Christenverfolgung und Mission in der Apostelgeschichte

Vortrag beim Kongress „Gedenket der Märtyrer – Christenverfolgung heute“ auf dem Schönblick Nov. 2009

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Geschwister!

Die Aufgabe, die uns in dieser Einheit gestellt ist, weist uns auf die Anfänge der christlichen Kirche zurück und macht uns deutlich, dass das christliche Zeugnis eine doppelte Bedeutung hat: zum einen ist es das missionarische Wort und der missionarische Lebenswandel, die beide zu einem Leben in der Nachfolge Jesu Christi einladen, und zum anderen ist es das Blutzeugnis, das allzu oft seit Anbeginn der christlichen Kirche die letzte Konsequenz des Glaubens an Jesus Christus gewesen ist –  wie er für viele Glaubensgeschwister weltweit auch heute noch bleibt.

Im griechischen Text des neuen Testamentes – also auch hier im Buch der Apostelgeschichte – gibt es nur ein Wort für die zwei Seiten des Zeugnisses für Christus, sowohl für das das gelebte Zeugnis für Jesus Christus wie auch für das Zeugnis in seiner letzten Konsequenz des Leidens und Sterbens für Christus. Dieses Wort lautet martyrion.

Wenn also vom „Zeugnis“ in der Apostelgeschichte gesprochen wird, dann wird nicht unterschieden, ob das gelebte Zeugnis, oder das ultimative Zeugnis im Sterben für Christus gemeint ist. Hier macht die Bibel keinen Unterschied – wir haben diesen Unterschied nachträglich gemacht und haben den Begriff „Martyrium“ für den äußersten Ernstfall reserviert. Das ist ein Fehler. Es ist ein Fehler, den nicht nur kritische Journalisten machen, wenn sie Leidensbereitschaft unter Christen als „Fundamentalismus, Fanatismus, oder Extremismus“ ausmachen zu können meinen, sondern auch Christen machen diesen Fehler, wenn sie meinen, das Zeugnis von Jesus Christus könne grundsätzlich ohne Widerspruch geschehen. Das zeigt uns die Geschichte der frühesten Christen in der Apostelgeschichte des Lukas.

Bevor wir nun in die Berichterstattung der Apostelgeschichte einsteigen, ist ein weiteres klärendes Wort nötig:

Nicht nur das (sekundäre) Zeugnis von Jesus hat von Anfang an Widerspruch hervorgerufen. Jesus Christus selbst hat das erfahren. Er bekam nicht nur Akzeptanz und Wohlwollen zu spüren, sondern ebenfalls hass und Ablehnung. An Jesus scheiden sich schon immer die Geister. Das hat Jesus aus eigener Erfahrung, am eigenen Leibe erfahren müssen, und er wusste, dass seine Jünger damit zu kämpfen haben würden.

Dass Jesus um den ganzen Ernst des Zeugnisses für ihn gewusst hat, geht aus vielen Stellen der Evangelien hervor: etwa seine Warnung Mt 10,16 „Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe“ oder Mk 13,9 Ihr aber seht euch vor! Denn sie werden euch den Gerichten überantworten, und in den Synagogen werdet ihr gegeißelt werden, und vor Statthalter und Könige werdet ihr geführt werden um meinetwillen, ihnen zum Zeugnis“.  Und im Evangelium nach Lukas spricht Jesus in Vorbereitung für die endzeitlichen Wehen, die über die Gemeinde kommen werden Lk 21,12-17 „Aber vor diesem allen werden sie Hand an euch legen und euch verfolgen und werden euch überantworten den Synagogen und Gefängnissen“…um nur ein Paar Stellen zu nennen.

Das steht alles im Zusammenhang damit, dass Jesus seinen eigenen Weg als Leidensweg begriffen und angenommen hat. So leitet der Autor der Apostelgeschichte, der Leibarzt des Apostels Paulus Lukas das Ende seines Evangeliums und den Übergang zum zweiten Teil seines Doppelwerkes mit folgenden Worten ein:

Lk 24, 46 … So steht’s geschrieben, dass (gr.: der) Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; 47 und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Fangt an in Jerusalem 48 und seid dafür Zeugen. 49 Und siehe, ich will auf euch herabsenden, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr ausgerüstet werdet mit Kraft aus der Höhe.“

An dieser Stelle, wo Jesus im Bezug auf die alttestamentliche Prophetie die Notwendigkeit des Leidens, seines Leidens, als Grundlage für die Verkündigung, die zur Buße und Vergebung der Sünden für alle Menschen aller Nationen und aller Sprachen geschehen soll, – an dieser Stelle wird deutlich, dass gerade wegen der Schwere der Aufgabe die Jünger auf die Kraft von oben angewiesen sind. Und so nimmt Lukas in seinem Narrativ am Anfang der Apostelgeschichte den Faden hier wieder auf:

„ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“ (Apg 1,8)

Die Anfangskapitel der Apostelgeschichte zeichnen – im Gegensatz zu der weit verbreiteten Meinung, es handele sich hier um eine enthusiastisches Christentum – eine äußerst nüchternes Bild von den Anfängen der christlichen Kirche: Überforderte und verängstigte Apostel, Ungerechtigkeit in den eigenen Reihen bei der Behandlung der Schwachen, speziell der Witwen, eine wohl auf menschliche Bedürfnisse verzwungene Nachwahl für den Verräter unter den Aposteln, Betrüger in den eigenen Reihen, und der fehlende Blick für den Missions Auftrag, wie wir ihn gerade zweimal nach Lukas gehört haben. Das und anderes mehr lässt merken, wie schwierig es – auch nach Pfingsten und der Gabe des Heiligen Geistes – für die Apostel war, nachdem Jesus sich von ihnen bis zu seiner Wiederkunft verabschiedet hatte, das Zeugnis von ihm weiter zutragen.

Uns wird am Anfang der Apostelgeschichte berichtet von dem mutigen Zeugnis des Petrus im Tempel, von den Auseinandersetzungen mit dem Sanhedrin wegen der Heilung des Bettlers vor dem schönen Tor des Tempels, von den Verhaftungen und von der Befreiung aus der Haft durch einen Engel; uns wird erzählt, wie die Gemeinde durch das Pfingstereignis und die wunderbare Heilung Tausende von Menschen an Jesus Christus gläubig geworden sind und zu Jüngern Jesu wurden, wie sie einmütig hin und her in den Häusern das Brot brachen, wie sie allezeit im Tempel waren, beteten und predigten, aber Lukas verschweigt es uns hier am Anfang der Apostelgeschichte nicht, dass die Anfänge sehr problematisch waren. Die Gemeinde blieb vor Ort stecken. Nicht die Apostel, sondern ein Diakon namens Philippus wagt die ersten Ausflüge außerhalb von Jerusalem bis nach Judäa und Samarien, um Zeugnis von dem auferstandenen zu geben. Und die erste Verfolgung von Christen mit Todesfolget rifft ebenfalls einen Diakon, nicht einen Apostel. Hier erscheinen die Apostel in keinem besonders guten Licht. Petrus geht nicht voraus, sondern kommt gewissermaßen als Feuerwehr hinterher, sowohl in Samarien als auch in Antiochien, wo den Aufbrüchen nicht so recht getraut wird.

Ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, als würde ich das Verhalten der Apostel richten wollen, das ganz und gar nicht! Aber ich muss diese Tatsachen ansprechen, weil sie den Hintergrund liefern zum Verständnis der Dynamik der Verfolgung, die die erste Gemeinde erleiden musste.

Die eben erwähnte öffentliche Hinrichtung des Diakons Stephanus hat nämlich sehr viel mit den Umständen der jungen Gemeinde in Jerusalem zu tun. Durch das Pfingstereignis sind wohl hauptsächlich Diaspora Juden, die zu den hohen festen Passah und Pfingsten aus ihrer Heimat in den unterschiedlichsten Ländern des römischen Reich nach Jerusalem gereist waren, zum Glauben an Jesus Christus gekommen. Das sind Juden mit einem hellenistischen Hintergrund. Sie waren in der Regel nicht mehr des hebräischen mächtig, geschweige denn des Aramäischen, die Sprache Jesu und der Jünger. Sie sprachen die Sprachen ihrer Wahlheimat, ob Koptisch, Phönikisch, Latein oder eine der zahlreichen anderen lokalen Sprachen des römischen Reiches – und eben auch griechisch, die Lingua Franca der Antike. So lasen sie auch die heiligen Schriften in Griechisch – nach der Ausgabe der Septuaginta – wie Lukas selbst eindrucksvoll durch seine Zitate daraus zeigt. Weil sie eine andere Sprache  – und teilweise auch eine andere Kultur hatten, haben sie auch in Jerusalem ihre eigen Synagogen, wie aus Apg 6,9 deutlich wird: „Da standen einige auf von der Synagoge der Libertiner und der Kyrenäer und der Alexandriner und einige von denen aus Zilizien und der Provinz Asien und stritten mit Stephanus.“

Warum war das so, dass gerade die hellenistischen Juden den Streit vom Zaun gebrochen haben? Seither gab es für die Apostel Probleme mit den Obersten des Volkes, aber sonst waren die Jünger wohl gelitten. Apg 2,46 berichtet: „Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen 47 und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.“

Die Jünger, und die Gemeinde, die sich um sie sammelte, waren also nicht nur wohl gelitten und respektiert im Volk, sie hatten auch Erfolg mit ihrem Zeugnis von Jesus Christus!

Das sehen wir auch an dem Ausgang der Auseinandersetzung mit dem Sanhedrin Apg4,5ff nach der Heilung des Bettlers, nachdem Petrus und Johannes eine Nacht im Gefängnis verbracht hatten: „Als nun der Morgen kam, versammelten sich ihre Oberen und Ältesten und Schriftgelehrten in Jerusalem, 6 auch Hannas, der Hohepriester, und Kaiphas und Johannes und Alexander und alle, die vom Hohenpriestergeschlecht waren; 7 und sie stellten sie vor sich …  es folgt ein Verhör und Verwunderung darüber, dass einfache Leute wie Petrus und Johannes so freimütig vor den Gelehrten des Volkes, vor den Amts-und Würdenträgern mit ihrem Christuszeugnis auftreten:   14 Sie sahen aber den Menschen, der gesund geworden war, bei ihnen stehen und wussten nichts dagegen zu sagen. Sie beraten hinter verschlossenen Türen und kommen zu dem Ergebnis Vers 16 Was wollen wir mit diesen Menschen tun? Denn dass ein offenkundiges Zeichen durch sie geschehen ist, ist allen bekannt, die in Jerusalem wohnen, und wir können’s nicht leugnen.  17 Aber damit es nicht weiter einreiße unter dem Volk, wollen wir ihnen drohen, dass sie hinfort zu keinem Menschen in diesem Namen reden. 18 Und sie riefen sie und geboten ihnen, keinesfalls zu reden oder zu lehren in dem Namen Jesu.

19 Petrus aber und Johannes antworteten und sprachen zu ihnen: Urteilt selbst, ob es vor Gott recht ist, dass wir euch mehr gehorchen als Gott. 20 Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“

Die religiöse Führung erkennt durchaus die Gefahr, dass der Glaube an Jesus Christus eine hohe Attraktivität besitzt und eine Anziehungskraft auf das Volk ausübt. So verbieten sie den Jüngern, von Jesus zu reden. Diese gehen natürlich straks in den Tempel, was auch nicht verborgen bleiben kann:

Apg 5,25 Da kam jemand, der berichtete ihnen: Siehe, die Männer, die ihr ins Gefängnis geworfen habt, stehen im Tempel und lehren das Volk. 26 Da ging der Hauptmann mit den Knechten hin und holte sie, doch nicht mit Gewalt; denn sie fürchteten sich vor dem Volk, dass sie gesteinigt würden.

27 Und sie brachten sie und stellten sie vor den Hohen Rat. Und der Hohepriester fragte sie 28 und sprach: Haben wir euch nicht streng geboten, in diesem Namen nicht zu lehren? Und seht, ihr habt Jerusalem erfüllt mit eurer Lehre und wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen. 29 Petrus aber und die Apostel antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Als vorläufiges Fazit zu der Situation der angestammten Gemeinde aus der römischen Provinz Palästina können wir festhalten, dass die Schwierigkeiten erst zur Verfolgung eskalieren, wo die Jünger provozieren. Das wird auch heute verfolgten Christen angelastet, dass sie quasi an der Diskriminierung, Unterdrückung oder Verfolgung selber schuld wären, weil sie durch das „missionieren“ die Menschen, die Religion, die Kultur oder den Staat provozierten. Wir müssen festhalten: unser Glaube an Jesus Christus bringt uns per se dort in Konflikte, wo Gottes Gebot von Menschen nicht akzeptiert wird. Der Konflikt ist nur vordergründig ein menschlicher. Im Grunde geht es aber darum, dass Menschen sich nicht von Gott dreinreden lassen wollen. Christen wissen mit Petrus und Johannes: Wir müssen Gott mehr gehorchen als den Menschen – und wenn das als Provokation empfunden wird!

Trotzdem können wir die Augen nicht davor verschließen, dass mit den Aposteln relativ gelinde umgegangen wird. Sie sind im Volk beliebt, sie gehören (noch) zum System, noch sind sie nicht zu Außenseitern abgestempelt, noch sind sie nicht Opfer der Desinformation, der Propaganda, der Intoleranz, Diskriminierung oder Unterdrückung. Das alles und mehr, bis hin zu Hinrichtungen von Jakobus und Petrus wird bald folgen (wie in allen Verfolgungssituationen), aber das Problem bricht unter den hellenistischen Juden auf. Warum?

Warum gehen die griechischsprachigen Synagogen so heftig gegen Stephanus vor? Die Antwort ist eine einfache: die hellenistischen Juden sind ihre Sache nicht sicher. Sie werden von den aramäisch sprechenden Bewohnern Palästinas als „Juden zweiter Klasse“ betrachtet und behandelt. Sie müssen unter Beweis stellen, dass sie „richtige“ Juden sind. Dadurch, dass so viele von ihnen an Jesus gläubig geworden sind, sind sie bei den angestammten Bewohnern Jerusalem noch mehr in Verruf und Verdacht gekommen. Sie müssen um den Erhalt ihres zumindest halbwegs anerkannten Standes kämpfen.

Auch dies ist ein Charakteristikum der Christenverfolgung überhaupt: Christen werden vor allem dort verfolgt, wo die vorherrschende Religion, oder das vorherrschende politische System beziehungsweise das Fehlen einer funktionierenden öffentlichen Ordnung grundsätzliche Schwächen aufweist. Eine Religion, die von ihrer eigenen Überzeugungskraft überzeugt ist, eine Regierung, die das Vertrauen des Volkes genießt, diese haben es nicht nötig, Minderheiten unter Druck zu setzen oder zu verfolgen. Das Hauptmotiv für religiös bedingte Verfolgung ist Angst. Nun wissen wir, dass die Angst kein guter Berater ist, aber wir erleben es weltweit, das paranoide Regierungen oder Vertreter von Religionen die Hetze gegen Christen machen, weil sie Angst haben, ihre Vormachtstellung an oder durch die Christen zu verlieren. Ein besonders absurdes Beispiel ist die Türkei, die in den letzten 100 Jahren den Bevölkerungsanteil der Christen von ehemals über 20 % auf 0,03 % mit ihren repressiven Maßnahmen reduziert hat. Trotzdem ist die verschwindend kleine christliche Minderheit anscheinend für sie subjektiv immer noch eine Gefahr, denn es wird gegen sie in den Medien Propaganda gemacht, in Filmen und Fernsehen gegen sie gehetzt, die Ausbildung vom geistlichen Stand der Christen behindert, die Renovierung  oder den Bau von Kirchen verboten und anderes mehr.

Es gab Zeiten in der Geschichte, wo der Islam, der Hinduismus oder der Buddhismus souveräner mit den christlichen Minderheiten umgegangen sind. Zurzeit aber erleben diese Religionsgemeinschaften in den Ländern, wo sie eine überwiegende Mehrheit haben, eine Sinnkrise, sie wissen um ihre innere Schwachheit und fühlen sich auch von einer kleinen christlichen Präsenz bedroht. Es ist augenscheinlich, dass sie ihrer Sache nicht sicher sind und darum den Trend zum religiösen Radikalismus erleben.

Auch in Jerusalem der Jahre 30-32 n. Chr. gab es eine Angstbesessenheit unter den griechisch sprechenden Juden. Bei den vielen Bekehrungen unter ihresgleichen zum Messias Jesus Christus kam eine Stimmung der Angst auf, die letztlich dazu führte, dass Stephanus als erster christlicher Märtyrer zu Tode gesteinigt wurde. Seine Rede beziehungsweise seine Predigt ist ein einziges Bekenntnis zu Gottes Heilswirken in der ganzen Geschichte des Volkes Israels, dass Jesus als den verheißenen Menschensohn einschließt. Einem der jungen Theologen der Hellenisten brachte das besondere Genugtuung:

Apg 8, 1 Saulus aber hatte Gefallen an seinem Tode. Es erhob sich aber an diesem Tag eine große Verfolgung über die Gemeinde in Jerusalem; da zerstreuten sich alle in die Länder Judäa und Samarien, außer den Aposteln. 2 Es bestatteten aber den Stephanus gottesfürchtige Männer und hielten eine große Klage über ihn. 3 Saulus aber suchte die Gemeinde zu zerstören, ging von Haus zu Haus, schleppte Männer und Frauen fort und warf sie ins Gefängnis.

Was daraus folgt ist typisch für die Verfolgungssituation, die aufgrund eines lebendigen Zeugnisses entsteht: was als Gericht über die Gemeinde erscheint ist in Wahrheit große Gnade! Während die Apostel und der Kreis der Jünger, die in Palästina ihrer Heimat hatten und aramäisch sprachen von dieser Verfolgung nicht betroffen waren, sondern sogar in Jerusalem bleiben konnten, mussten die hellenistischen Christen die Stadt verlassen und fliehen. Erst hier setzt die eigentliche Missionsbewegung an. Unfreiwillig gehen die neuen Jünger Jesu aus den verschiedenen Völkern beziehungsweise Ländern zurück in ihre Heimat und nehmen das Evangelium mit. Der lateinische Kirchenvater Tertullian aus Karthago sagte im Blick auf die Christenverfolgungen, die er auch persönlich erlebte, zum Beispiel die severianische im Jahr 202: „Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Kirche“.

Das muss die antike Welt beeindruckt haben, wie die an Jesus gläubig gewordenen hellenistischen Juden durch die Vertreibung aus Jerusalem nicht den Mut verloren, sondern die Chance zum missionarischen Zeugnis in ihrer Heimat ergriffen haben! Das ist wohl auch die Dynamik hinter dem Geheimnis, dass gerade die verfolgte Kirche am stärksten wächst. Das Zeugnis ist in der Verfolgungssituation eindeutig und ohne Abstriche glaubhaft. Es besticht, wenn Menschen bereit sind, sogar ihr Leben für eine Sache zu opfern. Das inspiriert und fordert heraus. Das ficht an!

So sehen wir am Beispiel des Apostels Paulus und Barnabas, wie es gerade die junge, aus der Verfolgung  entstandene Gemeinde in Antiochien ist, die den Auftrag als erste sendende Gemeinde aufnimmt.

Auch die in Palästina beheimatete Gemeinde musste dann eine Welle der Verfolgung über sich ergehen lassen. Darin sehen wir eine weitere Dynamik der Verfolgung:

Verfolgung fängt in der Regel bei den Schwächsten an, hört aber vor den Stärkeren nicht auf:

Apg 12, 1 Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu misshandeln. 2 Er tötete aber a Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert. 3 Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen.

Unter der Ägide des kürzlich aus seinem Amt geschiedenen Ratsvorsitzenden der EKD hat sich ein Wandel im Denken der obersten Leitungsebenen der EKD vollzogen.  War bis zur EKD-Synode in Leipzig die Mission eher suspekt in den der EKD – man redete lieber von „Partnerschaft mit den jungen Kirchen“ und reduzierte das christliche Zeugnis auf diakonisches Wirken ohne Verkündigung – so entdeckte die Synode – u.a. durch den Grundsatzreferat Eberhard Jüngels – das Thema Mission für sich neu. Das hatte Konsequenzen auch für die Stellung der EKD zu verfolgten Christen. Die Kirchenleitung merkte, dass eine Kirche, die einlädt, automatisch auch unter Feuer geraten kann. Eine Kirche, die nicht einlädt, ist allen egal – aber eine Kirche, die einlädt, weckt Rivalität, Neid und Hass. Das hat in der Kirchenleitung etwas Sensibilität auch für die evangelikalen Missionsinitiativen verliehen. Man kann eben nur mitfühlen, wenn man auch selbst betroffen ist. Und das sollten sich die Christen merken, die meinen, nur die „Radikalen“ wären von Verfolgung und Widerstand betroffen: Wenn eine Verfolgungssituation aufkommt oder Unterdrückungsmaßnahmen ergriffen werden, und sie dennoch Jesus treu bleiben – wird das alles auch sie betreffen. Wie die Verfolgung in der Apostelgeschichte auch den „etablierten Jüngerkreis“ erreichte – bis hin zur Hinrichtung eines der Führungskräften aus dem engsten Kreis um Jesus (Jakobus) – so macht sie nicht halt vor Kirchen, und Christen, die sich lange in Sicherheit wägten. Das hat bei uns in der EKD die Kirchenleitung begriffen und das ist wohl auch der Hintergrund hinter den positiven Stellungnahmen zu Verstößen gegen evangelikale Missionare und Werke…

Wir sehen im Verlauf der Apostelgeschichte, im Besonderen bei den Missionsreisen des Paulus, wie vielfältig die Formen des Widerstands gegen das Evangelium und der Verfolgung sein können –  wie einerseits Störfaktoren  auf Zypern und in Philippi zunächst die Ausbreitung des Evangeliums zu verhindern scheinen (Elymas und die Herren der Wahrsagerin) und auf der anderen Seite konkrete Verfolgung durch Volksverhetzung und Lynchjustiz in Galatien zur Festigung der Gemeinde führt.

Die Versuchung durch falsche Brüder – nichts schlimmer als Verrat von innen – den Gegner von außen kann man ertragen, aber von innen…

Summa summarum – es ist beeindruckend, wie die Christen der Apostelgeschichte trotz unterschiedlichster Formen des Widerstands immer weiter machen und scheinbare Niederlagen in Erfolge verwandelten:  Priscilla und Aquilla nutzen die Ausweisung aus Rom im Jahre 55 durch Kaiser Claudius als Gelegenheit, die Gemeinde in Ephesus zu stärken – Paulus lässt sich nicht von den Hindernissen, sein Ziel in Asien zu erreichen, entmutigen, sondern lässt sich den Blick für Europa schenken, später nutzt er die Gefangenschaft zum Briefe schreiben und unterrichten…

Die Apostelgeschichte ist ein Buch ohne abschließendes Ende. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes eine „unendliche Geschichte“. Das Zeugnis von Jesus und das Leiden für Jesus gehen weiter. Aber sie gehen weiter im Wissen darum, dass am End alle Knie sich vor Jesus beugen werden und er alle Tränen abwischen wird.

 

Europa und die Religionsfreiheit – was kommt auf uns zu? 

Der Umbruch ist vorprogrammiert

Europa wird in den nächsten 40 Jahren einen Umbruch erleben, der seinesgleichen sucht. „Europa schafft sich ab“ – nicht nur Deutschland – und zwar lässt sich das rein rechnerisch erhärten: Stetig abnehmende Geburtsstatistiken von derzeit 1,3 % in Deutschland bis 1,1 % in Spanien und Italien sagen bereits alles: aus zwei mach eins… in jeder Generation seit der Geschlechtsrevolution der sechziger Jahre halbiert sich die künftige Generation. Das hat bereits vor über zehn Jahren zu der alarmierenden Erkenntnis geführt, dass in Deutschland die Kassen nicht in der Lage sein werden die Rente der Arbeitnehmer, die monatlich treu einzahlen, zu bezahlen. Die „Familienplanung“ hat nur an den Augenblick des Individuums und nicht an die Zukunft der Gesellschaft gedacht. Das Statistische Bundesamt hat schon 2007 errechnet, dass bis zum Jahr 2052 die deutschstämmigen in Deutschland eine Minderheit sein und Muslime die Mehrheit bilden werden. Das ist eine ganz nüchterne mathematische Hochrechnung: die Bundesrepublik Deutschland – wie viele anderen Länder in Europa – wird auf die Zuwanderung von jährlich hunderten von tausenden angewiesen sein, damit die Volkswirtschaft nicht kollabiert. Die angrenzenden islamischen Länder mit 70 % der Bevölkerung unter 30 Jahren werden die benötigten Zuwanderer liefern. Das ist allen Verantwortlichen im Bereich der Politik und Wirtschaft bekannt. Sie sehen dazu keine Alternative. Wie wird es nun mit Europa weitergehen, wenn eine für europäische Verhältnisse vollkommen neue Kultur und Religion anfängt, Ansprüche zu stellen? Die ersten Erfahrungen damit haben wir bereits gemacht. Außereuropäische Soziologen sagen schon länger: Europa hat sich aufgegeben.

Die Herausforderungen für Europa: Laizismus und Islam

Das ist aber nur die eine Hälfte unseres Problems. Die andere ist, dass die laizistischen Tendenzen in der europäischen Gesetzgebung dahin gehen, dass die religiösen Anschauungen und Empfindungen vor allem von bibeltreuen Christen nicht nur als nicht Schützens würdig, sondern als für die Gesellschaft „gefährlich“  angesehen werden. Eine ablehnende Haltung zu einem rein „wissenschaftlichen“ Weltbild etwa, ohne Schöpfer und ohne Richter der Welt, oder zur homophilen Lebensweise wird als „Gefahr“ für die aufgeklärte europäische Gesellschaft gesehen. Wie der Fall Åke Green in Schweden und die diversen Vorstöße gegen „Hasspredigt“ in Europa zeigen, ist es jetzt schon möglich einen Prediger zu einer Haftstrafe zu verurteilen, nur weil er eine bestimmte – inzwischen gesellschaftlich akzeptierte – Handlungsweise nach den Vorgaben der Bibel Sünde nennt. Vermehrt erheben sich die Stimmen, dass Kinder vor „homophoben“ und „kreationistischen“ Einflüssen geschützt werden müssen.

Die Religionsfreiheit muss geschützt werden

In Europa haben wir noch Religionsfreiheit – vielleicht größere Freiheit in der Ausübung unseres Glaubens als sonst wo auf dieser Welt. Gerade der Fall Åke Green zeigt, dass die Gerichte noch funktionieren: Er wurde in höchstrichterlicher Instanz nach Berufung und Vertretung durch ein internationales Team von Anwälten am Ende doch noch freigesprochen. Noch gibt es immer wieder Fälle, in denen der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (ECHR) gegen Unrecht in einzelnen Ländern bei Verstößen gegen die Religionsfreiheit seine Urteile fällt. So auch 2010 wieder zum Schutz einer Gemeinde von Gehörlosen Zeugen Jehovas in Tscheljabinsk oder der Heilsarmee in Moskau.

Religionsfreiheit ist ein zutiefst europäisches Gut und muss geschützt werden. Die Religionsfreiheit ist „die Mutter aller Menschenrechte“. Es ist unserem Judeo-christlichen Erbe zu verdanken, dass wir Religionsfreiheit überhaupt genießen. In anderen Ländern und geographischen Gebieten, die von einer anderen Religion geprägt sind, gibt es dieses Konzept der Religionsfreiheit nicht – auch nicht der allgemeinen Menschenrechte. Der Gott der Bibel hat von Anfang an auf freiwillige Zuwendung der Menschen gesetzt. Das ganze Alte Testament ist eine Geschichte von Gottes Ringen um die Liebe und Treue seines Volkes! Gott will Zuwendung, nicht blinden Gehorsam auf Grund eines Zwanges wie das etwa der Islam vorgibt durch das Gesetz gegen den „Abfall vom Islam“.

Die Ausbreitung der christlichen Botschaft im Mittelalter auf die europäischen Völker und die Etablierung der christlichen Kirchen haben dazu beigetragen, dass die im christlichen Glauben verankerten Werte der unantastbaren Würde eines jeden Menschen und seines Gedankengutes, auch seines Rechtes auf freie Meinungsäußerung, in der Kultur des Westens allgemeine Anerkennung gefunden haben. All das ist nicht zu denken ohne die christlichen Werte, die sie hervorgebracht haben. Religionsfreiheit ist ein abendländisches Exportgut geworden, das allerdings nicht überall auf der Welt geschätzt wird. So ist gegenwärtig in Indien eine Radikalisierung in der Hindutva-Bewegung zu verzeichnen. 2010 sollte im buddhistischen Königreich Bhutan entschieden sein, ob eine (!) christliche Organisation grundsätzlich registriert werden kann. Mehr als 25 Jahre nach der Verabschiedung der Islamischen Menschenrechtsdeklaration gibt es in den Mitgliedsstaaten der islamischen Welt immer noch keine Garantie der Religionsfreiheit, d.h. auch des Grundrechtes, seine Religion selbst zu wählen oder zu ändern.

Laizismus und Islam sind eine Gefahr für die Religionsfreiheit

Als Herausgeber der AKREF Nachrichten und Gebetsanliegen  beschäftigen mich in der Regel Meldungen aus nicht europäischen Ländern. Im Vergleich zu vielen Ländern der Welt haben wir nahezu traumhafte Bedingungen, in Europa unseren Glauben in unserem Alltag zu leben, im gelebten Leben umzusetzen. Das sind Rechte, die wir bei weitem nicht genügend ausschöpfen! Diese Rechte sind in den allgemeinen Menschenrechten und somit im Grundgesetz der europäischen Länder und der noch im Werden befindlichen europäischen Verfassung garantiert. Und dennoch lässt sich nicht bestreiten, dass das “Klima” in Europa, was die Religion im Allgemeinen und die Religionsfreiheit im Einzelnen betrifft, sich verändert und dabei rauer geworden ist. Die Meldungen aus Europa werden immer mehr.

Es sind vielfach atmosphärische Dinge, die uns im Blick auf diesen Sachverhalt beunruhigen, ja Sorgen machen. Hat man sich daran gewöhnen müssen, dass aufgrund der Presse- und Meinungsfreiheit christliche Werte und Glaubensgefühle verhöhnt, bespottet, mit Füßen getreten werden, so merken wir jetzt, im kulturell und religiös aufgemischten Europa es Anhänger einer anderen Religion gibt, die in keiner Weise bereit sind, solche Häme im Blick auf ihre religiöse Identität in christlicher Manier zu dulden. Im Gegenteil, ein bestimmter Flügel der in Europa lebenden Muslime testet die Grundsätze der Religionsfreiheit auf ihre Belastbarkeit und fordern lautstark ihre „Rechte“, wie sie sie sehen, gegen bestehendes, geltendes Recht ein. Das kann zur Gefahr für die Religionsfreiheit überhaupt werden!

Nehmen wir beispielsweise das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Januar 2002 zum Thema Schächten ohne Betäubung, so wurden die entsprechenden Gesetze zu Tierschutz als nachrangig zum Grundrecht der Religionsfreiheit gedeutet, obwohl es höchst umstritten ist, ob ein Betäubungsverbot aus den entsprechenden Rechtstexten des Islam abgeleitet werden kann und höchst fraglich ist, ob wir in Europa den Rahmen bieten können – oder wollen – in dem ein Scharia konformer Islam praktiziert werden kann. Nicht umsonst wird immer wieder nachgefragt, ob diese Form des Islam kompatibel zum Grundgesetz ist. Die bevorzugte Behandlung des Prinzips der Religionsfreiheit kann einen auf der einen Seite Mut machen, dass die Prinzipien der Religionsfreiheit hoch gehalten werden. Auf der anderen Seite wird erkennbar – dass unsere Europäische Rechtsprechung an ihre Grenzen gebracht wird.

Der Versuch, den Islam zu manipulieren

Was kommt auch jetzt auf uns zu mit dem staatlichen Bestreben, durch die Gründung von säkular konzipierten islamischen Fakultäten an deutschen Universitäten einen „Euroislam“ zu erzeugen? Es ist der erklärte Wille der Parteien wie der Regierungen von Bund und Ländern, durch eine gezielte Auswahl der Lehrkräfte und durch die Festlegung eines akzeptablen Kurrikulums den Glauben der hier lebenden Muslime zu verändern! Selbstverständlich würde ich mir wünschen, dass die Gläubigen sich radikal von manchen Vorstellungen und Aussagen der geltenden islamischen Jurisprudenz und Rechtsprechung distanzierten. Es ist aber eine ebenso radikale Verletzungen der Religionsfreiheit, Menschen eine ihnen fremde Art und Weise zu glauben aufzuzwingen. Die Veränderungen im Islam müssen von innen heraus kommen. Das wird meines Erachtens nur geschehen, wenn moderne Muslime selber Empörung und Entrüstung über manche Vorstellungen ihrer Glaubensgenossen empfinden und den Mut zum öffentlichen Protest aufbringen. Ich bin ein Anhänger der Kleist’schen Vorstellung, dass zwei Füße reichen, um ins Straucheln zu geraten. Wir müssen nicht und dürfen nicht nachhelfen! Wir blicken gespannt auf die in Umbruch befindliche arabische Welt und hoffen und beten, dass der Islamismus nicht den Sieg davon trägt…

Wie steht es um Europa heute hinsichtlich der Glaubens- und Religionsfreiheit?

Die Anti-Sekten Gesetzgebung Frankreichs der letzten Jahre macht es religiösen Minderheiten zunehmend schwerer, frei zu fungieren. In Belgien wird der CVJM vom Verfassungsschutz überwacht. Eine Gruppe von jungen Nordamerikanern, die in Belgien Straßenevangelisation betrieben, wurde kurzerhand ohne Verfahren deportiert. In England verlor eine koptische Christin ihre Anstellung als Stewardesse, weil sie darauf bestand, ein kleines Kreuz um den Hals zu tragen (obwohl Sikhs bei der Polizei den silbernen Armreif und den Turban als Zeichen Ihrer Religionszugehörigkeit im Dienst tragen dürfen). Spanien ist unter der gegenwärtigen Regierung einen großen Schritt in Richtung Laizismus gerückt. Demgegenüber ist eine landesweite Bewegung (Hatze oir) zum Schutz der Rechte katholischer Christen gegründet worden. In Österreich hat der Wiener Kardinal darauf hingewiesen, dass wir als Christen in der modernen Gesellschaft zu einer Minderheit geworden sind, die kreativ wirken soll und Bereitschaft zum Martyrium nötig hat. Als gläubige Christen sind wir eine Minderheit, eine Minderheit, die auch zum Leidenszeugnis für Jesus Christus künftig auch in Europa bereit sein muss.

Konservativ-christliche Positionen an den Pranger gestellt 

Nachdem der private Sender RTL im Herbst 2008 einen Themenabend den angeblichen “Evangelikalen” gewidmet hat, zog kurz danach 3sat mit einem ganzen Thementag zum Thema “Religiöser Extremismus” nach. Fazit beider Sendungsreihen sollte sein, dass der Glaube, wenn der Mensch ihn ernst nimmt, gefährlich sei. Inzwischen haben SAT1 und ARD/ZDF (zuletzt Panorama21) mit ähnlich verunglimpfenden Sendungen nachgezogen. Im April letzten Jahres haben die beiden ARD-Journalisten Oda Lambrecht und Christian Baars, in ihrem Buch „Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland“ evangelikale Christen aufs heftigste kritisiert, verunglimpft und als Gefahr für die Gesellschaft dargestellt.

Konservative Christen, ob katholisch, orthodox oder evangelisch-evangelikal haben nur das Anliegen, das althergebrachte Gut zu “konservieren”, zu bewahren. Sie werden aber neuerdings beschimpft als Neo-Konservative, Neo-Evangelikale und Neo-Charismatiker, als ob das Neo– eine Affinität zum Faschistischen nachweise. Konservative, ob Katholik, orthodox oder evangelisch-evangelikal, fühlen sich zunehmend in dieser Welt missverstanden und mutwillig falsch dargestellt. Sie werden immer mehr für borniert, hasserfüllt, machtlüstern und kriegerisch in den Medien dargestellt. Und das nicht nur in eher skurril anmutenden Fällen wie der eingangs erwähnte Fall in Moskau, wo der Heilsarmee die Betriebserlaubnis entzogen wurde, weil sie eine „militaristische Organisation” sei. Speziell die Evangelikalen werden als politische Macht dargestellt, die „mit ihren Dollars die Kriegsmaschinerie fördert und militärisch verstandene Kreuzzüge veranstalte”. Konservative Christen, die den Modernismus und speziell den Postmodernismus für eine Verfehlung halten, werden generell als suspekt betrachtet. Die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat gesagt, dass sie es nicht  für notwendig hält, mehr Religionsfreiheit einzuräumen, sondern eher die Gesellschaft „vor extremen religiösen Formen zu schützen“.

Ausblick

Toleranz wird in Europa zunehmend nicht mehr als Gewissensfreiheit in religiösen Überzeugungen verstanden, sondern als fortschreitende Loslösung von religiösen Normen auf der einen Seite und auf der anderen als ein Verbot von „zwanghaften“ religiösen Elementen, um vor dem religiösen Extremismus zu schützen. Im Namen der „Toleranz“ wird religiöse Aktivität eingeschränkt und das Recht auf freie Meinungsäußerung ausgehöhlt. Die Regierungen Westeuropas scheinen den Weg eingeschlagen zu haben, im Namen der „Gleichbehandlung“ die Rechte von Christen im gleichen Maße wie Freiheiten von religiösen Extremisten aus Staatssicherheitsgründen zu beschneiden. Wo der extremistische Islam kritisiert wird, ist man im Geiste der „politisch korrekten Sprache“ bemüht, konservative Formen des christlichen Glaubens mit zu verurteilen. So etwa der ehemalige Generalsekretär des ÖRK Prof. Konrad Reiser auf dem deutschen Pfarrertag in Kiel, der die „Gefahr von christlichen Fundamentalisten mindestens so hoch“ einschätzt, wie die von islamistischen Fundamentalisten. Will man sich bei uns in Deutschland und Europa beim geringsten gemeinsamen Nenner, was Religion angeht, treffen?

Bei allem, was uns Sorge bereitet, dürfen wir wissen: unser Herr sitzt im Regiment! Er wird seine Kirche und diese Welt zum Ziel bringen. Oder mit dem dritten Bundespräsidenten zu sprechen: „Wir wissen nicht was kommt, aber wir wissen wer kommt!“

 

(Dieser Artikel wurde veröffentlicht in: Gemeinschaft, Das Magazin für Gemeinschaften, Hauskreise, Gemeinden und Kleingruppen Nr 08/09 2011 S.4ff)

Seit Langem jetzt echter Fortschritt in der Leben-Jesu-Forschung

Ein Buch Das letzte Abendmahl Jesu – wie die unterschiedliche Berichterstattung der synoptischen Evangelien und Johannes die chronologischen Probleme der Karwoche löst

In seinem 2011 erschienen Buch „The Mystery of the Last Supper – Reconstructing the Final Days of Jesus “ (Cambridge Univ. Press, 2011, inzwischen auch in einer guten Übersetzung auf Deutsch erhältlich: Humphreys, Colin J. Die letzten Tage Jesu und das Geheimnis des Abendmahls. Urachhaus, 2012. 330S. €29,90,Gebunden) hat der Professor und Direktor des Forschungsinstitutes in der Abteilung Metallurgie und Stoffverwandten Wissenschaften an der Universität Cambridge Sir Colin J. Humphreys seine Forschungsergebnisse der letzten 30 Jahren zu den scheinbaren Unstimmigkeiten der Evangelien im Blick auf die letzten Tage Jesu vorgelegt. Im Besonderen ergeben sich aus seiner Forschung Konsequenzen für das Verständnis des letzten Abendmahls Jesu am Tag seiner Verhaftung und für die Determinierung des Zeitpunktes der Kreuzigung Jesu Christi.

In einer pädagogisch für uns im deutschsprachigen Raum ungewöhnlichen aber hoch effektiven Art und Weise behandelt Humphreys in seiner systematischen Vorgehensweise das ganze Themenfeld. Er nennt zunächst die durch die Evangelientexte gesetzte Problematik und gibt einen Überblick über die Forschungsgeschichte und bisherigen Lösungsansätze um am Ende fest zu stellen, dass es bisher keine befriedigende Lösung zur scheinbaren Diskrepanz zwischen der Schilderung der Kreuzigung Jesu nach Johannes am Tag der Schlachtung des Passahlamms vor der abendlichen Passahmahlfeier einerseits und der Schilderung der synoptischen Evangelien andererseits, wonach Jesus am Tag nach dem Passahmahl (Jesus setzt das Abendmahl im Rahmen der Passahfeierlichkeiten ein) hingerichtet wird.

Im Blick auf seine Methodik betont Humphreys seine rein naturwissenschaftliche Arbeitsweise, wobei er die Evangelientexte als schlichte historische Dokumente des ersten Jahrhunderts betrachtet. Für ihn ist es als Naturwissenschaftler zunächst wichtig, ohne Vorurteile oder fertige Konzepte an die Texte heran zu gehen. Die für den Leser offenkundigen Diskrepanzen zwischen Johannes und den Synoptikern sind für ihn möglicherweise auch durch den Leser selbst erzeugt, beispielsweise dadurch, dass ihm etwa zum Verständnis der Texte nötige Hintergrundwissen fehlen könnte. Am Ende seiner Untersuchung stellt sich eben diese  – von anderen schon früher geäußerte, aber nicht erhärtete – Vermutung heraus: ein fehlendes Wissen um den Umgang mit dem Kalender in Palästina zur Zeit Jesu. Humphrey liefert nun mit diesem Werk eine umfassende und detaillierte Studie zu gebräuchlichen jüdischen und israelitischen Kalender jener Zeit. Er deckt dabei bisherige Missverständnisse im wissenschaftlichen Diskurs auf, am deutlichsten weitestgehende Unkenntnis über die Methode der Feststellung des Neumondes in den divergierenden Kalendertypen der Babylonier und der Ägypter.

Über die Implikationen seiner Entdeckung (etwa die Beziehung Jesu zum Tempel, Jesu Stellung zu Israel, die Beziehung zwischen Galiläer und Judäer, die Essenerfrage, die Zelotenforschung u.a.m.) für die neutestamentliche Forschung ist Humphreys als Naturwissenschaftler sich vielleicht gar nicht bewusst. Diese wird aber die Evangelien – vor allem das Johannesevangelium – mit anderen Augen lesen müssen, wenn Humphreys Thesen nicht widerlegt werden.

Folgende kurz gefassten Ergebnisse seiner naturwissenschaftlichen, historischen und philologischen Untersuchungen stellen wir zusammen:

Humphreys beginnt mit einer Darstellung der bisher bekannten Problemstellung: Johannes platziert das letzte Abendmahl, die gerichtlichen Untersuchungen und die Kreuzigung Jesu alle vor das offizielle jüdische Passahmahl. Nach dem Bericht des Johannes ist Jesus zu just dem Zeitpunkt gestorben, zu dem die ersten Passahlämmer geschlachtet wurden, um 15:00 Uhr am 14. Tag des jüdischen Monates Nisan. Dies wird im Blick auf die Angaben in den anderen kanonischen Evangelien Matthäus, Markus und Lukas (Synoptiker) fast flächendeckend in der theologischen Wissenschaft als „theologische Interpretation“ des Todes Jesu durch Johannes gewertet.

In den synoptischen Evangelien ist das letzte Abendmahl ein Passahmahl. Jesus wurde demzufolge nach dem Passahmahl gekreuzigt, am 15. Tag des Monats Nisan. Darum scheinen Johannes und die synoptischen Evangelien sich uneins zu sein – nicht nur in dem Punkt, ob das letzte Abendmahl ein Passahmahl war oder nicht, sondern auch im Punkte des Datums der Kreuzigung. Eine Fülle von anderen Widersprüchlichkeiten zwischen den Berichten ist die Folge dieser Analyse.

Die Lösung dieses genannten Problems besteht nach den Argumenten dieses Buches darin, dass in ihrer Beschreibung des letzten Abendmahls als Passahmahl Matthäus, Markus und Lukas einen anderen Kalender verwendeten als Johannes. Diese Theorie ist nicht neu. Neu ist aber, dass Humphreys das auch einleuchtend mit der Rekonstruktion eines historischen Kalenders belegen kann.  In seinem Buch identifiziert Humphreys nun die unterschiedlichen Kalender, die in Palästina zur Zeit Jesu benutzt wurden und erklärt ihre Eigenheiten. Das ist das Bahn brechende an diesem Werk. Noch niemandem war es zuvor gelungen, eine plausible Erklärung für die Unterschiede in den postulierten Kalendern zu geben und diese zu belegen. Humphreys tut das mit äußerster Klarheit, vollkommen nachvollziehbar für den wissenschaftlich arbeitenden.

Humphreys zeigt auf, dass Johannes – im Gegensatz zu den Synoptikern – dem offiziellen nach-exilischen jüdische Kalender folgt, das von den Priestern des Tempels in Jerusalem im ersten Jahrhundert n. Chr. verwendet wurde. Dieser Kalender war ein Mondkalender mit einer Tageseinteilung nach babylonischem Muster, die am Abend begann und am nächsten Abend endete. Nicht die Nacht, sondern der Sonnenuntergang bzw. die Abenddämmerung trennte die Tage voneinander.

Humphreys stellt folgende Rechnung auf: Nach diesem offiziell gebräuchlichen jüdischen Kalender babylonischen Ursprungs wurde das Passahlamm gemäß dem mosaischen Gesetz nach Anordnung des Tempels am Nachmittag des 14. Nisan geschlachtet (wobei in gewissen Ausnahmefällen eine Schlachtung bereits am 13. Zugelassen wurde). Das Passahmahl wurde nach Sonnenuntergang des gleichen Tages gegessen, nach diesem Kalender war der Abend des 14. Nisan schon der 15. Nisan.

Humphreys zeigt ferner auf, dass Matthäus, Markus und Lukas in ihrer Beschreibung des letzten Abendmahls einen anderen mondbasierten Kalender benutzten, der nach vor-exilischem, d.h. ägyptischem Muster, eine Tageseinteilung von Sonnenaufgang bis Sonnenaufgang hatte – eine Tageseinteilung wie wir sie heute kennen. Auch nach diesem Kalender wurden sowohl das Opfer des Passahlamms als auch das Essen des Passahmahls kalendertechnisch am 14. des Monats Nisan begangen, wobei ein grundsätzlicher Unterschied zum Tempelkalender von mindestens einem Kalendertag bestand. Das ergibt sich aus der Zeitspanne zwischen der Fesstellung des Neumondes bei erstem Fehlen des Mondes am Himmel und der Feststellung bei erstem Erscheinen. Das ist zwar ein grundsätzlicher Unterschied, aber noch nicht das Entscheidende. Wesentlich ist auch die Errechnung bzw. Feststellung des Neumondes nach dem ägyptisch-vorexilischen Kalendertypus: Wenn der Tag mit Sonnenaufgang beginnt, dann muss der Neumond logischerweise am Morgen, und nicht am Abend festgestellt werden – sonst wäre der erste Tag des neuen Monats bereits verstrichen bis der neue Monat festgestellt wäre. Gerade die Neumondfeste hätten dann nicht Termingerecht begangen werden können. Der 14. Nisan nach diesem Kalender wurde also nicht vom ersten sichtbar Werden des Neumondes am Abend errechnet, sondern vom ersten NICHT sichtbar Werden des Mondes am Morgen. Und weil die zeitliche Differenz zwischen erstmöglichem nicht Sichtbarwerden des Neumondes am Morgenhimmel und dem letztmöglichen Sichtbarwerden des Neumondes am Abendhimmel bis zu 60 Stunden betragen kann, war der kalendarische 14. Nisan je nach Himmelskonstellation nach dem vor-exilischen Kalender bis zu drei Tage vor dem 14. Nisan des offiziellen jüdischen (Tempel-) Kalenders. Mit Hilfe eines Astronomen der Universität Oxford und modernster Supercomputer konnte Humphreys diesen Tag genau errechnen.

Die Situation im Blick auf die unterschiedlichen Kalender zu jener Zeit ist uns nicht unbekannt: sie ähnelt der heutigen, wonach z.B. die griechischen und russisch-orthodoxen Kirchen normalerweise das Osterfest vor Katholiken und Protestanten feiern, weil die orthodoxen Kirchen noch den früheren julianischen Kalender das Datum des Osterfestes errechnen, wobei Katholiken und Protestanten den modernen gregorianischen Kalender verwenden. (Der mittelalterliche englische Mönch Beda Venerabilis hatte große Erfolge in seinen astronomischen Untersuchungen zur Feststellung des paschalen Mondes verzeichnet, aber die Umstellung auf den gregorianischen Kalender im Westen machte seine Arbeit im gewissen Sinne zu Nichte.) Auch manch eine abgelegene Insel Schottlands hat ihr altes Kalendarium beibehalten und feiert die kirchlichen Feste zu anderen Terminen als das Festland. Ein Beispiel, das Humphreys nicht nennt, wäre der islamische Kalender. Auch bei den Muslimen gibt es unterschiedliche „Sichtungen“ des Neumondes zum Iid, aber das ist eher ein praktisches als prinzipielles Problem. Dennoch: die großen Feste des Islam werden von verschiedenen Bevölkerungsanteilen an verschiedenen Tagen gefeiert.

Humphreys stellt fest: Alle vier Evangelien sind sich über Datum (14. Nisan) und Natur des letzten Abendmahls (bei Johannes einig – ihren Erzählungen liegen nur unterschiedliche Kalendertheorien zu Grunde, so dass der Eindruck für dem außen Stehemden entstehen kann, dass sie sich unterscheiden. Das letzte Abendmahl war ein reales Passahmahl nach dem Kalender, der von den synoptischen Evangelien verwendet wurde. Dieses Passahmahl wurde aber nicht zum gleichen Termin als das Passahmahl nach den offiziellen (jüdischen Tempel-) Kalender gegessen, sondern mindestens einen, wenn nicht zwei Tage vorher. Darum hält Humphreys die Aussage des Johannes für korrekt, wenn dieser sagt, dass das letzte Abendmahl vor dem offiziellen Passahmahl gegessen wurde. Humphreys stellt fest: Insofern stimmen alle vier Evangelien überein in punkto Datum der Kreuzigung. Diese fand statt am 14. Nisan nach dem offiziellen jüdischen Kalender statt, wobei Jesus um 15:00 Uhr, zur Zeit der Schlachtung der ersten Passahlämmer (so Johannes und auch Paulus) gestorben ist. Für Humphreys ist klar: Das gesamte Belegmaterial aus der Bibel und anderen frühen Dokumenten stimmt darin überein, dass Jesu Kreuzigung am 14. Nisan nach dem offiziellen Kalender stattgefunden hat.

Humphreys stellt sich die Frage: Welcher Kalender war es nun, den Jesus benutzte? Nach welchem Kalender hat er das letzte Abendmahl als Passahmahl mit seinen Jüngern gefeiert, wie es in den synoptischen Evangelien beschrieben wird? Der einzige glaubhafte Kalender, der seither von anderen vorgeschlagen wurde, ist der Sonnenkalender, der in der Qumrangemeinschaft Verwendung fand, einer Gruppe, die vermutlich Essener genannt wurden, wie in den Qumranrollen beschrieben wird. In seinem Buch weist Humphreys nach, dass dieser Kalender nicht in Frage kommt, weil nach diesem Kalender das Passahfest nach dem Passah des offiziellen jüdischen Kalenders stattgefunden hat.

Der „unterschiedliche Kalender“ den Humphreys ausgemacht hat, wonach Jesus sein letztes Abendmahl als Passahmahl feierte war der vorexilsche Kalender des alten Israel. Die Verscleppten aus Judäa hatten in Babylon im sechsten Jahrhundert v. Chr. den babylonischen Kalender übernommen, einschließlich Mondnamen nach babylonischen Stil. Dieser Kalender war ein Mondkalender mit Tageseinteilung von Sonnenuntergang zu Sonnenuntergang und blieb der offizielle jüdische Kalender bis in den ersten Jahrhundert n. Chr. Vor diesem Kalender nach babylonischem Typus verwendeten die Juden einen vorexilschen, altertümlichen Kalender vom ägyptischen Typus.

Diesen Kalender hat Humphreys als den altertümlichen vorexilschen Jüdischen Kalender identifiziert, der auf den altertümlichen ägyptischen Mondkalender basierte, aber mit einem Wechsel des ersten Monats in den Frühling (mit Namen „Abib“, was so viel heißt wie „herangreifende Gerstenähren“). Der Name dieses ersten Monats wurde später, während des babylonischen Exils, in „Nisan“ geändert (Nisan ist die hebräisierende Form des babylonischen Namens des ersten Monats Nisannu).

Der vorexilsche Kalender Israels war ein Mondkalender mit einer Tageseinteilung von Sonnen Aufgang bis Sonnenaufgang, genau so wie es der altertümliche ägyptische Mondkalender mit einer Tageseinteilung von Sonnenaufgang bis Sonnenaufgang gepflegt hatte. Dieser Kalender hielt sich bis in das erste nachchristliche Jahrhundert hinein. Humphreys hat gezeigt, dass unterschiedliche Gruppierungen diesen Kalender verwendet haben um das Passahfest zu errechnen, darunter die Samaritaner, die Zeloten und zumindest ein Teil der Essener. Durch den jüdischen Geschichtsschreiber Josephus wissen wir, dass sowohl Samaritaner, als auch Essener und Zeloten im ersten Jahrhundert n. Chr. sich in Jerusalem aufhielten. Es wäre also keineswegs außergewöhnlich gewesen, wenn Jesus diesen Kalender verwendet hätte, um sein letztes Abendmahl mit seinen Jüngern als Passahmahl zu feiern. Man könnte das vergleichen mit einem heutigen Christen, der sich dafür entscheidet, Ostern mal nach dem Julianischen Kalender zu feiern (wie Humphreys es in der Tat während seines Urlaubs in Griechenland getan hat), mal nach dem gregorianischen Kalender (welchen Humphreys natürlich benutzt wenn in England).

Mithilfe eines Astrophysikers der Universität Oxford hat Humphreys sowohl den offiziellen jüdischen Kalender als auch den vorexilschen jüdischen Kalender für das erste Jahrhundert n. Chr. rekonstruiert. Das Passahfest nach dem vorexilschen jüdischen Kalender war in der betroffenen Zeit immer einige Tage vor dem Passahfest des offiziellen post-exilischen jüdischen Kalendariums.

Aus den mit Hilfe von wissenschaftlich erstellten Algorithmen und eines Hochleistungs-rechenzentrums der Universität Oxford rekonstruierten Kalendern lassen sich der Tag der Kreuzigung am Freitag, den 3. April des Jahres 33 und der Tag des letzten Abendmahls am Mittwoch, den 1. April des Jahres 33 n. Chr. Festsetzen.

Humphreys hält fest: Durch seine Worte und Handlungen ist es klar, dass Jesus – konsequent zur Botschaft des Johannesevangeliums – sich als „den neuen Mose“ gesehen hat. Indem er beschloss, sein letztes Abendmahl als Passahmahl nach dem vorexilschen Kalender zu feiern, hielt er sein Passahmahl am exakten Jahrestag des ersten Passahmahls, beschrieben im zweiten Buch Mose. Somit hat Jesus sich symbolisch identifiziert als den neuen Mose, was auch überein stimmt mit dem, was er beim letzten Abendmahl sagte.

Nach dieser Datierung an Hand des Neumondes ergibt sich eine Zeitspanne von zwei Tagen zwischen letztem Abendmahl und Kreuzigung. Das hat zur Folge, dass Jesus das letzte Abendmahl nicht an Gründonnerstag gehalten hätte, sondern am Mittwoch der Karwoche. Das letzte Abendmahl auf den Mittwoch zu platzieren widerspricht natürlich der verbreiteten Annahme, dass dieses sich am Donnerstag ereignete. Der Donnerstag wird jedoch nirgends als Tag des letzten Abendmahls in der Bibel benannt. Eine detaillierte Analyse der Evangelien zeigt, dass sie in der Tat das Abendmahl auf den Mittwoch platzieren.

Das letzte Abendmahl – platziert am Mittwoch – löst die Probleme, die im ersten Kapitel des Buches beschrieben werden. Es erklärt was sich an dem „verlorenen Mittwoch “ ereignet hat. Es löst den scheinbaren Widerspruch zwischen Johannes und den Synoptikern betreffs Datum und Art des letzten Abendmahls. Mit einer Verhaftung Jesu in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag bleibt auch genügend Zeit für alle Ereignisse, die die Evangelien zwischen dem letzten Abendmahl und der Kreuzigung berichten. Schließlich bedeutet es auch, dass die jüdischen Gerichtsverhandlungen über Jesus nach den damals gültigen Vorgaben (, die später in der Mischna kodifiziert wurden,) „legal“ waren. Nach dem letzten Abendmahl am Abend bzw. in der Nacht von Mittwoch wurde Jesus in den frühen Morgenstunden des Donnerstag verhaftet. Die Hauptgerichtsverhandlung des Sanhedrins ereignete sich tagsüber am Donnerstag. Der Sanhedrin kam wieder in der Frühe am Freitagmorgen zusammen, um die Todesstrafe zu bestätigen. Dies stimmt mit den Vorgaben der Mischna überein, welche vorsieht, dass der Sanhedrin nur bei Tageslicht zu Gericht sitzen kann und in Fällen wo ein Todesurteil gefällt wird, das Urteil am nächsten Tag – ebenfalls bei Tageslicht – bestätigen muss.

All diese und viele andere interessanten Aspekte der Evangelienberichte über die letzten Tage Jesu finden erudite Behandlung und teilweise erstaunliche Auflösungen in diesem für Naturwissenschaftler und Theologen gleichsam hoch interessanten Werk. Ich wünsche diesem Buch eine breite Leserschaft – auch in Deutschland – wofür jetzt beste Voraussetzungen durch das Erscheinen der deutschen Übersetzung im Urachhausverlag (s.o.) geschaffen sind.

Israel: Christlich Schulen werden zum Schließen genötigt – Christen in Israel bitten um Fürbitte

AKREF/pm 11.08.2015
Wie Middle East Concern berichtet, hat eine neue Politik im Blick auf Privatschulen in Israel die Existenz dieser in Frage gestellt. Bisherige Zuschüsse vom Staat sind gekürzt worden, gleichzeitig wurden die Schulgebühren, die von den Eltern verlangt werden dürfen, gedeckelt. Mit den verbleibenden Mitteln sei es unmöglich, den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten.
Es gibt 47 christliche Privatschulen in Israel, die vorwiegend von Palästinenstern und israelischen Arabern besucht werden. Die Vertretung der Christlichen Schulen in Israel hat in einem Pressebericht vom 9.8.2015 die Befürchtung geäußert, das die christlichen Schulen zum Schuljahresbeginn nicht werden öffnen können.  Ein Gespräch mit dem Präsidenten Reuven Rivlin und dem Kultusminister Naftali Bennet ist für Ende August anberaumt. Christen in Israel bitten um Fürbitte, das in dem Gespräch eine Lösung zum Fortbestehen der Schulen gefunden werden kann.

“Sie werden euch hassen!” – Christenverfolgung weltweit nimmt zu

von Pfr. Dr. Paul C. Murdoch

Dass Jesus mit seiner Botschaft auf Ablehnung stoßen würde, war ihm bewusst. Seine Jünger warnte er: “Ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe, darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben”. Er sagte ihnen weiter “sie werden euch hassen”.  Seien wir uns darüber im Klaren: Auch wenn es eine Vielzahl von Erklärungen für das Phänomen der Christenverfolgung gibt – Christen werden aus einem Grunde in Wirklichkeit verfolgt. Sie werden verfolgt, weil die Botschaft, die sie bringen, bestehende Strukturen in dieser Welt verändern will. Diese Veränderung ist eine Bedrohung für die Mächte, die regieren. Nicht die Menschen, die sich Christen nennen, sind das Objekt des Hasses, sondern die Botschaft, die sie vertreten und verbreiten. Je mehr sich diese Botschaft verbreitet, desto größer ist der Widerstand. Das erklärt, warum nicht missionierende Kirchen eher in Ruhe gelassen werden. Es erklärt ferner, warum die Christenverfolgung stetig zugenommen hat bis in unsere Tage hinein. Das zwanzigste Jahrhundert allein brachte mehr an Opfern von Christenverfolgung als alle neunzehn Jahrhunderte zuvor.

Nicht jeder verfolgte Christ ist ein Märtyrer im Sinne von Blutzeugen. Als geringsten gemeinsamen Nenner für alle Definitionen, die für “verfolgte Christen” verwendet werden, nenne ich folgende: Ein verfolgter Christ ist einer, der nicht verfolgt würde, wenn er den Namen “Christ” nicht trüge. Dabei dürfen wir nicht verkennen, dass es in der Regel einen vordergründigen Anlass für die Christenverfolgung gibt, der es scheinen lässt, dieser Christ würde aus anderen Gründen verfolgt werden als aus Glaubengründen. In den allerseltensten Fällen wird Aggression direkt mit einer Christusfeindlichkeit begründet.

Verfolgungssituationen entstehen nicht spontan. Es ist immer eine Entwicklung zu erkennen, die zur Verfolgung führt. Werden Christen in ihrer Andersartigkeit zunächst toleriert, führen Argwohn oder auch bewusste Ablehnung der Glaubensinhalte oder Lebensweise der Christen zu einer Art Duldung, die negativ besetzt ist. In diesem Klima entsteht in erster Linie Desinformation, die die öffentliche Meinung gegen Christen anheizt – wie wir es im Rahmen von Christival in Bremen, der Pro Reli Initiative in Berlin, “Q-Rage”, dem Marburger Seelsorge- Psychotherapiekongress sowie in diversen Fernsehreportagen und dem neu erschienen Buch “Mission Gottesreich” aktuell erleben. Erst auf Grund gezielter Desinformation entsteht ein Klima, in dem Diskriminierung und Unterdrückung für “normal” angesehen werden. Gezielte und systematische Verfolgung wird von einer Gesellschaft erst praktiziert oder geduldet, wenn entsprechende Feindbilder aufgebaut und diskriminatorische Praktiken sich etabliert haben. Die Dynamik der Verfolgung kennt also folgende Stadien, die fließende Grenzen haben und teilweise auch parallel laufen:

Toleranz 

  Duldung 

  Desinformation 

  Diskriminierung 

  Unterdrückung 

  Pogrom artige Ausschreitungen 

  gezielte Verfolgung 

  systematische Verfolgung 

Es sind drei Umgebungen, in denen die Unterdrückung und Verfolgung von Christen in größerem Maße vorkommt:

A. ausgesprochen religiös begründete Verfolgung

B. Verfolgung durch totalitäre Staaten/Despoten

C: Verfolgung durch korrupte Systeme

Die Stufen der Verfolgung und die Bereiche, in der die Verfolgung vorkommt, möchte ich anhand von einigen wenigen Fallbeispielen verdeutlichen. Die Liste der Länder und der Formen der Verfolgung/Unterdrückung ließe sich beliebig erweitern.

 

A. ausgesprochen religiös begründete Verfolgung

Indien

Eine seit dem von Hindutva-Aktivisten verübten Mord and Missionar Staines und seine Söhne nicht mehr gebrochene Kette von gewalttätigen Übergriffen gegen Christen erreichte ihren vorläufigen Höhepunkt im September 2008, als im Bundesstaat Orissa 50.000 Christen aus ihren Häusern und Dörfern vertrieben wurden. Zirka 200 von Ihnen wurden kaltblutig ermordet, Frauen und Kinder in ihren Hütten und Häusern verbrannt. Wenige haben bislang in ihre Dörfer zurückkehren können und leben noch in Flüchtlingslagern. Hoffentlich entspannt sich die Lage jetzt nach den Wahlen in Indien. Die Übergriffe sind in ihrer Brutalität und Grausamkeit bewusst als Warnung an die christliche Bevölkerung, den status quo des hinduistischen Systems nicht zu stören.

Türkei

Weil das “Türkentum” auch am Islam festgemacht wird, werden andere Ethnien – oder auch Gruppen türkischer Abstammung anderer Religionszugehörigkeit – an den Rand der Gesellschaft,  oder auch über denselben hinaus gedrängt. Vor weniger als 100 Jahren hatte die Türkei mehr als 20% Christen in der Bevölkerung, darunter griechisch orthodoxe, syrisch orthodoxe und armenisch orthodoxe Christen. Heute sind es weniger als 0,2%. Hier sind die Stufen 6. – Pogrom artige Ausschreitungen, 7. – gezielte Verfolgung, und 8. – systematische Verfolgung voll implementiert gewesen. Heute sind es die Stufen 2 – 6, mit denen die in der Türkei verbleibende winzige Minderheit zu tun hat. Zuverlässige Zahlen über “heimliche Christen” – vor allem unter den Aleviten, die ebenfalls unterdrückt werden, kann es naturgemäß nicht geben.

In der Zeit vor und nach den Morden an drei Christen in Malatya im April 2007 gab es verstärkt Desinformation und Propaganda gegen Christen in den türkischen Medien. Katholische Priester sind mehrfach überfallen worden. Der armenisch-türkische Publizist Hrant Dink war Anfang 2007 von einem jungen Ultranationalisten ermordet worden. Unbekannte haben am 4. November 2006 im Westen der Türkei eine protestantische Kirche mit Brandsätzen angegriffen. Monate lang wurden die Protestanten in Odemis,100 Kilometer von Izmir  von Unbekannten schikaniert.  Trotz wiederholter Anzeigen durch den Pastor, unternahm die Polizei nichts. Erst nach den jüngsten Angriffen untersucht sie mit einer Antiterroreinheit den Vorfall.

Pakistan

In Pakistan kommt es regelmäßig zu Übergriffen gegen Christen. Christen wegen “Blasphämie”, worauf die Todesstrafe steht – auch wenn sie noch nicht angewandt wurde -, an zu zeigen ist ein probates Mittel diese schutzlosen Menschen empfindlich zu treffen. Oft nehmen Muslime die Dinge aber auch selbst in die Hand. Entführungen, Vergewaltigungen und Zwangsbekehrungen von Frauen sind – wie in Ägypten auch – eine ständige Gefahr für junge Christinnen. Vor Ostern  ist ein christlicher Journalist mit seiner Familie untergetaucht, weil er Todesdrohungen extremistischer Muslime erhalten hat. Der 43-jährige George Masih hatte sich im vorigen Jahr in mehreren Artikeln in der Zeitung Aaj Kal (“heutzutage”, Lahore) für mehr Demokratie ausgesprochen. Daraufhin erhielt er Drohbriefe von der islamischen Organisation Tanzeem. Wenn er und seine Familie nicht Muslime würden, müsse er mit „schlimmen Folgen“ rechnen. Seit neuestem müssen Christen in von den Taliban kontrollieren Gebieten die islamische Kopfsteuer für Christen entrichten.

Indonesien

Selbst in diesem sonst eher besonnenen Vielvölkerstaat und zahlenmäßig größten islamischen Staat der Welt kommt es immer wieder zu religiös motiviertem Hass gegen Christen mit grausamen Folgen. Die Brandschatzung von 400 Kirchen und zahllosen Dörfern in einem Monat auf den Molukken mit Hunderten von Toten, die grausame Köpfung dreier Teenager-Mädchen auf Poso, die Verurteilung zu mehrjährigen Haftstrafen für Sonntagsschullehrerinnen und Bomben- sowie Maschinengewehranschläge auf Kirchen in den letzten Jahren seien nur als einige, wenige Beispiele genannt.

Ägypten

Die starke christliche Minderheit der Kopten (8-12% der Gesamtbevölkerung und ursprüngliche Bewohner Ägyptens) wird konsequent unterdrückt. Die Einhaltung der Vorgaben des “Pakt von Umar”aus der Expansionszeit des Islam wird implizit heute noch von den Christen erwartet. So wurde kürzlich ein 14jähriger koptischer Christ, der während einer vorbeiziehenden islamischen Beerdigungsprozession nicht von seinem Esel stieg, noch während der Prozession verschlagen und es wurden gegen Läden christlicher Kopten Steine geworfen. Die Polizei griff erst mit großer Verzögerung ein und nahm 50 Kopten und 10 Muslime fest.

B. Verfolgung durch totalitäre Staaten/Despoten

Gott sei Dank ist die Zahl der totalitär geführten Staaten gesunken. Aber es Gibt sie noch – wie etwa Eritrea, wo über 2000 Christen wegen ihres Glauben unter übelsten Bedingungen – teilweise sogar in Schiffscontainern – inhaftiert sind. Auch hier nur einige, wenige Beispiele:

Nordkorea

In Nordkorea gibt es gezielte und systematische Verfolgung von Christen. Im April 2005 wurde zwar berichtet, es entstünden wieder Kirchen in Nordkorea, einem Land, das lange Zeit für seine Feindseligkeit gegenüber jeglicher anderen Religion, besonders dem Protestantismus, bekannt war. Aber bislang lässt sich keine Lockerung verifizieren. Im Gegenteil wird in letzter Zeit die Schraube weiter zugedreht. Es wird sogar von den Staatssicherheitskräften auch aktiv im angrenzenden China nach aktiven Christen aus Nordkorea gesucht. In der stalinistischen Ideologe haben sich Risse gebildet und die nordkoreanische Regierung hat Angst, die Kontrolle zu verlieren, da sich immer mehr organisierte Gruppen von Christen bilden. Religionsstatistiker gehen davon aus, dass sich über 400.000 Christen im Verborgenen treffen. Vermutlich sind bis zu 100.000 in Arbeitslagern eingesperrt. Aus China ausgewiesene nordkoreanische Flüchtlinge drohen in ihrer Heimat harte Strafen, sogar Hinrichtungen. Flüchtlinge berichteten, dass Kinder abgeschobener Frauen getötet würden.

Das ist überhaupt der Punkt in totalitären Staaten. Die Oligarchie hat Angst, dass Menschen eine andere Autorität anerkennen könnten als ihre eigene. Besonders schlimm für sie ist es, wenn Menschen in Gott eine absolute Autorität anerkennen und dadurch die staatliche Autorität relativieren (Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen, Apg 5,29).

Vietnam

Der Vorsitzender der baptistischen Kirche in der Kreisstadt Long Khanh, Pastor Than Van Truong, sollte in der Psychiatrie zum Schweigen gebracht werden. Der ehemalige frühere Hauptmann der vietnamesische Volksarmee geriet ins Visier des vietnamesischen Geheimdienstes, als er sich öffentlich zum Christentum bekannte und Baptist wurde. Er verlor deswegen seine Kriegsinvalidenrente. Seit 1996 wurde er mehrmals verhaftet. Er war zunächst ohne Gerichtsurteil wegen angeblicher Schizophrenie in einer psychiatrischen Klinik und wurde mit starken Medikamenten behandelt, so dass er zeitweise unter Lebensgefahr stand. Nachdem er seine Entlassung aus der Klinik gefordert hatte, vervierfachten die Ärzte die Medikamentendosierung, die erhebliche motorische und vegetative Störungen zur Folge hatte. Er wurde als gebrochener Mensch entlassen.

Die Bergstämme Vietnams, die Christen geworden sind, werden systematisch unterdrückt, von Ihren Ländereien vertrieben, ihre Kirchen zerstört u.a.m.

Birma/Myanmar

Lange haben die Militärs den Buddhismus instrumentalisiert – vor allem im Kampf gegen die Christen unter den Karen, den Karenni, den Chin und den Kachin. Unter den Minderheiten im Norden des Landes kam es in den letzten Jahren zu großen Zuwächsen in den Kirchen. Es entstanden neue christliche Gemeinden. Das passt weder den Militärs noch den buddhistischen Funktionären. Sie wollen einen einheitlichen Staat: ein Volk und eine Religion. Alles, was sich dieser Ideologie widersetzt oder was in den Augen der Militärjunta diesem Ziel widerspricht, wird erbarmungslos ausgemerzt. Die Karen leiden seit vielen Jahren unter den harten „Strafaktionen“ der Armee. Dörfer werden niedergewalzt, Kinder als Söldner missbraucht, die Frauen vergewaltigt und die Männer erschossen. Pastor Om Kee wurde im Jahr 2003 entführt. Seitdem hat die Familie kein Lebenszeichen von ihm erhalten. Es wird angenommen, dass er im Gefängnis ermordet wurde.

Solche totalitären Staaten suchen das Volk zu einem Einheitsmenschen zu klonen. Christen, die sich als das Ebenbild Gottes verstehen, lassen das nicht mit sich machen, darum werden sie von der Regierung verfolgt.

 

Laos

Auch in Laos nimmt die Regierung Christen aus Volksstämmen ins Visier. In der letzten Märzwoche 2005 wurden 24 christliche Bru aus vier Dörfern in Muangphin verhaftet. Die Gläubigen sind geschlagen worden, als sie ihrem Glauben nicht abschwören wollten. Sie sind bei glühender Sonnenhitze ohne Hemd oder Nahrung ein bis  zwei Tage lang an Pfähle gefesselt und mit roten Ameisen gepeinigt worden. Einige Gefangene hätten halb nackt und mit Stricken gefesselt stundenlang in einer von Waldameisen wimmelnden Dschungelgegend ausharren müssen.

C: Verfolgung durch korrupte Systeme

Gott ist ein Gott der Ordnung, der aus dem Chaos “Kosmos” – Ordnung geschaffen hat. Sein Widersacher versucht diese Ordnung zu zerstören. In Ländern und Gebieten, wo die öffentliche Ordnung nicht durch den Staat aufrecht erhalten wird, wie z.B in Chiapas (Mexiko), Coca-anbaugbiete in Bolivien und Kolumbien oder im von Anarchie erschütterten Irak, gibt es weder Schutz für Christen, noch ein staatliches Interesse daran.

Kolumbien

Die Verfassung Kolumbiens, z.B., garantiert Religionsfreiheit, die jedoch durch die ständige Gewalt vonseiten Guerillagruppen, der Drogenkartelle, korrupten Behörden und traditionellen indianischen Religionsgruppen gefährdet ist. Engagierte, missionarisch aktive Christen gelten als Feinde oder Verräter. Sie sind oft Ziel von Mordkomplotten; immer wieder werden Missionare bedroht, entführt und ermordet. Nicht wenigen Christen hat ihr Eintreten gegen das organisierte Verbrechen den Tod gebracht. Christ zu werden, ist für einen Guerillero so gefährlich, dass er deswegen umgebracht werden kann. Das Christentum steht im Gegensatz zur marxistischen Weltanschauung und einer Kultur der Gewalt. Im April 2009 sind wieder drei evangelistisch tätige Christen ermordet worden.

Irak

Anfang April 2009 gab es nach einer kurzen Ruhepause erneute Christenmorde im Irak. In Bagdad und Kirkuk wurden vier Christen ermordet. Es lässt sich kaum festlegen, ob das extremistische Muslime mit reinen politisch-religiösen Motiven sind, oder kriminelle Banden hinter solchen Anschlägen stecken. Selber machen nämlich die Banden diesen Unterschied nicht. Die irakischen Christen leiden seit der Invasion 2003 sehr unter gewalttätigen Übergriffen, Plünderung, Mord und Vergewaltigung. Die Christen können sich auf den Schutz des Staates nicht verlassen.

Simbawe

Auch in Simbawe geraten Kirchen und Christen, die gegen die Willkür und den Despotismus protestieren, unter Druck. Manchen bleibt nur der Weg ins Exil.

Fazit:

Die Gründe für Christenverfolgung sind unterschiedlich – und hängen doch letztlich zusammen (s.o.). Dabei spielen verschieden Aspekte eine Rolle: wo Menschen Christen werden und ihren Lebensstil ändern wird die Angst in der Gesellschaft vor Veränderung allgemein angesprochen. Argwohn vor dem Unbekannten und Fremden rufen Ablehnung hervor. Autoritäts- und Machtgefüge könnten ihre Vormachtstellung verlieren, wo Menschen in Christus ihre Würde und Freiheit entdecken.  Diese Dinge könnten als soziale oder politische Gründe für die Verfolgung von Christen angesehen werden. Sie können es vordergründig auch sein.  Aber hinter dem allem sind geistliche Beweggründe am Werk. Der Fürst dieser Welt will sich nicht geschlagen geben – obwohl er am Kreuz besiegt worden ist und Jesus am Ende der Zeit den Sieg davon tragen wird und das eintritt, was im Phipipperhymnus verheißen ist: „in dem Namen Jesu sollen sich beugen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen sollen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.”(Phil 2,10f)

Christen werden verfolgt, weil sie die Herrschaft Jesu über sich und über diese Welt anerkennen. Das stört die Machtgefüge, das fordert geistlichen Widerstand heraus. Das ist nicht immer gleich zu erkennen. Oftmals werden Übergriffe auf Christen als „politisch motiviert“ abgetan. Unterdrückung von Christen durch die Mehrheitsgesellschaft wird als „ethnisches Problem“ beschrieben. Oberflächlich betrachtet kann das sogar stimmen. Aber dahinter verbirgt sich eine eigene Dynamik, die oben beschrieben wurde.

Dr. Paul C. Murdoch gibt in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Arbeitskreises Religionsfreiheit der Deutschen Evangelischen Allianz (AKREF) 14-tägig einen kostenlosen E-Mail-Rundbrief mit Gebetsanliegen für verfolgte Christen (ein kurzes Anliegen pro Tag) sowie ausführliche – ebenfalls kostenlose –  AKREF-Nachrichten  heraus (25-75 S.). Er ist Pfarrer der Württembergischen Landeskirche und Studienleiter im Albrecht-Bengel-Haus ab 1.9.2009.

Wenn Sie die AKREF-Gebetsanliegen bestellen möchten, schicken Sie bitte eine leere Mail an listmgr@ead.de mit dem „Betreff“ (RE:) „subscribe akref-gebetsanliegen“ (ohne Anführungszeichen). Um die ebenfalls kostenlosen AKREF-Nachrichten zu bestellen, schicken Sie ebenfalls eine leere Mail an listmgr@ead.de mit dem „Betreff“ (RE:) „subscribe akref-nachrichten“ (ohne Anführungszeichen).

Warum lässt Gott es zu? – Christ sein und Leiden

einige Gedanken als Skizze…

1.Petr. 3, 17 Denn es ist besser, wenn es Gottes Wille ist, dass ihr um guter Taten willen leidet als um böser Taten willen. 18 Denn auch Christus hat einmal  für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist.

Schon immer fragen Menschen, warum es das Leid gibt und warum Gott das Leid zulässt. Fünf Gedanken sollen uns die Thematik näher bringen:

1) Das Leiden als Kondition des Lebens in einer gefallenen Welt

Es ist besser, wenn es Gottes Wille ist, dass ihr um guter Taten willen leidet als um böser Taten willen”. In erster Linie leiden wir um unserer bösen Taten willen.

1 Mose 3 17 sagt was die Konditionen unseres Lebens in der gefallenen Welt sind: “verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. 18 Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. 19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.”

Das Leiden gehört zum Leben in der durch Sünde verdorbenen Welt. Weil der Mensch sich auf Gott, auf seine Fürsorge und seine Wegweisung nicht vertraut hat, trägt er als Folgen. Seine Wahl, dem Teufel mehr als Gott zu vertrauen, bedeutet, die Beschwernisse des Irrwegs auf sich nehmen zu müssen. Wenn ich vom richtigen Weg abkomme, dann habe ich die Folgen des schlechten, beschwerlichen Wegs zu tragen.

2) Das Leiden als Erziehungsmittel Gottes

Manchmal führt uns Gott aber schwere Wege, ohne dass eine spezielle Schuld vorliegt, ohne, dass dies als Konsequenz der eigenen Sünde zu werten wäre. Aber selbst dort, wo Gott straft, dort segnet er auch. Die Strafe ist nicht das Ziel, die Strafe ist die Lösung. Gott kann Leid in Segen verwandeln, wie wir an zahlreichen biblischen Gestalten sehen können:

Josef – Ohne die scheinbaren Irrwege seine Lebens, wäre Josef nie dorthin gekommen, wo Gott ihn haben wollte und wo er am Segensreichsten wirken konnte. Hiob – Gibt es irgend ein Leid, dass Hiob zur Ablehnung Gottes berechtigte?  Seine Frau beschwört ihn: “Verfluche doch dein Gott und sterbe!” Hiob bleibt aber treu. Er weiß im Grunde seines Herzens, dass Gottes Weg der einzige, und darum beste Weg für ihn ist. David – Gott mutete David eine lange Warte- und Vorbereitungs- Zeit zu. Als Jugendlicher, vielleicht sogar noch als Kind schon gesalbt zum König Israels, musste er  Jahrzehnte auf die Erfüllung warten. In dieser Zeit ist er unter widerwärtigen Bedingungen zur Aufgabe herangereift. Jeremia – Der Prophet zeigt uns: Klagen ist noch keine Sünde, wenn ich mich am Ende Gott und seinem Willen beuge. (Jer 15  10-20), so auch die vielen Klagepsalmen!  Paulus muss sein “Dorn im Fleisch” ertragen – und die daraus resultierende Erkenntnis gewinnen: Gottes Gnade ist genug!

3) Das Leiden als Erlösungsweg

Denn auch Christus hat einmal  für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist.”

Jesus schafft durch sein stellvertretendes Leiden Abhilfe für uns. Er leidet nicht, weil Gott das Leiden sehen muss, um gnädig gestimmt zu werden. Es geht  nicht um Anselm von Canterbury’s Satisfaktionsgedanke! Jesus nimmt unser Leiden auf sich, um uns von dieser Last in Ewigkeit zu befreien. Die “Leiden dieser Zeit” sind vorübergehend und zeigen nur wie groß die Herrlichkeit ist, die auf uns wartet: “Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll” (Röm 8,18) .

4) Sinn und Sinnlosigkeit des Leidens

Leiden als Folge der Sünde muss man nicht als Sinn-erfüllt betrachten – es sei denn, es führt zur Buße und Bekehrung. Viele Menschen Leiden deshalb Sinn-los, wenn auch nicht Grund-los. Ihr Leiden ist in der Sünde gegründet  – Röm 6,23a “Denn der Sünde Sold ist der Tod;” aber wenn die Sündenerkenntnis zur Buße führt, dann gilt:   Röm 6,23b “die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.”

nur im Tragen wird das Leid erträglich…”

Ein Aspekt des Leides der Gläubigen hängt mit dem Stellvertretendes Leiden Jesu zusammen. Paulus spricht mehrmals davon, z.B. Gal 6,2   “Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen”. Das Gesetz Christi ruft uns in die Nachfolge, wo uns derselbe Weg zugemutet wird, den Jesus zu gehen hatte.

Es geht darum, das Leid aus der Welt zu schaffen! Das Leid wird aus der Welt getragen, nicht verbannt!  Jesus trug unsere Sündenlast. Wir dürfen an den Lasten anderer mit-tragen – und dabei Gottes besondere Nähe erfahren! Mt 11, 28 sagt uns “Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.”  Phil 1, 29 bringt es auf den Punkt: “Denn euch ist es (die Gnade!) gegeben um Christi willen, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden…”

5) Der Spezialfall: Leiden für Christus

Christenverfolgung hat einen völlig anderen Grund, als das allgemeine Leiden in der gefallenen Welt. In der eben zitierten Stelle Phil 1,29 heißt es “hyper christou“ – für Christus, an seiner Stelle zu leiden. Er bezieht uns in sin Werk mit hinein!

Das bestätigt auch der Apostel Petrus in unserem Kontext seines ersten Briefes Kap 2, 19ff

und hier im 3. Kapitel ab V.14 “Und wenn ihr auch  leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch nicht vor ihrem Drohen und erschreckt nicht”. Mit unseren Versen kommt die Begründung, warum es Sinn macht und warum wir uns nicht fürchten brauchen, wenn wir um Jesu willen leiden: “Denn es ist besser, wenn es Gottes Wille ist, dass ihr um guter Taten willen leidet als um böser Taten willen. Denn auch Christus hat einmal  für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist.

Zeit – verliehen, verloren, verheißen!

(PDF-Download: Zeit_verliehen_verloren_verheissen Vortrag PM_überarb)

(Hauptvortrag beim TurmTreff/Jahresfest des ABH Jan. 2015)

Die Zeit ist ein Geschenk Gottes. Sie ist uns verliehen. Sie ist eine Dimension der Schöpfung Gottes, die uns gegeben wurde, um uns das Leben zu ermöglichen. Von diesem Geschenk, das uns verliehen ist, machen wir unterschiedlich Gebrauch. Wo wir es nicht im Sinne unseres Schöpfers tun, wird die Zeit zu verlorener Zeit. Dabei steht die Zeit als Geschenk Gottes unter seinen Verheißungen.

Zeit – verliehen, verloren, verheißen. Diese Zusammenhänge möchte ich mit Ihnen zum Auftakt unseres diesjährigen „Turmtreffs“ im Albrecht-Bengel-Haus erkunden. Viele Gedanken, die ich hier streifen werde, werden in den Seminaren dieses Turmtreffs Vertiefung finden.

Das Alte Testament beschäftigt sich in einer grundlegenden Art und Weise mit dem Thema Zeit. Dabei verwendet es gewöhnlich den Begriff „Tag“, wie wir es aus der Schöpfungsgeschichte kennen, oder „Stunde“. Etwa „in den Tagen“ Noahs, von der vergangenen Zeit gesprochen, und von der Zukunft gesprochen „in jenen Tagen“… (Jer). Jesus sagte zu seiner Mutter: Meine Stunde ist noch nicht gekommen (Joh 2,4). Verblüffend ist, dass nach der Sintflut von Anfang der neuen Weltordnung an die Bibel die Tage des Lebens auf Erden gezählt und somit bemessen und eingeschränkt hat. In 1Mose 8,22 heißt es: Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Das geordnete Weltall, der Kosmos, in dem der Mensch als Gegenüber Gottes leben und gedeihen kann, ist ein Projekt auf Zeit: eben „so lange die Erde steht…“

Beim Segen Jakobs über seine Söhne wird das noch deutlicher. Sein Segen bezieht sich auf das Ziel Gottes mit seinen Erwählten. 1Mose 49,1: Und Jakob berief seine Söhne und sprach: Versammelt euch, dass ich euch verkünde, was euch begegnen wird in künftigen Zeiten. Was Luther und andere hier als „künftige Zeiten“ wiedergeben, heißt wörtlich „am Ende der Tage“! בְּאַחֲרִ֥ית הַיָּמִֽים / ἐπ᾿ ἐσχάτων τῶν ἡμερῶν). Gottes Plan mit der Welt ist ein Plan mit der Weltzeit. Die Zeit, die wir in dieser Welt haben, ist von Gott geschenkte, verliehene Zeit, eine Zeit, Sein Ziel zu verwirklichen. Wir reden darum von Gottes Geschichte mit dieser Welt, von der Heilsgeschichte, mittels der Endzeit er die Herrschaft über seine Schöpfung wieder erringt. Claus Westermann hat 1969 ein ungeheuer wichtiges Büchlein von nur 47 S. Länge in der Reihe Calwer Hefte (Bd. 100) unter dem Titel geschrieben „Anfang und Ende der Bibel“. Darin erläutert er den inneren Zusammenhang zwischen Anfang und Ende der Bibel und zeigt die heilsgeschichtliche Linie von der Schöpfungsgeschichte bis hin zur Offenbarung des Johannes auf.

Die Zeit ist das Projekt Gottes mit der Menschheit. Es ist vom Anfang bis zum Ende Gnadenzeit. Die Zeit ist uns gegeben, um Gottes Plan mit uns zu verwirklichen.

I) Verliehen – das Gottesgeschenk der Zeit

Wir kämpfen gegen die Zeit und doch leben wir von der Zeit! Wie alles andere, was Gott uns gibt, kann die Zeit als Segen oder als Fluch betrachtet werden.

Die Uhr tickt… Warum wirkt der Satz so negativ, so bedrohlich auf uns? – Weil wir die Zeit als verronnene Zeit erleben. Dabei wird uns mit jedem Ticken der Uhr neue Zeit zur Verfügung gestellt! Oft sagen wir „ich habe keine Zeit!“ Was wir wirklich dabei meinen, ist, dass wir mit den Dingen, die wir schon tun, ausgelastet sind, und nur Dinge mit einer höheren Priorität anpacken würden – wobei anderes dafür liegenbleiben müsste.

Ich habe im Grunde NUR Zeit – sonst nichts… Außerhalb der Zeit gibt es nichts, das ich haben könnte. Nur innerhalb der mir verliehenen Zeit habe ich Leben mit seinen Möglichkeiten. Die Zeit ist Möglichkeit an sich! Merken wir uns das: Wir haben immer so viel Zeit, wie wir uns nehmen…

Andere Kulturen gehen anders mit der Zeit um: Ost-Afrikanische Männer müssen z-B.durch Müßiggang die Zeit „spinnen“ – damit die Frauen genug davon haben, um mit der Arbeit in Haus und Hof, im Garten, auf Acker und Weide fertig zu werden!

Aber für alle Menschen aller Zeiten und Kulturen gilt dasselbe: Nur im Hier und Jetzt ist die Zeit erfahrbar und erlebbar. Das Vergangene können wir nicht zurückholen, und dem Kommenden können wir weder vorgreifen, es verhindern, noch es heraufbeschwören.

Für uns als Christen ist es ein ungemein großer und wichtiger Trost, zu wissen: Meine Zeit steht in Deinen Händen Ps 31,16 (Schlussakkord mit Uwe Rechberger). Gott ist Herr über Raum und Zeit. Er lenkt das Geschick unserer Welt und der Zeit. In Daniel 2, 19f heißt es: Gelobet sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit, denn ihm gehören Weisheit und Stärke! Er ändert Zeit und Stunde.

Gott ist Herr der Zeit und führt die Geschichte dieser Welt im Sinne von Heilsgeschichte zu seinem gesetzten Ziel! Alles hat seine Zeit (Prediger 3,1ff), aber nur Gott hat die Zeit im Griff. Unsere Zeit ist endlich. Auch das Sterben hat seit dem Sündenfall seine Zeit – so ist es bestimmt. Der Sünde Sold ist der Toddie Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn (Röm 6,23)! Jesus Christus hat die Grenzen der Zeit durchbrochen und uns das ewige Leben geschenkt! Im Hebräerbrief heißt es Hebr 9,27f: Und wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht: so ist auch Christus einmal geopfert worden, die Sünden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil. Die Zeit hat ein Ziel. Das Ende der Zeit ist das Ziel der Zeit (Eschatologie-Seminare Rolf Sons / Uwe Rechberger). Was die Endzeit betrifft, kann ich die Angst schon herausnehmen: Fritz Grünzweig hat in seinem Kommentar zur Offenbarung betont – und Gerhard Maier hat das in seinen beiden Bänden zur Offenbarung bestätigt: Die Offenbarung ist als Trostbuch der Gemeinde Christi gemeint und nur so zu verstehen! Am Ende der Zeit steht für Gottes Kinder die Erfüllung aller seiner Verheißungen!

Wir Leben in der Zeit, die uns verliehen ist: Wir sind Kinder unserer Zeit. Dass wir Kinder unserer Zeit sind, gilt übrigens für jede Altersgruppe. Wir atmen den Zeitgeist und sind nur bedingt unabhängig von diesem. Gegen den Zeitgeist zu leben heißt nicht nur, gegen den Strom zu schwimmen. Wir können nämlich nicht gegen den Strom der Zeit schwimmen. Die einzige wahre Unabhängigkeit vom Zeitgeist, aus der heraus wir mit unserem Lebensentwurf dem Zeitgeist trotzen könnten, ist die völlige Hingabe an den Geist Gottes – und selbst dann werden wir nicht aus der Zeit und ihrem Strom herausgenommen. Das ist auch nicht unser primäres Ziel – wie mein Kollege Clemens Hägele in seinem Seminar zum Zeitgeist ausführen wird. Vielmehr geht es darum, die Zeit, die uns geschenkt ist, in unserer Zeit aus Gottes Hand zu nehmen und vor seinem Angesicht aus so zu füllen, wie er es für uns erdacht hat. Hier kommt es auf unseren Auftrag an. Was hat uns Gott für die Zeit aufgetragen? Darauf kommen wir gleich. Davor noch ein paar Anmerkungen.

Meine Generation z.B., die „Baby-boomer“ (*1945-1964) ist eine Protestgeneration. Manche haben gegen den Status Quo in Staat und Gesellschaft protestiert. Wir im ABH haben gegen den Status Quo an der Fakultät und in der Kirche protestiert.

Die darauf folgende Generation-X, bzw. Baby-Busters (*1965-1979) gilt entweder als die „stille“, bzw. „schweigende Generation“, oder – in Deutschland – als „Generation Golf“ (das ist das Mindeste, was „man“ fahren darf). Das gilt ebenso im Bereich der Gläubigen wie der Ungläubigen. Während die Boomer-Generation zwanzig Jahre anhielt, verkürzt sich die Zeit der schweigenden Generation auf fünfzehn Jahre. Wir empfinden es nicht nur so, als würde die Zeit sich beschleunigen. Es ist so!

Die auf Generation-X folgende Generation-Y oder „Millenial Generation“ (*1980-2000) wird bereits in mehrere Perioden unterteilt, weil die Veränderungen so schnell stattfinden. In Europa werden die älteren (die Generation Dreißig) auch „Generation Gesamtkunstwerk“ genannt, deren Leben eine einzige Inszenierung als Lebens(Kunst)werk verstanden wird. Die sogenannten „Mosaiks“, die in Ihrer Jugend die ersten Berührungen mit dem Internet durch einen graphischen Browser (Mosaic) hatten, sind aber schon längst abgelöst von der Generation Facebook, der nichts schlimmeres passieren kann, als keinen Internetzugang oder gar ein kaputtes Smartphone zu haben…

Wir sind alle Kinder unserer Zeit. Je nach Alter sind wir unterschiedlich geprägt von unserer Zeit. Zur selben Zeit kann der Zeitgeist für unterschiedliche Gruppierungen radikal unterschiedlich sein. Während die Generation Facebook unbändige Hoffnung für die Zukunft hat (es ist schon immer alles da gewesen, und Frieden ist die Konstante, die sie kennen), haben deren Großeltern größte Sorgen im Blick auf die Zukunft ihrer Enkel, im Wissen, dass der demographische Wandel keinen Anlass zur Hoffnung gibt.

Es ist schon seltsam: Entweder wir schlagen die Zeit tot, oder sie erschlägt uns.

Auffällig für unsere Zeit ist, dass noch nie in der Geschichte so viel Zeit aufgewendet wird, um die Zeit zu vertreiben. In dem schönen Dorf, wo ich zuletzt als Pfarrer dienen durfte, gab es 1995, als ich dort begann, nur noch ein einziges Haus, vor dem noch eine Sitzbank stand. Heute steht sie zwar noch, wird aber nicht mehr benutzt… Aus der Interaktion und Kommunikation auf der Straße, wie es die Allerältesten unter uns noch kennen, ist ein Konsumieren innerhalb der eigenen vier Wände geworden. Vor allem das Aufkommen des Fernsehens hat unsere Lebensweise verändert. Für einige Jahrzehnte stand der passive Konsum vor den Bildschirmen ganz im Mittelpunkt. Dass das nicht auf lange Sicht den Menschen befriedigen konnte, ist logisch. Der Mensch ist auf Interaktion angelegt. Mit dem Aufkommen des Internet 2.0 knapp vor der Jahrtausendwende hat sich das radikal verändert. Zwar konsumiert die junge Generation-Y immer noch viele Inhalte hauptsächlich per Internet. Deswegen hat der Gesetzgeber seit 2008 auch auf persönliche Computer GEMA-Gebühren erhoben und seit 2013 vom Gebühren- aufs Beitragsmodell für alle Haushalte umgestellt, egal welche Geräte jeweils zum Einsatz kommen. Die Unterhaltung und Bespaßung haben einen enormen Stellungswert in unserer Gesellschaft bekommen. Ich weiß nicht, wie viele Besucher hier beim Turmtreff heute sind, aber zu den (durchaus genialen) Theateraufführungen unserer Studenten zu Beginn des Jahres kamen insgesamt etwa 1000 Personen…

Mein Kommilitone im Bengelhaus zu der Zeit, als diese Türme hier entstanden, Peter Hahne, schreibt in seinem immer noch sehr lesenswerten Buch „Schluss mit lustig“:

„Wenn die Spaßgesellschaft wirklich der »Endzustand der Säkularisierung« ist und der heitere Genuss so manche Leerstelle füllt, wo in der Persönlichkeit früher die Überzeugungen saßen – wenn das stimmt, dann beginnt mit der Sinnsuche das Ende dieses Spaßes. Die Spaßgesellschaft ist jedoch auch das Ergebnis einer ökonomischen Entwicklung, einer explosiv steigenden Unterhaltungsindustrie, die sich nicht ohne weiteres und vor allem nicht freiwillig zurückdrehen lassen wird und will. Spaß machen ist ein ernstes Geschäft. Und Spaß macht sich vor allem bezahlt. »Ohne Spaß würde die Weltwirtschaft zusammenbrechen, schon deshalb darf er nicht aufhören«, warnt der Berliner »Tagesspiegel«. Dennoch scheint mir der Konkurrenzkampf zwischen Gottesdienst und Erlebnisbad, zwischen Sinnstiftern und Spaßmachern wieder völlig offen. Den sich vergnügenden Massen ist das Lachen vergangen, weil man sich ja bekanntlich kaputtlacht …“

Wie die Menschen von heute ihre Zeit gebrauchen…

„Mehr als eineinhalb Stunden täglich verbringen Kinder und Jugendliche in Deutschland durchschnittlich mit Computerspielen. Jeder Fünfte der 16- bis 18-Jährigen „daddelt“ sogar drei Stunden und länger. Diese Zahlen ermittelte der Branchenverband Bitkom.[1]

„In Deutschland spielen 93 Prozent aller Kinder und Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren Computer- und Videospiele. …Die 10- bis 12-Jährigen spielen im Schnitt 76 Minuten pro Tag, die 13- bis 15-Jährigen 111 Minuten und die 16- bis 18-Jährigen 124 Minuten.[2]

„Auch zwischen den Generationen sind die Spielzeit-Unterschiede deutlich. Die 14- bis 19-Jährigen spielen mit 136 Minuten im Schnitt am längsten. Bei den 50- bis 64-jährigen Gamern sind es hingegen rund 90 Minuten, die täglich mit dem Spielen verbracht werden.

Das klingt im ersten Moment viel, zum Vergleich muss aber bedacht werden, dass jeder Deutsche im Durchschnitt 220 Minuten pro Tag Fernsehen schaut. Und dabei handelt es sich um das Mittel der Gesamtbevölkerung inklusive jener Menschen, die gar keinen Fernseher besitzen, und nicht wie bei den Gamern um jene, die angaben, dass sie Computerspiele nutzen.[3]“ „Die über 50-jährigen Deutschen verbringen täglich durchschnittlich 4 Stunden vor dem Fernseher, und 4 Prozent der 50 – bis 74 – jährigen Menschen gaben an, fünf bis sechs Stunden täglich fernzusehen.“[4]]

Es gibt aber auch eine Gruppe von Menschen, die vor lauter Beschäftigung gar nicht mehr hinterherkommt und vor lauter Umgetrieben-sein unter der „Tyrannei des Dringlichen“ leidet und nicht zu dem kommt, was wirklich wichtig wäre…(Charles E. Hummel). Dazu zählen Pfarrer, Politiker, Familienväter und Mütter… Wie viele Menschen fühlen sich gestresst und abgehetzt? Vielleicht sollten wir anders herum fragen – ich glaube es fiele mit dem Zählen leichter! Schauen wir nur die Parteiprogramme an und was davon in einer Wahlperiode umgesetzt werden kann. Die Politik ist dazu gezwungen, ihr Agieren in den meisten Fällen auf die Reaktion zu beschränken. Gestaltungsfreiheit ist kaum mehr vorhanden. Das ist aber nicht nur im Bereich der Politik so. Kennen wir das nicht aus unserem eigenen Erleben? Allein die Bewältigung aller Alltagspflichten, gekoppelt mit den vermeintlich wichtigen Dingen und den ganzen Verwaltungsmaßnahmen, die auch dem privaten Bereich nicht erspart bleiben, gehört zu den „Zeitfressern“, die uns daran hindern, nicht nur dringend wichtige Dinge, sondern  w e s e n t l i c h e Dinge zu tun. Wir müssen uns auf unseren Auftrag besinnen!

Wenn wir uns in die vergangen Jahrhunderte zurückversetzen, in die Siedlerzeit, Gründerzeit, Zeit der Kolonialisierung und der Industrialisierung, dann stand die Aktion, nicht die Reaktion an erster Stelle. Es hat sich in der Gesellschaft etwas verselbstständigt, und viele leben nicht mehr, sondern werden gelebt… Die Schlagworte meiner Generation lauten: „Ausstieg“ aus dem Status Quo, Ablehnung des Establishment und eigentlich jeder Form der Autorität, das „Hamsterrat“ in dem die „Spießer“ gefangen seien, „Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll“ als Parole für das wirkliche Leben… In meiner Jugend gab es ein Broadway-Musical unter dem Titel „Stop the world, I want to get off!“ (Haltet die Welt an, ich will aussteigen). Ein gleichnamiges Lied lief immer im Radio. Inzwischen sind die meisten Aussteiger wieder voll eingestiegen, und das Pensum hat sich noch weiter beschleunigt!

Kehren wir zum einleitenden Gedanken zurück: Die Zeit ist ein Geschenk Gottes. Sie ist uns verliehen. Sie ist eine Dimension der Schöpfung Gottes, gegeben, um uns das Leben zu ermöglichen. Sie ist uns gegeben, damit Gott seinen Heilsplan an uns ausführen kann. Die Zeit ist verliehene Zeit. Wir können sie nicht „spinnen“, schaffen, uns nehmen. Sie ist der Rahmen, der uns gegeben ist.

Die Zeit, die mit Jesus Christus anbricht, ist in besonderer Weise verliehene Zeit – es ist seiner Kirche verliehene Zeit, um die Völker zu Jüngern zu machen, sie für die Nachfolge Jesu Christi und für sein Reich zu gewinnen. Die Zeit der Kirche ist in besonderer Weise Gnadenzeit. Der Apostel Paulus schreibt 2.Korinther 6,2 Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils. Es ist die Endzeit, die mit Jesus angebrochen ist! Und es liegt eine besondere Verheißung auf dieser Zeit, wie wir sehen werden: Nämlich darin, dass Jesus Christus selbst uns seinen Beistand überall, wo wir in seinem Auftrag unterwegs sind, zusichert!

Teilweise ist diese Zeit auch im missionarischen Bemühen des Leibes Christi wirklich ausgekauft worden. Allein in den letzten 250 Jahren der modernen Weltmissionsbewegung hat sich das Zentrum der Christenheit von der nördlichen in die südliche Hälfte der Erdkugel verlagert. Das liegt aber leider nicht nur an den Erfolgen der Mission in Afrika und Südamerika. Es liegt auch am Versagen der Kirchen in Europa und Nordamerika. Manche haben die Zeit ausgekauft, für andere war diese Zeit seit der Aufklärung teilweise auch verlorene Zeit, vergeudete, verpasste und verschleuderte Zeit.

II) Verloren – die zerronnene Zeit, die verpassten und verpatzten Möglichkeiten

Auch wenn es besondere „Kairos-Zeiten“ gibt, Zeiten der besonderen Gnade, dürfen wir nicht zu der Ausrede greifen, dass unsere misslichen Lage nur darauf zurückzuführen sei, dass jetzt keine Gnadenzeit sei! Jesus sagte seinen Brüdern Joh 7,6 Meine Zeit ist noch nicht da, eure Zeit aber ist stets bereit. Damit will er sagen, dass wir immer eine Verantwortung für unsere Zeit tragen – auch wenn es keine Sternstunde des Wirkens Gottes gerade jetzt ist.

Schon der Lateiner Horaz (* 65 v. Chr.; † 8 v. Chr.) hat den Spruch geprägt „Carpe diem“ – ergreife den Tag. Paulus sagt uns in Eph 5,16: Kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Und Kol 4,5 Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind, und kauft die Zeit aus.

Kauft die Zeit aus, denn es ist böse Zeit… Die Zeit ist zwar für uns da, aber sie schafft dort gegen uns, wo wir die Zeit nicht auskaufen! Jesus hat das eindringlich geschildert in seinen Gleichnissen vom Wachen. Die klugen Jungfrauen etwa als Vorbilder des wachsamen Wartens – das Licht leuchten lassen bis Jesus kommt! Die Törichten holt die Zeit ein – es gibt ein „zu spät“! Den reichen Kornbauer ereilt es gerade, als er sich ins gemachte Nest zur Ruhe setzen will. Wir sollen den Herrn der Ernte bitten, dass er Arbeiter in die Ernte schicke, die dazu reif ist. Wir sollen Heu machen, so lange die Sonne scheint!

Wenn es eine Sache gibt, die unsere Welt in diesen Tagen braucht, dann sind das Christen, die auf das Kommen des Herrn und Heilandes dieser Welt aktiv warten und ihr Licht nicht erlöschen lassen! Wir brauchen Christenmenschen, die bereit sind, ein Zeugnis für ihren Herrn zu sein. Ich behaupte nicht, dass das einfach wäre. Aber es ist unbedingt notwendig! Wie finster ist es unter den Kirchtürmen Deutschlands und Europas geworden…

Als der Indienmissionar und anglikanische Bischof Lesslie Newbigin nach England in den Ruhestand zurückkehrte, erschrak er über den Fortschritt der Säkularisierung und den Zustand des Christentums in Europa. Er schrieb:

„Ich sehe mich gezwungen anzuerkennen, dass in der Welt von heute die schwierigste missionarische Front die ist, welcher sich die Kirchen im ganzen gesehen so wenig bewusst sind; nämlich die Grenze zwischen der Welt des biblischen Glaubens und der Welt, deren Werte und Überzeugungen unablässig auf dem Fernsehschirm in die Häuser eingespeist werden…. England ist eine heidnische Gesellschaft, und die Entwicklung einer wirklich missionarischen Begegnung mit dieser harten Form des Heidentums ist die größte intellektuelle und praktische Herausforderung, der sich die Kirche zu stellen hat.“ Dasselbe gilt für Deutschland und den Rest Europas!

Wir haben für unsere Zeit einen Auftrag. Die Zeit der Kirche ist zu Recht die Zeit der Mission genannt worden. Jesus sendet seine Nachfolger als seine Zeugen „bis an das Ende der Erde“ (Apg 1,8). Das Wort, das hier für „Ende“ der Erde benutzt wird, wird auch für das Ende der Zeit in der Bibel gebraucht. Das Ende der Erde im räumlichen Sinn korrespondiert zu dem Ende der uns verliehenen Zeit, zu der Zeit, die wir haben, die frohe und froh machende Botschaft weiterzusagen. Analog zu dem Fall, wie „Welt“ in der Bibel verwendet wird, bedeutet in der Sprache der Bibel auch „Zeit“, die „Zeit, die die Welt besteht“. Darum heißt es auch vom Ende der Zeit in Mk 13,8: … das Evangelium muss zuvor gepredigt werden unter allen Völkern.

Der Grund, warum Jesus noch nicht in diese Welt als Richter, Retter und Herrscher wiedergekehrt ist, ist der, dass wir mit der Aufgabe für die Zeit, ihn vor aller Welt zu bezeugen, noch nicht am Ziel sind. Petrus schreibt in 2Petr 3,9: Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde. Das bedeutet, dass wir in dieser Zeit, die durchaus als verlorene Zeit verstanden werden kann, doch immer noch in der Gnadenzeit leben. Die Gnade Gottes, seine Zuwendung, kann uns zur Errettung oder zum Gericht werden. Wie alles andere, was Gott uns gibt und tut, kann es zum Segen oder zum Fluch werden. Die große Frage, die sich bezüglich unserer Zeit stellt, ist, inwiefern wir Rechenschaft für verlorene Zeit ablegen werden müssen.

Gott hat uns Pfunde anvertraut – was haben wir damit gemacht? Haben wir in seinem Sinne damit gewuchert, sie unbenutzt gelassen oder gar vergeudet und verschwendet? Warum liegt die Kirche Jesu Christi so danieder bei uns in Europa, der Wiege des Christentums? Wir befinden uns in einer Zeit der Läuterung der Kirchen. Es gibt nur einen Grund, warum die Christen immer weniger Einfluss in der Gesellschaft haben, und der liegt darin, dass wir das Zeugnis vom Herrn und Heiland nicht hochgehalten haben. Das Stuttgarter Schuldbekenntnis war nur eine Momentaufnahme, wie aus dem Text und seinen guten Absichten leicht zu erkennen ist:

„…wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.

Nun soll in unseren Kirchen ein neuer Anfang gemacht werden. Gegründet auf die Heilige Schrift, mit ganzem Ernst ausgerichtet auf den alleinigen Herrn der Kirche, gehen sie daran, sich von glaubensfremden Einflüssen zu reinigen und sich selber zu ordnen. Wir hoffen auf den Gott der Gnade und Barmherzigkeit, dass er unsere Kirchen als sein Werkzeug brauchen und ihnen Vollmacht geben wird, sein Wort zu verkündigen und seinem Willen Gehorsam zu schaffen bei uns selbst und bei unserem ganzen Volk.“

Und was ist daraus geworden?

Den Wenigsten ist bekannt, dass das „Stuttgarter „Schuldbekenntnis“ an sich kein Bekenntnis ist, sondern eine Erklärung, und dass diese nicht freiwillig von der deutschen Kirchenleitung als eigenes Herzensanliege sondern auf Verlangen der internationalen Kirchen zu Protokoll gegeben wurde, weil diese sich sonst nicht im Stande sahen, die deutschen Kirchen in die internationale Gemeinschaft aufzunehmen. Auf diesem Hintergrund lässt es sich leichter erklären, warum die Stuttgarter Schulderklärung langfristig nichts auszurichten vermochte.

Auf jeden Fall ist unsere Kirche an ihrem Auftrag in unserer Generation gescheitert. Vielleicht kennen Sie das moderne Gleichnis, das an das Gleichnis Jesu vom König, der in ein fernes Land reist, angelehnt ist? Während das Gleichnis Jesu auf das Volk Israel abzielt, wird hier die Kirche Jesu Christi der Neuzeit ins Visier genommen:

Der Großgrundbesitzer beauftragt seine zahlreichen Mitarbeiter, die Zeit seiner Abwesenheit damit zuzubringen, das ganze Land urbar und fruchtbar zu machen. Zu diesem Zweck überlässt er ihnen auch reichlich Mittel. Wie im Gleichnis Jesu kommt es zu einer Verzögerung der Rückkehr des Besitzers.

Nach vielen Jahren Abwesenheit muss der Besitzer feststellen, dass außer der Parkanlage, die wie gebürstet und gestriegelt dastand, nur die nächstliegenden Äcker und einige weit entfernt gelegenen Rodungen überhaupt bewirtschaftet worden waren. Keine Mühe wurde gescheut, und viel Aufwand wurde getrieben, um den Stammsitz in Schuss zu halten. Allerdings trugen die Äcker kaum Frucht, da seine Mitarbeiter Monokultur betrieben hatten. So viel Kunstdünger ist ausgetragen worden, dass das Land zu einer Wüste zu werden drohte. Seine Enttäuschung war groß – nicht weil seine Mitarbeiter unbedingt faul gewesen wären, die hatten schon gearbeitet, sich dabei aber gegenseitig mehr behindert als geholfen. Kaum hatte der eine gesät, da pflügte der nächste schon um. Jeder hat es besser gewusst als der andere. Statt die Methoden derer, die bei den einzelnen Rodungen in der Ferne beachtliche Erfolge erfahren hatten, auf den nahe gelegenen Feldern anzuwenden, hat man sie ignoriert und keine Lehre daraus gezogen, geschweige denn ein Praktikum dort gemacht oder darum gebeten, dass jene Anleitung gäben für die Arbeit in der Heimat. Sie hatten stattdessen ihren Wohlstand so gut wie möglich verwaltet und den Status Quo mit leichten Verschiebungen bewahrt.

Wir sind so damit beschäftigt, unseren Wohlstand zu verwalten, und sind so verstrickt in den Nebenschauplätzen des kirchlichen Handelns, dass wir in höchster Gefahr sind, unseren Auftrag zu vernachlässigen. An Stelle des Evangeliums von Jesus Christus werden kunstvolle Reden gehalten, die niemandem helfen. Wir haben allen Grund, dankbar dafür zu sein, dass unser Herr noch Geduld mit uns hat, und dass wir heute noch in der Gnadenzeit leben! Kaufen wir die Zeit aus, dass sie nicht zu verlorener Zeit wird!

III) Verheißen – von der Zeit zur Ewigkeit

In Eph 5,16 ermahnt der Apostel Paulus die Gemeinde: und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Ich wiederhole: Wo wir die Zeit nicht auskaufen, schafft die Zeit gegen uns. Gott gibt uns mit seinem ewigen Reich eine Perspektive, die über die Zeit mit ihren Zwängen hinausweist. Im Reich Gottes werden wir nicht mehr Sklaven der Zeit sein! Dort, wo wir das Ziel erreicht haben werden und den Sieg erlangt, dort wird auch unser Streben nach Glück und Erfüllung ein Ende haben – es wird erfüllt!

Am Ende des ersten Teils haben wir es von der besonderen Gnadenzeit der Kirche gehabt, von der Endzeit, die mit dem Kommen Jesu Christi beginnt und mit seiner Wiederkunft endet. Im Advent sangen wir: Seht, die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde… Und den Text aus Gal 4,4f wurde uns ins Gedächtnis gerufen: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen.“ Als die Zeit erfüllt war… Es gab eine besondere Zeit, eine angenehme Zeit, eine opportune Zeit, einen Kairos, zu dem Gott die Gunst der Stunde nutzte, um durch das Heilswerk Jesu die neue Zeit, die Endzeit einzuläuten, sie verheißend vorwegzunehmen. Wir dürfen wissen, dass die Zeit bereits erfüllt ist. Gott ist in Jesus Christus zu uns gekommen, um in unserer Mitte zu wohnen und bereitet jetzt schon eine Stätte für uns, damit wir bei Ihm sein können (Joh 14). Gibt es einen trostreicheren Gedanken? Hierher gehört auch die Verheißung, von der ich eingangs sprach: Zusammen mit seinem Auftrag, die Völker zu seinen Jüngern zu machen, hat Jesus verheißen „und siehe ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende!“ (Mt 28,20). Die Gemeinschaft mit Ihm, die mit unserer Gotteskindschaft begann, heute im Heiligen Geist besteht, wird am Ende der Zeit Vollendung finden!

Die Zeichen der Zeit erkennen.

Jesus hielt seine Jünger an, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Was sind die Zeichen der Zeit für uns? Ich will den heute noch stattfindenden Seminaren nicht vorgreifen. Ich will nur fragen: Ist es nicht jetzt Zeit zu begreifen, dass Gottes Liebe uns zur Umkehr treibt (Röm 2,4)? Die ganze Problematik mit unserem demographischen Wandel, mit der notwendigen Zuwanderung im großen Stil, mit der Flüchtlingsnot weltweit und den bei uns Asyl Suchenden macht uns große Not. Die daraus erwachsenden Probleme der „Clash of Cultures“ (Zusammenprall der Kulturen) und des gesellschaftlichen Friedens werden uns immer mehr beschäftigen. Flüchtlinge und Zuwanderer sind nicht das Problem an sich, sondern der missionarische und dschihadistische Eifer mancher Muslime, die unsere Gesellschaft zuerst „islamkompatibel“ und dann „islamkonform“ machen wollen. Dabei verbieten sie sich jedwede Form der Missionierung unter Muslimen. Das ist freilich auch der Grund, warum unter 2% aller christlichen Missionare in der islamischen Welt tätig sind. Und das, obwohl der Anteil der Muslime an der Weltbevölkerung 25% beträgt und an der nicht christlichen Weltbevölkerung sogar 50%. Der „Apostel für die islamische Welt“, Samuel Zwemer (1867–1952), hat schon laut darüber nachgedacht, ob die Christenheit meine, der Mission- und Taufbefehl gelte nicht im Blick auf die Muslime…

Wenn unsere Zeit diesbezüglich ein besonderes Merkmal hat, dann ist es dies: Nie zuvor in der Geschichte haben so viele Muslime inmitten einer freiheitlich geprägten, demokratischen Gesellschaft gelebt. Nie zuvor gab es die Chance für so viele Muslime, sich Jesus Christus zuzuwenden, ohne begründete Angst vor Repressalien – auch durch den Staat – haben zu müssen! Nehmen wir die Muslime bei uns nur als Bedrohung, oder auch als Chance wahr?

Martin Luther sagte in Reaktion darauf, als die Türken das erste Mal vor Wien standen: „Die Türken sind Gottes Rute und ihre Bedrohung Ausdruck des Zornes Gottes.“ Nun ist aber Gericht auch immer Gnade, wo es auf Einsicht trifft und die Herzen auf Gott richten kann… Wie schon angedeutet, glaube ich, dass diese Rute Gottes uns zum Segen werden kann. Auch jetzt scheint die Zeit reif zu sein für den besonderen Einbruch des Ewigen in die Zeit. Es könnte eine historische Stunde in der Geschichte der Mission unter Muslimen werden. Anders als bei der angestammten deutschen Bevölkerung ist eine Offenheit für das Evangelium unter Muslimen da! Werden wir die Muslime unter uns als Chance und Geschenk Gottes begreifen, oder sie nur als Bedrohung wahrnehmen? Das Gericht über das ehemals christliche Abendland ist in vollem Gange. Wird dies uns zum Segen, oder zum Fluch gereichen?

Ich komme zu Leslie Newbigin zurück. Er sagt an anderer Stelle über die Notwendigkeit der Mission:

“Wenn das Evangelium nur ein Zugang zum Verständnis von Religion ist, die für mich etwas bedeutet, mir hilft und Wohlbefinden vermittelt, dann habe ich eigentlich kein Recht, mich in die jeweils eigene Glaubensauffassung anderer Menschen einzumischen, die auf jeweils ihrem Weg einen Frieden und eine Sicherheit anstreben, wie es sich die Menschen ersehnen. Aber das Evangelium ist die Wahrheit und deshalb wahr für alle Menschen: Es ist die Enthüllung des Angesichts dessen, der alles erschaffen hat, von dem jeder Mensch abstammt und zu dem schlussendlich jeder Mensch kommen muss. Es offenbart den Sinn menschlicher Geschichte, den Ursprung und die Bestimmung der Menschheit. Jesus ist nicht nur mein persönlicher Erlöser, er ist Herr über alles, die Ursache und der Eckstein des Universums. Wenn ich dies glaube, ist hiervon Zeugnis abzulegen der wirkliche Grund meiner ganzen Existenz. Wenn ich denke, ich kann es für mich behalten, dann glaube ich eigentlich nicht wirklich. Die Weltmission ist daher nicht etwas Zusätzliches, sondern der eigentliche Prüfstein, ob die Kirche auch wirklich an das Evangelium glaubt.”

Was heißt das für uns?

Keiner scheint ein Rezept zu haben, wie die Aktualität des Evangeliums den Menschen unserer Tage überzeugend näher gebracht werden könnte. Wenn es eins gibt, dann wird es garantiert damit beginnen, dass unser Lebensstil als Christen sich von anderen erkennbar unterscheiden wird. Es muss erkennbar werden, dass wir von der Vergebung Jesu leben und so zu einem neuen Leben befreit sind. Der Lehrtext am heutigen TurmTreff-Tag lautet: Wenn euch der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei. Johannes 8,36. Um es mit dem geistigen Vater der meisten heutigen Agnostiker und Atheisten Friedrich Nietzsche zu sagen: Wenn an der Erlösung etwas dran ist, müssen wir für unsere Mitmenschen erlöster wirken. Nur so könnten wir die zurückgewinnen, die sich vom christlichen Glauben verabschiedet haben. Die Kraft Gottes im neuen Leben durch seinen Geist muss doch spürbar werden! Paulus schreibt in 1Kor 1,18: Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft. Lasst uns um diese Gotteskraft für unsere Aufgabe im Bezeugen von Jesus Christus vor den Menschen unserer Zeit beten!

Aber fangen wir mit dem Missionsbedarf in Deutschland bei den Menschen an, die immer mehr zu uns ins Land kommen: die Menschen muslimischen Glaubens. Kaufen wir hier die Zeit aus? Die Mission unter Muslimen in Deutschland steckt immer noch in den Kinderschuhen, obwohl die erste Moschee Deutschlands schon 1925 eröffnet wurde und seit Anfang der sechziger Jahre ein ungebrochener Strom von Muslimen als Zuwanderer und Asylanten zu uns kommt.

Rolf Scheffbuch sagte uns 1984 im Schorndorfer Kirchenbezikstreffen der Pfarrer, es seien 550.000 Muslime in Deutschland und kein einziger deutscher Missionar, der vollzeitlich versucht, sie zu erreichen … Es gab einige wenige ausländische Missionare, in der Hauptsache Skandinavier, aber wenig Unterstützung dafür aus christlichen Kreisen im Lande. Heute gibt es an die 5.000.000 Muslime in Deutschland, Menschen, die Gott zu uns geschickt hat – vielleicht weil sie in ihren eigenen Ländern so schwer von Jesus erfahren und nach dem Gesetz nicht konvertieren dürfen?

Ich träume von einer Kirche, die in die Offensive geht und Evangelisten ausbilden lässt und einstellt, um solche Menschen für Jesus Christus zu gewinnen. Wenn die Kirche das nicht von sich aus tut, müssen wir es selbst in die Hand nehmen! Wenn es die einzelne Gemeinde oder Gemeinschaft nicht stemmen kann, dann auf der Ebene der Gemeinschaftsbezirke oder Kirchenbezirke! Die Liebenzeller und Süddeutschen gehen mit gutem Beispiel voran mit Projekten in und um Stuttgart und Heilbronn, aber das ist noch ein Tropfen auf dem heißen Stein! Fordern Sie doch Hilfe von den Liebenzellern oder der Ausländerseelsorge oder dem Orientdienst an! Ich träume davon, dass Gemeinden und Gemeinschaften einen Missionar für ihr Gebiet anfordern mit der Zusage der Kostenübernahme und der Unterstützung – auch durch ehrenamtliche Mitarbeiter… Das soll kein Ersatz für den eigenen missionarischen Auftrag sein, im Gegenteil! Es könnte helfen, dass Gemeindeglieder sich in diese wichtige Arbeit mit einbinden lassen. Mit der Gründung von EIMI (Europäisches Institut für Migration und Integration) an der AWM (Akademie für Weltmission) in Korntal haben wir eine wichtige Ressource für diesen Auftrag bekommen.

Wie wäre es, wenn wir die sonst für so beklemmend wahrgenommene Situation mit der Islamisierung Europas als Chance und als Geschenk Gottes sehen würden? Warum das nicht als von Gott gestellte Aufgabe sehen? Alles Gut-Reden hilft nichts. Wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen. Der Einfluss, den der Islam als Religion in Europa hat, steigt stetig, und wir sind erst am Anfang dieser Entwicklung. Die Politik kann dies leugnen, so viel sie will, der Bürger nimmt es wahr, weil es sich nicht verbergen lässt. Die Politik muss es aus eigener Sicht leugnen, weil sie keine Möglichkeiten sieht, etwas daran zu ändern. Wir aber dürfen mit Gott und seiner Macht rechnen! Wir haben eine ganz andere Perspektive auf die Situation! Die Zeichen der Zeit 2015 in der Bundesrepublik Deutschland weisen uns auf die wichtige Aufgabe, die wir in der Mission vor unserer eigenen Haustür haben. Ich bin überzeugt, dass das Zeitfenster, das wir für die Missionsarbeit unter Muslimen hier in Europa haben, sehr knapp bemessen ist. Schon in wenigen Jahren rechne ich mit Klagen der islamischen Verbände gegen Missionsarbeit unter Muslimen. Ob wir noch zehn Jahre haben? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass wir die Zeit auskaufen müssen, und darum halten wir das Thema Islam in regelmäßigen Lehrveranstaltungen im ABH unter unseren Studierenden und Freunden wach.

Einen Vorteil hat die Erstarkung der islamischen Präsenz in Deutschland trotzdem schon mit sich gebracht: Christus ist wieder ein Thema in der Theologie geworden. Die Kirchen haben sich angesichts des Islam auf das ihnen Ureigene zurückbesinnen müssen. Ich bin überzeugt, dass, je näher unsere Theologen in Tuchfühlung mit den islamischen Überzeugungen kommen, desto klarer ihr Blick für das wird, was den christlichen Glauben ausmacht – sofern sie nicht der antichristlichen Propaganda des Islams erliegen. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Glaube als solches wieder „hoffähig“ geworden ist. Muslime bekennen ihren Glauben ohne Scheu in allen Medien, auf der Straße, am Arbeitsplatz, in den Schulen. Zögerlich, aber doch erkennbar kommen Christen aus ihren Verstecken und wagen es, über Glaubensthemen in der Öffentlichkeit zu reden. Das haben wir den Muslimen zu danken! Wir können nur hoffen und beten, dass der Bekennermut der Christen weiter zunimmt! Letztlich ist die starke islamische Präsenz bei uns im ehemals christlichen Abendland ein Weckruf, uns auf unsere Wurzeln zu besinnen und die Gelegenheit zu ergreifen, ihnen die frohe Botschaft von Jesus Christus darzulegen und nahe zu bringen. Hier in Europa können wir (noch) frei unseren Glauben bekennen und bezeugen – auch Muslimen gegenüber. Hier können Muslime sich bekehren und zu Jesus Christus als Herrn und Retter bekennen wie Thomas es seinerzeit tat: „Mein Herr und mein Gott!“ – ohne dass sie von offizieller Seite dafür bedroht oder belangt werden können. Ich glaube, dass dies eine historische Chance ist, eine Chance die nicht verstreichen darf. Es ist das Gebot der Stunde, es ist die einmalige Gelegenheit unserer Zeit. Ich glaube, dass jetzt ein Kairos dazu da ist. Nie zuvor haben so viele Menschen in der arabischen Welt Interesse am Evangelium gezeigt. Große Scharen kommen zum Glauben an Jesus Christus durch Internet, Radio und Satellitenfernsehen. Es könnte dazu kommen, dass solche Menschen zu Missionaren für ihr eigenes Volk werden. Die strenggläubigen Muslime haben so davor Angst, dass sie den Sender Al-Hayat haben sperren lassen. Die Zeit ist reif wie nie zuvor für am Islam enttäuschte Menschen, zum Glauben an Jesus Christus zu finden. Hier heißt es carpe diem! Gerade auch bei uns in Deutschland und Europa. Ergreife den Tag! Ich kann mir das nicht anders vorstellen, als dass, wenn wir diese historische Chance verstreichen lassen, die Gnadenzeit zu verlorener Zeit und die Chance zum Verhängnis für uns wird…

Bei allem gilt es in erster Linie auf Gottes Verheißungen zu schauen! Gottes Verheißungen gelten für sein Volk und für sein Reich. Wie viele Verheißungen hat er uns doch gegeben! Ich glaube fest daran, dass die Prophezeiung Gottes an das darniederliegende Volk Jerusalems auch uns in unserer Zeit gehört: Jer 29,11: Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet. Die Zeit zielt auf das Ende, sein Ziel. „Thelos“ ist im Griechischen beides – nicht das unheilvolle, abrupte, jähe Ende, sondern das Ende eines Weges im Sinne vom Ziel, das auf diesem Weg erreicht wird.

Selbst die Züchtigungen Gottes sollen Segen und Frucht bringen. Es kommt nur darauf an, dass wir auf allen unseren Wegen Einsicht in seine Führungen zeigen und uns seinen Gerichten fügen. In Hebr 12,11 heißt es: Jede Züchtigung aber, wenn sie da ist, scheint uns nicht Freude, sondern Leid zu sein; danach aber bringt sie als Frucht denen, die dadurch geübt sind, Frieden und Gerechtigkeit. Und darüber hinaus gilt: Röm 8,18: Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

Nutzen wir doch die Zeit als verheißene Zeit aus! Fassen wir Mut, uns unerschrocken zum Herrn der Geschichte und der Welt im Alltag zu bekennen! Er selbst hat versprochen, bis zum Ende bei uns zu bleiben im Erfüllen seines Auftrags! Dem Profilschwund der Gläubigen in der Gesellschaft müssen wir ein Ende setzen. Es ist Zeit zum Aufstehen!

[1] http://www.t-online.de/eltern/jugendliche/id_69907188/computerspiele-jugendliche-verdaddeln-taeglich-eineinhalb-stunden.html

[2] http://www.bitkom.org/de/markt_statistik/77045_79666.aspx

[3] http://winfuture.de/news,77456.html

[4] Becker, Julia. Ältere Menschen und Computerspiele: Eine Untersuchung der Gruppen älterer Computerspieler und älterer Nichtspieler und deren Vergleich hinsichtlich verschiedener Beschreibungsmerkmale sowie Motivationen und Einstellungen zu Computerspielen. diplom.de, 2008.

Die islamische Welt gerät in Bewegung

Endlich wird auf höchster Ebene um das Wesen des Islam gerungen

Die ehemaligen Unterstützer der Dschihadisten des Islamischen Staates gehen auf Distanz. Jordanien und Saudi Arabien sind die Gotteskrieger eine Gefahr geworden. Sie eliminieren nicht nur die Feinde der Sunniten. Sie lehnen die bestehende Staatsordnung der islamischen Welt ab und stellen sich so gegen die Königshäuser. Das uralte Problem des Kalifats und der Staatsmacht, das von Anfang an die islamische Welt gespaltet hat (Kharidschiten, Schiiten, Stürze der Umajjaden, Abbasiden, Seldschuken, Fatimiden etc.) ist heute noch ein latentes Problem in der islamischen Welt. Sind die Königshäuser, Emiraten, Sultanaten und sonstige Staatsformen seit den Umajjaden legitime Formen der islamischen Gesellschaft? Die Vertreter der Kalifatsidee wollen diese Staatsformen abschaffen und zum Kalifat zurückkehren. Hier ist noch gar nicht die Rede von neuen Staatsformen wie Demokratie… Die bestehenden politischen Mächte bekommen es mit der Angst zu tun und beginnen auf Distanz zu gehen zu den konservativsten islamischen Kreisen. Das Königshaus der Ibn Saud hat den Großmufti Saudi Arabiens schon im Herbst 2014 öffentlich gerügt dafür, dass junge Menschen sich dem bewaffneten Dschihad anschließen und hat die Teilnahme mit einer Haftstrafe belegt. Seither warnt der Großmufti davor. Aber auch ein bin Ladin war Saudi Araber…

 

Die Probleme in der Islamischen Welt sind unübersehbar. Libyen versinkt im Chaos. Die Machtfrage lässt das Land im Vakuum nach Gaddafi nicht zur Ruhe kommen. Der Libanon und Jordanien bereiten sich schon vor auf die Rückkehr der Gotteskreiger aus Nordirak und Syrien. Im Maghreb ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Sudan hat sich in einen islamischen Norden und vorwiegend christlich geprägten Süden gespaltet. Nigeria könnte das demnächst auch bevorstehen. In Indonesien gibt es Provinzen wie Aceh, die nach der Scharia regieren wollen, andere Gebiete sind von Toleranz geprägt. Wieder andere werden nach und nach islamisiert (Papua Irian Jaya). An beiden geographischen Enden des Riesenstaates brodelt es. Die Türkei hat sich vom Europakurs verabschiedet und entfernt sich zunehmend von den laizistischen Idealen Atatürks. Wie sieht es in stabileren islamischen Staaten aus? Zwei der größten (neben Indonesien) sind Pakistan und Ägypten.

 

In Pakistan hat am 6.1.2015 das Parlament und der Senat die 21. Verfassungsänderung einstimmig beschlossen (die Vertreter der Islam Partei JI und der Islam Gelehrten Parte JUI beteiligten sich nicht an der Abstimmung), wonach Terrorismusverdächtigte aus der Bevölkerung künftig vor Militärgerichte gestellt werden können. In bewegten Reden beteuerten Vertreter der Parteien ihre Loyalität zum Islam aber auch die Notwendigkeit der Bekämpfung des durch ihrer Meinung nach falsch verstandenen Islam inspirierten Terrors. Das Land ist durch die Erstarkung der innerpakistanischen Taliban und anderer extremistischen islamischen Elemente zum Handeln gezwungen, wenn die parlamentarische Demokratie in irgendeiner Art und Weise erhalten werden soll.

 

In Ägypten herrscht nach der Entgleisung der Revolution und dem Putsch der Militärs als Präsident der ehemalige Feldmarschall Abdel Fattah Al-Sisi. Er schritt ein, um die Islamisierung des Staates durch die Muslimbrüder zu verhindern. In seiner Neujahrsansprache vor dem Ministerium für islamische Angelegenheiten gehalten an der höchsten islamischen Rechts- und Bildungsinstanz der sunnitischen Welt, der Kairoer Al-Azhar Universität, nahm er sich kein Blatt vor den Mund. Er forderte eindringlich eine Neuausrichtung des islamischen Denkens und einen Abschied vom herkömmlich verstandenen Islam, um nicht die ganze Welt gegen die Muslime aufzuwiegeln.

Hier der relevante Ausschnitt aus seiner Rede, übertragen aus der englischsprachigen Übersetzung von Michele Antaki:

 

An dieser Stelle nehme ich Bezug auf die religiösen Gelehrten. Wir müssen scharf über das nachdenken, was sich uns als Aufgabe stellt. Ich habe bereits in der Vergangenheit ein paarmal schon darauf Bezug genommen. Es ist undenkbar, dass die Denkweise, die wir für heilig halten, die gesamte Umma (islamische Welt) zu einer Quelle der Angst, der Gefahr, des Tötens und der Zerstörung für den Rest der Welt werden ließe. Unmöglich!

Jenes Denken – ich sage bewusst „Denken“ und nicht „Religion“ – jener Korpus an Texten und Ideen, die über die Zeit für so heilig gehalten worden sind, dass ein Abschiednehmen von ihnen fast unmöglich erscheint, bringt die ganze Welt in Aufruhr. Es bringt die ganze Welt in Aufruhr (erg.: gegen uns)!

Ist es möglich, dass 1,6 Milliarden Menschen (gemeint sind die Muslime der Welt) den Rest der Erdenbewohner umbringen wollte – 7 Milliarden – damit sie selbst am Leben bleiben? Unmöglich!

Ich spreche diese Worte hier an der Al-Azhar vor dieser Versammlung von Gelehrten und Ulema (Autoritäten der islamischen Rechtswissenschaften) – der allmächtige Allah sei Zeuge Eurer Wahrheit am Tag des Gerichts im Blick auf das, was ich jetzt rede.

All das, was ich Ihnen jetzt sage, können Sie nicht fühlen, wenn Sie in jenem Denken verhaftet bleiben. Sie müssen aus sich heraus gehen, um es wahrnehmen zu können und aus einer aufgeklärteren Perspektive zu betrachten.

Ich sage es und wiederhole noch einmal, dass wir eine religiöse Revolution brauchen. Sie, die Imame (religiösen Führer) tragen Verantwortung vor Allah. Die ganze Welt – ich wiederhole – die ganze Welt wartet auf Ihren nächsten Schritt… denn diese Umma wird zerrissen, sie geht verloren – und das durch unsere eigene Hand.“

 

Es kommt Bewegung in die islamische Welt – ein Tauziehen zwischen den Traditionalisten – hauptsächlich die Islamgelehrten – und den Modernisierern – hauptsächlich die Politiker und Militärs. Zu befürchten ist, dass die innerislamischen Kämpfe zunächst an Heftigkeit zunehmen werden.

 

Die jüdisch-christliche Überlieferung und der Islam

Jesus is eine wichtige Gestalt im Koran

Für den Koran, den Mohammed in Abschnitten zu verschiedenen Zeiten und Anlässen seinen Nachfolgern stets mündlich vorgetragen hat, steht der Glaube der Muslime in einer ungebrochenen Tradition von Adam über Abraham, Mose und die Propheten, inklusive Jesus (Koran Sure 3,84; 4,163. Mohammed ist der letzte Prophet in einer kontinuierlichen Reihe. Der Islam sieht Jesus als zweitwichtigsten Propheten nach Mohammed. Als Überbringer des „Indschil“ (Lehnwort im Arabischen von „Evangelium“) hat er den Willen Allahs den Heiden verkündet (Koran 2,87.136.253). „Evangelium“ ist für Muslime allerdings lediglich die Bezeichnung für das „Buch“ Neues Testament, nicht die „Frohbotschaft“ von der Erlösung durch Jesus Christus, wie Christen den Begriff verwenden. Der Koran berichtet davon, dass Jesus Wunder getan hat (3,49; in Anlehnung an das gnostische Thomas-Evangelium auch schon als Kind). Auch davon, dass Jesus „Christus“ (wird als Eigennamen, nicht als Messiastitel verstanden) von der Jungfrau Maria durch ein Wunder Gottes geboren wurde, berichtet der Koran: durch einen göttlichen Schöpfungsakt (19,20 f),  bzw. durch das Einhauchen des Geistes (19,22). Allerdings sieht der Koran ihn nur als einen Propheten, und nicht als Sohn Gottes, der für die Sünden der Welt gestorben wäre. So z.B. Koran 4,171f  „ Leute der Schrift! Treibt es in eurer Religion nicht zu weit und sagt gegen Gott nichts aus, als die Wahrheit! Christus Jesus, der Sohn der Maria, ist nur der Gesandte Gottes und sein Wort, das er der Maria entboten hat, und Geist von ihm. Darum glaubt an Gott und seine Gesandten und sagt nicht (von Gott, daß er in einem) drei (sei)! Hört auf (so etwas zu sagen)! Das ist besser für euch. Gott ist nur ein einziger Gott. Gepriesen sei er! (Er ist darüber erhaben) ein Kind zu haben. Ihm gehört (vielmehr alles), was im Himmel und auf der Erde ist. Und Gott genügt als Sachwalter. |172 Christus wird es nicht verschmähen, ein (bloßer) Diener Gottes zu sein, auch nicht die (Gott) nahestehenden Engel.“  (Zitiert nach der Übersetzung von Rudi Paret)

Der Islam ist auf dem Boden der jüdisch-christlichen Offenbarung entstanden

Mohammed hat Kontakt zu Christen und Juden von seiner Jugend an gehabt und steht in dieser Tradition. Vor allem bis zu dem Zeitpunkt seines Auszugs aus Mekka 622 n. Chr. verstand er sich als Geistes- und Seelenverwandter der Juden und Christen. Er gehörte zu einer Bewegung von Menschen, die sich „Hanīf“ (vgl. Koran 3,67; 6,79; 10,105; 16,120; 30,30) nannten und in Ablehnung der Vielgötterei den wahren Gott suchten. Mohammed sah sich eindeutig in der Tradition Abrahams, Moses, Davids und Jesu. Ein Teil seiner frühen Anhänger ist auf Grund der Verfolgung durch die Mekkaner in das christliche Reich Aksum geflohen, wo sie angeblich den Negus, den christlichen Herrscher von ihrer Rechtgläubigkeit überzeugen konnten. Es gab später Versuche, die Christen von Aksum (vielleicht auch von Nadschran, einer Stadt im Südwesten Arabiens an der Grenze zum Jemen), zu überzeugen, dass  Mohammed es nicht im Sinn hatte, eine neue Religion zu gründen, sondern sich als Reformer verstand, der die Menschen zum wahren Glauben, zur Unterwerfung unter den alleinigen Gott zurückführen wollte. Bein einem Besuch von diesen Christen in Medina bei Mohammed hat dieser ihren Glauben bestätigt: Die älteste erhaltene Biographie Mohammeds von Ibn Hischam zitiert den Koran (28,53) „Diejenigen, denen wir die Schrift früher schon gegeben haben, sie glauben daran; und wenn sie ihnen vorgetragen wird, dann sprechen sie: Wir glauben daran. Wahrlich, das ist die Wahrheit von unserem Herrn. Wirklich, wir waren schon früher Moslems (an Gott Ausgelieferte)“.

Islam heißt Unterwerfung unter Allah

Christen – und manchen Muslimen – ist es nicht bekannt, dass Mohammed die Begriffe „Islam“ und „Muslim“ nur als „Gottergebenheit“ bzw. „Unterwerfung unter Gott“ und „Gottergebener“ bzw. „Gott Unterworfener“ verwendet hat. In diesem Sinn sind auch die Gläubigen Juden z.Zt. Moses „Muslime“ (Koran 10,84;  Koran 16,43 sagt ausdrücklich  „Und wir haben vor dir immer nur Männer (als unsere Gesandten) auftreten lassen, denen wir (Offenbarungen) eingaben. Fragt doch die Leute der (früheren) Mahnung (d.h. Angehörige der früheren Offenbarungsreligionen), wenn ihr nicht Bescheid wisst! 44 (Wir haben sie) mit den klaren Beweisen und den Büchern (gesandt). Und wir haben (nunmehr) die Mahnung (d.h. den Koran) zu dir hinabgesandt, damit du den Menschen klarmachst, was (früher) zu ihnen hinabgesandt worden ist, und damit sie vielleicht nachdenken würden.“  „Das sind die Leute der Schrift.” (Jami‘-ul-Bayan Fi Tafsir Al-Qur’an von At-Tabari, Band 14 Seite 144). Für Mohammed war der Islam die universale, ewig gültige Religion, in der auch die biblische Tradition stand.

Auch weitere biblische Gestalten des Alten Testaments wie Josef, Aaron, Hiob gehören zum Traditionsgut der Muslime und kommen im Koran vor. Abraham, Noah, Josef, Jona und Maria bekommen im Koran sogar je eine eigene Sure (Abschnitt). Allerdings gehen die Darstellungen im Vergleich zu den biblischen Berichten teilweise sehr weit auseinander. Die offizielle Erklärung der muslimischen Theologen dazu ist, dass die Christen und Juden nachträglich ihre Schriften verfälscht hätten, ursprünglich seien sie aber Einklang mit dem Koran gewesen. Nach dem Verständnis des Islam sind die Berichte von biblischen Personen im Koran nicht einfach geschichtliche Überlieferungen – auch nicht von inspirierten Texten früherer Autoren, sondern direkte Offenbarungen Allahs an Mohammed durch den Erzengel Dschibril (Gabriel). Das erschwert natürlich das Gespräch mit Muslimen in diesem Punkt, denn es gibt keine erhaltenen Texte aus der Antike, die diese These der Islamgelehrten unterstützen könnte, während wir als Christen an der Integrität der Bibeltexte festhalten (Das sogenannte „Barnabasevangelium“ , auf das Islamgelehrte in dieser Frage verweisen, ist ein spätmittelalterlicher Text).

Für den Koran sind die Gläubigen des Alten wie des Neuen Testaments „Muslime“

Der Koran sieht die Gestalten des Alten wie des Neuen Testaments als wahre Muslime, deren Tradition durch die Verfälschung der biblischen Texte verderbt worden sei. Von daher führen die Dialoggespräche über die Richtigkeit der Texte des Koran und der Bibel in eine Sackgasse. Weil für die Muslime der Koran schon vor Zeit und Ewigkeit von Allah im Himmel auf einer großen Tafel aufgezeichnet worden sei und einzig und allein nach und nach Mohammed über die Mittlerschaft der Engelwelt offenbart wurde, habe der Text der Koran die ursprüngliche Bedeutung der göttlichen Offenbarung beibehalten.

Solche Muslime, welche die Bibel lesen, sind allerdings oft beeindruckt von der Klarheit und der Botschaft der Texte. Im Vergleich zum Koran ist die Bibel sehr eingängig und logisch, auch im Aufbau. Am meisten sind Muslime von den Evangelienberichten von Jesus und seiner Botschaft beeindruckt. Der Streit darüber, welcher Text Recht hat, bringt im Gespräch mit Muslimen nicht weiter. Vielmehr muss nach der Wirkung des Textes gefragt werden. Was macht das Lesen der Texte mit einem? Verändert die Botschaft des heiligen Textes das Leben? Nicht die geschichtliche Herkunft der Texte ist in diesem Fall entscheidend, sondern ihre Wirkkraft auf das Leben!

theological! – plain and simple truth