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NACHFOLGE JESU – IM ERNST!

 

Vom Ernst der Nachfolge Lk 9,23-26

hier die Audiodatei:

 

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Vom Ernst der Nachfolge Lk 9,23-26

Baptistengemeinde Trossingen 28.5.2017

Lk 9,23-26 Vom Ernst der Nachfolge

23 Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich tĂ€glich und folge mir nach. 24 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s erhalten.  

25 Denn welchen Nutzen hÀtte der Mensch, wenn er die ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst oder nÀhme Schaden an sich selbst?

26 Wer sich aber meiner und meiner Worte schÀmt, dessen wird sich der Menschensohn auch schÀmen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel.

Manfred Seitz:  Erster Schritt ist, die Betroffenheit festzuhalten!

Meine persönliche Betroffenheit: Bin ich MitlÀufer oder Nachfolger?

Das ist die Frage, die Jesus mit diesem Text an uns zunÀchst stellt.

1.) laufe ich mit, oder folge ich nach?

Das Wort “MitlĂ€ufer” hat bei uns einen schlechten Klang. MitlĂ€ufer haben einen schlechten Ruf. MitlĂ€ufer haben kein RĂŒckgrat, wissen nicht was sie wollen, können sich nicht entscheiden… Ich möchte das hinterfragen. Immerhin ist es so, dass nicht jeder mitgelaufen ist, damals als Jesus in die Nachfolge einlud!

Mit zu laufen ist nicht jeder bereit… Auch das Mitlaufen verlangt eine bewusste Entscheidung. Interessiert mich das? Lass ich mich darauf ein? Bin ich bereit, zu zu hören? Mitten drin statt nur dabei? Geht es darum? Wir haben uns damit abgefunden, dass wir weithin eine MitlĂ€uferkirche geworden sind. Oh ja, wir sind dabei, wir wollen auf Jesus hören – wollen auch die Gemeinschaft mit ihm und miteinander nicht missen, aber Jesus ist das zu wenig…

Lk 14 25 Es ging aber eine große Menge mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen:

26 Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, BrĂŒder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein JĂŒnger sein. 27 Und wer nicht sein Kreuz trĂ€gt und mir nachfolgt, der kann nicht mein JĂŒnger sein.

Viele Menschen sind Jesus nachgelaufen. Die Speisung der FĂŒnftausend. Die Speisung der Viertausend


Viele Menschen sind auch mitgelaufen. Darunter waren Leute wie der reiche JĂŒngling, der sogar nachfolgen wollte, aber den Preis der Nachfolge nicht bezahlen wollte


Jugendfreund, der sich wieder von Jesus lossagte


In unserem Abschnitt aus Lk 9 wird es deutlich: Jesus will Nachfolger, nicht MitlÀufer!

Wer Jesus nachfolgen will, muss es mit dem Kreuz aufnehmen – er muss sein Kreuz tĂ€glich auf sich nehmen!

Was heißt das? (Kreuzigungsvorgang – patibulum auf den Axeln tragen – ein Strich durch das Leben – Ausschluss aus der Gesellschaft)

Wer Jesus nachfolgen will, muss ganz und gar ihm gehören. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Welt auf mich keinen Anspruch mehr hat – und ich nicht auf die Welt. Wir sind in der Welt, aber nicht von der Welt. Wir ecken an. Der Anspruch Jesu eckt an!

Jesus hat nicht dazu aufgefordert, einer Kirche bei zu treten. Er rief in die Nachfolge!

Alfred Loisy sagte: Jesus kĂŒndigte das Reich Gottes an und es ist die Kirche, die gekommen ist. („JĂ©sus annonçait le Royaume et c’est l’Église qui est venue“: Loisy 1902)

Zu welchem Reich gehöre ich?

Bin ich MitlÀufer in der Gemeinde oder Nachfolger Jesu Christi?

An Jesus scheiden sich die Geister.

Du kannst nur fĂŒr Jesus oder gegen ihn sein – In unzĂ€hligen Entscheidungen jeden Tag entscheiden wir uns fĂŒr oder gegen Jesus – wie wir auf eine schnippische Bemerkung reagieren, was wir denken und sagen, wie wir mit Gottes guten Gaben haushalten…

2.) Der Preis der Nachfolge

Diese Thema ist zentral. Das Lukasevangelium kommt immer wieder darauf zurĂŒck (aber auch die anderen Evangelien!). Der große Kontext:

{Lk 12,16- 21 (20f) Der reiche Kornbauer

16 Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. 17 Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine FrĂŒchte sammle. 18 Und sprach: Das will ich tun: ich will meine Scheunen abbrechen und grĂ¶ĂŸere bauen, und will darin sammeln all mein Korn und meine VorrĂ€te 19  und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat fĂŒr viele Jahre; habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut!

20 Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehÀuft hast? 21 So geht es dem, der sich SchÀtze sammelt und ist nicht reich bei Gott. }

Die Trennung zwischen JĂŒnger Jesu und Welt greift bis in die Kernfamilie hinein:

Lk 12,51-53 Meint ihr, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht. 52 Denn von nun an werden fĂŒnf in einem Hause uneins sein, drei gegen zwei und zwei gegen drei. 53 Es wird der Vater gegen den Sohn sein und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen die Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

Wer sich fĂŒr Jesus entscheidet, entscheidet sich gegen die Welt. Wer das Leben im Sinne der Welt sucht (Ruhm, Reichtum, Macht, Sicherheit), wird das ewige Leben nicht darin finden können! Der Gedanke aus unserem Text (Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s erhalten.

25 Denn welchen Nutzen hÀtte der Mensch, wenn er die ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst oder nÀhme Schaden an sich selbst?) wird Lk 17,33 wiederholt  Wer sein Leben zu erhalten sucht, der wird es verlieren; und wer es verlieren wird, der wird es gewinnen. 

hassen und lieben

prioritÀten setzen

sich fĂŒr einen oder den anderen entscheiden.

sein Kreuz tragen

die Kosten ĂŒberschlagen

loslassen und lossagen

frei sein fĂŒr Jesus

(Feuer/EntfĂŒhrung) wir definieren uns von dem her, was wir haben – bzw. Meinen zu haben…

Ich will Ihnen erzĂ€hlen vom erfolgreichen Rechtsanwalt, der die Aufforderung Jesu an den reichen JĂŒngling zu Herzen nahm. Das Zeugnis, das er gab, hat mich tief beeindruckt. Ich war damals 15 Jahre alt, es war die erste Freizeit, auf die ich alleine gegangen war, ohne irgendwelche Freunde oder Familie. Die Freizeit war auf einer Insel vor Vancouver Island. Ich weiß nicht mehr wie ich hingekommen oder wie ich nach hause gekommen bin. Ich weiß auch sonst nicht was wir dort gemacht haben – außer meinem ersten Kuss ;-), aber diese eine Veranstaltung habe ich habe ich immer noch vor mir: Wir sind an die 300 Jugendliche in einem großen, rustikalen Saal und warten auf den Redner. Seine Termine seien so eng, dass er mit einem WassertrĂ€gerflugzeug reingeflogen wird. Wir singen, es gibt Anspiele – und dann hören wir das Dröhnen des Flugzeugmotors, das immer lauter wird. Durch die großen Fensterscheiben sehen wir, wie das Flugzeug an der Bootsanlegestelle andockt und unser Redner aussteigt. Er wird direkt auf die BĂŒhne gefĂŒhrt – er hat nur eine Stunde Zeit, aber er will uns unbedingt erzĂ€hlen, was sein Leben verĂ€ndert hat.

Er ist eine eher unscheinbare Gestalt im kurzĂ€rmligen Hemd und schwarzer Buntfalthose. Aber unsere Aufmerksamkeit hat er sofort. Er erzĂ€hlt aus seinem Leben, wie er als Junger Rechtsanwalt seine Bibel gelesen hatte – die Geschichte vom reichen JĂŒngling. Da wurde ihm sofort klar: “Du bist gemeint! Du sollst all deine Habe verkaufen und es den Armen geben. Dein Leben soll mir gehören!” So klang die Stimme Gottes in seinem Herzen. Er erzĂ€hlte das seiner Frau. Erstaunlicherweise ließ sie sich darauf ein – obwohl sie ein Baby hatten. So beschlossen sie, das Haus mit allem was drin war – auch in der Garage – zu verkaufen und es den Armen zu geben. Sie behielten lediglich den Kinderwagen und WĂ€schewechsel fĂŒr das Kind – und beim Verlassen des Hauses sah die Frau noch ihr ErbstĂŒck, eine Vase von der Uroma, im Regal stehen. Sie steckte die Vase in den Kinderwagen und sie gingen in ein Motel.

Aber alles kam anders als erwartet. Statt in einen geistlichen Dienst gefĂŒhrt zu werden, konnte der Mann sich vor Mandanten nicht mehr retten. Rechtsstreitigkeiten mit hohem Streitwert machten ihn binnen kĂŒrzester Zeit noch viel reicher als er es zuvor gewesen war (man denke an Hiob). Die beiden begriffen, dass Gott sie in dem Beruf gebrauchen wollte – aber als solche, die nicht von ihrem Besitz abhĂ€ngig waren.

Es waren die flower-power Jahre der frĂŒhern Sechziger. Junge Menschen suchten nach alternativen Lebensstilen. Die Hippies fielen ĂŒberall auf. Das Ehepaar kaufte ein großes Haus,

aber alles als Gottes Gabe und Gottes Eigentum betrachtete und den Hippies die TĂŒren offen hielt. Es waren immer welche da, die auf den Sofas oder dem mit dickem  Nichts wurde in all den Jahren gestohlen  außer der Vase!

3.) Der Lohn der Nachfolge

Nur durch Nachfolge komme ich ins Ziel

wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s erhalten

Lk 18,28-30 Der Lohn der Nachfolge

28 Da sprach Petrus: Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt. 29 Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Frau oder BrĂŒder oder Eltern oder Kinder verlĂ€sst um des Reiches Gottes willen, 30 der es nicht vielfach wieder empfange in dieser Zeit und in der zukĂŒnftigen Welt das ewige Leben.

{Matt 6,33 Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.}

Wer nicht bereit ist, Jesus Christus ĂŒber Vater, Mutter, Frau oder Mann und Kinder zu stellen, wird nicht erfahren, was es heißt, vom Himmlischen Vater getragen zu werden und hundertfache Geschwister im Glauben zu bekommen.

„Wer die Sicherheit des Flugzeugs nicht hinter sich lĂ€sst, kann nicht erfahren, dass ein Fallschirm trĂ€gt
“

noch mal:

Lk 9,23-26 Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich tĂ€glich und folge mir nach. 24 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s erhalten.  

25 Denn welchen Nutzen hÀtte der Mensch, wenn er die ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst oder nÀhme Schaden an sich selbst?

26 Wer sich aber meiner und meiner Worte schÀmt, dessen wird sich der Menschensohn auch schÀmen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel.

In Jesu Fussstapfen gehen – wwjd

Uns Jesu Christi nicht schĂ€men – Paulus!

pers. Zeugnis

PrioritÀten setzen.

Das Kreuz (tÀglich) auf sich nehmen!

SL Lk 14 25-33

25 Es ging aber eine große Menge mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen:

26 Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, BrĂŒder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein JĂŒnger sein. 27 Und wer nicht sein Kreuz trĂ€gt und mir nachfolgt, der kann nicht mein JĂŒnger sein. 

28 Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und ĂŒberschlĂ€gt die Kosten, ob er genug habe, um es auszufĂŒhren,  29 damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann’s nicht ausfĂŒhren, alle, die es sehen, anfangen, ĂŒber ihn zu spotten,

30 und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann’s nicht ausfĂŒhren?

31 Oder welcher König will sich auf einen Krieg einlassen gegen einen andern König und setzt sich nicht zuvor hin und hĂ€lt Rat, ob er mit Zehntausend dem begegnen kann, der ĂŒber ihn kommt mit Zwanzigtausend? 32 Wenn nicht, so schickt er eine Gesandtschaft, solange jener noch fern ist, und bittet um Frieden.

33 So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein JĂŒnger sein.

 

 

500 Jahre Reformation – immer noch Grund zum Feiern?

Vortrag zum Reformationsfest, gehalten an Allerheiligen, 1.11.2016 in der evangelischen Kirche RĂŒbgarten zum Auftakt des Festjahres

Vortragsfolien als PDF-Datei

500 Jahre Reformation – immer noch Grund zum Feiern?

Audiodatei:

500 Jahre nach Beginn der Reformation brauchen wir selbst als Kirche und Gesellschaft eine Reformation an Haupt und Gliedern nötiger denn je. Alle 500 Jahre beginnt eine neue Epoche. Wie um 1500 das mit der Reformation geschah, sind wir auch heute an der Schwelle zu einer neuen Epoche. Dass die etablierten Kirchen darauf nicht vorbereitet sind – nicht einmal ein Konzept haben, hat Paul Bernhard Roten in seinem kleinen, aber wichtigen BĂŒchlein „Auf Sand gebaut“ (Rothen, Paul Bernhard. Auf Sand gebaut. Warum die evangelischen Kirchen zerfallen. 2. Aufl. Wien: LIT Verlag, 2015.) sehr aufschlussreich gezeigt. Der Erste Teil des Vortrags geht auf die gesellschaftlichen VerĂ€nderungen, die zur Epochenbildung fĂŒhren, ein. Der Zweite Teil widmet sich der ersten HĂ€lfte von Rochens Buch.

Zeit – verliehen, verloren, verheißen!

(PDF-Download: Zeit_verliehen_verloren_verheissen Vortrag PM_ĂŒberarb)

(Hauptvortrag beim TurmTreff/Jahresfest des ABH Jan. 2015)

Die Zeit ist ein Geschenk Gottes. Sie ist uns verliehen. Sie ist eine Dimension der Schöpfung Gottes, die uns gegeben wurde, um uns das Leben zu ermöglichen. Von diesem Geschenk, das uns verliehen ist, machen wir unterschiedlich Gebrauch. Wo wir es nicht im Sinne unseres Schöpfers tun, wird die Zeit zu verlorener Zeit. Dabei steht die Zeit als Geschenk Gottes unter seinen Verheißungen.

Zeit – verliehen, verloren, verheißen. Diese ZusammenhĂ€nge möchte ich mit Ihnen zum Auftakt unseres diesjĂ€hrigen „Turmtreffs“ im Albrecht-Bengel-Haus erkunden. Viele Gedanken, die ich hier streifen werde, werden in den Seminaren dieses Turmtreffs Vertiefung finden.

Das Alte Testament beschĂ€ftigt sich in einer grundlegenden Art und Weise mit dem Thema Zeit. Dabei verwendet es gewöhnlich den Begriff „Tag“, wie wir es aus der Schöpfungsgeschichte kennen, oder „Stunde“. Etwa „in den Tagen“ Noahs, von der vergangenen Zeit gesprochen, und von der Zukunft gesprochen „in jenen Tagen“
 (Jer). Jesus sagte zu seiner Mutter: Meine Stunde ist noch nicht gekommen (Joh 2,4). VerblĂŒffend ist, dass nach der Sintflut von Anfang der neuen Weltordnung an die Bibel die Tage des Lebens auf Erden gezĂ€hlt und somit bemessen und eingeschrĂ€nkt hat. In 1Mose 8,22 heißt es: Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Das geordnete Weltall, der Kosmos, in dem der Mensch als GegenĂŒber Gottes leben und gedeihen kann, ist ein Projekt auf Zeit: eben „so lange die Erde steht
“

Beim Segen Jakobs ĂŒber seine Söhne wird das noch deutlicher. Sein Segen bezieht sich auf das Ziel Gottes mit seinen ErwĂ€hlten. 1Mose 49,1: Und Jakob berief seine Söhne und sprach: Versammelt euch, dass ich euch verkĂŒnde, was euch begegnen wird in kĂŒnftigen Zeiten. Was Luther und andere hier als „kĂŒnftige Zeiten“ wiedergeben, heißt wörtlich „am Ende der Tage“! Ś‘Ö°ÖŒŚÖ·Ś—ÖČŚšÖŽÖ„Ś™ŚȘ Ś”Ö·Ś™ÖžÖŒŚžÖŽÖœŚ™Ś / áŒÏ€áŸż áŒÏƒÏ‡ÎŹÏ„Ï‰Îœ Ï„áż¶Îœ áŒĄÎŒÎ”Ïáż¶Îœ). Gottes Plan mit der Welt ist ein Plan mit der Weltzeit. Die Zeit, die wir in dieser Welt haben, ist von Gott geschenkte, verliehene Zeit, eine Zeit, Sein Ziel zu verwirklichen. Wir reden darum von Gottes Geschichte mit dieser Welt, von der Heilsgeschichte, mittels der Endzeit er die Herrschaft ĂŒber seine Schöpfung wieder erringt. Claus Westermann hat 1969 ein ungeheuer wichtiges BĂŒchlein von nur 47 S. LĂ€nge in der Reihe Calwer Hefte (Bd. 100) unter dem Titel geschrieben „Anfang und Ende der Bibel“. Darin erlĂ€utert er den inneren Zusammenhang zwischen Anfang und Ende der Bibel und zeigt die heilsgeschichtliche Linie von der Schöpfungsgeschichte bis hin zur Offenbarung des Johannes auf.

Die Zeit ist das Projekt Gottes mit der Menschheit. Es ist vom Anfang bis zum Ende Gnadenzeit. Die Zeit ist uns gegeben, um Gottes Plan mit uns zu verwirklichen.

I) Verliehen – das Gottesgeschenk der Zeit

Wir kÀmpfen gegen die Zeit und doch leben wir von der Zeit! Wie alles andere, was Gott uns gibt, kann die Zeit als Segen oder als Fluch betrachtet werden.

Die Uhr tickt
 Warum wirkt der Satz so negativ, so bedrohlich auf uns? – Weil wir die Zeit als verronnene Zeit erleben. Dabei wird uns mit jedem Ticken der Uhr neue Zeit zur VerfĂŒgung gestellt! Oft sagen wir „ich habe keine Zeit!“ Was wir wirklich dabei meinen, ist, dass wir mit den Dingen, die wir schon tun, ausgelastet sind, und nur Dinge mit einer höheren PrioritĂ€t anpacken wĂŒrden – wobei anderes dafĂŒr liegenbleiben mĂŒsste.

Ich habe im Grunde NUR Zeit – sonst nichts
 Außerhalb der Zeit gibt es nichts, das ich haben könnte. Nur innerhalb der mir verliehenen Zeit habe ich Leben mit seinen Möglichkeiten. Die Zeit ist Möglichkeit an sich! Merken wir uns das: Wir haben immer so viel Zeit, wie wir uns nehmen…

Andere Kulturen gehen anders mit der Zeit um: Ost-Afrikanische MĂ€nner mĂŒssen z-B.durch MĂŒĂŸiggang die Zeit „spinnen“ – damit die Frauen genug davon haben, um mit der Arbeit in Haus und Hof, im Garten, auf Acker und Weide fertig zu werden!

Aber fĂŒr alle Menschen aller Zeiten und Kulturen gilt dasselbe: Nur im Hier und Jetzt ist die Zeit erfahrbar und erlebbar. Das Vergangene können wir nicht zurĂŒckholen, und dem Kommenden können wir weder vorgreifen, es verhindern, noch es heraufbeschwören.

FĂŒr uns als Christen ist es ein ungemein großer und wichtiger Trost, zu wissen: Meine Zeit steht in Deinen HĂ€nden Ps 31,16 (Schlussakkord mit Uwe Rechberger). Gott ist Herr ĂŒber Raum und Zeit. Er lenkt das Geschick unserer Welt und der Zeit. In Daniel 2, 19f heißt es: Gelobet sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit, denn ihm gehören Weisheit und StĂ€rke! Er Ă€ndert Zeit und Stunde.

Gott ist Herr der Zeit und fĂŒhrt die Geschichte dieser Welt im Sinne von Heilsgeschichte zu seinem gesetzten Ziel! Alles hat seine Zeit (Prediger 3,1ff), aber nur Gott hat die Zeit im Griff. Unsere Zeit ist endlich. Auch das Sterben hat seit dem SĂŒndenfall seine Zeit – so ist es bestimmt. Der SĂŒnde Sold ist der Tod– die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn (Röm 6,23)! Jesus Christus hat die Grenzen der Zeit durchbrochen und uns das ewige Leben geschenkt! Im HebrĂ€erbrief heißt es Hebr 9,27f: Und wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht: so ist auch Christus einmal geopfert worden, die SĂŒnden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der SĂŒnde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil. Die Zeit hat ein Ziel. Das Ende der Zeit ist das Ziel der Zeit (Eschatologie-Seminare Rolf Sons / Uwe Rechberger). Was die Endzeit betrifft, kann ich die Angst schon herausnehmen: Fritz GrĂŒnzweig hat in seinem Kommentar zur Offenbarung betont – und Gerhard Maier hat das in seinen beiden BĂ€nden zur Offenbarung bestĂ€tigt: Die Offenbarung ist als Trostbuch der Gemeinde Christi gemeint und nur so zu verstehen! Am Ende der Zeit steht fĂŒr Gottes Kinder die ErfĂŒllung aller seiner Verheißungen!

Wir Leben in der Zeit, die uns verliehen ist: Wir sind Kinder unserer Zeit. Dass wir Kinder unserer Zeit sind, gilt ĂŒbrigens fĂŒr jede Altersgruppe. Wir atmen den Zeitgeist und sind nur bedingt unabhĂ€ngig von diesem. Gegen den Zeitgeist zu leben heißt nicht nur, gegen den Strom zu schwimmen. Wir können nĂ€mlich nicht gegen den Strom der Zeit schwimmen. Die einzige wahre UnabhĂ€ngigkeit vom Zeitgeist, aus der heraus wir mit unserem Lebensentwurf dem Zeitgeist trotzen könnten, ist die völlige Hingabe an den Geist Gottes – und selbst dann werden wir nicht aus der Zeit und ihrem Strom herausgenommen. Das ist auch nicht unser primĂ€res Ziel – wie mein Kollege Clemens HĂ€gele in seinem Seminar zum Zeitgeist ausfĂŒhren wird. Vielmehr geht es darum, die Zeit, die uns geschenkt ist, in unserer Zeit aus Gottes Hand zu nehmen und vor seinem Angesicht aus so zu fĂŒllen, wie er es fĂŒr uns erdacht hat. Hier kommt es auf unseren Auftrag an. Was hat uns Gott fĂŒr die Zeit aufgetragen? Darauf kommen wir gleich. Davor noch ein paar Anmerkungen.

Meine Generation z.B., die „Baby-boomer“ (*1945-1964) ist eine Protestgeneration. Manche haben gegen den Status Quo in Staat und Gesellschaft protestiert. Wir im ABH haben gegen den Status Quo an der FakultĂ€t und in der Kirche protestiert.

Die darauf folgende Generation-X, bzw. Baby-Busters (*1965-1979) gilt entweder als die „stille“, bzw. „schweigende Generation“, oder – in Deutschland – als „Generation Golf“ (das ist das Mindeste, was „man“ fahren darf). Das gilt ebenso im Bereich der GlĂ€ubigen wie der UnglĂ€ubigen. WĂ€hrend die Boomer-Generation zwanzig Jahre anhielt, verkĂŒrzt sich die Zeit der schweigenden Generation auf fĂŒnfzehn Jahre. Wir empfinden es nicht nur so, als wĂŒrde die Zeit sich beschleunigen. Es ist so!

Die auf Generation-X folgende Generation-Y oder „Millenial Generation“ (*1980-2000) wird bereits in mehrere Perioden unterteilt, weil die VerĂ€nderungen so schnell stattfinden. In Europa werden die Ă€lteren (die Generation Dreißig) auch „Generation Gesamtkunstwerk“ genannt, deren Leben eine einzige Inszenierung als Lebens(Kunst)werk verstanden wird. Die sogenannten „Mosaiks“, die in Ihrer Jugend die ersten BerĂŒhrungen mit dem Internet durch einen graphischen Browser (Mosaic) hatten, sind aber schon lĂ€ngst abgelöst von der Generation Facebook, der nichts schlimmeres passieren kann, als keinen Internetzugang oder gar ein kaputtes Smartphone zu haben


Wir sind alle Kinder unserer Zeit. Je nach Alter sind wir unterschiedlich geprĂ€gt von unserer Zeit. Zur selben Zeit kann der Zeitgeist fĂŒr unterschiedliche Gruppierungen radikal unterschiedlich sein. WĂ€hrend die Generation Facebook unbĂ€ndige Hoffnung fĂŒr die Zukunft hat (es ist schon immer alles da gewesen, und Frieden ist die Konstante, die sie kennen), haben deren Großeltern grĂ¶ĂŸte Sorgen im Blick auf die Zukunft ihrer Enkel, im Wissen, dass der demographische Wandel keinen Anlass zur Hoffnung gibt.

Es ist schon seltsam: Entweder wir schlagen die Zeit tot, oder sie erschlÀgt uns.

AuffĂ€llig fĂŒr unsere Zeit ist, dass noch nie in der Geschichte so viel Zeit aufgewendet wird, um die Zeit zu vertreiben. In dem schönen Dorf, wo ich zuletzt als Pfarrer dienen durfte, gab es 1995, als ich dort begann, nur noch ein einziges Haus, vor dem noch eine Sitzbank stand. Heute steht sie zwar noch, wird aber nicht mehr benutzt
 Aus der Interaktion und Kommunikation auf der Straße, wie es die AllerĂ€ltesten unter uns noch kennen, ist ein Konsumieren innerhalb der eigenen vier WĂ€nde geworden. Vor allem das Aufkommen des Fernsehens hat unsere Lebensweise verĂ€ndert. FĂŒr einige Jahrzehnte stand der passive Konsum vor den Bildschirmen ganz im Mittelpunkt. Dass das nicht auf lange Sicht den Menschen befriedigen konnte, ist logisch. Der Mensch ist auf Interaktion angelegt. Mit dem Aufkommen des Internet 2.0 knapp vor der Jahrtausendwende hat sich das radikal verĂ€ndert. Zwar konsumiert die junge Generation-Y immer noch viele Inhalte hauptsĂ€chlich per Internet. Deswegen hat der Gesetzgeber seit 2008 auch auf persönliche Computer GEMA-GebĂŒhren erhoben und seit 2013 vom GebĂŒhren- aufs Beitragsmodell fĂŒr alle Haushalte umgestellt, egal welche GerĂ€te jeweils zum Einsatz kommen. Die Unterhaltung und Bespaßung haben einen enormen Stellungswert in unserer Gesellschaft bekommen. Ich weiß nicht, wie viele Besucher hier beim Turmtreff heute sind, aber zu den (durchaus genialen) TheaterauffĂŒhrungen unserer Studenten zu Beginn des Jahres kamen insgesamt etwa 1000 Personen


Mein Kommilitone im Bengelhaus zu der Zeit, als diese TĂŒrme hier entstanden, Peter Hahne, schreibt in seinem immer noch sehr lesenswerten Buch „Schluss mit lustig“:

„Wenn die Spaßgesellschaft wirklich der »Endzustand der SĂ€kularisierung« ist und der heitere Genuss so manche Leerstelle fĂŒllt, wo in der Persönlichkeit frĂŒher die Überzeugungen saßen – wenn das stimmt, dann beginnt mit der Sinnsuche das Ende dieses Spaßes. Die Spaßgesellschaft ist jedoch auch das Ergebnis einer ökonomischen Entwicklung, einer explosiv steigenden Unterhaltungsindustrie, die sich nicht ohne weiteres und vor allem nicht freiwillig zurĂŒckdrehen lassen wird und will. Spaß machen ist ein ernstes GeschĂ€ft. Und Spaß macht sich vor allem bezahlt. »Ohne Spaß wĂŒrde die Weltwirtschaft zusammenbrechen, schon deshalb darf er nicht aufhören«, warnt der Berliner »Tagesspiegel«. Dennoch scheint mir der Konkurrenzkampf zwischen Gottesdienst und Erlebnisbad, zwischen Sinnstiftern und Spaßmachern wieder völlig offen. Den sich vergnĂŒgenden Massen ist das Lachen vergangen, weil man sich ja bekanntlich kaputtlacht 
“

Wie die Menschen von heute ihre Zeit gebrauchen…

„Mehr als eineinhalb Stunden tĂ€glich verbringen Kinder und Jugendliche in Deutschland durchschnittlich mit Computerspielen. Jeder FĂŒnfte der 16- bis 18-JĂ€hrigen „daddelt“ sogar drei Stunden und lĂ€nger. Diese Zahlen ermittelte der Branchenverband Bitkom.[1]“

„In Deutschland spielen 93 Prozent aller Kinder und Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren Computer- und Videospiele. 
Die 10- bis 12-JĂ€hrigen spielen im Schnitt 76 Minuten pro Tag, die 13- bis 15-JĂ€hrigen 111 Minuten und die 16- bis 18-JĂ€hrigen 124 Minuten.[2]“

„Auch zwischen den Generationen sind die Spielzeit-Unterschiede deutlich. Die 14- bis 19-JĂ€hrigen spielen mit 136 Minuten im Schnitt am lĂ€ngsten. Bei den 50- bis 64-jĂ€hrigen Gamern sind es hingegen rund 90 Minuten, die tĂ€glich mit dem Spielen verbracht werden.

Das klingt im ersten Moment viel, zum Vergleich muss aber bedacht werden, dass jeder Deutsche im Durchschnitt 220 Minuten pro Tag Fernsehen schaut. Und dabei handelt es sich um das Mittel der Gesamtbevölkerung inklusive jener Menschen, die gar keinen Fernseher besitzen, und nicht wie bei den Gamern um jene, die angaben, dass sie Computerspiele nutzen.[3]“ „Die ĂŒber 50-jĂ€hrigen Deutschen verbringen tĂ€glich durchschnittlich 4 Stunden vor dem Fernseher, und 4 Prozent der 50 – bis 74 – jĂ€hrigen Menschen gaben an, fĂŒnf bis sechs Stunden tĂ€glich fernzusehen.“[4]]

Es gibt aber auch eine Gruppe von Menschen, die vor lauter BeschĂ€ftigung gar nicht mehr hinterherkommt und vor lauter Umgetrieben-sein unter der „Tyrannei des Dringlichen“ leidet und nicht zu dem kommt, was wirklich wichtig wĂ€re
(Charles E. Hummel). Dazu zĂ€hlen Pfarrer, Politiker, FamilienvĂ€ter und MĂŒtter
 Wie viele Menschen fĂŒhlen sich gestresst und abgehetzt? Vielleicht sollten wir anders herum fragen – ich glaube es fiele mit dem ZĂ€hlen leichter! Schauen wir nur die Parteiprogramme an und was davon in einer Wahlperiode umgesetzt werden kann. Die Politik ist dazu gezwungen, ihr Agieren in den meisten FĂ€llen auf die Reaktion zu beschrĂ€nken. Gestaltungsfreiheit ist kaum mehr vorhanden. Das ist aber nicht nur im Bereich der Politik so. Kennen wir das nicht aus unserem eigenen Erleben? Allein die BewĂ€ltigung aller Alltagspflichten, gekoppelt mit den vermeintlich wichtigen Dingen und den ganzen Verwaltungsmaßnahmen, die auch dem privaten Bereich nicht erspart bleiben, gehört zu den „Zeitfressern“, die uns daran hindern, nicht nur dringend wichtige Dinge, sondern  w e s e n t l i c h e Dinge zu tun. Wir mĂŒssen uns auf unseren Auftrag besinnen!

Wenn wir uns in die vergangen Jahrhunderte zurĂŒckversetzen, in die Siedlerzeit, GrĂŒnderzeit, Zeit der Kolonialisierung und der Industrialisierung, dann stand die Aktion, nicht die Reaktion an erster Stelle. Es hat sich in der Gesellschaft etwas verselbststĂ€ndigt, und viele leben nicht mehr, sondern werden gelebt
 Die Schlagworte meiner Generation lauten: „Ausstieg“ aus dem Status Quo, Ablehnung des Establishment und eigentlich jeder Form der AutoritĂ€t, das „Hamsterrat“ in dem die „Spießer“ gefangen seien, „Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll“ als Parole fĂŒr das wirkliche Leben
 In meiner Jugend gab es ein Broadway-Musical unter dem Titel „Stop the world, I want to get off!“ (Haltet die Welt an, ich will aussteigen). Ein gleichnamiges Lied lief immer im Radio. Inzwischen sind die meisten Aussteiger wieder voll eingestiegen, und das Pensum hat sich noch weiter beschleunigt!

Kehren wir zum einleitenden Gedanken zurĂŒck: Die Zeit ist ein Geschenk Gottes. Sie ist uns verliehen. Sie ist eine Dimension der Schöpfung Gottes, gegeben, um uns das Leben zu ermöglichen. Sie ist uns gegeben, damit Gott seinen Heilsplan an uns ausfĂŒhren kann. Die Zeit ist verliehene Zeit. Wir können sie nicht „spinnen“, schaffen, uns nehmen. Sie ist der Rahmen, der uns gegeben ist.

Die Zeit, die mit Jesus Christus anbricht, ist in besonderer Weise verliehene Zeit – es ist seiner Kirche verliehene Zeit, um die Völker zu JĂŒngern zu machen, sie fĂŒr die Nachfolge Jesu Christi und fĂŒr sein Reich zu gewinnen. Die Zeit der Kirche ist in besonderer Weise Gnadenzeit. Der Apostel Paulus schreibt 2.Korinther 6,2 Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils. Es ist die Endzeit, die mit Jesus angebrochen ist! Und es liegt eine besondere Verheißung auf dieser Zeit, wie wir sehen werden: NĂ€mlich darin, dass Jesus Christus selbst uns seinen Beistand ĂŒberall, wo wir in seinem Auftrag unterwegs sind, zusichert!

Teilweise ist diese Zeit auch im missionarischen BemĂŒhen des Leibes Christi wirklich ausgekauft worden. Allein in den letzten 250 Jahren der modernen Weltmissionsbewegung hat sich das Zentrum der Christenheit von der nördlichen in die sĂŒdliche HĂ€lfte der Erdkugel verlagert. Das liegt aber leider nicht nur an den Erfolgen der Mission in Afrika und SĂŒdamerika. Es liegt auch am Versagen der Kirchen in Europa und Nordamerika. Manche haben die Zeit ausgekauft, fĂŒr andere war diese Zeit seit der AufklĂ€rung teilweise auch verlorene Zeit, vergeudete, verpasste und verschleuderte Zeit.

II) Verloren – die zerronnene Zeit, die verpassten und verpatzten Möglichkeiten

Auch wenn es besondere „Kairos-Zeiten“ gibt, Zeiten der besonderen Gnade, dĂŒrfen wir nicht zu der Ausrede greifen, dass unsere misslichen Lage nur darauf zurĂŒckzufĂŒhren sei, dass jetzt keine Gnadenzeit sei! Jesus sagte seinen BrĂŒdern Joh 7,6 Meine Zeit ist noch nicht da, eure Zeit aber ist stets bereit. Damit will er sagen, dass wir immer eine Verantwortung fĂŒr unsere Zeit tragen – auch wenn es keine Sternstunde des Wirkens Gottes gerade jetzt ist.

Schon der Lateiner Horaz (* 65 v. Chr.; † 8 v. Chr.) hat den Spruch geprĂ€gt „Carpe diem“ – ergreife den Tag. Paulus sagt uns in Eph 5,16: Kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Und Kol 4,5 Verhaltet euch weise gegenĂŒber denen, die draußen sind, und kauft die Zeit aus.

Kauft die Zeit aus, denn es ist böse Zeit
 Die Zeit ist zwar fĂŒr uns da, aber sie schafft dort gegen uns, wo wir die Zeit nicht auskaufen! Jesus hat das eindringlich geschildert in seinen Gleichnissen vom Wachen. Die klugen Jungfrauen etwa als Vorbilder des wachsamen Wartens – das Licht leuchten lassen bis Jesus kommt! Die Törichten holt die Zeit ein – es gibt ein „zu spĂ€t“! Den reichen Kornbauer ereilt es gerade, als er sich ins gemachte Nest zur Ruhe setzen will. Wir sollen den Herrn der Ernte bitten, dass er Arbeiter in die Ernte schicke, die dazu reif ist. Wir sollen Heu machen, so lange die Sonne scheint!

Wenn es eine Sache gibt, die unsere Welt in diesen Tagen braucht, dann sind das Christen, die auf das Kommen des Herrn und Heilandes dieser Welt aktiv warten und ihr Licht nicht erlöschen lassen! Wir brauchen Christenmenschen, die bereit sind, ein Zeugnis fĂŒr ihren Herrn zu sein. Ich behaupte nicht, dass das einfach wĂ€re. Aber es ist unbedingt notwendig! Wie finster ist es unter den KirchtĂŒrmen Deutschlands und Europas geworden


Als der Indienmissionar und anglikanische Bischof Lesslie Newbigin nach England in den Ruhestand zurĂŒckkehrte, erschrak er ĂŒber den Fortschritt der SĂ€kularisierung und den Zustand des Christentums in Europa. Er schrieb:

„Ich sehe mich gezwungen anzuerkennen, dass in der Welt von heute die schwierigste missionarische Front die ist, welcher sich die Kirchen im ganzen gesehen so wenig bewusst sind; nĂ€mlich die Grenze zwischen der Welt des biblischen Glaubens und der Welt, deren Werte und Überzeugungen unablĂ€ssig auf dem Fernsehschirm in die HĂ€user eingespeist werden…. England ist eine heidnische Gesellschaft, und die Entwicklung einer wirklich missionarischen Begegnung mit dieser harten Form des Heidentums ist die grĂ¶ĂŸte intellektuelle und praktische Herausforderung, der sich die Kirche zu stellen hat.“ Dasselbe gilt fĂŒr Deutschland und den Rest Europas!

Wir haben fĂŒr unsere Zeit einen Auftrag. Die Zeit der Kirche ist zu Recht die Zeit der Mission genannt worden. Jesus sendet seine Nachfolger als seine Zeugen „bis an das Ende der Erde“ (Apg 1,8). Das Wort, das hier fĂŒr „Ende“ der Erde benutzt wird, wird auch fĂŒr das Ende der Zeit in der Bibel gebraucht. Das Ende der Erde im rĂ€umlichen Sinn korrespondiert zu dem Ende der uns verliehenen Zeit, zu der Zeit, die wir haben, die frohe und froh machende Botschaft weiterzusagen. Analog zu dem Fall, wie „Welt“ in der Bibel verwendet wird, bedeutet in der Sprache der Bibel auch „Zeit“, die „Zeit, die die Welt besteht“. Darum heißt es auch vom Ende der Zeit in Mk 13,8: 
 das Evangelium muss zuvor gepredigt werden unter allen Völkern.

Der Grund, warum Jesus noch nicht in diese Welt als Richter, Retter und Herrscher wiedergekehrt ist, ist der, dass wir mit der Aufgabe fĂŒr die Zeit, ihn vor aller Welt zu bezeugen, noch nicht am Ziel sind. Petrus schreibt in 2Petr 3,9: Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige fĂŒr eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde. Das bedeutet, dass wir in dieser Zeit, die durchaus als verlorene Zeit verstanden werden kann, doch immer noch in der Gnadenzeit leben. Die Gnade Gottes, seine Zuwendung, kann uns zur Errettung oder zum Gericht werden. Wie alles andere, was Gott uns gibt und tut, kann es zum Segen oder zum Fluch werden. Die große Frage, die sich bezĂŒglich unserer Zeit stellt, ist, inwiefern wir Rechenschaft fĂŒr verlorene Zeit ablegen werden mĂŒssen.

Gott hat uns Pfunde anvertraut – was haben wir damit gemacht? Haben wir in seinem Sinne damit gewuchert, sie unbenutzt gelassen oder gar vergeudet und verschwendet? Warum liegt die Kirche Jesu Christi so danieder bei uns in Europa, der Wiege des Christentums? Wir befinden uns in einer Zeit der LĂ€uterung der Kirchen. Es gibt nur einen Grund, warum die Christen immer weniger Einfluss in der Gesellschaft haben, und der liegt darin, dass wir das Zeugnis vom Herrn und Heiland nicht hochgehalten haben. Das Stuttgarter Schuldbekenntnis war nur eine Momentaufnahme, wie aus dem Text und seinen guten Absichten leicht zu erkennen ist:

„
wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.

Nun soll in unseren Kirchen ein neuer Anfang gemacht werden. GegrĂŒndet auf die Heilige Schrift, mit ganzem Ernst ausgerichtet auf den alleinigen Herrn der Kirche, gehen sie daran, sich von glaubensfremden EinflĂŒssen zu reinigen und sich selber zu ordnen. Wir hoffen auf den Gott der Gnade und Barmherzigkeit, dass er unsere Kirchen als sein Werkzeug brauchen und ihnen Vollmacht geben wird, sein Wort zu verkĂŒndigen und seinem Willen Gehorsam zu schaffen bei uns selbst und bei unserem ganzen Volk.“

Und was ist daraus geworden?

Den Wenigsten ist bekannt, dass das „Stuttgarter „Schuldbekenntnis“ an sich kein Bekenntnis ist, sondern eine ErklĂ€rung, und dass diese nicht freiwillig von der deutschen Kirchenleitung als eigenes Herzensanliege sondern auf Verlangen der internationalen Kirchen zu Protokoll gegeben wurde, weil diese sich sonst nicht im Stande sahen, die deutschen Kirchen in die internationale Gemeinschaft aufzunehmen. Auf diesem Hintergrund lĂ€sst es sich leichter erklĂ€ren, warum die Stuttgarter SchulderklĂ€rung langfristig nichts auszurichten vermochte.

Auf jeden Fall ist unsere Kirche an ihrem Auftrag in unserer Generation gescheitert. Vielleicht kennen Sie das moderne Gleichnis, das an das Gleichnis Jesu vom König, der in ein fernes Land reist, angelehnt ist? WÀhrend das Gleichnis Jesu auf das Volk Israel abzielt, wird hier die Kirche Jesu Christi der Neuzeit ins Visier genommen:

Der Großgrundbesitzer beauftragt seine zahlreichen Mitarbeiter, die Zeit seiner Abwesenheit damit zuzubringen, das ganze Land urbar und fruchtbar zu machen. Zu diesem Zweck ĂŒberlĂ€sst er ihnen auch reichlich Mittel. Wie im Gleichnis Jesu kommt es zu einer Verzögerung der RĂŒckkehr des Besitzers.

Nach vielen Jahren Abwesenheit muss der Besitzer feststellen, dass außer der Parkanlage, die wie gebĂŒrstet und gestriegelt dastand, nur die nĂ€chstliegenden Äcker und einige weit entfernt gelegenen Rodungen ĂŒberhaupt bewirtschaftet worden waren. Keine MĂŒhe wurde gescheut, und viel Aufwand wurde getrieben, um den Stammsitz in Schuss zu halten. Allerdings trugen die Äcker kaum Frucht, da seine Mitarbeiter Monokultur betrieben hatten. So viel KunstdĂŒnger ist ausgetragen worden, dass das Land zu einer WĂŒste zu werden drohte. Seine EnttĂ€uschung war groß – nicht weil seine Mitarbeiter unbedingt faul gewesen wĂ€ren, die hatten schon gearbeitet, sich dabei aber gegenseitig mehr behindert als geholfen. Kaum hatte der eine gesĂ€t, da pflĂŒgte der nĂ€chste schon um. Jeder hat es besser gewusst als der andere. Statt die Methoden derer, die bei den einzelnen Rodungen in der Ferne beachtliche Erfolge erfahren hatten, auf den nahe gelegenen Feldern anzuwenden, hat man sie ignoriert und keine Lehre daraus gezogen, geschweige denn ein Praktikum dort gemacht oder darum gebeten, dass jene Anleitung gĂ€ben fĂŒr die Arbeit in der Heimat. Sie hatten stattdessen ihren Wohlstand so gut wie möglich verwaltet und den Status Quo mit leichten Verschiebungen bewahrt.

Wir sind so damit beschĂ€ftigt, unseren Wohlstand zu verwalten, und sind so verstrickt in den NebenschauplĂ€tzen des kirchlichen Handelns, dass wir in höchster Gefahr sind, unseren Auftrag zu vernachlĂ€ssigen. An Stelle des Evangeliums von Jesus Christus werden kunstvolle Reden gehalten, die niemandem helfen. Wir haben allen Grund, dankbar dafĂŒr zu sein, dass unser Herr noch Geduld mit uns hat, und dass wir heute noch in der Gnadenzeit leben! Kaufen wir die Zeit aus, dass sie nicht zu verlorener Zeit wird!

III) Verheißen – von der Zeit zur Ewigkeit

In Eph 5,16 ermahnt der Apostel Paulus die Gemeinde: und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Ich wiederhole: Wo wir die Zeit nicht auskaufen, schafft die Zeit gegen uns. Gott gibt uns mit seinem ewigen Reich eine Perspektive, die ĂŒber die Zeit mit ihren ZwĂ€ngen hinausweist. Im Reich Gottes werden wir nicht mehr Sklaven der Zeit sein! Dort, wo wir das Ziel erreicht haben werden und den Sieg erlangt, dort wird auch unser Streben nach GlĂŒck und ErfĂŒllung ein Ende haben – es wird erfĂŒllt!

Am Ende des ersten Teils haben wir es von der besonderen Gnadenzeit der Kirche gehabt, von der Endzeit, die mit dem Kommen Jesu Christi beginnt und mit seiner Wiederkunft endet. Im Advent sangen wir: Seht, die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde
 Und den Text aus Gal 4,4f wurde uns ins GedĂ€chtnis gerufen: „Als aber die Zeit erfĂŒllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen.“ Als die Zeit erfĂŒllt war
 Es gab eine besondere Zeit, eine angenehme Zeit, eine opportune Zeit, einen Kairos, zu dem Gott die Gunst der Stunde nutzte, um durch das Heilswerk Jesu die neue Zeit, die Endzeit einzulĂ€uten, sie verheißend vorwegzunehmen. Wir dĂŒrfen wissen, dass die Zeit bereits erfĂŒllt ist. Gott ist in Jesus Christus zu uns gekommen, um in unserer Mitte zu wohnen und bereitet jetzt schon eine StĂ€tte fĂŒr uns, damit wir bei Ihm sein können (Joh 14). Gibt es einen trostreicheren Gedanken? Hierher gehört auch die Verheißung, von der ich eingangs sprach: Zusammen mit seinem Auftrag, die Völker zu seinen JĂŒngern zu machen, hat Jesus verheißen „und siehe ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende!“ (Mt 28,20). Die Gemeinschaft mit Ihm, die mit unserer Gotteskindschaft begann, heute im Heiligen Geist besteht, wird am Ende der Zeit Vollendung finden!

Die Zeichen der Zeit erkennen.

Jesus hielt seine JĂŒnger an, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Was sind die Zeichen der Zeit fĂŒr uns? Ich will den heute noch stattfindenden Seminaren nicht vorgreifen. Ich will nur fragen: Ist es nicht jetzt Zeit zu begreifen, dass Gottes Liebe uns zur Umkehr treibt (Röm 2,4)? Die ganze Problematik mit unserem demographischen Wandel, mit der notwendigen Zuwanderung im großen Stil, mit der FlĂŒchtlingsnot weltweit und den bei uns Asyl Suchenden macht uns große Not. Die daraus erwachsenden Probleme der „Clash of Cultures“ (Zusammenprall der Kulturen) und des gesellschaftlichen Friedens werden uns immer mehr beschĂ€ftigen. FlĂŒchtlinge und Zuwanderer sind nicht das Problem an sich, sondern der missionarische und dschihadistische Eifer mancher Muslime, die unsere Gesellschaft zuerst „islamkompatibel“ und dann „islamkonform“ machen wollen. Dabei verbieten sie sich jedwede Form der Missionierung unter Muslimen. Das ist freilich auch der Grund, warum unter 2% aller christlichen Missionare in der islamischen Welt tĂ€tig sind. Und das, obwohl der Anteil der Muslime an der Weltbevölkerung 25% betrĂ€gt und an der nicht christlichen Weltbevölkerung sogar 50%. Der „Apostel fĂŒr die islamische Welt“, Samuel Zwemer (1867–1952), hat schon laut darĂŒber nachgedacht, ob die Christenheit meine, der Mission- und Taufbefehl gelte nicht im Blick auf die Muslime…

Wenn unsere Zeit diesbezĂŒglich ein besonderes Merkmal hat, dann ist es dies: Nie zuvor in der Geschichte haben so viele Muslime inmitten einer freiheitlich geprĂ€gten, demokratischen Gesellschaft gelebt. Nie zuvor gab es die Chance fĂŒr so viele Muslime, sich Jesus Christus zuzuwenden, ohne begrĂŒndete Angst vor Repressalien – auch durch den Staat – haben zu mĂŒssen! Nehmen wir die Muslime bei uns nur als Bedrohung, oder auch als Chance wahr?

Martin Luther sagte in Reaktion darauf, als die TĂŒrken das erste Mal vor Wien standen: „Die TĂŒrken sind Gottes Rute und ihre Bedrohung Ausdruck des Zornes Gottes.“ Nun ist aber Gericht auch immer Gnade, wo es auf Einsicht trifft und die Herzen auf Gott richten kann
 Wie schon angedeutet, glaube ich, dass diese Rute Gottes uns zum Segen werden kann. Auch jetzt scheint die Zeit reif zu sein fĂŒr den besonderen Einbruch des Ewigen in die Zeit. Es könnte eine historische Stunde in der Geschichte der Mission unter Muslimen werden. Anders als bei der angestammten deutschen Bevölkerung ist eine Offenheit fĂŒr das Evangelium unter Muslimen da! Werden wir die Muslime unter uns als Chance und Geschenk Gottes begreifen, oder sie nur als Bedrohung wahrnehmen? Das Gericht ĂŒber das ehemals christliche Abendland ist in vollem Gange. Wird dies uns zum Segen, oder zum Fluch gereichen?

Ich komme zu Leslie Newbigin zurĂŒck. Er sagt an anderer Stelle ĂŒber die Notwendigkeit der Mission:

“Wenn das Evangelium nur ein Zugang zum VerstĂ€ndnis von Religion ist, die fĂŒr mich etwas bedeutet, mir hilft und Wohlbefinden vermittelt, dann habe ich eigentlich kein Recht, mich in die jeweils eigene Glaubensauffassung anderer Menschen einzumischen, die auf jeweils ihrem Weg einen Frieden und eine Sicherheit anstreben, wie es sich die Menschen ersehnen. Aber das Evangelium ist die Wahrheit und deshalb wahr fĂŒr alle Menschen: Es ist die EnthĂŒllung des Angesichts dessen, der alles erschaffen hat, von dem jeder Mensch abstammt und zu dem schlussendlich jeder Mensch kommen muss. Es offenbart den Sinn menschlicher Geschichte, den Ursprung und die Bestimmung der Menschheit. Jesus ist nicht nur mein persönlicher Erlöser, er ist Herr ĂŒber alles, die Ursache und der Eckstein des Universums. Wenn ich dies glaube, ist hiervon Zeugnis abzulegen der wirkliche Grund meiner ganzen Existenz. Wenn ich denke, ich kann es fĂŒr mich behalten, dann glaube ich eigentlich nicht wirklich. Die Weltmission ist daher nicht etwas ZusĂ€tzliches, sondern der eigentliche PrĂŒfstein, ob die Kirche auch wirklich an das Evangelium glaubt.”

Was heißt das fĂŒr uns?

Keiner scheint ein Rezept zu haben, wie die AktualitĂ€t des Evangeliums den Menschen unserer Tage ĂŒberzeugend nĂ€her gebracht werden könnte. Wenn es eins gibt, dann wird es garantiert damit beginnen, dass unser Lebensstil als Christen sich von anderen erkennbar unterscheiden wird. Es muss erkennbar werden, dass wir von der Vergebung Jesu leben und so zu einem neuen Leben befreit sind. Der Lehrtext am heutigen TurmTreff-Tag lautet: Wenn euch der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei. Johannes 8,36. Um es mit dem geistigen Vater der meisten heutigen Agnostiker und Atheisten Friedrich Nietzsche zu sagen: Wenn an der Erlösung etwas dran ist, mĂŒssen wir fĂŒr unsere Mitmenschen erlöster wirken. Nur so könnten wir die zurĂŒckgewinnen, die sich vom christlichen Glauben verabschiedet haben. Die Kraft Gottes im neuen Leben durch seinen Geist muss doch spĂŒrbar werden! Paulus schreibt in 1Kor 1,18: Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft. Lasst uns um diese Gotteskraft fĂŒr unsere Aufgabe im Bezeugen von Jesus Christus vor den Menschen unserer Zeit beten!

Aber fangen wir mit dem Missionsbedarf in Deutschland bei den Menschen an, die immer mehr zu uns ins Land kommen: die Menschen muslimischen Glaubens. Kaufen wir hier die Zeit aus? Die Mission unter Muslimen in Deutschland steckt immer noch in den Kinderschuhen, obwohl die erste Moschee Deutschlands schon 1925 eröffnet wurde und seit Anfang der sechziger Jahre ein ungebrochener Strom von Muslimen als Zuwanderer und Asylanten zu uns kommt.

Rolf Scheffbuch sagte uns 1984 im Schorndorfer Kirchenbezikstreffen der Pfarrer, es seien 550.000 Muslime in Deutschland und kein einziger deutscher Missionar, der vollzeitlich versucht, sie zu erreichen 
 Es gab einige wenige auslĂ€ndische Missionare, in der Hauptsache Skandinavier, aber wenig UnterstĂŒtzung dafĂŒr aus christlichen Kreisen im Lande. Heute gibt es an die 5.000.000 Muslime in Deutschland, Menschen, die Gott zu uns geschickt hat – vielleicht weil sie in ihren eigenen LĂ€ndern so schwer von Jesus erfahren und nach dem Gesetz nicht konvertieren dĂŒrfen?

Ich trĂ€ume von einer Kirche, die in die Offensive geht und Evangelisten ausbilden lĂ€sst und einstellt, um solche Menschen fĂŒr Jesus Christus zu gewinnen. Wenn die Kirche das nicht von sich aus tut, mĂŒssen wir es selbst in die Hand nehmen! Wenn es die einzelne Gemeinde oder Gemeinschaft nicht stemmen kann, dann auf der Ebene der Gemeinschaftsbezirke oder Kirchenbezirke! Die Liebenzeller und SĂŒddeutschen gehen mit gutem Beispiel voran mit Projekten in und um Stuttgart und Heilbronn, aber das ist noch ein Tropfen auf dem heißen Stein! Fordern Sie doch Hilfe von den Liebenzellern oder der AuslĂ€nderseelsorge oder dem Orientdienst an! Ich trĂ€ume davon, dass Gemeinden und Gemeinschaften einen Missionar fĂŒr ihr Gebiet anfordern mit der Zusage der KostenĂŒbernahme und der UnterstĂŒtzung – auch durch ehrenamtliche Mitarbeiter
 Das soll kein Ersatz fĂŒr den eigenen missionarischen Auftrag sein, im Gegenteil! Es könnte helfen, dass Gemeindeglieder sich in diese wichtige Arbeit mit einbinden lassen. Mit der GrĂŒndung von EIMI (EuropĂ€isches Institut fĂŒr Migration und Integration) an der AWM (Akademie fĂŒr Weltmission) in Korntal haben wir eine wichtige Ressource fĂŒr diesen Auftrag bekommen.

Wie wĂ€re es, wenn wir die sonst fĂŒr so beklemmend wahrgenommene Situation mit der Islamisierung Europas als Chance und als Geschenk Gottes sehen wĂŒrden? Warum das nicht als von Gott gestellte Aufgabe sehen? Alles Gut-Reden hilft nichts. Wir mĂŒssen der Wahrheit ins Auge sehen. Der Einfluss, den der Islam als Religion in Europa hat, steigt stetig, und wir sind erst am Anfang dieser Entwicklung. Die Politik kann dies leugnen, so viel sie will, der BĂŒrger nimmt es wahr, weil es sich nicht verbergen lĂ€sst. Die Politik muss es aus eigener Sicht leugnen, weil sie keine Möglichkeiten sieht, etwas daran zu Ă€ndern. Wir aber dĂŒrfen mit Gott und seiner Macht rechnen! Wir haben eine ganz andere Perspektive auf die Situation! Die Zeichen der Zeit 2015 in der Bundesrepublik Deutschland weisen uns auf die wichtige Aufgabe, die wir in der Mission vor unserer eigenen HaustĂŒr haben. Ich bin ĂŒberzeugt, dass das Zeitfenster, das wir fĂŒr die Missionsarbeit unter Muslimen hier in Europa haben, sehr knapp bemessen ist. Schon in wenigen Jahren rechne ich mit Klagen der islamischen VerbĂ€nde gegen Missionsarbeit unter Muslimen. Ob wir noch zehn Jahre haben? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass wir die Zeit auskaufen mĂŒssen, und darum halten wir das Thema Islam in regelmĂ€ĂŸigen Lehrveranstaltungen im ABH unter unseren Studierenden und Freunden wach.

Einen Vorteil hat die Erstarkung der islamischen PrĂ€senz in Deutschland trotzdem schon mit sich gebracht: Christus ist wieder ein Thema in der Theologie geworden. Die Kirchen haben sich angesichts des Islam auf das ihnen Ureigene zurĂŒckbesinnen mĂŒssen. Ich bin ĂŒberzeugt, dass, je nĂ€her unsere Theologen in TuchfĂŒhlung mit den islamischen Überzeugungen kommen, desto klarer ihr Blick fĂŒr das wird, was den christlichen Glauben ausmacht – sofern sie nicht der antichristlichen Propaganda des Islams erliegen. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Glaube als solches wieder „hoffĂ€hig“ geworden ist. Muslime bekennen ihren Glauben ohne Scheu in allen Medien, auf der Straße, am Arbeitsplatz, in den Schulen. Zögerlich, aber doch erkennbar kommen Christen aus ihren Verstecken und wagen es, ĂŒber Glaubensthemen in der Öffentlichkeit zu reden. Das haben wir den Muslimen zu danken! Wir können nur hoffen und beten, dass der Bekennermut der Christen weiter zunimmt! Letztlich ist die starke islamische PrĂ€senz bei uns im ehemals christlichen Abendland ein Weckruf, uns auf unsere Wurzeln zu besinnen und die Gelegenheit zu ergreifen, ihnen die frohe Botschaft von Jesus Christus darzulegen und nahe zu bringen. Hier in Europa können wir (noch) frei unseren Glauben bekennen und bezeugen – auch Muslimen gegenĂŒber. Hier können Muslime sich bekehren und zu Jesus Christus als Herrn und Retter bekennen wie Thomas es seinerzeit tat: „Mein Herr und mein Gott!“ – ohne dass sie von offizieller Seite dafĂŒr bedroht oder belangt werden können. Ich glaube, dass dies eine historische Chance ist, eine Chance die nicht verstreichen darf. Es ist das Gebot der Stunde, es ist die einmalige Gelegenheit unserer Zeit. Ich glaube, dass jetzt ein Kairos dazu da ist. Nie zuvor haben so viele Menschen in der arabischen Welt Interesse am Evangelium gezeigt. Große Scharen kommen zum Glauben an Jesus Christus durch Internet, Radio und Satellitenfernsehen. Es könnte dazu kommen, dass solche Menschen zu Missionaren fĂŒr ihr eigenes Volk werden. Die strengglĂ€ubigen Muslime haben so davor Angst, dass sie den Sender Al-Hayat haben sperren lassen. Die Zeit ist reif wie nie zuvor fĂŒr am Islam enttĂ€uschte Menschen, zum Glauben an Jesus Christus zu finden. Hier heißt es carpe diem! Gerade auch bei uns in Deutschland und Europa. Ergreife den Tag! Ich kann mir das nicht anders vorstellen, als dass, wenn wir diese historische Chance verstreichen lassen, die Gnadenzeit zu verlorener Zeit und die Chance zum VerhĂ€ngnis fĂŒr uns wird


Bei allem gilt es in erster Linie auf Gottes Verheißungen zu schauen! Gottes Verheißungen gelten fĂŒr sein Volk und fĂŒr sein Reich. Wie viele Verheißungen hat er uns doch gegeben! Ich glaube fest daran, dass die Prophezeiung Gottes an das darniederliegende Volk Jerusalems auch uns in unserer Zeit gehört: Jer 29,11: Denn ich weiß wohl, was ich fĂŒr Gedanken ĂŒber euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet. Die Zeit zielt auf das Ende, sein Ziel. „Thelos“ ist im Griechischen beides – nicht das unheilvolle, abrupte, jĂ€he Ende, sondern das Ende eines Weges im Sinne vom Ziel, das auf diesem Weg erreicht wird.

Selbst die ZĂŒchtigungen Gottes sollen Segen und Frucht bringen. Es kommt nur darauf an, dass wir auf allen unseren Wegen Einsicht in seine FĂŒhrungen zeigen und uns seinen Gerichten fĂŒgen. In Hebr 12,11 heißt es: Jede ZĂŒchtigung aber, wenn sie da ist, scheint uns nicht Freude, sondern Leid zu sein; danach aber bringt sie als Frucht denen, die dadurch geĂŒbt sind, Frieden und Gerechtigkeit. Und darĂŒber hinaus gilt: Röm 8,18: Denn ich bin ĂŒberzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenĂŒber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

Nutzen wir doch die Zeit als verheißene Zeit aus! Fassen wir Mut, uns unerschrocken zum Herrn der Geschichte und der Welt im Alltag zu bekennen! Er selbst hat versprochen, bis zum Ende bei uns zu bleiben im ErfĂŒllen seines Auftrags! Dem Profilschwund der GlĂ€ubigen in der Gesellschaft mĂŒssen wir ein Ende setzen. Es ist Zeit zum Aufstehen!

[1] http://www.t-online.de/eltern/jugendliche/id_69907188/computerspiele-jugendliche-verdaddeln-taeglich-eineinhalb-stunden.html

[2] http://www.bitkom.org/de/markt_statistik/77045_79666.aspx

[3] http://winfuture.de/news,77456.html

[4] Becker, Julia. Ältere Menschen und Computerspiele: Eine Untersuchung der Gruppen Ă€lterer Computerspieler und Ă€lterer Nichtspieler und deren Vergleich hinsichtlich verschiedener Beschreibungsmerkmale sowie Motivationen und Einstellungen zu Computerspielen. diplom.de, 2008.

Die Herausforderung des Neuanfangs

Die Herausforderung des neuen Lebens

In dieser Vorweihnachtszeit werden unsere Gedanken auf den Neuanfang gelenkt, den Gott mit dieser Welt in Christus gemacht hat. Was fĂŒr ein Paukenschlag! Die himmlischen Heerscharen verkĂŒnden es nicht in den Machtzentren der Welt, sondern den Hirten auf dem Felde: die Menschheit bekommt eine neue Chance. Der Messias, der FriedefĂŒrst liegt in der Futterkrippe, in schlichten Windeln gewickelt. Noch hatte er keine Macht. Diese wird er ein Leben lang nicht ausĂŒben. Erst durch seine Erhöhung am Kreuz und die Aufnahme zur Rechten des Vaters geht die verheißene Macht an ihn ĂŒber. Ein Neuanfang in der Erniedrigung. Ein Neuanfang, dem geglaubt werden muss. WĂ€hrend der ganzen Zeit seines Dienens an der Menschheit bis zu seinem Tod und seiner Auferstehung bleibt es auch fĂŒr die JĂŒnger Jesu eine offene Frage, wer dieser Mensch ist! Weil Jesus diesen Weg der Erniedrigung in Treue und Gehorsam gegangen ist, hat Gott erhöht und ihm den Namen gegeben, der ĂŒber jedem Namen ist (Phil 2,5-11) und somit einen neuen Bund, eine neue Ordnung geschaffen, in der Menschen mit ihrem Schöpfer durch Christi SĂŒhnetod versöhnt werden können. Durch die Wiedergeburt von oben her, in der der Geist Gottes selbst den Menschen beseelt, werden Schöpfer und Geschöpf wieder vereint.

Als ich diese Zeilen schreibe ist die Tageslosung: „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, bestĂ€ndigen Geist.“ (Ps 51,12) der Prophet Hesekiel fĂŒhrt den gleichen Gedanken noch ausfĂŒhrlicher aus: „Werft von euch alle eure Übertretungen, die ihr begangen habt, und macht euch ein neues Herz und einen neuen Geist. Denn warum wollt ihr sterben, ihr vom Haus Israel?“ (Hes 18,31); „Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.“ (Hes 36,26)

Der grĂ¶ĂŸte Neuanfang ist die Wiedergeburt, in der ein neues Leben beginnt. Die schönste Herausforderung ĂŒberhaupt ist das neue Leben in Christus. Diesem Anfang wohnt wahrhaft ein Zauber inne
 Sie kennen sicher die Worte Hermann Hesses: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Damit will er sagen: Mit jedem Neuanfang gibt es neue Chancen und Möglichkeiten, teilweise aufregende Aussichten, Neugierde und gespannt Sein auf Überraschungen. Vor allem wenn wir aus Unzufriedenheit mit einer Situation bewusst VerĂ€nderung suchen, teilen wir die „verzweifelt-optimistische“ Sicht des Dichters, der diesen Spruch in seinem Gedicht „Stufen“ verewigt hat. Dass es bei seinem Leben immer wieder eine „Flucht nach vorne“ war, deutet er in der letzten Zeile selbigen Gedichts an: „Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“ Die „Flucht nach vorne“ hat aber grundsĂ€tzlich ein Problem: wir nehmen uns selber ĂŒberall mit. Einen wirklichen Neuanfang gibt es nur dort, wo das alte vergeht und ein neues entsteht. 2.Kor 5,17 schreibt Paulus „Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ Das ist möglich, weil Gott uns um Christi willen die Schuld vergibt. Das neue Leben gibt es nur, wo vergeben wird! So können wir einen echten Neuanfang machen.

In unserer sich so rasant verĂ€ndernden Welt gilt eher ein anderer Spruch: „Aller Anfang ist schwer“, sagt der Volksmund. Diese Volksweisheit beruht auf Erfahrungswerten aus Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte. Auch wir haben unsere persönlichen Erfahrungen mit NeuanfĂ€ngen gemacht: Wissen Sie noch, was das fĂŒr eine Anspannung im Bauch war, vielleicht sogar mit TrĂ€nen verbunden, als sie von ihrer Mutter in den Kindergarten gebracht wurden? Wie war das dann am ersten Schultag? Oder nach einem Schulwechsel in eine neue Schule? Wie sah es aus im ersten Monat ihres Berufslebens? War das alles eitel Sonnenschein? Oder wurden ihnen ihre Grenzen auch bewusst – bzw. deutlich gemacht von Kolleginnen und Kollegen oder dem Chef? Selbst bei wunderschönen NeuanfĂ€ngen, wie beim Leben zu zweit nach der Eheschließung, gibt es so manch einen Stolperstein auf dem Weg. Auch hier bleiben Probleme und Konflikte nicht aus. Bei einem Arbeitsplatzwechsel, bei einem Umzug, wenn das erste Kind geboren wird, wenn das letzte Kind das Haus verlĂ€sst, wenn der Abschied aus dem Berufsleben und der Anfang des Ruhestandes erreicht wird oder einen ĂŒberrollt, ĂŒberall mĂŒssen wir uns umstellen lernen, ĂŒberall mĂŒssen wir uns der Situation neu anpassen.

Der britische Psychotherapeut und bekennende Christ Gaius Davies macht in seinem hervorragenden Werk „Stress“ darauf aufmerksam, dass solche NeuanfĂ€nge unheimlich viel Stresspotenzial in sich bergen. Gerade Missionare erleben unheimlich viele NeuanfĂ€nge der ganz besonderen Art durch ihre Berufung zum Dienst in der Mission. Allein das abhĂ€ngig Sein von einem Spenderkreis ist eine völlig neue Erfahrung, die fĂŒr viele schwer zu bewĂ€ltigen ist. Hat einer frĂŒher im Beruf sein Gehalt verdient, so ist er als Missionar auf das Wohlwollen der Geschwister in der Heimat angewiesen. Noch schwieriger ist die Umstellung auf ein neues Lebensumfeld. Meistens mĂŒssen Missionare mindestens eine neue Sprache lernen – manchmal mehrere. Das bedeutet nichts anderes, als mit jeder neuen Sprache eine ganz neue Denkweise sich anzueignen. Dazu kommt die Notwendigkeit, eine neue Kultur zu erlernen. Das bedeutet wiederum nicht weniger als das Leben neu zu lernen! Selbst bei einheimischen Missionaren, die diese beiden letztgenannten NeuanfĂ€nge nicht durchmachen mĂŒssen, gibt es grundsĂ€tzlich eine ganz andere Offenheit fĂŒr VerĂ€nderung in der Lebensgestaltung, weil das Leben als Missionar selten in gleichem Maße planbar ist wie ein normales Berufsleben.

Wie gut, dass Missionare keine Chance haben, ihre so wichtige und gleichzeitig so schwierige Aufgabe zu erfĂŒllen, wenn sie es nicht in der AbhĂ€ngigkeit von Gottes Wort und Gottes Geist wagen. Gott hat sich nĂ€mlich auf NeuanfĂ€nge spezialisiert. Die Treulosigkeit und Ungehorsam der Menschen von Anfang an im Paradies und ĂŒber die Jahrtausende der Geschichte seither hinweg hat Gott immer wieder von neuem dazu veranlasst, Möglichkeiten des Neuanfangs fĂŒr uns zu schaffen. Adam und Eva bekommen einen Neuanfang jenseits von Eden. Der Brudermörder Kain bekommt einen Neuanfang als beschĂŒtzten, markierten Mann jenseits seiner Familie und Verwandtschaft in einer neuen Umgebung und neuen Kultur. Die Menschheit bekommt einen Neuanfang durch Noah und seine Familie jenseits der Sintflut in einer angepassten Schöpfungsordnung. Dasselbe gilt auch fĂŒr Abraham, durch dessen Neuanfang in Kanaan der Same gesĂ€t wird fĂŒr den Segen, der im Neuanfang durch Jesus Christus der ganzen Welt geboten wird. Durch sein Leben und Wirken, durch sein stellvertretendes Leiden und Sterben, durch seinen Tod und seine Auferstehung mitsamt der Gabe seines Heiligen Geistes gibt es dann auch die NeuanfĂ€nge des Lebens im Heiligen Geist, der GrĂŒndung der Gemeinden, der Entstehung der Kirchen und – last, but not least – gibt es den Klimax aller NeuanfĂ€nge: das neue Jerusalem, einen neuen Himmel und eine neue Erde: „Siehe, ich mache alles neu“ (Offb 21,5). Bis dahin habe wir aber vermutlich einige Herausforderungen durch NeuanfĂ€nge zu bewĂ€ltigen!

Die Herausforderung durch die SĂ€kularisierung

Die Neuzeit stellt den Anspruch, allein durch den menschlichen Geist den neuen Menschen zu schaffen. Das gilt fĂŒr die AufklĂ€rung, fĂŒr den Sozialismus und Kommunismus, fĂŒr die Moderne und fĂŒr die Postmoderne. Dass eine EnttĂ€uschung ĂŒber die Kirchen und ihre Christen dabei eine Rolle gespielt hat, liegt auf der Hand. Wie Friedrich Nietzsche, der den Satz „Gott ist tot“ geprĂ€gt hat, es in versteckter, aber umso beißender Kritik an die Christen sagte: „Bessere Lieder mĂŒĂŸten sie mir singen, daß ich an ihren Erlöser glauben lerne: erlöster mĂŒĂŸten mir seine JĂŒnger aussehen!“ [Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: Zweiter Teil. Also sprach Zarathustra. Bd. 2, S. 350) (c) C. Hanser Verlag] Um es wieder mit Worten Hermann Hesses zu sagen, Jesus idt nur noch „Bruder“:

Jesus und die Armen

Aus: Hermann Hesse, Die Gedichte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995 (1953). Seite 587. 

Du bist gestorben, lieber Bruder Christ,
Wo aber sind die, fĂŒr die du gestorben bist?

Du bist gestorben fĂŒr aller SĂŒnder Not,
Aus deinem Leibe ward das heilige Brot,
Das essen sonntags die Priester und die Gerechten,
An deren TĂŒren wir Hungrigen fechten.

Wir essen dein Brot der Vergebung nicht,
Das der fette Priester den Satten bricht;
Dann gehn sie, verdienen Geld, fĂŒhren Krieg und morden;
Keiner ist durch dich selig geworden.

Wir Armen, wir gehen auf deinen Wegen
Dem Elend, der Schande, dem Kreuz entgegen,
Die andern gehen vom heiligen Nachtmahl heim
Und laden den Priester zu Braten und Kuchen ein.

Bruder Christ, du hast vergebens gelitten –
Gib du den Satten, um was sie dich bitten!
Wir Hungrigen wollen nichts von dir, Christ;
Wir lieben dich bloß, weil du unser einer bist.

Die Herausforderung durch die SĂ€kularisierung lautet: der christliche Glaube muss sich unter Beweis stellen. Nur dort, wo der gelebte christliche einen Unterschied macht, wird er respektiert und geachtet. Wir mĂŒssen uns an der eigenen Nase packen und fragen, warum unser christliches Zeugnis so wenig angenommen wird. Wir haben einen missionarischen Auftrag, eine Verantwortung den Menschen gegenĂŒber, in deren Mitte wir leben. Wenn unser Leben als Christen nicht einladend ist, wird die Einladung auch nicht angenommen werden. Das ist eine Herausforderung an uns in unserer eigenen Gesellschaft. Dazu erwĂ€chst uns aber eine weitere Herausforderung, die von außerhalb unseres Kulturkreises auf uns zukommt:

Die Herausforderung durch den demographischen Wandel

Wie schon im Jahr 2007 durch das Statistische Bundesamt veröffentlicht wurde, bewegen wir uns in Deutschland rapide auf eine muslimische Mehrheit zu. Diese soll laut statistischer Berechnung des Amtes im Jahre 2052 zustande kommen. Freilich kann auch ein statistisches Bundesamt nicht in die Zukunft schauen, aber alle Daten die wir im Blick auf Geburtsrate, Sterblichkeit, Zuwanderung und Auswanderung haben, lassen nur diesen Schluss zu: weil die angestammte deutsche Bevölkerung zu wenig Kinder in die Welt setzt (jede Generation halbiert sich) brauchen wir dringend Einwanderer, die aus gegenwĂ€rtiger Sicht nur aus der islamischen Welt, vornehmlich Nordafrika, Nahost und der TĂŒrkei, kommen können.

Das bedeutet eine weitere ungeheure missionarische Möglichkeit und Verantwortung, fĂŒr die wir noch weniger gerĂŒstet sind als fĂŒr die Herausforderung in unserer eigenen Gesellschaft durch die SĂ€kularisierung und Entchristianisierung!

Die Hoffnung, die wir als Christen haben

Diese Herausforderungen können einen schier erdrĂŒcken. Wie gut, dass wir nicht diese Last auf unseren Schultern tragen mĂŒssen! Der, der uns einlĂ€dt, sein Joch auf uns zu nehmen, sagt davon, dass es ein sanftes Joch ist und dessen Last leicht. Warum ist das so? Weil er selbst neben uns im Joch steht und die Hauptlast trĂ€gt. Es geht nur darum, dass wir an seiner Seite bleiben, seinem Wink folgen, seinen Willen tun. Da wird er uns schon zu seinem Ziel hinfĂŒhren. Das ist unser Trost und unserer Hoffnung: Er selbst wird alles neu machen und er, der Herr der Geschichte, hat den Sieg bereits errungen. Durch alle wĂŒrden der Zeit hindurch, bei allen StĂŒrmen, die sich zusammen zu brauen scheinen heißt es: Joh 16,33 „Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt ĂŒberwunden.“ Er, unser Herr, hat die Herausforderung des Neuanfangs nicht gescheut, ist Mensch geworden, um uns den Neuanfang zu ermöglichen. Davon bezeugt Paulus (Phil 1,6) „und ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“

(erschien in dem Newsletter des Missionsbundes Licht im Osten zu Weihnachten 2012)