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Das Gebet – der Schlüssel zu einer dreifachen Tür

Das Gebet – der Schlüssel zu einer dreifachen Tür

Predigt zu Kolosser 4,2-6 am Sonntag Rogate 2018

 

 

Predigtskizze:

 

Kol 4, 2-6

2 Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung!

3 Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin,

4 damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss.

5 Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind,

und kauft die Zeit aus.

6 Eure Rede sei allezeit freundlich

und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.

 

In unserem Text ist die Rede vom Gebet und von einer Tür. Da werden wir noch mal an den Predigttext vom letzten Sonntag erinnert, vom Lobpreis hinter verschlossenen Türen im Gefängnis der Stadt Philippi. Auch daran, wie während Paulus und Silas um Mitternacht im Gebet wachten und Gott lobten ein Erdbeben die Fesseln und die Türen öffnete.

 

Heute, am Sonntag „Rogate“ (betet) geht es um diese Schlüsselfunktion des Gebets: Das Gebet öffnet Türen!

 

Gandhi: Das Gebet ist der Schlüssel für den Morgen und der Türriegel für den Abend

  • eröffnet Möglichkeiten und bietet Schutz zugleich
  • 2 Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung!
  • 3 Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin,
  • 4 damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss.

 

Hier haben wir es mit dem Gebet zu tun, das eine dreifache Tür in drei Dimensionen öffnet:

1) Das Gebet öffnet die Tür nach oben

– es öffnet die Tür zu Gott

  • Wir ahnen gar nicht, wie wichtig das Gebet ist!
  • Es gehört zu dem Wesentlichsten des Lebens!
  • Warum bist Du auf der Welt?
  • Weil Gott Dich erschaffen hat
  • Warum hat er dich – den Menschen überhaupt erschaffen?
  • Um die Beziehung mit ihm – d.h. auch mit dir – zu haben und zu Genießen
  • Martin Buber: Ich und Du!
  • Grundlage jeder Beziehung ist die Kommunikation
  • Ich kann niemand kennen, wenn ich nicht mit ihm rede oder zumindesrt geredet habe…
  • Beim Gebet geht es nicht um Informationsaustausch
  • Gott braucht unsere Bitten nicht – er weiß schon lange vorher, was wir wünschen oder brauchen (Ps 139) – Er will die Beziehung zu dir!
  • Beharrlich im Gebet zu bleiben heißt, dass mir die Kommunikation mit Gott wichtig ist
  • „Wachen“ im Gebet – Frisch verliebte können auch die Nachtstunden im Gespräch verbringen… Eheberater: Zeit für einander nehmen – Zeit füreinander einplanen – Das gilt auch die Zeit mit Gott!
  • Vielleicht geht es Euch wie mir – bei Nacht beten tue ich nur wenn ich sowieso nicht schlafen kann…
  • Es geht nicht um Leistung! (Vgl. Gebet im Islam!)
  • „Betet ohne Unterlass!“ (Der Milchmann „Tewje“ in „Anatevka“, Vorlage für „Monsieur Claude und seine Töchter“)

2) Das Gebet öffnet die Tür nach innen

– es öffnet die Tür zum Herzen fürs Wort

  • Das Wort weckt den Glauben
  • Der Glaube ist ein Geheimnis
  • Das Gebet bewegt Gott durch seinen Geist Menschenherzen anzurühren
  • Die gute Nachricht ist zwar verständlich, aber überzeugen tut sie nur, wo der Glaube die Herzenstüre öffnet
  • Glaube – wenn einer zum Glauben kommt, kann er auf einmal zusammenhänge verstehen → Nikodemus/Wiedergeburt ist unlogisch
  • So erleben wir das etwa im Konfirmanden- oder Religionsunterricht (Tauben „hinauskonfirmiert“)
  • Der Glaube bleibt ein Geheimnis. Auch bei der genialen Zusammenfassung des Abiturstoffs in evangelischer Religion von dem geschätzten Professor am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Tübingen „Peter Kliemann, Glauben ist menschlich. Argumente für die Torheit vom gekreuzigten Gott.“ In 17. Auflage(!!) bleibt der Glaube ein Geheimnis, der mir offenbart werden muss. Das kann nur Gott tun durch seinen heiligen Geist.
  • Argumente FÜR die Torheit vom gekreuzigten Gott…
  • Wir wollen – ja müssen diesen Glauben weitergeben. Gott will uns dabei gebrauchen die Ofterdinger zu erreichen mit seiner frohen und frohmachenden Botschaft – darrum das dritte und letzte:

 

 

5 Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind,

und kauft die Zeit aus.

6 Eure Rede sei allezeit freundlich

und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst,

wie ihr einem jeden antworten sollt

3) Das Gebet öffnet die Tür nach Außen

  • es öffnet die Tür für die Verkündigung/die Botschaft
  • Gott schenkt die Gelegenheiten, um die wir Bitten!
  • Gott kann auch das „Salz“ in der Suppe, die Würze in unserem Reden schenken
  • Gott schenke uns die Freundlichkeit den Menschen Gegenüber, die von ihm (und oder uns) nichts wissen wollen, damit sie dadurch seine Liebe erfahren können!
  • Den Juden ein Jude… (Bonhoeffer hat es sich was kosten lassen – im Gefängnis wurde er zum Seelsorger für seine Peiniger)
  • Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind, und kauft die Zeit aus
  • Wie schaffen wir das, dem Anderen die AUGEN ZU ÖFFNEN ABER NICHT VOR DEN KOPF ZU STOßEN?
  • Antworte werden auf Fragen Die Menschen werden von sich aus nur fragen, wenn sie bei uns etwas sehen, was sie vielleicht nicht verstehen!
  • Es braucht die Begegnung! Nicht nur im Gebet mit Gott, sondern auch im Gespräch mit den Menschen!
  • Beten wir doch, dass Gott uns die Tür nach außen zu den Menschen von Ofterdingen, den Menschen am Arbeitsplatz, den Menschen in Bekanntschaft und Verwandschaft!
  • Wir sind vielleicht nicht direkt verantwortlich für die Menschen in Stuttgart oder Berlin – aber wer, wenn nicht wir, ist verantwortlich dafür, dass die Menschen von Ofterdingen den lebendigen Christus kennen lernen?
  • Wir sollen uns nicht dabei „Druck“ machen, sondern es zu unserem Gebetsanliegen machen und es vor Gott bringen, der Mittel und Wege hat!
  • Betet für alle, die das Wort sagen – in den Gruppen und Kreisen, in der Schule, von der Kanzel – Paulus sagt: Betet für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können
  • Das Gebet öffnet auch diese Tür nach außen zu den Menschen draussen vor der Tür!

 

 

Der Galaterbrief als Kompendium der Paulinischen Theologie

10 Abende zum Galaterbrief im Rahmen der Gemeindeakademie des Albrecht-Bengel-Hauses Tübingen im Wintersemester 2017-2018

1) Gal 1,1-10

 

2) Gal 1,11-2,14

 

3) Gal 2,15-21

 

4) Gal 3,1-14

 

5) Gal 3,15-29

 

6) Gal 4,1-7

 

7) Gal 4,8-5,1

 

8) Gal 5, (1) 2-15

 

9) Gal 5, 16-25

 

10) Gal 6

Predigt zu 1 Könige 8 an Christi Himmelfahrt

Predigt zu Christi Himmelfahrt in Öschingen

Liebe Gemeinde!

Bevor ich den Predigttext für den heutigen Festtag lese, muss ich kurz ausholen: Die Himmelfahrt Christi ist wohl das am wenigsten verstandenen Fest der Christenheit.

Warum musste Jesus vor den Augen seiner Jünger in die Wolken aufgenommen werden? Er ist ja auf natürlichem Wege in die Welt gekommen, geboren von der Jungfrau Maria – warum ist er, sprich seine Seele, nicht am Ende seiner Zeit auf Erden bei seinem Tod zum Vater gegangen? Schließlich denken viele Christen, dass es sich mit uns allen so verhält …

Die Fleischwerdung Christi und Christi Himmelfahrt verhalten sich aber nicht wie Spiegelbilder zueinander. Jesus ist ein für alle Mal Mensch geworden, hat Fleischgestalt angenommen. Durch seine Auferstehung – das bedeutet leibhafte Auferstehung – ist ja als Erstling der neuen Schöpfung hervorgegangen. Auch wir, die wir durch Jesus Christus gerettet sind, werden aus unseren Gräbern zu einer neuen leibhaftige auferweckt werden. Am jüngsten Tag werden wir alle auferstehen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zum Gericht.

Jesus als Erstling der neuen Schöpfung gehört nicht mehr in diese gefallene Welt. Die 40 Tage, die zwischen seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt lagen, sollte das den Jüngern eindrücklich vermitteln: der Auferstandene ist nicht ein Geist, nicht eine „Seele“ ohne Körper, sondern der auferstandene Christus konnte angerührt werden, hat sogar gegessen.

Das Problem an Himmelfahrt war die Frage, wie Gott es den Jüngern klar macht, dass Jesus künftig ihnen nicht leibhaftig in der Welt zur Seite stehen würde.

Künftig würden sie ihn anders erleben. Nicht immer nur an einem Ort zu einer Zeit, sondern durch den heiligen Geist würde er bei ihnen immer und überall sein!

 

Dazu haben wir die Schriftlesung gehört. Jesus ist nicht einfach verschwunden, hat sich nicht einfach vor ihren Augen aufgelöst wie Obi-Wan Kenobi im “Krieg der Sterne” (Star Wars) oder ebenfalls dort der Bösewicht Darth Vader und andere vor den Augen ihrer Betrachter zerfallen.

Jesus wurde aufgenommen vor den Augen der Jünger damit sie erkennen, dass er ihnen leibhaftig nicht mehr in der Welt begegnen würde – bis zu seiner Wiederkunft.

Aber er werde den heiligen Geist senden, der in jedem Nachfolgerherzen leben soll.

Jesus geht als der Auferstandene zum Vater, als Mensch der neuen Schöpfung. Aber er lässt seine Jünger nicht allein!

Wie geht das? Das große Thema der Bibel von Anfang bis zum Ende lautet: Wie kommen Gott und Mensch zusammen?

Wie kann die Beziehung zwischen Gott und Mensch gelebt werden?

Der Predigttext für heute behandelt dieses Thema aus alttestamentlicher Perspektive:

 

1.Kön 8,22-28

12 Da sprach Salomo: Die Sonne hat der Herr an den Himmel gestellt; er hat aber gesagt, er wolle im Dunkel wohnen. 13 So habe ich nun ein Haus gebaut dir zur Wohnung, eine Stätte, dass du ewiglich da wohnest. 22 Und der König trat vor den Altar des HERRN angesichts der ganzen Gemeinde Israel und breitete seine Hände aus gen Himmel    23 und sprach: HERR, Gott Israels, es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du hältst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen; 24 der du gehalten hast deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast. Mit deinem Mund hast du es geredet, und mit deiner Hand hast du es erfüllt, wie es offenbar ist an diesem Tage…26 Nun, Gott Israels, laß dein Wort wahr werden, das du deinem Knecht, meinem Vater David, zugesagt hast. 27 Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? 28 Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, damit du hörst das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir:

 

Die meisten Häuser haben Namensschilder. Schließlich geht es nicht um das Haus an sich, sondern darum wer darin wohnt. Das Namensschild und die Klingel daneben haben einen einzigen Zweck: Kontakt zu den Menschen im Haus aufzunehmen.

 

Unser Text gibt uns Antwort auf die Frage:

Wo wohnt Gott? Wo wohnt sein Name – will heißen wo steht sein Name drauf, wo kann ich Kontakt zu ihm aufnehmen?

 

1) Gott lässt wissen, wo er anzutreffen ist

Des achte Kapitel des ersten Buches der Könige erzählt davon, die Gott im neu gebauten Tempel Wohnung bezieht.

Es ist eine Entwicklung erkennbar in der Geschichte Gottes mit der Welt bis zu diesem Punkt:

  1. zu Abrahams Zeiten hatte der Mensch kein Wissen darüber, wie die Beziehung zu Gott hergestellt werden könnte. Er wurde ganz unvermittelt von Gott hier und da angesprochen.
  2. später, beim Auszug aus Ägypten ging Gott mit seinem Volk (Säule von Rauch / Feuer – zwei Lichter im Fenster beim Laubhüttenfest) und ließ die Stiftshütte bauen, wo er durch den Dienst der Priester anzutreffen war.
  3. In unserem Text wird erzählt, wie Gott Wohnung im Tempel aufnahm, wo er immer für sein Volk am gleichen Ort im Gebet, in Gottesdiensten, in Opfern zugänglich war.

Eine dritte Stufe in dieser Entwicklung wollen wir gleich anschauen (3. Gott nimmt Wohnung in unseren Herzen auf), aber verbleiben wir erst einmal beim Text.

 

Diese Rede stammt aus dem Bericht von der Einweihung des Tempels. Er steht in Salomos Gebet anlässlich dieses großen Tages…

 

Erinnern wir uns: David wollte aus seiner Gottesfurcht (und einem schlechten Gewissen) heraus Gott eine “angemessene Wohnung” bauen. Gott hat ihm diesen Wunsch verwehrt, weil er Uria, den Mann Bathsebas umbringen ließ. Er ließ aber zu, dass sein Sohn Salomo ihm mit den Baumaterialien, die David angehäuft hatte, ein Tempel baut.

 

Aber braucht Gott ein Haus? Die Antwort ist: Nein! Daran lässt auch König Salomon kein Zweifel. Er bildet sich nicht ein, das er Gott in diesem Tempel einfangen könnte.

 

Er braucht kein “Haus” – das weiß auch Salomo: sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?

 

Nein, Gott braucht kein Haus! Aber wo ist der für uns Menschen anzutreffen? Darum ging es! Uns zuliebe, den Menschen zuliebe zieht Gott in den Tempel ein. Die vorausgehenden Verse erzählen, wie ein Wolke das ganze Innere des Tempels erfüllte, sodass die Priester ihren Dienst nicht tun konnten. Wir kriegen Gott nicht in den Griff. Das ist der Versuch der Religionen. Die Menschen wollen Gott manipulieren, ihn für ihre Zwecke gebrauchen. Es ist schon sehr interessant, das gerade der Gottesdienst verhindert wurde bzw. nicht möglich war, wo Gott seine Gegenwart zeigte. Nein, Gott braucht kein Haus und Gott passt in kein Haus. Aber er zieht in sein Haus ein, damit es ein Namensschild und eine Klingel gibt, wo die Israeliten Beziehung zu ihm aufnehmen können.

Gott geht auf die Schwächen der Menschen ein.

 

1.Kön 8,29 Laß deine Augen offenstehen über diesem Hause Nacht und Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast: Da soll mein Name sein. Du wollest hören das Gebet, das dein Knecht an dieser Stätte betet

 

2.) Das ganze birgt auch eine Gefahr:

wo Gott den Menschen seine Adresse gibt, meinen wir gleich, über ihn verfügen zu können. Da gerät etwas gehörig in Schieflage. Aus einer lebendigen Beziehung, wo wir den Namen Gottes anrufen können und unmittelbar vor ihm stehen wird tote Religion. Vom lebendigen Gott, vom Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs wird Gott zum Ladenhüter einer Institution. Bei seinen Tempelreinigungen hat Jesus das zum Thema gemacht. Der Tempel soll ein Bethaus sein, nicht Markthalle oder Räuberhöhle.

 

Bei der Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen hören wir im Dialog folgendes:

 

„Die Frau spricht zu ihm: … Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten soll. Jesus spricht zu ihr: Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, dass ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr wisst nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden. Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“

(John 4,19–24 LUTH-LEM)

 

Hier deutet Jesus eine radikale Wende an, eine Wende die schon beim Propheten Joel angekündigt wurde: der Geist des lebendigen Gottes sollte auf die Menschen ausgegossen werden und die Beziehung zu Gott persönlich und direkt hergestellt werden.

 

Blaise Pascal hat das in seinem Memorial festgehalten:

FEUER

Der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs,

Nicht Propheten und Gelehrte.

Gewißheit. Gewißheit. Lebendiges Durchdrungensein. Freude. Frieden.

Gott Jesus Christus

Deum meum et Deum vestrum. (Meinen Gott und euren Gott (Joh. 20, 17); Anm.d.Verf.)

Dein Gott wird mein Gott sein –

Vergessen der Welt und alles andern außer Gott.

Er ist nicht zu finden, es sei denn auf den Wegen, die das Evangelium bezeichnet.

 

Es geht um diese Beziehung zu Gott in Jesus Christus!

Aus der lebendigen Beziehung zu Gott haben Menschen tote Religion geschaffen. Sie machen sich mehr aus dem Namensschild und dem Haus als aus dem, der gesagt hat sein Name soll darin wohnen. Die Klingel wird nicht gebraucht.

 

Wir sehen das in so vielen verschiedenen Dingen. Am heutigen Tag Christi Himmelfahrt wird auch Vatertag gefeiert. Wo in früheren Zeiten der Tag als heilig angesehen wurde, ist das heute ein weiterer freier Tag. Aus der Prozession mit Kreuz oder Monstranz ist eine Vatertagswanderung mit Klingelstock und Leiterwagen geworden. Ich will nicht katholische Bräuche wieder aufleben lassen, nur auf das Phänomen Hinweisen.

 

Gott ist größer, als dass wir ihn durch Äußerlichkeiten wie Rituale oder Bauten “in den Griff” kriegen könnten… Jes 6,1 ich sah den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron, und sein Saum füllte den Tempel

 

Die Prachtbauten, ob Tempel, Dom oder Münster, die erfüllen in erster Linie alle menschliche Bedürfnisse… sowohl legitime als illegitime von niederer Art (Petersdom und Hagia Sophia)

 

Gerade in den Institutionen trennen sich dann auch die Glieder am weltweiten Leib Christi (Pfingstthema)…

 

Gott ist größer – es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du hältst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen

 

Es geht nicht darum, die Bedeutung der Kirchen oder deren Gebäuden zu schmälern – es geht darum, dass wir erkennen: die Kirchen und ihre Gebäude sind da, weil jeder, der den heiligen Geist im Herzen hat auch ein Glied am Leib Christi ist und die Gemeinschaft mit den anderen Gliedern nötig braucht, um als Christ in dieser Welt zu funktionieren!

 

und damit wären wir beim dritten und letzten Punkt.

  1. Gott nimmt Wohnung in unseren Herzen auf

 

Gottes Name soll in dieser, seiner Kirche Wohnen. Sein Geist will aber in deinem Herzen wohnen: 1.Kor 6,19 Oder wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und daß ihr nicht euch selbst gehört?

 

Die Menschen unserer Tage sollten wissen, das war ein Kreuz draufsteht, der gekreuzigte und auferstandene drinnen anzutreffen ist! Das geschieht nicht nach der Art von Don Camillo im Zwiegespräch mit dem Kruzifix. Das geschieht dort, wo Menschen in diesen Kirchen anzutreffen sind, in deren Herzen Jesus Christus durch seinen Heiligen Geist wohnt.

 

Jesus braucht Raum in unseren Herzen. Dieses fordert Raum in unserem Leben ein. Jesus will in und durch uns wirken. Er ist nicht gebunden an einen Kirchenraum. Die Kirchenräume sind für uns da. Jesus ist überall wo wir ihn mitnehmen. Am heutigen Festtag Christi Himmelfahrt ist die Botschaft für uns Christen, die wir Jesus im Herzen haben, dass Jesus uns nicht in dieser Welt verlassen hat. Vielmehr ist er hingegangen, damit er durch seinen Heiligen Geist bei jedem von uns sein kann. Himmelfahrt ist die Voraussetzung für Pfingsten. So stellt es die Bibel dar. So ist auch der logische Zusammenhang von Gottes Weg zu uns in dieser Welt. Der auferstandene und entrückte Herr sendet uns in die ganze Welt, damit er an jedem Ort sein und wirken kann.

 

Am Anfang unseres Predigttextes lasen wir Die Sonne hat der Herr an den Himmel gestellt; er hat aber gesagt, er wolle im Dunkel wohnen. 13 So habe ich nun ein Haus gebaut dir zur Wohnung, eine Stätte, dass du ewiglich da wohnest.

 

Jochen Klepper hat diesen Gedanken in seinem Weihnachtslied aus dem Jahr 1938 aufgegriffen:

 

Gott will im Dunkel wohnen

und hat es doch erhellt!

Als wollte er belohnen,

so richtet er die Welt!

Der sich den Erdkreis baute,

der läßt den Sünder nicht.

Wer hier dem Sohn vertraute,

kommt dort aus dem Gericht!

 

Gott kam in das dunkle Innere des Allerheiligsten vom Tempel Salomos. Aber Gott ist Licht und hat die Dunkelheit vertrieben. In der Nacht von Bethlehem wurde Gott Mensch und brachte Licht in unsere Dunkelheit. Das ist Gottes Programm! Er will das Dunkel in unseren Herzen vertreiben mit seinem Licht. Das tut er, in dem er uns seinen Geist gibt. Wir dürfen immer und überall seinen Namen anrufen. Sein Name will in uns wohnen!

 

Die Thessalonicherbriefe: Botschaft an die ersten Christen über die Letzten Dinge

Hofacker Abendbibelschule 2017 Derendingen

  1. Frohe Botschaft – Kraft und Widerstand (1. Th.1 & 2. Th.1)
  2. Mut zum Kampf um das Wort (1. Th. 2 & 2. Th.2)
  3. Der Normalfall: Gemeinde in Bedrängnis (1. Th 3 & 2. Th 3, 1-5)

  4. Wie sollen wir nun leben? (1. Th 4 & 2. Th. 3, 6-15)

  5. Was kommt auf die Gemeinde zu? (1. Th 5 & 2. Th 3, 16-18)

 

Die Thessalonicherbriefe-Botschaft an die ersten Christen über die Letzten Dinge Texte im Überblick

 

Das Fasten in biblischer Perspektive

Gedanken für die Adventszeit

Bis zu meiner Zeit in der islamischen Welt wollte ich so recht keine Beziehung zum Thema Fasten bekommen. Auf der einen Seite war mein evangelischer Vorbehalt. Auf der anderen ein mulmiges Gefühl, dass mich immer wieder beschlich wenn ich solche Stellen in der Bibel las, wie z.B. in der Apostelgeschichte, wo das Fasten und Beten als Vorläufer für Gottes Wirken geschildert werden (Apg 13,2; 14,23).

Als Theologe war mir bekannt, dass es sowohl Kritik am Fasten im alten Testament gibt, wie Jesaja 58 sehr eloquent belegt, als auch die Aufforderung zum Fasten im neuen Testament. Es konnte also nicht darum gehen, dass das Fasten zum alten, aber nicht zum neuen Testament gehöre. Irgendwas in mir sagt er aber deswegen auch, es könne sich nicht um eine Unterscheidung zwischen römisch-katholischem und evangelischem Brauchtum handeln.

Ich habe mit den Texten gerungen, bin aber zu keinem für mich befriedigenden Ergebnis gekommen. Dann kamen die acht Jahre in Pakistan. Jedes Jahr ein Monat Fasten. Auf der einen Seite war es beeindruckend zu sehen, wie die Menschen sich an die Vorgaben im Fastenmonat hielten, auf der anderen Seite war es erschütternd zu sehen, wie sich das Fasten auf die Gesellschaft aus wirkte.

Wenn der Fastenmonat Ramadan in die heiße Jahreszeit zwischen Mai und September fiel, Dann gab es am Nachmittag auf den Straßen heftigen Streit, Manchmal auch Prügeleien, weil die Menschen sich schlicht und ergreifend nicht mehr im Griff hatten. Die ganze Gesellschaft war spürbar angespannt. Ist ja auch klar. Wenn man zweimal nachts 2 Stunden wach bleibt um ausgiebig zu essen, damit man am nächsten Tag überhaupt durchhält, dann fehlt einem doch Der Schlaf. Man kann aber auch nicht so auf Vorrat Essen, dass der Hunger – und was noch viel schlimmer ist der Durst – einen nicht am Tag einholt.

Die Menschen sind einfach fix und fertig. Es ist nichts davon zu sehen oder zu spüren, dass durch das Fasten sie geistlich gestärkt und ausgeglichen wären. Von meinen persönlichen Bekannten unter den Muslimen wusste ich, dass viele im Monat Ramadan ein Doppelleben führen: nach außen Fasten sie, hinter verschlossener Tür (und in der Dunkelheit, damit es Allah nicht sieht) brechen Sie das Fasten. Die Tagelöhner sind am schlimmsten dran, denn sie müssen tagsüber Leistung abrufen, körperlich arbeiten, sich verausgaben. Die kommen richtig runter während des Fastenmonats, können Sie sich doch die reichhaltigen Speisen die die anderen nachts essen nicht leisten…

Es ist aufgefallen, wie die Fernsehmoderatorinnen und Nachrichtensprecher im Monat Ramadan gegen Ende des Monats ein immer fülligeres Gesicht bekommen haben. Daraufhin habe ich meine Bekannten genauer angesehen und die Beobachtung wurde bestätigt: Das Fasten im Monat Ramadan bedeutete nicht weniger, sondern mehr essen, nur nicht zur Tageszeit…

Diese Beobachtung führte dazu, dass ich das Fasten in der Bibel neu anschaute. Von der Fastenkritik im alten Testament wurde deutlich: Es geht Gott nicht darum, dass wir uns kasteien, sondern darum dass unser Handeln den Maßstäben seiner Gerechtigkeit entsprechen.

Wo Jesus im neuen Testament seine Jünger anweist, sich schön anzuziehen und sein Äußeres zu pflegen wenn man Fasten will (Mt 6,16ff), dann tut er das aus zwei Gründen:

Erstens sollen wir nicht Fasten um von anderen bewundert zu werden. Es ist etwas, was zwischen uns und Gott steht. Es darf nicht geschehen, um den Menschen zu gefallen oder weil man glaubt, durch Askese Gott mehr zu Gefallen als durch Dankbarkeit für seine guten Gaben (1Tim 4, 3). Die Anderen sollen es gar nicht merken, wenn wir Fasten.

Zweitens sollen wir Fasten tun, weil es uns gut tut. Nur dann wird es auch Gott gefallen. Wenn wir beispielsweise eine Mahlzeit am Tag ausfallen lassen, um mehr Zeit für unsere Beziehung zu Gott oder zu unseren Mitmenschen zu haben, um Dinge zu unternehmen, von denen wir wissen, dass es Im Sinne unseres himmlischen Vaters wäre, wir aber sonst nicht dazu kommen, dann ist das ein sinnvolles Fasten. Das ist auch ein befriedigendes Fasten. Das ist dein Fasten, das Gott gefällt.

Alles hat seine Zeit

Die Jünger Jesu wurden von den Schriftgelehrten und Pharisäern beschuldigt, dass sie nicht Fasten würden (Mt 9,14f). Jesu Antwort darauf war, dass es von Ihnen gar nicht zu erwarten sei, solange der Bräutigam bei Ihnen wäre. Es gibt Zeiten, die zum Fasten einladen, ja sogar dieses Verlangen. Und es gibt eine heilsame Praxis, in regelmäßigen Abständen sich besonders Gott, Seinem Wort und seinem Werk zuzuwenden. In der Alten Kirche wurde mittwochs und freitags gefastet (Didache 8,1). Bis in unsere Zeit hinein wurden der Advent und die Passionszeit in Vorbereitung für die großen Feste der Christenheit als besonders geeignete Fastenzeiten anerkannt.

Unter dem Strich

Die Bibel lädt zum Fasten ein. Gott will aber kein Fasten im Sinne einer Werkgerechtigkeit. Wir können den Arm Gottes nicht erzwingen. Er sieht, ob unsere Bitten ernst sind oder nicht. Aber vielleicht haben wir es nötig zur Klärung unserer eigenen Gedanken, Ziele und Prioritäten, wie an den in der Apostelgeschichte genannten Stellen gezeigt wird. Vielleicht brauchen wir die Zeit und die Muße, um vom alltäglichen wegschauen zu können, Distanz zu gewinnen und es einfach zu genießen, Zeit für Gott und für unser Leben mit ihm zu haben.

David – ein Mann nach dem Herzen Gottes

(und sein Beziehungschaos)

Wir brauchen Rollenmodelle – Helden des Glaubens, an denen wir Inspiration holen können. Es ist aber noch hilfreicher, wenn wir erkenn, dass diese Vorbilder alle auch nur Menschen sind mit Stärken und Schwächen… Was können wir vom Leben Davids lernen? Gerade durch seinen Umgang mit Sünde und Versagen können wir am Meisten lernen. Schließlich ist er auch deswegen (nicht trotzdem!) ein „Mann nach dem Herzen Gottes“!

Prezi – Präsentation: https://prezi.com/_vnxulf6wl9d/

Who (what) are you looking at? Fremdbild – Eigenbild – Ebenbild!

Predigt beim Jugendgottesdienst in Hohenhaslach 19.11.2017

Hast du Probleme, dich selbst anzunehmen? Oder schätzst du dich falsch ein? Wie sehen dich andere – und wie siehst du sie? Eigenbild und Fremdbild liegen manchmal weit auseinander. Das führt zu Problemen. Manchmal sind sie heftig. Zwischen selbstverliebt und Selbsthass gibt es viele Nuancen. Wie kann ich mich selbst annehmen? Es gibt einen Dritten, der dich so sieht, wie du in Wirklichkeit bist – und trotzdem dich liebt! Es ist dein Schöpfer, der dich so gemacht hat, wie du bist und der sagt: „Und siehe, es ist sehr gut, was ich gemacht habe!“ Ja noch mehr: er liebt dich, so, wie du bist! Eigenbild und Fremdbild sind letztlich nicht das Entscheidende, sonder es ist die Tatsache, das ER dich zu SEINEM EBENBILD geschaffen hat! Ich gehe hier nicht darauf ein, wie diese Ebenbildlichkeit durch die Sünde getrübt worden ist. Wohl aber versuche ich deutlich zu machen, wie durch Jesus Christus, den neuen Menschen, wir diese Gott-Ebenbildlichkeit in der direkten Beziehung zu IHM leben können! Nicht das Bild (Fremdbild), nicht der Spiegel (Eigenbild), sondern das Fenster als Bild für die Öffnung zu einer direkten Beziehung zu Gott soll uns motivieren und prägen. Gott will face-to-face mit uns leben. Dazu hat Jesus für unsere Schuld gelitten und am Kreuz unsere Strafe auf sich genommen. In dem Augenblick ist der Vorhang im Tempel zerrissen. Gott wurde aus seinem „Käfig“ gelassen. Wir bekamen Zugang zu IHM. Jetzt wohnt er durch seinen Geist im Herzen seiner Kinder und wir dürfen etwas von seinem Glanz in diese Welt abstrahlen. Wenn die Leute gefragt werden, wen sie sehen, wenn sie uns anschauen, dann lautet hoffentlich die Antwort: „Na klar, ein Kind Gottes – die Ähnlichkeit sei nicht zu verkennen!

Viel Spass beim Hören!