen, wie wir mit Gottes guten Gaben haushalten…

2.) Der Preis der Nachfolge

Diese Thema ist zentral. Das Lukasevangelium kommt immer wieder darauf zurück (aber auch die anderen Evangelien!). Der große Kontext:

{Lk 12,16- 21 (20f) Der reiche Kornbauer

16 Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. 17 Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. 18 Und sprach: Das will ich tun: ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte 19  und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut!

20 Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? 21 So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott. }

Die Trennung zwischen Jünger Jesu und Welt greift bis in die Kernfamilie hinein:

Lk 12,51-53 Meint ihr, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht. 52 Denn von nun an werden fünf in einem Hause uneins sein, drei gegen zwei und zwei gegen drei. 53 Es wird der Vater gegen den Sohn sein und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen die Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

Wer sich für Jesus entscheidet, entscheidet sich gegen die Welt. Wer das Leben im Sinne der Welt sucht (Ruhm, Reichtum, Macht, Sicherheit), wird das ewige Leben nicht darin finden können! Der Gedanke aus unserem Text (Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s erhalten.

25 Denn welchen Nutzen hätte der Mensch, wenn er die ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst oder nähme Schaden an sich selbst?) wird Lk 17,33 wiederholt  Wer sein Leben zu erhalten sucht, der wird es verlieren; und wer es verlieren wird, der wird es gewinnen. 

hassen und lieben

prioritäten setzen

sich für einen oder den anderen entscheiden.

sein Kreuz tragen

die Kosten überschlagen

loslassen und lossagen

frei sein für Jesus

(Feuer/Entführung) wir definieren uns von dem her, was wir haben – bzw. Meinen zu haben…

Ich will Ihnen erzählen vom erfolgreichen Rechtsanwalt, der die Aufforderung Jesu an den reichen Jüngling zu Herzen nahm. Das Zeugnis, das er gab, hat mich tief beeindruckt. Ich war damals 15 Jahre alt, es war die erste Freizeit, auf die ich alleine gegangen war, ohne irgendwelche Freunde oder Familie. Die Freizeit war auf einer Insel vor Vancouver Island. Ich weiß nicht mehr wie ich hingekommen oder wie ich nach hause gekommen bin. Ich weiß auch sonst nicht was wir dort gemacht haben – außer meinem ersten Kuss ;-), aber diese eine Veranstaltung habe ich habe ich immer noch vor mir: Wir sind an die 300 Jugendliche in einem großen, rustikalen Saal und warten auf den Redner. Seine Termine seien so eng, dass er mit einem Wasserträgerflugzeug reingeflogen wird. Wir singen, es gibt Anspiele – und dann hören wir das Dröhnen des Flugzeugmotors, das immer lauter wird. Durch die großen Fensterscheiben sehen wir, wie das Flugzeug an der Bootsanlegestelle andockt und unser Redner aussteigt. Er wird direkt auf die Bühne geführt – er hat nur eine Stunde Zeit, aber er will uns unbedingt erzählen, was sein Leben verändert hat.

Er ist eine eher unscheinbare Gestalt im kurzärmligen Hemd und schwarzer Buntfalthose. Aber unsere Aufmerksamkeit hat er sofort. Er erzählt aus seinem Leben, wie er als Junger Rechtsanwalt seine Bibel gelesen hatte – die Geschichte vom reichen Jüngling. Da wurde ihm sofort klar: “Du bist gemeint! Du sollst all deine Habe verkaufen und es den Armen geben. Dein Leben soll mir gehören!” So klang die Stimme Gottes in seinem Herzen. Er erzählte das seiner Frau. Erstaunlicherweise ließ sie sich darauf ein – obwohl sie ein Baby hatten. So beschlossen sie, das Haus mit allem was drin war – auch in der Garage – zu verkaufen und es den Armen zu geben. Sie behielten lediglich den Kinderwagen und Wäschewechsel für das Kind – und beim Verlassen des Hauses sah die Frau noch ihr Erbstück, eine Vase von der Uroma, im Regal stehen. Sie steckte die Vase in den Kinderwagen und sie gingen in ein Motel.

Aber alles kam anders als erwartet. Statt in einen geistlichen Dienst geführt zu werden, konnte der Mann sich vor Mandanten nicht mehr retten. Rechtsstreitigkeiten mit hohem Streitwert machten ihn binnen kürzester Zeit noch viel reicher als er es zuvor gewesen war (man denke an Hiob). Die beiden begriffen, dass Gott sie in dem Beruf gebrauchen wollte – aber als solche, die nicht von ihrem Besitz abhängig waren.

Es waren die flower-power Jahre der frühern Sechziger. Junge Menschen suchten nach alternativen Lebensstilen. Die Hippies fielen überall auf. Das Ehepaar kaufte ein großes Haus,

aber alles als Gottes Gabe und Gottes Eigentum betrachtete und den Hippies die Türen offen hielt. Es waren immer welche da, die auf den Sofas oder dem mit dickem  Nichts wurde in all den Jahren gestohlen  außer der Vase!

3.) Der Lohn der Nachfolge

Nur durch Nachfolge komme ich ins Ziel

wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s erhalten

Lk 18,28-30 Der Lohn der Nachfolge

28 Da sprach Petrus: Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt. 29 Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Frau oder Brüder oder Eltern oder Kinder verlässt um des Reiches Gottes willen, 30 der es nicht vielfach wieder empfange in dieser Zeit und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.

{Matt 6,33 Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.}

Wer nicht bereit ist, Jesus Christus über Vater, Mutter, Frau oder Mann und Kinder zu stellen, wird nicht erfahren, was es heißt, vom Himmlischen Vater getragen zu werden und hundertfache Geschwister im Glauben zu bekommen.

„Wer die Sicherheit des Flugzeugs nicht hinter sich lässt, kann nicht erfahren, dass ein Fallschirm trägt…“

noch mal:

Lk 9,23-26 Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. 24 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s erhalten.  

25 Denn welchen Nutzen hätte der Mensch, wenn er die ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst oder nähme Schaden an sich selbst?

26 Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Menschensohn auch schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel.

In Jesu Fussstapfen gehen – wwjd

Uns Jesu Christi nicht schämen – Paulus!

pers. Zeugnis

Prioritäten setzen.

Das Kreuz (täglich) auf sich nehmen!

SL Lk 14 25-33

25 Es ging aber eine große Menge mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen:

26 Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein. 27 Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. 

28 Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug habe, um es auszuführen,  29 damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann’s nicht ausführen, alle, die es sehen, anfangen, über ihn zu spotten,

30 und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann’s nicht ausführen?

31 Oder welcher König will sich auf einen Krieg einlassen gegen einen andern König und setzt sich nicht zuvor hin und hält Rat, ob er mit Zehntausend dem begegnen kann, der über ihn kommt mit Zwanzigtausend? 32 Wenn nicht, so schickt er eine Gesandtschaft, solange jener noch fern ist, und bittet um Frieden.

33 So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein.

 

 

Predigt zu 1 Könige 8 an Christi Himmelfahrt

Predigt zu Christi Himmelfahrt in Öschingen

Liebe Gemeinde!

Bevor ich den Predigttext für den heutigen Festtag lese, muss ich kurz ausholen: Die Himmelfahrt Christi ist wohl das am wenigsten verstandenen Fest der Christenheit.

Warum musste Jesus vor den Augen seiner Jünger in die Wolken aufgenommen werden? Er ist ja auf natürlichem Wege in die Welt gekommen, geboren von der Jungfrau Maria – warum ist er, sprich seine Seele, nicht am Ende seiner Zeit auf Erden bei seinem Tod zum Vater gegangen? Schließlich denken viele Christen, dass es sich mit uns allen so verhält …

Die Fleischwerdung Christi und Christi Himmelfahrt verhalten sich aber nicht wie Spiegelbilder zueinander. Jesus ist ein für alle Mal Mensch geworden, hat Fleischgestalt angenommen. Durch seine Auferstehung – das bedeutet leibhafte Auferstehung – ist ja als Erstling der neuen Schöpfung hervorgegangen. Auch wir, die wir durch Jesus Christus gerettet sind, werden aus unseren Gräbern zu einer neuen leibhaftige auferweckt werden. Am jüngsten Tag werden wir alle auferstehen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zum Gericht.

Jesus als Erstling der neuen Schöpfung gehört nicht mehr in diese gefallene Welt. Die 40 Tage, die zwischen seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt lagen, sollte das den Jüngern eindrücklich vermitteln: der Auferstandene ist nicht ein Geist, nicht eine „Seele“ ohne Körper, sondern der auferstandene Christus konnte angerührt werden, hat sogar gegessen.

Das Problem an Himmelfahrt war die Frage, wie Gott es den Jüngern klar macht, dass Jesus künftig ihnen nicht leibhaftig in der Welt zur Seite stehen würde.

Künftig würden sie ihn anders erleben. Nicht immer nur an einem Ort zu einer Zeit, sondern durch den heiligen Geist würde er bei ihnen immer und überall sein!

 

Dazu haben wir die Schriftlesung gehört. Jesus ist nicht einfach verschwunden, hat sich nicht einfach vor ihren Augen aufgelöst wie Obi-Wan Kenobi im “Krieg der Sterne” (Star Wars) oder ebenfalls dort der Bösewicht Darth Vader und andere vor den Augen ihrer Betrachter zerfallen.

Jesus wurde aufgenommen vor den Augen der Jünger damit sie erkennen, dass er ihnen leibhaftig nicht mehr in der Welt begegnen würde – bis zu seiner Wiederkunft.

Aber er werde den heiligen Geist senden, der in jedem Nachfolgerherzen leben soll.

Jesus geht als der Auferstandene zum Vater, als Mensch der neuen Schöpfung. Aber er lässt seine Jünger nicht allein!

Wie geht das? Das große Thema der Bibel von Anfang bis zum Ende lautet: Wie kommen Gott und Mensch zusammen?

Wie kann die Beziehung zwischen Gott und Mensch gelebt werden?

Der Predigttext für heute behandelt dieses Thema aus alttestamentlicher Perspektive:

 

1.Kön 8,22-28

12 Da sprach Salomo: Die Sonne hat der Herr an den Himmel gestellt; er hat aber gesagt, er wolle im Dunkel wohnen. 13 So habe ich nun ein Haus gebaut dir zur Wohnung, eine Stätte, dass du ewiglich da wohnest. 22 Und der König trat vor den Altar des HERRN angesichts der ganzen Gemeinde Israel und breitete seine Hände aus gen Himmel    23 und sprach: HERR, Gott Israels, es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du hältst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen; 24 der du gehalten hast deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast. Mit deinem Mund hast du es geredet, und mit deiner Hand hast du es erfüllt, wie es offenbar ist an diesem Tage…26 Nun, Gott Israels, laß dein Wort wahr werden, das du deinem Knecht, meinem Vater David, zugesagt hast. 27 Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? 28 Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, damit du hörst das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir:

 

Die meisten Häuser haben Namensschilder. Schließlich geht es nicht um das Haus an sich, sondern darum wer darin wohnt. Das Namensschild und die Klingel daneben haben einen einzigen Zweck: Kontakt zu den Menschen im Haus aufzunehmen.

 

Unser Text gibt uns Antwort auf die Frage:

Wo wohnt Gott? Wo wohnt sein Name – will heißen wo steht sein Name drauf, wo kann ich Kontakt zu ihm aufnehmen?

 

1) Gott lässt wissen, wo er anzutreffen ist

Des achte Kapitel des ersten Buches der Könige erzählt davon, die Gott im neu gebauten Tempel Wohnung bezieht.

Es ist eine Entwicklung erkennbar in der Geschichte Gottes mit der Welt bis zu diesem Punkt:

  1. zu Abrahams Zeiten hatte der Mensch kein Wissen darüber, wie die Beziehung zu Gott hergestellt werden könnte. Er wurde ganz unvermittelt von Gott hier und da angesprochen.
  2. später, beim Auszug aus Ägypten ging Gott mit seinem Volk (Säule von Rauch / Feuer – zwei Lichter im Fenster beim Laubhüttenfest) und ließ die Stiftshütte bauen, wo er durch den Dienst der Priester anzutreffen war.
  3. In unserem Text wird erzählt, wie Gott Wohnung im Tempel aufnahm, wo er immer für sein Volk am gleichen Ort im Gebet, in Gottesdiensten, in Opfern zugänglich war.

Eine dritte Stufe in dieser Entwicklung wollen wir gleich anschauen (3. Gott nimmt Wohnung in unseren Herzen auf), aber verbleiben wir erst einmal beim Text.

 

Diese Rede stammt aus dem Bericht von der Einweihung des Tempels. Er steht in Salomos Gebet anlässlich dieses großen Tages…

 

Erinnern wir uns: David wollte aus seiner Gottesfurcht (und einem schlechten Gewissen) heraus Gott eine “angemessene Wohnung” bauen. Gott hat ihm diesen Wunsch verwehrt, weil er Uria, den Mann Bathsebas umbringen ließ. Er ließ aber zu, dass sein Sohn Salomo ihm mit den Baumaterialien, die David angehäuft hatte, ein Tempel baut.

 

Aber braucht Gott ein Haus? Die Antwort ist: Nein! Daran lässt auch König Salomon kein Zweifel. Er bildet sich nicht ein, das er Gott in diesem Tempel einfangen könnte.

 

Er braucht kein “Haus” – das weiß auch Salomo: sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?

 

Nein, Gott braucht kein Haus! Aber wo ist der für uns Menschen anzutreffen? Darum ging es! Uns zuliebe, den Menschen zuliebe zieht Gott in den Tempel ein. Die vorausgehenden Verse erzählen, wie ein Wolke das ganze Innere des Tempels erfüllte, sodass die Priester ihren Dienst nicht tun konnten. Wir kriegen Gott nicht in den Griff. Das ist der Versuch der Religionen. Die Menschen wollen Gott manipulieren, ihn für ihre Zwecke gebrauchen. Es ist schon sehr interessant, das gerade der Gottesdienst verhindert wurde bzw. nicht möglich war, wo Gott seine Gegenwart zeigte. Nein, Gott braucht kein Haus und Gott passt in kein Haus. Aber er zieht in sein Haus ein, damit es ein Namensschild und eine Klingel gibt, wo die Israeliten Beziehung zu ihm aufnehmen können.

Gott geht auf die Schwächen der Menschen ein.

 

1.Kön 8,29 Laß deine Augen offenstehen über diesem Hause Nacht und Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast: Da soll mein Name sein. Du wollest hören das Gebet, das dein Knecht an dieser Stätte betet

 

2.) Das ganze birgt auch eine Gefahr:

wo Gott den Menschen seine Adresse gibt, meinen wir gleich, über ihn verfügen zu können. Da gerät etwas gehörig in Schieflage. Aus einer lebendigen Beziehung, wo wir den Namen Gottes anrufen können und unmittelbar vor ihm stehen wird tote Religion. Vom lebendigen Gott, vom Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs wird Gott zum Ladenhüter einer Institution. Bei seinen Tempelreinigungen hat Jesus das zum Thema gemacht. Der Tempel soll ein Bethaus sein, nicht Markthalle oder Räuberhöhle.

 

Bei der Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen hören wir im Dialog folgendes:

 

„Die Frau spricht zu ihm: … Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten soll. Jesus spricht zu ihr: Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, dass ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr wisst nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden. Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“

(John 4,19–24 LUTH-LEM)

 

Hier deutet Jesus eine radikale Wende an, eine Wende die schon beim Propheten Joel angekündigt wurde: der Geist des lebendigen Gottes sollte auf die Menschen ausgegossen werden und die Beziehung zu Gott persönlich und direkt hergestellt werden.

 

Blaise Pascal hat das in seinem Memorial festgehalten:

FEUER

Der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs,

Nicht Propheten und Gelehrte.

Gewißheit. Gewißheit. Lebendiges Durchdrungensein. Freude. Frieden.

Gott Jesus Christus

Deum meum et Deum vestrum. (Meinen Gott und euren Gott (Joh. 20, 17); Anm.d.Verf.)

Dein Gott wird mein Gott sein –

Vergessen der Welt und alles andern außer Gott.

Er ist nicht zu finden, es sei denn auf den Wegen, die das Evangelium bezeichnet.

 

Es geht um diese Beziehung zu Gott in Jesus Christus!

Aus der lebendigen Beziehung zu Gott haben Menschen tote Religion geschaffen. Sie machen sich mehr aus dem Namensschild und dem Haus als aus dem, der gesagt hat sein Name soll darin wohnen. Die Klingel wird nicht gebraucht.

 

Wir sehen das in so vielen verschiedenen Dingen. Am heutigen Tag Christi Himmelfahrt wird auch Vatertag gefeiert. Wo in früheren Zeiten der Tag als heilig angesehen wurde, ist das heute ein weiterer freier Tag. Aus der Prozession mit Kreuz oder Monstranz ist eine Vatertagswanderung mit Klingelstock und Leiterwagen geworden. Ich will nicht katholische Bräuche wieder aufleben lassen, nur auf das Phänomen Hinweisen.

 

Gott ist größer, als dass wir ihn durch Äußerlichkeiten wie Rituale oder Bauten “in den Griff” kriegen könnten… Jes 6,1 ich sah den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron, und sein Saum füllte den Tempel

 

Die Prachtbauten, ob Tempel, Dom oder Münster, die erfüllen in erster Linie alle menschliche Bedürfnisse… sowohl legitime als illegitime von niederer Art (Petersdom und Hagia Sophia)

 

Gerade in den Institutionen trennen sich dann auch die Glieder am weltweiten Leib Christi (Pfingstthema)…

 

Gott ist größer – es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du hältst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen

 

Es geht nicht darum, die Bedeutung der Kirchen oder deren Gebäuden zu schmälern – es geht darum, dass wir erkennen: die Kirchen und ihre Gebäude sind da, weil jeder, der den heiligen Geist im Herzen hat auch ein Glied am Leib Christi ist und die Gemeinschaft mit den anderen Gliedern nötig braucht, um als Christ in dieser Welt zu funktionieren!

 

und damit wären wir beim dritten und letzten Punkt.

  1. Gott nimmt Wohnung in unseren Herzen auf

 

Gottes Name soll in dieser, seiner Kirche Wohnen. Sein Geist will aber in deinem Herzen wohnen: 1.Kor 6,19 Oder wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und daß ihr nicht euch selbst gehört?

 

Die Menschen unserer Tage sollten wissen, das war ein Kreuz draufsteht, der gekreuzigte und auferstandene drinnen anzutreffen ist! Das geschieht nicht nach der Art von Don Camillo im Zwiegespräch mit dem Kruzifix. Das geschieht dort, wo Menschen in diesen Kirchen anzutreffen sind, in deren Herzen Jesus Christus durch seinen Heiligen Geist wohnt.

 

Jesus braucht Raum in unseren Herzen. Dieses fordert Raum in unserem Leben ein. Jesus will in und durch uns wirken. Er ist nicht gebunden an einen Kirchenraum. Die Kirchenräume sind für uns da. Jesus ist überall wo wir ihn mitnehmen. Am heutigen Festtag Christi Himmelfahrt ist die Botschaft für uns Christen, die wir Jesus im Herzen haben, dass Jesus uns nicht in dieser Welt verlassen hat. Vielmehr ist er hingegangen, damit er durch seinen Heiligen Geist bei jedem von uns sein kann. Himmelfahrt ist die Voraussetzung für Pfingsten. So stellt es die Bibel dar. So ist auch der logische Zusammenhang von Gottes Weg zu uns in dieser Welt. Der auferstandene und entrückte Herr sendet uns in die ganze Welt, damit er an jedem Ort sein und wirken kann.

 

Am Anfang unseres Predigttextes lasen wir Die Sonne hat der Herr an den Himmel gestellt; er hat aber gesagt, er wolle im Dunkel wohnen. 13 So habe ich nun ein Haus gebaut dir zur Wohnung, eine Stätte, dass du ewiglich da wohnest.

 

Jochen Klepper hat diesen Gedanken in seinem Weihnachtslied aus dem Jahr 1938 aufgegriffen:

 

Gott will im Dunkel wohnen

und hat es doch erhellt!

Als wollte er belohnen,

so richtet er die Welt!

Der sich den Erdkreis baute,

der läßt den Sünder nicht.

Wer hier dem Sohn vertraute,

kommt dort aus dem Gericht!

 

Gott kam in das dunkle Innere des Allerheiligsten vom Tempel Salomos. Aber Gott ist Licht und hat die Dunkelheit vertrieben. In der Nacht von Bethlehem wurde Gott Mensch und brachte Licht in unsere Dunkelheit. Das ist Gottes Programm! Er will das Dunkel in unseren Herzen vertreiben mit seinem Licht. Das tut er, in dem er uns seinen Geist gibt. Wir dürfen immer und überall seinen Namen anrufen. Sein Name will in uns wohnen!

 

Islam und Islamismus, eine treffende Unterscheidung?

Kann man den modernen Begriff „Islamismus“ prinzipiell vom Islam unterscheiden? In diesem Vortrag lege ich die Gründe dar, warum das meines Erachtens nicht geht. Der „Islamismus“ ist ein Begriff, den es im Islam gar nicht so gibt. Er bezeichnet aber den für Muslime konsequent gelebte Form des traditionellen Islam.

Gehalten vor dem ökumenischen Gesprächskreis Stuttgart Vaihingen in Gemeindezentrum „Zum guten Hirten“

Sie können die Audiodatei starten, dann auf diesen Link klicken, um der Präsentation zu folgen.

 

Die Thessalonicherbriefe: Botschaft an die ersten Christen über die Letzten Dinge

Hofacker Abendbibelschule 2017 Derendingen

  1. Frohe Botschaft – Kraft und Widerstand (1. Th.1 & 2. Th.1)
  2. Mut zum Kampf um das Wort (1. Th. 2 & 2. Th.2)
  3. Der Normalfall: Gemeinde in Bedrängnis (1. Th 3 & 2. Th 3, 1-5)
  4. Wie sollen wir nun leben? (1. Th 4 & 2. Th. 3, 6-15)
  5. Was kommt auf die Gemeinde zu? (1. Th 5 & 2. Th 3, 16-18)

 

Die Thessalonicherbriefe-Botschaft an die ersten Christen über die Letzten Dinge Texte im Überblick

 

Der Islam – Fragen über Fragen

 

Inhalt:

Der Islam — Fragen über Fragen

Vortrag beim Gesprächsforum Leben+Glauben, Gerlingen, 2.4.2017

Wer war Mohammed und was hat ihn getrieben?

Hanif – Biographie – Waise, Tilman Nagel unterscheidet drei Phasen [1] („Strenger“/Hanif-Rasul/Prophet und Herrscher

Wie sein Umfeld ihn Wahrnahm
  • War Mohammed etwa Verrückt? 16 mal wehrt sich der Koran gegen diesen Vorwurf (z.B. 15,6)
  • Spottgedichte gegen Mohammed
    • War Mohammed Epileptiker oder litt er an anderen Krankheitsbildern?
    • Abbas Sadeghian Ph.D.: Sword and Seizure – Mohammed’s Epilepsy & Creation of Islam – Abridged, September 1, 2006
    • Dede Korkut M.D.: Life Altert – The Medical Case of Muhammad
    • Ali Sina: Understanding Muhammad – Psychobiography
  • War er Besessen? (Die Satanischen Verse)

Der Islam – eine antichristliche Religion?

  • Im Islam sind alle Antworten auf den christlichen Glauben bereits eingebaut
  • Theologisches Ziel des Islam ist, hinter das Christusereignis zurückzugehen

Christen in islamischen Ländern – ihr Leben, ihr Leiden, ihr Zeugnis.

  • Johannes Damascenus als Wesir in Damaskus
  • Der Bischof von Cordoba im sogenannten goldenen Zeitalter Andalusiens
  • Heute: Afghanistan, Saudi Arabien, Somalia und Grenzgebiete, IS-kontrollierte/-beeinflusste Gebiete, Malaysia, Indonesien (Pancasila), Jordanien, Türkei, Marokko…

Islam in Deutschland – was bedeutet das langfristig für uns?

  • Der Demographische Wandel – Wird es einen Euroislam geben?
  • Ja. Die Frage ist, ob er Einfluss haben wird!
  • Islamisch-theologische Fachbereiche/Fakultäten, Bassam Tibi etc.

Was bedeutet der Glaube für einen Muslimen – für einen Christen?

  • Nisar Khan – werde ein guter Muslim
  • Habib: der Islam ist eine leichte Religion (01.04.2017 Losung gestern 3.Mose 22,31 Haltet meine Gebote und tut danach; ich bin der HERR; Lehrtext 1.Johannes 5,3 Das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer.

Meine Erfahrung in Pakistan

[1] Tilman Nagel „Mohammed ging es immer auch um Macht“ 06 Februar 2012 (Quelle: GEOkompakt Nr. 16 – 09/08 – Glaube und Religion – Seite 134-138)

 

Vortrag beim Forum Glauben & Leben (Audiofile):

 

Fragen und Antworten (Audiofile):

 

 

 

 

 

 

 

Reformation heute? Umkehr!

Reformation heute?

Reformation folgt auf Erneuerung, die durch Umkehr kommt!

Dass Reformation in den verfassten Kirchen unserer Tage notwendig wäre, setze ich als gegeben voraus. Ohne grundlegende Reformation werden wir den Sog nach unten in den Kirchen nicht stoppen können. Die Frage ist, ob Reformation überhaupt noch möglich ist, und wenn ja, wie? Deshalb das Fragezeichen. Die Gründer des Albrecht-Bengel-Hauses haben geglaubt und vertraut, dass durch Treue zur biblischen Botschaft in der Ausbildung der Theologen eine Veränderung zum Positiven in der Kirche möglich ist. Auch heute ist das unser Programm. Wir wollen im Gehorsam gegen Gottes Wort Gemeinde für die Zukunft bauen. Die Schlüsselrolle der Pfarrer und der Religionslehrer für die Entwicklungen in den Kirchen ist unumstritten. Da sind wir dran und da wollen wir weitermachen.

Viele unserer Ehemaligen haben auch Großartiges geleistet und sind unzähligen Menschen zum Segen geworden. Das ABH hat durch die ganzheitliche Begleitung der Studierenden schon einen Unterschied in der kirchlichen Landschaft und im Gemeindeleben weit über die Grenzen der württembergischen Landeskirche hinaus bewirkt. Wir haben immer noch Hoffnung für das landeskirchliche Leben in den Gemeinden. Allerdings haben wir dabei mit einer stetigen Zunahme an Bürokratie und Bestrebung zur Zentralisierung der Macht zu kämpfen. Die Gemeinden werden immer mehr entmündigt. Programme werden von oben verordnet.

Es ist schon gut zehn Jahre her, dass die EKD ihr Programm mit den zwölf „Leuchtfeuern“ unter dem Titel „Kirche der Freiheit“ auflegte. Was zunächst als ernstes und ernstzunehmendes Anliegen begann, versandete in typischer Weise für Großkirchen im Bemühen alles allen zu sein, und vor allem in der Unfähigkeit und dem Widerwillen, sich wirklich zu verändern – zum Beispiel in der Auflockerung des Parochialprinzips (Leuchtfeuer 2). Dies gilt auch für die groß aufgelegten Programme „Notwendiger Wandel“, „Wirtschaftlich handeln“ und den „Pfarrplan“ in der württembergischen Landeskirche. Nach Meinung der im Folgenden erwähnten Experten werden sich die etablierten Kirchen als Institutionen nicht reformieren lassen. Es fehlen der Wille und die Möglichkeiten in den vorherrschenden Strukturen dazu. Verkrustete, starre Strukturen halten die Kirchen gefangen. Wir im ABH setzen unsere Hoffnung in die Gemeinde Jesu Christi vor Ort.

Düstere Prognosen für die Kirche

Die Landeskirchen selber scheinen nicht so zuversichtlich zu sein. Mit Blick auf den demographischen Wandel und den Austritten aus der Kirche stehen alle Signale auf Rückzug, Einsparungen und „Gesundschrumpfen“. Zugleich wird aber an überholte volkskirchlichen Paradigmen und Ansprüchen festgehalten. „Im Jahre 2030 ist die evangelische Kirche in der öffentlichen Wahrnehmung dadurch stark, dass sie gemeinsame Themen und Positionen vorgibt, die in die Gesellschaft hineingetragen und vertreten werden“ (Leuchtfeuer 9). „Im Jahre 2030 repräsentiert die EKD im Dienst der Gemeinschaft der Gliedkirchen den deutschen Protestantismus in der Öffentlichkeit“ (Leuchtfeuer 12). Es scheint so, als würden sich die Kirchenleitungen für die Kirche Christi halten. Kirche ist aber gelebte Gemeinschaft als Leib Christi in der Gemeinde. Das geschieht vor Ort.

Der Drang zur Fusion einzelner Gliedkirchen der EKD, oder gar zur Einrichtung einer einzigen „Evangelischen Kirche in Deutschland“ durch Vereinigung aller Landeskirchen entstammt a) dem Wunsch, auch bei schwindenden Mitgliederzahlen eine „Großkirche“ als Gegenüber für den Staat zu sein und b) dem Irrtum, man könne Verwaltungskosten sparen, in dem man Kirchen zusammenlegt. Für Kirchenleitungen scheinen die Kirchengemeinden eine Art Verfügungsmasse zu sein. Auf sie könne man auch verzichten, wenn das Kosten-Nutzen Schema nicht mehr stimme. Leitung – biblisch gesehen – ist immer Dienst an der Gemeinde. Kirchenleitungen erwecken den Eindruck, dass sie sich selbst als „die Kirche“ sehen, nicht als Dienstleister für die Kirchengemeinden.

Nicht Reformation, sondern Buße und Erneuerung

„Peters Gesetz“ besagt, dass eine Organisation, sobald sie eine gewisse Größe erreicht hat, keine besondere Existenzberechtigung für sich mehr braucht. Sie existiert, weil sie existiert. Die Beschäftigten von den obersten Etagen bis hin zu den am schlechtesten bezahlten Angestellten kämpfen um den Erhalt ihrer eigenen Jobs, ohne unbedingt im Blick zu haben, was dem Wohl der Firma oder Organisation dient. Unsere Landeskirchen sind alt, satt, schwerfällig und unbeweglich geworden. Sie sind wie die Mega-Containerschiffe oder Öltanker geworden, die 20 km brauchen, um zu halten und 40 km, um zu wenden. Das war vor 500 Jahren bei der sogenannten Reformation (reformatio) nicht anders. Die Kirche konnte in Teilen von Innen heraus erneuert (renovatio) werden nur, weil der Fokus der Reformatoren/Protestanten weg von der Institution Kirche mit ihren verkrusteten und teilweise korrupten Strukturen hin auf das Wort Gottes gelenkt wurde. Es kam in den Kirchengemeinden unter den Menschen allein durch den Glauben an die Erlösung durch die Gnade allein, durch den Erlöser Jesus Christus allein zur Wiedergeburt (regeneratio) des Evangelium gemäßen Glaubens. Die Gemeinden, die sich um den neu gefundenen Glauben gesammelt haben, mussten sich zunächst eine neue Form geben – sie haben sich „re-formiert“. Es war aber nur in Teilen der Kirche so.

In unserer Situation wird die Reihenfolge nicht anders sein: regeneratio – renovatio – reformatio. Wir müssen zu den Wurzeln des Evangeliums zurückkehren. Ohne Wiedergeburt des Evangelium gemäßen Glaubens auf breiter Basis keine Erneuerung. Ohne Erneuerung keine wirkliche Reformation. Um es mit einem anderen Bild zu sagen: Manchmal lohnt sich die Renovierung eines Gebäudes schlicht nicht mehr. Nämlich dann, wenn sie kostspieliger als ein Neubau ist oder das Resultat einer Renovierung nicht den eigentlichen Bedürfnissen des Gebäudes gerecht wird. Man kann das anhand der Renovierung eines Kirchengebäudes zeigen: Zahlreiche Kollegen beklagen, dass selbst wenn man eine halbe Million in die Kirchenrenovierung steckt, man trotzdem nicht das Ergebnis hätte, das man bräuchte, um zeitgemäße Gemeindearbeit zu machen. Hohe Erhaltungskosten, wenig Komfort, eine schlechte Akustik, kein Gemeinschaftsgefühl, schlechte oder keine Möglichkeiten zu einer Kinderbetreuung, schlechte Aussichten auf Gemeinschaftsräume, sanitäre Anlagen, behindertengerechten Zugang… Man gibt oft das Geld trotzdem aus, weil wir an unseren Kirchen hängen. Aber meistens ist es nur wo man Mutiges gewagt hat, beziehungsweise wagen durfte, dass die Ergebnisse wirklich zufriedenstellend und ein echtes Plus für die Gemeindearbeit sind. In solch einem Fall ist nicht Erneuerung, sondern Neuanfang nötig. Die Abrissbirne muss Platz für neues schaffen – oder man weicht auf einen anderen Bauplatz unter Aufgabe des alten aus.

In ähnlicher Weise hängen wir emotional an unseren vertrauten landeskirchlichen Strukturen und sind nicht bereit „outside of the Box“ zu denken. Es war sehr eindrücklich für mich, im Gespräch mit einem Oberkirchenrat einer der Gliedkirchen der EKD von ihm zu hören, dass er das Aussterben der Landeskirchen unter dem Vorzeichen des Jesuswortes sieht: „Wenn der Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt…“ Manchmal muss etwas sterben, damit etwas Neues wachsen kann. Aber wer sagt, dass es die Gemeinden sein müssen, die sterben sollen? Warum sollte nicht die obrigkeitliche Denkweise und starr verfasste Kirchenform sterben und die Gemeinden leben lassen? Wir verpassen die einzige wirkliche Chance, die wir haben, wenn wir den Gemeinden nicht die Chance geben, Verantwortung und Mittel für ihre Existenz zu überlassen.

Umkehr!

Wir brauchen Umkehr zuerst, dann vielleicht Strukturreform

Die Reformation im 16. Jahrhundert erfasste nicht die gesamte Kirche. Es kam zur Abspaltung von Rom und zu Neugründungen von kirchlichen Strukturen. Die Gemeinde vor Ort gewann, vor allem im reformierten Bereich, ganz neue Bedeutung und Verantwortung. Wo Christus und sein Wort im Mittelpunkt standen, wurde die Gnade Christi durch die Erleuchtung des heiligen Geistes im Glauben erkannt. Dieser Glaube an den gnädigen Gott, der um Christi Opfer Willen den Sünder ohne jeglichen Verdienst vergibt, hat zur Umkehr geführt. Diese Umkehr hat neues Leben in die evangelisch gewordenen Gemeinden eingehaucht.

Schon länger gibt es aus konservativer Richtung Kritik an landeskirchlichen Missstände wie die Entfremdung der Kirchenleitungen und theologischen Fakultäten von Bibel und Bekenntnis, das Festhalten an dem Kirchensteuer Modell als alleinige Quelle der Finanzierung des kirchlichen Lebens, oder die unkritische, unreflektierte Taufe jedes Babys, das zur Taufe gebracht wird (vgl. „Das Priestertum aller Getauften“ Leuchtfeuer 5). Inzwischen gibt es auch Kritik von liberaleren Theologen, die erstaunlicherweise ebenfalls anfangen, nach Buße und Umkehr in der Kirche zu rufen. So zum Beispiel Beiträge in dem Sammelband Kirche der Reformation? Erfahrungen mit dem Reformprozess und die Notwendigkeit der Umkehr, hrsg. Gisela Kittel und Eberhard Mechels (1. Aufl. Vandenhoeck & Ruprecht, 2016), oder das Büchlein von Paul Bernhard Rothen, das in der TO 179 schon vorgestellt wurde, Auf Sand gebaut. Warum die evangelischen Kirchen zerfallen (2. Aufl. Wien: LIT Verlag, 2015). Nicht neue Projekte oder Programme seien nötig, sondern eine Rückbesinnung auf das Wort und die Gemeinde seien notwendig – und das im buchstäblichen Sinne des Wortes.

Niemand in den Kirchenleitungen scheint daran zu glauben, dass dem Langzeittrend in die Bedeutungslosigkeit über Schwund und Abbau der Kirche getrotzt werden könnte. Die einzelnen Landeskirchen machen schon seit einem Jahrzehnt Vorkehrungen für den erwarteten Zusammenbruch der Kirchensteuereinnahmen. Wegen der außerordentlich guten konjunkturellen Lage sprudelt zwar noch die Kirchensteuer, aber alle schnallen sich die Gürtel enger. Keiner scheint den Gemeinden selbst es zuzutrauen, um ihre Existenz zu kämpfen.

Leben Totgesagte länger?

Manchmal muss man schon staunen, wie eine nicht mehr funktionierende Kirche sich halten kann. Zum Beispiel die (noch) größte reformierte Kirche in den in den Vereinigten Staaten (PCUSA) mit Sitz in St. Louis. Gemeinden treten am laufenden Band aus dieser Kirche aus, weil sie nicht mehr zu ihren eigenen Bekenntnissen steht. Da aber gemäß Kirchenverfassung die Kirchengebäuden nicht den Gemeinden, sondern der Kirche gehören, müssen diese ihre eigenen Gotteshäuser bei ihrem Austritt von der ehemaligen „Mutterkirche“ für teures Geld kaufen. Die ausgetretenen Gemeinden gehen eigene Wege. Die PCUSA schrumpft und wird dabei immer reicher, womit sie Programme und Projekte durchführen kann, die die Gemeinden nicht unterstützen würden. Bei uns macht das die Kirchensteuer möglich. Innerkirchliche Kritiker der Kirchensteuer wie der bayerische Pfarrer Dr. Jochen Teuffel (Rettet die Kirche. Schafft die Kirchensteuer ab. ’fontis, 2015) weisen darauf hin, dass die finanziell unabhängige Kirchenleitung die Basis nicht mehr braucht. Die Basis in den Gemeinden kann sich schon länger nicht mit der kirchlichen Elite identifizieren. Sie hat das Gefühl, dass die Kirchenleitung sie gar nicht sieht. Bei denen in Machtpositionen ist kein Wille zur Reform, höchstens „Reförmchen“, die obendrein alle das Bestehende erhalten sollen…

Der Basis wird die Bemächtigung zur Reform verwehrt

Für viele Menschen scheinen Neugründungen die einzige Alternative zu sein. Wir im ABH kämpfen dagegen an und ermutigen dazu, um die eigene Kirche zu kämpfen. An der Basis gibt es aber viele engagierte Christen, die mit den Füßen abstimmen und zu neu gegründeten Gemeinden abwandern. Über die Gründe dafür nachzudenken reicht der Platz nicht. Frust mit der Entwicklung, bzw. Nicht-Entwicklung der Kirche spielt neben dem überfordert sein mit einer Vielzahl an ehrenamtlichen Aufgaben in der Gemeinde oft eine Rolle. Für uns in den landeskirchlichen Gemeinden ist das ein bitterer Verlust, wenn gerade die Engagierten abwandern, aber nicht immer kann man ihnen einen Vorwurf machen. Mündige Gemeindeglieder wollen Teil haben an den Entscheidungsprozessen, die allzu oft undurchsichtig oder deren Ergebnisse unverständlich sind.

 

Die Entwicklung weltweit geht in Richtung unabhängige Kirchen

Langsam erlaubt man sich die Frage, ob das landeskirchliche Modell vielleicht nicht einfach mit der Zeit abläuft. Wie die Säkularisation das Ende des Staatskirchentums eingeläutet hatte, hat der demographische Wandel die Grundlage des landeskirchlichen Anspruchs mächtig angeknabbert. Wo liegt die Berechtigung für einen landeskirchlichen Anspruch, wenn die Mitglieder der Landeskirche in den meisten Bundesländern weniger als ein Drittel der Bevölkerung ausmachen? Wir kommen irgendwann dahin, wo der Rest der Welt schon lange ist: Wo jede einzelne Gemeinde ihre eigene Daseinsberechtigung unter Beweis stellen und finanziell sich selber tragen muss. Unsere Situation in Deutschland (und Skandinavien) ist die absolute Ausnahme! Aber auch hier müsste es möglich sein, dass eine Gemeinde aus eigenen Mitteln für sich selber sorgt.

Dabei hätten wir großartige Möglichkeiten

Unsere württembergische Kirche gibt oft die Parole aus: Unsere Kirche ist besser als ihr Ruf. Das stimmt auch. Aber was meint man damit? Stimmen tut es, wenn man die KIRCHENGEMEINDEN meint. Teilweise wachsen Kirchengemeinden sogar gegen den Trend. Es gibt Gemeinden, die quicklebendig sind und vor Leben strotzen. Es gibt Gemeinden, die wegen Platzmangel im Gottesdienst kreative Lösungen finden müssen. Diese Gemeinden sind viel besser als der Ruf der Kirche insgesamt. Warum denen, die offenbar die Lösungen gefunden haben, nicht mehr Handlungsfreiheit geben? Warum nicht von ihnen Lernen? In kirchlichen Kreisen herrscht dazu ein Tabu. Die Gemeinden vor Ort brauchen mehr Handlungsfreiheit. Die Gemeinde vor Ort ist die Hoffnung der Welt (Bill Hybels) – und auch der Kirche! Wenn die Landeskirche überleben will, muss sie den Gemeinden mehr Selbstbestimmung einräumen – auch finanziell!

Die Pforten der Hölle

Was ist jetzt dran? Wer ist jetzt dran? Wer behauptet, man könne (und deswegen müsse man) nichts zur Genesung der Kirche beitragen, weil das ja das Werk des Heiligen Geistes sei, der kann das nur vom grünen Tisch im Elfenbeinturm tun. Und wer verleugnet, dass die Nachfolger Christi eine klare Aufgabe zum Aufbau und zur Erbauung der Gemeinde haben, hat die Absicht Christi, als er die Jünger in die Welt zu allen Nationen sandte, nicht erkannt. Alle tragen ihren Teil an der Verantwortung für die Zukunft der Kirche: Von den Gemeindegliedern und Ehrenamtlichen an der Basis über die Hauptamtlichen bis hin zu den Synodalen, Oberkirchenräten und Bischöfen. Jeder muss seinen Teil beitragen, wenn es landeskirchliche Gemeinden flächendeckend vor Ort weiterhin geben soll. Mit Buße, Umkehr und Rückkehr zum Evangelium werden wir den Anfang machen müssen. Daraus kann Erneuerung und Reformation entstehen. Wo Buße, Glaube, Gnade und Vergebung die Basis bilden, wird der volkskirchliche Charakter der Gemeinden einem eher freikirchlichen weichen. Ist es nicht langsam Zeit, der Tatsache ins Auge zu sehen, dass wir inzwischen eine Minderheit sind? Für das ganze Volk missionarisch und diakonisch da zu sein wäre dabei eine Selbstverständlichkeit. Aber das ist eine neue Definition von „Volkskirche“. Noch sind wir so gut positioniert in der Breite der Gesellschaft – mit einer Kirchengemeinde an fast jedem funktionierenden Ort – dass wir als einzige existierende Kirchengemeinschaft diesen Anspruch ernsthaft erstreben könnte. Dazu müsste aber ein radikales Umdenken auf allen Ebenen stattfinden.

Um die Gemeinde Jesu Christi brauchen wir uns keine Sorgen machen. Jesus gab Petrus das Versprechen: „Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen“ (Matthäus16,18). Die Gemeinde Jesu wird bis zu seiner Wiederkunft nicht aufhören zu existieren. Kirchen kommen und gehen. Das lehrt die Geschichte. Gottes Verheißung gilt der Gemeinde derer, die ihm dienen. Darauf muss unser Fokus liegen: In unseren Gemeinden unserem Herrn dienen. Wir setzen unsere Hoffnung in die Gemeinde Jesu Christi vor Ort. Dafür arbeiten wir im ABH.

Besinnung zur Jahreslosung 2017

Vor 50 und 500 Jahren gab es große Durchbrüche

Noch bevor dieses Jahr zu Ende geht, wird es 50 Jahre her sein, dass der südafrikanische Chirurg Christiaan Barnard zum ersten Mal in der Geschichte erfolgreich das Herz eines Menschen auswechselte. Der Erfolg war zwar relativ – sein Patient lebte nur 18 Tage – aber seither haben zigtausende Menschen ein „neues“ Herz bekommen. Das Problem dabei ist, dass das „neue“ Herz eben doch nicht neu ist. Auch wenn das Spender-Herz von einem jüngeren Menschen stammt, ist es doch nicht neu, sondern schon „gebraucht“ und anfällig für den gleichen Alterungsprozess wie das Herz, das funktionsuntüchtig geworden war und ausgetauscht werden musste. Das Leben der Meisten, die eine Herztransplantation bekommen haben, wird inzwischen durchschnittlich um 10 Jahre verlängert. In seiner Autobiografie machte Barnard aber auch auf ein anderes Problem aufmerksam. Durch den ganzen Medienrummel, die Partys und Affären mit der „Jet Set“ – den Promis seiner Tage – die Audienzen mit dem Papst und Staatsoberhäuptern, durch das und anderes mehr hat er zwar seinen Ego gefüttert, aber seine Familie vernachlässigt. Die Reue kam zu spät. Er tröstete sich damit, dass er keinen seiner Patienten je im Stich gelassen hätte…

Gott schenkt schon länger neue Herzen

Der weltberühmte Chirurg hätte selbst ein neues Herz gebraucht, ein Herz, das weiß was zu tun ist, ein Herz das nicht nur an sich, sondern auch an andere denkt. Ein Herz, wie wir alle eines bräuchten. Solche Herzen können Menschen nicht transplantierten, nicht neu machen. Das kann alleine Gott. Die Jahreslosung von diesem Jahr erzählt davon:

 

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ez 36,26

Dies ist der Kern vom Versprechen Gottes an sein Volk Israel (genauer, die Stämme Juda und Benjamin), das in der babylonischen Gefangenschaft verschleppt und fern der Heimat war. Aber Gott macht in den davor und danach kommenden Sätzen unmissverständlich klar, dass er dies um seinetwillen, um seiner Heiligkeit willen tut. Was sollen die Heiden von ihm denken, wenn er sein Volk in der Bedrängnis hängen lässt? Aber um seiner Heiligkeit willen muss sich auch etwas am Volk ändern, am Volk, dem er am Anfang des gemeinsamen Weges durch die Geschichte den Auftrag gab: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig (3Mose 19,2 et al.). In gerade diesem Zusammenhang verspricht Gott nicht nur die Reinigung von der Schuld, die das Volk auf sich geladen hat, sondern auch eine neues Herz und einen neuen Geist, damit die Beziehung zwischen ihm und sein Volk nicht gestört ist. Das steinerne Herz soll mit einem „aus Fleisch“ bestehendes, bewegliches und bewegtes Herz ausgetauscht werden. Das Neue Herz und der Geist Gottes selber sollen aus seinem Volk Menschen machen, die seine „Rechte halten und danach tun“. So wird er zu Gott für sein Volk sein. Gott will die Beziehung zum Menschen. Das Problem liegt darin, dass der Mensch nicht im gleichen Maße an dieser Beziehung interessiert ist. Es geht um eine verschmähte Liebe. Das ist der Rote Faden, der sich durch die Bibel zieht. Gott liebt den Menschen und tut alles, um seine Liebe zu gewinnen – mal werbend, mal drohend, mal lohnend, mal strafend. Es ist ein großes Drama, nach dem die Weltliteratur ihren Stoff modelliert. Am Kreuz von Golgatha und bei der Wiederkunft Christi zum Weltgericht findet dieses Drama seine Höhenpunkte.

Gottes Herz sucht Menschenherzen

Gott leidet darunter, dass wir Menschen, die er als seine gegenüber erschaffen hat, solche harten Herzen haben. Was meint die Bibel, wenn sie von „harten Herzen“ spricht? Geht es darum, dass wir nicht genügend Empathie zeigen, oder dass unsere Brutalität anscheinend grenzenlos ist? Jesus selbst sagt vom Menschenherzen: Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung (Mt 15:18f). Sicherlich gehören diese und viele andere Dinge zu einem harten Herzen – aber das sind nur Symptome und nicht Diagnose. Dazu ein Beispiel: Arteriosklerose ist eine Krankheit, die mehr Menschen in der entwickelten Welt tötet als sonst irgend eine. Es ist eine Krankheit, die unter anderem zu Atemlosigkeit, Schwäche, Thrombose, Angina pectoris, Herzinfarkt, Schlaganfall oder plötzlichen Herztod führen kann. Die Ursache all dieser Symptomen aber ist die Verhärtung der Schlagader am Herz.

Das verhärtete Herz kann nicht mit Weichmachern fit gemacht werden. Es braucht ein neues Herz

Gott will keine Symptome bekämpfen oder unterdrücken. Ein verhärtetes Herz muss weg. Es braucht einen Ersatz – ein neues Herz muss her! Es geht nicht darum, dass wir durch besonderen Fleiß oder noch größere Mühe unser Verhalten verändern. Vielmehr geht es darum, dass Gott uns ein neues Herz schenken will. Ein Herz, das nicht von Grund auf krank ist. Gott will und sein Herz schenken, das von sich aus zu ganz anderem und neuem fähig ist. In erster Linie geht es um ein Herz, das die Beziehung zu ihm will.

In der Sprache der Bibel bezeichnet das Herz den Menschen in seiner Identität, in seiner Persönlichkeit. Das Herz ist der Sitz nicht nur der Gefühle, sondern auch der Gedanken. Das Herz macht Beziehungen zu einem Gegenüber möglich, oder es verhindert diese. Darum geht es mit dem neuen Herzen. „Hartherzigkeit“ beschreibt den Zustand unserer Herzen, wo Gott uns egal ist. Im Alten Testament wurde das immer wieder betont: Wegen ihrer Hartherzigkeit wandten sich die Menschen von Gott ab und sind anderen Göttern nachgelaufen.

Wir haben vergessen, dass wir Gott vergessen haben

Gleich mehrere Menschen haben treffend über unsere Zeit festgestellt: „Wir haben vergessen, dass wir Gott vergessen haben“ (u.a. Pfr. Alexander Garth, Prof. Wolf Krötke und die Bischöfe Axel Noack und Heiner Koch). Was zunächst im Blick auf die neuen Bundesländer so festgehalten wurde, gilt zunehmend auch für die ganze Republik. Für die meisten Menschen ist Gott überhaupt kein Thema mehr. Die atheistische Erziehung und der Machbarkeitswahn der Wohlstandsgesellschaft haben Gott weitestgehend aus dem gesellschaftlichen Diskurs, der Gedankenwelt des Einzelnen und den Herzen der Menschen ausgegrenzt. Diese Missachtung Gottes ist die eigentliche Herzenskrankheit der Menschen, auch in unseren Tagen. Wir scheinen es immer wieder zu vergessen, dass Gott uns als Gegenüber für sich geschaffen hat und dies der eigentliche Sinn hinter der Erschaffung der Erde und des Weltalls ist. Gott will die Beziehung zu uns. Es soll ein Herzensanliegen sein, eine Angelegenheit des Herzens für uns, wie es auch für ihn eine ist. Das ist der Sinn unseres Lebens.

Haben wir in diesem Jubiläumsjahr wirklich Grund zum Feiern?

Vor 500 Jahren am Vorabend von Allerheiligen soll Martin Luther seine 95 Thesen als Aufforderung zu einem öffentlichen Streitgespräch an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg angebracht haben. Von diesem Tag an rechnen wir den Beginn der Reformation. Heute, 500 Jahre später, würde es uns gut anstehen, uns mit diesen Thesen auseinander zu setzen. Darin geht es um die gestörte Beziehung des in Sünde verstrickten Menschen zu Gott und um den Weg des Glaubens, der Vergebung und der Gnade, auf dem die Beziehung wieder hergestellt werden kann.

Auch im Jahr 2017 sind wir dazu da, unser Leben vor Gott und in Beziehung zu Gott zu gestalten. Dazu gehören selbstverständlich die Übernahme von Verantwortung für diesen Planeten, die Ausübung unseres Herrschaftsauftrags, die kreative Gestaltung des Lebens auf der Erde und vieles andere mehr. Der Kern unserer Beziehung zu Gott ist aber das Vertrauen in seine Gnade und seine Führungen. Jesus hat das Nachfolge genannt. Auch der Prophet Jeremiah verkündet die gleiche Verheißung einer grundsätzlichen Herzensänderung „…das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken“ (Jeremiah 31,33f).

Der in sich verkrümmte Mensch

In diesem Jubiläumsjahr 2017, wo wir 500 Jahre Reformation feiern, steht der Reformator Martin Luther im Mittelpunkt vieler Reden, Predigten, medialen Auftritten und Schriften. Für Martin Luther lag die Grundmisere der menschlichen Existenz darin, dass der Mensch „in sich selbst verkrümmt“ ist. Nicht nur deswegen, weil wir eine permanente Nabelschau betreiben, sondern auch deswegen, weil wir unseren Blick nicht nach oben richten, nicht auf Jesus schauen, den Anfänger und Vollender unseres Glaubensweges. Der Mensch ist in sich selbst gekrümmt und sieht nur sich – er ist für sich zum Maß aller Dinge geworden. Wo Menschen sich selbst zu Gott gemacht haben, sind sie auch auf sich selbst angewiesen. Wer nicht an Gott glaubt kann auch nicht vertrauen – er muss sich selber absichern. Unsere Absicherungswahn steht in direktem Verhältnis zu unserem Mangel an Vertrauen.

Gott will dass wir unser Leben im Vertrauen auf ihn gestalten. Er will, dass wir mit ihm rechnen. Er beschreibt es als Herzenshärtigkeit, wenn unser Herz nicht auf ihn ausgerichtet ist. In diesem Sinne haben wir auch heuer, 2017, 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Luthers nicht viel zu feiern. Wenn wir nur die ersten drei Bitten des Vaterunsers im kleinen Katechismus Martin Luthers aus dem Jahr 1529 anschauen, dann sehen wir, dass es Luther gerade darum ging, dass Gott in unserem Leben vorkommt: dass sein Name auch bei uns heilig werde, dass sein Reich auch zu uns komme, und schließlich dass sein Wille auch bei uns geschehe. Luther hat einen gnädigen Gott bekommen. Als begnadigter, vergebener Sünder erlebte er, wie Gott sich ihm zugewandt hat. Im Glauben allein, durch die Schrift allein, allein aus Gnaden, allein durch Jesus Christus hat er eine Beziehung zu Gott bekommen. Nüchtern betrachtet könnten wir sogar mit diesem Jubiläum das Ende der Epoche des reformatorisch-evangelischen Glaubens begehen.

Natürlich gibt es Vieles, wofür wir dankbar sein können – ja müssen. Die Reformation hat uns ja gerade das Vertrauen in Gott, sein Wort, seine Gnade, seinen Christus, sprich: in den Glauben gelehrt. Aber gerade das scheint in der Breite der Bevölkerung immer mehr abhanden zu kommen. Selbst in den Kirchen macht sich eine „Spiritualität“ breit, die auf das eigene religiöse Gefühl ausgerichtet ist und die Verkrümmung in sich selbst nur verstärkt. Wer sich nicht mehr als Sünder sieht, braucht auch keinen gnädigen Gott. Was Bonhoeffer als „billige Gnade“ beschrieben hat ist wieder voll im theologischen Trend. Allenthalben hören wir von Kanzeln und Kathedern, dass ein guter Gott niemanden bestraft. Wir seien alle von Gott geliebte Menschen und seine Kinder – und deswegen „o.k.“. Die objektive Ausrichtung des Glaubens auf den gekreuzigten und auferstandenen Christus als alleinigen Weg zu Gott steht für viele nicht mal mehr als Option zur Debatte, geschweige denn die Notwendigkeit der Buße, der Bekehrung und der Wiedergeburt, um ein Kind Gottes zu werden.

Ein Kind Gottes hat seinen Geist

Aus dem evangelischen Anliegen ist ein „protestantisches Prinzip“ geworden. An Stelle in Christus einen gnädigen Gott zu bekommen, der die Trennung von Gott und Mensch durch seinen Sühnetod überwand, ist ein „protestantisches Prinzip“ geworden, dass alle Optionen offen halten möchte, die Kirche „nach den Bedürfnissen der Menschen“ zu gestalten. Es ist viel die Rede vom Entstehen einer zivilen Religion, die nicht mehr Bekenntnisorientiert ist, sondern den vermeintlichen Bedürfnissen der Gesellschaft sich anpasst. Auch hier ist der Mensch das Maß aller Dinge. Der in sich gekrümmte Mensch hat Gott und seine Möglichkeiten nicht im Blick und kann deswegen nur verzweifeln. Das ist für Kierkegaard die eigentliche Sünde und „die Krankheit zum Tode“, die eigentliche Herzenskrankheit unserer Tage. Darum schenkt Gott ein neues Herz. Das tut er überall, wo sein Geist den Glauben in einem Menschenherzen weckt. Und damit hängt das zweite Versprechen unserer Jahreslosung zusammen: In die Mitte seines Volkes gibt Gott einen neuen Geist.

Auch der Prophet Joel hat diese Schau bekommen. An Pfingsten ist es dann Wirklichkeit geworden, wo Gott seinen Heiligen Geist auf die versammelten Jünger ausgoss.

Seit Pfingsten gilt: in jedem Christen wohnt der Geist Gottes. Das macht ein neues Leben möglich. Zum neuen Herzen kommt ein neuer Geist. Nicht ein neuer menschlicher Geist, sondern der Geist des lebendigen Gottes! Haben wir das für unser Leben begriffen? Um die Tragweite dieses Geschehens zu verstehen, müssen wir wieder zur Schöpfungsgeschichte zurückkehren. Am sechsten Tag der Schöpfung, als Gott den Menschen schuf, war der grundlegende Unterschied zu allen anderen Lebewesen, zu den Tieren, Fischen und Vögeln der, dass das Leben dem Menschen von Gott selbst eingetaucht wurde. Der Mensch besaß am Anfang göttliches Leben, auf die Ewigkeit angelegtes Leben, ein Leben in Unschuld ohne Verfallserscheinungen. Wo durch die Sünde die direkte Beziehung zu Gott verloren ging, ging auch die Quelle des göttlichen Odems für den Menschen verloren. Es folgte der Tod als unausweichliche Konsequenz dieser Trennung vom Spender des Lebens.

Was die Propheten Ezechiel und Joel vorhergesagt hatten, ist an Pfingsten wahr geworden. Seitdem gibt es wieder Zugang zum Geiste Gottes für den Menschen. Besser gesagt: es gibt Zugang zum Menschen für den Geist Gottes. Gott hat sich den Zutritt zum Menschenherzen teuer erkauft. Jesus hat dafür mit seinem Leben bezahlt. Wo die Sündenschuld beglichen ist, hat der Teufel keinen Anspruch mehr auf den Menschen. Der Weg ist frei für Gottes Geist – für sein Lebensodem. Der Geist Gottes der in uns wohnt und uns und unser Leib zu seinem Tempel macht 1Kor 6 u. 9), der schenkt Glauben und neues Leben. Er macht uns durch die Wiedergeburt (Joh 3) zu Kindern Gottes und vergewissert uns, dass wir Kinder Gottes sind (Röm 8). Es macht einen Unterschied, ob der Geist Gottes in einem wohnt oder nicht. Das wurde auch seit Pfingsten zu allen Zeiten von Menschen bemerkt, die diesen Geist nicht hatten. Es wäre zu wünschen für dieses Jahr 2017, dass unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Migranten und Flüchtlinge, diesen Unterschied an uns Christen merken. Wo ein neues, von Gott geschenktes Herz und sein heiliger Geist uns beseelen, wird es gar nicht anders gehen!