Archiv der Kategorie: Kirche

Haushalten mit Gottes guten Gaben

Als Christ mit Geld umgehen

 

Die Liebe zum Geld ist die Wurzel allen Übels

Geld an sich ist nicht dreckig. Zwar kommt der Gedanke in der Geschichte immer wieder hoch – auch im Kultus des Alten Testaments, wo im Tempel nur der „reine“ Tempelschekel verwendet werden durfte und deswegen es Geldwechsler im Tempel gab. Aber Geld, Gold und Silber wurden als Opfergaben eingesetzt. Warum? Gott braucht unser Geld nicht – wie auch sonst kein Opfer von uns (Psalm 50,9ff) – aber er hat beschlossen es zu ge-brauchen. Nein, nicht das Geld an sich ist schlecht, sondern was es unter UmstĂ€nden mit uns macht, ist gefĂ€hrlich. Einer der großen Investment Banker von der Wall Street hat einmal gesagt: „Man könne darĂŒber streiten, ob die Liebe zum Geld die Wurzel allen Übels ist. Unstrittig aber ist, dass der langjĂ€hrige Umgang mit viel Geld einen pervertiert und verdirbt.“ Paulus schriebt seinem jungen Mitarbeiter Timotheus: Geldgier ist eine Wurzel alles Übels; danach hat einige gelĂŒstet und sie sind vom Glauben abgeirrt und machen sich selbst viel Schmerzen. (1Tim 6,10)

Segen und Fluch

Was fĂŒr ein Segen ist das, dass wir in Wohlstand leben können! Noch nie ist es den Menschen im Blick auf die materiellen BedĂŒrfnissen und die Teilhabe am Luxus so gut gegangen. Und dennoch: unser Wohlstand (und unser Streben nach dem Erhalt desselben) ist aber auch der grĂ¶ĂŸte Fluch unserer Tage. Es hat den Anschein, dass je mehr Geld wir haben, je weniger wir uns davon trennen können und je weniger wir mit Gott rechnen wollen. Vielleicht hat der eine oder andere sich wie ich beim denken ertappt: Die alte Witwe im Tempel hat es ja leichter gehabt, sich von ihrem Scherflein zu trennen als wir von unseren tausenden auf dem Bankkonto. Was wollte sie denn auch noch mit ihrem Scherflein anstellen? Damit kann man kein neues Auto oder KĂŒche kaufen, keinen Urlaub machen


Am anderen Ende der Skala wird es dann wieder einfacher: Ein MilliardĂ€r, der Mehrere Milliarden fĂŒr die AIDS-Forschung spendet, weiß immer noch nicht, wie er die restlichen Milliarden ausgeben soll. So stellen Spendenforscher fest, dass gerade in der niedrigsten und in der höchsten Einkommensklasse am meisten gespendet wird, und zwar etwa gleich viel vom verfĂŒgbaren Einkommen, nĂ€mlich im Durchschnitt um die 2%. Die Spender mit mittlerem Einkommen (das sind wir ErwerbstĂ€tigen) spenden vergleichsweise wenig, nĂ€mlich 0,7 Prozent ihres verfĂŒgbaren Einkommens. Von den 35% der Menschen in Deutschland, die mindestens einmal im Jahr spenden, werden nĂ€mlich durchschnittlich knapp 130 Euro pro Kopf pro Jahr gespendet. Die meisten unterstĂŒtzen dabei mehr als eine Organisation, ein Viertel sogar mehr als vier. Bei Christen, die spenden, sind es gerne noch mehr!

Der erste Bischof der anglikanischen Kirche von Liverpool J.C.Ryle (1880-1900) hat einmal gesagt: „Ich bin sicher, dass nichts so sehr dazu neigt, das Glaubensfeuer zu löschen als der Besitz von Geld“. Das liegt daran, dass Glauben Vertrauen heißt. Wer viel Geld besitzt, neigt dazu, sein Vertrauen in sein Geld und nicht in Gott zu setzen. Individuen wie Glaubenswerke leben davon, dass sie tĂ€glich in der AbhĂ€ngigkeit von Gott und seiner FĂŒrsorge leben. Werke, die aus Fonds oder Stiftungen leben, verlieren leicht Ihren Glaubenseifer. Peter Greer und Chris Horst haben in ihrer grundlegenden Studie zu den Verschiebungen im Auftrag von Glaubenswerken Mission Drift gezeigt, dass zu viel Geld, sprich zu viel UnabhĂ€ngigkeit von Gott, Glaubenswerke von ihrem Ziel abbringen. Nur die stĂ€ndige RĂŒckbesinnung auf den Auftrag und das vollstĂ€ndige Ausgeben, bzw. Weiterleiten der anvertrauten Spenden und sonstiger Gelder kann davor schĂŒtzen. Es wird sich bei Privatpersonen nicht viel anders sein. Geld kann Segen – aber auch Fluch sein.

Reichtum ist relativ

Im Vergleich zum Handwerker in Pakistan, der mit seinem Tageslohn allein kaum fĂŒr die GrundbedĂŒrfnisse an Essen, Kleidung und Herberge seiner Familie sorgen kann, sind wir alle Reich. Auch der Rentner, der Hartz IV EmpfĂ€nger oder der FlĂŒchtling in der Sammelunterkunft. Und was wirklicher Reichtum ist – z.B. geborgen sein in Liebe und Anerkennung von Gott und Mitmenschen, TrĂ€ume verwirklichen zu können, von Sorgen nicht geplagt zu sein, der Luxus offline sein zu können, Gesundheit, Zufriedenheit, innere Ruhe, GlĂŒck – steht auf einem anderen Blatt. Wir reden hier vom Reichtum im herkömmlichen Sinne, so wie Jesus davon spricht bei seiner Begegnung mit dem reichen JĂŒngling. Am Ende heißt es: Als aber Jesus sah, dass er traurig geworden war, sprach er: Wie schwer kommen die Reichen in das Reich Gottes! Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes komme (Lk 18,21ff). Ob es im Bild um ein leibhaftes Kamel (gr: kamĂ€lon) und eine kleine Pforte in der Stadtmauer Jerusalems mit der Bezeichnung „Nadelöhr“ geht, durch die einer nur gebĂŒckt hindurch kann, oder um ein Schiffstau (gr: kamilon), das durch ein Nadelöhr gefĂ€delt werden soll, bleibt gleich: Nur durch ein Wunder Gottes kann das geschehen! Und was fĂŒr ein Wunder ist das? Dass der Mensch nicht an seinem Reichtum hĂ€ngen bleibt, sondern an Gottes Gnade und Erbarmen. Ja, die beiden schließen sich aus. Nicht Reichtum und Gnade an sich. Reichtum kann eine Gnade sein. Sondern das HĂ€ngen am Reichtum anstelle von der Gnade Gottes abhĂ€ngig zu sein, das schließt sich gegenseitig aus.

Auch unter uns gibt es reiche Menschen, die nicht an ihrem Reichtum kleben und durch Gottes Gnade die Bereitschaft finden, diesen mit anderen zu teilen. Missionswerke, diakonische Initiativen, evangelistische Projekte, Jugendarbeit in den Gemeinden – all das und vieles mehr wird so finanziert! Auch unser ABH! Wie dankbar sind wir doch fĂŒr diese „Reichen“, die von der Gnade und dem Erbarmen leben und mit uns teilen! Der Löwenanteil unserer Spendeneinnahmen setzt sich aber aus Kleinspenden zusammen.

Wirklich reich zu sein heißt so viel zu haben,dass ich nicht alles fĂŒr mich behalten muss!

Wirklich reich zu sein heißt so viel zu haben, dass ich nicht alles fĂŒr mich behalten muss! Axel KĂŒhner erzĂ€hlt die Geschichte von der Witwe und Mutter dreier Töchter, die ĂŒber Monate hinweg Tag fĂŒr Tag begeistert Verzicht ĂŒbten, um fĂŒr ein spezielles Opfer fĂŒr BedĂŒrftige zu sparen. Am Ende hatten sie $70 sich vom Mund abgespart fĂŒr die anonym gehaltene, arme Familie in ihrer Gemeinde, damit auch sie das kommende Fest feiern konnten. Wie reich und glĂŒcklich fĂŒhlten sie sich, als sie das Geld am Opfersonntag in den Klingelbeutel legten. Nicht nur verdutzt waren sie, als Ihr Pastor Ihnen spĂ€ter am Tag ein Kuvert mit $80 drin ĂŒberreichte – „ein doch recht ansehnliches Opfer der Gemeinde fĂŒr sie als bedĂŒrftige Familie“! Sie beschlossen, das Geld nicht fĂŒr sich zu behalten. Sie wollten sich nicht arm fĂŒhlen. Sie wollten es genießen, so reich zu sein, dass sie in der Lage waren, sieben mal so viel wie die ganze Gemeinde zu opfern…

Gott weiß, dass wir Mittel und GĂŒter brauchen. Er weiß was wir brauchen. Er hat deswegen auch dafĂŒr gesorgt, dass selbst im gefallenen Stand „östlich von Eden“ wir durch unsere Arbeit – im Schweiße unseres Angesichts – unser tĂ€glich Brot verdienen können. Und darĂŒber hinaus beschenkt er uns ĂŒber Bitten und Verstehen. Das Ziel dabei ist aber nicht von ihm und seiner FĂŒrsorge unabhĂ€ngig zu werden. Vielmehr schreibt Paulus einer Gemeinde, die offenbar zumindest zum Teil von Almosen (und sogar von unehrlichen bis kriminellen Machenschaften) zu leben bereit war: (Jeder) arbeite und schaffe mit eigenen HĂ€nden das nötige Gut, damit er dem BedĂŒrftigen abgeben kann (Eph 4,28b. Vgl. 2Th 3,10b: Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen). „Das nötige Gut“ sollen wir durch redliche Arbeit haben. Wir sollen es aber auch mit weniger erfolgreichen und weniger vom GlĂŒck gesegneten Menschen teilen.

Geben ist seliger als nehmen

Dieses Wort Jesu, das Paulus uns in der Apostelgeschichte ĂŒberliefert, fasst es zusammen. Der Besitz von Geld und Gut macht nicht glĂŒcklich. DafĂŒr gibt es genĂŒgend Beispiele in der Boulevardpresse. Aber Geld und Gut fĂŒr andere zu haben – dass macht wirklich glĂŒcklich und dankbar. Es ist, wie bei so vielem, eine Einstellungssache. Gehört mein Geld mir, oder bin ich nur Verwalter der GĂŒter, die Gott mir anvertraut? Der Industrielle LeTourneau hat immer wieder gesagt: „Es geht doch nicht darum, wie viel Geld ich Gott gebe, sondern darum, wie viel von Gottes Geld ich fĂŒr mich behalte!“[1] Er ließ 90% seiner Millionen an EinkĂŒnften in eine Stiftung fließen, die missionarische, mildtĂ€tige und evangelistische Zwecke förderte.

Der Zehnte und die Erstlingsgabe

Wie viel sollte ich geben? 90% ist eine krasse Ausnahme. Das kann nur jemand, der zehnmal so viel hat, als er zum Leben braucht. Im alten Bund gab es die Regel, den zehnten Teil der Ernte oder des Einkommens Gott zu weihen und fĂŒr seine Arbeit als Erstlingsgabe zu geben. Der zehnte Teil von allem, was Gott uns gibt, gehört ihm. Wenn wir abwarten, wie viel Geld uns â€žĂŒbrig“ bleibt, um dann davon ein Teil Gottes Reich zu widmen, wird es eben immer nur Reste sein, die Gott von uns bekommt, nicht das, was ihm zusteht. Der biblische „Zehnte“ ist eine gute Orientierung. Den Zehnten vorweg zu spenden hat einen besonderen Segen. Wenn am Ende des Monats oder Jahres noch etwas ĂŒbrig bleibt, können wir immer noch eine „freiwillige Gabe“ geben. Es hat mich bewegt zu sehen, wie mein Vater, der immer am Anfang des Monats den Zehnten per Dauerauftrag ĂŒberwies, nach Weihnachten die MissionsblĂ€tter und seinen Bankauszug auf das Bett ausbreitete und kniend darĂŒber betete, wo er das von seiner Rente ĂŒbrig gebliebene Geld hin spenden soll.

Gute Haushalterschaft mit den Gaben Gottes heißt unseren Lebenstil so anzupassen, dass wir mit anderen Teilen können.

Bill Hybels, Hauptpastor der Willow Creek Megagemeinde bei Chicago, empfiehlt 10% spenden, 10% sparen und 80% fĂŒr die Ausgaben zu verwenden. Über die ProzentsĂ€tze kann man unterschiedlicher Meinung sein, aber es ist auf jeden Fall sinnvoll, diese Posten fest einzuplanen und seine Ausgaben danach zu richten. Gute Haushalterschaft mit den Gaben Gottes heißt unseren Lebenstil so anzupassen, dass wir mit anderen Teilen können. Das hat was mit Verzicht zu tun. Wenn ich Abstriche mache, mich bescheide, mit weniger zufrieden gebe und anstelle meines Traumautos fĂŒr 60.000 eines fĂŒr 40.000 (was auch keine Schrottkiste wĂ€re) fahre, habe ich auf einmal 20.000, die ich spenden kann. Aber auch das ist relativ. Nur wenige, die diesen Beitrag lesen, werden solch eine Option haben. Wo der eine auf diese Weise sogar noch viel Mehr Geld locker machen könnte, kann der andere bei der Wahl der neuen KĂŒche vielleicht 500 abzwacken. Schon der Weise Agur betete vor 3000 Jahren: „gib mir weder Armut noch Reichtum nicht; lass mich aber mein Teil Speise dahinnehmen, das du mir beschieden hast. Ich könnte sonst, wenn ich zu satt wĂŒrde, dich verleugnen und sagen: Wer ist der Herr? Oder wenn ich zu arm wĂŒrde, könnte ich stehlen und den Namen meines Gottes lĂ€stern“ (SprĂŒche 30,8f).

Überall gibt es noch in unseren Dörfern und StĂ€dten die „Zehntscheuer“, wo die Landwirte (das waren bei uns frĂŒher fast alle Haushalte auf dem Land – auch Pfarrer und Lehrer) den zehnten Teil der Ernte ablieferten. Im spĂ€teren staatskirchlichen System jener Zeit ging das selten direkt an die Kirche, sondern an den Regenten, der fĂŒr den Erhalt der Kirche zustĂ€ndig war. In unserer letzten Gemeinde wurde die Zehntscheuer neben der Kirche nach der SĂ€kularisation und der EinfĂŒhrung der Kirchensteuer abgebrochen und ein staatliches Pfarrhaus auf dem Platz gebaut.

Weltweit sind die Kirchen Deutschlands und Skandinaviens die große Ausnahme darin, dass sie sich ĂŒber ein Steuermodell finanzieren. Sonst auf der ganzen Welt finanzieren die Kirchen ihr Leben durch Opfer und Spenden. In den meisten wird das Prinzip des „Zehnten“ als Vorbild gelehrt. Warum ist das bei uns in Vergessenheit geraten? Weil ca. 8% der Einkommenssteuer als Kirchensteuer ausreichte? Bisher war das jedenfalls so. So lange fast jeder zur Kirche gehörte, hat es in HĂŒlle und FĂŒlle Steuereinnahmen gegeben. Unsere Kirche ist so Reich, dass sie auf den Zehnten nicht angewiesen ist. Noch nicht. Bei den Schrumpfenden Mitgliederzahlen ist allen klar, dass das Steuermodell kĂŒnftig nicht ausreichen wird, das kirchliche Leben im gegenwĂ€rtigen Stil zu erhalten. Manche sehen das mit Sorge an. Andere sehen darin eine Chance zu mehr Beteiligung der kirchlichen Basis. Der bayerische Pfarrer Dr. Jochen Teufel sieht darin sogar einen notwendigen Schritt zur Rettung der Landeskirche.[2]

Nicht zuletzt spĂŒren die Missions- und sonstige freien Werke vermehrt den Druck, weil die Spender immer mehr fĂŒr die eigene Gemeindearbeit aufwenden mĂŒssen. Die sonstige Welt hat es aber bewiesen: es geht mit Opfern und spenden – wenn man Modelle wie „den Zehnten“ hat. Warum sollten wir Evangelischen nicht den Zehnten geben? Die Kirchensteuer ordentlich aufrunden? Nur weil das „gesetzlich“ klingt? Das ist nicht gesetzlich. Die Bibel redet von gesetzlich geregelten Opfern, aber auch von „freiwilligen Gaben“! Wir mĂŒssen nicht, wir dĂŒrfen! Wir dĂŒrfen mit unseren Opfern und Gaben Reich Gottes gestalten! Konrad Eißler ist dafĂŒr bekannt, dass er um ein „stilles“ Opfer bat – eines, „was nicht so scheppert“ im Opferkasten. Das ist nicht ungehörig – es geht darum Gott zu geben, was ihm gehört. Und manchen muss man zu ihrem GlĂŒck bekanntlich ermutigen.

Wann beginnen wir unseren Reichtum zu begreifen und die Freude am Teilen zu entdecken?

Wann beginnen wir unseren Reichtum zu begreifen und die Freude am Teilen zu entdecken? Über kurz oder lang wird die Einsicht wachsen, dass wir das brauchen. Nicht gesetzlich, aber grundsĂ€tzlich als Richtlinie fĂŒr unsere Spendepraxis, als guten Richtwert. Dabei können wir auch etwas fĂŒr unser angeklagtes Gewissen tun. Die Freude am Geben wird das schlechte Gewissen, das wir wegen unseres Wohlstandes im Vergleich zu den Hungernden und Vertriebenen in dieser Welt haben, vertreiben. Wir können etwas dagegen tun! Wir mĂŒssten jetzt schon anfangen damit, es unseren Kindern beizubringen, dass sie den Zehnten aus ihrem Taschengeld geben. Auch ein Konfirmand, SchĂŒler oder Student kann das. Es gibt genĂŒgend Beispiele. Der Segen bleibt dabei nicht aus!

Die Liebe zum Geld ist die Wurzel allen Übels. So hatten wir begonnen. Die Freude daran, Geld als Opfer, Spende, oder Gabe weiter zu geben ist die Wurzel vielen Segens. Winrich Scheffbuch sagte uns Studenten einmal: „Wenn’s nicht weh tut, ist es kein Opfer!“ Kurz kostet es etwas, sich von seinem Geld zu trennen. Das kann schmerzen. Aber die Freude danach ist umso grĂ¶ĂŸer!

 

[1] Tan, P. L. (1996). Encyclopedia of 7700 Illustrations: Signs of the Times (S. 475). Garland, TX: Bible Communications, Inc. «LeTourneau often said: “It is not how much money I give to God, but how much of God’s money I keep for myself.”» Es gĂ€be viele weitere Beispiele von Menschen, die 20, 50 oder 70% ihres Einkommens spenden. Große Vorbilder als Spender in Deutschland sind z.B. Otto KĂ€ssbohrer, Adolf Deichmann, Elisabeth Blickle, Friedhelm Loh u.a.m.

[2] Teuffel, Jochen. Rettet die Kirche. Schafft die Kirchensteuer ab. ’fontis, 2015. Seine Erkenntnisse hĂ€ngen sicher damit zusammen, dass er lĂ€nger als Dozent im Ausland lebte und an den Kirchen Hong Kongs z.B. gesehen hat, dass es die Kirchensteuer nicht braucht.

 

„Den Fremden ein Fremder – Jesu Auftrag fĂŒr uns heute“

 

 

„Den Fremden ein Fremder – Jesu Auftrag fĂŒr uns heute“

Mt 25,32-46

(Predigtskizze. FĂŒr die vollstĂ€ndige Predigt siehe die Audiodatei oben)

Matt 25,32 und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet,  33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.  34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!  35 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.  36 Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im GefĂ€ngnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.  37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?  38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet?  39 Wann haben wir dich krank oder im GefĂ€ngnis gesehen und sind zu dir gekommen?  40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten BrĂŒdern, das habt ihr mir getan.  41 Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!  42 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben.  43 Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im GefĂ€ngnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht.  44 Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im GefĂ€ngnis und haben dir nicht gedient?  45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.  46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.

1) FlĂŒchtlingen Heimat bieten! – Bleibende Heimat!

 

Echte Heimat gibt es nur im Himmel!

 

Jesus hat seinen JĂŒngern gesagt:

John 14,1 Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! 2 In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wĂ€re, hĂ€tte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die StĂ€tte zu bereiten? 3 Und wenn ich hingehe, euch die StĂ€tte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin.

 

Wir sind alle hier auf der Durchreise…

 

Das Endgericht entscheidet darĂŒber, ob wir Heimat im Himmel bekommen.

 

„der Vater richtet niemand, sondern hat alles Gericht dem Sohn ĂŒbergeben, damit sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“ (John 5,22–24)

 

An Jesus scheiden sich die Geister/Jesus ist Richter!

 

Du kannst nur fĂŒr oder gegen Jesus sein!

 

Wenn wir genau hinsehen, dann sagt unser Abschnitt, dass Gott die Völker zum Gericht versammeln wird…

 

Nicht nur eine persönliche Angelegenheit??

 

Dass die Völker eine Rolle spielen in der Weltgeschichte ist klar…

und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet,  33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. 

Die Völker haben eine Verantwortung vor Gott!

 

Doch geht es uns heute Morgen um die persönliche Ebene. Dabei gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht:

Die schlechte Nachricht ist: nicht jeder wird gerettet werden!

Die Schafe werden von den Böcken getrennt.

Die Spreu vom Weizen trennen

Weizen vom Unkraut (Toll-Weizen)

Zwei liegen in einem Bett…

Zwei mahlen zusammen an einem MĂŒhlstein…

 

Die gute Nachricht ist: Du kannst gerettet werden!

 

Jesus ging es nicht um die Zugehörigkeit zu einer Religion! (Christentum, Buddhismus, Hinduismus, Islam) Jesus: das Ende der Religion!

 

Jesus ging es um das Leben um eine neue Lebensweise! Jesus will uns ein neues Leben geben. In dem Abschnitt, ĂŒber das wir heute reden, wird uns gezeigt, wie dieses neue Leben in Jesus Christus sich im Umgang mit anderen Menschen auswirkt.

 

Jesus macht es seinen Nachfolgern klar, dass das Lippenbekenntnis zu ihm nicht reicht.

2) die Himmlische Heimat verpflichtet schon hier!

Jesus will unser Leben gestalten. Hier in unserer Zeit!

Wo Gottes guter Geist durch die Wiedergeburt in einem Menschen lebt, gibt es VerĂ€nderung im Leben! Wenn wir unsere Herzen fĂŒr Jesus Christus öffnen, damit er in unserem Herzen regiert, wirkt er selbst durch uns. Das will uns dieses Gleichnis sagen!

 

Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.  36 Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im GefĂ€ngnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. 37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?  38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet?  39 Wann haben wir dich krank oder im GefĂ€ngnis gesehen und sind zu dir gekommen?  40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten BrĂŒdern, das habt ihr mir getan. 

 

Es geht nicht darum, dass wir uns als WohltĂ€ter gut fĂŒhlen! Und es geht auch nicht nur darum, dass wir Jesus in jedem Menschen sehen (das auch!), sondern es geht darum, dass wir jeden Menschen mit seinen Augen sehen. Dem hungernden zu essen geben – das bedeutet fĂŒr Jesus eine selbstlose und gute Tat zu vollbringen. Jesus ist dabei der empfangende, und auch der gebende!

 

Wirkliche Liebe zu Jesus zeigt sich nicht in Lippenbekenntnissen. Sie zeigt sich darin, dass die Liebe Jesu in uns zum Zuge kommt, durch uns hindurch wirkt (1Kor 13).

 

Das soll uns klar und deutlich werden: es gibt nur eine Art von Leben, die es wert ist fĂŒr die Ewigkeit bewahrt zu werden und zu bleiben. Das ist göttliches Leben! Wo göttliches Leben sich in uns niederlĂ€sst, wo unser Leib ein Tempel seines Heiligen Geistes wird (1Korinther 3 und 6), da lebt und wirkt Gott in und durch uns.

3) Dem Fremden Heimat bieten! Licht in die Finsternis bringen!

 

Es ist viel Finsternis in dieser Welt. Der Teufel ist am Werk. Kriege. Verfolgungen. Vertreibungen. Völkermorde…

 

Wir Christen wissen um unser „Fremdsein in der Welt“  (Phil 3, 20 Unser BĂŒrgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus, 21 der unsern nichtigen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann.)

Das macht sensibel fĂŒr den Fremden! Vom „Fremden“ zum „NĂ€chsten“!

 

Aber: Die Bibel hat kein GefÀlle von Gastgeber zu Gast: JEDER ist gefordert!

 

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter: „Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die RĂ€uber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen. Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorĂŒber. Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorĂŒber. Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am nĂ€chsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme. Wer von diesen dreien, meinst du, ist der NĂ€chste gewesen dem, der unter die RĂ€uber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!“ (Luke 10,30–37 LUTH-LEM)

Wer ist mein NĂ€chster?

Mein NĂ€chster ist der, den Gott mir vor die FĂŒĂŸe legt!

Vielleicht auch ein AuslĂ€nder, einen Asylanten, einen Migranten…

Ausreden gibt es genug:

Dass der Reisende ĂŒberfallen wurde ist nicht in Ordnung. Die Straße hĂ€tte sicher gemacht werden sollen. All das spielt aber im Gleichnis keine Rolle.

 

Die frommen Passanten haben sich an ihre Reinheitsvorschriften gehalten, der Samariter hat im Überfallenen seinen NĂ€chsten gesehen!

 

Es sind sicher viele Fehler in der Politik passiert, aber: Gott hat die FlĂŒchtlinge uns vor die FĂŒĂŸe gelegt. Wir dĂŒrfen nicht wegschauen und nicht vorbeilaufen, sondern wir sollten Ihnen das Beste, was wir haben, geben:

Das Beste – nicht die Reste!

Die frohe und froh machende Botschaft von Jesus Christus!

Mit allem Geld der Welt, mit einem festen Job und einer ordentlichen Wohnung können wir auch FlĂŒchtlinge nicht glĂŒcklich machen! (Es gab Studien ĂŒber Menschen, die den Jackpot im Lotto geknackt haben – kaum einer ist dadurch glĂŒcklich geworden!)

Wir meinen zu wissen was wir brauchen, um glĂŒcklich zu sein, aber wahrhaft glĂŒcklich werden wir nur, wenn wir unsere Bestimmung erfĂŒllen, und das ist wenn unser Leben zu einem GefĂ€ĂŸ des Heiligen Geistes wird, wenn Gott in uns wohnen und durch uns wirken kann.

 

So kann und will Gott Licht in die Finsternis bringen!

 

In einer Gruppe von Menschen, die durch einen großen Dom gefĂŒhrt wurden, war auch ein kleines MĂ€dchen. WĂ€hrend der ReisefĂŒhrer auf die verschiedenen SehenswĂŒrdigkeiten aufmerksam machte, stand das Kind ganz versunken da und betrachtete die bunt verglasten Kirchenfenster mit verschiedenen Gestalten, die dort abgebildet waren. Ein Abglanz der Farben lag auf ihrem Gesichtchen, als die Nachmittagssonne durch die Scheiben leuchtete.

Als die Gruppe weitergehen wollte, raffte die Kleine allen Mut zusammen und richtete eine Frage an den ReisefĂŒhrer: »Wer sind die Leute in den schönen Fenstern?« wollte sie wissen.

»Das sind die Heiligen, mein Kind«, antwortete er. Als die Kleine an diesem Abend zu Bett ging, berichtete sie der Mutter voller Stolz: »Ich weiß, wer die Heiligen sind.«

»Ja?«, staunte die Mutter. »Wer denn?«

Ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, antwortete das Kind: »Es sind die Leute, die das Licht durchscheinen lassen!«

Die Heiligen des Herrn sind tatsĂ€chlich jene Menschen, in deren Herzen er einen hellen Schein gegeben hat. Menschen, die Gottes GrĂ¶ĂŸe und Herrlichkeit erkannt haben gerade im Leben, Wirken, Sterben und auferstehen Jesu Christi von den Toten. Solche Menschen sind eine Quelle des Lichts in einer dunklen Welt.

 

Jesus sagt von sich selbst „ich bin das Licht der Welt“. Er ist es, der die dunkle Macht, dass böse, den Hass, Tod und Teufel mit seinem Licht vertreiben kann. Jesus wendet aber das Bild auch auf seine JĂŒnger an: Matt 5,14 „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.“ Menschen, die an Jesus Christus glauben und ihm nachfolgen, Menschen die auf seinen Namen getauft sind sollen Lichtquellen in dieser Welt sein. Wir haben das Licht nicht in uns selbst sondern Gott gibt es in unser Herz. Wir dĂŒrfen es aber reflektieren! Wo Gottes Licht sich an unserem Leben bricht, wird es fĂŒr die Welt sichtbar, kann Finsternis vertreiben und Helligkeit verbreiten.

Paulus macht es uns klar, dass alles Gute, was Gott durch uns seine Kinder tut nicht auf unser, sondern auf sein Konto geht: „Wir haben aber diesen Schatz in irdenen GefĂ€ĂŸen, damit die ĂŒberschwĂ€ngliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.“

 

Wo wir zu unserer Zerbrechlichkeit und zu Gottes Schatz in unserem Leben stehen, kann er in und durch uns großes bewirken – viel Finsternis vertreiben, viel Licht spenden!

 

„FlĂŒchtlingen Heimat bieten. Was Christen zu bieten haben“ Das Beste geben – nicht die Reste! Wir sind den FlĂŒchtlingen die frohe und froh machende Botschaft schuldig! „Den Fremden ein Fremder – Jesu Auftrag fĂŒr uns heute“. Wer seine Zugehörigkeit zum Himmel begreift, ist in dieser Welt fremd! DafĂŒr hat er ewige Heimat! Amen

FlĂŒchtlingsflut – Gefahr oder Chance?

Die Völkerwanderung hat begonnen

 

Es war 1992. Die Mauer war gefallen, und im Jahr zuvor war die Sowjetunion in sich kollabiert. Ich schaute eine Talk-Runde im finnischen Fernsehen nach den Abendnachrichten. Ein hollĂ€ndischer General vom Oberbefehlsstab der NATO war zu Gast. Die Fernsehmoderatorin fragte ihn, wozu es die NATO noch braucht. Der Eiserne Vorhang sei gefallen, der Warschauer Pakt habe sich aufgelöst, der Westen mĂŒsse sich nicht mehr gegen einen aggressiven Feind im Osten schĂŒtzen. Erst ein paar Jahre spĂ€ter wĂŒrde klar werden, dass der Zusammenprall der Kulturen (clash of civilizations) nach Huntington Probleme fĂŒr den Westen auf einem ganz anderen Horizont heraufbeschwören sollte. Hinter ihrer Frage barg sich die Hoffnung, dass nicht nur die Zeit des kalten Krieges, sondern auch die Zeit der großen Konflikte weltweit zu Ende gegangen sei. Der NATO General reagierte, ohne ĂŒberlegen zu mĂŒssen. Das Szenario lag klar vor Augen: Er sagte in ernstem Ton nach vorne geneigt, dass die NATO kĂŒnftig eine ganz andere Rolle haben werde. Er sprach von der Bevölkerungsexplosion in Nahost und Afrika und dass wir kurz vor der nĂ€chsten Völkerwanderung stĂŒnden. Die NATO wĂŒrde benötigt werden, um die Außengrenzen Europas gegen den Ansturm aus Nahost und Afrika abzuwehren.

 

Es war nicht nur Überraschung im Gesicht der Moderatorin zu lesen, sondern auch Entsetzen. Die Tageszeitungen berichteten am nĂ€chsten Tag von der sofortigen Entlassung dieses Generals. Ob das wegen Geheimnisverrats oder politisch inkorrekter Rede geschehen ist, wurde logischerweise nicht berichtet.

 

Die BĂŒndnisse und Regierungen unserer Welt wissen schon lange davon, dass eine Völkerwanderung im Gange ist. Was wir heute erleben, ist nur der Anfang. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der FlĂŒchtlinge weltweit von 50 Millionen auf ĂŒber 60 Millionen gestiegen. Kein Gebiet, aus dem die Menschen fliehen, scheint in der Lage zu sein, die GrĂŒnde fĂŒr die Flucht zu beseitigen oder den Frieden wiederherzustellen. Das ist aber nur ein Faktor fĂŒr die Völkerwanderung. Ein viel grĂ¶ĂŸerer Faktor ist die demographische Entwicklung in Europa und in den angrenzenden LĂ€ndern im SĂŒden und SĂŒdosten.

 

Der demographische Wandel

 

Demographisch gesehen, steht unsere Volkswirtschaft in Europa vor dem Kollaps. Zwar brummt die Wirtschaft wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr, aber in den nĂ€chsten paar Jahren beginnt auf der einen Seite ein Aderlass unter den Arbeitnehmern, wenn die sogenannte Babyboomer Generation anfĂ€ngt, in den Ruhestand zu gehen. Und auf der anderen Seite fehlen ĂŒber 400.000 Geburten pro Jahr und die damit verbundenen ArbeitskrĂ€fte und Konsumenten.

 

Um die Jahrtausendwende wurde die Thematik der deutschen Bevölkerung bekannt gemacht im Blick auf ihre Altersversorgung. Mit der EinfĂŒhrung der sogenannten Riester-Rente im Jahr 2002 wurde offiziell bekrĂ€ftigt, dass es wegen des demographischen Wandels nicht zu einer ausreichenden Altersversorgung fĂŒr kĂŒnftige Generationen in Deutschland von Seiten des Staates und der Rentenkassen kommen könne. Wegen der GeringfĂŒgigkeit der Riester-Rente nahm aber kaum jemand die Problematik wirklich ernst. Es wurde auch nichts unternommen, fĂŒr einen Zuwachs an Geburten zu sorgen, geschweige denn die unsĂ€gliche Katastrophe der 150.000 Tötungen von Kindern im Mutterleib pro Jahr zu unterbinden.

In den Jahren 2005-2007 hat das Statistische Bundesamt intensive Studien zum demographischen Wandel betrieben. Die Ergebnisse waren so brisant, dass sie nur wenige Wochen lang auf der Webseite www.destatis.de abzurufen waren. Dabei waren es nicht die sehr beunruhigenden Zahlen bezĂŒglich der Alterspyramide, die keine solche mehr ist, sondern eher einem „Altersbaum“ gleicht, sondern vielmehr die Anteile der jungen Bevölkerung mit Migrationshintergrund und die daraus zu erwartende demographische Entwicklung mit immer stĂ€rker werdenden Migrantenanteilen. In diesem Zusammenhang offerierte das Bundes-Statistische Amt die Prognose, dass bis zum Jahr 2030 der erste Muslim als Bundeskanzler gewĂ€hlt werden und es zu einer muslimischen Mehrheit bis zum Jahr 2052 kommen wĂŒrde. Das war freilich alles nur Prognose, aber auf statistisch-wissenschaftlicher Basis erstellt. Zu Bedenken ist dabei, dass es zu diesem Zeitpunkt noch keine offizielle Darstellung der kĂŒnftigen offiziellen Migrationspolitik der Bundesrepublik gegeben hat.

Als die bereinigten Ergebnisse Monate spĂ€ter dann wieder auf der Webseite zu finden waren, fehlten sowohl alle Zahlen bezĂŒglich der gegenwĂ€rtigen Bevölkerungsanteile von Menschen mit Migrationshintergrund als auch die Prognosen im Blick auf die Anteile von Migranten an der Bevölkerung und deren Religionszugehörigkeit. Es ist offensichtlich, dass Reaktionen, wie sie etwa in der Pegida-Bewegung spĂ€ter zutage getreten sind, damals schon befĂŒrchtet wurden.

 

Politische Konsequenzen

 

Inzwischen ist es klar, dass die Bundesrepublik ĂŒber 400.000 Menschen als Nettozuwanderung jĂ€hrlich braucht, um die Bevölkerungszahl stabil zu halten. Als im Sommer 2014 deutlich wurde, dass diese Zahl nicht zu schaffen war, gab es einen Alternativplan, die Bevölkerungszahl um 20 Millionen auf ca. 62 Millionen sinken zu lassen – einschließlich einer bewussten und gewollten „Renaturierung“ weiter Teile des lĂ€ndlichen Raums außerhalb der Ballungsgebiete, vor allem im Osten Deutschlands, um die Kosten fĂŒr die Instandhaltung der Infrastruktur in einem handhabbaren Rahmen zu halten. Schließlich reichen die Steuereinnahmen schon jetzt kaum zur BewĂ€ltigung der staatlichen Infrastrukturaufgaben. Bei einem Schwund von 25 % der Bevölkerung und der Steuereinnahmen wĂŒrden die Staatskassen völlig ĂŒberfordert. Dieser Vorschlag war wohl so abenteuerlich, dass er nicht mehr verfolgt wurde, obwohl es keine Lösung am Horizont zur Einwanderungsfrage gab. Die sogenannte „blue card“-Regelung hat bis zu diesem Zeitpunkt lediglich 6000 beruflich hoch qualifizierte Migranten nach Deutschland gebracht. Bei ĂŒber 700.000 Abwanderungen pro Jahr – darunter viele hoch qualifizierte ArbeitskrĂ€fte, braucht die Bundesrepublik 1,2 Millionen Zuwanderungen pro Jahr, um das Geburtendefizit auszugleichen. Meiner Meinung nach ist die Bereitschaft der Bundesregierung, FlĂŒchtlinge im großen Stil aufzunehmen, nur auf diesem Hintergrund zu verstehen. Zwar stelle ich die altruistische beziehungsweise christliche Motivation hinter der Entscheidung, alle echte FlĂŒchtlinge kommen zu lassen, ĂŒberhaupt nicht infrage, aber es ist augenscheinlich, wie Wirtschaftsvertreter – denen 600.000 qualifizierte ArbeitskrĂ€fte fehlen – Chancen in der Zuwanderung von jungen MĂ€nnern sehen. In den Talkshows und Expertenrunden wird immer mehr darauf abgehoben, dass Deutschland diese ArbeitskrĂ€fte und deren Steuerzahlungen braucht.

 

Die politische und wirtschaftliche Elite haben sich lĂ€ngst damit abgefunden, dass Deutschland eine Völkerwanderung braucht und die damit einhergehende VerĂ€nderung in der Gesellschaft und Kultur nicht nur akzeptiert, sondern gewollt werden muss. Was zunĂ€chst nur in linken Kreisen ideologisch begrĂŒndet war (die Abschaffung des Nationalismus zu Gunsten der internationalen sozialistischen Gemeinschaft), ist auch fĂŒr andere politischen Richtungen zu einer volkswirtschaftlichen und politischen Notwendigkeit geworden.

Dabei „machen“ die Politiker so eine Völkerwanderung nicht – jedenfalls nicht bewusst und nicht direkt. Es sind viel grĂ¶ĂŸere KrĂ€fte am Werk. Die Bevölkerungsexplosion in Nahost und Afrika erzeugt einen mĂ€chtigen Überdruck, der seinen Ausgleich sucht. Erheblicher Wassermangel in Nahost seit der Jahrtausendwende hat den Lebensraum gleichzeitig schrumpfen lassen. Parallel dazu ist in Europa durch den Bevölkerungsschwund ein Vakuum entstanden, das gefĂŒllt werden will. Hinzu kommen ideologische Elemente, auf die ich hier nicht nĂ€her eingehen kann, die aber die israelische Autorin mit arabischen Wurzeln Bat Yeor mit ihren Untersuchungen zu „Eurabia“ hinreichend dokumentiert hat. Die unwahrscheinlichsten Koalitionen tun sich auf und es scheint keine „Schrauben“ zu geben, an denen man drehen könnte, um die Entwicklung zu bremsen oder zu Ă€ndern.

 

Gott sitzt im Regiment

 

Christen wissen aber: Gott sitzt im Regiment. Unsere Politiker machen nicht die Weltgeschichte, Gott macht sie! Der internationale Journalist Uwe Siemon-Netto schrieb das in seinem Artikel „Völkerwanderung: Eine große Chance fĂŒr die Kirche“ vom 31.08.2015. Der Nahostkorrespondent und Autor Johannes Gerloff sagte das bei einem Vortrag in der Tschechei am 11.10.2015, wobei er hinzufĂŒgte: „Gute Politiker sind allenfalls gute Wellenreiter“. Menschen haben das nicht im Griff und Menschen „machen“ die Geschichte nicht.

Die Menschen in ihrer Gesamtheit machen zwar Geschichte, aber wie es schon in den SprĂŒchen heißt:

„Der Mensch wirft das Los; aber es fĂ€llt, wie der Herr will“ (Spr. 16,33). Und in den Psalmen heißt es: „Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Herren halten Rat miteinander wider den Herrn und seinen Gesalbten: 3 »Lasst uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke!« 4 Aber der im Himmel wohnt, lacht ĂŒber sie, und der Herr spottet ihrer“ (Ps. 2,2ff).

Dass Muslime in großen Scharen zu uns kommen, ist kein Zufall. Das ist nicht das Ergebnis irgendeines menschlichen Planes. Klar – Muslime planen die Kolonisation und Islamisierung Europas seit dem 7. Jahrhundert. Sie taten es von Anfang an und immer wieder gab es erneute Versuche, Europa fĂŒr den Islam einzunehmen – auch in unseren Tagen. Der IS plant es, Gaddafi plante es, Erdogan hat seine Ambitionen und Intrigen, Saudi Arabien und die Emirate nehmen keine FlĂŒchtlinge auf, weil die Krise ihren PlĂ€nen durchaus dienlich ist. Aber keiner hat die Macht, das von sich aus zu tun.

Schon die AnfĂ€nge des Volkes Israel im Alten Testament stehen unter dem Vorzeichen der Vorsehung Gottes fĂŒr alle Völker. ZurĂŒckblickend auf die neue Weltordnung nach der Sintflut und dem Turmbau zu Babel sagt Mose: „Als der Höchste den Völkern Land zuteilte und der Menschen Kinder voneinander schied, da setzte er die Grenzen der Völker
“ (5. Mose 32,8).

 

Das tat er laut Paulus nicht aus WillkĂŒr oder von ungefĂ€hr, sondern weil er sein heilsgeschichtliches Ziel damit vorantreibt. In der Areopagrede Apg. 17,26 sagt er: „Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen
“ Die Geschichte der Völker und Reiche dieser Welt kann Gott nicht von seinem Heilsplan abhalten oder daran hindern, sein Werk zu tun.

 

Gott macht die Völkerwanderungen

 

Wir dĂŒrfen nicht meinen, dass Gott nur Abraham in ein anderes Land geschickt hat und dass er allein Israel aus der Fremde in ihr Land herauf gefĂŒhrt hat; dass er unter Esra und Nehemiah am Ende des Exils nur fĂŒr die JudĂ€er gesorgt hat. Die Bibel berichtet natĂŒrlicher in erster Linie von diesen Ereignissen, wenn von Gottes Handeln am Volk Israel die Rede ist. Aber die Bibel weiß auch davon zu berichten, dass Gott auch fĂŒr die anderen Völker sorgt und ihre Geschicke lenkt. Amos 9,7 erinnert daran: „Seid ihr Israeliten mir nicht gleichwie die Kuschiter? spricht der Herr. Habe ich nicht Israel aus Ägyptenland gefĂŒhrt und die Philister aus Kaftor und die AramĂ€er aus Kir?“ In 5.Mose 32,8 haben wir schon gesehen, dass „Gott die Grenzen der Völker zieht“.[1]  Es ist aber wichtig, die bereits zitierten Worte aus der Areopagrede weiterzulesen: „Er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fĂŒhlen und finden könnten“. Die Völker sollen Gott suchen. Sie werden ihn zwar im Vollsinn ohne die Offenbarung Gottes nicht finden, aber ihr Leben soll auf „den unbekannten Gott“ ausgerichtet sein, bis er sich ihnen in Christus bekannt macht.

 

 

Christenverfolgung beunruhigt und macht besorgt

 

Gerade im Blick auf die Christenverfolgung können wir das buchstabieren: Es macht Gott ganz bestimmt keine Freude zu sehen, wie seine Kinder in BedrĂ€ngnis, UnterdrĂŒckung und Verfolgung leiden mĂŒssen. Es ist nicht so, dass Gott es will, dass wir um Jesu Christi willen leiden. Und dennoch ist das Leiden seiner Kinder nicht sinnlos. Schon der Kirchenvater Tertullian hat festgestellt, dass das Blut der MĂ€rtyrer die Saat der Kirche sei. Und die Verfolgung im römischen Reich hat die Ausbreitung der Kirche nicht verhindern können. Durch Verfolgung hindurch baut Christus seine Kirche, und durch Krisen und Tiefen der Geschichte hindurch baut Gott sein Reich. GegenwĂ€rtig werden mehr Christen weltweit unterdrĂŒckt und verfolgt als je zuvor in der Geschichte. Das 20. Jahrhundert ging in die Geschichte als Jahrhundert der Christenverfolgung ein. Mehr Christen wurden in jenen 100 Jahren um ihres Glaubens willen verfolgt als in allen 19 Jahrhunderten zuvor zusammengenommen. Die Situation der Christen hat sich in vielen LĂ€ndern der Welt seither noch verschlechtert. Vor unseren Augen werden die Christen in Nahost ausgerottet. Überall in der islamischen Welt finden Christen es zunehmend schwieriger, ein normales Leben zu fĂŒhren. In keinem islamisch geprĂ€gten Land wird es fĂŒr die Christen besser. Und Muslime, die in ihrer Heimat Christen unterdrĂŒckt haben, tun das sogar hier in Deutschland in ihren FlĂŒchtlingsunterkĂŒnften.

 

MĂŒssen Christen fĂŒr die Zukunft Angst haben?

 

Viele glĂ€ubige Christen sind zutiefst beunruhigt ĂŒber die gegenwĂ€rtige Entwicklung mit den Massen von FlĂŒchtlingen und Migranten, die zu uns kommen – im vergangenen Jahr 2015 allein ĂŒber eine Million Menschen. Sie machen sich Sorgen wegen des stets steigenden Einflusses des Islam bei uns in Deutschland und Europa.

Diese Sorgen sind verstĂ€ndlich und begrĂŒndet. Unsere Welt verĂ€ndert sich. Selbst auf dem Land kann man verschleierte Muslimas finden. Muslime fordern immer mehr gesellschaftliche KompatibilitĂ€t fĂŒr ihre Religion und ihre Vorschriften ein. Moscheen werden in großem Stil gebaut – vielfach aus dem Ausland finanziert. Manch ein Deutscher fĂŒrchtet um den Verlust der „Heimat“. Politiker und Journalisten winken ab und behaupten, diese Sorgen seien alle unbegrĂŒndet. Auf der anderen Seite kann man schon jetzt die ersten Stimmen von der gleichen Adresse hören, es sei doch selbstverstĂ€ndlich, dass eine Gesellschaft und eine Kultur sich wandeln mĂŒsse. Kultur sei schon immer im Wandel begriffen, und das sei gut so.

 

Die Menschen sind nicht dumm. Sie merken, dass der Wandel gewollt und unaufhaltsam ist. Und sie merken, dass sie nichts dagegen tun können. Kritiker dieser Entwicklung werden sofort mundtot gemacht, indem man sie in die rechte Ecke stellt. Das frustriert und macht Angst.

 

Aus gesellschaftspolitischer Sicht haben die Vertreter von Multi-Kulti Oberwasser. Zwar wird Multi-Kulti in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden totgesagt, aber eine Alternative dazu ist aus oben genannten GrĂŒnden nicht zu finden.

 

Als Christen haben wir jedoch eine ganz andere Sicht auf Gesellschaft und Geschichte. Wir glauben, dass Gott im Regimente sitzt. Er hĂ€lt die FĂ€den in der Hand. Das entbindet uns nicht von unserer Verantwortung als StaatsbĂŒrger, uns am politischen Prozess zu beteiligen. Es ist keine billige Ausrede, die wir vorschieben könnten, um unsere soziale und politische Verantwortung von uns zu schieben.

 

Wer diese Sicht sein eigen nennt, braucht bei allen Sorgen und BefĂŒrchtungen, die es im Blick auf die Zukunft unserer Gesellschaft gibt, keine Angst zu haben! Ich wiederhole: Gott sitzt im Regiment! Lange Jahre habe ich vor der naiven Einwanderungspolitik und der Islamisierung Europas gewarnt. Ein Mitglied des Bundestages hat mich gefragt, wie ich mir das so vorstelle, ob man alle Muslime wieder in ihre Heimat zurĂŒckschicken solle
 Ich kann keinen politischen Willen erkennen, die Integration der zu uns kommenden Menschen wirklich voranzutreiben. Dazu mĂŒsste eine Konfrontation der Ideologien stattfinden und in ideeller Auseinandersetzung Überzeugungsarbeit geleistet werden. Stattdessen wird Vertrauen in einen toleranten Pluralismus gesetzt, der unterschiedliche Lebensauffassungen, Wertekanons und Weltbilder aushalten soll. Die InkompatibilitĂ€t von sĂ€kularem, westlichem Denken und dem islamischen Weltbild wird entweder nicht erkannt oder geleugnet. Die Politik setzt ihre Hoffnung darauf, dass ein sĂ€kularer Islam in Deutschland und Europa entstehen wird, auch wenn bis dato nur einzelne Muslime sich zu diesem Konzept bekannt haben. Selbst wenn dieser entstehen sollte, wird er keineswegs Akzeptanz durch alle Muslime finden.

 

Und dennoch brauchen wir als Christen keine Angst zu haben! Gott fĂŒhrt die Geschicke der Völker und der Welt. Was wir erleben, ist ein Schritt weiter in seiner Heilsgeschichte hin zu seinem Ziel, dass er fĂŒr die Welt und seine Kirche gesetzt hat.

 

 

„Der TĂŒrke“ als Rute Gottes – Segen und Fluch

 

Martin Luther sagte in Reaktion darauf, als die TĂŒrken das erste Mal vor Wien standen: „Die TĂŒrken sind Gottes Rute und ihre Bedrohung Ausdruck des Zornes Gottes.“ Nun ist aber Gericht auch immer Gnade, wo es auf Einsicht trifft und die Herzen auf Gott richten kann. Wie schon angedeutet, glaube ich, dass diese „Rute Gottes“ uns zum Segen werden kann. Auch jetzt scheint die Zeit reif zu sein fĂŒr den besonderen Einbruch des Ewigen in unsere Zeit. Es könnte eine historische Stunde in der Geschichte der Mission unter Muslimen werden. Anders als bei der angestammten deutschen Bevölkerung ist eine Offenheit fĂŒr das Evangelium unter Muslimen da. Werden wir die Muslime unter uns als Chance und Geschenk Gottes begreifen oder sie nur als Bedrohung wahrnehmen? Das Gericht ĂŒber das ehemals christliche Abendland[2] ist in vollem Gange. Wird uns das zum Segen oder zum Fluch gereichen?

 

 

Warum lÀsst Gott das zu?

Im nĂ€chsten Jahr feiern wir 500 Jahre Reformationsgeschichte. Was Martin Luther 1517 lostrat und von vielen anderen Menschen betrieben wurde, hat unsere Gesellschaft und die Kirchen grundlegend verĂ€ndert. Es war eine brisante Zeit, in vielem mit unserer vergleichbar. Die Entdeckung der Neuen Welt 1492 hat zu einem wirtschaftlichen Aufschwung gefĂŒhrt wie die technologische Revolution unserer Tage. Der Islam, vertreten durch den tĂŒrkischen Sultan, machte von Osten mĂ€chtig Druck auf Europa. Es war keineswegs ausgemacht, welche Macht – Okzident oder Orient – den Sieg davontragen wĂŒrde. Der polnische König kam im letzten Augenblick zur Rettung Wiens und schlug die Heere des Sultans zurĂŒck.

 

Die „TĂŒrkenfrage“ hat Luther schwer beschĂ€ftigt. Er nannte den „TĂŒrken“ die „Rute Gottes“. Er warnte den dekadenten und verkommenen Westen mit seiner leb– und kraftlosen Kirche davor, dass Gott den TĂŒrken/Islam zur Strafe fĂŒr die eigene Gottlosigkeit und den Abfall vom Evangelium schicke.[3] Heute, 500 Jahre nach der Reformation, brĂ€uchten wir eine neue. Die evangelische Theologie hat de facto die vier Prinzipien der Reformation, wie Martin Luther sie verstanden hat: „allein die Schrift“, „Christus allein“, „allein durch Gnade“, „allein durch den Glauben“ -aufgegeben. Es scheint auch nicht möglich zu sein, eine neue „Reformation an Haupt und Gliedern“ von innerhalb der Kirche zu bewerkstelligen. Die Kirche wird bis dato immer reicher an Geld, aber Ă€rmer an Zeugnis und Mitgliedern. Eine wirkliche AbhĂ€ngigkeit von Christus ist nicht erkennbar. Vielleicht mĂŒssen wir das Erstarken des Islams an unseren Grenzen und in unserer Mitte als „Rute Gottes“ begreifen.

 

Es tĂ€te uns gut, grĂŒndlich darĂŒber nachzudenken, was denn aus Gottes Sicht an unserer europĂ€ischen Kultur erhaltenswert schiene. Wir können unsere Freiheiten nicht hoch genug schĂ€tzen – allen anderen voran die „Mutter aller Freiheiten“, die Religionsfreiheit, aber wir mĂŒssen uns auch fragen, wie wir unsere Freiheiten nutzen und ob wir das verantwortungsvoll tun. Wenn das sogenannte Recht auf freie Selbstbestimmung dahin fĂŒhrt, dass millionenfach Kinder im Mutterleib getötet werden – vergiftet, zerschnitten, zerstĂŒckelt und abgesaugt, dass der kĂ€ufliche Sex zu einer wirtschaftlichen Macht und Industrie geworden ist und den Menschenhandel und organisierte KriminalitĂ€t begĂŒnstigt, dass zur Akzeptanz von Perversionen gezwungen wird, dann ist das kein verantwortungsbewusster Umgang mit der Freiheit, die wir zu Recht schĂ€tzen. Aber seitdem Gott bei uns keine Instanz mehr ist, vor dem man Rechenschaft ablegen muss, fehlt die normgebende Instanz. Letztendlich wird der Westen an seiner Gottlosigkeit, an seiner Dekadenz und Verkommenheit scheitern. Welche moralische Kraft hat der Westen dem Islam entgegen zu setzen?

 

Segen und Fluch der Muslime bei uns

 

Ich glaube, dass es mindestens zwei GrĂŒnde gibt, warum Gott es zulĂ€sst, dass der Islam sich immer mehr nach Europa hinein ausdehnt.

 

Erstens: Es hat einen erzieherischen Grund, dass der Islam zu uns kommt.

Gott will uns an unsere Wurzeln erinnern. Er hÀlt uns einen Spiegel vor, was Religion ohne evangelische Freiheit bedeutet. In diesem Spiegel erkennen wir, wie ausgehöhlt und leer das christliche Zeugnis bei uns ist. Das kann durchaus ein Segen sein. Unter dem Ratsvorsitz von Bischof Huber bei den DialoggesprÀchen am runden Tisch mit Vertretern des IslamverbÀnde gab es schon ein erstes Aufwachen, was das betrifft.

 

Christus ist wieder ein Thema in der Theologie geworden. Die Kirchen haben sich angesichts des Islam auf das ihnen Ureigene zurĂŒckbesinnen mĂŒssen. Ich bin ĂŒberzeugt, dass je nĂ€her unsere Theologen in TuchfĂŒhlung mit den islamischen Überzeugungen kommen, desto klarer ihr Blick fĂŒr das wird, was den christlichen Glauben ausmacht.

 

Ein weiterer Vorteil ist, dass der Glaube als solches wieder „hoffĂ€hig“ geworden ist. Muslime bekennen ihren Glauben ohne Scheu in allen Medien, auf der Straße, am Arbeitsplatz, in den Schulen. Zögerlich, aber doch erkennbar kommen Christen aus ihren Verstecken und wagen es, ĂŒber Glaubensthemen in der Öffentlichkeit zu reden. Das haben wir den Muslimen zu danken.

 

Auf dem Hintergrund des Islam wurde und wird deutlich, wie beliebig, konturlos und bedeutungsleer die evangelische Theologie geworden ist. Der gescheiterte Dialog mit den IslamverbĂ€nden hat die Kirche daran erinnert, dass Christus allein der Grund und das Ziel unseres Glaubens ist. So verstanden ist die „Rute“ als Erziehungsmittel nicht Fluch, sondern Segen. Sie ist es aber nur, wenn sie als Erziehungsmittel anerkannt und akzeptiert wird. Lehnt man sich gegen sie auf, wird sie nur Fluch und Strafe. Es ist wie bei Segen und Fluch ĂŒberall in Gottes Wirken: Haben wir das Einsehen und tun Buße, dann kann nur Segen daraus fließen. VerhĂ€rten wir aber unsere Herzen und lehnen uns gegen Gottes erzieherisches Handeln auf, so bleibt nur der Fluch ĂŒbrig.

 

Zweitens: Gott schickt die Muslime zu uns weil wir nicht zu ihnen gegangen sind!

Wie oben schon angefĂŒhrt: Uwe Siemon-Netto hat in seinem Bericht fĂŒr idea vom 31.08.2015 „Völkerwanderung: Eine große Chance fĂŒr die Kirche. Christen sollten sich der großen Zahl einwandernder Muslime annehmen“ die Christen und ihre Kirchen zum missionarischen Handeln aufgefordert.

 

Jesus hielt seine JĂŒnger an, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Ist es nicht jetzt Zeit zu begreifen, dass Gottes Liebe uns zur Umkehr treibt (Rö. 2,4)? Die ganze Problematik mit unserem demographischen Wandel, mit der notwendigen Zuwanderung im großen Stil, mit der FlĂŒchtlingsnot weltweit und den bei uns Asyl Suchenden macht uns große Not. Die daraus erwachsenden Probleme des Zusammenpralls der Kulturen und des gesellschaftlichen Friedens werden uns immer mehr beschĂ€ftigen. FlĂŒchtlinge und Zuwanderer sind nicht das Problem an sich, sondern das völlig andere Weltbild der Muslime und der missionarische und dschihadistische Eifer mancher Muslime, die unsere Gesellschaft zuerst „islam-kompatibel“ und dann „islam-konform“ machen wollen. Dabei verbieten sie sich jedwede Form der Missionierung unter Muslimen.

Noch gilt Religionsfreiheit in Deutschland. Noch können wir ungeniert und ohne EinschrĂ€nkung Zeugnis von Jesus Christus geben. Aber wenn die Zahl der Muslime einen Anteil in der Gesellschaft ausmacht, dass aus GrĂŒnden der Wahrung des sozialen Friedens ihre Forderungen nach „Schutz vor Missionsversuchen“ nicht mehr ignoriert werden wird, wird die Religionsfreiheit bei uns auch im islamischen Sinne ausgelegt werden: Niemand darf einen Muslim zum Abfall vom Islam verfĂŒhren. Das ist nĂ€mlich der Grund, warum weniger als 2% aller christlichen Missionare in der islamischen Welt tĂ€tig sind. Und das, obwohl der Anteil der Muslime an der Weltbevölkerung 25% betrĂ€gt und an der nicht christlichen Weltbevölkerung sogar 50%. Der „Apostel fĂŒr die islamische Welt“, Samuel Zwemer (1867–1952), hat seinerzeit schon laut darĂŒber nachgedacht, ob die Christenheit meine, der Mission- und Taufbefehl gelte nicht im Blick auf die Muslime…

Wenn unsere Zeit diesbezĂŒglich ein besonderes Merkmal hat, dann ist es dies: Nie zuvor in der Geschichte haben so viele Muslime inmitten einer freiheitlich geprĂ€gten, demokratischen Gesellschaft gelebt. Bei uns. Nie zuvor gab es die Chance fĂŒr so viele Muslime, sich Jesus Christus zuzuwenden, ohne begrĂŒndete Angst vor Repressalien – auch durch den Staat – haben zu mĂŒssen. Bei uns. Nehmen wir die Muslime bei uns nur als Bedrohung oder auch als Chance wahr?

Was fĂŒr Chancen sind das?

Die Kirchen schrumpfen. Das Zeugnis der Christen wird in der Gesellschaft immer schwĂ€cher. Keiner scheint ein Rezept[4] zu haben, wie die AktualitĂ€t des Evangeliums den Menschen unserer Tage ĂŒberzeugend nĂ€her gebracht werden könnte. Es scheint kein Interesse in der Bevölkerung fĂŒr die Botschaft vom Kreuz zu geben. Viele Theologen werfen deshalb die Kreuzestheologie ĂŒber Bord.

Muslime aber sind neugierig. Viele sind desillusioniert vom Islam. Was der IS macht, erfĂŒllt sie mit Entsetzen. Jesus fasziniert viele Muslime. Vielen ist er auch im Traum erschienen und hat sich als den Jesus der Bibel – nicht des Koran – zu erkennen gegeben. Fangen wir doch mit dem Missionsbedarf in Deutschland bei den Menschen an, die immer mehr zu uns ins Land kommen: die Menschen muslimischen Glaubens. Kaufen wir hier die Zeit aus? Die Mission unter Muslimen in Deutschland steckt immer noch in den Kinderschuhen, obwohl die erste heute noch im Gebrauch befindliche Moschee Deutschlands schon 1928 eingeweiht wurde und seit Anfang der sechziger Jahre ein ungebrochener Strom von Muslimen als Zuwanderer und Asylanten zu uns kommt. Nach dem Ansturm vom letzten Jahr 2015 ist kein Ende in Sicht.

Ich trĂ€ume von einer Kirche, die in die Offensive geht und Evangelisten ausbilden lĂ€sst und einstellt, um solche Menschen fĂŒr Jesus Christus zu gewinnen. Wenn die Kirche das nicht von sich aus tut, mĂŒssen wir es selbst in die Hand nehmen! Wenn es die einzelne Gemeinde oder Gemeinschaft nicht stemmen kann, dann auf der Ebene der Gemeinschaftsbezirke oder Kirchenbezirke!

Die deutsche evangelische Allianz bietet mit ihrem Arbeitskreis Migration und Integration „AMIN“ ein Forum, in dem vielfĂ€ltige Hilfen und Kontakte angeboten werden: http://www.ead.de/arbeitskreise/migration-und-integration/arbeitskreis-migration-und-integration.html, der zur GrĂŒndung von lokalen AMIN-Gruppen auf Allianzbasis anregt.

 

Die schweizer evangelische Allianz bietet auch gute Hilfen an: http://www.flĂŒchtlingen-helfen.ch.

Die Liebenzeller und SĂŒddeutschen gehen mit gutem Beispiel voran mit Projekten in und um Stuttgart und Heilbronn, aber das ist noch ein Tropfen auf dem heißen Stein! Fordern Sie doch Hilfe von den genannten Stellen oder der AuslĂ€nderseelsorge oder dem Orientdienst an! Ich trĂ€ume davon, dass Gemeinden und Gemeinschaften einen Missionar fĂŒr ihr Gebiet anfordern mit der Zusage der KostenĂŒbernahme und der UnterstĂŒtzung – auch durch ehrenamtliche Mitarbeiter
 Das soll kein Ersatz fĂŒr den eigenen missionarischen Auftrag sein, im Gegenteil! Es könnte helfen, dass Gemeindeglieder sich in diese wichtige Arbeit mit einbinden lassen.

Mit der GrĂŒndung von EIMI (EuropĂ€isches Institut fĂŒr Migration und Integration) an der AWM (Akademie fĂŒr Weltmission) in Korntal haben wir eine wichtige Ressource fĂŒr diesen Auftrag bekommen: https://www.awm-korntal.eu/page/ueber_uns_eimi.html.

Wie wĂ€re es, wenn wir auf die sonst fĂŒr so beklemmend wahrgenommene Situation der Islamisierung Europas nicht mit Angst reagierten, sondern sie als Chance und als Geschenk Gottes sehen wĂŒrden? Warum das nicht als von Gott gestellte Aufgabe sehen? Alles Gut-Reden hilft nichts. Wir mĂŒssen der Wahrheit ins Auge sehen. Der Einfluss, den der Islam als Religion in Europa hat, steigt stetig, und wir sind erst am Anfang dieser Entwicklung. Die Politik kann dies leugnen, so viel sie will, die BĂŒrger nehmen es wahr, weil es sich nicht verbergen lĂ€sst. Die Politik muss es aus eigener Sicht leugnen, weil sie keine Möglichkeit sieht, etwas daran zu Ă€ndern. Wir aber dĂŒrfen mit Gott und seiner Macht rechnen! Wir haben eine ganz andere Perspektive auf die Situation! Die Zeichen der Zeit 2016 in der Bundesrepublik Deutschland weisen uns auf die wichtige Aufgabe, die wir in der Mission vor unserer eigenen HaustĂŒr haben. Ich bin ĂŒberzeugt, dass das Zeitfenster, das wir fĂŒr die Missionsarbeit unter Muslimen hier in Europa haben, sehr knapp bemessen ist. Schon in wenigen Jahren rechne ich mit Klagen der islamischen VerbĂ€nde gegen Missionsarbeit unter Muslimen. Ob wir noch zehn Jahre haben? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass wir die Zeit auskaufen mĂŒssen, und darum halten wir das Thema Islam in regelmĂ€ĂŸigen Lehrveranstaltungen bei uns im TĂŒbinger Albrecht-Bengel-Haus unter unseren Studierenden und Freunden wach.

Lasst uns hoffen und beten, dass der Bekennermut der Christen weiter zunimmt! Letztlich ist die starke islamische PrĂ€senz bei uns im ehemals christlichen Abendland ein Weckruf, uns auf unsere Wurzeln zu besinnen und die Gelegenheit zu ergreifen, den Muslimen die frohe Botschaft von Jesus Christus darzulegen und nahe zu bringen. Hier in Europa können wir (noch) frei unseren Glauben bekennen und bezeugen – auch Muslimen gegenĂŒber. Hier können Muslime sich bekehren und zu Jesus Christus als Herrn und Retter bekennen, wie Thomas es seinerzeit tat: „Mein Herr und mein Gott!“ – ohne dass sie von offizieller Seite dafĂŒr bedroht oder belangt werden können. Ich glaube, dass dies eine historische Chance ist, eine Chance die nicht verstreichen darf. Es ist das Gebot der Stunde, es ist die einmalige Gelegenheit unserer Zeit. Ich glaube, dass jetzt ein Kairos da ist. Nie zuvor haben so viele Menschen in der arabischen Welt Interesse am Evangelium gezeigt. Große Scharen kommen zum Glauben an Jesus Christus durch Internet, Radio und Satellitenfernsehen. Es könnte dazu kommen, dass solche Menschen zu Missionaren fĂŒr ihr eigenes Volk werden. Die strengglĂ€ubigen Muslime haben davor solche Angst, dass sie den deutschen YouTube-Kanal des Senders Al-Hayat haben sperren lassen[5]. Die Zeit ist reif wie nie zuvor fĂŒr vom Islam enttĂ€uschte Menschen, zum Glauben an Jesus Christus zu finden. Hier heißt es Carpe Diem! Gerade auch bei uns in Deutschland und Europa. Ergreife den Tag! Ich kann mir das nicht anders vorstellen, als dass, wenn wir diese historische Chance verstreichen lassen, die Gnadenzeit zu verlorener Zeit und die Chance zum VerhĂ€ngnis fĂŒr uns wird.

Bei allem gilt es in erster Linie auf Gottes Verheißungen zu schauen! Gottes Verheißungen gelten fĂŒr sein Volk und fĂŒr sein Reich. Wie viele Verheißungen hat er uns doch gegeben! Ich glaube fest daran, dass die Prophezeiung Gottes an das darniederliegende Volk Jerusalems auch uns in unserer Zeit gehört: Jer. 29,11: Denn ich weiß wohl, was ich fĂŒr Gedanken ĂŒber euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet. Die Zeit zielt auf das Ende, sein Ziel, das Ziel des Weges Gottes mit dieser Welt. Gott sitzt im Regiment. Er bringt die Muslime zu uns. Lasst sie uns zu seinem Ziel bringen, so viele sich einladen lassen!

[1] Wörtlich: „Als der Höchste den Nationen das Erbe austeilte, als er die Menschenkinder [voneinander] schied, da legte er fest die Grenzen der Völker nach der Zahl der (MT Söhne Israel / LXX „Engel Gottes“). Qumran deutet darauf, dass LXX originĂ€r sein könnte. Hier wird das, was in Dan 10:13, 20–21; 12:1 zum Ausdruck gebracht wird, dass jedes Land seinen eigenen regierenden Engel hat, vorweggenommen. Vgl. Christensen, D. L. (2002). Deuteronomy 21:10–34:12 (Bd. 6B, S. 796). Dallas: Word, Incorporated.

[2] Der niederlĂ€ndische Missionswissenschaftler Hoekendijk hat schon 1964 darauf hingewiesen, dass wir in einer „nach-christlichen“ Gesellschaft leben. Es sind Überbleibsel der christlich geprĂ€gten Kultur, aber unsere sĂ€kularisierte Kultur ist vom eigenen SelbstverstĂ€ndnis her keine christliche Kultur mehr. Appelle an die Mitmenschlichkeit finden noch durchaus Resonanz, aber nicht um Christi willen.

[3] Die radikal islamistischen AttentĂ€ter von Paris verstanden ihre Rolle bei ihren perfiden AnschlĂ€gen in just diesem Sinne. Es gibt nichts, was ihre Tat rechtfertigen könnte. Ihre Opfer suchten sie im VergnĂŒgungsviertel der Stadt. Ihren Hass und das „Gericht Allahs“ teilten sie an die NachtschwĂ€rmer aus. Die tiefe Verachtung, die konservative Muslime fĂŒr den Lebenswandel der Menschen im Westen empfinden, wurde hier in grausamster Weise zum Ausdruck gebracht.

[4] Wenn es ein Rezept gibt, dann wird es garantiert damit beginnen, dass unser Lebensstil als Christen sich von anderen erkennbar unterscheidet. Es muss erkennbar werden, dass wir von der Vergebung Jesu leben und so zu einem neuen Leben befreit sind. Wenn euch der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei (Joh. 8,36). Um es mit dem geistigen Vater der meisten heutigen Agnostiker und Atheisten Friedrich Nietzsche zu sagen: Wenn an der Erlösung etwas dran ist, mĂŒssen wir fĂŒr unsere Mitmenschen erlöster wirken. Nur so könnten wir die zurĂŒckgewinnen, die sich vom christlichen Glauben verabschiedet haben. Die Kraft Gottes im neuen Leben durch seinen Geist muss doch spĂŒrbar werden! Paulus schreibt in 1. Kor 1,18: Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft. Lasst uns um diese Gotteskraft fĂŒr unsere Aufgabe im Bezeugen von Jesus Christus vor den Menschen unserer Zeit beten.

[5] Er konnte inzwischen wieder online gehen.

Zeit – verliehen, verloren, verheißen!

(PDF-Download: Zeit_verliehen_verloren_verheissen Vortrag PM_ĂŒberarb)

(Hauptvortrag beim TurmTreff/Jahresfest des ABH Jan. 2015)

Die Zeit ist ein Geschenk Gottes. Sie ist uns verliehen. Sie ist eine Dimension der Schöpfung Gottes, die uns gegeben wurde, um uns das Leben zu ermöglichen. Von diesem Geschenk, das uns verliehen ist, machen wir unterschiedlich Gebrauch. Wo wir es nicht im Sinne unseres Schöpfers tun, wird die Zeit zu verlorener Zeit. Dabei steht die Zeit als Geschenk Gottes unter seinen Verheißungen.

Zeit – verliehen, verloren, verheißen. Diese ZusammenhĂ€nge möchte ich mit Ihnen zum Auftakt unseres diesjĂ€hrigen „Turmtreffs“ im Albrecht-Bengel-Haus erkunden. Viele Gedanken, die ich hier streifen werde, werden in den Seminaren dieses Turmtreffs Vertiefung finden.

Das Alte Testament beschĂ€ftigt sich in einer grundlegenden Art und Weise mit dem Thema Zeit. Dabei verwendet es gewöhnlich den Begriff „Tag“, wie wir es aus der Schöpfungsgeschichte kennen, oder „Stunde“. Etwa „in den Tagen“ Noahs, von der vergangenen Zeit gesprochen, und von der Zukunft gesprochen „in jenen Tagen“
 (Jer). Jesus sagte zu seiner Mutter: Meine Stunde ist noch nicht gekommen (Joh 2,4). VerblĂŒffend ist, dass nach der Sintflut von Anfang der neuen Weltordnung an die Bibel die Tage des Lebens auf Erden gezĂ€hlt und somit bemessen und eingeschrĂ€nkt hat. In 1Mose 8,22 heißt es: Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Das geordnete Weltall, der Kosmos, in dem der Mensch als GegenĂŒber Gottes leben und gedeihen kann, ist ein Projekt auf Zeit: eben „so lange die Erde steht
“

Beim Segen Jakobs ĂŒber seine Söhne wird das noch deutlicher. Sein Segen bezieht sich auf das Ziel Gottes mit seinen ErwĂ€hlten. 1Mose 49,1: Und Jakob berief seine Söhne und sprach: Versammelt euch, dass ich euch verkĂŒnde, was euch begegnen wird in kĂŒnftigen Zeiten. Was Luther und andere hier als „kĂŒnftige Zeiten“ wiedergeben, heißt wörtlich „am Ende der Tage“! Ś‘Ö°ÖŒŚÖ·Ś—ÖČŚšÖŽÖ„Ś™ŚȘ Ś”Ö·Ś™ÖžÖŒŚžÖŽÖœŚ™Ś / áŒÏ€áŸż áŒÏƒÏ‡ÎŹÏ„Ï‰Îœ Ï„áż¶Îœ áŒĄÎŒÎ”Ïáż¶Îœ). Gottes Plan mit der Welt ist ein Plan mit der Weltzeit. Die Zeit, die wir in dieser Welt haben, ist von Gott geschenkte, verliehene Zeit, eine Zeit, Sein Ziel zu verwirklichen. Wir reden darum von Gottes Geschichte mit dieser Welt, von der Heilsgeschichte, mittels der Endzeit er die Herrschaft ĂŒber seine Schöpfung wieder erringt. Claus Westermann hat 1969 ein ungeheuer wichtiges BĂŒchlein von nur 47 S. LĂ€nge in der Reihe Calwer Hefte (Bd. 100) unter dem Titel geschrieben „Anfang und Ende der Bibel“. Darin erlĂ€utert er den inneren Zusammenhang zwischen Anfang und Ende der Bibel und zeigt die heilsgeschichtliche Linie von der Schöpfungsgeschichte bis hin zur Offenbarung des Johannes auf.

Die Zeit ist das Projekt Gottes mit der Menschheit. Es ist vom Anfang bis zum Ende Gnadenzeit. Die Zeit ist uns gegeben, um Gottes Plan mit uns zu verwirklichen.

I) Verliehen – das Gottesgeschenk der Zeit

Wir kÀmpfen gegen die Zeit und doch leben wir von der Zeit! Wie alles andere, was Gott uns gibt, kann die Zeit als Segen oder als Fluch betrachtet werden.

Die Uhr tickt
 Warum wirkt der Satz so negativ, so bedrohlich auf uns? – Weil wir die Zeit als verronnene Zeit erleben. Dabei wird uns mit jedem Ticken der Uhr neue Zeit zur VerfĂŒgung gestellt! Oft sagen wir „ich habe keine Zeit!“ Was wir wirklich dabei meinen, ist, dass wir mit den Dingen, die wir schon tun, ausgelastet sind, und nur Dinge mit einer höheren PrioritĂ€t anpacken wĂŒrden – wobei anderes dafĂŒr liegenbleiben mĂŒsste.

Ich habe im Grunde NUR Zeit – sonst nichts
 Außerhalb der Zeit gibt es nichts, das ich haben könnte. Nur innerhalb der mir verliehenen Zeit habe ich Leben mit seinen Möglichkeiten. Die Zeit ist Möglichkeit an sich! Merken wir uns das: Wir haben immer so viel Zeit, wie wir uns nehmen…

Andere Kulturen gehen anders mit der Zeit um: Ost-Afrikanische MĂ€nner mĂŒssen z-B.durch MĂŒĂŸiggang die Zeit „spinnen“ – damit die Frauen genug davon haben, um mit der Arbeit in Haus und Hof, im Garten, auf Acker und Weide fertig zu werden!

Aber fĂŒr alle Menschen aller Zeiten und Kulturen gilt dasselbe: Nur im Hier und Jetzt ist die Zeit erfahrbar und erlebbar. Das Vergangene können wir nicht zurĂŒckholen, und dem Kommenden können wir weder vorgreifen, es verhindern, noch es heraufbeschwören.

FĂŒr uns als Christen ist es ein ungemein großer und wichtiger Trost, zu wissen: Meine Zeit steht in Deinen HĂ€nden Ps 31,16 (Schlussakkord mit Uwe Rechberger). Gott ist Herr ĂŒber Raum und Zeit. Er lenkt das Geschick unserer Welt und der Zeit. In Daniel 2, 19f heißt es: Gelobet sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit, denn ihm gehören Weisheit und StĂ€rke! Er Ă€ndert Zeit und Stunde.

Gott ist Herr der Zeit und fĂŒhrt die Geschichte dieser Welt im Sinne von Heilsgeschichte zu seinem gesetzten Ziel! Alles hat seine Zeit (Prediger 3,1ff), aber nur Gott hat die Zeit im Griff. Unsere Zeit ist endlich. Auch das Sterben hat seit dem SĂŒndenfall seine Zeit – so ist es bestimmt. Der SĂŒnde Sold ist der Tod– die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn (Röm 6,23)! Jesus Christus hat die Grenzen der Zeit durchbrochen und uns das ewige Leben geschenkt! Im HebrĂ€erbrief heißt es Hebr 9,27f: Und wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht: so ist auch Christus einmal geopfert worden, die SĂŒnden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der SĂŒnde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil. Die Zeit hat ein Ziel. Das Ende der Zeit ist das Ziel der Zeit (Eschatologie-Seminare Rolf Sons / Uwe Rechberger). Was die Endzeit betrifft, kann ich die Angst schon herausnehmen: Fritz GrĂŒnzweig hat in seinem Kommentar zur Offenbarung betont – und Gerhard Maier hat das in seinen beiden BĂ€nden zur Offenbarung bestĂ€tigt: Die Offenbarung ist als Trostbuch der Gemeinde Christi gemeint und nur so zu verstehen! Am Ende der Zeit steht fĂŒr Gottes Kinder die ErfĂŒllung aller seiner Verheißungen!

Wir Leben in der Zeit, die uns verliehen ist: Wir sind Kinder unserer Zeit. Dass wir Kinder unserer Zeit sind, gilt ĂŒbrigens fĂŒr jede Altersgruppe. Wir atmen den Zeitgeist und sind nur bedingt unabhĂ€ngig von diesem. Gegen den Zeitgeist zu leben heißt nicht nur, gegen den Strom zu schwimmen. Wir können nĂ€mlich nicht gegen den Strom der Zeit schwimmen. Die einzige wahre UnabhĂ€ngigkeit vom Zeitgeist, aus der heraus wir mit unserem Lebensentwurf dem Zeitgeist trotzen könnten, ist die völlige Hingabe an den Geist Gottes – und selbst dann werden wir nicht aus der Zeit und ihrem Strom herausgenommen. Das ist auch nicht unser primĂ€res Ziel – wie mein Kollege Clemens HĂ€gele in seinem Seminar zum Zeitgeist ausfĂŒhren wird. Vielmehr geht es darum, die Zeit, die uns geschenkt ist, in unserer Zeit aus Gottes Hand zu nehmen und vor seinem Angesicht aus so zu fĂŒllen, wie er es fĂŒr uns erdacht hat. Hier kommt es auf unseren Auftrag an. Was hat uns Gott fĂŒr die Zeit aufgetragen? Darauf kommen wir gleich. Davor noch ein paar Anmerkungen.

Meine Generation z.B., die „Baby-boomer“ (*1945-1964) ist eine Protestgeneration. Manche haben gegen den Status Quo in Staat und Gesellschaft protestiert. Wir im ABH haben gegen den Status Quo an der FakultĂ€t und in der Kirche protestiert.

Die darauf folgende Generation-X, bzw. Baby-Busters (*1965-1979) gilt entweder als die „stille“, bzw. „schweigende Generation“, oder – in Deutschland – als „Generation Golf“ (das ist das Mindeste, was „man“ fahren darf). Das gilt ebenso im Bereich der GlĂ€ubigen wie der UnglĂ€ubigen. WĂ€hrend die Boomer-Generation zwanzig Jahre anhielt, verkĂŒrzt sich die Zeit der schweigenden Generation auf fĂŒnfzehn Jahre. Wir empfinden es nicht nur so, als wĂŒrde die Zeit sich beschleunigen. Es ist so!

Die auf Generation-X folgende Generation-Y oder „Millenial Generation“ (*1980-2000) wird bereits in mehrere Perioden unterteilt, weil die VerĂ€nderungen so schnell stattfinden. In Europa werden die Ă€lteren (die Generation Dreißig) auch „Generation Gesamtkunstwerk“ genannt, deren Leben eine einzige Inszenierung als Lebens(Kunst)werk verstanden wird. Die sogenannten „Mosaiks“, die in Ihrer Jugend die ersten BerĂŒhrungen mit dem Internet durch einen graphischen Browser (Mosaic) hatten, sind aber schon lĂ€ngst abgelöst von der Generation Facebook, der nichts schlimmeres passieren kann, als keinen Internetzugang oder gar ein kaputtes Smartphone zu haben


Wir sind alle Kinder unserer Zeit. Je nach Alter sind wir unterschiedlich geprĂ€gt von unserer Zeit. Zur selben Zeit kann der Zeitgeist fĂŒr unterschiedliche Gruppierungen radikal unterschiedlich sein. WĂ€hrend die Generation Facebook unbĂ€ndige Hoffnung fĂŒr die Zukunft hat (es ist schon immer alles da gewesen, und Frieden ist die Konstante, die sie kennen), haben deren Großeltern grĂ¶ĂŸte Sorgen im Blick auf die Zukunft ihrer Enkel, im Wissen, dass der demographische Wandel keinen Anlass zur Hoffnung gibt.

Es ist schon seltsam: Entweder wir schlagen die Zeit tot, oder sie erschlÀgt uns.

AuffĂ€llig fĂŒr unsere Zeit ist, dass noch nie in der Geschichte so viel Zeit aufgewendet wird, um die Zeit zu vertreiben. In dem schönen Dorf, wo ich zuletzt als Pfarrer dienen durfte, gab es 1995, als ich dort begann, nur noch ein einziges Haus, vor dem noch eine Sitzbank stand. Heute steht sie zwar noch, wird aber nicht mehr benutzt
 Aus der Interaktion und Kommunikation auf der Straße, wie es die AllerĂ€ltesten unter uns noch kennen, ist ein Konsumieren innerhalb der eigenen vier WĂ€nde geworden. Vor allem das Aufkommen des Fernsehens hat unsere Lebensweise verĂ€ndert. FĂŒr einige Jahrzehnte stand der passive Konsum vor den Bildschirmen ganz im Mittelpunkt. Dass das nicht auf lange Sicht den Menschen befriedigen konnte, ist logisch. Der Mensch ist auf Interaktion angelegt. Mit dem Aufkommen des Internet 2.0 knapp vor der Jahrtausendwende hat sich das radikal verĂ€ndert. Zwar konsumiert die junge Generation-Y immer noch viele Inhalte hauptsĂ€chlich per Internet. Deswegen hat der Gesetzgeber seit 2008 auch auf persönliche Computer GEMA-GebĂŒhren erhoben und seit 2013 vom GebĂŒhren- aufs Beitragsmodell fĂŒr alle Haushalte umgestellt, egal welche GerĂ€te jeweils zum Einsatz kommen. Die Unterhaltung und Bespaßung haben einen enormen Stellungswert in unserer Gesellschaft bekommen. Ich weiß nicht, wie viele Besucher hier beim Turmtreff heute sind, aber zu den (durchaus genialen) TheaterauffĂŒhrungen unserer Studenten zu Beginn des Jahres kamen insgesamt etwa 1000 Personen


Mein Kommilitone im Bengelhaus zu der Zeit, als diese TĂŒrme hier entstanden, Peter Hahne, schreibt in seinem immer noch sehr lesenswerten Buch „Schluss mit lustig“:

„Wenn die Spaßgesellschaft wirklich der »Endzustand der SĂ€kularisierung« ist und der heitere Genuss so manche Leerstelle fĂŒllt, wo in der Persönlichkeit frĂŒher die Überzeugungen saßen – wenn das stimmt, dann beginnt mit der Sinnsuche das Ende dieses Spaßes. Die Spaßgesellschaft ist jedoch auch das Ergebnis einer ökonomischen Entwicklung, einer explosiv steigenden Unterhaltungsindustrie, die sich nicht ohne weiteres und vor allem nicht freiwillig zurĂŒckdrehen lassen wird und will. Spaß machen ist ein ernstes GeschĂ€ft. Und Spaß macht sich vor allem bezahlt. »Ohne Spaß wĂŒrde die Weltwirtschaft zusammenbrechen, schon deshalb darf er nicht aufhören«, warnt der Berliner »Tagesspiegel«. Dennoch scheint mir der Konkurrenzkampf zwischen Gottesdienst und Erlebnisbad, zwischen Sinnstiftern und Spaßmachern wieder völlig offen. Den sich vergnĂŒgenden Massen ist das Lachen vergangen, weil man sich ja bekanntlich kaputtlacht 
“

Wie die Menschen von heute ihre Zeit gebrauchen…

„Mehr als eineinhalb Stunden tĂ€glich verbringen Kinder und Jugendliche in Deutschland durchschnittlich mit Computerspielen. Jeder FĂŒnfte der 16- bis 18-JĂ€hrigen „daddelt“ sogar drei Stunden und lĂ€nger. Diese Zahlen ermittelte der Branchenverband Bitkom.[1]“

„In Deutschland spielen 93 Prozent aller Kinder und Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren Computer- und Videospiele. 
Die 10- bis 12-JĂ€hrigen spielen im Schnitt 76 Minuten pro Tag, die 13- bis 15-JĂ€hrigen 111 Minuten und die 16- bis 18-JĂ€hrigen 124 Minuten.[2]“

„Auch zwischen den Generationen sind die Spielzeit-Unterschiede deutlich. Die 14- bis 19-JĂ€hrigen spielen mit 136 Minuten im Schnitt am lĂ€ngsten. Bei den 50- bis 64-jĂ€hrigen Gamern sind es hingegen rund 90 Minuten, die tĂ€glich mit dem Spielen verbracht werden.

Das klingt im ersten Moment viel, zum Vergleich muss aber bedacht werden, dass jeder Deutsche im Durchschnitt 220 Minuten pro Tag Fernsehen schaut. Und dabei handelt es sich um das Mittel der Gesamtbevölkerung inklusive jener Menschen, die gar keinen Fernseher besitzen, und nicht wie bei den Gamern um jene, die angaben, dass sie Computerspiele nutzen.[3]“ „Die ĂŒber 50-jĂ€hrigen Deutschen verbringen tĂ€glich durchschnittlich 4 Stunden vor dem Fernseher, und 4 Prozent der 50 – bis 74 – jĂ€hrigen Menschen gaben an, fĂŒnf bis sechs Stunden tĂ€glich fernzusehen.“[4]]

Es gibt aber auch eine Gruppe von Menschen, die vor lauter BeschĂ€ftigung gar nicht mehr hinterherkommt und vor lauter Umgetrieben-sein unter der „Tyrannei des Dringlichen“ leidet und nicht zu dem kommt, was wirklich wichtig wĂ€re
(Charles E. Hummel). Dazu zĂ€hlen Pfarrer, Politiker, FamilienvĂ€ter und MĂŒtter
 Wie viele Menschen fĂŒhlen sich gestresst und abgehetzt? Vielleicht sollten wir anders herum fragen – ich glaube es fiele mit dem ZĂ€hlen leichter! Schauen wir nur die Parteiprogramme an und was davon in einer Wahlperiode umgesetzt werden kann. Die Politik ist dazu gezwungen, ihr Agieren in den meisten FĂ€llen auf die Reaktion zu beschrĂ€nken. Gestaltungsfreiheit ist kaum mehr vorhanden. Das ist aber nicht nur im Bereich der Politik so. Kennen wir das nicht aus unserem eigenen Erleben? Allein die BewĂ€ltigung aller Alltagspflichten, gekoppelt mit den vermeintlich wichtigen Dingen und den ganzen Verwaltungsmaßnahmen, die auch dem privaten Bereich nicht erspart bleiben, gehört zu den „Zeitfressern“, die uns daran hindern, nicht nur dringend wichtige Dinge, sondern  w e s e n t l i c h e Dinge zu tun. Wir mĂŒssen uns auf unseren Auftrag besinnen!

Wenn wir uns in die vergangen Jahrhunderte zurĂŒckversetzen, in die Siedlerzeit, GrĂŒnderzeit, Zeit der Kolonialisierung und der Industrialisierung, dann stand die Aktion, nicht die Reaktion an erster Stelle. Es hat sich in der Gesellschaft etwas verselbststĂ€ndigt, und viele leben nicht mehr, sondern werden gelebt
 Die Schlagworte meiner Generation lauten: „Ausstieg“ aus dem Status Quo, Ablehnung des Establishment und eigentlich jeder Form der AutoritĂ€t, das „Hamsterrat“ in dem die „Spießer“ gefangen seien, „Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll“ als Parole fĂŒr das wirkliche Leben
 In meiner Jugend gab es ein Broadway-Musical unter dem Titel „Stop the world, I want to get off!“ (Haltet die Welt an, ich will aussteigen). Ein gleichnamiges Lied lief immer im Radio. Inzwischen sind die meisten Aussteiger wieder voll eingestiegen, und das Pensum hat sich noch weiter beschleunigt!

Kehren wir zum einleitenden Gedanken zurĂŒck: Die Zeit ist ein Geschenk Gottes. Sie ist uns verliehen. Sie ist eine Dimension der Schöpfung Gottes, gegeben, um uns das Leben zu ermöglichen. Sie ist uns gegeben, damit Gott seinen Heilsplan an uns ausfĂŒhren kann. Die Zeit ist verliehene Zeit. Wir können sie nicht „spinnen“, schaffen, uns nehmen. Sie ist der Rahmen, der uns gegeben ist.

Die Zeit, die mit Jesus Christus anbricht, ist in besonderer Weise verliehene Zeit – es ist seiner Kirche verliehene Zeit, um die Völker zu JĂŒngern zu machen, sie fĂŒr die Nachfolge Jesu Christi und fĂŒr sein Reich zu gewinnen. Die Zeit der Kirche ist in besonderer Weise Gnadenzeit. Der Apostel Paulus schreibt 2.Korinther 6,2 Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils. Es ist die Endzeit, die mit Jesus angebrochen ist! Und es liegt eine besondere Verheißung auf dieser Zeit, wie wir sehen werden: NĂ€mlich darin, dass Jesus Christus selbst uns seinen Beistand ĂŒberall, wo wir in seinem Auftrag unterwegs sind, zusichert!

Teilweise ist diese Zeit auch im missionarischen BemĂŒhen des Leibes Christi wirklich ausgekauft worden. Allein in den letzten 250 Jahren der modernen Weltmissionsbewegung hat sich das Zentrum der Christenheit von der nördlichen in die sĂŒdliche HĂ€lfte der Erdkugel verlagert. Das liegt aber leider nicht nur an den Erfolgen der Mission in Afrika und SĂŒdamerika. Es liegt auch am Versagen der Kirchen in Europa und Nordamerika. Manche haben die Zeit ausgekauft, fĂŒr andere war diese Zeit seit der AufklĂ€rung teilweise auch verlorene Zeit, vergeudete, verpasste und verschleuderte Zeit.

II) Verloren – die zerronnene Zeit, die verpassten und verpatzten Möglichkeiten

Auch wenn es besondere „Kairos-Zeiten“ gibt, Zeiten der besonderen Gnade, dĂŒrfen wir nicht zu der Ausrede greifen, dass unsere misslichen Lage nur darauf zurĂŒckzufĂŒhren sei, dass jetzt keine Gnadenzeit sei! Jesus sagte seinen BrĂŒdern Joh 7,6 Meine Zeit ist noch nicht da, eure Zeit aber ist stets bereit. Damit will er sagen, dass wir immer eine Verantwortung fĂŒr unsere Zeit tragen – auch wenn es keine Sternstunde des Wirkens Gottes gerade jetzt ist.

Schon der Lateiner Horaz (* 65 v. Chr.; † 8 v. Chr.) hat den Spruch geprĂ€gt „Carpe diem“ – ergreife den Tag. Paulus sagt uns in Eph 5,16: Kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Und Kol 4,5 Verhaltet euch weise gegenĂŒber denen, die draußen sind, und kauft die Zeit aus.

Kauft die Zeit aus, denn es ist böse Zeit
 Die Zeit ist zwar fĂŒr uns da, aber sie schafft dort gegen uns, wo wir die Zeit nicht auskaufen! Jesus hat das eindringlich geschildert in seinen Gleichnissen vom Wachen. Die klugen Jungfrauen etwa als Vorbilder des wachsamen Wartens – das Licht leuchten lassen bis Jesus kommt! Die Törichten holt die Zeit ein – es gibt ein „zu spĂ€t“! Den reichen Kornbauer ereilt es gerade, als er sich ins gemachte Nest zur Ruhe setzen will. Wir sollen den Herrn der Ernte bitten, dass er Arbeiter in die Ernte schicke, die dazu reif ist. Wir sollen Heu machen, so lange die Sonne scheint!

Wenn es eine Sache gibt, die unsere Welt in diesen Tagen braucht, dann sind das Christen, die auf das Kommen des Herrn und Heilandes dieser Welt aktiv warten und ihr Licht nicht erlöschen lassen! Wir brauchen Christenmenschen, die bereit sind, ein Zeugnis fĂŒr ihren Herrn zu sein. Ich behaupte nicht, dass das einfach wĂ€re. Aber es ist unbedingt notwendig! Wie finster ist es unter den KirchtĂŒrmen Deutschlands und Europas geworden


Als der Indienmissionar und anglikanische Bischof Lesslie Newbigin nach England in den Ruhestand zurĂŒckkehrte, erschrak er ĂŒber den Fortschritt der SĂ€kularisierung und den Zustand des Christentums in Europa. Er schrieb:

„Ich sehe mich gezwungen anzuerkennen, dass in der Welt von heute die schwierigste missionarische Front die ist, welcher sich die Kirchen im ganzen gesehen so wenig bewusst sind; nĂ€mlich die Grenze zwischen der Welt des biblischen Glaubens und der Welt, deren Werte und Überzeugungen unablĂ€ssig auf dem Fernsehschirm in die HĂ€user eingespeist werden…. England ist eine heidnische Gesellschaft, und die Entwicklung einer wirklich missionarischen Begegnung mit dieser harten Form des Heidentums ist die grĂ¶ĂŸte intellektuelle und praktische Herausforderung, der sich die Kirche zu stellen hat.“ Dasselbe gilt fĂŒr Deutschland und den Rest Europas!

Wir haben fĂŒr unsere Zeit einen Auftrag. Die Zeit der Kirche ist zu Recht die Zeit der Mission genannt worden. Jesus sendet seine Nachfolger als seine Zeugen „bis an das Ende der Erde“ (Apg 1,8). Das Wort, das hier fĂŒr „Ende“ der Erde benutzt wird, wird auch fĂŒr das Ende der Zeit in der Bibel gebraucht. Das Ende der Erde im rĂ€umlichen Sinn korrespondiert zu dem Ende der uns verliehenen Zeit, zu der Zeit, die wir haben, die frohe und froh machende Botschaft weiterzusagen. Analog zu dem Fall, wie „Welt“ in der Bibel verwendet wird, bedeutet in der Sprache der Bibel auch „Zeit“, die „Zeit, die die Welt besteht“. Darum heißt es auch vom Ende der Zeit in Mk 13,8: 
 das Evangelium muss zuvor gepredigt werden unter allen Völkern.

Der Grund, warum Jesus noch nicht in diese Welt als Richter, Retter und Herrscher wiedergekehrt ist, ist der, dass wir mit der Aufgabe fĂŒr die Zeit, ihn vor aller Welt zu bezeugen, noch nicht am Ziel sind. Petrus schreibt in 2Petr 3,9: Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige fĂŒr eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde. Das bedeutet, dass wir in dieser Zeit, die durchaus als verlorene Zeit verstanden werden kann, doch immer noch in der Gnadenzeit leben. Die Gnade Gottes, seine Zuwendung, kann uns zur Errettung oder zum Gericht werden. Wie alles andere, was Gott uns gibt und tut, kann es zum Segen oder zum Fluch werden. Die große Frage, die sich bezĂŒglich unserer Zeit stellt, ist, inwiefern wir Rechenschaft fĂŒr verlorene Zeit ablegen werden mĂŒssen.

Gott hat uns Pfunde anvertraut – was haben wir damit gemacht? Haben wir in seinem Sinne damit gewuchert, sie unbenutzt gelassen oder gar vergeudet und verschwendet? Warum liegt die Kirche Jesu Christi so danieder bei uns in Europa, der Wiege des Christentums? Wir befinden uns in einer Zeit der LĂ€uterung der Kirchen. Es gibt nur einen Grund, warum die Christen immer weniger Einfluss in der Gesellschaft haben, und der liegt darin, dass wir das Zeugnis vom Herrn und Heiland nicht hochgehalten haben. Das Stuttgarter Schuldbekenntnis war nur eine Momentaufnahme, wie aus dem Text und seinen guten Absichten leicht zu erkennen ist:

„
wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.

Nun soll in unseren Kirchen ein neuer Anfang gemacht werden. GegrĂŒndet auf die Heilige Schrift, mit ganzem Ernst ausgerichtet auf den alleinigen Herrn der Kirche, gehen sie daran, sich von glaubensfremden EinflĂŒssen zu reinigen und sich selber zu ordnen. Wir hoffen auf den Gott der Gnade und Barmherzigkeit, dass er unsere Kirchen als sein Werkzeug brauchen und ihnen Vollmacht geben wird, sein Wort zu verkĂŒndigen und seinem Willen Gehorsam zu schaffen bei uns selbst und bei unserem ganzen Volk.“

Und was ist daraus geworden?

Den Wenigsten ist bekannt, dass das „Stuttgarter „Schuldbekenntnis“ an sich kein Bekenntnis ist, sondern eine ErklĂ€rung, und dass diese nicht freiwillig von der deutschen Kirchenleitung als eigenes Herzensanliege sondern auf Verlangen der internationalen Kirchen zu Protokoll gegeben wurde, weil diese sich sonst nicht im Stande sahen, die deutschen Kirchen in die internationale Gemeinschaft aufzunehmen. Auf diesem Hintergrund lĂ€sst es sich leichter erklĂ€ren, warum die Stuttgarter SchulderklĂ€rung langfristig nichts auszurichten vermochte.

Auf jeden Fall ist unsere Kirche an ihrem Auftrag in unserer Generation gescheitert. Vielleicht kennen Sie das moderne Gleichnis, das an das Gleichnis Jesu vom König, der in ein fernes Land reist, angelehnt ist? WÀhrend das Gleichnis Jesu auf das Volk Israel abzielt, wird hier die Kirche Jesu Christi der Neuzeit ins Visier genommen:

Der Großgrundbesitzer beauftragt seine zahlreichen Mitarbeiter, die Zeit seiner Abwesenheit damit zuzubringen, das ganze Land urbar und fruchtbar zu machen. Zu diesem Zweck ĂŒberlĂ€sst er ihnen auch reichlich Mittel. Wie im Gleichnis Jesu kommt es zu einer Verzögerung der RĂŒckkehr des Besitzers.

Nach vielen Jahren Abwesenheit muss der Besitzer feststellen, dass außer der Parkanlage, die wie gebĂŒrstet und gestriegelt dastand, nur die nĂ€chstliegenden Äcker und einige weit entfernt gelegenen Rodungen ĂŒberhaupt bewirtschaftet worden waren. Keine MĂŒhe wurde gescheut, und viel Aufwand wurde getrieben, um den Stammsitz in Schuss zu halten. Allerdings trugen die Äcker kaum Frucht, da seine Mitarbeiter Monokultur betrieben hatten. So viel KunstdĂŒnger ist ausgetragen worden, dass das Land zu einer WĂŒste zu werden drohte. Seine EnttĂ€uschung war groß – nicht weil seine Mitarbeiter unbedingt faul gewesen wĂ€ren, die hatten schon gearbeitet, sich dabei aber gegenseitig mehr behindert als geholfen. Kaum hatte der eine gesĂ€t, da pflĂŒgte der nĂ€chste schon um. Jeder hat es besser gewusst als der andere. Statt die Methoden derer, die bei den einzelnen Rodungen in der Ferne beachtliche Erfolge erfahren hatten, auf den nahe gelegenen Feldern anzuwenden, hat man sie ignoriert und keine Lehre daraus gezogen, geschweige denn ein Praktikum dort gemacht oder darum gebeten, dass jene Anleitung gĂ€ben fĂŒr die Arbeit in der Heimat. Sie hatten stattdessen ihren Wohlstand so gut wie möglich verwaltet und den Status Quo mit leichten Verschiebungen bewahrt.

Wir sind so damit beschĂ€ftigt, unseren Wohlstand zu verwalten, und sind so verstrickt in den NebenschauplĂ€tzen des kirchlichen Handelns, dass wir in höchster Gefahr sind, unseren Auftrag zu vernachlĂ€ssigen. An Stelle des Evangeliums von Jesus Christus werden kunstvolle Reden gehalten, die niemandem helfen. Wir haben allen Grund, dankbar dafĂŒr zu sein, dass unser Herr noch Geduld mit uns hat, und dass wir heute noch in der Gnadenzeit leben! Kaufen wir die Zeit aus, dass sie nicht zu verlorener Zeit wird!

III) Verheißen – von der Zeit zur Ewigkeit

In Eph 5,16 ermahnt der Apostel Paulus die Gemeinde: und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Ich wiederhole: Wo wir die Zeit nicht auskaufen, schafft die Zeit gegen uns. Gott gibt uns mit seinem ewigen Reich eine Perspektive, die ĂŒber die Zeit mit ihren ZwĂ€ngen hinausweist. Im Reich Gottes werden wir nicht mehr Sklaven der Zeit sein! Dort, wo wir das Ziel erreicht haben werden und den Sieg erlangt, dort wird auch unser Streben nach GlĂŒck und ErfĂŒllung ein Ende haben – es wird erfĂŒllt!

Am Ende des ersten Teils haben wir es von der besonderen Gnadenzeit der Kirche gehabt, von der Endzeit, die mit dem Kommen Jesu Christi beginnt und mit seiner Wiederkunft endet. Im Advent sangen wir: Seht, die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde
 Und den Text aus Gal 4,4f wurde uns ins GedĂ€chtnis gerufen: „Als aber die Zeit erfĂŒllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen.“ Als die Zeit erfĂŒllt war
 Es gab eine besondere Zeit, eine angenehme Zeit, eine opportune Zeit, einen Kairos, zu dem Gott die Gunst der Stunde nutzte, um durch das Heilswerk Jesu die neue Zeit, die Endzeit einzulĂ€uten, sie verheißend vorwegzunehmen. Wir dĂŒrfen wissen, dass die Zeit bereits erfĂŒllt ist. Gott ist in Jesus Christus zu uns gekommen, um in unserer Mitte zu wohnen und bereitet jetzt schon eine StĂ€tte fĂŒr uns, damit wir bei Ihm sein können (Joh 14). Gibt es einen trostreicheren Gedanken? Hierher gehört auch die Verheißung, von der ich eingangs sprach: Zusammen mit seinem Auftrag, die Völker zu seinen JĂŒngern zu machen, hat Jesus verheißen „und siehe ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende!“ (Mt 28,20). Die Gemeinschaft mit Ihm, die mit unserer Gotteskindschaft begann, heute im Heiligen Geist besteht, wird am Ende der Zeit Vollendung finden!

Die Zeichen der Zeit erkennen.

Jesus hielt seine JĂŒnger an, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Was sind die Zeichen der Zeit fĂŒr uns? Ich will den heute noch stattfindenden Seminaren nicht vorgreifen. Ich will nur fragen: Ist es nicht jetzt Zeit zu begreifen, dass Gottes Liebe uns zur Umkehr treibt (Röm 2,4)? Die ganze Problematik mit unserem demographischen Wandel, mit der notwendigen Zuwanderung im großen Stil, mit der FlĂŒchtlingsnot weltweit und den bei uns Asyl Suchenden macht uns große Not. Die daraus erwachsenden Probleme der „Clash of Cultures“ (Zusammenprall der Kulturen) und des gesellschaftlichen Friedens werden uns immer mehr beschĂ€ftigen. FlĂŒchtlinge und Zuwanderer sind nicht das Problem an sich, sondern der missionarische und dschihadistische Eifer mancher Muslime, die unsere Gesellschaft zuerst „islamkompatibel“ und dann „islamkonform“ machen wollen. Dabei verbieten sie sich jedwede Form der Missionierung unter Muslimen. Das ist freilich auch der Grund, warum unter 2% aller christlichen Missionare in der islamischen Welt tĂ€tig sind. Und das, obwohl der Anteil der Muslime an der Weltbevölkerung 25% betrĂ€gt und an der nicht christlichen Weltbevölkerung sogar 50%. Der „Apostel fĂŒr die islamische Welt“, Samuel Zwemer (1867–1952), hat schon laut darĂŒber nachgedacht, ob die Christenheit meine, der Mission- und Taufbefehl gelte nicht im Blick auf die Muslime…

Wenn unsere Zeit diesbezĂŒglich ein besonderes Merkmal hat, dann ist es dies: Nie zuvor in der Geschichte haben so viele Muslime inmitten einer freiheitlich geprĂ€gten, demokratischen Gesellschaft gelebt. Nie zuvor gab es die Chance fĂŒr so viele Muslime, sich Jesus Christus zuzuwenden, ohne begrĂŒndete Angst vor Repressalien – auch durch den Staat – haben zu mĂŒssen! Nehmen wir die Muslime bei uns nur als Bedrohung, oder auch als Chance wahr?

Martin Luther sagte in Reaktion darauf, als die TĂŒrken das erste Mal vor Wien standen: „Die TĂŒrken sind Gottes Rute und ihre Bedrohung Ausdruck des Zornes Gottes.“ Nun ist aber Gericht auch immer Gnade, wo es auf Einsicht trifft und die Herzen auf Gott richten kann
 Wie schon angedeutet, glaube ich, dass diese Rute Gottes uns zum Segen werden kann. Auch jetzt scheint die Zeit reif zu sein fĂŒr den besonderen Einbruch des Ewigen in die Zeit. Es könnte eine historische Stunde in der Geschichte der Mission unter Muslimen werden. Anders als bei der angestammten deutschen Bevölkerung ist eine Offenheit fĂŒr das Evangelium unter Muslimen da! Werden wir die Muslime unter uns als Chance und Geschenk Gottes begreifen, oder sie nur als Bedrohung wahrnehmen? Das Gericht ĂŒber das ehemals christliche Abendland ist in vollem Gange. Wird dies uns zum Segen, oder zum Fluch gereichen?

Ich komme zu Leslie Newbigin zurĂŒck. Er sagt an anderer Stelle ĂŒber die Notwendigkeit der Mission:

“Wenn das Evangelium nur ein Zugang zum VerstĂ€ndnis von Religion ist, die fĂŒr mich etwas bedeutet, mir hilft und Wohlbefinden vermittelt, dann habe ich eigentlich kein Recht, mich in die jeweils eigene Glaubensauffassung anderer Menschen einzumischen, die auf jeweils ihrem Weg einen Frieden und eine Sicherheit anstreben, wie es sich die Menschen ersehnen. Aber das Evangelium ist die Wahrheit und deshalb wahr fĂŒr alle Menschen: Es ist die EnthĂŒllung des Angesichts dessen, der alles erschaffen hat, von dem jeder Mensch abstammt und zu dem schlussendlich jeder Mensch kommen muss. Es offenbart den Sinn menschlicher Geschichte, den Ursprung und die Bestimmung der Menschheit. Jesus ist nicht nur mein persönlicher Erlöser, er ist Herr ĂŒber alles, die Ursache und der Eckstein des Universums. Wenn ich dies glaube, ist hiervon Zeugnis abzulegen der wirkliche Grund meiner ganzen Existenz. Wenn ich denke, ich kann es fĂŒr mich behalten, dann glaube ich eigentlich nicht wirklich. Die Weltmission ist daher nicht etwas ZusĂ€tzliches, sondern der eigentliche PrĂŒfstein, ob die Kirche auch wirklich an das Evangelium glaubt.”

Was heißt das fĂŒr uns?

Keiner scheint ein Rezept zu haben, wie die AktualitĂ€t des Evangeliums den Menschen unserer Tage ĂŒberzeugend nĂ€her gebracht werden könnte. Wenn es eins gibt, dann wird es garantiert damit beginnen, dass unser Lebensstil als Christen sich von anderen erkennbar unterscheiden wird. Es muss erkennbar werden, dass wir von der Vergebung Jesu leben und so zu einem neuen Leben befreit sind. Der Lehrtext am heutigen TurmTreff-Tag lautet: Wenn euch der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei. Johannes 8,36. Um es mit dem geistigen Vater der meisten heutigen Agnostiker und Atheisten Friedrich Nietzsche zu sagen: Wenn an der Erlösung etwas dran ist, mĂŒssen wir fĂŒr unsere Mitmenschen erlöster wirken. Nur so könnten wir die zurĂŒckgewinnen, die sich vom christlichen Glauben verabschiedet haben. Die Kraft Gottes im neuen Leben durch seinen Geist muss doch spĂŒrbar werden! Paulus schreibt in 1Kor 1,18: Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft. Lasst uns um diese Gotteskraft fĂŒr unsere Aufgabe im Bezeugen von Jesus Christus vor den Menschen unserer Zeit beten!

Aber fangen wir mit dem Missionsbedarf in Deutschland bei den Menschen an, die immer mehr zu uns ins Land kommen: die Menschen muslimischen Glaubens. Kaufen wir hier die Zeit aus? Die Mission unter Muslimen in Deutschland steckt immer noch in den Kinderschuhen, obwohl die erste Moschee Deutschlands schon 1925 eröffnet wurde und seit Anfang der sechziger Jahre ein ungebrochener Strom von Muslimen als Zuwanderer und Asylanten zu uns kommt.

Rolf Scheffbuch sagte uns 1984 im Schorndorfer Kirchenbezikstreffen der Pfarrer, es seien 550.000 Muslime in Deutschland und kein einziger deutscher Missionar, der vollzeitlich versucht, sie zu erreichen 
 Es gab einige wenige auslĂ€ndische Missionare, in der Hauptsache Skandinavier, aber wenig UnterstĂŒtzung dafĂŒr aus christlichen Kreisen im Lande. Heute gibt es an die 5.000.000 Muslime in Deutschland, Menschen, die Gott zu uns geschickt hat – vielleicht weil sie in ihren eigenen LĂ€ndern so schwer von Jesus erfahren und nach dem Gesetz nicht konvertieren dĂŒrfen?

Ich trĂ€ume von einer Kirche, die in die Offensive geht und Evangelisten ausbilden lĂ€sst und einstellt, um solche Menschen fĂŒr Jesus Christus zu gewinnen. Wenn die Kirche das nicht von sich aus tut, mĂŒssen wir es selbst in die Hand nehmen! Wenn es die einzelne Gemeinde oder Gemeinschaft nicht stemmen kann, dann auf der Ebene der Gemeinschaftsbezirke oder Kirchenbezirke! Die Liebenzeller und SĂŒddeutschen gehen mit gutem Beispiel voran mit Projekten in und um Stuttgart und Heilbronn, aber das ist noch ein Tropfen auf dem heißen Stein! Fordern Sie doch Hilfe von den Liebenzellern oder der AuslĂ€nderseelsorge oder dem Orientdienst an! Ich trĂ€ume davon, dass Gemeinden und Gemeinschaften einen Missionar fĂŒr ihr Gebiet anfordern mit der Zusage der KostenĂŒbernahme und der UnterstĂŒtzung – auch durch ehrenamtliche Mitarbeiter
 Das soll kein Ersatz fĂŒr den eigenen missionarischen Auftrag sein, im Gegenteil! Es könnte helfen, dass Gemeindeglieder sich in diese wichtige Arbeit mit einbinden lassen. Mit der GrĂŒndung von EIMI (EuropĂ€isches Institut fĂŒr Migration und Integration) an der AWM (Akademie fĂŒr Weltmission) in Korntal haben wir eine wichtige Ressource fĂŒr diesen Auftrag bekommen.

Wie wĂ€re es, wenn wir die sonst fĂŒr so beklemmend wahrgenommene Situation mit der Islamisierung Europas als Chance und als Geschenk Gottes sehen wĂŒrden? Warum das nicht als von Gott gestellte Aufgabe sehen? Alles Gut-Reden hilft nichts. Wir mĂŒssen der Wahrheit ins Auge sehen. Der Einfluss, den der Islam als Religion in Europa hat, steigt stetig, und wir sind erst am Anfang dieser Entwicklung. Die Politik kann dies leugnen, so viel sie will, der BĂŒrger nimmt es wahr, weil es sich nicht verbergen lĂ€sst. Die Politik muss es aus eigener Sicht leugnen, weil sie keine Möglichkeiten sieht, etwas daran zu Ă€ndern. Wir aber dĂŒrfen mit Gott und seiner Macht rechnen! Wir haben eine ganz andere Perspektive auf die Situation! Die Zeichen der Zeit 2015 in der Bundesrepublik Deutschland weisen uns auf die wichtige Aufgabe, die wir in der Mission vor unserer eigenen HaustĂŒr haben. Ich bin ĂŒberzeugt, dass das Zeitfenster, das wir fĂŒr die Missionsarbeit unter Muslimen hier in Europa haben, sehr knapp bemessen ist. Schon in wenigen Jahren rechne ich mit Klagen der islamischen VerbĂ€nde gegen Missionsarbeit unter Muslimen. Ob wir noch zehn Jahre haben? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass wir die Zeit auskaufen mĂŒssen, und darum halten wir das Thema Islam in regelmĂ€ĂŸigen Lehrveranstaltungen im ABH unter unseren Studierenden und Freunden wach.

Einen Vorteil hat die Erstarkung der islamischen PrĂ€senz in Deutschland trotzdem schon mit sich gebracht: Christus ist wieder ein Thema in der Theologie geworden. Die Kirchen haben sich angesichts des Islam auf das ihnen Ureigene zurĂŒckbesinnen mĂŒssen. Ich bin ĂŒberzeugt, dass, je nĂ€her unsere Theologen in TuchfĂŒhlung mit den islamischen Überzeugungen kommen, desto klarer ihr Blick fĂŒr das wird, was den christlichen Glauben ausmacht – sofern sie nicht der antichristlichen Propaganda des Islams erliegen. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Glaube als solches wieder „hoffĂ€hig“ geworden ist. Muslime bekennen ihren Glauben ohne Scheu in allen Medien, auf der Straße, am Arbeitsplatz, in den Schulen. Zögerlich, aber doch erkennbar kommen Christen aus ihren Verstecken und wagen es, ĂŒber Glaubensthemen in der Öffentlichkeit zu reden. Das haben wir den Muslimen zu danken! Wir können nur hoffen und beten, dass der Bekennermut der Christen weiter zunimmt! Letztlich ist die starke islamische PrĂ€senz bei uns im ehemals christlichen Abendland ein Weckruf, uns auf unsere Wurzeln zu besinnen und die Gelegenheit zu ergreifen, ihnen die frohe Botschaft von Jesus Christus darzulegen und nahe zu bringen. Hier in Europa können wir (noch) frei unseren Glauben bekennen und bezeugen – auch Muslimen gegenĂŒber. Hier können Muslime sich bekehren und zu Jesus Christus als Herrn und Retter bekennen wie Thomas es seinerzeit tat: „Mein Herr und mein Gott!“ – ohne dass sie von offizieller Seite dafĂŒr bedroht oder belangt werden können. Ich glaube, dass dies eine historische Chance ist, eine Chance die nicht verstreichen darf. Es ist das Gebot der Stunde, es ist die einmalige Gelegenheit unserer Zeit. Ich glaube, dass jetzt ein Kairos dazu da ist. Nie zuvor haben so viele Menschen in der arabischen Welt Interesse am Evangelium gezeigt. Große Scharen kommen zum Glauben an Jesus Christus durch Internet, Radio und Satellitenfernsehen. Es könnte dazu kommen, dass solche Menschen zu Missionaren fĂŒr ihr eigenes Volk werden. Die strengglĂ€ubigen Muslime haben so davor Angst, dass sie den Sender Al-Hayat haben sperren lassen. Die Zeit ist reif wie nie zuvor fĂŒr am Islam enttĂ€uschte Menschen, zum Glauben an Jesus Christus zu finden. Hier heißt es carpe diem! Gerade auch bei uns in Deutschland und Europa. Ergreife den Tag! Ich kann mir das nicht anders vorstellen, als dass, wenn wir diese historische Chance verstreichen lassen, die Gnadenzeit zu verlorener Zeit und die Chance zum VerhĂ€ngnis fĂŒr uns wird


Bei allem gilt es in erster Linie auf Gottes Verheißungen zu schauen! Gottes Verheißungen gelten fĂŒr sein Volk und fĂŒr sein Reich. Wie viele Verheißungen hat er uns doch gegeben! Ich glaube fest daran, dass die Prophezeiung Gottes an das darniederliegende Volk Jerusalems auch uns in unserer Zeit gehört: Jer 29,11: Denn ich weiß wohl, was ich fĂŒr Gedanken ĂŒber euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet. Die Zeit zielt auf das Ende, sein Ziel. „Thelos“ ist im Griechischen beides – nicht das unheilvolle, abrupte, jĂ€he Ende, sondern das Ende eines Weges im Sinne vom Ziel, das auf diesem Weg erreicht wird.

Selbst die ZĂŒchtigungen Gottes sollen Segen und Frucht bringen. Es kommt nur darauf an, dass wir auf allen unseren Wegen Einsicht in seine FĂŒhrungen zeigen und uns seinen Gerichten fĂŒgen. In Hebr 12,11 heißt es: Jede ZĂŒchtigung aber, wenn sie da ist, scheint uns nicht Freude, sondern Leid zu sein; danach aber bringt sie als Frucht denen, die dadurch geĂŒbt sind, Frieden und Gerechtigkeit. Und darĂŒber hinaus gilt: Röm 8,18: Denn ich bin ĂŒberzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenĂŒber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

Nutzen wir doch die Zeit als verheißene Zeit aus! Fassen wir Mut, uns unerschrocken zum Herrn der Geschichte und der Welt im Alltag zu bekennen! Er selbst hat versprochen, bis zum Ende bei uns zu bleiben im ErfĂŒllen seines Auftrags! Dem Profilschwund der GlĂ€ubigen in der Gesellschaft mĂŒssen wir ein Ende setzen. Es ist Zeit zum Aufstehen!

[1] http://www.t-online.de/eltern/jugendliche/id_69907188/computerspiele-jugendliche-verdaddeln-taeglich-eineinhalb-stunden.html

[2] http://www.bitkom.org/de/markt_statistik/77045_79666.aspx

[3] http://winfuture.de/news,77456.html

[4] Becker, Julia. Ältere Menschen und Computerspiele: Eine Untersuchung der Gruppen Ă€lterer Computerspieler und Ă€lterer Nichtspieler und deren Vergleich hinsichtlich verschiedener Beschreibungsmerkmale sowie Motivationen und Einstellungen zu Computerspielen. diplom.de, 2008.

Die Herausforderung des Neuanfangs

Die Herausforderung des neuen Lebens

In dieser Vorweihnachtszeit werden unsere Gedanken auf den Neuanfang gelenkt, den Gott mit dieser Welt in Christus gemacht hat. Was fĂŒr ein Paukenschlag! Die himmlischen Heerscharen verkĂŒnden es nicht in den Machtzentren der Welt, sondern den Hirten auf dem Felde: die Menschheit bekommt eine neue Chance. Der Messias, der FriedefĂŒrst liegt in der Futterkrippe, in schlichten Windeln gewickelt. Noch hatte er keine Macht. Diese wird er ein Leben lang nicht ausĂŒben. Erst durch seine Erhöhung am Kreuz und die Aufnahme zur Rechten des Vaters geht die verheißene Macht an ihn ĂŒber. Ein Neuanfang in der Erniedrigung. Ein Neuanfang, dem geglaubt werden muss. WĂ€hrend der ganzen Zeit seines Dienens an der Menschheit bis zu seinem Tod und seiner Auferstehung bleibt es auch fĂŒr die JĂŒnger Jesu eine offene Frage, wer dieser Mensch ist! Weil Jesus diesen Weg der Erniedrigung in Treue und Gehorsam gegangen ist, hat Gott erhöht und ihm den Namen gegeben, der ĂŒber jedem Namen ist (Phil 2,5-11) und somit einen neuen Bund, eine neue Ordnung geschaffen, in der Menschen mit ihrem Schöpfer durch Christi SĂŒhnetod versöhnt werden können. Durch die Wiedergeburt von oben her, in der der Geist Gottes selbst den Menschen beseelt, werden Schöpfer und Geschöpf wieder vereint.

Als ich diese Zeilen schreibe ist die Tageslosung: „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, bestĂ€ndigen Geist.“ (Ps 51,12) der Prophet Hesekiel fĂŒhrt den gleichen Gedanken noch ausfĂŒhrlicher aus: „Werft von euch alle eure Übertretungen, die ihr begangen habt, und macht euch ein neues Herz und einen neuen Geist. Denn warum wollt ihr sterben, ihr vom Haus Israel?“ (Hes 18,31); „Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.“ (Hes 36,26)

Der grĂ¶ĂŸte Neuanfang ist die Wiedergeburt, in der ein neues Leben beginnt. Die schönste Herausforderung ĂŒberhaupt ist das neue Leben in Christus. Diesem Anfang wohnt wahrhaft ein Zauber inne
 Sie kennen sicher die Worte Hermann Hesses: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Damit will er sagen: Mit jedem Neuanfang gibt es neue Chancen und Möglichkeiten, teilweise aufregende Aussichten, Neugierde und gespannt Sein auf Überraschungen. Vor allem wenn wir aus Unzufriedenheit mit einer Situation bewusst VerĂ€nderung suchen, teilen wir die „verzweifelt-optimistische“ Sicht des Dichters, der diesen Spruch in seinem Gedicht „Stufen“ verewigt hat. Dass es bei seinem Leben immer wieder eine „Flucht nach vorne“ war, deutet er in der letzten Zeile selbigen Gedichts an: „Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“ Die „Flucht nach vorne“ hat aber grundsĂ€tzlich ein Problem: wir nehmen uns selber ĂŒberall mit. Einen wirklichen Neuanfang gibt es nur dort, wo das alte vergeht und ein neues entsteht. 2.Kor 5,17 schreibt Paulus „Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ Das ist möglich, weil Gott uns um Christi willen die Schuld vergibt. Das neue Leben gibt es nur, wo vergeben wird! So können wir einen echten Neuanfang machen.

In unserer sich so rasant verĂ€ndernden Welt gilt eher ein anderer Spruch: „Aller Anfang ist schwer“, sagt der Volksmund. Diese Volksweisheit beruht auf Erfahrungswerten aus Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte. Auch wir haben unsere persönlichen Erfahrungen mit NeuanfĂ€ngen gemacht: Wissen Sie noch, was das fĂŒr eine Anspannung im Bauch war, vielleicht sogar mit TrĂ€nen verbunden, als sie von ihrer Mutter in den Kindergarten gebracht wurden? Wie war das dann am ersten Schultag? Oder nach einem Schulwechsel in eine neue Schule? Wie sah es aus im ersten Monat ihres Berufslebens? War das alles eitel Sonnenschein? Oder wurden ihnen ihre Grenzen auch bewusst – bzw. deutlich gemacht von Kolleginnen und Kollegen oder dem Chef? Selbst bei wunderschönen NeuanfĂ€ngen, wie beim Leben zu zweit nach der Eheschließung, gibt es so manch einen Stolperstein auf dem Weg. Auch hier bleiben Probleme und Konflikte nicht aus. Bei einem Arbeitsplatzwechsel, bei einem Umzug, wenn das erste Kind geboren wird, wenn das letzte Kind das Haus verlĂ€sst, wenn der Abschied aus dem Berufsleben und der Anfang des Ruhestandes erreicht wird oder einen ĂŒberrollt, ĂŒberall mĂŒssen wir uns umstellen lernen, ĂŒberall mĂŒssen wir uns der Situation neu anpassen.

Der britische Psychotherapeut und bekennende Christ Gaius Davies macht in seinem hervorragenden Werk „Stress“ darauf aufmerksam, dass solche NeuanfĂ€nge unheimlich viel Stresspotenzial in sich bergen. Gerade Missionare erleben unheimlich viele NeuanfĂ€nge der ganz besonderen Art durch ihre Berufung zum Dienst in der Mission. Allein das abhĂ€ngig Sein von einem Spenderkreis ist eine völlig neue Erfahrung, die fĂŒr viele schwer zu bewĂ€ltigen ist. Hat einer frĂŒher im Beruf sein Gehalt verdient, so ist er als Missionar auf das Wohlwollen der Geschwister in der Heimat angewiesen. Noch schwieriger ist die Umstellung auf ein neues Lebensumfeld. Meistens mĂŒssen Missionare mindestens eine neue Sprache lernen – manchmal mehrere. Das bedeutet nichts anderes, als mit jeder neuen Sprache eine ganz neue Denkweise sich anzueignen. Dazu kommt die Notwendigkeit, eine neue Kultur zu erlernen. Das bedeutet wiederum nicht weniger als das Leben neu zu lernen! Selbst bei einheimischen Missionaren, die diese beiden letztgenannten NeuanfĂ€nge nicht durchmachen mĂŒssen, gibt es grundsĂ€tzlich eine ganz andere Offenheit fĂŒr VerĂ€nderung in der Lebensgestaltung, weil das Leben als Missionar selten in gleichem Maße planbar ist wie ein normales Berufsleben.

Wie gut, dass Missionare keine Chance haben, ihre so wichtige und gleichzeitig so schwierige Aufgabe zu erfĂŒllen, wenn sie es nicht in der AbhĂ€ngigkeit von Gottes Wort und Gottes Geist wagen. Gott hat sich nĂ€mlich auf NeuanfĂ€nge spezialisiert. Die Treulosigkeit und Ungehorsam der Menschen von Anfang an im Paradies und ĂŒber die Jahrtausende der Geschichte seither hinweg hat Gott immer wieder von neuem dazu veranlasst, Möglichkeiten des Neuanfangs fĂŒr uns zu schaffen. Adam und Eva bekommen einen Neuanfang jenseits von Eden. Der Brudermörder Kain bekommt einen Neuanfang als beschĂŒtzten, markierten Mann jenseits seiner Familie und Verwandtschaft in einer neuen Umgebung und neuen Kultur. Die Menschheit bekommt einen Neuanfang durch Noah und seine Familie jenseits der Sintflut in einer angepassten Schöpfungsordnung. Dasselbe gilt auch fĂŒr Abraham, durch dessen Neuanfang in Kanaan der Same gesĂ€t wird fĂŒr den Segen, der im Neuanfang durch Jesus Christus der ganzen Welt geboten wird. Durch sein Leben und Wirken, durch sein stellvertretendes Leiden und Sterben, durch seinen Tod und seine Auferstehung mitsamt der Gabe seines Heiligen Geistes gibt es dann auch die NeuanfĂ€nge des Lebens im Heiligen Geist, der GrĂŒndung der Gemeinden, der Entstehung der Kirchen und – last, but not least – gibt es den Klimax aller NeuanfĂ€nge: das neue Jerusalem, einen neuen Himmel und eine neue Erde: „Siehe, ich mache alles neu“ (Offb 21,5). Bis dahin habe wir aber vermutlich einige Herausforderungen durch NeuanfĂ€nge zu bewĂ€ltigen!

Die Herausforderung durch die SĂ€kularisierung

Die Neuzeit stellt den Anspruch, allein durch den menschlichen Geist den neuen Menschen zu schaffen. Das gilt fĂŒr die AufklĂ€rung, fĂŒr den Sozialismus und Kommunismus, fĂŒr die Moderne und fĂŒr die Postmoderne. Dass eine EnttĂ€uschung ĂŒber die Kirchen und ihre Christen dabei eine Rolle gespielt hat, liegt auf der Hand. Wie Friedrich Nietzsche, der den Satz „Gott ist tot“ geprĂ€gt hat, es in versteckter, aber umso beißender Kritik an die Christen sagte: „Bessere Lieder mĂŒĂŸten sie mir singen, daß ich an ihren Erlöser glauben lerne: erlöster mĂŒĂŸten mir seine JĂŒnger aussehen!“ [Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: Zweiter Teil. Also sprach Zarathustra. Bd. 2, S. 350) (c) C. Hanser Verlag] Um es wieder mit Worten Hermann Hesses zu sagen, Jesus idt nur noch „Bruder“:

Jesus und die Armen

Aus: Hermann Hesse, Die Gedichte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995 (1953). Seite 587. 

Du bist gestorben, lieber Bruder Christ,
Wo aber sind die, fĂŒr die du gestorben bist?

Du bist gestorben fĂŒr aller SĂŒnder Not,
Aus deinem Leibe ward das heilige Brot,
Das essen sonntags die Priester und die Gerechten,
An deren TĂŒren wir Hungrigen fechten.

Wir essen dein Brot der Vergebung nicht,
Das der fette Priester den Satten bricht;
Dann gehn sie, verdienen Geld, fĂŒhren Krieg und morden;
Keiner ist durch dich selig geworden.

Wir Armen, wir gehen auf deinen Wegen
Dem Elend, der Schande, dem Kreuz entgegen,
Die andern gehen vom heiligen Nachtmahl heim
Und laden den Priester zu Braten und Kuchen ein.

Bruder Christ, du hast vergebens gelitten –
Gib du den Satten, um was sie dich bitten!
Wir Hungrigen wollen nichts von dir, Christ;
Wir lieben dich bloß, weil du unser einer bist.

Die Herausforderung durch die SĂ€kularisierung lautet: der christliche Glaube muss sich unter Beweis stellen. Nur dort, wo der gelebte christliche einen Unterschied macht, wird er respektiert und geachtet. Wir mĂŒssen uns an der eigenen Nase packen und fragen, warum unser christliches Zeugnis so wenig angenommen wird. Wir haben einen missionarischen Auftrag, eine Verantwortung den Menschen gegenĂŒber, in deren Mitte wir leben. Wenn unser Leben als Christen nicht einladend ist, wird die Einladung auch nicht angenommen werden. Das ist eine Herausforderung an uns in unserer eigenen Gesellschaft. Dazu erwĂ€chst uns aber eine weitere Herausforderung, die von außerhalb unseres Kulturkreises auf uns zukommt:

Die Herausforderung durch den demographischen Wandel

Wie schon im Jahr 2007 durch das Statistische Bundesamt veröffentlicht wurde, bewegen wir uns in Deutschland rapide auf eine muslimische Mehrheit zu. Diese soll laut statistischer Berechnung des Amtes im Jahre 2052 zustande kommen. Freilich kann auch ein statistisches Bundesamt nicht in die Zukunft schauen, aber alle Daten die wir im Blick auf Geburtsrate, Sterblichkeit, Zuwanderung und Auswanderung haben, lassen nur diesen Schluss zu: weil die angestammte deutsche Bevölkerung zu wenig Kinder in die Welt setzt (jede Generation halbiert sich) brauchen wir dringend Einwanderer, die aus gegenwĂ€rtiger Sicht nur aus der islamischen Welt, vornehmlich Nordafrika, Nahost und der TĂŒrkei, kommen können.

Das bedeutet eine weitere ungeheure missionarische Möglichkeit und Verantwortung, fĂŒr die wir noch weniger gerĂŒstet sind als fĂŒr die Herausforderung in unserer eigenen Gesellschaft durch die SĂ€kularisierung und Entchristianisierung!

Die Hoffnung, die wir als Christen haben

Diese Herausforderungen können einen schier erdrĂŒcken. Wie gut, dass wir nicht diese Last auf unseren Schultern tragen mĂŒssen! Der, der uns einlĂ€dt, sein Joch auf uns zu nehmen, sagt davon, dass es ein sanftes Joch ist und dessen Last leicht. Warum ist das so? Weil er selbst neben uns im Joch steht und die Hauptlast trĂ€gt. Es geht nur darum, dass wir an seiner Seite bleiben, seinem Wink folgen, seinen Willen tun. Da wird er uns schon zu seinem Ziel hinfĂŒhren. Das ist unser Trost und unserer Hoffnung: Er selbst wird alles neu machen und er, der Herr der Geschichte, hat den Sieg bereits errungen. Durch alle wĂŒrden der Zeit hindurch, bei allen StĂŒrmen, die sich zusammen zu brauen scheinen heißt es: Joh 16,33 „Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt ĂŒberwunden.“ Er, unser Herr, hat die Herausforderung des Neuanfangs nicht gescheut, ist Mensch geworden, um uns den Neuanfang zu ermöglichen. Davon bezeugt Paulus (Phil 1,6) „und ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“

(erschien in dem Newsletter des Missionsbundes Licht im Osten zu Weihnachten 2012)

Clarification on the Misnomer „State Church of Germany“

In Germany the separation of church and state began in 1849 and was completed in 1919. The term „State Church“ is a misnomer. Some theologians not so well versed in English still refer to the Landeskirche as „State Church“ ignoring the political connotation and the geographical reference implied in the name. The Term „Staatskirche“ is no longer in use. Compound words such as Staatskircherecht or Staatskirchenvertrag relate only to the juxtaposition of the two in their legal aspects.

The term Landeskirche is better translated „Regional Church“ or „Provincial Church“ since the boundaries of these independent entities traditionally follow regional or provincial borders. Whereas the English word „State“ can be used for both „Staat“ (State in the sense of an independent State or Nation) and „Land“ (State in the sense of „Bundesstaat“/Province/State in a federation of States), the usage of „Landeskirche“ refers only to the provincial aspect.

The Term  „Peoples Church“ („Volkskirche“) refers to the sum of all provincial/regional Churches including the roman catholic church, which was reduced to a regional church after the reformation and only recently is it present in most areas of the western German States, where it imitates the protestant regional structure as does the protestant the roman catholic in areas with traditional roman catholic rule.†

Granted, there are people – and even functionaries within the regional Churches of Germany – who think of their Church as a privileged „State Church“ and are keen to keep close ties with the government and political parties, but other denominations and religious communities such as the Jehova’s Witnesses have acheived the same „privileged status“ (v. http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.baden-wuerttemberg-zeugen-jehovas-mit-kirchen-gleichgestellt.1f727dcd-4675-4862-adc6-ff399dafe3e0.html.) The German Government is working hard on finding a coalition of Muslims, whom they could grant this same status to, but are having dificulties bringing enough Muslims together with a clear loyalty to the constitutional foundations of the state.

„Separation of Church and State“ is sometimes confused in the German context with the separatist movement within evangelical denominations, which reflects the view that only the „exclusive“ Church, which separates itself from the „world“ can be considered the true Church.  Examples of this separatist standpoint can be found in certain Baptist or congregationalist Churches, which don’t even recognize co-religionsts of other Denominations as truly born-again


The Evangelical Alliance of Germany brings all evangelical elements of all the Churches with no such exclusive claims in a loose fellowship based on mutual respect together.

It is interesting to note that there are easily as many true followers of Christ in the evangelical Lutheran Church of WĂŒrttemberg alone (just one of the some 20 regional Churches of Germany) as there are even nominal Baptists in all of Germany (ca. 82,000). The baptist Churches – as do all other denominations – have their fair share of members who do not actively follow Christ or even participate in Church activities.

The pietist movement within the „Peoples Church“ of Germany has traditionally taken the stand that we need to be salt and light within our own church and should not leave it until we are compelled to by excommunication. That is slowly changing, mostly due to the intransigence of the church leadership in matters relating to liberalization of doctrine (homosexuality, universal grace etc.) and modernization of the liturgy (the latter is often only a petty excuse for other dissatisfaction).

More people come to a living faith in Christ and a life in discipleship in Germany each year in the peoples‘ churches than in all „free churches“ put together – there is just in general an inherent unwillingness on the part of separatists to accept that fact.

The German Evangelical Alliance combines born again followers of Christ from all of the region churches and all other non-heretic protestant denominations in Germany. On this level there is no controversy as to which church a believer must attend.

Within the DEA/GEA the free denominations are keen to have the respectability and acceptance of members of the regional churches in leadership positions within the GEA.

† v. Wikipedia:

In Deutschland besteht kraft Verfassungsrecht (Art. 137 der Weimarer Reichsverfassung) keine Staatskirche. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und des bisherigen Systems von Staatskirchen regelte die Weimarer Nationalversammlung 1919 in der Weimarer Reichsverfassung das VerhĂ€ltnis von Kirchen und Staat neu
 In Deutschland ist das VerhĂ€ltnis von Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften und Staat daher partnerschaftlich. Es gibt Konkordate und andere StaatskirchenvertrĂ€ge. Die weltanschauliche NeutralitĂ€t des Staates, der sich mit keiner Religionsgemeinschaft identifizieren darf, lĂ€sst „gemeinsame Angelegenheiten“ (res mixtae) entstehen. So dĂŒrfen etwa die Gemeinschaften mit „Körperschaftsstatus“ Kirchensteuer (im Falle der jĂŒdischen Gemeinden abweichend Kultussteuer genannt) erheben. In der Praxis wird diese Steuer in den meisten FĂ€llen von den staatlichen Finanzbehörden im Auftrag der Kirchen gegen Kostenersatz eingezogen sowie bei abhĂ€ngig BeschĂ€ftigten als Quellensteuer durch die Arbeitgeber abgefĂŒhrt. (Wikipedia contributors. „Trennung von Kirche und Staat“. Wikipedia. Wikimedia Foundation, Inc., Juli 20, 2012. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Trennung_von_Kirche_und_Staat&oldid=104642647.)