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Israel: Christlich Schulen werden zum Schließen genötigt – Christen in Israel bitten um FĂŒrbitte

AKREF/pm 11.08.2015
Wie Middle East Concern berichtet, hat eine neue Politik im Blick auf Privatschulen in Israel die Existenz dieser in Frage gestellt. Bisherige ZuschĂŒsse vom Staat sind gekĂŒrzt worden, gleichzeitig wurden die SchulgebĂŒhren, die von den Eltern verlangt werden dĂŒrfen, gedeckelt. Mit den verbleibenden Mitteln sei es unmöglich, den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten.
Es gibt 47 christliche Privatschulen in Israel, die vorwiegend von PalĂ€stinenstern und israelischen Arabern besucht werden. Die Vertretung der Christlichen Schulen in Israel hat in einem Pressebericht vom 9.8.2015 die BefĂŒrchtung geĂ€ußert, das die christlichen Schulen zum Schuljahresbeginn nicht werden öffnen können.  Ein GesprĂ€ch mit dem PrĂ€sidenten Reuven Rivlin und dem Kultusminister Naftali Bennet ist fĂŒr Ende August anberaumt. Christen in Israel bitten um FĂŒrbitte, das in dem GesprĂ€ch eine Lösung zum Fortbestehen der Schulen gefunden werden kann.

Die jĂŒdisch-christliche Überlieferung und der Islam

Jesus is eine wichtige Gestalt im Koran

FĂŒr den Koran, den Mohammed in Abschnitten zu verschiedenen Zeiten und AnlĂ€ssen seinen Nachfolgern stets mĂŒndlich vorgetragen hat, steht der Glaube der Muslime in einer ungebrochenen Tradition von Adam ĂŒber Abraham, Mose und die Propheten, inklusive Jesus (Koran Sure 3,84; 4,163. Mohammed ist der letzte Prophet in einer kontinuierlichen Reihe. Der Islam sieht Jesus als zweitwichtigsten Propheten nach Mohammed. Als Überbringer des „Indschil“ (Lehnwort im Arabischen von „Evangelium“) hat er den Willen Allahs den Heiden verkĂŒndet (Koran 2,87.136.253). „Evangelium“ ist fĂŒr Muslime allerdings lediglich die Bezeichnung fĂŒr das „Buch“ Neues Testament, nicht die „Frohbotschaft“ von der Erlösung durch Jesus Christus, wie Christen den Begriff verwenden. Der Koran berichtet davon, dass Jesus Wunder getan hat (3,49; in Anlehnung an das gnostische Thomas-Evangelium auch schon als Kind). Auch davon, dass Jesus „Christus“ (wird als Eigennamen, nicht als Messiastitel verstanden) von der Jungfrau Maria durch ein Wunder Gottes geboren wurde, berichtet der Koran: durch einen göttlichen Schöpfungsakt (19,20 f),  bzw. durch das Einhauchen des Geistes (19,22). Allerdings sieht der Koran ihn nur als einen Propheten, und nicht als Sohn Gottes, der fĂŒr die SĂŒnden der Welt gestorben wĂ€re. So z.B. Koran 4,171f  „ Leute der Schrift! Treibt es in eurer Religion nicht zu weit und sagt gegen Gott nichts aus, als die Wahrheit! Christus Jesus, der Sohn der Maria, ist nur der Gesandte Gottes und sein Wort, das er der Maria entboten hat, und Geist von ihm. Darum glaubt an Gott und seine Gesandten und sagt nicht (von Gott, daß er in einem) drei (sei)! Hört auf (so etwas zu sagen)! Das ist besser fĂŒr euch. Gott ist nur ein einziger Gott. Gepriesen sei er! (Er ist darĂŒber erhaben) ein Kind zu haben. Ihm gehört (vielmehr alles), was im Himmel und auf der Erde ist. Und Gott genĂŒgt als Sachwalter. |172 Christus wird es nicht verschmĂ€hen, ein (bloßer) Diener Gottes zu sein, auch nicht die (Gott) nahestehenden Engel.“  (Zitiert nach der Übersetzung von Rudi Paret)

Der Islam ist auf dem Boden der jĂŒdisch-christlichen Offenbarung entstanden

Mohammed hat Kontakt zu Christen und Juden von seiner Jugend an gehabt und steht in dieser Tradition. Vor allem bis zu dem Zeitpunkt seines Auszugs aus Mekka 622 n. Chr. verstand er sich als Geistes- und Seelenverwandter der Juden und Christen. Er gehörte zu einer Bewegung von Menschen, die sich „HanÄ«f“ (vgl. Koran 3,67; 6,79; 10,105; 16,120; 30,30) nannten und in Ablehnung der Vielgötterei den wahren Gott suchten. Mohammed sah sich eindeutig in der Tradition Abrahams, Moses, Davids und Jesu. Ein Teil seiner frĂŒhen AnhĂ€nger ist auf Grund der Verfolgung durch die Mekkaner in das christliche Reich Aksum geflohen, wo sie angeblich den Negus, den christlichen Herrscher von ihrer RechtglĂ€ubigkeit ĂŒberzeugen konnten. Es gab spĂ€ter Versuche, die Christen von Aksum (vielleicht auch von Nadschran, einer Stadt im SĂŒdwesten Arabiens an der Grenze zum Jemen), zu ĂŒberzeugen, dass  Mohammed es nicht im Sinn hatte, eine neue Religion zu grĂŒnden, sondern sich als Reformer verstand, der die Menschen zum wahren Glauben, zur Unterwerfung unter den alleinigen Gott zurĂŒckfĂŒhren wollte. Bein einem Besuch von diesen Christen in Medina bei Mohammed hat dieser ihren Glauben bestĂ€tigt: Die Ă€lteste erhaltene Biographie Mohammeds von Ibn Hischam zitiert den Koran (28,53) „Diejenigen, denen wir die Schrift frĂŒher schon gegeben haben, sie glauben daran; und wenn sie ihnen vorgetragen wird, dann sprechen sie: Wir glauben daran. Wahrlich, das ist die Wahrheit von unserem Herrn. Wirklich, wir waren schon frĂŒher Moslems (an Gott Ausgelieferte)“.

Islam heißt Unterwerfung unter Allah

Christen – und manchen Muslimen – ist es nicht bekannt, dass Mohammed die Begriffe „Islam“ und „Muslim“ nur als „Gottergebenheit“ bzw. „Unterwerfung unter Gott“ und „Gottergebener“ bzw. „Gott Unterworfener“ verwendet hat. In diesem Sinn sind auch die GlĂ€ubigen Juden z.Zt. Moses „Muslime“ (Koran 10,84;  Koran 16,43 sagt ausdrĂŒcklich  „Und wir haben vor dir immer nur MĂ€nner (als unsere Gesandten) auftreten lassen, denen wir (Offenbarungen) eingaben. Fragt doch die Leute der (frĂŒheren) Mahnung (d.h. Angehörige der frĂŒheren Offenbarungsreligionen), wenn ihr nicht Bescheid wisst! 44 (Wir haben sie) mit den klaren Beweisen und den BĂŒchern (gesandt). Und wir haben (nunmehr) die Mahnung (d.h. den Koran) zu dir hinabgesandt, damit du den Menschen klarmachst, was (frĂŒher) zu ihnen hinabgesandt worden ist, und damit sie vielleicht nachdenken wĂŒrden.“  „Das sind die Leute der Schrift.” (Jami‘-ul-Bayan Fi Tafsir Al-Qur’an von At-Tabari, Band 14 Seite 144). FĂŒr Mohammed war der Islam die universale, ewig gĂŒltige Religion, in der auch die biblische Tradition stand.

Auch weitere biblische Gestalten des Alten Testaments wie Josef, Aaron, Hiob gehören zum Traditionsgut der Muslime und kommen im Koran vor. Abraham, Noah, Josef, Jona und Maria bekommen im Koran sogar je eine eigene Sure (Abschnitt). Allerdings gehen die Darstellungen im Vergleich zu den biblischen Berichten teilweise sehr weit auseinander. Die offizielle ErklĂ€rung der muslimischen Theologen dazu ist, dass die Christen und Juden nachtrĂ€glich ihre Schriften verfĂ€lscht hĂ€tten, ursprĂŒnglich seien sie aber Einklang mit dem Koran gewesen. Nach dem VerstĂ€ndnis des Islam sind die Berichte von biblischen Personen im Koran nicht einfach geschichtliche Überlieferungen – auch nicht von inspirierten Texten frĂŒherer Autoren, sondern direkte Offenbarungen Allahs an Mohammed durch den Erzengel Dschibril (Gabriel). Das erschwert natĂŒrlich das GesprĂ€ch mit Muslimen in diesem Punkt, denn es gibt keine erhaltenen Texte aus der Antike, die diese These der Islamgelehrten unterstĂŒtzen könnte, wĂ€hrend wir als Christen an der IntegritĂ€t der Bibeltexte festhalten (Das sogenannte „Barnabasevangelium“ , auf das Islamgelehrte in dieser Frage verweisen, ist ein spĂ€tmittelalterlicher Text).

FĂŒr den Koran sind die GlĂ€ubigen des Alten wie des Neuen Testaments „Muslime“

Der Koran sieht die Gestalten des Alten wie des Neuen Testaments als wahre Muslime, deren Tradition durch die VerfĂ€lschung der biblischen Texte verderbt worden sei. Von daher fĂŒhren die DialoggesprĂ€che ĂŒber die Richtigkeit der Texte des Koran und der Bibel in eine Sackgasse. Weil fĂŒr die Muslime der Koran schon vor Zeit und Ewigkeit von Allah im Himmel auf einer großen Tafel aufgezeichnet worden sei und einzig und allein nach und nach Mohammed ĂŒber die Mittlerschaft der Engelwelt offenbart wurde, habe der Text der Koran die ursprĂŒngliche Bedeutung der göttlichen Offenbarung beibehalten.

Solche Muslime, welche die Bibel lesen, sind allerdings oft beeindruckt von der Klarheit und der Botschaft der Texte. Im Vergleich zum Koran ist die Bibel sehr eingĂ€ngig und logisch, auch im Aufbau. Am meisten sind Muslime von den Evangelienberichten von Jesus und seiner Botschaft beeindruckt. Der Streit darĂŒber, welcher Text Recht hat, bringt im GesprĂ€ch mit Muslimen nicht weiter. Vielmehr muss nach der Wirkung des Textes gefragt werden. Was macht das Lesen der Texte mit einem? VerĂ€ndert die Botschaft des heiligen Textes das Leben? Nicht die geschichtliche Herkunft der Texte ist in diesem Fall entscheidend, sondern ihre Wirkkraft auf das Leben!