Archiv der Kategorie: Missionstheologie

Mission an eine nach-christliche Religion

 

Stichwörter:

 

Der Muslim als gottesfĂŒrchtige Mensch

Der Islam als nachchristliche Religion

Der Islam als antichristliche Religion

ÜberlegenheitsgefĂŒhle

MinderwertigkeitsgefĂŒhle

Das islamische Weltbild

Das christliche Weltbild

Das islamische Menschenbild

Das christliche Menschenbild

 

 

  1. Einleitung

 

Gewöhnlich geht man von MatthĂ€us 28,18-20 als Grundlage der Mission aus. Diese Sicht hat den Missionsgedanken und auch die frĂŒhe Missionswissenschaft sowohl auf katholischer Seite seit der Entstehung der verfassten Kirche als auch bis hin zu den AnfĂ€ngen der modernen Missionsarbeit vom 18. Jahrhundert an bestimmt. Mission wurde begriffen als Mission der Kirche, als Aufgabe der Kirche Jesu Christi, die sich als Christus prolongatus versteht, damit er sich durch seine Kirche in der ganzen Welt ausbreite. “Machet zu JĂŒngern alle Völker, indem ihr sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes tauft und sie alles zu halten lehrt”, galt und gilt als Auftrag der Kirche sowohl zum Selbsterhalt (Missionarische Gemeinde in Deutschland) als auch zur Ausbreitung der Kirche und des Reiches Gottes in der ganzen Welt (klassische Missionsbewegungen).

 

 

Wie diese Mission auszusehen hat, wurde uns (bzw. den Aposteln) von Jesus ebensowenig erklĂ€rt, wie Kirche auszusehen hat. Bis zum Zeitalter der Moderne und dem Aufkommen des Individualismus hat man wenig darĂŒber reflektiert. Die Form des Glaubens/ des kirchlichen Lebens wurde genauso ĂŒbernommen wie dessen Inhalt. Das gilt sowohl fĂŒr die altkirchlichen Traditionen, die auf Synagogen- bzw. Tempeldienst aufgebaut haben, wie in der modernen Mission, wo bestehende, europĂ€ische Strukturen selbstverstĂ€ndlich tradiert wurden. Erst mit der UnabhĂ€ngigkeitsbewegung in den 40er bis 60er Jahren mit dem damit einhergehenden AufblĂŒhen des nationalen und kulturellen Selbstbewusstseins kam auch langsam die Frage nach VertrĂ€glichkeit von Evangelium und Kultur auf.[1]  Dies fĂŒhrte mit der Zeit zur Frage nach der Inkulturation des Evangeliums in die jeweilige Kultur. Gleichzeitig entwickelte sich eine neue Sicht von Mission. Die jĂŒngere Missionswissenschaft, beginnend mit den 50er Jahren, entdeckte den Missionsgedanken auch vor dem Missionsbefehl sowohl im Neuen wie auch im Alten Testament. So etwa Markus 3,14 “und er setzte Zwölf ein, die er auch Apostel nannte, dass sie bei ihm sein sollten und dass er sie aussendete zu predigen”. Aber auch im Alten Testament wird der “Gesandte”-Gedanke im prophetischen Handeln, ja in Gottes Heilsgeschichte ĂŒberhaupt, entdeckt. So wurde ab der 50er Jahre vielfach von der “Missio Dei”[2] gesprochen, nĂ€mlich von der Mission Gottes in dieser Welt, die grĂ¶ĂŸer ist, als die Mission der Kirche Jesu Christi. Dieser Gedanke wiederum öffnete anderen Interpretationen Tor und TĂŒr, bis dahin, dass im Zweiten Vatikanum und verschiedenen neueren Lehramtlichen Aussagen der katholischen Kirche vom “Wirken Gottes in anderen Religionen” gesprochen werden kann. Dass dieser Gedanke sich nicht auf die katholische Kirche beschrĂ€nkt, dĂŒrfte bekannt sein, aber dennoch ist das evangelische Missionsver-stĂ€ndnis schon von der Ekklesiologie anders gelagert. Dies bestimmt auch die unterschiedliche Anwendung des missio dei Konzepts. Ohne inhaltlich hier darauf eingehen zu können, wĂ€re es doch durchaus interessant, eine missionswissenschaftliche Untersuchung der ZusammenhĂ€nge des barth’schen Ansatzes (“Gottes Sein ist im Werden”) sowie der daraus weitergefĂŒhrten These JĂŒngels (“Gottes Sein ist im Kommen”) und der “missio dei”-theologie anzustellen. Ich stelle die These in den Raum, dass es ohne diesen Hintergrund nicht zum Epochenreferat zu Mission und Evangelisation von Eberhard JĂŒngel auf der EKD-Synode 1999[3] gekommen wĂ€re.

 

Haben wir auf der einen Seite im Bereich der katholischen Missiologie die Vorstellung von der Mission der Kirche im öffentlichen wie im “geheimnisvollen” Bereich, so haben wir auf protestantischer Seite so gut wie durch die Bank eine auf pietistische Anliegen und Vorstellung zurĂŒck gehende Missiologie. Das liegt – wie schon angedeutet – an der unterschiedlichen Ekklesiologie der römisch-katholischen Kirche und der protestantischen Kirchen. Ist die katholische Kirche eine Kirche, die per definitionem kat ‘hole, eine Kirche, die Anspruch auf UniversalitĂ€t und eine Stellung der Vormacht erhebt, so haben wir auf der protestantischen Seite ein eher partikulĂ€res ekklesiologisches VerstĂ€ndnis der Kirche, die sich nach politischen oder theologischen Grenzen definiert.

 

Eine gewisse Ausnahme bildet die anglikanische Kirche, die sich als rechtmĂ€ĂŸige Nachfolgerin der römisch-katholische Kirche versteht im Bereich des Vereinigten Königreichs und seiner Dependenzen. Darum gibt es innerhalb der anglikanischen Missionsarbeit zwei FlĂŒgel. Der eine FlĂŒgel, vertreten etwa durch die “USPG” (United Society for the Propagation of the Gospel), auf der anderen Seite die “CMS” (Church Mission Society). Die USPG vertritt eher das Anliegen der katholisch gesinnten Anglikaner, die CMS eher das pietistisch-evangelikale Anliegen der Low Church. Da in der Zeit des Kolonialismus weite Teile Afrikas und Asiens unter britischer Herrschaft waren, spielt dieser Unterschied missionstheologisch und missionsgeschichtlich eine bedeutende Rolle.

 

 

Um zurĂŒckzukommen auf die ekklesiologischen Unterschiede, lassen Sie mich diese Thematik auf die Situation der Mission in der islamischen Welt ĂŒbertragen: WĂ€hrend es von katholischer Seite her das Hauptanliegen ist, die PrĂ€senz der römisch-katholischen Kirche zu wahren (als Beispiel sei genannt das Erzbistum Algier, das unter der Kolonialmacht Frankreich in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts wieder mit einem Erzbischof versehen wurde und bis heute Erzbischof und Diözesanbischöfe hat, obwohl die Zahl der katholischen Christen im ganzen Erzbistum weniger als 3000 sind). Nebenbei bemerkt: Der Erzbischof von Algier, Henry Teissier, ist mit einem Kommentar Ende Februar 2008 negativ aufgefallen, indem er  evangelikal ausgerichtete Christen dafĂŒr kritisierte, dass sie ihren christlichen Glauben unter Muslimen bezeugen. Dies wĂŒrde fĂŒr die katholische Kirche erhebliche Schwierigkeiten mit den Behörden verursachen, obwohl sie immer wieder beteuerten, dass es ihnen (den Katholiken) nicht um die Konvertierung von Muslimen bei ihrer Arbeit gehe. Hier will die römisch-katholische Kirche alte AnsprĂŒche auf nordafrikanisches Territorium aufrechterhalten, indem die Kirche offiziell als Institution dort weiter existiert.

 

Auf der anderen Seite haben wir junge, dynamische, wachsende Gemeinden (hauptsĂ€chlich von Berbern), die nicht nur ihre alten Wurzeln im christlichen Glauben wiederentdecken, sondern zu einem neuen Glauben an Jesus Christus finden. Hier geht es nicht um die Aufrechterhaltung irgendwelcher AnsprĂŒche, schon gar nicht um Macht oder VormachtsansprĂŒche. Hier geht es darum, dass Menschen zu einer lebendigen Beziehung zu Jesus Christus und zum Vater Jesu Christi kommen. Erst sekundĂ€r kommt die Frage der Gemeindebildung und der Ekklesiologie auf.

 

Das bringt uns zum grundsÀtzlichen Problem der Mission unter Muslimen.

 

  1. II) der Islam – eine NACH-christliche Religion

 

Zwar ist die Mission innerhalb der EinflusssphĂ€re von allen sogenannten Hochreligionen ein mĂŒhsames und hoch sensibles Unterfangen, insbesondere auch der Inkulturation in diese Bereiche, aber weder im Bereich des Buddhismus, noch des Hinduismus noch des japanischen synkretistischen Systems ist die grundsĂ€tzliche Verschlossenheit dem Evangelium gegenĂŒber von so tiefgrĂŒndigem und anhaltendem Charakter wie es in der islamischen Welt der Fall ist.

 

 

Das hat leicht eruierbare GrĂŒnde. Auf die Geschichte des Islam und der christlichen Mission unter Muslimen will ich dabei nur insoweit eingehen, wie es fĂŒr das VerstĂ€ndnis der besonderen Situation der Kirchen und der Mission in islamischen LĂ€ndern notwendig ist.

 

 

1) Der Islam versteht sich als Vollendung und Korrektur der biblischen Offenbarung.

 

Der Islam ist nicht nur chronologisch gesehen eine nach-christliche Religion, sondern auch inhaltlich. Ich lasse einmal dahingestellt, ob die allerneueste historisch-kritische Islamforschung mit ihrer Hypothese, Muhammad als historische Gestalt erst eine Generation nach der ersten Ausbreitungswelle des Islam als Christusersatz erfunden wurde, oder ob die traditionelle Islamforschung in Anlehnung an Sunna und ÄhĂ€dith (as‑Siratu ‚l‑Nabawiyya)  recht hat mit der Überlieferung, dass eine historisch fassbarer Mensch, geboren nach dem Tod seines Vaters Abdullah  im “Jahr des Elefanten” 52 vor der Hidschra.[4]

 

Nach der islamischen Tradition wurde Mohammed  in der arabischen Stadt Mekka als verarmtes Familienmitglied der Haschemiten aus dem bedeutenden vorherrschenden Stamm der Quraisch geboren.  Im Alter von sechs Jahren verlor er dann auch noch seine Mutter Amina, weswegen er zunĂ€chst von seinem Großvater Abd al‑Muttalib erzugen wurde. Nach dessen Tod kam er unter den Schutz seines Onkels Abu Talib, des jĂŒngeren Bruders seines Vaters. Dessen Sohn (d.h. Mohammeds Vetter) Ali ibn Abi Talib heiratete spĂ€ter Mohammeds Tochter Fatima und wurde 4. Kalif/ 1.Imam der Schiiten).

 

 

In jungen Jahren arbeitete Mohammed als Schafhirte, spĂ€ter nahm er angeblich an zwei Reisen der Handelskarawanen in den Norden (Syrien) teil. Wie es eine Prophetenlegende aus dem 8. Jahrhundert haben will, soll er in diesem Zusammenhang dem Mönch Bahira begegnet sein, der “das Siegel des Prophetentums” zwischen Mohammeds Schultern gesehen und darin die Schriftzeichen des alten und neuen Testaments. UnabhĂ€ngig davon, ob diese Legende einen historischen Kern hat oder nicht, der Anspruch ist deutlich: Mohammed als Prophet des alleinigen Gottes hat die Legitimation des alten wie des neuen Bundes: in ihm kommt deren beide ErfĂŒllung. Seine Botschaft gilt ebenso Juden wie Christen.

 

Gegen 595 bot ihm seine damalige Arbeitgeberin, die 15 Jahre Ă€ltere zweifache Kaufmannswitwe Chadidscha bint Chuwailid (555?–619) aus einem angesehenen kureischitischen Geschlecht die Heirat an. Mit ihrer Hilfe erlangte Mohammed seine finanzielle UnabhĂ€ngigkeit und soziale Sicherheit. Es erfolgte eine Wende in seinem Leben. Seine Frau war die erste Person, die an Mohammeds Botschaft glaubte und gilt deshalb als die erste Muslima. Aus ihrer Ehe gingen vier Töchter hervor, wovon allein die jĂŒngste, Fatima das Erwachsenenalter erreichte. Von ihr stammen alle Nachfahren Mohammeds ab. Neben Chadidscha waren Ali ibn Abi Talib und Abu Bakr, der erste Kalif nach Mohammeds Tod, die ersten Muslime.

 

Mohammed pflegte alljĂ€hrlich einen Monat auf dem Berg Hira‘ in der NĂ€he von Mekka zu verbringen, um dort Buße zu tun. Zirka 610 n.Chr. – Mohammed war zu diesem Zeitpunkt etwa 40 Jahre alt – soll ihm der Erzengel Gabriel (arabisch „Dschibril“) erschienen sein. Das erste Offenbarungserlebnis, in Sure 93 des Koran wiedergegeben, stellt die AnfĂ€nge der Offenbarungen und damit den Anfang von Mohammeds Prophetie dar. Es war ein Traum, in dem Mohammed zur Rezitation eines geschriebenen – nach anderer Überlieferung vom Engel gesprochenen – Textes aufgefordert wurde. Von diesem Vorgang her leitet sich der Begriff “Koran” (Rezitation) ab. Die islamische Mohammedtradition sieht es bisweilen als “großes Wunder”, dass Mohammed, der Analphabet gewesen sein soll – was von anderen aber heftig bestritten wird – ein solches literarische Werk hĂ€tte nur mĂŒndlich zu Wege bringen können (nach schiitischer Tradition war es Ali, der alles nach Diktat des Propheten alle Suren aufschrieb.)

 

 

ZunĂ€chst wĂ€hrend seiner Fastenzeiten, spĂ€ter auch in mehr prosaischen ZusammenhĂ€ngen, wurden StĂŒck fĂŒr StĂŒck die Ayyat und Suren des Korans durch Dschibril Mohammed zur “Rezitationâ€ĂŒbermittelt. Das ist insofern wichtig, weil nach islamischer Vorstellung der Koran im Himmel höchst persönlich von Allah in arabischer Sprache in Ewigkeit niedergeschrieben wurde, in der “Nacht der Macht” (laylat-al-qudrat) der Engelwelt ĂŒberlassen, die Dschibril wiederum damit beauftragt hat, den Inhalt durch Mohammed den Menschen zu ĂŒbermitteln.

 

Schon im Koran gibt es sowohl die Vereinnahmung biblischer Inhalte fĂŒr den Islam[5] sowie inhaltliche “Korrektur”: Tod und Auferstehung Jesu seien nicht geschehen, und es werden  Elemente aus gnostischen Quellen/Evangelien, z.B. aus dem Thomasevangelium, hinzugefĂŒgt, so z.B. Kindheitswunder Jesu. SpĂ€ter kommen in der islamischen Polemik “Formfehler” hinzu: am bedeutendsten durch einen gewollten “Ittazismus” (wie im Falle Kamilon-Kamelon), wodurch FĂ€lscher des neutestamentlichen Textes aus “paraklitos”, “der Gehuldigte” oder “Gepriesene” – also muhammad – “parakletos”, “der Beistand” wurde. Nach islamischem VerstĂ€ndnis wurde nie der heilige Geist von Jesus als Tröster oder Beistand versprochen, sondern eben Mohammed. Das mittelalterliche Pseudoepigraph, das “Barnabasevangelium” wird gern als Beleg zitiert.

 

Ich halte fest: der Islam tritt mit einem erklĂ€rten Anspruch auf den Plan, nĂ€mlich die abschließende Stufe der (biblischen!) Offenbarung zu sein. Damit ist die biblische Offenbarung de facto ĂŒberholt und nur vom Koran her zu deuten oder interpretieren.

 

 

Dieser Anspruch wird bestĂ€tigt und erhĂ€rtet von der islamischen Gottesgelehrsamkeit der folgenden Jahrhunderte bis heute. Besonders beschwerlich fĂŒr die Missionsarbeit, fĂŒr das christliche Zeugnis ist, dass Muslime eine starke Hybris anderen “Offenbarungsstufen” gegenĂŒber. Es gibt ĂŒberall in der islamischen Welt eine geradezu schizophrene Einstellung zum Christentum und Judentum. In der Theorie sei der Islam ĂŒberlegen, besser, vollkommen, aber in der Praxis wĂŒrden die Juden die Welt kontrollieren und die Christen/KreuzzĂŒgler – das sind die LĂ€nder des Westens, allen anderen voran die Amerikaner mit ihrer industriellen und technologischen Vormacht eine permanente DemĂŒtigung fĂŒr die Welt des Islam. Der Hass auf den “christlichen Westen” hat also unterschiedliche GrĂŒnde. Ob es ohne Kolonialgeschichte zu einem wiedererwachen islamistischer Tendenzen gekommen wĂ€re, wage ich zu bezweifeln. Die junge, gebildete Schicht der Muslime ist besonders anfĂ€llig fĂŒr extremistisches Gedankengut. Eine tiefe KrĂ€nkung, die als DemĂŒtigung durch den Westen empfunden wird, schĂŒrt den Hass. Aber auch einfache Menschen in islamischen LĂ€ndern sind von dieser schizophrenen Haltung betroffen: Ich denke an die MĂ€nner im pakistanischen Basar, die die EnglĂ€nder beschuldigen, sie “AbhĂ€ngig vom Teetrinken” gemacht zu haben – damit sie sie so finanziell “aussaugen” konnten…

Muslime sind, was Evangelium und christlicher Glaube betrifft, durchaus voreingenommen und halten den Islam fĂŒr die ĂŒberlegene Religion und den vollkommeneren Lebensentwurf. Dazu sind sie grĂŒndlich desinformiert – z.B. was die TrinitĂ€t betrifft.[6]

 

  1. Der Islam hat seit seiner GrĂŒndung in der Hidschra das Christentum bekĂ€mpft.

 

Mohammed hat ursprĂŒnglich an die Einverleibung der Juden und Christen in den Islam geglaubt. Erst nach der Hidschra und den kriegerischen Auseinandersetzungen mit den jĂŒdischen StĂ€mmen in und um Medina Ă€ndert sich der anfangs wohlwollende Ton ihnen gegenĂŒber. Das Ziel der Vereinigung wurde im Laufe der Koran-“offenbarung” auf die Wiederkunft Christi als Messias der Muslime (!) Verschoben.

Das Gebrochene VerhĂ€ltnis zum Judentum und Christentum hat historische Wurzel – hĂ€lt aber heute noch an. Dass die Armeen der Muslime weite christliche Gebiete haben erobern können ist die eine Seite. Dass sie an christlichen Heeren in Europa aber auch wiederholt gescheitert sind ist die andere. Seit Hunderten von Jahren stecken die Heere der Muslime Niederlagen gegen die der Christen ein. Der grĂ¶ĂŸte Held der MilitĂ€rgeschichte ist heute noch Saladin.[7]

 

Wir MitteleuropĂ€er haben im Vergleich zu den SĂŒdeuropĂ€ern und Orientalen kaum einen Bezug zur Geschichte. Wir leben im Hier-und-Jetzt. Junge Iraner – oder meinetwegen Makedonier – identifizieren sich mit und definieren sich heute noch von Dareios und Alexander dem Großen her.

 

FĂŒr Muslime ist es heute noch ein Grund zum Hass gegen die Juden allgemein, dass zwei jĂŒdische StĂ€mme im Krieg um Medina die Lager gewechselt haben. Auch die Christen, die Mohammeds Abkehr vom Heidentum ursprĂŒnglich begrĂŒĂŸten, haben sich spĂ€ter von ihm distanziert, als klar wurde, was er mit seiner Religion eigentlich wollte.

 

WĂ€hrend der ersten mekkanischen Phase vor der GrĂŒndung der islamischen Gesellschaft in Medina sind zwei Ereignisse von besonderer Bedeutung: die nĂ€chtliche Himmelfahrt des Propheten (al‑mi‘radsch)  und die “Reise nach Jerusalem” (al‑isra‘).  WĂ€hrend erstere den Stand Mohammeds Jesus gegenĂŒber bestĂ€tigen soll, lĂ€sst zweites unmissverstĂ€ndlich erkennen, was die Rangordnung unter den Propheten ist! Das gilt unabhĂ€ngig davon, dass die kritische Islamwissenschaft beide Ereignisse als ein und dasselbe ansehen – der Fußabdruck auf dem Stein inmitten des Felsendoms sei der Ort, von dem Mohammed in den Himmel gefahren sei, die Himmelfahrt des Propheten gehöre ursprĂŒnglich nicht zu den Mekkanischen Traditionen.

 

Vom noch geschleiften Jerusalemer Tempelberg, auf dem spĂ€ter der Felsendom im Auftrag von christlichen Bauleuten errichtet wurde, soll wie gesagt, Mohammed in den Himmel aufgefahren sein. Nun aber der Clou: zuvor habe er dort ein Gebet nach islamischem Muster mit allen biblischen Propheten einschließlich Jesus geleitet. Nach kurzer Begegnung mit Gott soll sich Mohammed anschließend zusammen mit dem Erzengel Gabriel zurĂŒck nach Mekka begeben haben.

 

 

Die Zeit reicht nicht, hier auf die satanischen Verse einzugehen, die in diese Phase gehören. Es genĂŒge der Hinweis, dass die heftigen Reaktionen der islamischen Welt zu diesem Thema nicht unbegrĂŒndet sind! Es ist wohl der wundeste Punkt in der islamischen Tradition, der die Offenbarung auch grundsĂ€tzlich in Frage stellt. Aus christlicher Sicht ist natĂŒrlich die Frage, inwiefern Mohammed tatsĂ€chlich vom Teufel dĂŒpiert wurde!

 

Mit der Hidschra, dem Verlassen Mekkas und dem Sesshaft werden in der west-arabischen Stadt Yathrib kommt die Geburtstunde des Islam. Das ist von Großer Bedeutung, denn den Glauben an Allah als alleinigen Gott und Mohammed als seinen Propheten gab es zu diesem Zeitpunkt schon zirka ein Duzend Jahre. Aber erst hier in Yathrib gewann der Islam auch politische Macht und wurde zu einer gesellschaftlichen GrĂ¶ĂŸe. Das ist das Entscheidende an der Hidschra.

 

 

Mit der Übernahme des Islam als Normgebend fĂŒr das gesellschaftliche Zusammenleben geschieht die Geburtstunde des Islam – nicht der Glaube ist entscheidend, sondern dass dieser politisch-gesellschaftliche Gestalt gewinnt!  Yathrib heißt nunmehr fĂŒr die Muslime “Medinat-an Nabi” – “Ort, bzw. Stadt des Propheten”.  Die Stadt hat zum Zeitpunkt der Ankunft Mohammeds auch Bewohner, die schon vor der Hidschra Muslime geworden waren. Die medinensischen AnhĂ€nger nannte man die „Helfer“/„UnterstĂŒtzer“ (al‑Ansar). Hinzu kamen die mekkanischen AnhĂ€nger Mohammeds, die „Auswanderer“ (Muhadschirun), die ihm gefolgt waren.

 

 

Dies ist der alles entscheidende Punkt in der Entstehung des Islam. Darum beginnt der islamische Kalender mit der Hidschra. Selbst die Suren des Koran werden in “mekkanische” und “medinensische” unterteilt. Mekkanische Suren unterscheiden sich von medinensischen Suren vor allem durch ihren Umfang (alle langen Suren stammen aus Medina) sowie durch ihren Inhalt bzw. ihre QualitĂ€t und ihren Ton.  Waren die mekkanischen Suren eher mit Glaubensinhalten beschĂ€ftigt, und waren sie durchweg positiv gestimmt den Juden und Christen gegenĂŒber, so sind die in Medina “rezitierten” Suren mehr praktischer Art und auf die verĂ€nderte politische Situation ausgerichtet.

 

Fazit: Wir haben gesehen, dass die hervorgehobene Stellung Jesu als Prophet im Islam keine BrĂŒcke zu den Muslimen baut, sondern uns tiefgrĂŒndig trennt. Einen Muslim fĂŒr Jesus gewinnen heißt im tiefsten Grunde einen Gegner Jesu fĂŒr ihn gewinnen!

 

 

3.) Die IdentitÀt des Muslim ist nicht nur religiös, sondern politisch-gesellschaftlich und sogar geographisch geprÀgt.

 

Der Islam als antichristliche Religion

ÜberlegenheitsgefĂŒhle

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Das islamische Weltbild

Das christliche Weltbild

Das islamische Menschenbild

Das christliche Menschenbild

 

Der Islam betrachtet Religion und Staat als Ganzes (din wa daula), darum schließt die Schari’a alle Lebensbereiche ein.

 

  1. A) Dar-al Islam/Dar al Harb

 

Der Islam ist eben nicht von Hause aus „nur“ Religion, sondern ein sozio‑politischer Entwurf, der zur GrĂŒndung einer Staatsmacht und einer Weltordnung im 7. und 8. Jh.. gefĂŒhrt hat. Das gilt in den Köpfen und Herzen der praktizierenden Muslime bis heute.  Sehen wir vom Beispiel TĂŒrkische Republik ab, die ein bewusst laizistischer und eben nicht islamischer Entwurf Mustafa Kemal AtatĂŒrks war, gibt es keine weiteren sozio‑politischen EntwĂŒrfe, die z.B. eine Trennung von „Kirche“ und Staat vorsehen. Ob Emir, Sheikh, Sultan, Khalif, Schah, Gouverneur, PrĂ€sident – die politische Macht in islamisch geprĂ€gten LĂ€ndern sieht sich nicht nur als defensor fidei – wie die Königin von England – sondern dafĂŒr verantwortlich, dass der Islam die gesellschaftlichen Strukturen definiert.  Dabei darf nicht ĂŒbersehen werden, dass gerade in der TĂŒrkei die Kleriker, Hodschas etc. vom Staat angestellt sind und die Moscheen  vom Staat verwaltet werden, damit der Staat auch die Kontrolle hat.

 

Wie denkt ein Muslim ĂŒber seine Religion? Im Islam gibt es eine große gelebte Vielfalt, was die Frömmigkeit betrifft. Es gibt auch konfessionsĂ€hnliche Unterschiede unter Muslime: Sunni, Schia, Ahmadiyya, Ismaili und andere mehr. Innerhalb der „Konfessionen“ bzw. „Sekten“ gibt es z.B. die “12er”, “7er” und “5er” Schiiten. Innerhalb der Sunniten „Lehrschulen“ (madhahib), die das Islamische Recht durch ihre judisprudentia (al-fiqh) z.T. unterschiedlich interpretieren,  von denen die wichtigsten die Hanfi, Maliki, Schafi’i, und Hanbali, in neuer Zeit auch Wahabi sind. Seit 1959 wird auch die Schiitische Rechtsschule der Dschaffari anerkannt.

 

Ganz entscheidend fĂŒr die organisatorische Struktur des weltweiten und örtlichen Islam ist,

 

dass es keine institutionelle Bindung gibt. Das bietet gewisse Chancen, aber auch Komplikationen fĂŒr die Mission. Die örtlichen Moscheen als „Gemeinden“ sind nicht Mitglieder in irgendwelchen VerbĂ€nden, die mit Kirchengemeinschaften zu vergleichen wĂ€ren. Oftmals sind die Moscheen Privatbesitz eines Individuums oder einer Familie. Es gibt keine allgemein anerkannte Lehrinstanz. Der höchste Gelehrte der Al‑Azhar‑UniversitĂ€t genießt zwar den Respekt der Sunniten, kann aber keine rechtsverbindliche „Fatwas“ aussprechen. Solche „RechstsprĂŒche“ oder „Lehrmeinungen“ werden von den GlĂ€ubigen beachtet oder auch nicht. Letzten Endes kommt alles auf die Staatsmacht an, denn das islamische Weltbild ist (bisher) unzertrennlich mit dem politischen GefĂŒge verquickt, deutlich etwa am Wahhabitismus Saudi-Arabiens zu sehen. Die einzige allgemein anerkannte AutoritĂ€t ist die des politischen Herrschers und sein Diktat. Es gibt sehr wohl Muslime, denen die Politik und die Religion vollkommen egal ist ‑ sie wollen ihr Leben leben wie jeder andere auch, aber was haben diese entgegenzusetzen, wenn Fundamentalisten oder gar Extremisten ihren Anspruch stellen, den „reinen Islam“ nach mittelalterlichem Herrschaftsmuster einzufĂŒhren? Wir sehen das hier in Deutschland an den salafitischen Moscheen, dem “Kalif von Köln” (der endlich ausgewiesen werden konnte), der Milli GörĂŒs und anderen mehr.

 

  1. B) Das Islamische Weltbild

Das islamische Weltbild teilt die Erde geopolitisch in zwei SphĂ€ren ein: „Dar‑al‑Islam“ (Haus des Islam/ Haus der Unterwerfung/ auch “Haus des Friedens”[8] propagiert) und „Dar‑al‑Harb“ (Haus des Schwertes/Haus des Krieges). Haus des Islam ist jedes Gebiet, ĂŒber das ein islamischer Herrscher herrscht, bzw. in dem es eine islamische Mehrheit gibt, die in der Lage ist, das islamische Recht fĂŒr sich einzufordern ist. Die ĂŒbrige Welt stellt das “Haus des Krieges” dar. In diesem Teil der Welt gilt es den Islam einzufĂŒhren und das Haus des Islam zu etablieren. Manche moderne Denker im Islam haben so etwas wie ein „Haus des Vertrages“ vorgeschlagen, dies ist jedoch nicht realisiert worden und auch nicht im offiziellen Islam als Option anerkannt. Es ist auch mĂŒĂŸig als Modell zu verfolgen, da nach den geltenden Rechtsgrundlagen des Islam “VertrĂ€ge” mit “UnglĂ€ubigen” spĂ€testens nach 10 Jahren ĂŒberprĂŒft und nach Möglichkeit aufgekĂŒndigt werden mĂŒssen.

 

Im Haus des Islam herrscht der Islam. Das ist der Grund, warum ĂŒberall in der islamischen Welt wo es islamische Herrscher oder Mehrheiten in der Bevölkerung gibt, nach EinfĂŒhrung der Scharia lautstark von fundamentalistischer Seite gerufen wird – und das mit zunehmendem Erfolg. Von Nordnigeria im Westen ĂŒber Saudi Arabien, den Iran, Afghanistan und sogar Nordwestpakistan bis hin zu Aceh und Brunei.im Osten ist das verwirklicht worden.

 

Im Haus des Islam haben Muslime einen besonderen Status und sind durch das islamische Recht geschĂŒtzt. Juden und Christen werden als „Volk des Buches“ toleriert, aber in einem untergeordneten Status als „Dhimmi“, das heißt so viel wie SchĂŒtzlinge / AbhĂ€ngige / Pfronpflichtige“ Ă€hnlich dem Feudalsystem.

 

Der Herrscher bzw. der Staat bestimmt seine GesprĂ€chspartner aus der Mitte der „Dhimmi“ und regelt deren Angelegenheiten mit diesen direkt. Sie haben keine eigene Vertretungsmöglichkeit. Der islamische Staat kann Schutz gewĂ€hren oder  Entziehen. Die „Dhimmis“ sind bestenfalls „BĂŒrger zweiter Klasse“. Angehörige anderer Religionen (Kafirun) können gezwungen werden, zum Islam ĂŒber zu treten.

 

Inzwischen ist es ebenfalls so, dass heute an der Ausdehnungsgrenze des Islam, wo er VorstĂ¶ĂŸe geographischer und politischer Art macht, um weitere Gebiete fĂŒr den Islam zu gewinnen, die hĂ€rtesten Auseinandersetzungen und die geringste Offenheit fĂŒr die Mission herrscht. Von Nigeria im Westen bis Indonesien im Osten, vom Kosovo im Norden bis Kenia im SĂŒden, ĂŒberall an den Grenzen der mehrheitlich islamischen Gebiete gibt es Konflikte.

 

Das sind die bedauerlichen Vorzeichen, unter denen Mission in islamischen LĂ€ndern getan werden muss.  Dies wird jedem Missionar, der unter Muslimen arbeitet  – vor allem in der nicht islamischen Welt – vorsichtig werden und “Bekehrungen” mehrfach und sorgfĂ€ltig ĂŒberprĂŒfen lassen, es wird aber auch die Frage der Inkulturation in einem mehr als zwielichtigen Licht erscheinen lassen…

 

Hinzu kommt ein grundlegender Unterschied in der Denkweise. Ich möchte das “vor-modernes” oder mittelalterliches Denken nennen.

 

  1. C) Mittelalterliches Denken

 

Weder Reformation noch AufklĂ€rung haben in der islamischen Welt Schule gemacht – mit Ausnahme von Teilen der Bildungselite, die in Oxford, Cambridge, Harvard, MIT, Stanford usw. studiert haben. Das bedeutet, dass auch die positiven Auswirkungen des Individualismus in Entscheidungsfreiheit, Selbstbewusstsein, Zivicourage und Verantwortung des Einzelnen sich und nicht nur der Gemeinschaft gegenĂŒber – das alles nicht in dem Maße ausgeprĂ€gt ist, wie in LĂ€ndern des Okzidents .

 

 

Weite Teile der islamischen Welt sind noch verhaftet im Stammesdenken[9]. Der Stamm (qabila) stellt den Lebensrahmen fĂŒr den Muslim dar. Auch innerislamische Konflikte wie derzeit im Irak verlaufen nicht nur an “denominationellen” Grenzen entlang, sondern vor allem an Stammesgrenzen. Wir tun uns unheimlich schwer, uns in solch eine Situation hineinzudenken. Wir leben in der modernen westlichen Welt weitestgehend individuell autark. Nicht einmal die Kernfamilie ist mehr ein unerlĂ€sslicher Lebenrahmen fĂŒr die meisten BĂŒrgerinnen und BĂŒrger. So können wir es kaum verstehen, wie das Gelingen eines Lebens in der islamischen Welt davon abhĂ€ngen kann, dass Zusammenhalt und Treue innerhalb eines Stammes fĂŒr einen Menschen fĂŒr den Erhalt seiner LebensgefĂŒge entscheidend sein kann. Das macht die Konversion eines Moslem zum Christentum Ă€ußerst schwierig. Es ist heute gemeinhin bekannt, dass die Familie im islamischen Recht eine besondere Rolle bei der AusĂŒbung der Scharia hat, insbesondere der Hadud-Vorschriften, auch die Allgemeinheit ist dafĂŒr sensibilisiert, dass die Kernfamilie eines Konvertiten analog zu dem Verhalten der Familie in den so genannten Ehrenmord-FĂ€llen bei Abweichung von der allgemein akzeptierten ethischen Norm die Verpflichtung hat, die Strafe fĂŒr Apostasie, den Abfall vom islamischen Glauben, zu vollstrecken.

 

Selbst wo es einem Moslem gelingt, seine Familie davon zu ĂŒberzeugen, ihn in seinem neuen Glauben gewĂ€hren zu lassen, oder wo es einem Konvertiten gelingt, aus dem FamiliengefĂŒge auszusteigen und eine neue Existenz aufzubauen, selbst dort wird es kolossal schwer fĂŒr einen Moslem, neue Beziehungen aufzubauen und ein LebensgefĂŒge, das funktioniert, zu schaffen.

 

 

Es wird in Kreisen von Missionaren, die in der islamischen Welt leben, manchmal bemĂ€ngelt, dass Konvertiten diese LebensgefĂŒge bei ihnen suchen. Manchen kommt es so vor, als wĂŒrde der Konvertit den Anspruch stellen: “ich habe mich dir angeschlossen im Glauben, du bist mein Bruder, meine Schwester, meine Familie, du musst auch fĂŒr mich sorgen!” Missionare, die lĂ€nger im islamischen Kontext gelebt haben, und fĂŒr die gesellschaftlichen GefĂŒge sensibilisiert worden sind, wissen, dass – sofern es keine aus Konvertiten bestehende Gemeinde gibt, der Konvertit im Grunde gar keine andere Wahl hat. Dies ist auch der Grund, warum letzendlich der ĂŒberwiegende Teil der Konvertiten aus dem Islam ihre HeimatlĂ€nder verlassen und ein neues Leben in einem westlichen Land beginnen mĂŒssen. Oftmals hĂ€ngt die Auswanderung mit direkter Gefahr fĂŒr Leib und Leben zusammen. Selbst wo diese Gefahr nicht besteht, gibt es nur wenige Menschen, die die innere Kraft und die nötige Fantasie haben, ein Leben in solcher extremen gesellschaftlichen Vereinsamung aufzubauen.

 

Ein zentralasiatisches Sprichwort sagt: “Niemandes Tod ist vollzogen, solang der Stamm besteht”[10]. Die Lage in der Islamischen Welt ist Ă€hnlich der Situation im Bereich der östlichen Orthodoxie[11]: es fand weder Reformation noch AufklĂ€rung statt. Die autoritative Form des Islam ist mittelalterlich geblieben ‑ kann es zu einer grundlegenden Versöhnung zwischen dem Islam und der Moderne kommen? Es gab hoch‑Zeiten im Islam, die Sassaniden, Seldschuken, Mauren, Ghaznaviden, Moghulen, Ottomanen um nur einige der Großreiche zu nennen. Allerdings sind das zum Teil von Außen hereingetragene Elemente! Es gab auch einen „liberalen“ ‑ d.h. im Grunde inkonsequenten Islam in der Zeit der islamischen Übermacht im Osten[12]. Aus der Position der StĂ€rke heraus gab es auch Milde, teils „Großmut“ Christen und Juden gegenĂŒber. Wenn die Dominanz des Islam deutlich ist, dann kann er sich (muss aber nicht) auch von einer menschen‑ kunst‑ und wissenschaftsfreundlichen Seite zeigen. Wo er aber nicht dominiert, wird der Grund fĂŒr diese „Misere“ in der eigenen Inkonsequenz gesucht und gefunden (s. die Äußerungen des MinisterprĂ€sidenten Malaysias Mahathir Mohamad vor der Organisation islamischer Staaten im Okt.2003).

 

 

Der Fundamentalismus bricht in der Begegnung mit der Moderne auf ‑ auch und gerade mit dem Kolonialismus. Es ist das Bestreben, die Uhr zurĂŒckdrehen zu wollen[13].

Es gehört zur Ironie der Situation, dass gerade im Bereich des radikalisierten Islamismus die alten, mittelalterlichen Denkweisen und Strukturen ĂŒberwunden werden. Der originĂ€re islamische Gedanke der Umma, in der die StĂ€mme vereint und zu einer starken Nation gemacht werden, ist zu neuem Leben erweckt. Wo der islamische Einheits- und Expansionsgedanke die Fantasien der Islamisten beflĂŒgeln, werden die engen Grenzen des Stammesdenkens ĂŒberwunden. Gerade der Gedanke an einen pan-islamischen Dschihad hat eine ungeheuer stark vereinende Wirkung innerhalb der islamischen Welt. So zum Beispiel bei der Entstehung des Wahabismus und der damit einhergehenden Entstehung des saudiarabischen Königreiches.

 

 

FĂŒr die meisten LĂ€nder der islamischen Welt gilt, dass auch Christen die gesellschaftlichen Strukturen der Muslim ĂŒbernehmen oder nachempfinden mĂŒssen, um ein sinnvolles Leben in dieser Gesellschaft zu ermöglichen. So ziehen sich die Grenzen zwischen Christen und Muslimen in mehrheitlich muslimischen LĂ€ndern oftmals an ethnischen Grenzen entlang. Es gibt auch christliche “StĂ€mme”. Das ist auch der Grund dafĂŒr, dass ganze StĂ€mme auf einmal zum christlichen Glauben ĂŒbergetreten sind. So auch in Nordindien im ĂŒberwiegend von Muslimen dominierten Teil des Subkontinents im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Nur wo ein Stamm geschlossen, oder zumindest zu einem großen Teil gleichzeitig den Religionswechsel vollzogen hat, konnte das Leben in einigermaßen geregelten Bahnen vorwĂ€rts gehen.

 

 

  1. Die IdentitĂ€t der Muslime hat “national-völkischen” Charakter

 

 

Es ist schon der Rede von der Umma gewesen. Der Begriff Umma bedeutet: Das islamische Volk in seiner Gesamtheit, und ist nicht nur etymologisch mit dem hebrĂ€ischen Begriff  “ha‑am” verbunden.  Wo im Judentum ha-am das auserwĂ€hlte Volk Gottes in aller Regel bezeichnet, im gewissen Sinne also wenn man will ein Heilsbegriff ist, so ist im Islam der Begriff Umma die Bezeichnung fĂŒr die Gesamtheit der Menschen, die sich im Islam Allah unterworfen haben. Je nach Gebrauch bedeutet es die Summe aller Muslime oder die Summe aller islamisch regierten LĂ€nder und Gebiete.

 

Wir sahen bereits, dass die IdentitĂ€t eines Muslims von seiner Zugehörigkeit zu einem Stamm abhĂ€ngig sein kann. Dabei darf nicht ĂŒbersehen werden, dass die StĂ€mme wiederum sich ĂŒber den Islam definieren und mit dem Islam identifizieren. Ob Fulani oder Tuareg in der Sahara, ob Kureish oder Banu-Aus in Saudi Arabien, ob Oraksai oder Afridi bei den Paschtunen, die StĂ€mme sind per definitionem muslimisch. Den Islam zu leugnen bedeutet den Stamm zu leugnen. Eine Abkehr vom Islam kommt einer Abkehr vom Stamm gleich. Das gilt auch fĂŒr die islamischen LĂ€nder, in denen wegen der vor-islamischen gesellschaftlichen Struktur, in Ägypten etwa, oder durch eine nationale Bewegung, wie zum Beispiel in der TĂŒrkei, das Stammesdenken durch ein nationales bzw. nationalistisches Denken ersetzt wurde. So kommt es dazu, dass ein Staat sich durch die Konversion auch nur weniger seiner BĂŒrger bedroht fĂŒhlen kann. Weil der Staat bzw. Die Nation sich ĂŒber die Religion, ĂŒber des Gesellschaftsentwurf des Islam identifiziert, gehört ein Konvertit zum Christentum nicht mehr dazu. Selbst in der laizistischen TĂŒrkei wird das so empfunden. Eine Abkehr vom Islam kommt einer “Beleidigung des TĂŒrkentums” gleich. Die Ermordung der Christen Hrant Dink und der drei Christen in Malatya in diesem Jahr sind die Folgen einer solchen Denkweise. Ein TĂŒrke hat Moslem zu sein! Die unsĂ€glichen Schikanen gegen den ökumenischen Patriarchen, das Verbot, seinen offiziellen Titel zu fĂŒhren, das Untersagen der Priesterausbildung innerhalb der TĂŒrkei und die andauernde Ablehnung, den christlichen Kirchen Rechtsstatus zu gewĂ€hren, all diese MissstĂ€nde haben ihre Wurzel darin, dass die nationale IdentitĂ€t keinen Raum fĂŒr AndersglĂ€ubige hat. Es handelt sich eben – wie vorher erlĂ€utert – um Dar al Islam – Haus des Islam. Christen kĂ€mpfen vergeblich in vielen Islamischen LĂ€ndern der Welt um Anerkennung als rechtmĂ€ĂŸige, pflichtbewusste und treue BĂŒrger ihres Staates. Ob Pakistani, Iraner, TĂŒrke oder PalĂ€stinenser, den Christen haftet der Geschmack des Dhimmi, des AbhĂ€ngigen, des Minderwertigen, des BĂŒrgers zweiter oder dritter Klasse an.

 

 

Das hat auch in den relativ modernen Staaten der islamischen Welt ungeheure Konsequenzen fĂŒr die Mission und fĂŒr das Leben der Kirche. Hatten die PalĂ€stinenser sich ursprĂŒnglich von den arabischen Fellachin dadurch unterschieden, dass sie als Nachfahren der Kreuzfahrer galten und somit auch zu einem bedeutenden Anteil christlich geprĂ€gt gewesen sind, so hat sich seit der StaatsgrĂŒndung Israels und der Widerstandsbewegung der PalĂ€stinenser der Anteil der Christen unter den PalĂ€stinensern proportional zu den muslimischen PalĂ€stinensern in steigendem Maße stetig abgenommen. Inzwischen machen die Hamas keinen Hehl daraus, dass ein PalĂ€stinenser auch Muslim sein muss. Christliche PalĂ€stinenser werden systematisch als Schutzschild fĂŒr die militanten PalĂ€stinenser missbraucht. So im Fall von Bet-Dschala und Bethlehem, wo radikale PalĂ€stinenser die Vororte und Zufahrtswege Jerusalems von besetzten christlichen HĂ€usern auch beschossen haben, so auch im Gaza-Streifen, wo eine militante Gruppe den GebĂ€udekomplex der Baptisten besetzte, um von dort aus ihre innerpalĂ€stinensische Fehde auszufechten.

 

Die UnterdrĂŒckung des christlichen Anteils der Bevölkerung in solchen LĂ€ndern hat System und fĂŒhrt vielfach zu einer MentalitĂ€t der UnterdrĂŒckten. Die christlichen StĂ€mme in Pakistan, die vorwiegend ab 1875 stammesweise zum Christentum ĂŒbergetreten sind, sind schon Jahrtausende schon lange vor Ankunft der Muslime im dreizehnten, vierzehnten Jahrhundert unterdrĂŒckt gewesen. Dieser ehemals Kastenlosen im hinduistischen System wurden auch von den Muslimen verachtet als Heiden (Kafirun). Teilweise wurden sie zwangsislamisiert, wobei mindestens eine Gruppe unter dem Ă€ußeren Deckmantel des Islam ihre ursprĂŒngliche Religion beibehielt und mit Modifikationen weiterpraktiziert.

 

 

Dies bringt uns zum Thema Inkulturation zurfĂŒck. Der enorme gesellschaftliche Druck der islamischen Mehrheit bleibt nicht ohne Auswirkung auch fĂŒr das Leben der Christen in diesen LĂ€ndern. Das fĂ€ngt mit der Fastenpraxis an, berĂŒhrt die Essgewohnheiten, den Lebensrhythmus, die Festlichkeiten und Rituale. Wo in einem islamischen Land wĂ€hrend des Ramadan gefastet wird,  mĂŒssen Christen nicht nur Ă€ußerste Vorsicht walten lassen, um die religiösen Empfindungen der Muslime nicht zu verletzen, und deren Zorn auf sich zu bringen, sondern dort wird auch das christliche Fasten so etwas wie Ehrensache. Man möchte ja den Muslimen in keinem StĂŒck der Frömmigkeit nachstehen. So werden auch in manchen islamischen LĂ€ndern, wo es besondere Riten fĂŒr die Toten gibt, auch solche Riten fĂŒr Christen eingefĂŒhrt. So gibt es etwa in Pakistan Gedenkgottesdienste fĂŒr die Verstorbenen nach 40 und nach 100 Tagen. Manche Christen, beeinflusst durch die islamische Ansicht, finden schon den Gedanken an den Verzehr von Schweinefleisch fĂŒr Ekel erregend. Was von westlichen Missionaren Ende der 70er, Anfang der  80er Jahre “Inkulturation” angeblich “entdeckt” wurde, geschieht in Wahrheit schon immer. Dabei verwahrt sich die islamische Gesellschaft davor, dass die Grenzen zwischen Muslimen und Christen oder AndersglĂ€ubigen verwischt werden. Als Ende des 19. , Anfang des 20. Jahrhunderts eine Kirche fĂŒr einheimische Christen in der Altstadt von Peshawar unter dem Schutz der herrschenden EnglĂ€nder gebaut wurde, wurde die Kirche im Stil einer indischen Moschee gebaut. Ob das nur taktische GrĂŒnde hatte, oder ob eine innere Anpassung gewollt war, lĂ€sst sich nicht mehr nachvollziehen. Weil aber das Bauwerk wie eine werdende Moschee aussah, gab es keinerlei Aufstand in der Bevölkerung bis zur Fertigstellung. Als aber ein Passant beobachtete, dass ein Bauarbeiter ein Kreuz auf der zentralen Kuppe errichtete, hat dieser ihn kurzerhand angeschossen. Diese bleibt die einzige mir bekannte Kirche im indischen Subkontinent, die moscheehafte ZĂŒge trĂ€gt.

 

Die Umma, die “Nation” der Muslime beharrt darauf, ein klares, unterschiedliches Profil als Unterscheidungsmerkmal zu anderen Religionsgemeinschaften beizubehalten. So ist es den Achmedias in Pakistan und den Aleviten in der TĂŒrkei verwehrt, ihre GebetsstĂ€tten “Moschee” zu nennen. Die Moschee (auch Masichib) ist Merkmal des Herrschaftsanspruchs des Islam. Islamforschern ist es schon lĂ€ngst bekannt, dass die Moschee nicht in erster Linie religiösen, sondern gesellschaftlichen Charakter hat. Wo eine Moschee steht, herrscht die islamische Weltordnung. Darum muss die Moschee mit ihrem Minarett sich von anderen religiösen GebĂ€uden unterscheiden. So musste auch das monumentale Bauwerk der Hagia Sophia in Konstantinopel mit Minaretten ausgestattet werden. Nicht nur deswegen, dass der Muezzin die GlĂ€ubigen zum Gebet rufen konnte, sondern auch, um ein Ă€ußeres Zeichen der Dominanz aufzurichten. (Nebenbei bemerkt, ist es kein Wunder, dass ein deutscher evangelischer Bischof  die PlĂ€ne fĂŒr die geplante Kölner Moschee fĂŒr “zu triumphal” bzw. “imperial” hĂ€lt.)

 

 

Christen in islamischen LĂ€ndern leben unter den beiden Vorzeichen der Dominanz und der Duldung. Sie werden von der islamischen Mehrheitsgesellschaft dominiert, sie werden bestenfalls geduldet, oftmals diskriminiert und unterdrĂŒckt. Das macht nicht gerade ein einladendes Bild von der Kirche Jesu Christi bzw. Christenheit in islamischen LĂ€ndern. In der  Tat sind die Kirchen in solchen LĂ€ndern, wo es keine ungebrochene KontinuitĂ€t in der Geschichte von vorislamischen Zeiten her gibt, in der Regel aus Rand- und Außenseitergruppierungen der Gesellschaft entstanden. Hier besteht eine direkte Parallele zur ersten Expansionsbewegung der jungen Kirche unter den Heiden: Was Tazitus als “Abschaum der Menschheit” empfunden hat, ist in einem Land wie Pakistan nicht anders. Christen werden entweder wegen ihres in den Augen der Muslime “minderwertigen” Glaubens oder auch wegen ihrer völkischen Zugehörigkeit gering geschĂ€tzt und auch verachtet.

 

 

Auf diesem Hintergrund ist es leicht zu verstehen, warum die christliche Mission in den islamischen LĂ€ndern sich so schwer tut. Selbst wo ein Mensch die Botschaft von Jesus Christus kennen und schĂ€tzen gelernt und auch diese Denkweise fĂŒr sich selbst ĂŒbernimmt, ist es noch ein großer Schritt, ein weiter Weg, bis er den Glaubenswechsel auch öffentlich vollzieht. Es gibt eine betrĂ€chtliche Zahl von so genannten “heimlichen Christen” in der islamischen Welt, die vielfach Beziehungen zu christlichen Missionaren unterhalten, aber weiterhin in ihren islamischen Familien und VerwandtschaftsbezĂŒgen als Muslime leben. Es gibt auch eine missiologische Debatte darĂŒber, inwiefern man solche Menschen als Christen zĂ€hlen kann. WĂ€hrend die meisten das Merkmal Taufe und auch das öffentliche Bekenntnis zu Jesus Christus verlangen als Ă€ußerliche Kennzeichen der Zugehörigkeit zu Jesus Christus und zu seiner Kirche gibt es andere, die meinen, es sei zu viel verlangt, dass ein Konvertit in manchen LĂ€ndern quasi sein eigenes Todesurteil unterschreibt, in dem er sich taufen lĂ€sst und öffentlich als Christ bekennt. Ein bereits verstorbener Kollege, der unter Paschtunen an der Grenze zu Afghanistan gearbeitete hat, sagte wĂ€hrend seines zweiten Vierjahresaufenthaltes in Pakistan, er könne nur noch KĂŒhlschrĂ€nke und Klimaanlagen reparieren, einen Menschen zum Glauben an Jesus Christus zu fĂŒhren, nur damit er von seinen Verwandten umgebracht wĂŒrde, das könne er nicht! Wie es so oft kommt, flĂŒchtete er sich zunĂ€chst in Akademika. In diesem Falle hatte das segensreiche Auswirkungen: Er untersuchte die Dynamik hinter den Bekehrungen aus dem Islam zum Christentum und stellte fest, dass die, die sich zu Jesus Christus vom Islam bekehrt haben, nicht nur bei vollem Bewusstsein der möglichen Konsequenzen das taten, sondern das auch gerne taten, weil die frohe Botschaft von Jesus Christus sie so ergriffen und ihr Leben so verĂ€ndert hatte. “Christus, der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn” ist ein Wort, das nicht nur zu Zeiten des Apostels Paulus GĂŒltigkeit hatte!

 

 

An dieser Stelle möchte ich die Geschichte von dem Paschtunen Sia erzĂ€hlen. Ich lernte Sia kennen Mitte der 80er Jahre, als er noch Muslim war. Als Blinder hatte er in Pakistan keine Erwerbsmöglichkeiten. Normalerweise wĂ€re er zum Betteln verurteilt gewesen. Auf irgendeinem Wege hat ein Missionar seine Bekanntschaft gemacht und ihn gefragt, ob er eine Arbeit haben wolle als Sprachinformat fĂŒr die Paschtu-Sprache bei einer Übersetzungsarbeit.  Das bot ihm eine bisher unbekannte UnabhĂ€ngigkeit und es interessierte ihn auch. So arbeitete er jahrelang an einem geheimen Projekt in Peschawar zur Übersetzung des Neuen Testaments in die Paschtu-Sprache. Über seine BeschĂ€ftigung mit den Texten und der sinngetreuen Übertragung in seine Muttersprache wurde er immer mehr von der Botschaft Jesu Christi fasziniert und auch ergriffen. Er wurde glĂ€ubiger Christ und Ă€ußerte den Wunsch, sich taufen zu lassen. Als seine Taufe und der Übertritt zum Christentum und somit sein “Abfall” vom Islam bekannt wurde unter seinen Stammesangehörigen, wurde er entfĂŒhrt. Zuerst wurde er auf bewĂ€hrte Weise windelweich geprĂŒgelt und ĂŒbelst zugerichtet. Von ihm wurde verlangt, dass er dem christlichen Glauben absage und zum Islam zurĂŒckkehre. Er lehnte ab. Er sagte seinen Peinigern, sie könnten ihn noch so schlagen, seinen Jesus werde er nicht verlassen. Wo die Peitsche nicht geholfen hat, versuchten es seine Peiniger mit dem Zuckerbrot: Sie boten ihm ein Landgut an, das in seinen Besitz ĂŒbertragen werden sollte, auf dem er in Ruhe und in WĂŒrde leben könne, die Felder wĂŒrden von den auf dem Gut ansĂ€ssigen Leibeigenen bewirtschaftet, die Tiere versorgt, die ObstbĂ€ume gepflegt und geerntet, er hĂ€tte ein paradiesisches Leben! Auch hier setze sich Siad zur Wehr. Auch wegen Wohlstand oder Reichtum werde er seinen Heiland nicht verleugnen! Wutentbrannt drohten ihm seine EntfĂŒhrer, die Zunge auszuschneiden, wenn er weiterhin so lĂ€stere und zum Islam nicht zurĂŒckkehre. Als Sia auch hier sich dem Druck nicht beugte, haben sie ihre Drohung wahr gemacht. Nachdem sie dem Blinden die Zunge ausgeschnitten hatten, legten sie ihm ein Blatt vor, auf dem er unterschreiben solle, dass er dem Christentum abgesagt und dem Islam wieder angenommen hat. Als er sich immer noch weigerte, brachten sie ihn um. Ja, Konvertiten aus dem islamischen Kontext wissen sehr wohl, worauf sie sich eingelassen haben!

 

Weil der Druck von Familie und Stamm, von Gesellschaft und Staat so groß ist, wird kein Mensch leichtfertig Christ in einem islamischen Land. Zwar gibt es die FĂ€lle, wo ein junger Moslem sich in eine Christin verliebt und im Affekt den Wunsch Ă€ußert, Christ zu werden, damit er das Herz der jungen Frau auch gewinnen könne, aber die FĂ€lle sind selten, und wenn es dazu kommt, dann ist die Konversion nie ernsthaft und schon gar nicht von Dauer. In vielen islamischen LĂ€ndern wird in so einem Fall die junge Christin schlicht entfĂŒhrt, von dem, der sie als Frau haben möchte, vergewaltigt, und somit fertige Tatsachen geschaffen. Das gilt gerade auch fĂŒr LĂ€nder, wo es eine grĂ¶ĂŸere christliche Population gibt und die gesellschaftlichen Grenzen zwischen Muslimen und Christen Begegnungen zwischen den beiden Gruppierungen zulassen, wie etwa in Ägypten oder in Pakistan.

 

Wo es erfolgreiche Mission in islamischen LĂ€ndern gibt, dann betrifft diese in der Regel gesellschaftliche Randgruppierungen, die nichts oder nur wenig zu verlieren haben durch eine Konversion zum christlichen Glauben. Im indischen Subkontinent haben die ehemals Kastenlosen nicht nur ein Selbstbewusstsein gewonnen, wo sie durch die Annahme des christlichen Glaubens begriffen, dass sie Kinder Gottes sind, auch ihr rechtlicher Status in der Gesellschaft hat sich verĂ€ndert. Und das betrifft nicht nur das hinduistische System, sondern ebenfalls die muslimische Gesellschaft des sĂŒdasiatischen Subkontinents. Die zum Christentum Bekehrten galten nicht mehr als “UnglĂ€ubige” (Kafirun), sondern als “Volk des Buches” (Ahal al kitab). Der Islam behandelt ja Juden und Christen anders als Heiden. Als Besitzer eines Buches, das heißt als EmpfĂ€nger der göttlichen Offenbarung haben sie eine gewisse Daseinsberechtigung. Wenn auch ihr Glaube nach islamischem VerstĂ€ndnis irregeleitet, korrumpiert ist, so sollten sie doch nicht zwangsislamisiert werden. Dass es trotzdem dazu gekommen ist im Laufe der Geschichte steht auf einem anderen Blatt und wird gleich nachher zur Sprache gebracht werden.

 

 

An dieser Stelle geht es mir darum, festzuhalten, dass der Islam als nachchristliche Religion bereits alle Sicherungen eingebaut hat, um eine RĂŒckkehr vom Islam zum Christentum oder zum Judentum effektiv zu verhindern. In diesem Sinne ist der Islam nicht nur eine nachchristliche Religion, sie ist eine zutiefst antichristliche Religion. Sie ist eine Religion, die mit dem Anspruch, die Offenbarung des biblischen Gottes zu vollenden. Der Islam ist angetreten mit dem Anspruch, dem wahren Glauben zum Durchbruch zu verhelfen und die biblische Hoffnung auf das Reich Gottes, das bekanntlich eschatologisch gemeint ist, durch die Aufrichtung eines islamischen Weltreiches im Hier und Jetzt.

 

Ob Nordafrika, Maghreb, Maschrek, Persien (Sassanidenreich), Levante, Anatolien, Kleinasien, Bosnien, Zentral- und SĂŒdasien – weil der Islam eine nachchristliche Religion und Gesellschaftsordnung ist, hat der Islam in seinem Ausdehnungsbereich bereits mit dem Christentum abgerechnet. In seinen entscheidenden Expansionsphasen ist der Islam auf militĂ€rischem Wege zur Vorherrschaft gekommen. Zwar gab es auch viele, die aus Überzeugung Muslime geworden sind, darunter wohl das Gros der altkirchlichen HĂ€retiker, die von der Kirche exkommuniziert und verrieben worden waren. Vieles spricht dafĂŒr, dass Mohammed das Christentum gerade in seinen hĂ€retischen und nichtorthodoxen Formen kennen gelernt hat. HĂ€retische christliche Gruppierungen hatten den Schutz der WĂŒste gesucht, wie Paulus vor ihnen, damit der lange Arm der religiösen Justiz sie nicht erreiche. Viele HĂ€retiker, etwa die, die die Gottessohnschaft Jesu leugneten, werden dem neuen “Propheten” Mohammed und seine Botschaft, seine Einstellung zu Jesus als BestĂ€tigung gesehen und ihn gefeiert haben. Es kommt nicht von ungefĂ€hr, dass erst nach der Rezeption der ökumenischen Konzile es zur Ausbreitung des Islam kam, dass sogar ein Angriff auf Byzanz durch Muslime möglich war. Gleichzeitig mit der Ausbreitung des Islam im siebten Jahrhundert hören die innerkirchlichen dogmatischen KĂ€mpfe auf. Der Islam wurde zum sicheren Hafen fĂŒr einen Großteil der HĂ€retiker und Schismatiker und auch inhaltlich zu deren Erbe. Auch in diesem Sinne ist der Islam eine antichristliche Religion. Sie bekĂ€mpft die zentralen Aussagen der Bibel, leugnet den dort aufgezeigten Heilsweg und ersetzt diesen mit einer Werkgerechtigkeit.

 

 

Das Hauptproblem bei der Inkulturation des Evangeliums in der Islamischen Welt ergibt sich also aus der Tatsache, dass der Islam eine NACH-christliche Religion ist, eingepfropft zwar in judeo-christliche Traditionen, aber mit einem völlig anderen “genetischen SchlĂŒssel”. AnknĂŒpfungspunkte gibt es “legion-weise”, leider sind die Gegenargumente schon weitgehend bei der Entstehung des Islam aus der Ratio der Abgrenzung ausformuliert worden.

 

Leider stellt sich die Frage kaum, wie die KIRCHE, bzw. Gemeinden durch eine gesunde Form der Inkulturation in der islamisch geprÀgten Gesellschaft einladend wirken könnte. Beispiele gibt es schon, aber die zeigen selber ihre Grenzen auf:

 

  1. a) Kawwali

In der sufisch geprĂ€gten Frömmigkeit spielen musische Elemente eine bisweilen große Rolle. Ob Derwisch-Tanz oder andere Formen des religiösen Tanzes (z.B. beim Zikr), ob Musik oder Gesang, wie in der Tradition des Kawwali zu Ehren des Propheten – diese Elemente haben alle den Hauch des Unorthodoxen an sich und werden von den RespekttrĂ€gern der Orthodoxie bestenfalls geduldet.

  1. B) Gebetszeiten

 

  1. C) Kirchenbau nach Moschee-vorbild

 

Viele Elemente der islamischen praxis pietatis sind der jĂŒdischen und oder christlichen entnommen:

Gebetszeiten vom monastischen Vorbild

Gebetshaltung mit prostratio

Bilderverbot (Bilderstreit)

Reinheitsgebote

Sitten und Moral

 

 

 

 

  1. Konsequenzen fĂŒr die Missionsmethodik in der islamischen Welt

Randgruppen und Subkulturen (junge Iraner)

Minderheitgesellschaften (Algerien, Marokko, Tunesien, Europa!)

 

 

Raimundus Lullus (katalan. Ramon Llull* 1232 in Palma de Mallorca; + Anfang 1316 auf der Fahrt von Tunis nach Mallorca)

 

Samuel Zwemer

Samuel Zwemer (1867 – 1952) wurde einmal nach seinen Missionsmethoden gefragt: „Dr. Zwemer, welches ist Ihrer Ansicht nach die beste Methode, Muslime mit dem Evangelium Jesu Christi zu erreichen“ Antwort: „Meine Methoden sind dem wirklichen Leben und der tatsĂ€chlichen Praxis abgerungen. Dabei haben wir uns entschieden, niemals den Islam anzugreifen oder die Religion irgendeiner anwesenden Person madig zu machen. Sondern wir haben versucht, den Anspruch Christi positiv zu prĂ€sentieren und die Menschen liebevoll einzuladen, Christus als den Herrn ihres Lebens anzunehmen. Weist sie zu Christus, dem wahren Wort Gottes.“

 

Kenneth Cragg

Kenneth Cragg, einer der bedeutenden VĂ€ter des Christlich-Islamischen Dialogs, stellt fest: „dass es eine christliche Verpflichtung gegenĂŒber dem Islam gibt, die unabhĂ€ngig davon ist, wie Muslime darauf reagieren. Mission ist im Wesen Christi und im Wesen des Evangeliums verwurzelt und erhĂ€lt seine Bedeutung durch die Haltung des Islam, der Christus nicht erkennt, wie er in Wirklichkeit ist. Da [aber] Christus ist, der er wirklich ist, muss er in aller Klarheit verkĂŒndigt werden. Da der Islam ist, was er ist, ist dieses Muss unwiderstehlich. Wo immer ĂŒber die Person Christi MissverstĂ€ndnisse vorherrschen, steht ein durchdringendes Zeugnis auf der Tagesordnung. Wo immer die Herrlichkeit des Kreuzes verdunkelt wird, gilt es den Schleier zu entfernen. Wo immer Menschen Gott in Christus verpasst haben, muss er ihnen aufs Neue gebracht werden.“

 

 

Erzbischof Dr. Josiah Fearon aus Kaduna, Nigeria, der aus einer wirklichen Leidenssituation heraus kommt, sagte am 2. Advent 2003 in einer Predigt in Baiersbronn: „Wir haben als Christen gar keine andere Wahl, als die Muslime zu lieben und ihnen das Evangelium zu verkĂŒndigen. Wenn ihr aber diesbezĂŒglich in Deutschland das Evangelium verschweigt an den Muslimen schuldig werdet, werden Sie euch eines Tag zum Gericht werden

 

[1]Aktuell gab es ein ErklĂ€rung nordamerikanischer Evangelikale zum Thema Evangelium und Kultur vom…

[2] Der Begriff wurde vor allem von Georg Vicedom im Umfeld der Weltmissions- konferenz von 1952 in Willingen verbreitet.

[3] Mission und Evangelisation, Prof. Dr. Eberhard JĂŒngel, Tagung der 9. Synode der EKD

  1. – 12. November 1999, Leipzig.

 

[4] Ob nach sunnitischer Tradition am 12. Rabi‘ al‑Awwal (571 war das der 25. April) oder nach den Schiiten am 17. Rabi‘ al‑Awwal 52 v.d.H. das wĂ€re der 30. April 571 n.Chr. – in nichtislamischen Quellen findet man manchmal das Datum 20. April 571 – es lĂ€sst sich nur festsellen, dass das genaue Geburtsdatum unbekannt ist.

[5] u.a. Adam und Noah als Prophetengestalten, die Vertauschung der Isaak/Ismail-Gestalt bis hin zu Jesus als letzter Prophet vor Mohammed

[6]  So meinen Muslime im allgemeinen, dass die TrinitĂ€t aus einem Vatergott, einer Muttergott (Maria) und einem Gottessohn bestĂŒnde. Freilich hat die altkirchliche Lehre von der “Gott-gebĂ€rerin” (theotokos) MissverstĂ€ndnisse in dieser Richtung erleichtert – aber es ist bezeichnend, dass im Islam der Bezug zum heiligen Geist vollkommen fehlt.

[7] Unter den modernen Islamisten vielleicht der Mahdi, der den Aufstand gegen die EnglĂ€nder im Sudan geprobt hat, oder Osama bin Laden, aus bekannten GrĂŒnden.

[8] Wenn das “Haus des Friedens” sein soll, dann im nur im Sinne eines durch Unterwerfung “befriedetes” Gebiet – wie im Sinne der pax romana.

[9]So im vermeintlich “modernen” Irak, wo es immer noch ein Tauziehen um die politische Macht zwischen den StĂ€mmen – nicht nur Völkern (!) gibt.

[10] “kisi keh kushtah nashud az qabilah manest”.

[11] Der Patriarch der russisch orthodoxen Kirche spricht von einer „Symphonie“ von Kirche und Staat.

[12] Man denke nur an die pornographisch anmutende Kunst des mittelalterlichen Persiens.

[13]  Um1850 befindet sich der Mahdi im Sudan im Aufstand gegen die Briten. Kolonialismus und Macht des Westens sind die Auslöser fĂŒr die DemĂŒtigung, die zur radikalen Form des Islamismus gefĂŒhrt hat.

Intensivkurs Islam – Der Islam in Deutschland

Screencasts/PrÀsentationen

hier nun der abgeschlossene Kurs. Eine Fortsetzung der Thematik des letzten Abends gibt es bei der TĂŒbinger Hofacker Abendbibelschule im Primus TrĂŒber Haus, Derendingen, vom 15-19.2.2016 jeweils um 20h.

Die farbigen Texte sind Links zu den PrĂ€sentationen, die in einem neuen Fenster geöffnet werden. Sie können in diesem Fenster auf die Audiodatei klicken um den Vortrag zu hören und dann gleichzeitig im anderen Fenster mit den >vorwĂ€rts> und <rĂŒckwĂ€rts< Pfeilen durch die PrĂ€sentation klicken.

Die fĂŒnf Abende der Hofacker Abendbibelschule im November „Bibel und Koran – zwei BĂŒcher, zwei Botschaften“ können sie hier hören.

1) 13.10.2015: Der Islam, die Muslime bei uns. – Eine Bestandsaufnahme

2) 20.10.2015:  Worauf berufen sich Muslime in ihrer Unterschiedlichkeit?

3) 27.10.2015: Der Koran und seine Auslegung im Islam. Herkunft, Intensivkurs Islam 7aWirkungsgeschichte und Interpretation.

4) 03.11.2015 Die Überlieferungen und die Mohammedtradition

(die erste HĂ€lfte bis zu Pause war wegen technischer Probleme ohne Folien)

5) 17.11.2015 Der real in Deutschland existierende Islam 1: Die Konservativen (Islam und Islamismus – eine treffende Unterscheidung?)

6) 24.11.2015 Der real in Deutschland existierende Islam 2: Die „Moderaten“/Traditionalisten“

Hier der Link zum Vortrag von Johannes Gerloff:

7a) 01.12.2015 Der Real in Deutschland existierende Islam 3: „Die Modernen“/die Liberalen erster Teil (Link: Intensivkurs Islam 7a)

7b)  Der Real in Deutschland existierende Islam 3: „Die Modernen“/die Liberalen zweiter Teil (Link: Necla Kelek Teil 1)

8a) Der Real in Deutschland existierende Islam 3 Fortsetzung

(Link: Necla Kelek Himmelsreise Teil 2)

8b) Liebevoll Profil zeigen. Ein Beitrag zu Klarheit und guter Nachbarschaft mit den Muslimen unter uns (hierfĂŒr ist keine Audiodatei vorhanden – die Aufnahme nach der Pause war korrupt)

9) Gibt es eine „ethische Wertegemeinschaft“ mit Muslimen in Deutschland?

10) Wie kann ich meinen Glauben Muslimen gegenĂŒber bezeugen?

Zeit – verliehen, verloren, verheißen!

(PDF-Download: Zeit_verliehen_verloren_verheissen Vortrag PM_ĂŒberarb)

(Hauptvortrag beim TurmTreff/Jahresfest des ABH Jan. 2015)

Die Zeit ist ein Geschenk Gottes. Sie ist uns verliehen. Sie ist eine Dimension der Schöpfung Gottes, die uns gegeben wurde, um uns das Leben zu ermöglichen. Von diesem Geschenk, das uns verliehen ist, machen wir unterschiedlich Gebrauch. Wo wir es nicht im Sinne unseres Schöpfers tun, wird die Zeit zu verlorener Zeit. Dabei steht die Zeit als Geschenk Gottes unter seinen Verheißungen.

Zeit – verliehen, verloren, verheißen. Diese ZusammenhĂ€nge möchte ich mit Ihnen zum Auftakt unseres diesjĂ€hrigen „Turmtreffs“ im Albrecht-Bengel-Haus erkunden. Viele Gedanken, die ich hier streifen werde, werden in den Seminaren dieses Turmtreffs Vertiefung finden.

Das Alte Testament beschĂ€ftigt sich in einer grundlegenden Art und Weise mit dem Thema Zeit. Dabei verwendet es gewöhnlich den Begriff „Tag“, wie wir es aus der Schöpfungsgeschichte kennen, oder „Stunde“. Etwa „in den Tagen“ Noahs, von der vergangenen Zeit gesprochen, und von der Zukunft gesprochen „in jenen Tagen“
 (Jer). Jesus sagte zu seiner Mutter: Meine Stunde ist noch nicht gekommen (Joh 2,4). VerblĂŒffend ist, dass nach der Sintflut von Anfang der neuen Weltordnung an die Bibel die Tage des Lebens auf Erden gezĂ€hlt und somit bemessen und eingeschrĂ€nkt hat. In 1Mose 8,22 heißt es: Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Das geordnete Weltall, der Kosmos, in dem der Mensch als GegenĂŒber Gottes leben und gedeihen kann, ist ein Projekt auf Zeit: eben „so lange die Erde steht
“

Beim Segen Jakobs ĂŒber seine Söhne wird das noch deutlicher. Sein Segen bezieht sich auf das Ziel Gottes mit seinen ErwĂ€hlten. 1Mose 49,1: Und Jakob berief seine Söhne und sprach: Versammelt euch, dass ich euch verkĂŒnde, was euch begegnen wird in kĂŒnftigen Zeiten. Was Luther und andere hier als „kĂŒnftige Zeiten“ wiedergeben, heißt wörtlich „am Ende der Tage“! Ś‘Ö°ÖŒŚÖ·Ś—ÖČŚšÖŽÖ„Ś™ŚȘ Ś”Ö·Ś™ÖžÖŒŚžÖŽÖœŚ™Ś / áŒÏ€áŸż áŒÏƒÏ‡ÎŹÏ„Ï‰Îœ Ï„áż¶Îœ áŒĄÎŒÎ”Ïáż¶Îœ). Gottes Plan mit der Welt ist ein Plan mit der Weltzeit. Die Zeit, die wir in dieser Welt haben, ist von Gott geschenkte, verliehene Zeit, eine Zeit, Sein Ziel zu verwirklichen. Wir reden darum von Gottes Geschichte mit dieser Welt, von der Heilsgeschichte, mittels der Endzeit er die Herrschaft ĂŒber seine Schöpfung wieder erringt. Claus Westermann hat 1969 ein ungeheuer wichtiges BĂŒchlein von nur 47 S. LĂ€nge in der Reihe Calwer Hefte (Bd. 100) unter dem Titel geschrieben „Anfang und Ende der Bibel“. Darin erlĂ€utert er den inneren Zusammenhang zwischen Anfang und Ende der Bibel und zeigt die heilsgeschichtliche Linie von der Schöpfungsgeschichte bis hin zur Offenbarung des Johannes auf.

Die Zeit ist das Projekt Gottes mit der Menschheit. Es ist vom Anfang bis zum Ende Gnadenzeit. Die Zeit ist uns gegeben, um Gottes Plan mit uns zu verwirklichen.

I) Verliehen – das Gottesgeschenk der Zeit

Wir kÀmpfen gegen die Zeit und doch leben wir von der Zeit! Wie alles andere, was Gott uns gibt, kann die Zeit als Segen oder als Fluch betrachtet werden.

Die Uhr tickt
 Warum wirkt der Satz so negativ, so bedrohlich auf uns? – Weil wir die Zeit als verronnene Zeit erleben. Dabei wird uns mit jedem Ticken der Uhr neue Zeit zur VerfĂŒgung gestellt! Oft sagen wir „ich habe keine Zeit!“ Was wir wirklich dabei meinen, ist, dass wir mit den Dingen, die wir schon tun, ausgelastet sind, und nur Dinge mit einer höheren PrioritĂ€t anpacken wĂŒrden – wobei anderes dafĂŒr liegenbleiben mĂŒsste.

Ich habe im Grunde NUR Zeit – sonst nichts
 Außerhalb der Zeit gibt es nichts, das ich haben könnte. Nur innerhalb der mir verliehenen Zeit habe ich Leben mit seinen Möglichkeiten. Die Zeit ist Möglichkeit an sich! Merken wir uns das: Wir haben immer so viel Zeit, wie wir uns nehmen…

Andere Kulturen gehen anders mit der Zeit um: Ost-Afrikanische MĂ€nner mĂŒssen z-B.durch MĂŒĂŸiggang die Zeit „spinnen“ – damit die Frauen genug davon haben, um mit der Arbeit in Haus und Hof, im Garten, auf Acker und Weide fertig zu werden!

Aber fĂŒr alle Menschen aller Zeiten und Kulturen gilt dasselbe: Nur im Hier und Jetzt ist die Zeit erfahrbar und erlebbar. Das Vergangene können wir nicht zurĂŒckholen, und dem Kommenden können wir weder vorgreifen, es verhindern, noch es heraufbeschwören.

FĂŒr uns als Christen ist es ein ungemein großer und wichtiger Trost, zu wissen: Meine Zeit steht in Deinen HĂ€nden Ps 31,16 (Schlussakkord mit Uwe Rechberger). Gott ist Herr ĂŒber Raum und Zeit. Er lenkt das Geschick unserer Welt und der Zeit. In Daniel 2, 19f heißt es: Gelobet sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit, denn ihm gehören Weisheit und StĂ€rke! Er Ă€ndert Zeit und Stunde.

Gott ist Herr der Zeit und fĂŒhrt die Geschichte dieser Welt im Sinne von Heilsgeschichte zu seinem gesetzten Ziel! Alles hat seine Zeit (Prediger 3,1ff), aber nur Gott hat die Zeit im Griff. Unsere Zeit ist endlich. Auch das Sterben hat seit dem SĂŒndenfall seine Zeit – so ist es bestimmt. Der SĂŒnde Sold ist der Tod– die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn (Röm 6,23)! Jesus Christus hat die Grenzen der Zeit durchbrochen und uns das ewige Leben geschenkt! Im HebrĂ€erbrief heißt es Hebr 9,27f: Und wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht: so ist auch Christus einmal geopfert worden, die SĂŒnden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der SĂŒnde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil. Die Zeit hat ein Ziel. Das Ende der Zeit ist das Ziel der Zeit (Eschatologie-Seminare Rolf Sons / Uwe Rechberger). Was die Endzeit betrifft, kann ich die Angst schon herausnehmen: Fritz GrĂŒnzweig hat in seinem Kommentar zur Offenbarung betont – und Gerhard Maier hat das in seinen beiden BĂ€nden zur Offenbarung bestĂ€tigt: Die Offenbarung ist als Trostbuch der Gemeinde Christi gemeint und nur so zu verstehen! Am Ende der Zeit steht fĂŒr Gottes Kinder die ErfĂŒllung aller seiner Verheißungen!

Wir Leben in der Zeit, die uns verliehen ist: Wir sind Kinder unserer Zeit. Dass wir Kinder unserer Zeit sind, gilt ĂŒbrigens fĂŒr jede Altersgruppe. Wir atmen den Zeitgeist und sind nur bedingt unabhĂ€ngig von diesem. Gegen den Zeitgeist zu leben heißt nicht nur, gegen den Strom zu schwimmen. Wir können nĂ€mlich nicht gegen den Strom der Zeit schwimmen. Die einzige wahre UnabhĂ€ngigkeit vom Zeitgeist, aus der heraus wir mit unserem Lebensentwurf dem Zeitgeist trotzen könnten, ist die völlige Hingabe an den Geist Gottes – und selbst dann werden wir nicht aus der Zeit und ihrem Strom herausgenommen. Das ist auch nicht unser primĂ€res Ziel – wie mein Kollege Clemens HĂ€gele in seinem Seminar zum Zeitgeist ausfĂŒhren wird. Vielmehr geht es darum, die Zeit, die uns geschenkt ist, in unserer Zeit aus Gottes Hand zu nehmen und vor seinem Angesicht aus so zu fĂŒllen, wie er es fĂŒr uns erdacht hat. Hier kommt es auf unseren Auftrag an. Was hat uns Gott fĂŒr die Zeit aufgetragen? Darauf kommen wir gleich. Davor noch ein paar Anmerkungen.

Meine Generation z.B., die „Baby-boomer“ (*1945-1964) ist eine Protestgeneration. Manche haben gegen den Status Quo in Staat und Gesellschaft protestiert. Wir im ABH haben gegen den Status Quo an der FakultĂ€t und in der Kirche protestiert.

Die darauf folgende Generation-X, bzw. Baby-Busters (*1965-1979) gilt entweder als die „stille“, bzw. „schweigende Generation“, oder – in Deutschland – als „Generation Golf“ (das ist das Mindeste, was „man“ fahren darf). Das gilt ebenso im Bereich der GlĂ€ubigen wie der UnglĂ€ubigen. WĂ€hrend die Boomer-Generation zwanzig Jahre anhielt, verkĂŒrzt sich die Zeit der schweigenden Generation auf fĂŒnfzehn Jahre. Wir empfinden es nicht nur so, als wĂŒrde die Zeit sich beschleunigen. Es ist so!

Die auf Generation-X folgende Generation-Y oder „Millenial Generation“ (*1980-2000) wird bereits in mehrere Perioden unterteilt, weil die VerĂ€nderungen so schnell stattfinden. In Europa werden die Ă€lteren (die Generation Dreißig) auch „Generation Gesamtkunstwerk“ genannt, deren Leben eine einzige Inszenierung als Lebens(Kunst)werk verstanden wird. Die sogenannten „Mosaiks“, die in Ihrer Jugend die ersten BerĂŒhrungen mit dem Internet durch einen graphischen Browser (Mosaic) hatten, sind aber schon lĂ€ngst abgelöst von der Generation Facebook, der nichts schlimmeres passieren kann, als keinen Internetzugang oder gar ein kaputtes Smartphone zu haben


Wir sind alle Kinder unserer Zeit. Je nach Alter sind wir unterschiedlich geprĂ€gt von unserer Zeit. Zur selben Zeit kann der Zeitgeist fĂŒr unterschiedliche Gruppierungen radikal unterschiedlich sein. WĂ€hrend die Generation Facebook unbĂ€ndige Hoffnung fĂŒr die Zukunft hat (es ist schon immer alles da gewesen, und Frieden ist die Konstante, die sie kennen), haben deren Großeltern grĂ¶ĂŸte Sorgen im Blick auf die Zukunft ihrer Enkel, im Wissen, dass der demographische Wandel keinen Anlass zur Hoffnung gibt.

Es ist schon seltsam: Entweder wir schlagen die Zeit tot, oder sie erschlÀgt uns.

AuffĂ€llig fĂŒr unsere Zeit ist, dass noch nie in der Geschichte so viel Zeit aufgewendet wird, um die Zeit zu vertreiben. In dem schönen Dorf, wo ich zuletzt als Pfarrer dienen durfte, gab es 1995, als ich dort begann, nur noch ein einziges Haus, vor dem noch eine Sitzbank stand. Heute steht sie zwar noch, wird aber nicht mehr benutzt
 Aus der Interaktion und Kommunikation auf der Straße, wie es die AllerĂ€ltesten unter uns noch kennen, ist ein Konsumieren innerhalb der eigenen vier WĂ€nde geworden. Vor allem das Aufkommen des Fernsehens hat unsere Lebensweise verĂ€ndert. FĂŒr einige Jahrzehnte stand der passive Konsum vor den Bildschirmen ganz im Mittelpunkt. Dass das nicht auf lange Sicht den Menschen befriedigen konnte, ist logisch. Der Mensch ist auf Interaktion angelegt. Mit dem Aufkommen des Internet 2.0 knapp vor der Jahrtausendwende hat sich das radikal verĂ€ndert. Zwar konsumiert die junge Generation-Y immer noch viele Inhalte hauptsĂ€chlich per Internet. Deswegen hat der Gesetzgeber seit 2008 auch auf persönliche Computer GEMA-GebĂŒhren erhoben und seit 2013 vom GebĂŒhren- aufs Beitragsmodell fĂŒr alle Haushalte umgestellt, egal welche GerĂ€te jeweils zum Einsatz kommen. Die Unterhaltung und Bespaßung haben einen enormen Stellungswert in unserer Gesellschaft bekommen. Ich weiß nicht, wie viele Besucher hier beim Turmtreff heute sind, aber zu den (durchaus genialen) TheaterauffĂŒhrungen unserer Studenten zu Beginn des Jahres kamen insgesamt etwa 1000 Personen


Mein Kommilitone im Bengelhaus zu der Zeit, als diese TĂŒrme hier entstanden, Peter Hahne, schreibt in seinem immer noch sehr lesenswerten Buch „Schluss mit lustig“:

„Wenn die Spaßgesellschaft wirklich der »Endzustand der SĂ€kularisierung« ist und der heitere Genuss so manche Leerstelle fĂŒllt, wo in der Persönlichkeit frĂŒher die Überzeugungen saßen – wenn das stimmt, dann beginnt mit der Sinnsuche das Ende dieses Spaßes. Die Spaßgesellschaft ist jedoch auch das Ergebnis einer ökonomischen Entwicklung, einer explosiv steigenden Unterhaltungsindustrie, die sich nicht ohne weiteres und vor allem nicht freiwillig zurĂŒckdrehen lassen wird und will. Spaß machen ist ein ernstes GeschĂ€ft. Und Spaß macht sich vor allem bezahlt. »Ohne Spaß wĂŒrde die Weltwirtschaft zusammenbrechen, schon deshalb darf er nicht aufhören«, warnt der Berliner »Tagesspiegel«. Dennoch scheint mir der Konkurrenzkampf zwischen Gottesdienst und Erlebnisbad, zwischen Sinnstiftern und Spaßmachern wieder völlig offen. Den sich vergnĂŒgenden Massen ist das Lachen vergangen, weil man sich ja bekanntlich kaputtlacht 
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Wie die Menschen von heute ihre Zeit gebrauchen…

„Mehr als eineinhalb Stunden tĂ€glich verbringen Kinder und Jugendliche in Deutschland durchschnittlich mit Computerspielen. Jeder FĂŒnfte der 16- bis 18-JĂ€hrigen „daddelt“ sogar drei Stunden und lĂ€nger. Diese Zahlen ermittelte der Branchenverband Bitkom.[1]“

„In Deutschland spielen 93 Prozent aller Kinder und Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren Computer- und Videospiele. 
Die 10- bis 12-JĂ€hrigen spielen im Schnitt 76 Minuten pro Tag, die 13- bis 15-JĂ€hrigen 111 Minuten und die 16- bis 18-JĂ€hrigen 124 Minuten.[2]“

„Auch zwischen den Generationen sind die Spielzeit-Unterschiede deutlich. Die 14- bis 19-JĂ€hrigen spielen mit 136 Minuten im Schnitt am lĂ€ngsten. Bei den 50- bis 64-jĂ€hrigen Gamern sind es hingegen rund 90 Minuten, die tĂ€glich mit dem Spielen verbracht werden.

Das klingt im ersten Moment viel, zum Vergleich muss aber bedacht werden, dass jeder Deutsche im Durchschnitt 220 Minuten pro Tag Fernsehen schaut. Und dabei handelt es sich um das Mittel der Gesamtbevölkerung inklusive jener Menschen, die gar keinen Fernseher besitzen, und nicht wie bei den Gamern um jene, die angaben, dass sie Computerspiele nutzen.[3]“ „Die ĂŒber 50-jĂ€hrigen Deutschen verbringen tĂ€glich durchschnittlich 4 Stunden vor dem Fernseher, und 4 Prozent der 50 – bis 74 – jĂ€hrigen Menschen gaben an, fĂŒnf bis sechs Stunden tĂ€glich fernzusehen.“[4]]

Es gibt aber auch eine Gruppe von Menschen, die vor lauter BeschĂ€ftigung gar nicht mehr hinterherkommt und vor lauter Umgetrieben-sein unter der „Tyrannei des Dringlichen“ leidet und nicht zu dem kommt, was wirklich wichtig wĂ€re
(Charles E. Hummel). Dazu zĂ€hlen Pfarrer, Politiker, FamilienvĂ€ter und MĂŒtter
 Wie viele Menschen fĂŒhlen sich gestresst und abgehetzt? Vielleicht sollten wir anders herum fragen – ich glaube es fiele mit dem ZĂ€hlen leichter! Schauen wir nur die Parteiprogramme an und was davon in einer Wahlperiode umgesetzt werden kann. Die Politik ist dazu gezwungen, ihr Agieren in den meisten FĂ€llen auf die Reaktion zu beschrĂ€nken. Gestaltungsfreiheit ist kaum mehr vorhanden. Das ist aber nicht nur im Bereich der Politik so. Kennen wir das nicht aus unserem eigenen Erleben? Allein die BewĂ€ltigung aller Alltagspflichten, gekoppelt mit den vermeintlich wichtigen Dingen und den ganzen Verwaltungsmaßnahmen, die auch dem privaten Bereich nicht erspart bleiben, gehört zu den „Zeitfressern“, die uns daran hindern, nicht nur dringend wichtige Dinge, sondern  w e s e n t l i c h e Dinge zu tun. Wir mĂŒssen uns auf unseren Auftrag besinnen!

Wenn wir uns in die vergangen Jahrhunderte zurĂŒckversetzen, in die Siedlerzeit, GrĂŒnderzeit, Zeit der Kolonialisierung und der Industrialisierung, dann stand die Aktion, nicht die Reaktion an erster Stelle. Es hat sich in der Gesellschaft etwas verselbststĂ€ndigt, und viele leben nicht mehr, sondern werden gelebt
 Die Schlagworte meiner Generation lauten: „Ausstieg“ aus dem Status Quo, Ablehnung des Establishment und eigentlich jeder Form der AutoritĂ€t, das „Hamsterrat“ in dem die „Spießer“ gefangen seien, „Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll“ als Parole fĂŒr das wirkliche Leben
 In meiner Jugend gab es ein Broadway-Musical unter dem Titel „Stop the world, I want to get off!“ (Haltet die Welt an, ich will aussteigen). Ein gleichnamiges Lied lief immer im Radio. Inzwischen sind die meisten Aussteiger wieder voll eingestiegen, und das Pensum hat sich noch weiter beschleunigt!

Kehren wir zum einleitenden Gedanken zurĂŒck: Die Zeit ist ein Geschenk Gottes. Sie ist uns verliehen. Sie ist eine Dimension der Schöpfung Gottes, gegeben, um uns das Leben zu ermöglichen. Sie ist uns gegeben, damit Gott seinen Heilsplan an uns ausfĂŒhren kann. Die Zeit ist verliehene Zeit. Wir können sie nicht „spinnen“, schaffen, uns nehmen. Sie ist der Rahmen, der uns gegeben ist.

Die Zeit, die mit Jesus Christus anbricht, ist in besonderer Weise verliehene Zeit – es ist seiner Kirche verliehene Zeit, um die Völker zu JĂŒngern zu machen, sie fĂŒr die Nachfolge Jesu Christi und fĂŒr sein Reich zu gewinnen. Die Zeit der Kirche ist in besonderer Weise Gnadenzeit. Der Apostel Paulus schreibt 2.Korinther 6,2 Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils. Es ist die Endzeit, die mit Jesus angebrochen ist! Und es liegt eine besondere Verheißung auf dieser Zeit, wie wir sehen werden: NĂ€mlich darin, dass Jesus Christus selbst uns seinen Beistand ĂŒberall, wo wir in seinem Auftrag unterwegs sind, zusichert!

Teilweise ist diese Zeit auch im missionarischen BemĂŒhen des Leibes Christi wirklich ausgekauft worden. Allein in den letzten 250 Jahren der modernen Weltmissionsbewegung hat sich das Zentrum der Christenheit von der nördlichen in die sĂŒdliche HĂ€lfte der Erdkugel verlagert. Das liegt aber leider nicht nur an den Erfolgen der Mission in Afrika und SĂŒdamerika. Es liegt auch am Versagen der Kirchen in Europa und Nordamerika. Manche haben die Zeit ausgekauft, fĂŒr andere war diese Zeit seit der AufklĂ€rung teilweise auch verlorene Zeit, vergeudete, verpasste und verschleuderte Zeit.

II) Verloren – die zerronnene Zeit, die verpassten und verpatzten Möglichkeiten

Auch wenn es besondere „Kairos-Zeiten“ gibt, Zeiten der besonderen Gnade, dĂŒrfen wir nicht zu der Ausrede greifen, dass unsere misslichen Lage nur darauf zurĂŒckzufĂŒhren sei, dass jetzt keine Gnadenzeit sei! Jesus sagte seinen BrĂŒdern Joh 7,6 Meine Zeit ist noch nicht da, eure Zeit aber ist stets bereit. Damit will er sagen, dass wir immer eine Verantwortung fĂŒr unsere Zeit tragen – auch wenn es keine Sternstunde des Wirkens Gottes gerade jetzt ist.

Schon der Lateiner Horaz (* 65 v. Chr.; † 8 v. Chr.) hat den Spruch geprĂ€gt „Carpe diem“ – ergreife den Tag. Paulus sagt uns in Eph 5,16: Kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Und Kol 4,5 Verhaltet euch weise gegenĂŒber denen, die draußen sind, und kauft die Zeit aus.

Kauft die Zeit aus, denn es ist böse Zeit
 Die Zeit ist zwar fĂŒr uns da, aber sie schafft dort gegen uns, wo wir die Zeit nicht auskaufen! Jesus hat das eindringlich geschildert in seinen Gleichnissen vom Wachen. Die klugen Jungfrauen etwa als Vorbilder des wachsamen Wartens – das Licht leuchten lassen bis Jesus kommt! Die Törichten holt die Zeit ein – es gibt ein „zu spĂ€t“! Den reichen Kornbauer ereilt es gerade, als er sich ins gemachte Nest zur Ruhe setzen will. Wir sollen den Herrn der Ernte bitten, dass er Arbeiter in die Ernte schicke, die dazu reif ist. Wir sollen Heu machen, so lange die Sonne scheint!

Wenn es eine Sache gibt, die unsere Welt in diesen Tagen braucht, dann sind das Christen, die auf das Kommen des Herrn und Heilandes dieser Welt aktiv warten und ihr Licht nicht erlöschen lassen! Wir brauchen Christenmenschen, die bereit sind, ein Zeugnis fĂŒr ihren Herrn zu sein. Ich behaupte nicht, dass das einfach wĂ€re. Aber es ist unbedingt notwendig! Wie finster ist es unter den KirchtĂŒrmen Deutschlands und Europas geworden


Als der Indienmissionar und anglikanische Bischof Lesslie Newbigin nach England in den Ruhestand zurĂŒckkehrte, erschrak er ĂŒber den Fortschritt der SĂ€kularisierung und den Zustand des Christentums in Europa. Er schrieb:

„Ich sehe mich gezwungen anzuerkennen, dass in der Welt von heute die schwierigste missionarische Front die ist, welcher sich die Kirchen im ganzen gesehen so wenig bewusst sind; nĂ€mlich die Grenze zwischen der Welt des biblischen Glaubens und der Welt, deren Werte und Überzeugungen unablĂ€ssig auf dem Fernsehschirm in die HĂ€user eingespeist werden…. England ist eine heidnische Gesellschaft, und die Entwicklung einer wirklich missionarischen Begegnung mit dieser harten Form des Heidentums ist die grĂ¶ĂŸte intellektuelle und praktische Herausforderung, der sich die Kirche zu stellen hat.“ Dasselbe gilt fĂŒr Deutschland und den Rest Europas!

Wir haben fĂŒr unsere Zeit einen Auftrag. Die Zeit der Kirche ist zu Recht die Zeit der Mission genannt worden. Jesus sendet seine Nachfolger als seine Zeugen „bis an das Ende der Erde“ (Apg 1,8). Das Wort, das hier fĂŒr „Ende“ der Erde benutzt wird, wird auch fĂŒr das Ende der Zeit in der Bibel gebraucht. Das Ende der Erde im rĂ€umlichen Sinn korrespondiert zu dem Ende der uns verliehenen Zeit, zu der Zeit, die wir haben, die frohe und froh machende Botschaft weiterzusagen. Analog zu dem Fall, wie „Welt“ in der Bibel verwendet wird, bedeutet in der Sprache der Bibel auch „Zeit“, die „Zeit, die die Welt besteht“. Darum heißt es auch vom Ende der Zeit in Mk 13,8: 
 das Evangelium muss zuvor gepredigt werden unter allen Völkern.

Der Grund, warum Jesus noch nicht in diese Welt als Richter, Retter und Herrscher wiedergekehrt ist, ist der, dass wir mit der Aufgabe fĂŒr die Zeit, ihn vor aller Welt zu bezeugen, noch nicht am Ziel sind. Petrus schreibt in 2Petr 3,9: Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige fĂŒr eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde. Das bedeutet, dass wir in dieser Zeit, die durchaus als verlorene Zeit verstanden werden kann, doch immer noch in der Gnadenzeit leben. Die Gnade Gottes, seine Zuwendung, kann uns zur Errettung oder zum Gericht werden. Wie alles andere, was Gott uns gibt und tut, kann es zum Segen oder zum Fluch werden. Die große Frage, die sich bezĂŒglich unserer Zeit stellt, ist, inwiefern wir Rechenschaft fĂŒr verlorene Zeit ablegen werden mĂŒssen.

Gott hat uns Pfunde anvertraut – was haben wir damit gemacht? Haben wir in seinem Sinne damit gewuchert, sie unbenutzt gelassen oder gar vergeudet und verschwendet? Warum liegt die Kirche Jesu Christi so danieder bei uns in Europa, der Wiege des Christentums? Wir befinden uns in einer Zeit der LĂ€uterung der Kirchen. Es gibt nur einen Grund, warum die Christen immer weniger Einfluss in der Gesellschaft haben, und der liegt darin, dass wir das Zeugnis vom Herrn und Heiland nicht hochgehalten haben. Das Stuttgarter Schuldbekenntnis war nur eine Momentaufnahme, wie aus dem Text und seinen guten Absichten leicht zu erkennen ist:

„
wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.

Nun soll in unseren Kirchen ein neuer Anfang gemacht werden. GegrĂŒndet auf die Heilige Schrift, mit ganzem Ernst ausgerichtet auf den alleinigen Herrn der Kirche, gehen sie daran, sich von glaubensfremden EinflĂŒssen zu reinigen und sich selber zu ordnen. Wir hoffen auf den Gott der Gnade und Barmherzigkeit, dass er unsere Kirchen als sein Werkzeug brauchen und ihnen Vollmacht geben wird, sein Wort zu verkĂŒndigen und seinem Willen Gehorsam zu schaffen bei uns selbst und bei unserem ganzen Volk.“

Und was ist daraus geworden?

Den Wenigsten ist bekannt, dass das „Stuttgarter „Schuldbekenntnis“ an sich kein Bekenntnis ist, sondern eine ErklĂ€rung, und dass diese nicht freiwillig von der deutschen Kirchenleitung als eigenes Herzensanliege sondern auf Verlangen der internationalen Kirchen zu Protokoll gegeben wurde, weil diese sich sonst nicht im Stande sahen, die deutschen Kirchen in die internationale Gemeinschaft aufzunehmen. Auf diesem Hintergrund lĂ€sst es sich leichter erklĂ€ren, warum die Stuttgarter SchulderklĂ€rung langfristig nichts auszurichten vermochte.

Auf jeden Fall ist unsere Kirche an ihrem Auftrag in unserer Generation gescheitert. Vielleicht kennen Sie das moderne Gleichnis, das an das Gleichnis Jesu vom König, der in ein fernes Land reist, angelehnt ist? WÀhrend das Gleichnis Jesu auf das Volk Israel abzielt, wird hier die Kirche Jesu Christi der Neuzeit ins Visier genommen:

Der Großgrundbesitzer beauftragt seine zahlreichen Mitarbeiter, die Zeit seiner Abwesenheit damit zuzubringen, das ganze Land urbar und fruchtbar zu machen. Zu diesem Zweck ĂŒberlĂ€sst er ihnen auch reichlich Mittel. Wie im Gleichnis Jesu kommt es zu einer Verzögerung der RĂŒckkehr des Besitzers.

Nach vielen Jahren Abwesenheit muss der Besitzer feststellen, dass außer der Parkanlage, die wie gebĂŒrstet und gestriegelt dastand, nur die nĂ€chstliegenden Äcker und einige weit entfernt gelegenen Rodungen ĂŒberhaupt bewirtschaftet worden waren. Keine MĂŒhe wurde gescheut, und viel Aufwand wurde getrieben, um den Stammsitz in Schuss zu halten. Allerdings trugen die Äcker kaum Frucht, da seine Mitarbeiter Monokultur betrieben hatten. So viel KunstdĂŒnger ist ausgetragen worden, dass das Land zu einer WĂŒste zu werden drohte. Seine EnttĂ€uschung war groß – nicht weil seine Mitarbeiter unbedingt faul gewesen wĂ€ren, die hatten schon gearbeitet, sich dabei aber gegenseitig mehr behindert als geholfen. Kaum hatte der eine gesĂ€t, da pflĂŒgte der nĂ€chste schon um. Jeder hat es besser gewusst als der andere. Statt die Methoden derer, die bei den einzelnen Rodungen in der Ferne beachtliche Erfolge erfahren hatten, auf den nahe gelegenen Feldern anzuwenden, hat man sie ignoriert und keine Lehre daraus gezogen, geschweige denn ein Praktikum dort gemacht oder darum gebeten, dass jene Anleitung gĂ€ben fĂŒr die Arbeit in der Heimat. Sie hatten stattdessen ihren Wohlstand so gut wie möglich verwaltet und den Status Quo mit leichten Verschiebungen bewahrt.

Wir sind so damit beschĂ€ftigt, unseren Wohlstand zu verwalten, und sind so verstrickt in den NebenschauplĂ€tzen des kirchlichen Handelns, dass wir in höchster Gefahr sind, unseren Auftrag zu vernachlĂ€ssigen. An Stelle des Evangeliums von Jesus Christus werden kunstvolle Reden gehalten, die niemandem helfen. Wir haben allen Grund, dankbar dafĂŒr zu sein, dass unser Herr noch Geduld mit uns hat, und dass wir heute noch in der Gnadenzeit leben! Kaufen wir die Zeit aus, dass sie nicht zu verlorener Zeit wird!

III) Verheißen – von der Zeit zur Ewigkeit

In Eph 5,16 ermahnt der Apostel Paulus die Gemeinde: und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Ich wiederhole: Wo wir die Zeit nicht auskaufen, schafft die Zeit gegen uns. Gott gibt uns mit seinem ewigen Reich eine Perspektive, die ĂŒber die Zeit mit ihren ZwĂ€ngen hinausweist. Im Reich Gottes werden wir nicht mehr Sklaven der Zeit sein! Dort, wo wir das Ziel erreicht haben werden und den Sieg erlangt, dort wird auch unser Streben nach GlĂŒck und ErfĂŒllung ein Ende haben – es wird erfĂŒllt!

Am Ende des ersten Teils haben wir es von der besonderen Gnadenzeit der Kirche gehabt, von der Endzeit, die mit dem Kommen Jesu Christi beginnt und mit seiner Wiederkunft endet. Im Advent sangen wir: Seht, die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde
 Und den Text aus Gal 4,4f wurde uns ins GedĂ€chtnis gerufen: „Als aber die Zeit erfĂŒllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen.“ Als die Zeit erfĂŒllt war
 Es gab eine besondere Zeit, eine angenehme Zeit, eine opportune Zeit, einen Kairos, zu dem Gott die Gunst der Stunde nutzte, um durch das Heilswerk Jesu die neue Zeit, die Endzeit einzulĂ€uten, sie verheißend vorwegzunehmen. Wir dĂŒrfen wissen, dass die Zeit bereits erfĂŒllt ist. Gott ist in Jesus Christus zu uns gekommen, um in unserer Mitte zu wohnen und bereitet jetzt schon eine StĂ€tte fĂŒr uns, damit wir bei Ihm sein können (Joh 14). Gibt es einen trostreicheren Gedanken? Hierher gehört auch die Verheißung, von der ich eingangs sprach: Zusammen mit seinem Auftrag, die Völker zu seinen JĂŒngern zu machen, hat Jesus verheißen „und siehe ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende!“ (Mt 28,20). Die Gemeinschaft mit Ihm, die mit unserer Gotteskindschaft begann, heute im Heiligen Geist besteht, wird am Ende der Zeit Vollendung finden!

Die Zeichen der Zeit erkennen.

Jesus hielt seine JĂŒnger an, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Was sind die Zeichen der Zeit fĂŒr uns? Ich will den heute noch stattfindenden Seminaren nicht vorgreifen. Ich will nur fragen: Ist es nicht jetzt Zeit zu begreifen, dass Gottes Liebe uns zur Umkehr treibt (Röm 2,4)? Die ganze Problematik mit unserem demographischen Wandel, mit der notwendigen Zuwanderung im großen Stil, mit der FlĂŒchtlingsnot weltweit und den bei uns Asyl Suchenden macht uns große Not. Die daraus erwachsenden Probleme der „Clash of Cultures“ (Zusammenprall der Kulturen) und des gesellschaftlichen Friedens werden uns immer mehr beschĂ€ftigen. FlĂŒchtlinge und Zuwanderer sind nicht das Problem an sich, sondern der missionarische und dschihadistische Eifer mancher Muslime, die unsere Gesellschaft zuerst „islamkompatibel“ und dann „islamkonform“ machen wollen. Dabei verbieten sie sich jedwede Form der Missionierung unter Muslimen. Das ist freilich auch der Grund, warum unter 2% aller christlichen Missionare in der islamischen Welt tĂ€tig sind. Und das, obwohl der Anteil der Muslime an der Weltbevölkerung 25% betrĂ€gt und an der nicht christlichen Weltbevölkerung sogar 50%. Der „Apostel fĂŒr die islamische Welt“, Samuel Zwemer (1867–1952), hat schon laut darĂŒber nachgedacht, ob die Christenheit meine, der Mission- und Taufbefehl gelte nicht im Blick auf die Muslime…

Wenn unsere Zeit diesbezĂŒglich ein besonderes Merkmal hat, dann ist es dies: Nie zuvor in der Geschichte haben so viele Muslime inmitten einer freiheitlich geprĂ€gten, demokratischen Gesellschaft gelebt. Nie zuvor gab es die Chance fĂŒr so viele Muslime, sich Jesus Christus zuzuwenden, ohne begrĂŒndete Angst vor Repressalien – auch durch den Staat – haben zu mĂŒssen! Nehmen wir die Muslime bei uns nur als Bedrohung, oder auch als Chance wahr?

Martin Luther sagte in Reaktion darauf, als die TĂŒrken das erste Mal vor Wien standen: „Die TĂŒrken sind Gottes Rute und ihre Bedrohung Ausdruck des Zornes Gottes.“ Nun ist aber Gericht auch immer Gnade, wo es auf Einsicht trifft und die Herzen auf Gott richten kann
 Wie schon angedeutet, glaube ich, dass diese Rute Gottes uns zum Segen werden kann. Auch jetzt scheint die Zeit reif zu sein fĂŒr den besonderen Einbruch des Ewigen in die Zeit. Es könnte eine historische Stunde in der Geschichte der Mission unter Muslimen werden. Anders als bei der angestammten deutschen Bevölkerung ist eine Offenheit fĂŒr das Evangelium unter Muslimen da! Werden wir die Muslime unter uns als Chance und Geschenk Gottes begreifen, oder sie nur als Bedrohung wahrnehmen? Das Gericht ĂŒber das ehemals christliche Abendland ist in vollem Gange. Wird dies uns zum Segen, oder zum Fluch gereichen?

Ich komme zu Leslie Newbigin zurĂŒck. Er sagt an anderer Stelle ĂŒber die Notwendigkeit der Mission:

“Wenn das Evangelium nur ein Zugang zum VerstĂ€ndnis von Religion ist, die fĂŒr mich etwas bedeutet, mir hilft und Wohlbefinden vermittelt, dann habe ich eigentlich kein Recht, mich in die jeweils eigene Glaubensauffassung anderer Menschen einzumischen, die auf jeweils ihrem Weg einen Frieden und eine Sicherheit anstreben, wie es sich die Menschen ersehnen. Aber das Evangelium ist die Wahrheit und deshalb wahr fĂŒr alle Menschen: Es ist die EnthĂŒllung des Angesichts dessen, der alles erschaffen hat, von dem jeder Mensch abstammt und zu dem schlussendlich jeder Mensch kommen muss. Es offenbart den Sinn menschlicher Geschichte, den Ursprung und die Bestimmung der Menschheit. Jesus ist nicht nur mein persönlicher Erlöser, er ist Herr ĂŒber alles, die Ursache und der Eckstein des Universums. Wenn ich dies glaube, ist hiervon Zeugnis abzulegen der wirkliche Grund meiner ganzen Existenz. Wenn ich denke, ich kann es fĂŒr mich behalten, dann glaube ich eigentlich nicht wirklich. Die Weltmission ist daher nicht etwas ZusĂ€tzliches, sondern der eigentliche PrĂŒfstein, ob die Kirche auch wirklich an das Evangelium glaubt.”

Was heißt das fĂŒr uns?

Keiner scheint ein Rezept zu haben, wie die AktualitĂ€t des Evangeliums den Menschen unserer Tage ĂŒberzeugend nĂ€her gebracht werden könnte. Wenn es eins gibt, dann wird es garantiert damit beginnen, dass unser Lebensstil als Christen sich von anderen erkennbar unterscheiden wird. Es muss erkennbar werden, dass wir von der Vergebung Jesu leben und so zu einem neuen Leben befreit sind. Der Lehrtext am heutigen TurmTreff-Tag lautet: Wenn euch der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei. Johannes 8,36. Um es mit dem geistigen Vater der meisten heutigen Agnostiker und Atheisten Friedrich Nietzsche zu sagen: Wenn an der Erlösung etwas dran ist, mĂŒssen wir fĂŒr unsere Mitmenschen erlöster wirken. Nur so könnten wir die zurĂŒckgewinnen, die sich vom christlichen Glauben verabschiedet haben. Die Kraft Gottes im neuen Leben durch seinen Geist muss doch spĂŒrbar werden! Paulus schreibt in 1Kor 1,18: Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft. Lasst uns um diese Gotteskraft fĂŒr unsere Aufgabe im Bezeugen von Jesus Christus vor den Menschen unserer Zeit beten!

Aber fangen wir mit dem Missionsbedarf in Deutschland bei den Menschen an, die immer mehr zu uns ins Land kommen: die Menschen muslimischen Glaubens. Kaufen wir hier die Zeit aus? Die Mission unter Muslimen in Deutschland steckt immer noch in den Kinderschuhen, obwohl die erste Moschee Deutschlands schon 1925 eröffnet wurde und seit Anfang der sechziger Jahre ein ungebrochener Strom von Muslimen als Zuwanderer und Asylanten zu uns kommt.

Rolf Scheffbuch sagte uns 1984 im Schorndorfer Kirchenbezikstreffen der Pfarrer, es seien 550.000 Muslime in Deutschland und kein einziger deutscher Missionar, der vollzeitlich versucht, sie zu erreichen 
 Es gab einige wenige auslĂ€ndische Missionare, in der Hauptsache Skandinavier, aber wenig UnterstĂŒtzung dafĂŒr aus christlichen Kreisen im Lande. Heute gibt es an die 5.000.000 Muslime in Deutschland, Menschen, die Gott zu uns geschickt hat – vielleicht weil sie in ihren eigenen LĂ€ndern so schwer von Jesus erfahren und nach dem Gesetz nicht konvertieren dĂŒrfen?

Ich trĂ€ume von einer Kirche, die in die Offensive geht und Evangelisten ausbilden lĂ€sst und einstellt, um solche Menschen fĂŒr Jesus Christus zu gewinnen. Wenn die Kirche das nicht von sich aus tut, mĂŒssen wir es selbst in die Hand nehmen! Wenn es die einzelne Gemeinde oder Gemeinschaft nicht stemmen kann, dann auf der Ebene der Gemeinschaftsbezirke oder Kirchenbezirke! Die Liebenzeller und SĂŒddeutschen gehen mit gutem Beispiel voran mit Projekten in und um Stuttgart und Heilbronn, aber das ist noch ein Tropfen auf dem heißen Stein! Fordern Sie doch Hilfe von den Liebenzellern oder der AuslĂ€nderseelsorge oder dem Orientdienst an! Ich trĂ€ume davon, dass Gemeinden und Gemeinschaften einen Missionar fĂŒr ihr Gebiet anfordern mit der Zusage der KostenĂŒbernahme und der UnterstĂŒtzung – auch durch ehrenamtliche Mitarbeiter
 Das soll kein Ersatz fĂŒr den eigenen missionarischen Auftrag sein, im Gegenteil! Es könnte helfen, dass Gemeindeglieder sich in diese wichtige Arbeit mit einbinden lassen. Mit der GrĂŒndung von EIMI (EuropĂ€isches Institut fĂŒr Migration und Integration) an der AWM (Akademie fĂŒr Weltmission) in Korntal haben wir eine wichtige Ressource fĂŒr diesen Auftrag bekommen.

Wie wĂ€re es, wenn wir die sonst fĂŒr so beklemmend wahrgenommene Situation mit der Islamisierung Europas als Chance und als Geschenk Gottes sehen wĂŒrden? Warum das nicht als von Gott gestellte Aufgabe sehen? Alles Gut-Reden hilft nichts. Wir mĂŒssen der Wahrheit ins Auge sehen. Der Einfluss, den der Islam als Religion in Europa hat, steigt stetig, und wir sind erst am Anfang dieser Entwicklung. Die Politik kann dies leugnen, so viel sie will, der BĂŒrger nimmt es wahr, weil es sich nicht verbergen lĂ€sst. Die Politik muss es aus eigener Sicht leugnen, weil sie keine Möglichkeiten sieht, etwas daran zu Ă€ndern. Wir aber dĂŒrfen mit Gott und seiner Macht rechnen! Wir haben eine ganz andere Perspektive auf die Situation! Die Zeichen der Zeit 2015 in der Bundesrepublik Deutschland weisen uns auf die wichtige Aufgabe, die wir in der Mission vor unserer eigenen HaustĂŒr haben. Ich bin ĂŒberzeugt, dass das Zeitfenster, das wir fĂŒr die Missionsarbeit unter Muslimen hier in Europa haben, sehr knapp bemessen ist. Schon in wenigen Jahren rechne ich mit Klagen der islamischen VerbĂ€nde gegen Missionsarbeit unter Muslimen. Ob wir noch zehn Jahre haben? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass wir die Zeit auskaufen mĂŒssen, und darum halten wir das Thema Islam in regelmĂ€ĂŸigen Lehrveranstaltungen im ABH unter unseren Studierenden und Freunden wach.

Einen Vorteil hat die Erstarkung der islamischen PrĂ€senz in Deutschland trotzdem schon mit sich gebracht: Christus ist wieder ein Thema in der Theologie geworden. Die Kirchen haben sich angesichts des Islam auf das ihnen Ureigene zurĂŒckbesinnen mĂŒssen. Ich bin ĂŒberzeugt, dass, je nĂ€her unsere Theologen in TuchfĂŒhlung mit den islamischen Überzeugungen kommen, desto klarer ihr Blick fĂŒr das wird, was den christlichen Glauben ausmacht – sofern sie nicht der antichristlichen Propaganda des Islams erliegen. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Glaube als solches wieder „hoffĂ€hig“ geworden ist. Muslime bekennen ihren Glauben ohne Scheu in allen Medien, auf der Straße, am Arbeitsplatz, in den Schulen. Zögerlich, aber doch erkennbar kommen Christen aus ihren Verstecken und wagen es, ĂŒber Glaubensthemen in der Öffentlichkeit zu reden. Das haben wir den Muslimen zu danken! Wir können nur hoffen und beten, dass der Bekennermut der Christen weiter zunimmt! Letztlich ist die starke islamische PrĂ€senz bei uns im ehemals christlichen Abendland ein Weckruf, uns auf unsere Wurzeln zu besinnen und die Gelegenheit zu ergreifen, ihnen die frohe Botschaft von Jesus Christus darzulegen und nahe zu bringen. Hier in Europa können wir (noch) frei unseren Glauben bekennen und bezeugen – auch Muslimen gegenĂŒber. Hier können Muslime sich bekehren und zu Jesus Christus als Herrn und Retter bekennen wie Thomas es seinerzeit tat: „Mein Herr und mein Gott!“ – ohne dass sie von offizieller Seite dafĂŒr bedroht oder belangt werden können. Ich glaube, dass dies eine historische Chance ist, eine Chance die nicht verstreichen darf. Es ist das Gebot der Stunde, es ist die einmalige Gelegenheit unserer Zeit. Ich glaube, dass jetzt ein Kairos dazu da ist. Nie zuvor haben so viele Menschen in der arabischen Welt Interesse am Evangelium gezeigt. Große Scharen kommen zum Glauben an Jesus Christus durch Internet, Radio und Satellitenfernsehen. Es könnte dazu kommen, dass solche Menschen zu Missionaren fĂŒr ihr eigenes Volk werden. Die strengglĂ€ubigen Muslime haben so davor Angst, dass sie den Sender Al-Hayat haben sperren lassen. Die Zeit ist reif wie nie zuvor fĂŒr am Islam enttĂ€uschte Menschen, zum Glauben an Jesus Christus zu finden. Hier heißt es carpe diem! Gerade auch bei uns in Deutschland und Europa. Ergreife den Tag! Ich kann mir das nicht anders vorstellen, als dass, wenn wir diese historische Chance verstreichen lassen, die Gnadenzeit zu verlorener Zeit und die Chance zum VerhĂ€ngnis fĂŒr uns wird


Bei allem gilt es in erster Linie auf Gottes Verheißungen zu schauen! Gottes Verheißungen gelten fĂŒr sein Volk und fĂŒr sein Reich. Wie viele Verheißungen hat er uns doch gegeben! Ich glaube fest daran, dass die Prophezeiung Gottes an das darniederliegende Volk Jerusalems auch uns in unserer Zeit gehört: Jer 29,11: Denn ich weiß wohl, was ich fĂŒr Gedanken ĂŒber euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet. Die Zeit zielt auf das Ende, sein Ziel. „Thelos“ ist im Griechischen beides – nicht das unheilvolle, abrupte, jĂ€he Ende, sondern das Ende eines Weges im Sinne vom Ziel, das auf diesem Weg erreicht wird.

Selbst die ZĂŒchtigungen Gottes sollen Segen und Frucht bringen. Es kommt nur darauf an, dass wir auf allen unseren Wegen Einsicht in seine FĂŒhrungen zeigen und uns seinen Gerichten fĂŒgen. In Hebr 12,11 heißt es: Jede ZĂŒchtigung aber, wenn sie da ist, scheint uns nicht Freude, sondern Leid zu sein; danach aber bringt sie als Frucht denen, die dadurch geĂŒbt sind, Frieden und Gerechtigkeit. Und darĂŒber hinaus gilt: Röm 8,18: Denn ich bin ĂŒberzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenĂŒber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

Nutzen wir doch die Zeit als verheißene Zeit aus! Fassen wir Mut, uns unerschrocken zum Herrn der Geschichte und der Welt im Alltag zu bekennen! Er selbst hat versprochen, bis zum Ende bei uns zu bleiben im ErfĂŒllen seines Auftrags! Dem Profilschwund der GlĂ€ubigen in der Gesellschaft mĂŒssen wir ein Ende setzen. Es ist Zeit zum Aufstehen!

[1] http://www.t-online.de/eltern/jugendliche/id_69907188/computerspiele-jugendliche-verdaddeln-taeglich-eineinhalb-stunden.html

[2] http://www.bitkom.org/de/markt_statistik/77045_79666.aspx

[3] http://winfuture.de/news,77456.html

[4] Becker, Julia. Ältere Menschen und Computerspiele: Eine Untersuchung der Gruppen Ă€lterer Computerspieler und Ă€lterer Nichtspieler und deren Vergleich hinsichtlich verschiedener Beschreibungsmerkmale sowie Motivationen und Einstellungen zu Computerspielen. diplom.de, 2008.

Was können wir von Jesus wissen? (II)

Augenzeugen berichten

(vgl. Was wissen wir von Jesus? (I))

Die Skepsis der Theologen im Blick auf die wirklichkeitsgetreue Darstellung der Ereignisse im Leben Jesu im Neuen Testaments ist unbegrĂŒndet. Freilich gibt es Fragen, wo sich die Darstellungen der Evangelien sich zu widersprechen scheinen. Da braucht die neutestamentliche Wissenschaft manchmal einen lĂ€ngeren Atem und die Bereitschaft, mit noch ungelösten Problemen zu leben. So etwa die Frage nach dem Kreuzigungstermin, der bei oberflĂ€chlicher Betrachtung bei Johannes ein anderer zu sein scheint als bei den ersten drei Evangelien. Erst 2011 konnte der englische Naturwissenschaftler Professor Colin Humphreys von der UniversitĂ€t Cambridge ein wissenschaftlich begrĂŒndete Lösung dieses Problems vorlegen (inzwischen auch auf Deutsch: Humphreys, Colin J. Die letzten Tage Jesu: und das Geheimnis des Abendmahls. 1. Aufl. Urachhaus, 2012.) Seither hatte die Mehrheit der Neutestamentler angenommen, dass der Bericht des Johannes mit den anderen unvereinbar und deswegen als historische Quelle unbrauchbar sei. Humpreys dagegen ging davon aus, dass diese historischen Zeugnisse des ersten Jahrhunderts erst einmal in ihrem SelbstverstĂ€ndnis ernst zu nehmen sind und dass der scheinbare Widerspruch sich nur uns prĂ€sentiert, weil uns zum VerstĂ€ndnis der Situation notwendige Kenntnisse fehlen. Das konnte er auch einleuchtend unter Bewies stellen, indem er die unterschiedlichen Kalendarien des antiken Israel mit Hilfe der astronomischen Wissenschaft rekonstruieren konnte. Gerade das Johannes Evangelium, das als historische Quelle in der Wissenschaft in Misskredit geraten war, betont hartnĂ€ckig einen Augenzeugenbericht zu sein und gibt zahlreiche Angaben zu geographischen, zeitlichen und persönlichen Details, die nur Sinn machen, wenn sie als Belege fĂŒr die GlaubwĂŒrdigkeit des Berichts verstanden werden. Überhaupt bemĂŒht sich Johannes nichts von den anderen Evangelien zu wiederholen, es sei denn der Lese braucht eine weitere Perspektive, um das Geschehen im vollen Sinne zu erfassen. So zum Beispiel die Beziehung zu Johannes dem TĂ€ufer, die in Johannes am Anfang des Evangeliums eine wichtige Rolle spielt. Auch die Tempelreinigung zu Beginn seines Dienstes und das Interesse mancher aus dem Sanhedrin an seinem Wirken gehören hierher. Alle vier Evangelien wollen als Augenzeugenberichte gelesen und verstanden werden. Dass es mehr als nur ein Evangelium gibt passt in das Schema des jĂŒdischen Zeugenrechtes hinein: Ein Zeuge ist kein Zeuge. Es mĂŒssen mindestens zwei sein, die im Wesentlichen ĂŒbereinstimmen. Mit unseren Evangelien haben wir vier solche Zeugen!

Warum vertraut die Wissenschaft nicht den Evangelien als historische Zeugnisse?

WidersprĂŒche sind nicht der Grund. Die gibt es in jedem Gerichtsprozess. Die können auch Indizien dafĂŒr sein, dass es eben kein „abgekartetes Spiel“ unter den Zeugen ist. Anstoß erregen die Wunderberichte und der Selbstanspruch Jesu in den Evangelien.

Es ist schon verwunderlich, dass das grĂ¶ĂŸte Wunder der Weltgeschichte, die Fleischwerdung Gottes, ohne Wunder auskommen sollte. Der menschgewordene Gott dĂŒrfe nicht auf natĂŒrlichem Wege gezeugt sein. Er selber dĂŒrfe keine Wunder tun. Und der Bericht von seinem Wirken dĂŒrfe keine Fragen offen lassen. Skepsis darf schon sein – selbst die JĂŒnger Jesu waren bisweilen sehr skeptisch. Aber die Möglichkeit der Wunder grundsĂ€tzlich auszuschließen ergibt gar keinen Sinn! Zur wunderbaren Geburt und zum Wunder der Auferstehung gehören auch die Wunderberichte aus dem Leben Jesu. Letztlich werden wir aber zu dem wunderbaren an den Evangelien nur dadurch Zugang bekommen, dass wir Gottes Wunder in unserem eigenen Leben erfahren, nicht zuletzt das Wunder der Vergebung, der Wiedergeburt des neuen Lebens in Christus. Das Hereinbrechen Gottes in unsere Welt konnten die JĂŒnger auch nicht im vollen Umfang von Anfang an verstehen, sie mussten selber ihre Erfahrungen mit Jesus machen, mit dem Leibhaftigen und mit dem leibhaftig Auferstandenen. Thomas sei nur als ein Beispiel genannt. Allerdings ist ihr Glaube aufgrund dieser Erfahrungen so stark geworden, dass sie bereit waren, dafĂŒr zu sterben! Sie haben das ganz, ganz ernst genommen.

Das Wissen von Jesus hat zwei Ebenen: die der Kenntnis und die der Erkenntnis

Unsere Art und Weise im Albrecht-Bengel-Haus Theologie zu treiben trĂ€gt dieser Tatsache Rechnung. Der Glaube ist kein theoretisches Konstrukt, der sich aus LehrsĂ€tzen bildet, sondern ist der Aspekt unserer persönlichen Beziehungen zum lebendigen Herrn, ein Urvertrauen in seine GĂŒte und Gnade, in seine Vergebung und Erlösung, in seine FĂŒhrung und FĂŒrsorge. Glauben heißt ganz und gar von Jesus Christus abhĂ€ngig zu sein. Theologische LehrsĂ€tze sind der Versuch, diesen lebendigen Glauben zu beschreiben und zu schĂŒtzen. Inhaltlich wie geschichtlich ist die Theologie aus der Verteidigung des Glaubens (Apologie) hervorgegangen, nicht umgekehrt!

Noch ĂŒberzeugt der Jesus, den wir kennen, mehr als irgendein Anderer die Menschen weltweit. Noch ist der christliche Glaube der weltweit am stĂ€rksten wachsende Glaube, gefolgt vom Islam und dem praktischen Atheismus/Agnostizismus. Bei uns in Europa ist der christliche Glaube der am stĂ€rksten schwindende Glaube – zu Gunsten des Atheismus/Agnostizismus. Das bedeutet, dass wĂ€hrend der christliche Glaube bei uns abnimmt, weltweit gesehen Millionen von Menschen jĂ€hrlich Jesus Christus als ihren Retter kennenlernen.

Was können wir von Jesus wissen?

Genug! Wir wissen ĂŒber Jesus genug! Genug, um an ihn glauben zu können; genug, um ihn persönlich kennen lernen zu können; genug, um Ihm nachfolgen zu können; genug, um seinen Willen zu erkennen; genug, um durch ihn zu einem neuen Leben wiedergeboren zu werden; genug, um andere Menschen zu ihm hinfĂŒhren zu können; genug, um Leben und volles GenĂŒge zu haben; genug, um den Frieden, der alle Vernunft ĂŒberragt, zu haben; genug, um unser Leben ihm zu weihen; genug, um ihn als Herrn unseres Lebens zu haben. All das und vieles mehr haben wir, weil wir Jesus Christus kennen. Zwar machen wir auch unsere persönlichen Erfahrungen mit dem Auferstandenen und durch seinen Geist innewohnenden Christus, aber in erster Linie kennen wir ihn aus der Heiligen Schrift als zuverlĂ€ssiges Zeugnis. Was können wir von Jesus wissen? Genug, um ein Leben lang ihn besser kennen zu lernen! Und was wissen wir von Jesus? Was können wir von ihm erzĂ€hlen und weitergeben? Das ist ein großer Auftrag und herrliche Aufgabe: Ihn immer besser kennen zu lernen und das gelernte weitergeben!

Was wissen wir von Jesus? (I)

(vgl. auch http://pcm.murdochs.eu/was-koennen-wir-von-jesus-wissen-ii/)

Diese Frage könnte theoretische verstanden werden. So ist sie nicht gemeint! Ich schreibe diese Zeilen wĂ€hrend einer Studienreise des ABH bei der jungen Netanya Kirche in Indien. WĂ€hrend der letzten 39 Jahren haben 200.000 Kastenlose und Adivasi (AnhĂ€nger von Naturreligionen in UrwaldstĂ€mmen) zum Glauben an Jesus Christus gefunden. Eine ganz schlichte, auf die Texte des neuen Testaments basierende VerkĂŒndigung, von kaum gebildeten einheimischen Evangelisten und Pastoren ihnen vorgetragen und vorgelebt, hat ihnen Jesus so nahe gebracht, dass sie ihr Leben ihm weihen wollten. Sie haben Jesus kennengelernt und lernen ihn im Hören auf das Wort immer besser kennen.

Was wissen wir von Jesus? Genug! Wir wissen ĂŒber Jesus genug! Genug, um an ihn glauben zu können; genug, um ihn persönlich kennen lernen zu können; genug, um Ihm nachfolgen zu können; genug, um seinen Willen zu erkennen; genug, um durch ihn zu einem neuen Leben wiedergeboren zu werden; genug, um andere Menschen zu ihm hinfĂŒhren zu können; genug, um Leben und volles GenĂŒge zu haben; genug, um den Frieden, der alle Vernunft ĂŒberragt, zu haben; genug, um unser Leben ihm zu weihen; genug, um ihn als Herrn unseres Lebens zu haben. All das und vieles mehr haben wir, weil wir Jesus Christus kennen (Philipper 3,10; Epheser 1,17; 1Johannes 2,3).

Die Evangelien betonen, dass sie auf Augenzeugen zurĂŒckgehen

Das Wort der Schrift reicht vollkommen aus (2Timotheus 3,16) – auch wenn die Schrift keineswegs erschöpfend zu jedem Thema Stellung nimmt, alle unsere Fragen beantwortet oder alles vom Leben und Wirken Jesu berichtet. Das sagt sie ĂŒbrigens von sich selbst: „Es sind noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat. Wenn aber eins nach dem andern aufgeschrieben werden sollte, so wĂŒrde, meine ich, die Welt die BĂŒcher nicht fassen, die zu schreiben wĂ€ren“ (Johannes 21,25). Aber die Schrift gibt uns genug an die Hand, um alle notwendigen Entscheidungen zu treffen, Lösungen zu finden und eben auch Jesus kennen zu lernen. Dazu mĂŒssen wir nicht wissen, was sich außer der Flucht nach Ägypten und dem Bar Mitzvah Fest in Jerusalem alles zugetragen hat in der Kindheit Jesu. Dazu mĂŒssen wir nicht wissen, wie Jesus ausgesehen hat oder ob Josef noch gelebt hat, als sie seinen Dienst begann. Dazu mĂŒssen wir nicht wissen, ob Jesus weniger als ein Jahr zwischen seiner Taufe und seiner Kreuzigung gewirkt hat, wie es den Anschein haben kann nach den ersten drei Evangelien, oder sogar drei Jahre lang von der Obrigkeit gesucht wurde, bis es endlich zu seiner Hinrichtung kam. Dazu mĂŒssen wir auch nicht wissen, auf welchem Wege die Evangelien entstanden sind oder warum es fĂŒr uns manche Ungereimtheiten in deren Darstellungen gibt. In Anlehnung an den großen amerikanischen Schriftsteller Mark Twain können wir sagen: uns beunruhigen nicht die Dinge in den Evangelien, die wir nicht verstehen, sondern gerade die Dinge, die wir verstanden haben!

 

Das Wissen von Jesus hat zwei Ebenen: die der Kenntnis und die der Erkenntnis

 

Unsere Art und Weise im Albrecht-Bengel-Haus Theologie zu treiben trĂ€gt dieser Tatsache Rechnung. Der Glaube ist kein theoretisches Konstrukt, der sich aus LehrsĂ€tzen bildet, sondern ist der Aspekt unserer persönlichen Beziehungen zum lebendigen Herrn, ein Urvertrauen in seine GĂŒte und Gnade, in seine Vergebung und Erlösung, in seine FĂŒhrung und FĂŒrsorge. Glauben heißt ganz und gar von Jesus Christus abhĂ€ngig zu sein. Theologischen LehrsĂ€tze sind der Versuch, diesen lebendigen Glauben zu beschreiben und zu schĂŒtzen. Inhaltlich wie geschichtlich ist die Theologie aus der Verteidigung des Glaubens (Apologie) hervorgegangen.

 

Noch ĂŒberzeugt der Jesus, den wir kennen, mehr als irgendein Anderer die Menschen weltweit. Noch ist der christliche Glaube der weltweit am stĂ€rksten wachsende Glaube, gefolgt vom Islam und dem praktischen Atheismus/Agnostizismus. Bei uns in Europa ist der christliche Glaube der am stĂ€rksten schwindende Glaube – zu Gunsten des Atheismus/Agnostizismus. Das bedeutet, dass wĂ€hrend der christliche Glaube bei uns abnimmt, weltweit gesehen Millionen von Menschen jĂ€hrlich Jesus Christus als ihren Retter kennenlernen. Anderswo auf der Welt lernen Menschen Jesus kennen – hierzulande schreiben die Menschen ihn ab. Woher kommt das? Ein Hauptproblem liegt in der Art und Weise, wie wir in Europa seit der AufklĂ€rung mit „Wissen“ und „Erkenntnis“ umgehen.

 

Anfang des 18. Jahrhunderts gab es einen theologischen Streit ĂŒber diese Lehre der „Suffizienz“ der Schrift. Auf der einen Seite wurde von der katholischen Theologie behauptet, dass die Bibel materiell aber eben nicht formell ausreichen wĂŒrde, auf der anderen Seite wurde von der aufkommenden Bibelkritik gerade auch materiell die „Insuffizienz“ der Bibel behauptet – eben weil sie in der Materie nicht vertrauenswĂŒrdig sei. Die nĂ€chsten 200 Jahre der Evangelienforschung an deutschen UniversitĂ€ten fĂŒhrten zu dem berĂŒhmten Werk von Albert Schweizer „Die Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“, in dem das Fazit zog, dass das Leben Jesu nicht rekonstruierbar sei. Danach stellte Rudolf Bultmann seine These auf, dass dies auch nicht notwendig sei, da es allein auf „den verkĂŒndigten“ Christus ankomme, und nicht auf einen „historischen“ Jesus. Sein Hauptfehler war, den historischen Jesus und den verkĂŒndigten Christus gegeneinander auszuspielen. Wir halten an der KontinuitĂ€t zwischen beiden fest! Der Jesus, dessen Leben und Wirken in den Evangelien geschildert wird, erweist sich den ihm Vertrauenden heute noch als lebendig und mĂ€chtig im Wirken.

Die Evangelien in ihrer Ganzheit zeichnen ein vielschichtiges, oftmals nicht leicht zugĂ€ngliches Bild von Jesus. Wir tun uns manchmal schwer, das alles auf einer Reihe zu bringen. Auf der anderen Seite sind die einzelnen Worte Jesu und die Berichte ĂŒber sein Leben und Wirken meist in sich sehr klar und deutlich. Hier sprechen die VĂ€ter von der „Klarheit“ (perspecuitas/claritas) der Schrift. Wo die Schrift nicht von sich aus klar in ihrer Intension ist, ist das meist so gewollt. Jesus hat gerne in der Öffentlichkeit in Gleichnissen geredet. Das war ein fester Baustein seiner Strategie. Auch seine JĂŒnger haben seine verdeckte Redeweise nicht immer verstanden. Manches von dem, was er gesagt und getan hat, wurde ihnen erst nach der Kreuzigung und Auferstehung deutlich. Manches ist uns unklar, weil uns der nötige Zugang fehlt. So gab es bis zum Jahr 2011 keine ĂŒberzeugende ErklĂ€rung dafĂŒr, dass die Chronologie der Karwoche nach Johannes anders zu sein scheint als bei den ersten drei Evangelien. Erst die bahnbrechende Arbeit von Colin J. Humphreys zu den antiken Kalendarien hat Licht auf das RĂ€tsel geworfen. Manch eine dunkle Stelle wird auch vorerst ungelöst bleiben. Wer die Evangelien immer wieder unbefangen und mit Sachkenntnis liest, wird immer wieder von diesem Jesus ĂŒberrascht, angefochten, begeistert, motiviert, bewegt.

Dabei ist Jesus keineswegs eine „einfache“ oder „eingĂ€ngige“ Gestalt. Jesus nimmt sich kein Blatt vor den Mund, versucht nicht den Menschen zu gefallen. Wen Jesus lieb gewinnt, dem mutet er die Entsagung und Nachfolge zu! Er warnt vor den Konsequenzen der Nachfolge, vor dem Hass und vor der Verfolgung durch die Menschen. Er weist Menschen schroff ab – vergleicht sogar die syro-phönizische Frau mit einem „Hund“, zu jener Zeit ĂŒbliches Schimpfwort der Juden fĂŒr die Heiden. Er schafft es wiederholt, „die Kirche leer zu predigen“, Sympathisanten zu verprellen, die Erwartungen seiner „Fangemeinde“ zu enttĂ€uschen. Auf der anderen Seite hat er eine Liebe und ein Erbarmen fĂŒr die Menschen, die in der Geschichte ihresgleichen sucht. Er nimmt sich Zeit fĂŒr die Kinder, fĂŒr die Ausgestoßenen, fĂŒr die Unreinen, fĂŒr die Verhassten der Gesellschaft. So wie er es durch seine Diener in Indien auch heute tut und die Welt und das Leben der Menschen dort verĂ€ndert.

Was wissen wir von Jesus? FĂŒr die praktische Nachfolge gibt uns die Schrift genug Wissen! Die Frage bleibt – kennen wir ihn auch dadurch? Wir können zwar endlos von ihm lernen. Wissen wir genug, dass unser eigenes Leben dadurch verĂ€ndert wird und wir anderen von ihm glaubhaft erzĂ€hlen können?

 

 

Wenn nur Christus gepredigt wird!

Predigt am Sonntag LĂ€tare 2012 in Derendingen

 

Phil 1,15-21

15 Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht:

16 diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege;

17 jene aber verkĂŒndigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir TrĂŒbsal bereiten in meiner Gefangenschaft.

18 Was tut’s aber? Wenn nur Christus verkĂŒndigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darĂŒber. Aber ich werde mich auch weiterhin freuen;

19 denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi,

20 wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem StĂŒck zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod.

21 Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.

 

 

Wenn nur Christus gepredigt wird!

 

Wie das gehen soll? Aus der falschen Motivation heraus predigen? So abwegig ist der Gedanke wohl nicht! Schon öfters hat es das gegeben, dass ein aufgebrachtes Gemeindeglied seinem Ärger Luft gemacht, dass der Prediger es wohl besonders auf ihn abgezielt hĂ€tte. Es denken also schon Menschen, dass ein Prediger sein Amt missbrauchen könnte, um Dinge, die in der Seelsorge gesagt gehören, an „die große Glocke“ zu hĂ€ngen. Vielleicht gibt es das vereinzelt auch wirklich in der Praxis – da möchte ich mir kein Urteil erlauben. Dass Prediger aber die Kanzel missbrauchen, um ihre persönlichen Gedanken und Lieblingsthemen zu verkĂŒnden haben langjĂ€hrige Gottesdienstbesucher sicherlich an dem einen oder anderen Ort erlebt.

 

Wenn nur Christus gepredigt wird! Als Paulus diese Worte schreibt, sitzt er im GefĂ€ngnis der prĂ€torianischen Garde an der Nordmauer der Stadt Roms und wartet auf die abschließenden Verhandlungen in seinem Prozess. Ich rufe in Erinnerung: Paulus hatte sich auf den Kaiser berufen, um die RechtmĂ€ĂŸigkeit des Evangeliums von Jesus Christus als legitime Ausdrucksform des alttestamentlichen Glaubens durch höchste Instanz bestĂ€tigen zu lassen. Es ging um nichts Geringeres als die Zusicherung der Glaubensfreiheit bzw. Religionsfreiheit fĂŒr die Christen der ersten Gemeinden im römischen Reich. Den Juden war die Religionsfreiheit nach vielen Glaubenskriegen als einzige Religionsgemeinschaft von den Römern gewĂ€hrt worden, nur sie waren davon befreit, dem Kaiser als „Gott“ Opfer darzubringen. Nun leugneten eben ein Teil der Juden, dass die Christen Juden wĂ€ren, deren Messias der Messias der Juden sei.

 

Oftmals vergessen wir, dass unser Glaube und unsere Praxis aus dem Judentum, aus dem Volk Israel hervorgingen. Erst als das Apostelkonzil die Entscheidung traf, dass ein Heide Christ werden könne auch ohne sich beschneiden zu lassen, ohne sich an das rituelle Gesetz der Juden zu halten, war der Weg gebahnt, einen Unterschied zu machen zwischen den Juden, die an Jesus als ihren Messias glaubten, und denen, die ihn als solchen ablehnten.

 

Auf diesem Hintergrund mĂŒssen wir den Konflikt, denn Paulus hier beschreibt, verstehen: es gab Menschen in den Synagogen, die jetzt ihre Chance sahen, nicht nur Paulus, sondern der ganzen jungen Kirche Jesu Christi großen Schaden zuzufĂŒgen. Schon im Jahr 49/50 hatte der Kaiser Claudius alle Juden aus Rom verbannt, weil es zu Unruhen in der jĂŒdischen Gemeinde wegen eines gewissen „Chrestos“, bzw. „Christos“ gekommen war. (Die Aussprache der griechischen Buchstabe ETA war damals gleich dem Jota, also ein kurzes „I“. In der Fachsprache nennt man das „Itazismus“. Damals waren Prisca und Aquila aus Rom nach Korinth geflohen und zu Mitarbeitern des Paulus geworden bzw. umgekehrt. Es ist anzunehmen, dass damals schon der Streit in der jĂŒdischen Gemeinde um Jesus Christus ging.

 

Es gab nichts, was der römischen Herrschaft unliebsamer war, als Unruhe im Volk. Mit ihrer Politik „Brot und Spiele“ fĂŒr das Volk war sie darauf aus, das Volk bei Laune zu halten und zufrieden zu stellen. Die Gegner des Paulus hatten bewusst in der Öffentlichkeit von Jesus Christus gesprochen, um die GemĂŒter zu erhitzen und den Streit vom Zaun zu brechen. Sie erhofften damit ein Urteil gegen Paulus und gegen die Nachfolger Christi. Zwar ist es ihnen bei dieser Gelegenheit nicht gelungen, die Christen in Verruf zu bringen – Paulus wurde wieder freigelassen – aber kurze Zeit spĂ€ter hat der wahnsinnige Kaiser Nero die Christen als SĂŒndenböcke ausgesucht und die erste offizielle staatliche Christenverfolgung eingefĂŒhrt. (Zwar ging es ihm vermutlich in erster Linie darum, ein Feindbild aufzubauen, das von ihm selbst ablenkt und den Zorn der Bevölkerung ĂŒber den in seinem Auftrag gelegten Brand zur Zerstörung ganzer 10 von 14 Wohnbezirke Roms auf andere umzuleiten, aber das hat ihn nicht davon abgehalten zahlreiche Christen in Teer und Federn einzutauchen und sie als Fackel in seinen Parkanlagen anzuzĂŒnden).

 

15 Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht:

16 diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege;

17 jene aber verkĂŒndigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir TrĂŒbsal bereiten in meiner Gefangenschaft.

18 Was tut’s aber? Wenn nur Christus verkĂŒndigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darĂŒber.

 

Wenn nur Christus gepredigt wird! Diese Konzentration auf das Wesentliche wĂŒnsche ich mir! Alles von daher beurteilen, ob es Christus dient! Paulus hat sich ganz und gar in den Dienst des Evangeliums gestellt. Er hat sich in Gottes Hand gewusst. Er wusste, egal wie sein Prozess ausgeht, sein Leben oder sein Tod – mit beidem wĂŒrde er seinem Herrn dienen. Darum fĂ€hrt er fort:

 

Aber ich werde mich auch weiterhin freuen;

19 denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi,

20 wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem StĂŒck zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod.

21 Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.

 

Was haben wir bloß aus der Leidenschaft fĂŒr Jesus gemacht? Wo gibt es diese Hingabe noch bei uns? Freilich: diese ultimative Konsequenz wird von uns seltenst abverlangt. Wir haben Religionsfreiheit, werden nicht um unseres Glaubens willen bedrĂ€ngt, unterdrĂŒckt, diskriminiert oder gar verfolgt. Das macht es aber auch so leicht fĂŒr uns, in GleichgĂŒltigkeit und Lauheit des Glaubens zu verfallen.

 

Ich will nicht ĂŒber „die Anderen“ reden, deren Einsatz fĂŒr den Herrn der Kirche zumindest nach außen hin nicht erkennbar ist. Ich möchte ĂŒber uns reden, ĂŒber dich und mich. Über die, die die Bequemlichkeit des Bettes oder des Sofas heute Morgen verlassen haben, um eine gute Stunde die Kirchenbank zu drĂŒcken. Können wir so mit Paulus sprechen? Erwarten wir und hoffen wir sehnlich, dass wir nicht zu Schanden werden? Ist das unser sehnlicher Wunsch, dass Christus an unserem Leib verherrlicht werde – egal ob durch unsere Lebensweise oder durch unseren Tod fĂŒr ihn und seine Sache? FĂŒr uns – im Unterschied zum Paulus – geht es wohl um die Lebensweise


 

FĂŒr Paulus steht fest, was der HebrĂ€erbrief auch sagt: Leben wir, so leben wir dem Herrn! Sterben wir, so sterben wir dem Herrn! Darum, ob wir nun leben oder sterben, so sind wir des Herrn! Denn darum ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, damit er Herr ĂŒber Lebende und Tote sei.“ Es geht um diesen Anspruch Jesu Christi auf unser Leib und Leben. Heute schon! Im Alltag! Bei der Arbeit, in den VorlesungssĂ€len, im BĂŒro oder Klassenzimmer, am KĂŒchentisch oder in der guten Stube. Darum geht es, dass Jesus Christus durch unser Leben verherrlicht wird! Darum geht es im Evangelium! Jesus Christus hat uns von Tod und Teufel los gekauft, dass wir ein ihm geheiligtes Leben in der Freiheit der Gotteskinder lieben. Er hat uns freigekauft, damit er mit seinem Geist von uns Besitz ergreifen kann, in uns wohnen und durch uns leben kann.

 

Vorletzte Woche durfte ich auf einer Missionskonferenz die Bibelarbeiten eines nigerianischen Bischofs hören (Benjamin Kwashi). Er stammt aus Jos, in dem Gebiet Nigerias, wo es besonders heftige Christenverfolgung gibt. In Anlehnung an unserer Stelle hat er persönlich Zeugnis abgelegt. Er erzĂ€hlte davon, wie bewaffnete MĂ€nner zu seinem Haus gekommen waren, um ihn zu töten. Weil er nicht zuhause war, haben sie in Zorn seine Frau krankenhausreif geprĂŒgelt. Unter anderem hat sie zwei BeinbrĂŒche erlitten. Denkt er daran, in den sicheren SĂŒden des Landes zu ziehen? Oder gar ins Ausland zu fliehen? Es gebe viele Orte, wo er hin könnte. In dem gegenwĂ€rtigen Schisma seiner anglikanischen Kirche schauen Bischöfe und Pfarrer aus aller Welt in seine Richtung um FĂŒhrung zu bekommen.

 

Nein! Der geht nicht! Er sagte uns: „wenn Sie mich töten, dann können sie mir keinen besseren Dienst erweisen! Dann werde ich vor meinem Herrn stehen! Das wird sicher im ersten Augenblick fĂŒr mich etwas unangenehm werden, wenn ich an alle meine VersĂ€umnisse, Fehler und SĂŒnden denke, aber dann wird die Annahme und die Vergebung bei meinem Herrn all das vergessen werden lassen und ich werde in seiner Herrlichkeit bleiben!“ Aber er ist auch bereit ein beschwerliches Leben in der Nachfolge unter Verfolgung zu fĂŒhren. Lasst uns die Zeit auskaufen, die Glaubensfreiheit, die wir haben nutzen, um ein einladendes, glaubwĂŒrdiges Zeugnis fĂŒr unsern Herrn zu sein!

 

Wenn nur Christus gepredigt wird! – Nicht nur von unseren Kanzeln, sondern auch durch unsere Leben!

 

Amen

Missiologina odottelemme systemaattisen teologian teologien selvitystÀ

panos lÀhetysteologian symposiumiin

Jumala on koko maailman luojana ja alkuihmisen, Aadamin hengen antajana, on koko ihmiskunnan Jumala uudenkin Aadamin kautta. Jumalan ykseys ja seurakunnan yhteys ovat olleetkin alusta alkaen ekumeenisen teologian ja liikkeen vankka perustus. Moderneimmatkaan vakavasti otettavat teoriat Jumalan lĂ€snĂ€olosta muissa maailman uskonnoissa eivĂ€t ymmĂ€rtÀÀkseni tĂ€hdĂ€ tĂ€mĂ€n perustuksen kumoamiseen, vaan pikemminkin pyrkivĂ€t alentamaan maailman uskontojen vĂ€listĂ€ kynnystĂ€ löytĂ€mĂ€llĂ€ yhteistĂ€ pohjaa(1), joskin muualta kuin uudessa Aadamissa. KĂ€ytĂ€nnössĂ€ tĂ€mĂ€ ilmenee jonkinlaisena epĂ€virallisena „Christus absconditus“ -oppina, jonka mukaan Jeesus, vaikka olisikin Kristus de facto (tai sitten eksistentialisteille in experientiae), ei esiinnu sui modo, vaan tyytyy uskonnon perustajan, jumalallisen tiedon ja valistuksen tuojan rooliin. NĂ€in luullaan, ettĂ€ poistetaan este yhteiseen uskoon Jumalaan ja yhteyteen erilaisuudessamme. Vaikka tarkoitus olisikin hyvĂ€, ajatus perustuu heikon teologian lisĂ€ksi virhearviointiin. Islam, yhtĂ€ vĂ€hĂ€n kuin ortodoksinen kristillinen kirkkokaan, ei tule hyvĂ€ksymÀÀn nĂ€itĂ€ synkretistisesti ymmĂ€rrettĂ€vissĂ€ olevia pyrkimyksiĂ€. Molemmat ymmĂ€rtĂ€vĂ€t olevansa viimeinen ja ainoa autuaaksi tekevĂ€ Jumalan ilmoituksen kantaja („Absolutheitsanspruch“), joskin muslimit varaavat erikoisaseman „kirjan kansoille“, Juutalaisille, Kristityille ja „Saabalaisille“ samoin kuin kristinuskossa ajatus sukulaisuudesta Vanhan Testamentin kansaan tavataan.

Kysymys ei ole ensisijaisesti teologinen tai kenties historiafilosofinen, onko esimerkiksi Vanha Testamentti mÀÀrÀtylle ihmisryhmÀlle mÀÀrÀttyyn aikaan Jumalan ilmoitusta, kuten erÀs fundamentalistinen (dispensationalistinen) tulkinta saattaa ymmÀrtÀÀ. Se ei ole myöskÀÀn onko Vanha Testamentti ilmoitusta siinÀ mielessÀ, ettÀ se viittaa Jeesukseen ilmoituksen tÀyttymyksenÀ ja pÀÀmÀÀrÀnÀ, lihaksi tullut sana. Kysymys on yhtÀ vÀhÀn onko Jumala tarkoittanut eri kansojen elÀvÀn eri kutsumus- ja ilmoitustasoilla. Kysymys on ennemmin henkilö-kohtainen: Onko Jeesus se henkilö, jonka Raamattu vÀittÀÀ hÀnen olevan, uusi Aadami, Jumalan poika uuden ihmiskunnan isÀ, ja onko hÀn siten korvaamaton kun puhutaan Jumalasta tai etsitÀÀn Jumalaa. Lyhyesti, voiko tuntea Jumalaa niin kuin hÀn on tunnettavissa olemalla kuitenkin tuntematta Jeesusta.

Kun judeo-kristillinen perinne ymmÀrtÀÀ roolinsa universaaliseksi, eikÀ kansakohtaiseksi, niin se on myös henkilökohtainen, koska ihmiskunnan summa koostuu jokaisesta yksilöstÀ erikseen.

„Jeesus ja samarialainen nainen“ on kĂ€yttökelpoinen paradigma tĂ€tĂ€ kysymystĂ€ miettiessĂ€. Jeesus (Juutalaisena) puhuu Sykarin kaivolla kĂ€yneen naisen (vanhemman ilmoitushistorian vaiheessa syntyneen kansan jĂ€sen, Samarialaisen) kanssa ja tarjoa hĂ€nelle jotain uuttaa, sekĂ€ Ebal/Garisim ettĂ€ Siion-vuorta transkendoivaa, jotain elĂ€vĂ€ksi tekevÀÀ ja hengellistĂ€. Jeesus ei kerro hĂ€nelle „pysy siinĂ€, mitĂ€ olet Jumalalta saanut“, vaan tarjoaa hĂ€nelle elĂ€mĂ€n, hengellisen olemuksen yhteydessa Jumalaan, elĂ€mĂ€n lĂ€hteeseen. MikĂ€li uskomme, ettĂ€ ainoastaan Jeesuksessa on ylösnousemuksen elĂ€mĂ€, emme voi katsoa muut uskonnot, jotka eivĂ€t tunnusta Jeesusta elĂ€mĂ€n lahjottajana, tĂ€yttĂ€vĂ€n ihmisen perustarpeen elÀÀ. Voimme silti pitÀÀ niitĂ€ Jumalan jonkin asteen ilmoituksen kantajina.

Keskustelu symposiumissa luonnollisesta laista vei tĂ€hĂ€n suuntaan, joskin merkillisiĂ€ raiteita pitkin. Lainattu lause „gratia non tollit naturam“ (armo ei kumoa [ihmis-]luontoa) ei ole tĂ€ssĂ€ muodossa tĂ€ydellinen. Se jatkuu „sed perficet eam“ (vaan tekee sen tĂ€ydelliseksi). YleensĂ€ tĂ€ssĂ€ kontekstissa kĂ€ytetÀÀn luonnollisen lain perusteluksi evankeliumin yleistĂ€ ymmĂ€rrettĂ€vyyttĂ€ varten („allgemeine Ansprechbarkeit“). MitĂ€ Jumalan ilmoitukseen muissa uskonnoissa tulee, se on kuitenkin enemmĂ€n. TĂ€mĂ€ ei ole mielestĂ€ni riittĂ€vĂ€sti huomioitu. Kaksi hyvÀÀ ystĂ€vÀÀ jotka ovat kÀÀntyneet Islamista kristuksen seuraajiksi jo pitkÀÀn ennen kuin minĂ€ heihin tutustuin kertoivat, miten Koraani oli johdattanut heitĂ€ Kristuksen luo. Koraani sisĂ€ltÀÀ paljonkin raamatullista perinettĂ€ ja aineistoa. TĂ€mĂ€n tosiasian tunnustaminen ei tarkoita, ettĂ€ koko Koraani olisi samalla tavalla Jumalan ilmoitusta. Jo islamilainen perimĂ€tieto kertoo lĂ€hteiden kerran seonneen… Mutta siinĂ€ mÀÀrin missĂ€ Koraani vĂ€littÀÀ Raamatullista aineistoa korruptoimattomassa muodossa tai Raamatullista ajattelua, esim. jokaisen Sura’n alkulause „bism-illah, al-rahman, al-rahiim“ (Jumalan, armollisen ja armahtavaisen, nimessĂ€), sitĂ€ voidaan huoleti ymmĂ€rtÀÀ Jumalan ilmoituksen kantajana. Ero on tehtĂ€vĂ€ vain siinĂ€, ettei Koraani ole kauttaaltaan tai erehtymĂ€ttömĂ€sti Jumalan ilmoitusta.

Palatessani alkuajatuksiin, totean, ettÀ dialogi, ymmÀrrettynÀ ihmisen kunnioittamisena ja huomioon ottamisena, ja lÀhimmÀisen rakkaus kulkevat kÀsi kÀdessÀ. Oikeastaan, ne eivÀt tule toimeen ilman toisiaan. Jos mitÀÀn voi murtaa lain otteen ihmiseen, suorittamisen pakkomielen, tahdon ansaita Jumalan hyvÀksyntÀÀ uskonnon kautta, se on Jumalan rakkaus, joka mahdollistaa ja synnyttÀÀ uskon, Jumalan rakkaus elettynÀ lÀhetystehtÀvÀssÀ ihmisten kesken.

I. Tarvitaanko lÀhetysteologiaa?

Helsingin Yliopiston systemaattisen teologian professori Tuomo Mannermaa esitti „Seppo SyrjĂ€nen Akatemian“ symposiumille v. 1993 retorisesti tarkoitetun kysymyksen: „Tarvitaanko ylipÀÀnsĂ€ erillistĂ€ lĂ€hetysteologia?“ HĂ€n tarkoitti „erillisellĂ€ lĂ€hetysteologialla“ koko lĂ€hetystehtĂ€vÀÀ mÀÀrittelevĂ€ „standardista teologiasta poikkeavaa erityistĂ€ lĂ€hetysteologia.“

HÀnen haasteensa Seppo SyrjÀnen Akatemialle kuului nÀin:

„Olisi syytĂ€, kokeilumielessĂ€ ja hypoteettisesti lopettaa erityistÀ  lĂ€hetysteologia kuvaavien termien ‚kirkon missio‘ ja ‚kirkon lĂ€hetystehtĂ€vĂ€‘ kĂ€yttö mÀÀrĂ€ajaksi(2). TĂ€mĂ€n tervehdyttĂ€vĂ€n paaston ja pidĂ€ttĂ€ytymisen aikana tarkisteltaisiin sen sijaan aivan yksinkertaisella tavalla miten kirkon lĂ€hetystyö avautuu standardeista kristillisen uskon ja elĂ€mĂ€n sisĂ€llöistĂ€ joita ei ole muunnettu apriorisen ja jo ennakolta luodun missio kĂ€sitteen avulla.“

TĂ€mĂ€n sanottua, hĂ€n vakutti, ettei hĂ€n vastusta lĂ€hetystyötĂ€, eikĂ€ missiologiaa. HĂ€nen kritiikkinsĂ€ kohdistuu uudenaikaisiin pyrkimyksiin luoda „LĂ€hetysteologioita“, jotka erityisellĂ€ teologisella tulkinnalla perustelevat lĂ€hetystehtĂ€vĂ€n ikÀÀnkuin tavallisen teologian ohitse. Esimerkiksi hĂ€n valitsi Luterilaisen Maailman Liiton hyvĂ€ksymĂ€n lĂ€hetysohjelman trinitaarisesta lĂ€hetysteologiasta „Together in God’s Mission“, valittaen seuraavaa „kolmikertaista ajatteluvirhettĂ€“:

1) Koko teologinen rakennelma perustuu aprioriseen kÀsitykseen, joka on sekÀ summittainen ettÀ yleinen: missio mÀÀritellÀÀn Jumalan pelastavaksi toiminnaksi ja kirkon osallisuudeksi siihen.

2) SiinĂ€ tulkitaan Kolminaisuuden sisĂ€inen olemus apriorisen kĂ€sityksen mukaisesti ja epĂ€kriittisesti „missioksi“.

3) Dedusoidaan yllÀ mainituista konkreettinen lÀhetystyön luonne.

Mannermaa jĂ€i kaipaamaan tĂ€ssĂ€ teologisessa rakennelmassa luterilaisen teologian tunnusmerkit: Laki ja Evankeliumi, kaksi Regimentti, Ristin Teologia. LisĂ€ksi hĂ€n nĂ€kee trinitaarisen Jumalan todellisuuden nivellöimisen, jonka mukaan kaikki kolme uskonkappaleet „ovat siten kaikki Jumalan pelastavaa työtĂ€“, pois jĂ€ttĂ€en „Jumalan vasemman kĂ€den työtĂ€“. Deus absconditus ei ole siis tĂ€ssĂ€ teologisessa konseptissa löydettĂ€vissĂ€.

Viitaten doctorandus Jan Slomp’in toteamukseen, ettĂ€ kÀÀntymisiĂ€ tavataan siellĂ€, missĂ€ tyytymĂ€ttömyyttĂ€ oman uskonkĂ€sitykseen esiintyy, Mannermaa huomautti, ettĂ€ juuri tĂ€llainen itsevanhurskauden romuttaminen on Jumalan vasemman kĂ€den työtĂ€. Se on siis ihmisen vanhurskauttamiselle elintĂ€rkeĂ€, lain ensimmĂ€inen, armon tarpeen osoittava tehtĂ€vĂ€ (primus usus legis/usus elenchicus).

EsitelmöitsijĂ€n pÀÀhuoli tuntuu olevan kaksinkertainen. Ensiksi tĂ€llainen erityinen lĂ€hetysteologia saattaa jopa „turmella“ teologisia totuuksia. Toiseksi, se ei anna tilaa „standardin teologian“ lĂ€hetykseen liittyville johtopÀÀtöksille: „TĂ€mĂ€ ei nouse standardista teologisesta tematiikasta, joka pĂ€tee kaikkialla teologian alueilla…juuri tĂ€mĂ€ on ongelmallista“, totesi Mannermaa.

Olen muiden muuassa nyt „paastonut“ pari vuotta esitelmĂ€n pĂ€ivĂ€stĂ€. En kuitenkaan ole havainnut tĂ€ssĂ€ vĂ€lissĂ€, ettĂ€ yleinen teologinen pohdiskelu olisi vastanut Prof. Mannermaan kysymyksiin. LĂ€hetystyön oikeutus ja motivointi siihen ei ole saanut merkittĂ€vÀÀ huomiota teologisessa työskentelyssĂ€. NĂ€yttÀÀ siltĂ€, ettĂ€ nĂ€mĂ€ aihepiirit eivĂ€t saa riittĂ€vÀÀ teologista huomiota, ellei missiologit itse ryhdy työhön. On siis paaston jĂ€lkeen ryhdyttĂ€vĂ€…

KÀyttökelpoinen lÀhetysteologia ei syynny tyhjiössÀ

EnsimmĂ€iseksi haluan tunnustaa, ettĂ€ olen periaatteessa Mannermaan kanssa samaa mieltĂ€ siitĂ€, ettei missiologia saisi elÀÀ omaa „villi“ elĂ€mÀÀnsĂ€ ottamatta huomioon normatiivista(3) teologista työskentelyĂ€, joka tapahtuu kaiken aikaa meidĂ€n ympĂ€rillĂ€mme. Onko sitten niin kĂ€ynyt? Monesti varmaankin. Jonkun asian mainitsematta jĂ€ttĂ€minen ei kuitenkaan tarkoita vĂ€lttĂ€mĂ€ttĂ€, ettei se olisi kirjoittajan/kirjoittajien tiedossa. LĂ€hetysteologia tehdÀÀn maailmalla aivan erilaisissa ympĂ€ristöissĂ€ kuin kotimainen luterlaisuus.

Kun maailmalta palaa Suomeen, tuntuu oudolta, ettĂ€ tÀÀllĂ€ voidaan yleensĂ€ puhua „standardi teologiasta“. EhkĂ€ suomalainen teologinen monokulttuuri todella sallii vielĂ€ sellaista. Kristikunnan moninaisuus – puhumattakaan kontakteista muiden uskontojen kanssa – kansainvĂ€lisessĂ€ ekumeenisessĂ€ teologisessa työskentelyssĂ€ johtaa useimmiten joko teologiseen minimalismin (Mott ja „Tuomaksen uskontunnustus“ pohjana maailman lĂ€hetysliikkeelle ja myöhemmin Kirkkojen Maailman Liitolle) tai teologiseen synkretismiin (myöhemmpiĂ€ KML’n tendenssejĂ€, esim. „Lima-dokumentti“ ja moderni roomalaiskatollinen „Christus absconditus“ ajattelu suhteessa muihin uskontoihin, esim. Hans KĂŒng). Harva missiologi tai ekumeenikko sĂ€ilyttÀÀ sen puhtaaksi viljellyn konfessionallisen teologian korostuksineen, jonka oli aikoinaan oppinut yliopistossaan. Toisaalta, kontrastit saattavat tehdĂ€ mÀÀrĂ€ttyjĂ€ teologisia piirteitĂ€ ja seikkoja yhĂ€ rakkaammaksi. NĂ€in on ainakin minulle kĂ€ynyt. On kuitenkin elettĂ€vĂ€, rukoiltava ja tehtĂ€vĂ€ työtĂ€ teologisesti hyvin erilaisten ihmisten kanssa. Ja kun teologiset kannanotot ovat legio, ei voi kovin usein viittaa eksplisiittisesti niihin. Tuskin tĂ€stĂ€ olikaan kysymys Mannermaan kritiikin kohdalla, vaan teologinen tunne, ettĂ€ luterlaisille teologeille tĂ€rkeitĂ€ ja jopa rakkaita peruslĂ€htökohteita oli tyystin ohitettu. Haluan kuitenkin pitÀÀ kiinni siitĂ€, ettĂ€ merkittĂ€vĂ€t missiologiset luonnokset kuten „Together in God’s Mission“ eivĂ€t synny tyhjiössĂ€, eivĂ€tkĂ€ se kiellĂ€ niitĂ€ systemaattis-teologisia seikkoja, jotka muodostavat luterilaisuuden morfologian.

Tuskin oli tarkoitus, ettĂ€ „trinitaarinen lĂ€hetysteologia“ syrjĂ€yttĂ€isi perinteellisen, perusluterilaisen ajattelun. Saattavat keskenÀÀn ollakin yhteensopimaton jossain kohden. Se on nykyteologialle normaalia. NormaalikĂ€yttĂ€jĂ€ kuitenkaan tuskin huomaa tĂ€mĂ€n. Itse olen tĂ€hĂ€n asti – ehkĂ€ vÀÀrin – ymmĂ€rtĂ€nyt LML:n dokumentin pyrkimyksenĂ€ selittÀÀ syvemmĂ€llĂ€ tasolla, miksi kansainvĂ€linen diakonia on yhtĂ€lailla osaa meidĂ€n tehtĂ€vÀÀmme kuin evankelioiminen ei-kristittyjen keskuudessa. Dokumentti etsii perustelut siihen niin kauas taakse kuin mahdollista, ja onnistuu nĂ€kemÀÀn syitĂ€ jo Jumalan olemuksessa. Se ei tĂ€hdĂ€ kieltĂ€mÀÀn Jumalan vasemman kĂ€den työtĂ€, vaikka jĂ€ttĂ€isi sen mainitsematta. Jos kuitenkin lukija kokee, ettĂ€ „elementaarin uskon vanhurskaus ei saa sille kuuluva sijaa tĂ€llaisessa lĂ€hestymistavassa, erillisessĂ€ lĂ€hetysteologiassa“, niin jotain on mennyt pieleen.

Jotakin on myös onnistunut. Emme voi sulkea silmimme tosiasiaan, ettĂ€ myös reformatorinen teologia, mitĂ€ epistemologiaan tulee, perustuu pÀÀosin antiikin kreika filosofiseen ajatteluun(4). Emme voi sulkea pois niitĂ€ tĂ€rkeitĂ€ teologisia havaintoja, joita on tehty luterilaisen ortodoksian luomisen jĂ€lkeen. Mainitakseen vain yhden, Eberhard JĂŒngel’in tekemĂ€ havainto(5) siitĂ€, ettei antiikilta periytynyt Jumalankuva sovi yhteen raamatullisen ajattelun kanssa ontologiansa vuoksi, ja ettĂ€ Jumalan olemus olisi ymmĂ€rrettĂ€vĂ€ „tulemisenaan“ („Gottes Sein ist im Kommen“) (6) mieluummin kuin Barthin jo tĂ€hĂ€n suuntaan tĂ€htÀÀvĂ€ ja sinĂ€nsĂ€ maata raivaava tulkinta Jumalan olemuksesta „kehityksenĂ€“ („Gottes Sein ist im Werden“). TĂ€llainen dynaaminen jumalakĂ€site avaa yleisen systemaattisen teologian kautta aivan uusia mahdollisuuksia lĂ€hetysajattelulle. Jos LML:n dokumentti „trinitaarisessa lĂ€hetysaatteessaan“ pohjautuu tĂ€mĂ€ntyyppiseen JumalankĂ€sitteeseen, se ei syylistyisi lainkaan „erilliseen lĂ€hetysteologiaan“ sen enemmĂ€n kuin „aprioriseen summittaiseen ja yleiseen kĂ€sitykseen“.

LĂ€hetysteologiset vedokset jĂ€ttĂ€vĂ€t kieltĂ€mĂ€ttĂ€ usein liian paljon sanomatta.  PidĂ€n Tuomo Mannermaan kritiikin erittĂ€in hyödyllisenĂ€, varsinkin siinĂ€ osin, missĂ€ se haastaa meitĂ€ ymmĂ€rtĂ€mÀÀn lĂ€hetystehtĂ€vĂ€n perinteellisen teologian mukaisesti johdonmukaisena seurauksena rakkauden kĂ€skystĂ€ ja rakkauden voimasta. Olen hĂ€nen kanssaan samaa mieltĂ€, ettĂ€ tĂ€mĂ€ on „tĂ€ysin riittĂ€vĂ€ perustelu lĂ€hetystehtĂ€vÀÀn“. Olen jopa varma, ettei ole muuta yleisesti hyvĂ€ksyttĂ€vÀÀ missiologista apologiaa olemassa, kuin se, joka nousee Jumalan rakkaudesta ja siitĂ€ seuraavasta kristityn rakkaudesta(7). TĂ€mĂ€ ei kuitenkaan sulje pois etenemisen mahdollisuuksia varsinaisen teologian alueella.

Mannermaa on suorittanut erittĂ€in tĂ€rkeĂ€n tehtĂ€vĂ€n palauttamalla meidĂ€t tĂ€hĂ€n lĂ€htökohtaan.  Itse hĂ€n on viittanut tietĂ€ systemaattisen teologian alueella työskenteleville. On varsin piristĂ€vÀÀ kuulla kirkasta evankeliumia vakavan teologisen esitelmĂ€n puitteissa. Samoin erittĂ€in raikasta oli kuulla professorilta, ettĂ€, lĂ€hetyksestĂ€ puheen ollen, „kysymys on tehtĂ€vĂ€stĂ€„. En usko ettĂ€ Forsbergin toisessa yhteydessĂ€ esittĂ€mĂ€ varoitus, nimittĂ€in ettĂ€ „teologisesti tĂ€mĂ€ merkitsee lĂ€hetyksen tarkastelemista ja esittĂ€mistĂ€ lain piirissĂ€“ joka tarkoittaa, ettĂ€ lĂ€hetys olisi siten „osa etiikkaa“, jĂ€isi tĂ€ten huomioimatta. Itse ymmĂ€rrĂ€n rakkauden lain ja sen etiikan osana evankeliumia, ei lakia(8), niin kuin kristillinen etiikka kokonaisuudessaan. Olisi vaarallista sekoittaa maallisen regimentin tehtĂ€vĂ€t spesiiviseen kristilliseen etiikkaan.

Milloin saamme kuulla systemaattisen teologian edustajilta heidĂ€n perustelunsa lĂ€hetystehtĂ€vÀÀn? Milloin kirkon opettajat antavat lĂ€hetystyölle legitimaation ja motivaation? Parisataa vuotta kului luterilaisissa piireissĂ€, ennen kuin August Hermann Franke ja hĂ€nen „kerettilĂ€isoppilaansa“ Kreivi Zinzendorf löysivĂ€t lĂ€hetysajatuksen. Parisataa vuotta on kulunut sen jĂ€lkeen, eikĂ€ mitÀÀn mullistavaa meidĂ€n keskuudessa  ole tapahtunut, ennen kuin LML otti niin selkeĂ€n kannan lĂ€hetystehtĂ€vĂ€n tĂ€rkeydestĂ€, siitĂ€, ettĂ€ lĂ€hetystehtĂ€vĂ€ ei ole ainoastaan missio Dei, vaan missio dei, koska se on jatke Jumalan olemuksesta. Sellainen Jumala on, ettĂ€ hĂ€n tulee ihmisen luokse, sellainen Jumala on, ettĂ€ hĂ€n tulee lĂ€hettĂ€mĂ€llĂ€ ihmisten luokse.  Kuluuko tĂ€mĂ€ inkarnaatio-opin myötĂ€ kristologiaan, vai christus prolongatus kĂ€sitteen kautta ekklesiologiaan, vai rakkauden osoituksena etiikkaan, vai saarnaamisen erityismuotona homiletikkaan, vai mihin? Missiologina odottelemme systemaattisen teologian teologien selvitystĂ€.

 

(1)     „The lowest common denominator“.

(2)    MÀÀrÀajasta ei ollut kuitenkaan mitÀÀn konkreettisia ehdotuksia.

(3)    Itse pidÀn tÀrkeimpÀnÀ, ettÀ teologia pyrkii normatiivisuuteen kuin standardeihin.

(4)    Lutherin intuitiiviset havainnot ja tunnepohjaiset sidonnaisuudet ovat tÀssÀ suhteessa erittÀin merkittÀviÀ ja piristÀviÀ.

(5)    Eberhard JĂŒngel, „Gott als Geheimnis der Welt. Zur BegrĂŒndung der Theologie des Gekreuzigten im Streit zwischen Theismus und Atheismus“, TĂŒbingen, 1977/19783 s.6-9 et.al.

(6)    Suomennos „Jumalan olemus on tulossa“ hĂ€mmentĂ€isi eron Barthin ajatteluun, joka oli vielĂ€ puhtaasti ontologinen, eikĂ€ sisĂ€ltĂ€nyt ideaa liikkeellĂ€ olemisesta, kuten JĂŒngel postuleeraa. Kysymys ei ole kerettilĂ€isesta gnostisesta emanaatiosta, vaan pikemminkin emissiosta, joka taas tarjoaa suorannaiset yhtymĂ€kohdat missio-ajatteluun.

(7)     Ks. Paul Murdoch, „Towards a Theological Apology Of Mission“, in „Bilanz und Plan: Mission an der Schwelle zum Dritten Jahrtausend, Festschrift fĂŒr G.W.Peters…“ s.104-122, Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell 1988

(8)    Ei siis ole kysymys „tertius usus legis“-kĂ€sitteestĂ€.