Schlagwort-Archive: Koran

Hofacker Abendbibelschule: Der christliche Glaube im Spiegel des Islam

1.) Mo. Der erste Artikel (des Glaubensbekenntnisses) und die Schahāda

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2.) Di. Der zweite Artikel und die Schahāda Teil I

PrÀsentationsfolien:abs2016lustnau_christl_glaube_im-lichte-des-islam2

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3.) Mi. Der zweite Artikel und die Schahāda Teil II

PrÀsentationsfolien:abs2016lustnau_christl_glaube_im-lichte-des-islam3

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4.) Do. Der dritte Artikel und der Geist Gottes im Koran

PrÀsentationsfolien: abs2016lustnau_christl_glaube_im-lichte-des-islam4

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5.) Fr. Das Vater unser und das Al-Fatiha Gebet

PrÀsentationsfolien: abs2016lustnau_christl_glaube_im-lichte-des-islam5

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Bibel und Koran – zwei BĂŒcher, zwei Botschaften (Schönblick)

 

Dienstag: Gott teilt sich mit – Wie Gott sich Offenbart nach Bibel und Koran

Mittwoch:  „Was ist der Mensch, dass du seiner Gedenkst?“ – Die Stellung des Menschen in Bibel und Koran

Donnerstag:  Donnerstag: Wer ist Jesus – wer ist Gott?  Wie Bibel und Koran darauf antworten

Freitag: Das Volk Gottes und die letzten Dinge ErwÀhlung und Schicksal. Gottes Friedensplan nach Bibel und Koran. Was Bibel und Koran dazu sagen

 

 

Herausforderung Islam – Bibel und Koran, zwei BĂŒcher – zwei Botschaften

Der Vortrag wurde vor einem BĂŒrgerforum am Rande des Schwarzwalds gehalten. Dort, wo noch kaum muslimische Zuwanderung geschehen ist, ist das Interesse sehr groß gewesen. Am Ende des Vortrags ist die Fragerunde mit aufgezeichnet (anonymisiert).

Der Vortrag liegt nicht schriftlich vor. Hier eine Skizze des Vortrags mit den relevanten Zitaten. Der Vortrag weicht teilweise sehr stark von der Skizze ab.

Die Hörzeit betrÀgt ca. 80 Minuten, die Fragerunde noch mal gute 20 Minuten.

Herausforderung Islam – Bibel und Koran, zwei BĂŒcher – zwei Botschaften

Wir sind durch den Islam herausgefordert. Die stĂ€ndig wachsende Zahl von BĂŒrgerinnen und MitbĂŒrgern mit Migrationshintergrund aus dem islamischen Kulturkreis stellt uns vor einen Wandel in unserer Gesellschaft. Die merkwĂŒrdigsten Allianzen tun sich auf. Traditionell atheistisch ausgerichtete Bewegungen und politische Parteien  zeigen auf einmal nicht nur VerstĂ€ndnis fĂŒr den Islam an sich, sondern fĂŒr BrĂ€uche und Gepflogenheiten aus dem islamischen Kulturraum, die diametral den aufklĂ€rerischen europĂ€ischen GrundsĂ€tzen entgegengesetzt sind. Mit dem hier aufgenommenen Vortrag versuche ich aufzuzeigen, wie das Anliegen der islamisch geprĂ€gten Gesellschaft durch die so völlig andersartig gestaltete Botschaft des Koran und des Islam, wie sie in Sunna und HĂ€dithen wiedergeben werden,  bedingt ist.

Der demographische Wandel stellt uns vor einer riesigen Herausforderung. Die daraus folgende Migration verÀndert unsere Gesellschaft und Kultur nachhaltig. Der Zusammenprall der Kulturen (auch Kampf der Kulturen gennant) nach Samuel P. Huntington[1]

 

Der Islam unterscheidet zwischen UMMAH (Vollzahl aller Muslime) AHL-AL-KITAB (Volk/Völker des Buches = Juden und Christen) und Götzendiener. Nur die Muslime sind fĂŒr den Islam „GlĂ€ubige“, alle andere sind „UnglĂ€ubige“ (KUFFAR)

Umma und ‚ahl-al-kitab stehen sich gegenĂŒber. Was anfĂ€nglich fĂŒr Mohammed als vereinbar schien, wurde zu einer verbitterten Feindschaft. Das liegt in der Unterschiedlichkeit der Botschaften von Bibel und Koran.

Ein plastisches Beispiel hierfĂŒr ist der unterschiedliche Gnadenbegriff beider BĂŒcher. Auch das Gottesbild des orthodoxen Islam, der sich an den Aussagen des Koran orientiert, unterscheidet sich stark vom biblischen Gottesbild. Es Geht um die Ehre Gottes und um die Verletzung derselben. Ehre kann nur durch Rache wieder hergestellt werden.

Auf diesem Hintergrund werden auch die causa Böhmermann und die tiefe KrĂ€nkung des tĂŒrkischen PrĂ€sidenten auf Grund einer wahrgenommenen Verletzung seiner Ehre  verstĂ€ndlich:

Am Anfang des Wirkens Mohammeds war das anders. UrsprĂŒnglich glaubte Mohammed den gleichen Glauben, den die Juden und Christen hatten, fĂŒr die Araber entdeckt zu haben.  WĂ€hrend seines Lebens kam es jedoch zu einer herben EnttĂ€uschung darĂŒber, dass die Juden und Christen seine Botschaft nicht annahmen, sondern teilweise sogar gegen ihn kĂ€mpften. Dass es zu keiner Einigung zwischen Mohammed einerseits und den Juden oder den Christen andererseits kommen konnte lag an der Botschaft, die er verkĂŒndete. Sie Ă€hnelte zwar der biblischen Botschaft in vielen Punkten, setzte sich aber an entscheidenden Stellen deutlich von dieser ab  und widersprach dieser  in ihren Kernaussagen.

Als Einstieg nenne ich hier nur Losung und Lehrtext von heute

Losung:  Der HERR, euer Gott, ist gnÀdig und barmherzig und wird sein Angesicht nicht von euch wenden, wenn ihr euch zu ihm bekehrt. 2Chr 30,9

Lehrtext:  Kehrt also um und richtet euch aus auf die Vergebung eurer SĂŒnden, damit vom Angesicht des Herrn her Zeiten der Erquickung kommen. Apg 3,19–20

Die Zusagen Gottes im Vergleich zu der WillkĂŒr Allahs:

Sure 3. Die Sippe ‚Imrans |132 Und gehorchet Gott und dem Gesandten! Vielleicht werdet ihr (dann) Erbarmen finden.

Sure 3. Die Sippe ‚Imrans   |200 Ihr GlĂ€ubigen! Übt Geduld und mĂŒht euch, standhaft und fest zu bleiben! Und fĂŒrchtet Gott! Vielleicht wird es euch (dann) wohl ergehen.

Sure 4. Die Frauen |99 Denen (die aus Unvermögen nicht „ausgezogen sind“) wird Gott vielleicht verzeihen. Gott ist bereit, Nachsicht zu ĂŒben und zu vergeben.

Sure 5. Der Tisch |35 Ihr GlĂ€ubigen! FĂŒrchtet Gott und trachtet danach, ihm nahezukommen, und fĂŒhret um seinetwillen Krieg (w. mĂŒht euch um seinetwillen ab)! Vielleicht wird es euch (dann) wohl ergehen.

Sure 5. Der Tisch  100 FĂŒrchtet Gott, die ihr Verstand habt! Vielleicht wird es euch (dann) wohl ergehen.

Wie anders die Gewissheit derer , die Vergebung durch Jesus Christus erfahren haben!!

Aber schauen wir formale Unterschiede an:

I.) Zwei BĂŒcher

Im Unterschied zur Bibel geht der Koran allein auf einen Menschen zurĂŒck – auf den Propheten des Islam Muhammad.

Wie mehrfach aus der Biographie Mohammeds gesehen werden kann , versteht sich der Islam als legitime ErfĂŒllung der alt- und neutestamentlichen Offenbarung und also auch als ErgĂ€nzung und Korrektur zum Glauben der Juden und der Christen.

Diese Überzeugung ist auch schon im Koran dokumentiert. In Sure 2 “die Kuh” (al-baqra)

87 Wir haben doch (seinerzeit) dem Mose die Schrift gegeben und nach ihm die (weiteren) Gesandten folgen lassen. Und wir haben Jesus, dem Sohn der Maria, die klaren Beweise gegeben und ihn mit dem heiligen Geist gestĂ€rkt. Aber waret ihr (Juden) denn nicht jedesmal, wenn ein Gesandter euch etwas ĂŒberbrachte, was nicht nach eurem Sinn war, hochmĂŒtig und erklĂ€rtet ihn fĂŒr lĂŒgnerisch oder brachtet ihn um? 88 Und sie (d.h. die Juden) sagen: â€șUnser Herz ist (eben) unbeschnittenâ€č. Aber nein! Gott hat sie (zur Strafe) fĂŒr ihren Unglauben verflucht. Darum sind sie so wenig glĂ€ubig. * 89 Und als (nun) von Gott eine Schrift (d.h. der Koran) zu ihnen kam, die das bestĂ€tigte, was ihnen (an Offenbarung bereits) vorlag – und vorher baten sie (doch Gott wiederholt) um eine Entscheidung gegen die UnglĂ€ubigen –, als nun das, was sie (der Sache nach bereits) kannten, (in einer neuen Offenbarung) zu ihnen kam, da glaubten sie nicht daran. Gottes Fluch komme ĂŒber die UnglĂ€ubigen! 90 Sie haben sich fĂŒrwahr auf einen schlechten Handel eingelassen, indem sie an das, was Gott (nun als Offenbarung) herabgesandt hat, nicht glauben, aus (lauter) Auflehnung (dagegen), daß Gott seine Huld (w. (etwas) von seiner Huld) herabschickt, auf wen von seinen Dienern er will. So haben sie sich Zorn ĂŒber Zorn zugezogen. Und die UnglĂ€ubigen haben (dereinst) eine erniedrigende Strafe zu erwarten. 91 Und wenn man zu ihnen sagt: â€șGlaubt (doch) an das, was Gott (nunmehr) herabgesandt hat!â€č, sagen sie: â€șWir glauben (nur) an das, was (frĂŒher) auf uns herabgesandt worden ist.â€č An das SpĂ€tere glauben sie nicht, wo es doch die Wahrheit ist, indem es bestĂ€tigt, was ihnen (bereits) vorliegt. Sag: Warum habt ihr denn frĂŒher die Propheten Gottes (immer wieder) getötet, wenn (anders) ihr glĂ€ubig seid? [Sure 2. Die Kuh: Der Koran, S. 119f (vgl. Sure 2, 87ff) (c) Verlag W. Kohlhammer ]

97 Sag: Wenn einer dem Gabriel feind ist – und der hat ihn (d.h. den Koran) doch mit Gottes Erlaubnis dir ins Herz herabkommen lassen, als BestĂ€tigung dessen, was (an Offenbarungen) vor ihm da war, und als Rechtleitung und Frohbotschaft fĂŒr die GlĂ€ubigen –, 98 wenn einer Gott und seinen Engeln und Gesandten und dem Gabriel und Michael feind ist, so ist (umgekehrt auch) Gott den UnglĂ€ubigen feind.  99 Und wir haben doch (im Koran) klare Zeichen zu dir hinabgesandt. Nur die Frevler glauben nicht daran.  [Sure 2. Die Kuh: Der Koran, S. 120 (vgl. Sure 2, 9699) (c) Verlag W. Kohlhammer]

1) Die Entstehung des Koran aus islamischer Sicht

Der Koran besteht aus 114 Suren – alle von einer Quelle, nĂ€mlich letztlich aus dem Munde Mohammeds, und wurden von seinen JĂŒngern aufgeschrieben, und zwar auf das, was gerade zur Hand war: PapyrusblĂ€tter, Pergament, Tonscherben, Stoffreste u.a.m.

Hinter dieser Genese des Koran steckt aber die Überzeugung, dass Gott selbst den Koran in arabischer Sprache auf einer ehernen (ewigen) Tafel vor aller Zeit schrieb.[vgl. die beiden Tafel der 10 Gebote] – und deshalb sei dieser die Ă€lteste und ursprĂŒnglichste Offenbarung Gottes an den Menschen. Damit diese göttliche Offenbarung zu den Menschen gelangen konnte, wurde in der  Ù„ÛŒÙ„Ű© Ű§Ù„Ù‚ŰŻŰ± “Nacht der Kraft/Bestimmung” der Koran der Engelwelt ĂŒbermittelt. “Als besonders heilig gilt die Nacht des 27. Ramadan, die »Laylat al-Qadr« Ù„ÛŒÙ„Ű© Ű§Ù„Ù‚ŰŻŰ± (Nacht der Bestimmung), in der die erste Koran-Offenbarung erfolgt sein soll.” [Lexikon des Islam: Fasten, Bd. 1, S. 242-243) (c) Verlag Herder] 

Gabriel erhielt den Auftrag, dem Rasul (Gesandter)  Mohammed die Botschaft fĂŒr die Menschen zu ĂŒbermitteln, und zwar HĂ€ppchenweise, passend zu der jeweiligen Situation.

Mohammad galt zu dieser Zeit als Hanif – Gott suchender. In seinem Ehevertrag mit Khadidscha bint Khuwailid bekam Mohammed das Recht zugesprochen, einen Monat lang jedes Jahr sich in die WĂŒste zurĂŒckziehen zu dĂŒrfen, um zu fasten und zu beten. Vorbild fĂŒr ihn waren die christlichen (oder hĂ€retischen) Einsiedlermönche, die eine asketisch-komplentatives Leben in Höhlen in großer Einsamkeit verbrachten.

FĂŒr die islamische Gelehrsamkeit ist jedoch wichtig fest zu halten, dass der Koran immer nur im Trance ĂŒbermittelt wurde  – alles andere, was Mohammed bei wachem Verstand gesagt hat gilt (nur) als Hadithe… (ob Mohammed Epileptiker war oder an einer Geisteskrankheit litt?)

Als sicher gilt jedenfalls, dass Mohammed die Koranabschnitte mĂŒndlich ĂŒberlieferte und dass seine GefĂ€hrten sich bemĂŒhten, die Verse auswendig zu lernen. (S.u. zum Thema Überlieferung des Koran zur Zeit Uthmans).

War Mohammed Analphabet? Wird von frommen Muslimen als Beweis fĂŒr den ĂŒbernatĂŒrlichen Charakter des Koran gesehen, andere halten es fĂŒr höchst unwahrscheinlich, dass ein GeschĂ€ftsmann, der mit Rechnungen und Schuldbriefen umgehen musste, Analphabet hĂ€tte sein können. Aus zu schließen ist es allerdings nicht. Es gab eine Schreiberzunft und auch Mohammed hat einen persönlichen SekretĂ€r gehabt. Bis in die Zeit der Modern hat es im Orient wohlhabende und mĂ€chtige Personen gegeben, die des Schreibens und Lesens nicht mĂ€chtig waren (vereinzelt heute noch).

Als erste Offenbarung in der Höhle am Berg Hira gilt Sure 96 (Der Klumpen/Der Embryo):

1 Trag vor im Namen deines Herrn, der erschaffen hat, 

2 den Menschen aus einem Klumpen/Embryo erschaffen hat! 

3 Trag vor! Dein höchst edelmĂŒtiger Herr ist es ja, 

4 der den Gebrauch des Schreibrohrs gelehrt hat (oder: 

der durch das Schreibrohr gelehrt hat), 

5 den Menschen gelehrt hat, was er (zuvor) nicht wußte…

[Sure 96. Der Embryo: Der Koran, Sure 96, 15, S. 1078(c) Verlag W. Kohlhammer]

ebenfalls zu den frĂŒhen Suren gehört Sure 114 (Die Menschen) und gibt Einsicht in das religiöse Verlangen Mohammeds:

Im Namen des barmherzigen und gnÀdigen Gottes.

1 Sag: Ich suche Zuflucht beim Herrn der Menschen, 

2 dem König der Menschen, 

3 dem Gott der Menschen, 

4 vor dem Unheil  von EinflĂŒsterung, – von dem heimtĂŒckischen Kerl,

5 der in die Brust der Menschen (böse Gedanken) einflĂŒstert, 

6 sei es ein Dschinn oder ein Mensch.

[Sure 114. Die Menschen: Der Koran, S. 1098, Verlag W. Kohlhammer]

Hier sehen wir auch eine der Wurzel fĂŒr das Verhalten beim rituellen Gebet, wo der zum Gebet bereite Muslim sich zum Zeichen der Buße an den Ohren packt (oder etwas verklĂ€rter die HĂ€nde wie zum Hören an die Ohren legt), sich dem guten Engel ĂŒber der rechten Schulter sich zuwendend um Schutz bittet, und dann zum bösen Engel ĂŒber seiner linken Schulter sich zuwendend diesem im Namen Allahs wehrt. Danach kommen die Verneigungen, Verbeugungen und die Halb-Prostration, bei der die Stirn auf den Boden gedrĂŒckt wird (ein blauer Fleck auf der Stirn eines Muslimen ist eine sichere Indiz, dass dieser sich als besonders fromm versteht!).

Aber zurĂŒck um Koran: Wie gesagt, die Verse des Koran wurden auswendig gelernt und “rezitiert”. Eine Anordnung war gar nicht möglich oder notwendig. Die Originalaufschriften wurden nach islamischer Tradition in einer Kiste aufbewahrt, bis eines Tages eine Ziege sich Zugang dazu verschaffte und die essbaren Teile der Originale gefressen hat


Umar hat den Auftrag gegeben, die Quellen zu vereinheitlichen (Anordnung nicht chronologisch).

Die chronologische Anordnung der Suren ist nur Islamgelehrten bekannt, wobei es keine einheitliche Sicht davon gibt.

Der Buchstabe ist heilig (Behandlung des Buchs, Amuletten und Potionen im Volksislam)

(Granth im Sikkhismus)

Die Rezitation bringt Verdienst.

Das Prinzip der Abrogation

(Nehls: Christen antworten Muslime S.25f “wie steht es mit dem exegetischen Prinzip des »mansukh« (= ein von Gott zurĂŒckgezogener Text) und »nasikh« (= der Text, der anstelle eines mansukhTextes eingesetzt wird)?

Wir mĂŒssen verstehen, daß die Verse aus Sure 2,107 und 16,102 nicht das Anliegen haben, ein besseres VerstĂ€ndnis des Textes zu ermöglichen und auch nicht gegeben wurden im Hinblick auf eine progressive Fortsetzung vorislamischer Schriften, wo Erweiterungen und neue Aspekte sicher ihren Platz hĂ€tten. Sie sind offensichtlich gegeben worden, um Verbesserungen an einem als offenbart geltenden Text, innerhalb

von etwa 20 Jahren (und meist weniger), zu rechtfertigen.

Wir verweisen hier auf das exegetische Prinzip: Wenn wir (26) wissen wollen, was ein gewisser Abschnitt wirklich bedeutet, mĂŒssen wir ermitteln, was der betreffende Text seinen ursprĂŒnglichen Hörern wirklich sagen wollte. Wie verstanden sie ihn? Erst wenn wir dies getan haben, können wir einen Text, ohne ihn zu entstellen, in unsere Gegenwartssituation hineininterpretieren.

Um die ursprĂŒngliche Bedeutung herauszufinden, sollte man sicher auch die Kommentare der alten GlaubensvĂ€ter zu Rate ziehen und sehen, wie sie den Text verstanden und interpretiert haben.

Die »Tafsir-i-Azizi« (Tafsir = Kommentar oder Auslegung) erklĂ€rt drei Arten von ZurĂŒcknahme bzw. Austausch eines Textes:

  1. wo ein Vers herausgenommen wurde und an seine Stelle ein anderer eingesetzt wurde,
  2. wo ein Gebot (oder Verbot) abgeschafft wurde, aber die Buchstaben des Textes geblieben sind,
  3. wo beides, Text und Gebot (Verbot), aus dem Text entfernt wurden.

Nach Jalalu’dDin ist die Zahl der zurĂŒckgenommenen bzw. ausgetauschten Texte zwischen 5 und 500 geschĂ€tzt worden (»Dictionary of Islam«, Seite 520).

In seinem »Itqan« stellte er eine Liste von 20 Versen zusammen, die von allen Kommentatoren als abgeÀndert anerkannt worden sind (»Dictionary of Islam«, Seite 520).

(27) Einige sollen ErwÀhnung finden:

  • Die Quibla (Gebetsrichtung) wurde von Jerusalem nach Mekka abgeĂ€ndert (Sure 2,143-145).
  • Die Teilung des Erbes, das von Eltern oder Verwandten zurĂŒckgelassen wird, soll gemĂ€ĂŸ Sure 4,8 gleichmĂ€ĂŸig erfolgen, was aber durch Vers 12 abgeĂ€ndert wurde, wo
  • befohlen wird, daß MĂ€nner den doppelten Anteil von Frauen erhalten sollen.
  • Das Nachtgebet, in dem der Koran rezitiert werden soll, sollte etwa die halbe Nacht beanspruchen 73,35). Dies wurde abgeĂ€ndert in: »daher rezitiert aus dem Koran, wie es euch leicht und möglich ist«

Aischa, Mohammeds Lieblingsfrau erklĂ€rte diesen Text als einen spĂ€ter (nach Mohammeds Tod) zugefĂŒgten Vers. Bei Ehebrecherinnen war eine lebenslĂ€ngliche Gefangenschaft vorgesehen (Sure 4,16), die aber in eine Strafe von 100 Peitschenhieben abgeĂ€ndert wurde (Sure 24,3). Dies trotz der Nachsicht die fĂŒr reumĂŒtige Homosexuelle (in Sure 4,17) vorgeschrieben ist.

Ich möchte hier außerdem auf einen Text verweisen, der nicht mehr im Koran enthalten ist, nach dem Ehebrecher zu Tode gesteinigt werden sollen. Vergeltungsmaßnahmen in FĂ€llen von Verbrechen, besonders von Mord, sollten auf Menschen gleichen Ranges beschrĂ€nkt bleiben (ein Sklave fĂŒr einen Sklaven, ein Freier fĂŒr einen Freien, ein weibliches Wesen fĂŒr ein weibliches Wesen usw., Sure 2,179). Dies widerspricht Sure 5.46 und Sure 17.34, wo Vergeltungsmaßnahmen nur gegen den Mörder angewandt werden dĂŒrfen (Leben fĂŒr Leben, Auge um Auge etc.).

Der Jihad oder der Heilige Krieg war wĂ€hrend der heiligen Monate verboten (Sure 9,5); aber in Vers 36 ist er nicht nur erlaubt, sondern man wird dazu geradezu  ermutigt, was natĂŒrlich den erstgenannten Vers aufhebt.

Der Orientalist und Islamologe John Burton schreibt: »Sure 2,10 steht am Beginn einer Reihe von durchgreifenden VerĂ€nderungen oder Modifizierungen die von Mohammed sowohl auf ritueller als auch auf gesetzlicher Ebene eingefĂŒhrt wurden. Der Vers leitet somit die Änderung der Quibla (Verse 116, 178, 125252); der Riten fĂŒr Pilgerreisen (Vers 158); gewisser DiĂ€tvorschriften (Verse 168174); des Rachegesetzes (Verse 178179); der Regelung von Hinterlassenschaften 27

2) Die Entstehung der Bibel (aus christlicher Sicht)

66 Kanonische BĂŒcher, Hunderte von Autoren! Kollektivwerk!

A) Durch genaues Erforschen:

Lk 1,1ff 1 Viele haben es schon unternommen, Bericht zu geben von den Geschichten, die unter uns geschehen sind, 2 wie uns das ĂŒberliefert haben, die es von Anfang an selbst gesehen haben und Diener des Worts gewesen sind.  3 So habe auch ich’s fĂŒr gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfĂ€ltig erkundet habe, es fĂŒr dich, hochgeehrter Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben, 4 damit du den sicheren Grund der Lehre erfĂ€hrst, in der du unterrichtet bist.

1 Petr 1,10ff Nach dieser Seligkeit haben gesucht und geforscht die Propheten, die von der Gnade geweissagt haben, die fĂŒr euch bestimmt ist,11 und haben geforscht, auf welche und was fĂŒr eine Zeit der Geist Christi deutete, der in ihnen war und zuvor bezeugt hat die Leiden, die ĂŒber Christus kommen sollten, und die Herrlichkeit danach. 12 Ihnen ist offenbart worden, dass sie nicht sich selbst, sondern euch dienen sollten mit dem, was euch nun verkĂŒndigt ist durch die, die euch das Evangelium verkĂŒndigt haben durch den heiligen Geist, der vom Himmel gesandt ist,  was auch die Engel begehren zu schauen.

B) Menschen Machen Erfahrungen mit Gott und erkennen daraus den Willen Gottes 

(Jakob, Josef, Psalmen)

C) Menschen empfangen durch Offenbarung den Willen Gottes, der Sie betrifft (Abraham, Jakob, Joseph, die Propheten des AT, Offenbarung des Johannes)

2.Tim 3,16 Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nĂŒtze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit,

2.Petr 1,1921 Um so fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, daß ihr darauf achtet… 20 Und das sollt ihr vor allem wissen, daß keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist. 21 Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern [a] getrieben von dem heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet.

Eine FĂŒlle von Autoren, Eine Kette von Zeugen

(Hebr 12,1: Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, laßt uns ablegen alles, was uns beschwert, und die SĂŒnde, die uns stĂ€ndig umstrickt, und laßt uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist)

Die Botschaft ist heilig

das Befolgen ist entscheidend!

II Zwei Botschaften

viele Gemeinsame Elemente und Geschichten (Abraham, Joseph, Jesus, Mara –  Jungfrauengeburt)

Unter den Propheten haben wir einige vor anderen bevorzugt. Mit einigen sprach Gott selbst, andere bevorzugte er noch mehr. Dem Jesus, Sohn Miriams, gaben wir Wunderkraft, und rĂŒsteten ihn mit dem heiligen Geist aus. HĂ€tte Gott es gewollt, so wĂŒrden die spĂ€ter Lebenden, nachdem ihnen so deutliche Belehrung zuteil geworden ist, nicht verschiedener Ansicht sein. Aber sie sind verschiedener Meinung; einer glaubt, der andere leugnet. Wenn Gott es nur wollte, sie stritten nicht miteinander. Aber Gott tut, was er will. 2, 253

– Abweichungen (Isaak, Jesus – Kreuzigung, heilige Geist) werden unterschiedlich erklĂ€rt:

Islam: Das Injil ist korruptiert worden (Paraklet)

61,611

6  Und als Jesus, der Sohn Marias, sagte: »O Kinder Israels, ich bin der Gesandte Gottes an euch, um zu bestĂ€tigen, was von der Tora vor mir vorhanden war, und einen Gesandten zu verkĂŒnden, der nach mir kommt: sein Name ist Ahmad* 187.« Als er nun mit den deutlichen Zeichen zu ihnen kam, sagten sie: »Das ist eine offenkundige Zauberei.«

[Koranstellen: Lexikon des Islam, S. 1777

(vgl. LdIslam Bd. 3, S. 903) (c) Verlag Herder]

*(oder:“hochgelobt“, so Paret)

Christentum: Die hĂ€retischen Quellen sind falsch, bzw Mohammed hat christliche Texte nur ungenau ĂŒbermittelt bekommen oder schlicht falsch verstanden (ostsyrische Quellen?)

Darauf sagt Gott: O du Jesus, Sohn der Maria, gedenke meiner Gnade gegen dich und deine Mutter, ich habe dich ausgerĂŒstet mit dem heiligen Geist, damit du schon in der Wiege zu den Menschen reden konntest, und auch, als du herangewachsen bist; ich lehrte dich die Schrift und die Weisheit, die Thora und das Evangelium. Du schufst mit meinem Willen die Gestalt eines Vogels aus Ton; du hauchtest in ihn, und mit meinem Willen wurde er ein wirklicher Vogel. Mit meinem Willen heiltest du einen Blindgeborenen und einen AussĂ€tzigen, und mit meinem Willen brachtest du Tote aus ihren GrĂ€bern. Ich hielt die Kinder Israels ab, Hand an dich zu legen, als du mit deutlichen Beweisen zu ihnen kamst, und sie, welche nicht glaubten, sagten: Dies ist alles offensichtliche TĂ€uschung. 5, 110

gnostische Texte und Vorstellungen!

1) Islam heißt Unterwerfung

die fĂŒnf SĂ€ulen des Islam

Iman (Shahada)

Soum

Schirk – Gott hat keinen Freund und keinen Partner (Sufis verfolgt)

Sprich: So hat ihn der heilige Geist (Gabriel) von deinem Herrn in Wahrheit herabgebracht, die GlĂ€ubigen zu stĂ€rken, und als eine Leitung und frohe Botschaft fĂŒr die Moslems. 16, 102

2) Nach der Bibel wird im Glauben an Jesus Christus durch die Innewohnung des heiligen Geistes der Mensch zum Kind Gottes

Habib – warum sĂŒndigt ihr Christen nicht?

die Mission Gottes in der Bibel  

Mt. 28,18-20;

Mt 11,28-30 Kommt her zu mir, alle, die ihr mĂŒhselig und beladen seid; ich will euch erquicken. [a] a) Kap 12,20; 23,4; Jer 31,25

29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmĂŒtig und von Herzen demĂŒtig; so werdet ihr [a]Ruhe finden fĂŒr eure Seelen. a) Jes 28,12; Jer 6,16  30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.[a] a) Lk 11,46; 1.Joh 5,3

Mt 12,20; 23,4; Jer 31,25

20 das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er das Recht hinausfĂŒhrt zum Sieg;  4 [a]Sie binden schwere und unertrĂ€gliche BĂŒrden und legen sie den Menschen auf die Schultern; aber sie selbst wollen keinen Finger dafĂŒr krĂŒmmen. a) Kap 11,28-30; Apg 15,10.28

25 denn ich will die MĂŒden erquicken und die Verschmachtenden sĂ€ttigen.«

A) Da’wa – Dar ul Islam – die Einladung

Ummah, Dhimmi

B) Gehet hin – die Suche

Ich bin gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist

weder Jude noch Grieche

Gal 3,28 Hier ist [a] nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn [b] ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.

Kol 3,11 Da ist nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Sklave, Freier, sondern alles und in allen Christus. [a]

Gott suchet noch

Die Liebe ist der Weg (Balqis Scheich)

In der Bibel geht es in erster Linie um die Liebe Gottes zu den Menschen – im Koran geht es um die Ehre Gottes.

 

 

[1] Huntington, Samuel P. The Clash of Civilizations and the Remaking of World Order. New edition. Simon & Schuster UK, 2002.

———. Kampf der Kulturen: Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert: The Clash of Civilizations. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert. 1. Auflage. btb Verlag, 1998.

Bibel und Koran, zwei BĂŒcher, zwei Botschaften

VortrÀge bei der Hafacker Abendbibelschule

 

1.) ABS2015LustnauI-Mo

2.) ABS2015LustnauII-Di

3.) ABS2015LustnauIII-Mi

4.) ABS2015LustnauIV-Do

5.) ABS2015LustnauV-Fr

 

Literaturempfehlungen

Der Koran ist zwar die als Offenbarung anerkannte Grundlage des Islam in allen Richtungen des Islam, die Interpretation des Korans ist aber der SchlĂŒssel zum VerstĂ€ndnis der verschiedenen AusprĂ€gungen dieser Religion/Lebensweise. Es gibt zwei maßgebliche AutoritĂ€ten in allen orthodoxen Schulen des Islam, die die Interpretation des Islam bestimmen, nĂ€mlich die Überlieferungen dessen, was Mohammed selbst erklĂ€renderweise gesagt (hadith – Mehrzahl ahadith) und wie er persönlich gehandelt hat (Sirat-an-Nabi/Biographie Mohammeds durch Ibn Hischam/Ibn Ischhak sowie weitere Quellen der Sunnah).

Eine Zusammenfassung der ahadith/Hadithen  


Die Biographie Ibn Hishams (die moderne Ausgabe s.O.)

oder die historische Ausgabe:

Hishām, Ê»Abd al-Malik Ibn, Muáž„ammad Ibn Isងāq, und Gustav Weil. Das Leben Mohammed’s. J. B. Metzler, 1864.

Ein grĂŒndliches, aber gleichzeitig leicht verstĂ€ndliches Buch ist:

Troeger, Eberhard. Islam im Aufbruch, Islam in der Krise? Brockhaus R. Verlag GmbH. Wuppertal; Giessen: Brockhaus R. Verlag GmbH, 1985.

 

Bei Amazon ab 0,01€ zu kaufen (plus Versand, NatĂŒrlich):

http://www.amazon.de/gp/product/3417122414/ref=olp_product_details?ie=UTF8&me=

 

Auf Englisch sehr eingÀngig aus Konvertitenperspektive:

Caner, Ergun Mehmet, und Emir Caner. Unveiling Islam: An Insider’s Look at Muslim Life and Beliefs. Updated, Expand. Kregel Pubn, 2009.

 

Die BĂŒcher von Adel Theodor Khoury, em. Prof. fĂŒr Rel.-Wiss. MĂŒnster und Libanese mit christlichem Hintergrund sind grundsĂ€tzlich solide – wenn auch manchmal ein bisschen sehr vermittelnd (vgl. Khalil Gibrain):

 

Adel Theodor Khoury: Der Islam und die westliche Welt – Religiöse und politische Grundfragen, o. J.

„Amazon.com Link.“ Zugegriffen 2. September 2015. http://www.amazon.de/Adel-Theodor-Khoury-politische-Grundfragen/dp/B0088NXKBM/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1441198268&sr=1-1&keywords=adel+theodor+khoury+Der+Islam+und+die+westliche+Welt.

„Amazon.com Link.“ Zugegriffen 2. September 2015. http://www.amazon.de/Muhammad-Botschaft-Adel-Theodor-Khoury/dp/3451298252/ref=sr_1_3?s=books&ie=UTF8&qid=1441198136&sr=1-3&keywords=adel+theodor+khoury.

Khoury, Adel Theodor. Der Koran: Erschlossen und kommentiert. 2. Aufl. DĂŒsseldorf: Patmos Verlag, 2005.

———. Muhammad: Der Prophet und seine Botschaft. 1. Aufl. Freiburg, Br.; Basel; Wien: Verlag Herder, 2008.

 

Das Lexikon, an dem er mitgewirkt hat, ist sehr hilfreich:

Khoury, Adel Th, Ludwig Hagemann, und Peter Heine. Islam-Lexikon A – Z: Geschichte – Ideen – Gestalten. 1., erw. u. aktualis. Neuausg. Freiburg: Herder Freiburg, 2006.

Lexikon des Islam (gibt es auch als CD-ROM von der Digitalen Bibliothek/Direktmedia Publishing)

 

 

Die beste Koranausgabe ist immer noch m.E. die von Rudi Paret (mit Kommentar):

 

Paret, Rudi. Der Koran, Kommentar und Konkordanz: Kommentar und Konkordanz von Rudi ParetTaschenbuchausgabe. 8. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer, 2012.

(gibt es auch als CD-ROM von der Digitalen Bibliothek/Direktmedia Publishing)

 

Unschlagbar sind die Werke von Tilman Nagel, Patrick Sookhdeo, Bat Bat Ye’or und Hans-Peter Raddatz. Nagel vor allem fĂŒr das fortgeschrittene Studium des Islam.

 

VortrĂ€ge Bibel und Koran, zwei BĂŒcher, zwei Botschaften

Hofacker Abendbibelschule:

Bibel und Koran, zwei BĂŒcher, zwei Botschaften

1.) ABS2015LustnauI-Mo

2.) ABS2015LustnauII-Di

3.) ABS2015LustnauIII-Mi

4.) ABS2015LustnauIV-Do

5.) ABS2015LustnauV-Fr

Die jĂŒdisch-christliche Überlieferung und der Islam

Jesus is eine wichtige Gestalt im Koran

FĂŒr den Koran, den Mohammed in Abschnitten zu verschiedenen Zeiten und AnlĂ€ssen seinen Nachfolgern stets mĂŒndlich vorgetragen hat, steht der Glaube der Muslime in einer ungebrochenen Tradition von Adam ĂŒber Abraham, Mose und die Propheten, inklusive Jesus (Koran Sure 3,84; 4,163. Mohammed ist der letzte Prophet in einer kontinuierlichen Reihe. Der Islam sieht Jesus als zweitwichtigsten Propheten nach Mohammed. Als Überbringer des „Indschil“ (Lehnwort im Arabischen von „Evangelium“) hat er den Willen Allahs den Heiden verkĂŒndet (Koran 2,87.136.253). „Evangelium“ ist fĂŒr Muslime allerdings lediglich die Bezeichnung fĂŒr das „Buch“ Neues Testament, nicht die „Frohbotschaft“ von der Erlösung durch Jesus Christus, wie Christen den Begriff verwenden. Der Koran berichtet davon, dass Jesus Wunder getan hat (3,49; in Anlehnung an das gnostische Thomas-Evangelium auch schon als Kind). Auch davon, dass Jesus „Christus“ (wird als Eigennamen, nicht als Messiastitel verstanden) von der Jungfrau Maria durch ein Wunder Gottes geboren wurde, berichtet der Koran: durch einen göttlichen Schöpfungsakt (19,20 f),  bzw. durch das Einhauchen des Geistes (19,22). Allerdings sieht der Koran ihn nur als einen Propheten, und nicht als Sohn Gottes, der fĂŒr die SĂŒnden der Welt gestorben wĂ€re. So z.B. Koran 4,171f  „ Leute der Schrift! Treibt es in eurer Religion nicht zu weit und sagt gegen Gott nichts aus, als die Wahrheit! Christus Jesus, der Sohn der Maria, ist nur der Gesandte Gottes und sein Wort, das er der Maria entboten hat, und Geist von ihm. Darum glaubt an Gott und seine Gesandten und sagt nicht (von Gott, daß er in einem) drei (sei)! Hört auf (so etwas zu sagen)! Das ist besser fĂŒr euch. Gott ist nur ein einziger Gott. Gepriesen sei er! (Er ist darĂŒber erhaben) ein Kind zu haben. Ihm gehört (vielmehr alles), was im Himmel und auf der Erde ist. Und Gott genĂŒgt als Sachwalter. |172 Christus wird es nicht verschmĂ€hen, ein (bloßer) Diener Gottes zu sein, auch nicht die (Gott) nahestehenden Engel.“  (Zitiert nach der Übersetzung von Rudi Paret)

Der Islam ist auf dem Boden der jĂŒdisch-christlichen Offenbarung entstanden

Mohammed hat Kontakt zu Christen und Juden von seiner Jugend an gehabt und steht in dieser Tradition. Vor allem bis zu dem Zeitpunkt seines Auszugs aus Mekka 622 n. Chr. verstand er sich als Geistes- und Seelenverwandter der Juden und Christen. Er gehörte zu einer Bewegung von Menschen, die sich „HanÄ«f“ (vgl. Koran 3,67; 6,79; 10,105; 16,120; 30,30) nannten und in Ablehnung der Vielgötterei den wahren Gott suchten. Mohammed sah sich eindeutig in der Tradition Abrahams, Moses, Davids und Jesu. Ein Teil seiner frĂŒhen AnhĂ€nger ist auf Grund der Verfolgung durch die Mekkaner in das christliche Reich Aksum geflohen, wo sie angeblich den Negus, den christlichen Herrscher von ihrer RechtglĂ€ubigkeit ĂŒberzeugen konnten. Es gab spĂ€ter Versuche, die Christen von Aksum (vielleicht auch von Nadschran, einer Stadt im SĂŒdwesten Arabiens an der Grenze zum Jemen), zu ĂŒberzeugen, dass  Mohammed es nicht im Sinn hatte, eine neue Religion zu grĂŒnden, sondern sich als Reformer verstand, der die Menschen zum wahren Glauben, zur Unterwerfung unter den alleinigen Gott zurĂŒckfĂŒhren wollte. Bein einem Besuch von diesen Christen in Medina bei Mohammed hat dieser ihren Glauben bestĂ€tigt: Die Ă€lteste erhaltene Biographie Mohammeds von Ibn Hischam zitiert den Koran (28,53) „Diejenigen, denen wir die Schrift frĂŒher schon gegeben haben, sie glauben daran; und wenn sie ihnen vorgetragen wird, dann sprechen sie: Wir glauben daran. Wahrlich, das ist die Wahrheit von unserem Herrn. Wirklich, wir waren schon frĂŒher Moslems (an Gott Ausgelieferte)“.

Islam heißt Unterwerfung unter Allah

Christen – und manchen Muslimen – ist es nicht bekannt, dass Mohammed die Begriffe „Islam“ und „Muslim“ nur als „Gottergebenheit“ bzw. „Unterwerfung unter Gott“ und „Gottergebener“ bzw. „Gott Unterworfener“ verwendet hat. In diesem Sinn sind auch die GlĂ€ubigen Juden z.Zt. Moses „Muslime“ (Koran 10,84;  Koran 16,43 sagt ausdrĂŒcklich  „Und wir haben vor dir immer nur MĂ€nner (als unsere Gesandten) auftreten lassen, denen wir (Offenbarungen) eingaben. Fragt doch die Leute der (frĂŒheren) Mahnung (d.h. Angehörige der frĂŒheren Offenbarungsreligionen), wenn ihr nicht Bescheid wisst! 44 (Wir haben sie) mit den klaren Beweisen und den BĂŒchern (gesandt). Und wir haben (nunmehr) die Mahnung (d.h. den Koran) zu dir hinabgesandt, damit du den Menschen klarmachst, was (frĂŒher) zu ihnen hinabgesandt worden ist, und damit sie vielleicht nachdenken wĂŒrden.“  „Das sind die Leute der Schrift.” (Jami‘-ul-Bayan Fi Tafsir Al-Qur’an von At-Tabari, Band 14 Seite 144). FĂŒr Mohammed war der Islam die universale, ewig gĂŒltige Religion, in der auch die biblische Tradition stand.

Auch weitere biblische Gestalten des Alten Testaments wie Josef, Aaron, Hiob gehören zum Traditionsgut der Muslime und kommen im Koran vor. Abraham, Noah, Josef, Jona und Maria bekommen im Koran sogar je eine eigene Sure (Abschnitt). Allerdings gehen die Darstellungen im Vergleich zu den biblischen Berichten teilweise sehr weit auseinander. Die offizielle ErklĂ€rung der muslimischen Theologen dazu ist, dass die Christen und Juden nachtrĂ€glich ihre Schriften verfĂ€lscht hĂ€tten, ursprĂŒnglich seien sie aber Einklang mit dem Koran gewesen. Nach dem VerstĂ€ndnis des Islam sind die Berichte von biblischen Personen im Koran nicht einfach geschichtliche Überlieferungen – auch nicht von inspirierten Texten frĂŒherer Autoren, sondern direkte Offenbarungen Allahs an Mohammed durch den Erzengel Dschibril (Gabriel). Das erschwert natĂŒrlich das GesprĂ€ch mit Muslimen in diesem Punkt, denn es gibt keine erhaltenen Texte aus der Antike, die diese These der Islamgelehrten unterstĂŒtzen könnte, wĂ€hrend wir als Christen an der IntegritĂ€t der Bibeltexte festhalten (Das sogenannte „Barnabasevangelium“ , auf das Islamgelehrte in dieser Frage verweisen, ist ein spĂ€tmittelalterlicher Text).

FĂŒr den Koran sind die GlĂ€ubigen des Alten wie des Neuen Testaments „Muslime“

Der Koran sieht die Gestalten des Alten wie des Neuen Testaments als wahre Muslime, deren Tradition durch die VerfĂ€lschung der biblischen Texte verderbt worden sei. Von daher fĂŒhren die DialoggesprĂ€che ĂŒber die Richtigkeit der Texte des Koran und der Bibel in eine Sackgasse. Weil fĂŒr die Muslime der Koran schon vor Zeit und Ewigkeit von Allah im Himmel auf einer großen Tafel aufgezeichnet worden sei und einzig und allein nach und nach Mohammed ĂŒber die Mittlerschaft der Engelwelt offenbart wurde, habe der Text der Koran die ursprĂŒngliche Bedeutung der göttlichen Offenbarung beibehalten.

Solche Muslime, welche die Bibel lesen, sind allerdings oft beeindruckt von der Klarheit und der Botschaft der Texte. Im Vergleich zum Koran ist die Bibel sehr eingĂ€ngig und logisch, auch im Aufbau. Am meisten sind Muslime von den Evangelienberichten von Jesus und seiner Botschaft beeindruckt. Der Streit darĂŒber, welcher Text Recht hat, bringt im GesprĂ€ch mit Muslimen nicht weiter. Vielmehr muss nach der Wirkung des Textes gefragt werden. Was macht das Lesen der Texte mit einem? VerĂ€ndert die Botschaft des heiligen Textes das Leben? Nicht die geschichtliche Herkunft der Texte ist in diesem Fall entscheidend, sondern ihre Wirkkraft auf das Leben!